Ibuprofen vs. Belladonna C6 in der Kieferorthopädie

Im Indian Journal of Research in Homeopathy wurde vor einiger Zeit eine Studie veröffentlicht, in der homöopathisch aufbereitetes Belladonna als Schmerzmittel erprobt wurde [1]. Diese Arbeit hat auch Herrn Behnke von der Carstens-Stiftung auf Twitter dazu veranlasst, homöopathisches Belladonna mit wirksamen Schmerzmitteln gleichzusetzen (Link), was genug Veranlassung ist, diese Studie näher zu betrachten.

Was wurde untersucht?

In der Kieferorthopädie gibt es offensichtlich recht schmerzhafte und unangenehme Anwendungen. Als Vorbereitung auf den Einsatz einer festen Zahnspange muss beispielsweise Platz zwischen den Zähnen geschaffen werden, in denen dann die Metallbügel der Spange zu liegen kommen. Um diesen Platz zu schaffen, werden dem Patienten sogenannte Separiergummis zwischen die Zähne eingebracht, die diese auseinanderdrücken sollen (Link). Dies klingt nicht nur schmerzhaft, das ist es wohl auch, wobei sich ein charakteristischer Verlauf ergibt: Nach der Applikation steigt der Schmerz an, erreicht nach etwa 24 Stunden seinen Höhepunkt und nimmt dann im Laufe der nächsten 6 Tage in dem Maße wieder ab, wie sich die Zwischenräume erweitern.

Naturgemäß wird versucht, dem Patienten durch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol Linderung zu verschaffen. Diese hätten aber, so schreibt der Autor, den Nachteil, entzündungshemmend zu wirken, was kontraproduktiv sei, denn Entzündungen seien bei dieser Behandlung erwünscht. Was allerdings etwas merkwürdig klingt. Wahrscheinlich ist der Einfluss auf Stoffwechselprozesse gemeint, den solche Schmerzmittel tatsächlich haben, allerdings in einem wohl eher zu vernachlässigenden Ausmaß.

Aber wie dem auch sei: Es geht um die Wirkung von Belladonna C6 in der Schmerzunterdrückung. Und der Ausgangspunkt der Untersuchung ist es eben genau nicht, dass dies dem Ibuprofen gleicht, denn jenem Homöopathikum wird die entzündungshemmende Wirkung abgesprochen, was bei der normalen Schmerzbehandlung doch eine wünschenswerte Eigenschaft sein dürfte. Also schon vom Eingang her: Belladonna C6 ist nicht gleich Ibuprofen.

Es wurden insgesamt 80 Patienten untersucht. Die Verumgruppe (40 Teilnehmer) erhielt 4 Kügelchen Belladonna C6 (die in Indien um einiges größer sind als hierzulande), die Kontrollgruppe (ebenfalls 40 Teilnehmer) erhielt hingegen zwei Ibuprofen 400. Diese waren in zwei Dosen jeweils eine Stunde vor der Applikation und 6 Stunden nach der Applikation einzunehmen. Es gab keine Placebogruppe.

Ziel der Studie war es also, aufzuzeigen, dass das homöopathische Präparat genauso wirksam sei oder vielleicht gar wirksamer als das bekannte Schmerzmittel. Die Patienten wurden zwar per Zufall auf die beiden Gruppen verteilt, über eine Verblindung wird aber nichts gesagt. Allerdings macht bei einer solchen Non-inferiority-Studie die Verblindung zumindest der Behandler nicht so sehr viel Sinn, denn es ist ja gerade das Ziel, dass man in beiden Gruppen die gleichen Ergebnisse erreicht. Lediglich der Placeboeffekt bei den Patienten könnte durch eine Verblindung vermieden werden.

Ergebnisse

Zu insgesamt sieben Zeitpunkten beurteilten die Patienten ihr Schmerzempfinden mit Hilfe einer visuellen Analogskala („visual analogue scale“ – VAS), ein oft angewandtes Mittel, um das nur schwer beschreibbare individuelle Schmerzempfinden einer Auswertung zugänglich zu machen. Der Patient markiert dabei auf einer 10 cm (100 mm) langen Skala einen Punkt, wie er seinen Schmerz bewertet. Üblicherweise bedeutet ein Strich bei 0 cm keinen Schmerz, bei 10 cm einen extrem starken. Naturgemäß ist dies keine exakte Messung, denn es kann nicht sichergestellt werden, dass zwei Patienten die gleiche subjektive Empfindung auch mit dem gleichen Skalenwert bewerten. Man kann damit eigentlich nur die Veränderung einigermaßen zuverlässig erfassen, die ein Patient erlebt. Dennoch ist die visuelle Analogskala das beste praktikable Mittel, um den Verlauf einer Schmerztherapie zu beurteilen. Die folgende Grafik ist nach den Zahlenangaben in der Arbeit nachgezeichnet:

Wie man sieht, bestehen leichte Vorteile für Ibuprofen, aber im Wesentlichen haben die Patienten in beiden Gruppen ihre Schmerzen gleich bewertet, was für die Autoren und auch für Herrn Behnke ausreicht – trotz der unterschiedlichen Wirkung auf Entzündungen – das Homöopathikum dem wirksamen Medikament gleichzusetzen.

Soweit könnte die Studie in der Tat ganz ordentlich aussehen. Wie der Vergleich mit ähnlichen Studien zur konventionellen Medizin zeigt, haben sich die Autoren in etwa an die Medikamentierung und auch an die Art der Datenerfassung gehalten, wie sie in diesem Bereich üblich zu sein scheint.

Also alles gut soweit? Hier ist jetzt der Beweis, wie ihn die Skeptiker schon lange fordern?

Eher nicht.

Tricks

Was den Eindruck allerdings etwas stört, sind gewisse Mätzchen, mit denen die Autoren versuchen, die Gleichheit der Ergebnisse zu unterstreichen. Es werden zwar die Ergebnisdaten in einer Tabelle aufgelistet, aber die grafische Darstellung dient eher der Verschleierung. Hier die Originalgrafik:

In diesem Boxplot sind neben den Mittelwerten der beiden Gruppen (die schwarzen horizontalen Striche) auch die Quartile und die Streubreiten angegeben, worauf aber hier nicht näher eingegangen werden soll. Rein optisch soll diese Grafik offensichtlich die Gleichheit der Effekte beider Mittel unterstreichen. Dieser Eindruck entsteht durch den Trick, dass man die Werte auf volle Fünfer rundet. Dies ist ein Taschenspielertrick, der in einer seriösen Veröffentlichung nichts, aber auch gar nichts verloren hat.

Die Autoren haben für jeden einzelnen Beobachtungspunkt einen t-Test als Signifikanztest durchgeführt sowie das Gesamtergebnis einer Varianzanalyse unterzogen. Als bestes Resultat ergab sich zum Zeitpunkt 6 h nach Applikation ein p-Wert von 0,073 und für den Gruppenvergleich von 0,086. Damit ist die Schwelle für eine statistische Signifikanz nur knapp verfehlt (p < 0,05).

Frage: Wenn dies eine normale Studie gewesen wäre, in der man die Wirkung des Homöopathikums gegen Placebo untersucht hätte, und es wäre dieses Ergebnis zustande gekommen: Wie hätte man dann argumentiert? Dass keine Unterschiede aufgetreten sind? Oder hätte man klare Trends für eine Wirksamkeit identifiziert? Mit einer sogar recht deutlichen Effektstärke von ungefähr einer halben Standardabweichung? Oder hätte man vielleicht sogar durch ein gewisses P-Hacking doch irgendwie die 0,05 zu erreichen versucht? In einer Meta-Analyse hätte ein solches Studienergebnis jedenfalls die Evidenz FÜR eine über Placebo hinausgehende Wirksamkeit verstärkt.

Bewertung

Das Ergebnis bedeutet zunächst lediglich, dass die durchgeführte homöopathische Behandlung in dieser Studie zu den gleichen Effekten geführt hat wie die durchgeführte Behandlung mit Ibuprofen. Müssen wir deshalb die vielfach bewährten Erkenntnisse der Naturwissenschaften über Bord werfen?

Es gibt mehrere Arbeiten, in denen die Wirkungen von Schmerzmitteln bei einer kieferorthopädischen Behandlung untersucht wurden. In der Arbeit von Polat aus dem Jahr 2005 ist die Wirkung verschiedener Schmerzmittel im Vergleich zu Placebo ermittelt worden [2]. Für verschiedene Übungen (Beißen, Kauen, Zähne vorne aufsetzen, Zähne hinten aufsetzen) sind auf die gleiche Weise wie bei der hier betrachteten Arbeit und zu den gleichen Beobachtungszeiten die Schmerzempfindungen der Patienten ermittelt worden. Ergebnis der Placebogruppe:

Die Schmerzen wurden zwei Stunden nach der Applikation mit knapp 4 cm auf der Skala bewertet, nach sechs Stunden lagen sie wie nach 24 Stunden zwischen 5 und 6 cm und nahmen dann ab.

Unter Ibuprofen lagen sie nach zwei Stunden zumeist unter 2 cm (außer beim Kauen), nach sechs Stunden ebenso wie nach 24 Stunden zwischen 2 und 3 cm.

In einer anderen Arbeit von Minor et al [3] sind unter Ibuprofen nach zwei und sechs Stunden im Schnitt in allen Tests Schmerzintensitäten ebenfalls zwischen 2 und 3 cm verzeichnet worden.

War es also möglicherweise nicht die gute Wirkung des Belladonna, die zu dem geringen Unterschied geführt hat, sondern die erstaunlich geringe Wirkung des Ibuprofen? Hier zeigt sich, dass es sinnvoll gewesen wäre, wenn eine Placebogruppe mitgeführt worden wäre, wodurch aber eine Verblindung zwingend erforderlich gewesen wäre.

Dass das wirksame Schmerzmittel nicht zur Geltung kam, ist durchaus denkbar. Wenn man die Patienten eindringlich über die Nebenwirkungen des Ibuprofen informiert, die immerhin von Sodbrennen, Blähungen und Verstopfungen bis zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren reichen können, wenn vielleicht auch auf das erhöhte Risiko von Schlaganfall und Herzinfarkt hingewiesen wurde, dann haben es die Patienten vielleicht vorgezogen, lieber den Schmerz zu ertragen. Oder hat das Ibuprufen infolge des abgelaufenen Verfalldatums oder zu warmer Lagerung (über 30 °C) seine Wirksamkeit eingebüßt? Oder liegt der Messpunkt sechs Stunden nach Applikation, das heißt sieben Stunden nach der Einnahme des Mittels, außerhalb der Wirksamkeitsdauer? Oral eingenommen erreicht die Konzentration im Blutplasma nach etwa einer Stunde das Maximum – das wäre zum Zeitpunkt der Applikation. Danach liegt die Halbwertszeit aber bei etwa zwei bis drei Stunden, das heißt, zum Zeitpunkt der Messung lag die ursprünglich schon vergleichsweise geringe Dosis bei nur noch einem Viertel.

Sicher schwer zu sagen, was die Ursache gewesen sein könnte, und von hier aus ist das auch nicht endgültig zu beurteilen. Es scheint aber sinnvoll, erst dann von einem belastbaren Ergebnis auszugehen, wenn diese Studie unter Hinzufügung einer Placebogruppe unabhängig repliziert worden ist. Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten, deren Eintreten wesentlich wahrscheinlicher erscheint als dass das vielfach bewährte Wissen aus Medizin und Naturwissenschaften unzutreffend wäre bzw. nur im Zusammenhang mit der Homöopathie ein eigener Mikrokosmos mit eigenen Naturgesetzen existiert.

Was wäre wenn …

Wir können aber in der Zwischenzeit eine andere Frage aufwerfen: Was würde es bedeuten, wenn diese Studie tatsächlich bestätigt würde?

Zunächst wäre dann nachgewiesen, dass die Grundsätze der Homöopathie weitestgehend falsch sind.

Es wäre dann nämlich gezeigt, dass die oftmals behauptete starke Individualisierung der Homöopathie, die eine gründliche Anamnese und genaue Mittelwahl als Grundvoraussetzung für den Erfolg ansieht, nicht gegeben ist. Hier wurde ein Mittel ohne weiteres auf eine Gruppe Patienten angewendet, deren gemeinsames Merkmal möglicherweise nur aus der Notwendigkeit einer kieferorthopädischen Maßnahme besteht. Wenn das Erfolg hatte, ist die teure Erstanamnese obsolet.

Wenn die Grundsätze der Homöopathie stimmen würden, dann wäre auch gezeigt, dass Belladonna offenbar ganz allgemein Schmerzen hervorrufen kann, wie sie entstehen, wenn man die Zähne auseinanderdrückt. Sollte dies bei der Anwendungen von Belladonna noch nicht des öfteren beobachtet worden sein, wäre das Ähnlichkeitsprinzip damit widerlegt.

Man müsste sich auch fragen, ob die Materia medica stimmt, denn zumindest in der Version, wie sie den Angaben auf der Webseite des DZVhÄ zugrunde liegen, wird über die Behandlung von akuten, von außen aufgebrachten Schmerzen mit Belladonna nichts gesagt. Dagegen wird der Einsatz empfohlen, wenn die typischen Entzündungszeichen vorliegen, also Hitze, Rötung, Schwellung, Schmerz (Link). Das Schmerzmittel der Wahl wäre hier wohl eher Arnica.

Man könnte auch darüber diskutieren, ob aus dieser Studie nicht zu schließen wäre, dass das Konzept der verstimmten Lebenskraft, worauf die Krankheitslehre der Homöopathie aufbaut, nicht stimmt. Schließlich ist es doch ein Zeichen einer funktionierenden Lebenskraft, dass sie mit Schmerzen darauf reagiert, wenn dem zuvor gesunden Körper plötzlich von außen heftige Irritationen aufgeprägt werden. Diesen Reflex abzustellen müsste doch mit einer Verstimmung der Lebenskraft einhergehen, weil damit ein wesentliches Element der Schutz- und Abwehrmechanismen des Körpers außer Kraft gesetzt werden würde.

Zusammengefasst: Die Studie kann nicht überzeugen, da es zu viele Möglichkeiten gibt, dass dieses Ergebnis eher durch Unstimmigkeiten bei der Wirkung des Ibuprophen liegt als durch nur in winzigsten Spuren zugeführtes Belladonna. Allerdings sollten sich die Homöopathen überlegen, ob eine positive unabhängige Replikation wirklich die Grundsätze der Homöopathie bestätigen würde. Zumindest die Lehren Hahnemanns wohl eher nicht.

Literatur

[1] Patil HA, Patil J, Kerudi VV et al.: Comparison of the efficacy of ibuprofen and Belladonna in the control of orthodontic separator pain, Indian Journal of Research in Homeopathy (2018); 12:29-34 (Link)

[2] Polat O, Karaman AI:Pain Control During Fixed Orthodontric Appliance Therapy, Angle Orthodontist (2005); 75(2): 214-219 (Link)

[3] Minor V, Marris CK et al.: Effects of preoperative ibuprofen on pain after separator placement. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2009;136:510-7 (Link)

Bild: Pixabay

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12 Kommentare zu Ibuprofen vs. Belladonna C6 in der Kieferorthopädie

  1. borstel sagt:

    Zumindest ist es sehr spannend, das Journal etwas genauer zu beleuchten: Es ist peer-reviewed, hat aber ausschließlich open access, und ist Mitteilungsblatt des „Central Council for Research in Homoeopathy“ („an autonomous organization under Ministry of Ayurveda, Yoga, Unani, Sidha and Homoeopathy (AYUSH), Government of India“). Schön, daß sie in Indien ein solches Ministerium haben, sollte man in Deutschland auch installieren – und dann entweder mit Herrn Seehofer oder Herrn Be-Scheuer-t besetzen. Da können die am wenigsten Schaden anrichten – aber das nur nebenbei.
    Gelistet bei pubmed ist das Journal jedenfalls nicht; entsprechend auch keinen Impactfaktor (ich weiß um die Fragwürdigkeit dieser Zahl, aber das Journal ist eben noch nicht einmal diesbezüglich berücksichtigt). Der einzige Pluspunkt: Wolters Kluwer gibt es heraus – das ist zwar kein wirlicher Qualitätsindikator, aber wenigstens etwas vertrauenerweckender, als die Helden von „omics“ oder „Hindawi“.

    Und neben der sehr begrenzten Reichweite (außer bei Herrn Dr. Behnke) kommt jetzt die 100-€-Frage: Wie wahrscheinlich ist es, daß dieses Journal nicht aufgrund seiner Asrichtung einem publication bias erliegt?

  2. Jonasman sagt:

    Noch einmal zurück zu dem Journal. Hätte man etwas grundlegend bahnbrechendes Ergebnis erreicht, wäre es taktisch äußerst unklug es in einem Journal zu veröffentlichen, dass sich auf Homöopathie statt Zahnheilkunde, Anästhesie oder Schmerztherapie, spezialisiert hat. Letzteres würde nicht nur viel eher noch der Zielgruppe entsprechen, es wäre glaubhafter, da auch nicht-Homöopathen in den Gutachter-Prozess einbezogen werden. Bei dem gewählten Journal kann ich mir das kaum vorstellen.

  3. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Das ist die Lösung: Der Beitrag von SB ist Satire! Natürlich. So ein konfuses Zeug kann doch niemand ernst meinen- Danke Ihnen für die Aufklärung.

    Ich hatte übrigens tatsächlich länger überlegt, ob ich das freischalten soll.

  4. borstel sagt:

    Interessant ist auch, daß die Autoren mal locker in der Diskussion einräumen: “ Gastric irritation is a common side effect possible with consumption of NSAIDs such as ibuprofen, although single dose administration clinically does not produce the aforementioned symptom; however, the potential of side effect still cannot be ruled out. Homoeopathic medications have no proven side effect.“

    Schon recht lustig, einerseits so auf ziemlich übeschaubaren Nebenwirkungen herumzureiten, um dann zu behaupten, Homöopathika hätten keine Nebenwirkungen – was ist denn mit der Erstverschlimmerung? Und warum bildet sie sich nicht bei den Schmerzmessungen ab?

    Bezüglich der Frage der Meßzeitpunkte: Hier würde ich keine Problematik sehen, denn die Pharmakokinetik („Was macht der Organismus mit dem Wirkstoff?“) ist nur ein Punkt, es muß auch die Pharmakodynamik („Was macht der Wirkstoff mit dem Organismus? „) berücksichtigt werden. Zudem erfolgten bei Polat et al. die Messungen auch nach 6 Stunden. Und ich gehe schon davon aus (zugunsten der Studienautoren), daß das Ibu nicht abgelaufen war und korrekt eingenommen wurde – trotzdem ist die Arbeit nicht überzeugend. Und daß Jens Behnke, seines Zeichens auf dem Gebiet der Medizin nicht kompetent, diese Studie aufgegriffen hat, wundert mich nicht: Es zeigt auch seine fehlende Integrität.

    Nebenbei: Als ich dem Sebastian seinen Text gelesen habe, da dachte ich zuerst: Wer soviele Logikfehler macht, der sollte lieber ausnüchtern, bevor er schreibt. Dann stieß ich auf die Erwähnung der Kommunikationswissenschaft und dachte sofort: Jens bist D u es? Völlig frustriert und angetrunken am Weihnachtstag in der Frühe? Und dann ging mir der Kronleuchter auf, als ich dies Gestammel zuende gelesen hatte: Es ist – Stichwort „Chakren“ – astreine Satire! Danke für die Freischaltung, Dr. Aust!

  5. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Da scheint das Bild nicht einheitlich zu sein. Zum einen gibt es zu dem Thema auch die im Artikel zitierten Arbeiten, in denen Ibuprofen für diesen Zweck erprobt wird. Zum Anderen hatte ich mich bei einem Zahnarzt kundig gemacht. Dort erhielt ich diese Antwort:
    „Der Denkfehler in der vorliegenden Arbeit ist ein dreifacher:
    1. sind die Einflüsse, die durch die Gabe von NSA entstehen, sicherlich überhaupt nicht relevant auf eine zeitgleich stattfindende KFO.
    2. ist eine Behandlungsdauer von Schmerzen, ob sie nun im direkten Zusammenhang mit KFO stehen (festsitzende Klammern tun fies weh am Anfang!) oder nicht, mit NSA stets sehr kurz – daher sind Effekte, die den knöchernen Stoffwechsel betreffe, völlig irrelevant.
    3. Entzündungsreaktionen („inflammatory effects“) sind keinesfalls in der KFO „erwünscht“ – hier werden Entzündungsreaktionen mit Stoffwechselreaktionen des Knochens in einen Topf geworfen. Aber das kennen wir doch von Homöopathen, gell?“

    Viele Grüße
    Norbert

  6. Sebastian Brutscher sagt:

    Guten Abend,
    Ich verbringe eindeutig zu viel auf Ihrem und artverwandten Blogs, das möchte ich Ihnen aber (zumindest heute) nicht (explizit) zum Vorwurf machen. Wenn ich mir allein die Menge medialer Erzeugnisse, die von Menschen, die sich (in ihrem selbstgefälligen Hochmut?), von jahrtausende altem komplementären Wissen (zu Recht?) in ihrer Intelligenz beleidigt fühlen, anschaue, zweifele ich doch an rein privatem „Engagement“ und möchte für alle unbedingte Transparenz fordern! Nennen Sie, als Vertreter der alten Physik, Ross und Reiter, dann werden die Propheten der Neuen Physik folgen. Erst durch Verwirklichung unbedingter Transparenz (krypto-transparenz), würde sich die chaotisch-zerstörerische Manipulation aller Lebensbereiche etwa durch levitische Echsen endgültig widerlegen lassen.
    Ich fühle mich heute berufen- und ja, ich habe getrunken- den Pfad der „kausalen“ Logik, des goldenen Kalbes der selbsternannten Skeptiker, zu Gunsten der reinen, wahren und gefühlten Logik verlassen. „Naturwissenschaftliche“ Kausalität kann letztendlich immer Koinzidenz sein, gefühlte Kausalität ist per se wahr! Le verite c’est moi. Sich in diese unbedingte grenzenlose Freiheit fallen zu lassen wie in ein mohnkapselgefülltes Kopfkissen, wird oft Erleuchtung genannt. Gerade deshalb fordere ich eine endgültige (wahre!) Bewertung der Homöpathie jenseits sophistischer Zahlenmagie. Zunächst ein vernichtendes Urteil über alle bisherigen „Studien“.
    Sie kennen sicherlich den Ausspruch (sinngemäß), dass es keinen Erkenntnisgewinn gibt, wenn man für die Charaktisierung eines Fisches massgeblich seine Fähigkeit auf Bäume zu klettern zu Grunde legt.
    „Was können Sie mir den zu den Fischen im Malawisee erzählen?“ „Mit keiner Studie konnte bis jetzt nachgewiesen, dass jemals ein Fisch auf einen Baum geklettert wäre, obwohl wir letztendlich auch nicht mit völliger Sicherheit ausschließen können, dass niemals ein Fisch auf eine Baum war. Aber den soll uns erstmal einer zeigen!“ „Sind Barsche drin?“ „Da kein Fisch auf einen Baum klettern kann, ist das nicht im Geringsten relevant!“
    Soviel zum „Erkenntnisgewinn“ (konventioneller) wissenschaftlicher Betrachtung homöopathische Wirkungsmechanismen allein an Hand weniger- ich möchte sagen: randomisierter- K.O.-Kriterien.
    Wie wäre es, zunächst einen kommunikationswissenschaftlichen Blickwinkel einzunehmen. “ Who says what to whom in which channel with what effect?“ Dieser Satz enthält die Frage(n), die Kommunikationswissenschaft an eine „Information“ zu stellen vermag und bringt ebenso ihre Untergliederung hinsichtlich des Gegenstands der Untersuchung in die einzelnen Fachrichtung zum Ausdruck. Der „Sender“/Kommunikator, die Nachricht an sich, der Rezipient, das Medium- im weitest gefassten Sinn- und die Wirkung. Die Kommunikationswissenschaften stellt gerade der letzte Bereich, die Medienwirkungsforschung, vor eigene Herausforderungen, da sie in gewisser Weise erst durch die Verknüpfung der anderen Bereiche entsteht, damit aber auch weit in die philosophische Betrachtung hineinreicht. Beispiel: Zum Kommunizierenden oder zum Rezipienten lassen sich zahlreiche objektive Daten, Alter, Geschlecht, Geburtsort, Ausbildung, etc. ermitteln.
    Ob im Fragebogen: „Wie alt sind Sie?“ oder: „Wann sind Sie geboren?“ steht dürfte wohl kaum zu Verfälschungen der Daten führen. Jetzt bin ich recht sicher wie alt meine Befragten sind (Den Penner, der 1878 als Geburtsjahr angegeben hat, hab ich natürlich aus dem Datensatz eliminiert.) Check. Was nun? Ja! Vergleichen! Fragen stellen! Eher was einfaches zum Anfang. Mmh junge Menschen ticken irgendwie anders als Alte. Jetzt als Ansatz. Politik! Geht immer. Y-Achse „Zufriedenheit“ mit der Arbeit der Bundeskanzlerin, X-Achse Alter.
    Wählbares Entscheidungskriterium für Zufriedenenheit:
    Auf einer Skala von 1-10…
    a)… wie sehr bewundern Sie die Bundeskanzlerin für Ihre diplomatischen Fähigkeiten?
    b)… wie sehr verachten Sie die Bundeskanzlerin, weil fremde Menschen?
    Ein albernes Beispiel die Fragestellung die Antwort vermutlich beeinflusst.
    Ich möchte damit verdeutlichen, dass mit steigender Komplexität der Fragestellung die Erhebungsmethode an Einfluß gewinnt. Ich will den Fragenkatalog hier nicht auf ein gewünschtes Ergebnis hin manipulieren, sondern reliable und valide Ergebnisse erhalten. In der Medienwirkungsforschung kommen statistische Verfahren an Ihre Grenzen. Man könnte Einstellungen und Meinungen zu einem Thema ermitteln und mit sozio-ökonomischen Faktoren, oder mit Mediennutzung abgleichen. Aber wie soll man die Wirkung eines Zeitungsartikels darstellbar machen? Wer im Januar einen Artikel im Spiegel gelesen hat, hat im September CDU gewählt? Wie groß müsste ein Datensatz sein, damit ich zwei Gruppen mit ausreichend vielen Individuen bilden kann, die bis auf einen gelesenen Artikel vor Monaten, weitgehend vergleichgar sind? Kann man -metaphorisch- von einer steigenden Unschärfe sprechen, je kleiner das betrachtete Objekt wird? Kann man Analogien zwischen der Messung („Beobachtung“) elementarer Teile und elementarer Information sind? Vermutlich muss man sämtliche Fragen „Nein“ beantworten. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass sich gerade in der Medienwirkungsforschung in anderen bereichen als „veraltet/ungenau“ geltende beschreibende Methoden wie die teilnehmende Beibachtung durchaus ihre Berechtigung haben, da eben der exakte Einfluss genau einer Information nicht messbar ist. Viele Erkenntnise, oder Theorien, in der Medienwirkungsforschung sind schwer in mathematische Modelle zu pressen, und obwohl einige Menschen mit Versatzstücken viel Geld, weil sie behaupten, dass es ihnen selbst eingefallen ist und NLP nennen… Wird meist nicht die ganze Zunft in Frage gestellt.
    Verstehen Sie diesen Exkurs? Der geforderte Nachweis („was bewirkt ein Globuli?‘) ist durch keine Methode gesichert erbringbar. Da sind sich fast alle einig. Aber es gab ja noch andere Zweige…. Wenden wir uns dem Sender zu, denn hier kann umfassenderes Verständis indoktriniert werden und ebenso, wie zuvorderst, erklärt werden, weshalb die „moderne“ Physik am guten alten Sammy nur scheitern kann.
    Es muss doch eigentlich klar sein, dass ein erfahrene Homöopath einen geschulten feinstofflichen Quantenkörper hat. Wenn er dann sein Wissen, etwa um die Macht der Potenzierung nutzt- also energetische Arbeit verrichtet, entsteht ein feinstoffliches Quantenenergiefeld, das selbstverständlich auf alle Teilnehmer der Studie wirken muss. Also ist gerade die Nichtexistenz signifikanter Unterschiede zwischen den Gruppen ein exakter Beweis für die Wirksamkeit der gesamten Homöopathie. Energiearbeit auf feinstofflicher Ebene geht nicht verloren (Energieerhaltung! Newton!) Die Menge dieser freien Energie (feinstoffliche freie Energie hat nichts mit Elektrizität zu tun!) hängt damit zum einen von der Ausbildung des feinstofflichen Körpers des Heilers, zum anderen von der Energiebillanz des angewendeten Verfahrens ab, sie kann aber von Natur aus nie negativ werden! Deshalb ist auch klar, warum die Homöopathie so viele Strömungen -nicht haben kann- sondern muss. Grundsätzlich kann jeder Heiler bei der Gewichtung, eher die Kraft seiner eigene Chakren zu stärken oder die Energiebillanz seiner Methodik in den Fokus stellen, eine individuelle „Entscheidung“ treffen. Ich setze dies in Anführungszeichen,da dieser Entscheidungsspielraum von Natur aus eingeschränkt ist. So wie ein physikalischer Körper Vorteile im Fussball, der andere im Basketball hat, hat ein feinstofflicher Körper individuelle Begabungen, die er zu einem gewissen Grad erlernen/erweitern kann. So wie im Sport, der Wissenschaft, der Musik, der Kunst etc. (äußere Einflüsse zur Vereinfachung ausgeklammert) das Zusammenspiel von Talent und harter Arbeit ein limitierender Faktor für den Erfolg ist, gilt dies für den energetischen „Hochleistungssportler“, den Heiler.
    Ich weiss, was Sie jetzt einwenden werden: Wenn alles nur auf der Menge der gesendeten feinstofflichen Energie beruht, dann spielen die Arzneimittellehre oder die homöopathische Anamnese überhaupt keine Rolle! Wieder könnte es falscher nicht sein… Vorher habe ich schon dargelegt, dass Energie nicht verloren geht. Homöpathische Anamnese ist per se energetische Arbeit! Bei allen Verfahren wird unweigerlich Energie erzeugt, zudem wird der feinstoffliche Körper beider (des Heilers und des Genesenden) durch eben diese Arbeit trainiert. Oft ist, gerade bei stark geschwächten Chakren, der Weg, die feinstoffliche Handlungskompetenz wieder zu erlangen, genauso steinig wie der eines Schlaganfallpatienten das Laufen neu zu erlernen. Es kann also durchaus sinnvoll sein- auch bei geringer Gesamtenergiebillanz- zunächst die feinstoffliche Grobmotorik wieder herzustellen. Der Hilfe Suchende wird profitieren.
    Ich hoffe sehr, Sie verstehen so langsam im Ansatz, was es bedeuten würde, wenn ich Ihre Ansprüche an die Praxis feinstofflicher Medizin auf die grobstoffliche stellen würde: „Dieser Arzt ist weltweit angesehener Spezialist für Hüftprothesen.“ „Aber er kann keinen Gehirntumor entfernen?“ „Nein, das ist nicht Spezialgebiet.“ „Damit ist bewiesen, dass sowohl Hüftprothesen, als auch die Behandlung von Tumoren pseudowissenschaftlich sind.“
    Abschliessend sei noch folgendes erwähnt: Die oft geforderte (vielfache) „Verblindung“ ist auf feinstofflicher Ebene sowieso nicht möglich, daher kann dieses „Dogma“ der Alt-Wissenschafren auch keine Rolle bei der Beurteilung der „Relevanz“ von homöopathischr Studien spielen.

  7. Bei Beschwerden in Zusammenhang mit einer Zahnspange wird von der Einnahme von Ibuprofen abgeraten, da Wirkstoffe dieser Art die (bei Zahnspangenträgern gewünschte) Veränderung des Kieferknochens hemmen. Das ist wohl mit „Entzündungsunterdrückung“ gemeint. Es wurden signifikant längere Anpassungszeiten des Kiefers und eine längere Schmerzphase unter Ibuprofen beobachtet.
    ( Arias OR, Marquez-Orozco MS. Aspirin, acetaminophen, and ibuprofen: their effects on orthodontic tooth movement. Am J Orthod Dentofacial Orthop. 2006 Sep;130(3):364-70.)

    Zudem sind Schmerzen nach Zahnspangenbehandlung oder -vorbehandlung extrem individuell.

    Da haben sich die Homöopathen mal wieder das Schwammigste vom Schwammigen als Testobjekt ausgesucht. Schmerzen, eh subjektiv, in diesem besonderen Fall wohl sogar in erhöhtem Maße und zudem mit einer „Verumbehandlung“, die nicht state of the art ist und (wenn auch wohl nur in der längerfristigen Kontrolle) Schmerzintensität und -dauer erhöhen kann…

  8. Pingback: Pädiater-Zeitschrift: Homöopathie bei Kindern ist „unterlassene Hilfeleistung“ | gwup | die skeptiker

  9. Thomas Mohr sagt:

    Ich glaube die Studie nicht, und zwar aus folgendem Grund: Ibuprofen 400mg ist ein ziemlicher Hammer, mit dem man normalerweise auch mittlere Zahnschmerzen fast bis zur Schmerzlosigkeit wegbekommen kann. (wie die angeführte Literatur zeigt) Die 2 Stundenmarke zeigt aber einen erheblichen Schmerz.

  10. agtrier sagt:

    Eine andere Möglichkeit wäre noch, dass auch Ibuprofen bei diesen speziellen Schmerzen eine relativ geringe Wirksamkein hat. Nicht viel besser als ein Placebo jedenfalls…

  11. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Das ist das erste Mal, dass ich über einen Artikel aus diesem Journal gestolpert bin. Zu früh, um definitive Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist aber ein Journal explizit für Forschung zur Homöopathie und das Editorial Board besteht praktisch ausschließlich aus Homöopathen. Ob da die notwendige kritische Distanz zum Forschungesgegenstand gegeben ist, darf man wohl bezweifeln.

  12. Jonasman sagt:

    Vermutlich dachten sie: Hey, wir benutzen doch schon ein Homöopathikum. Ein weiteres Placebo ist also nicht notwendig. Haha. Haha.

    Kennt ihr das Journal? Wie sind so die restlichen Studien, die darin veröffentlicht wurden?

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