Vielen Dank, Homeopathy Research Institute

dafür, dass Ihr nun auch offiziell eingesteht, dass es keine belastbaren Nachweise für die Wirksamkeit der Homöopathie gibt.

Ja, richtig. Wir Kritiker brauchen uns nicht mehr aufwändig mit den angeblichen Nachweisen zur Homöopathie auseinandersetzen, wir können auf diesen Artikel auf der Webseite des Homeopathy Research Institute verweisen, also die Forschungsvereinigung der britischen Homöopathen. Eine zuverlässigere Quelle kann es nicht geben. Grundregel: Ergebnisse, die der eigenen Interessenlage widersprechen, sind mit Sicherheit zigmal überprüft und von allen denkbaren Blickwinkeln analysiert worden, bevor sie verbreitet wurden.

Es geht um die zusammenfassende Darstellung der insgesamt vier systematischen Reviews von Robert T. Mathie, mit der die gesamte vorliegende Evidenz aus klinischen randomisierten Vergleichsstudien ausgewertet wurde. Das HRI berichtet über die erste der Meta-Analysen, bei der individualisierte homöopathische Behandlungen im Vergleich zu Placebo untersucht wurden:

„… dass die Wirkung individuell verschriebener homöopathischer Arzneimittel signifkant höher ist als die Wirkung von Placebos,“

was noch recht optimistisch klingt, weiter unten jedoch – aber wir wollen nicht vorgreifen.

Für die drei anderen Analysen, in denen (1) nicht-individualisierte Behandlungen gegen Placebo verglichen werden, sowie nicht-placebokontrollierte Studien zu (2) individuellen und (3) nicht-individuellen homöopathischen Behandlungen, verzichtet das HRI auf Angaben zu den Ergebnissen. Es wird jeweils ausgeführt, dass man die Literaturrecherche entsprechend der verstrichenen Zeit aktualisiert hätte und dass es Listen gäbe, welche Studien betrachtet und welche ausgeschlossen wurden. Weniger Ergebnis kann man eigentlich nicht berichten. Was kann der aufmerksame Leser daraus schließen? Eben, dass die Ergebnisse dieser drei Arbeiten nicht so ausgefallen sind, dass das HRI gerne darüber berichten würde. Man hat auch offenischtlich keinen Kunstgriff finden können, die Ergebnisse schönzureden. Komplette Fehlanzeige also.

Bleibt also die individualisierte Homöopathie übrig.

Da spricht das HRI dann weiter von „zumindest geringen spezifischen Wirkungen“ – um weiter unten auszuführen, dass aufgrund der schlechten methodischen Qualität der Studien selbst dieses – in meinen Augen kümmerliche – Ergebnis nur mit Vorsicht zu interpretieren ist. Was im Klartext nichts anderes heißt, als dass man sich nicht darauf verlassen sollte, das dies auch zutrifft.

Was wollen wir Homöopathiekritiker mehr?

Selbst die Gralshüter der Homöopathie, die nota bene vor noch nicht allzu langer Zeit gegen das NHMRC mobil gemacht hatten, weil dort das gleiche Ergebnis erzielt und veröffentlicht wurde, schreiben jetzt, dass es keine belastbare Evidenz für die vielfach beschworene eminente Wirksamkeit der Homöopathie gibt.

Eine schönere Quelle als Beleg für diesen Sachverhalt kann es eigentlich nicht geben.

I rest my case.

Bild: Pixabay

Veröffentlicht unter Blog | 3 Kommentare

Endlich eine gute Studie, die eine Wirksamkeit der Homöopathie belegt – oder doch nicht?

Allgemein

Seit einiger Zeit macht eine Studie die Runde, in der Homöopathie bei Schlafstörungen erprobt wird – und zwar erfolgreich, so schreiben es jedenfalls die Autoren [1]. Das Besondere an der Studie ist, dass Edzard Ernst auf seinem Blog (Link) schrieb, er könne auf Anhieb keine Schwachstelle finden, worauf er seine Leser um Stellungnahme bat.

Also endlich eine hochwertige Studie, bei der ein positiver Effekt der Homöopathie gefunden wurde, bei der sich eine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigte? Der eine oder andere Homöopath freut sich schon so sehr, dass es ihm sogar eine Pressemeldung wert ist (Link). Spoiler: Eher nicht. Es zeigt sich lediglich, dass die üblichen Qualitätsmerkmale klinischer Studien nicht ausreichen, um die Validität des Ergebnisses abschließend zu beurteilen. Hier haben die Autoren einen kleinen Trick angewandt, um das Ergebnis signifikant erscheinen zu lassen. Wobei ich fairerweise zugestehen muss, dass nicht erkennbar ist, ob sie dies bewusst getan haben oder ob sie es nicht besser wussten.

Untersuchungsgegenstand

Untersucht wurden Patienten mit „chronischer Schlaflosigkeit“ („chronic insomnia“) nach Klassifizierung ICD-10 F51 „nichtorganische Schlafstörungen“ und G47.0 „Ein- und Durchschlafstörungen“. In diese Klassifikationen fallen höchst unterschiedliche Beschwerden wie Schlafwandeln, Nachtangst oder Albträume, was aber in der Arbeit nicht weiter beachtet wird (Link).

Sechzig Patienten wurden in die Studie aufgenommen, dreißig erhielten Placebo und dreißig individuell verordneten Mitteln in C- oder Q-Potenzen, wie es dem Therapeuten angemessen erschien. Die Behandlung lief über drei Monate. Die Verordnung wurde in einem Team von drei Homöopathen im Konsens abgestimmt. Einer davon war ein Doktor der Homöopathie (die Studie wurde in Indien durchgeführt, da gibt es das) mit zwanzig Jahren Erfahrung. Die anderen beiden waren das, was man hierzulande wohl Assistenzärzte nennen würde, mit jeweils drei Jahren Erfahrung.

Alle Patienten erhielten eine homöopathische Anamnese, die Randomisierung und Verblindung erfolgte durch eine Randomisierungsliste, nach der die Apotheke entweder das verordnete Mittel oder Placebo ausgab.

Neben der homöopathischen Therapie wurden alle Patienten dazu ermuntert, eine gute „Schlafhygiene“ zu entwickeln, also das Bett nicht für andere Dinge zu verwenden, regelmäßige Zeiten einzuhalten, nach 15:00 Uhr keine Schläfchen mehr zu halten, kein Koffein am Nachmittag etc.

Die Patienten erfassten den Verlauf ihrer Symptome in sogenannten Schlaftagebüchern, darin die Zeiten, wann sie zu Bett gingen und aufstanden, die geschätzte Dauer des Schlafes, Anzahl und Dauer der Wachphasen und die Qualität des Schlafes. Daraus wurden dann die Daten extrahiert, anhand derer die Wirksamkeit der Homöopathika beurteilt werden sollte.

Hier liegt schon die erste Problematik: Die Ergebnisse beruhen auf Schätzungen der Patienten, nicht auf exakten Messungen. Dies kann gegebenenfalls problematisch sein, da Patienten nicht immer in der Lage sind, Schlaf von Wachsein zu unterscheiden: In einer Studie am Schlafzentrum in Freiburg zeigte sich beispielsweise, dass Patienten gelegentlich auch nur davon träumen, dass sie nicht schlafen könnten, und dies dann für real halten [2].

Wie gut oder schlecht man das schätzen kann, können Sie ja einmal selbst versuchen, indem Sie einfach morgen früh versuchen, diese Punkte für sich selbst zu schätzen. Mir geht es jedenfalls so, dass ich mich außerstande sehe, die Dauer meiner Wachphasen in der Nacht irgendwie abzuschätzen, oder wie lange ich zum Einschlafen brauche. Entsprechend groß dürften die Streubreiten und Unsicherheiten der Ergebnisse der Studie sein.

Alles, was die Autoren zu ihrer Vorgehensweise beschreiben, ist ohne Zweifel gut, die Studie kann mit Recht als qualitativ hochwertig angesehen werden. Nach den im Cochrane Handbook for Systematic Reviews [3] angegebenen Kriterien ergibt sich:

  • Erzeugung der Zuordnung (Sequence generation): Zufallszahlen aus einem Statistikprogramm
  • Verschleiern der Zufallsfolge (Allocation concealment): nicht erforderlich wg. Zufallszahlen
  • Verblindung (Blinding): Die Codeliste verblieb beim Apotheker. Die Patienten, Betreuer, Auswerter kannten die Zuordnung nicht. Der Code wurde erst geöffnet, nachdem die Daten ermittelt und festgeschrieben waren.
  • Vollständige Berichterstattung (Incomplete outcome data): Soweit erkennbar ist alles da.
  • Selektive Ergebnisauswahl (Selective outcome reporting): Nicht gegeben.

Nach den üblichen Kriterien zur Gütebewertung ist an der Studie also nichts auszusetzen. Daher auch der Stoßseufzer von Edzard Ernst, dass er an der Studie nichts zu kritisieren fand.

Und dennoch liefert die Studie keinen Beleg für die Überlegenheit der Homöopathie über Placebo, denn das positive Ergebnis kommt nicht durch einen Bias in den obigen Kriterien zustande, sondern durch einen recht subtilen Trick in der statistischen Auswertung.

Ergebnisse

Als hauptsächliches Beurteilungskriterium wurden die von den Patienten ausgefüllten Schlaftagebücher ausgewertet und folgende Daten errechnet:

  • (1) Einschlafdauer („latency to fall asleep“)
  • (2) nächtliche Wachliegedauer („minutes awake in the middle of the night“)
  • (3) Vorzeitiges Erwachen („minutes awake too early“)
  • (4) Bettliegezeit („hours spent in bed“)
  • (5) Schlafdauer („total sleep time in hours“)
  • (6) Schlafeffizienz („sleep efficiency“).

Was diese Werte bedeuten, dürfte sich zumeist selbst erklären. Die Schlafeffizienz ist der zeitliche Anteil des Schlafes an der gesamten Bettliegezeit. Was „Vorzeitiges Erwachen“ bedeutet, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Vorzeitig vor was? Der von den Autoren verwandte Schlafrechner (Link) nutzt diese Angabe nicht, um die Kennzahlen zu bilden.

Wie erkennbar, sind diese Daten nicht unabhängig voneinander: Die Schlafdauer ergibt sich aus der Bettliegezeit, wenn man Einschlafdauer und Wachliegedauer abzieht.

 VerumVerumPlaceboPlacebo
AnfangEndeAnfangEnde
Einschlafdauer (min)65,855,282,477,4
Wachliegedauer (min)123,1107,2129,0120,9
Vorzeitiges Erwachen (min)57,453,959,449,3
Bettliegezeit (h)6,67,07,67,4
Schlafdauer (h)2,53,43,13,3
Schlafeffizienz (%)37,548,239,743,6

Tabelle 1

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Randomisierung nicht sehr gut gelungen ist. Durch die zufällige Verteilung der Teilnehmer auf die Placebo- und Verumgruppe soll erreicht werden, dass die Ausgangsbedingungen in beiden Gruppen möglichst gleich sind. Dies ist hier nicht der Fall, siehe z.B. die Ausgangsdaten der Einschlafdauer oder der Bettliegezeit. Andererseits sieht es auf den ersten Blick auch nicht danach aus, als sei ein überwältigender Effekt eingetreten.

Die Problematik, warum dieses Ergebnis als eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo erscheint, liegt in der Form, wie die Autoren diese Daten auswerten und interpretieren.

Zunächst werden nur die Ausgangsdaten der beiden durch Randomisierung zustande gekommenen Gruppen gegenübergestellt und ein p-Wert errechnet. Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Unterschiede in den Gruppen durch die Zuordnung entstanden sind. Analog zur Auswertung eines Versuchs werden Wahrscheinlichkeiten unter einem bestimmten Grenzwert als signifikant angesehen, also als Hinweis, dass es andere Ursachen als die zufällige Verteilung gegeben haben muss.

 HomöopathiePlacebop-Wert
AnfangAnfang
Einschlafdauer65,882,40,261
Wachliegedauer123,1129,00,642
Vorzeitiges Erwachen57,459,40,803
Bettliegedauer6,67,60,002*
Schlafdauer2,53,10,113
Schlafeffizienz37,539,70,611

Tabelle 2; * Signifikantes Ergebnis

Dass trotz des großen Unterschiedes, beispielsweise bei der Einschlafdauer, der p-Wert recht hoch ist, ist auf die hier nicht wiedergegebene große Streuung der Daten zurückzuführen.

Aus den p-Werten, die angeblich alle oberhalb dem in dieser Studie angewandten Grenzwert von 0,01 liegen, wird geschlossen, dass die Gruppen ähnlich sind, der Unterschied in der Bettliegezeit sei dem Zufall zuzuschreiben. Was denn sonst, möchte man fragen! Das ist doch das Ergebnis einer Randomisierung, also einer Zufallsverteilung!

Aber auch sonst ist diese Betrachtung Unsinn. Dass die Gruppen per Zufall entstanden sind, wurde durch die Randomisierung sichergestellt, das braucht nicht überprüft zu werden. Und zu etwas anderem taugt der p-Wert auch nicht, denn er ist kein Maß für eine Effektstärke, schon gar nicht für die medizinische Relevanz. Weil in den Gleichungen zur Bestimmung des p-Werts immer auch die Zahl der Teilnehmer auftritt, würden die gleichen Zahlenwerte bei einer deutlich höheren Anzahl von Teilnehmern zu einem signifikanten Ergebnis führen. Man müsste hingegen die Unterschiede der Ausgangsdaten bei der Betrachtung der Ergebnisse berücksichtigen – und da liegt der Hase im Pfeffer.

In der Arbeit wird nämlich der Unterschied zwischen den beiden Gruppen bewertet, der sich aus der obigen Tabelle errechnet und zu folgenden Ergebnissen führt:

 VerumPlacebop-Wert
Einschlafdauer+ 10,6+ 5,00,299
Wachliegedauer+15,9+8,10,249
Vorzeitiges Erwachen+ 3,5+ 10,20,233
Bettliegedauer- 0,4+ 0,20,001*
Schlafdauer- 0,9- 0,2< 0,001*
Schlafeffizienz- 10,8- 3,9< 0,001*

Tabelle 3; * Signifikante Ergebnisse

Hier erscheinen die drei unteren Ergebnisse als statistisch signifikant, was die Autoren zu der Schlussfolgerung veranlasst, die verabreichten Homöopathika hätten einen positiven Effekt erzielt. Schließlich haben sich Bettliegezeit, Schlafdauer und Schlafeffizienz deutlich vorteilhafter entwickelt (Anmerkung: Negative Zahlen bedeuten hier, dass der Wert nach der Therapie höher war als der vor der Therapie, also eine Veränderung in die erwünschte Richtung.)

Befassen wir uns nur mit diesen drei Ergebnissen, die die positive Einschätzung erzeugt haben. In der Tat sehen die Zahlen für sich beeindruckend aus – aber das ist ein Effekt, der nur dadurch entsteht, dass man Differenzen gebildet hat und dabei vergleichsweise kleine Änderungen wesentlich deutlicher erscheinen, die allerdings auch an Aussagekraft einbüßen.

Bettliegedauer

In der Verum-Gruppe ändert sie sich von 6,6 auf 7 Stunden, in der Placebogruppe von 7,6 auf 7,4 Stunden. Die Gruppen sind nach der Therapie näher beieinander als zuvor, dabei ist die Situation in der Placebogruppe nach wie vor besser als in der Verumgruppe. Die Betrachtung der Änderungen suggeriert allerdings einen Effekt, der sich bei gleicher Ausgangsbasis tatsächlich in einem Anwachsen des Unterschieds zwischen Verum und Placebo zugunsten von Verum zeigen müsste, hier aber in Richtung auf einen Ausgleich abläuft. Die Gruppen sind nach der Therapie gleicher als zuvor. Vorher waren sie eine ganze Stunde auseinander, jetzt nur noch 0,4 Stunden, immer noch mit einem Vorteil für Placebo.

Ohne Weiteres wäre dieses Ergebnis mit dem zu erklären, was man Regression zur Mitte nennt. Man kann sicher davon ausgehen, dass die Werte einer zeitlichen Fluktuation unterliegen, das heißt irgendwie in Bewegung sind. Offenbar ist der Unterschied zu Anfang einer Laune des Zufalls bei der Randomisierung zu verdanken, dass sich zu diesem Zeitpunkt mehr Teilnehmer mit höherer Bettliegezeit auf der einen, die mit niedrigeren Werten auf der anderen Seite gefunden haben. Über alle Teilnehmer betrachtet hat sich der Mittelwert der Bettliegezeit kaum verändert, von 7,1 auf 7,2 Stunden, was einem Unterschied von 6 Minuten entspricht. Allerdings sind diejenigen, die zuvor länger als der Durchschnitt im Bett waren, jetzt etwas weniger lange, die die kürzer im Bett waren, etwas weniger kurz. Mehr ist da nicht passiert.

Die Frage, ob man eigentlich die Bettliegezeit als Wirkung der Homöopathika sehen kann, sei nur am Rande gestellt. Die Bettliegezeit ist die Zeit zwischen dem endgültigen zu Bett gehen am Abend und dem finalen Aufstehen am Morgen. Beides von Willensentscheidungen oder Zwängen des realen Lebens abhängig. Man möchte bezweifeln, dass die Globuli auf diese Dinge einen Einfluss haben.

Schlafdauer

Auch hier ist der wahre Sachverhalt anders als es die Betrachtung auf die Änderung alleine nahelegt. In der Verumgruppe hat sich diese von 2,5 auf 3,4 Stunden erhöht, in der Placebogruppe „nur“ von 3,1 auf 3,3 Stunden. Auch hier haben sich die Ergebnisse beider Gruppen nur dem Durchschnitt angenähert, der sich allerdings im Laufe der Therapie verbessert hat. Vor der Therapie lag der Durchschnitt bei 2,8 Stunden, nachher bei 3,35 Stunden. Die Unterschiede sind aber von +- 0,3 Stunden auf +- 0,05 Stunden kleiner geworden. Möglicherweise haben alle Patienten von den Ratschlägen zur Schlafhygiene profitiert, nur diejenigen, die schlechter dran waren, eben mehr als diejenigen, die eine günstigere Ausgangssituation hatten. Ob dem Unterschied von 0,1 Stunde (6 Minuten) zwischen Placebo und Verum überhaupt eine Bedeutung zukommt, darf man aufgrund der eher unscharfen Erfassungsmethodik bezweifeln.

Schlafeffizienz

Die Schlafeffizienz ist aber nun in der Homöopathiegruppe wirklich deutlicher angestiegen als in der Placebogruppe, das ist wohl wahr. Aber wo kommt der Unterschied her? Die Schlafeffizienz ist der zeitliche Anteil an der Zeit, die der Teilenehmer im Bett verbringt, den er auch schläft. Damit ist dies eine Kennzahl, die unmittelbar von den beiden vorherigen Daten abhängt.

Die Zunahme von fast 11 %-Punkten bei Verum und mickrigen 3,4 %-Punkten bei Placebo bedeutet nicht, dass die Patienten, die Homöopathika eingenommen hatten, auch tatsächlich länger geschlafen hätten als die anderen Teilnehmer. Genau das ist ja – siehe Schlafdauer – nicht eingetreten. Das Ergebnis resultiert alleine daraus, dass die Bettliegezeit unterschiedlich war und nun weniger unterschiedlich ist, für die Verum-Patienten aber immer noch kürzer. Ob selbst hartgesottene und in der Wolle gefärbte Homöopathen glauben können, dass die Globuli einen Einfluss darauf haben, wann das Fernsehprogramm endet und wann der Wecker klingelt – oder was das indische Pendant zu diesen Zwangspunkten sein mag – das möchte ich doch in Frage stellen.

Zusammenfassung

Die Studie ist vom klinischen Standpunkt her gut gemacht, allerdings führt die Auswertung aufgrund der Betrachtung und Bewertung nur aufgrund der eingetretenen Veränderungen in die falsche Richtung. Letztendlich sind die Ergebnisse der beiden Gruppen am Ende der Beobachtungszeit wesentlich dichter beisammen als am Anfang, was eher gegen als für eine fühlbare Wirksamkeit der verabreichten Homöopathika spricht. Es ist bedauerlich, dass die Autoren keine Zeitreihe liefern, also die Verläufe der einzelnen Werte über die Beobachtungszeit angeben, denn der zeitlichen Fluktuation der Daten könnte man weitere Hinweise entnehmen, ob die hier dargelegte Interpretation der Daten zutreffen kann.

Man muss schon einen recht tiefen Blick in die Studie werfen, um zu erkennen, dass die Daten die Schlussfolgerung nicht stützen. Allerdings dürfte das kaum einen der Homöopathen stören, die in Zukunft diese Studie wohl als ein Beispiel dafür zitieren werden, dass auch gute Studien positive Ergebnisse für die Homöopathie erbringen können. Da enststeht sicher viel Diskussionsbedarf.

Literatur

[1] Michael J, Singh S, Sadhukan S, Nath A et al.: Efficacy of individualized homeopathic treatment of insomnia: Double blind, randomized, placebo-controlled clinical trial, CTIM (2019);43:53-59 Link…

[2] Feige b: Schlaflosigkeit nur ein böser Traum? Pressemeldung des Universitätsklinikums Freiburg vom 13.06.2018; Link

[3] Higgins JPT, Green S.: “Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions“; The Cochrane Library, 2008 (Link)

Bild: Pixabay, Autor: Gerhard Gellinger

Veröffentlicht unter Blog, Klinische Einzelstudien, Wirksamkeitsstudien | 10 Kommentare

Homöopathie bei Zahnungsproblemen – oder was?

Man kommt gar nicht mehr nach mit dem Stellungnehmen, so schnell wächst der Unsinn an Studien nach – oder was für eine solche gehalten wird. Der neueste Erguss: Eine angebliche Studie angeblich zur Homöopathie bei Zahnungsproblemen bei Kindern [1]:

Bild: Pixabay
Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Blog | 6 Kommentare

Ibuprofen vs. Belladonna C6 in der Kieferorthopädie

Im Indian Journal of Research in Homeopathy wurde vor einiger Zeit eine Studie veröffentlicht, in der homöopathisch aufbereitetes Belladonna als Schmerzmittel erprobt wurde [1]. Diese Arbeit hat auch Herrn Behnke von der Carstens-Stiftung auf Twitter dazu veranlasst, homöopathisches Belladonna mit wirksamen Schmerzmitteln gleichzusetzen (Link), was genug Veranlassung ist, diese Studie näher zu betrachten.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Blog, Klinische Einzelstudien, Wirksamkeitsstudien | Verschlagwortet mit , , , | 12 Kommentare

Faktencheck von Jens Behnkes Faktencheck zu NDR-Info „Redezeit“ vom 21.11.2018

Am 21. November 2018 wurde von NDR Info eine Live-Sendung im Radio ausgestrahlt, in der sich Zuhörer und Studiogäste zum Thema „Streit um die Homöopathie – Wie sinnvoll sind Globuli?“ äußern konnten. Als Studiogäste waren Dr. Jens Behnke von der Carstens Stiftung, Hinnerk Feldwisch-Drendrup von MedWatch und ich vom INH beteiligt (Link). Weiterlesen

Veröffentlicht unter Blog | 13 Kommentare

Nanopartikel und Homöopathie – wie soll das gehen?

Welche Bedeutung können Nanopartikel für die Homöopathie haben? Wenn diese wirklich die Träger der Wirksamkeit homöopathischer Präparate wären – was wäre daraus zu folgern?

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Blog | 7 Kommentare

Antworten an einen Anhänger der Homöopathie

Vor ein paar Tagen erhielt ich auf einen älteren Artikel hier im Blog einen Kommentar eines offenbar überzeugten Homöopathen, der mir allerhand Unverständnis, Voreingenommenheit und überhaupt … vorgeworfen hat (Link). Andererseits liefert der Kommentar eine Übersicht über die grundlegenden Fehlinterpretationen und Missverständnisse, wie sie für viele Befürworter der Homöopathie typisch scheinen, wie man in jeder Diskussion zu diesem Thema erleben kann. Daher soll die Entgegnung als eigenständiger Blogbeitrag erscheinen, denn es wäre zu schade, wenn er nur als Kommentar auf einen alten Blogbeitrag ungelesen verschwinden würde.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Blog | 17 Kommentare

Leserbrief: Wir widersprechen Wursters unbelegten Behauptungen zur Homöopathie in der Onkologie

In der Deutschen Zeitschrift für Onkologie (DZO) wurde in der Ausgabe 2/2018  ein Artikel von Jens Wurster zum (angeblichen) Zusatz-Nutzen der Homöopathie in der Onkologie. Mein Leserbrief dazu, unterzeichnet von namhaften Mitgliedern des Informationsnetzwerks Homöopathie und des Münsteraner Kreises ist soeben in der Ausgabe 3/2018 erschienen und offenbar frei zugänglich:

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0663-3158

Edit / Ergänzung (28.09.2018):

Das INH hatte schon einmal Probleme mit der „Deutschen Zeitschrift für Onkologie“. Trotz des seriös klingenden Titels bei einem respektablen Verlag ist sie doch eher der Alternativmedizin verhaftet und ist Verbandszeitschrift der „Gesellschaft zur biologischen Krebsabwehr“, die durchaus auch Homöopathie und andere CAM-Verfahren zur Krebstherapie propagiert. Die Redaktion hatte beim INH nach einem „kritischen“ Beitrag zur Homöopathie gefragt – und hatte dann ein Problem damit, als sie einen solchen bekam. Wir haben den Artikel dann allerdings zurückgezogen, als die Redaktion beschloss, im gleichen Heft einen Homöopathen Stellung nehmen zu lassen. Stichwortgeber für eine Darstellung pro Homöopathie wollten wir nicht sein. Wir haben den Artikel dann bei Krebs-Rat Hilfe veröffentlicht (http://www.krebs-rat-hilfe.de/homoeopathie-in-der-onkologie/)

Aber das Geschwurbel von Wurster konnte nun wirklich nicht unbeantwortet bleiben!

 

Veröffentlicht unter Blog | 12 Kommentare

Offener Brief an den Patientenbeauftragten der Bundesregierung zur Homöopathie

Dass viele Politiker der Homöopathie nahestehen, ist so bekannt wie unerfreulich. Wenn aber der Patientenbeauftragte der Bundesregierung dies offen zum Ausdruck bringt,  hier in einer Grußbotschaft an den Dachverband der Homöopathenverbände, dann erscheint uns eine deutliche Antwort erforderlich.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Blog | 6 Kommentare

Weilheimer Apotheke ohne Homöopathie erregt die Gemüter – warum nur?

Mein Leserbrief an Merkur.de zu:

„Apothekerin schmeißt Homöopathie aus Sortiment: Jetzt reagieren ihre Kollegen – und die Homöopathen“, vom 25.08.2018 (Link)

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Blog | 4 Kommentare