Prof. Frass hält meine Rechnungen für falsch – ich die Seinen

Wie sind die Überlebenszeiten zusätzlich homöopathisch behandelter Patienten mit den in der Literatur angegebenen Überlebensdaten zu vergleichen? Darüber sind wir uns auch in der zweiten Runde nicht einig, wobei die Argumente von Prof. Frass wenig überzeugend sind. Also geht es in eine weitere Runde …

In Kürze

Bereits am 1. Mai erhielt ich von Professor Frass eine ausführliche Antwort auf meine Ausarbeitung zur Arbeit von Gaertner et al.. Hierin stellt er fest, dass meine Vorgehensweise und die daraus folgenden Ergebnisse des Vergleichs der dortigen Messergebnisse mit den Literaturdaten unzutreffend seien. Er begründet dies damit, dass seine Rechnungen am zeitlichen Nullpunkt der Erstdiagnose beginnen würden und die Vergleichsdaten von anerkannten Onkologen stammten.

Für mich sind diese Argumente wenig stichhaltig und ich habe in einer weiteren Ausarbeitung, die ich bereits am 5. Mai an Prof. Frass gemailt habe, die Grundlagen der Überlegungen zu meiner Vergleichsmethodik ausführlich dargestellt und ihn gebeten, mir darzulegen, an welcher Stelle meine Betrachtungen seiner Meinung nach fehlerhaft sein sollen. Es geht dabei darum, aus den Überlebenskurven die passenden Daten zu extrahieren, die tatsächlich für eine Beurteilung geeignet sind, ob es den homöopathisch behandelten Patienten besser erging als denjenigen ohne diese Zusatzbehandlung. Meine Musterrechnung für eine der betrachteten Krebserkrankungen, dass die in der Arbeit angegebenen Daten eben nicht aussagekräftig sind. Die mittlere erwartete Überlebenszeit lag nicht nur bei 6,6, sondern bei 13,3 Monaten, wenn man den späten Start der Homöopathiebehandlung angemessen berücksichtigt. Diese wurde im Mittel nicht wie angegeben um mehr als 10 Monate überlebt, sondern nur um magere 0,7, wobei noch nicht berücksichtigt ist, dass die Patienten der Vergleichsstatistik wesentlich älter waren als die in der Arbeit betrachteten.

Daneben werden noch einige kleinere Punkte behandelt, um Datenangaben, Behandlungsinhalte in den Literaturdaten (hier habe ich mich geirrt), Inhalt des Vortrages von Prof. Frass in Berlin etc.

In Länge

Die Arbeit von Gaertner et al., um die es geht, wurde hier besprochen. Den ersten Teil der mit Prof. Frass geführten Diskussion darüber findet sich hier.

Der Einfachheit halber – und Prof. Frass hatte auch darum gebeten – gebe ich hier den vollen Inhalt seines Schreibens wieder, das zwar auf den 5. Mai 2015 datiert wurde, mir aber schon zum 1. Mai 2015 zur Verfügung stand – also recht rasch, nachdem ich ihm meine zweite Ausarbeitung zugeschickt hatte. Da der Austausch auf Englisch geführt wird, habe ich den Text ins Deutsche übersetzt, das englische Original findet sich hier. Ich habe lediglich zur besseren Lesbarkeit die Formatierung etwas angepasst.

Text von Prof. Frass vom 1. Mai 2015:

Antwort an Aust II, 5. Mai 2015

Seite 1, Absatz 2:

Wie Sie vielleicht wissen, ist die Homöopathie durchaus in der Lage, Patienten sogar 45 Monate nach ihrem Tod wieder zu beleben :-).

Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, halten wir eine kleine Einführung in die Grundlagen der Onkologie für nötig: Ein Tumor kann sich entwickeln, später kann er in anderen Organen Metastasen bilden. Zum Zeitpunkt der Diagnose ist er vielleicht noch nicht metastasiert. Alle bis auf 5 Patienten mit MRCC und MSARC erhielten ihre Diagnose in einem Zeitraum, als noch keine Metastasen aufgetreten waren. Wie bereits in unserer ersten Antwort ausgeführt, wurde die in Tabelle 3 dargestellte Zeit von der Diagnose bis zum Beginn der [homöopathischen] Behandlung als ‚erste Diagnose des NICHT METASTASIERTEN Tumors bis zum Beginn der homöopathischen Behandlung‘ festgelegt (= jene Patienten, die noch vor einer erkennbaren Metastasierung homöopathische Hilfe suchten). Daher bitte die missverständliche Spaltenüberschrift in Tabelle 3 ‚Zeit zwischen Diagnose und homöopathischer Behandlung‘ ignorieren, sie verwirrt nur. In unseren Brief an CTIM [= Complementary Therapies in Medicine, das Journal, in dem die Arbeit veröffentlicht wurde, Anm. d. Übers.] wird sie durch ‚Zeit zwischen der Diagnose von Metastasen bis zum Beginn der homöopathischen Behandlung‘ ersetzt. Aber egal, dies hat keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Seite 2, GBM-Daten:

Stupps Arbeit (Kontrolldaten) beinhaltet Patienten, die sich einer Operation unterzogen hatten. Wie von Prof. Christine Marosi bestätigt, einer KONVENTIONELLEN Ärztin mit KEINEN besonderen Verbindungen zur Homöopathie, wurde bei jedem Patienten, sei es nun bei Stupp, wo sie als Co-Autor in dem Paper von 2009 in Lancet Oncology fungierte, oder bei unseren Daten, [der Tumor] weitestmöglich chirurgisch entfernt.

Wir haben die Daten nochmals überprüft: Tatsächlich haben sich sechs von sieben GBM-Patienten einer Operation unterzogen (86% gegenüber 84% im Stupp-Paper). Im Gegensatz zur erwarteten Überlebenszeit hatte der Patient, bei dem ohne Operation nur eine Biopsie ausgeführt wurde, entgegen den Erwartungen eine sehr lange Überlebenszeit erreicht: dies KÖNNTE die Homöopathie gewesen sein. Daher gibt es keinen Einfluss der chirurgischen Behandlung auf das Ergebnis bei GBM.

Eine neue Berechnung zeigt immer noch einen Vorteil, ABER wir haben deutlich erklärt, dass es sich um retrospektive Daten handelt.

Seite 2, Abschnitte 5 und 6:

Patient Nr. 4 begann die homöopathische Behandlung vier Monate nach der Diagnose. Er überlebte diese um 19 Monate. Dies ist viel länger als erwartet. Daher KÖNNTE die Homöopathie einen Einfluss auf das Ergebnis gehabt haben. Ähnliche Rechnungen werden bei allen Veröffentlichungen zur Onkologie ausgeführt.

Wie bereits gesagt, sind die anderen Patienten, bei denen die Einschlusskriterien nicht erfüllt waren (drei abgeschlossene homöopathische Sitzungen), während der ersten zwölf Monate NICHT GESTORBEN. Daher ist Ihre wertvolle Anregung der Skalierung nicht auf GBM Patienten (wie Patient Nr. 4) anzuwenden.

Der Grund dafür, zwei homöopathische Behandlungseinheiten zu fordern (zwei Folgesitzungen mit drei Fragebögen), liegt in unserer Annahme, dass das als Erstes gewählte Mittel falsch gewesen sein könnte (sogar Homöopathen machen vielleicht Fehler bei der Auswahl des zutreffenden Mittels :-)), jedoch das dritte Mittel auf jeden Fall richtig bestimmt sein müsste.

In einer PCT sollte man die Daten nach dem intention-to-treat-Prinzip (ITT) auswerten, was bedeutet, dass sogar wenn ein Patient die Studie abbricht oder noch nicht einmal die verordneten Mittel einnimmt, er/sie dennoch in die Auswertung eingeschlossen wird. Wenn wir das ITT-Prinzip in dieser Pilotstudie angewendet hätten, wären die Ergebnisse sogar noch besser gewesen. Aber dies entsprach nicht der zuvor festgelegten Methodik, und wir haben daher im Gegensatz zu Shang auf eine (unbeschriebene) Analyse im Nachhinein verzichtet.

Die Umrechnungen sind nicht richtig, da unsere Rechnung beim Nullpunkt beginnt (= Zeitpunkt der Diagnose), nur die Behandlung beginnt später. Die Behandlung begann bei Stupp etwas früher, jedoch nicht zum exakten Zeitpunkt der Diagnose, sondern nach der Randomisierung und der konventionellen Therapie. Daher ist dies vielleicht sogar eine Verschiebung zum Vorteil von Stupps Patienten. Wir haben deutlich angegeben: Unsere Arbeit zeigt vielleicht eine Tendenz, aber kann keine kausale Beziehung beweisen.

PC-Daten:

Ihre Berechnung ist falsch: Aus der erwähnten Arbeit haben wir die Überlebenszeiten der Gruppe mit der besten Prognose extrahiert: Nach einem Jahr „betrug die unkorrigierte Überlebenszeit für Patienten mit lokoregionaler Erkrankung und Depressionen im Median 4,1 Monate. Patienten ohne Depression verzeichneten im Median eine Überlebenszeit von 6,6 Monaten.“

Die Überlebenszeiten (im Median) erhielten wir von KONVENTIONELLEN, NICHT VON HOMÖOPATHISCHEN Spezialisten im jeweiligen Spezialgebiet der Onkologie. Sie sind national und international anerkannt und veröffentlichen in Top-Journalen mit Peer-Review.

Wir möchten auf den Umstand hinweisen, dass unsere Veröffentlichung von konventionellen Ärzten verfasst wurde (MM, HF, CM, ADK), einem einzigen homöopathischen Arzt (MF), einem einzigen Apotheker mit Verbindungen zur Homöopathie (IM) und einer einzigen Studentin mit Interesse an der Homöopathie (KG). Diese Zusammenarbeit vermeidet eine Verfälschung (‚bias‘) beim Veröffentlichen der Daten und stellt die Beteiligung erfahrener konventioneller Ärzte sicher.

Bezüglich Diskussion und Schlussfolgerung möchten wir anfügen, dass ein falscher Gebrauch der Daten nicht bedeutet, dass die Veröffentlichung unrichtig sei, jedoch kann die Interpretation falsch sein. Man bedenke: es gibt immer noch Leute (sogar Akademiker!), die immer noch eine falsche Interpretation der Veröffentlichung von Shang verwenden, ohne über irgendwelche Kenntnisse über Meta-Analysen zu verfügen. Diese Arbeit wird immer noch dafür verwendet, die Homöopathie zu bekämpfen.

Ich muss darauf bestehen, richtig zu stellen, was ich auf der Konferenz in Berlin ausgeführt habe: Homöopathie KÖNNTE helfen, ich habe nie gesagt, DASS die Homöopathie Krebspatienten hilft. Nebenbei, das Problem mit Pilot-Studien ist das Ergebnis nicht nur einer fehlenden Unterstützung homöopathischer Forschung, sondern auch von EXTREM feindlichen Aktionen gegen Homöopathen. Laien wissen vielleicht nicht, dass es personeller und finanzieller Ressourcen an einer akademischen Institution bedarf, Studien durchzuführen, sowohl in der konventionellen als auch in der Komplementärmedizin. Wie jeder weiß, gibt es fast keine homöopathischen Abteilungen an Universitäten. Das erklärt ganz einfach, warum die homöopathische Forschung eingeschränkt ist. Ich wäre für Ihre Unterstützung dankbar, Finanzmittel für eine homöopathische Forschung zu beschaffen.

Das erste und einzige Ziel eines Arztes (konventionell wie homöopathisch) ist die Verbesserung der Gesundheit des Patienten. Daher verwundert es uns, dass der Abschnitt aus unserer letzten Antwort (vom 5. April 2015) noch nicht einmal erwähnt wurde:

„12 der 24 Patienten mit MRCC uns MSARC waren zum Abschluss unserer Beobachtungszeit noch am Leben!!! Tatsächlich haben wir diese Tatsache bisher noch nicht betrachtet, wir werden jedoch unsere Daten überarbeiten. Wir wollen herausfinden, ob diese Patienten heute noch am Leben oder bereits verstorben sind.“

Offensichtlich ist das Interesse an der Gesundheit der Patienten weniger von Interesse als die Statistik. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Ärzten und Theoretikern. Wir beobachten jedoch oft, dass Skeptiker sich der Homöopathie zuwenden, wenn Hilfe nötig ist, beispielsweise für ihre eigenen Kinder oder wenn die Apotheke davon profitiert. Da ich (Michael Frass) dieses Phänomen sogar bei sehr engen Verwandten und Freunden beobachten konnte, kann ich die Meinung dieser Skeptiker voll verstehen, insbesondere, da ich selbst skeptisch denke.

Wir möchten Ihnen für Ihre wertvollen Kommentare danken. Wir werden die Überlebenszeiten der Patienten betrachten, die am Ende unserer veröffentlichten Studie noch am Leben waren und vergleichen alle Patienten mit Kontrollgruppen, wie von Ihnen vorgeschlagen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Frass, MD, Im Namen der Co-Autoren

Internist, Intensivmediziner, Homöopath, Erfinder, Skeptiker.

(Zitatende)

Diese ausführliche Antwort sei hier unkommentiert wiedergegeben. Vielmehr möchte ich hier die Übersetzung meiner daraufhin erfolgen erneuten Ausarbeitung gegenüberstellen, die ich am 5. Mai an Prof. Frass und den gleichen Verteiler gemailt habe, den er auch selbst benutzt hat (den englischen Originaltext finden Sie hier):

Meine dritte Ausarbeitung

Dear All

Danke für Ihre ausführliche Antwort. Meine Stellungnahme dazu finden Sie im Anschluss, denn es gibt einen wesentlichen Punkt mit einiger Durchschlagskraft, in dem wir in sehr hohem Maße nicht übereinstimmen.

Allgemein

Zuvorderst, ja, Sie haben Recht, die Arbeit von Stupp [2] enthält Patienten, die sich einer Operation unterzogen hatten. Mein Fehler; als ich meine Ausarbeitung zusammenstellte, habe ich diese nur anhand der Zusammenfassung überprüft und dort werden nur Chemotherapie und Radiotherapie erwähnt. Bitte entschuldigen Sie.

Dann habe ich verstanden, dass bei MRCC und MSARC die angegebenen Daten für ‚Zeit zwischen Diagnose und homöopathischer Behandlung‘ einerseits und ‚erreichte Überlebenszeit‘ bzw. ‚erwartete Überlebenszeit‘ andererseits nicht auf den gleichen Nullpunkt bezogen sind. Das macht die Analyse natürlich schwierig, wie weiter unten gezeigt wird.

In der Tat muss ich feststellen, dass es weitere Unstimmigkeiten in Ihren Daten gibt, die eine korrekte Auswertung schwierig gestalten. Sehen Sie, in Tabelle 3 wird die erwartete Überlebenszeit ‚entsprechend der Bewertung durch Experten und Daten aus der Literatur‘ angegeben, für PC-Patienten werden entweder 8 oder 22 Monate aufgeführt. In Tabelle 4 wird die erwartete Überlebenszeit im Median ‚entsprechend Angaben aus der Literatur‘ für die gleichen Patienten mit 6,6 Monaten angegeben, somit niedriger als alle Daten in Tabelle 3. Die P-Werte in Tabelle 4 beziehen sich wiederum auf andere Zahlen, die als ‚individuell geschätzte Überlebenszeiten entsprechend der Bewertung von Experten‘ definiert sind, ohne dass man diese Daten in der Arbeit fände. Für meine Betrachtungen hier bleibe ich jedoch bei den statistischen Daten, denn diese sind es, die Gaertner et al. als Vergleich zu ihrem Ergebnis in Graphik (fFig. 2) und Tabelle (Tab. 4) anwenden.

Analysemethode

Sie geben an, dass meine Berechnungen unzutreffend seien, ohne dies allzu sehr zu begründen. Man beachte: Ich stelle weder die Quelle Ihrer Vergleichsdaten in Frage, noch die Qualifikation der Wissenschaftler, die diese ermittelt haben. Ich stelle ebenfalls weder die Erfahrung noch die Überzeugungen der Autoren der hier betrachteten Arbeit in Frage. Vielmehr kritisiere ich die Art und Weise, in der Gaertner et al. die Literaturdaten als Kontrolle verwenden. So gut ich das eben kann, will ich im Folgenden darstellen, warum meine Betrachtungen zutreffend sind. Ich bitte Sie darum, mir anzugeben, an welcher Stelle meine Überlegungen fehlerhaft sein sollen.

Gaertner et al. wollen feststellen, ob Patienten, die an Krebs leiden, von einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung profitiert haben könnten, und benutzen die Überlebenszeit nach Erstdiagnose als festen Endpunkt zur Prüfung. Als Kontrolldaten verwenden sie statistische Daten aus der Literatur. Die Autoren werden daher nachweisen müssen, dass die Patienten nach Aufnahme der homöopathischen Behandlung ihre Erstdiagnose länger überlebt haben als diejenigen in der Kontrollgruppe.

Im Folgenden bleiben wir bei den Daten der Patienten mit Krebs an der Bauchspeicheldrüse (‚pancreatic cancer‘ – PC), denn dies erscheint mir als das beste Beispiel, meine Punkte darzulegen. Die Kohorte der Patienten mit lokoregionaler Erkrankung beinhaltet mehr als 7000 Patienten, daher können wir das Kaplan-Meier-Plot (KMP) aus Fig. 2 aus der Arbeit von Boyd et al. [3] als Überlebenskurve für PC ansehen (und ignorieren zunächst, dass Boyds Patienten viel älter waren, im Mittel 78,1 Jahre anstelle von im Median 62 Jahren der PC-Patienten bei Gaertner).

Patienten der Kontrollgruppe wurden bei Boyd et al. ab dem Tag ihrer Erstdiagnose in die Studie eingeschlossen. Das bedeutet, dass dort die Todesfälle ab Tag 1 in die Enddaten eingeflossen sind, was am Ende auf eine Überlebenszeit im Median von 6,6 Monaten hinausläuft. Die PC-Patienten bei Gaertner et al. erscheinen im Median jedoch überhaupt erst sechs Monate nach Erstdiagnose. Todesfälle der Wiener Onkologie innerhalb dieser sechs Monate sind in Gaertners Daten nicht eingeschlossen, diese Patienten sind einfach nicht in die homöopathischen Ambulanz gekommen und wurden daher bei den Überlebensraten nicht mitgezählt.

Die Überlebenszeit im Median ist definiert als die Zeit, die 50 % der betrachteten Patienten überleben. Die statistische Überlebenswahrscheinlichkeit ist das Verhältnis der Anzahl der zum Betrachtungszeitpunkt noch lebenden Patienten zur Gesamtzahl der betrachteten Patienten.

Betrachten wir die Patientin Nr. 39, die ihre homöopathische Behandlung 10 Monate nach ihrer Erstdiagnose begonnen hat. Diese Patientin hatte bereits zu dem Zeitpunkt, als sie erstmals in die Ambulanz kam, die im Median zu erwartende Überlebenszeit übertroffen. War dies ein Ergebnis ihrer homöopathischen Behandlung? Ich hoffe, wir sind uns einig, dass dies nicht der Fall ist.

Hat sie von ihrer homöopathischen Behandlung profitiert? Dies reduziert sich auf die Frage, ob sie mit dem homöopathischen Mittel länger gelebt hat, als es ohne zu erwarten gewesen wäre. Oder noch besser, was war ihr statistisches Sterberisiko, als sie 19 Monate nach ihrer Erstdiagnose verstarb? Das KMP zeigt eine Überlebenswahrscheinlichkeit von nur 16,2 % bezogen auf die gesamte Kohorte.

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Boyd Fig 2

Bild 1: Kaplan-Meier-Plot (KMP): Überlebensdaten [3, Fig. 2], Rot: Daten der Patientin Nr. 39; Grün: Gesamtkohorte: Pkt 1: mittlere Überlebenszeit, Pkt 2: Überlebensrate nach einem Jahr, Pkt 3: Überlebensrate nach 2 Jahren.

Anmerkung: Diese Grafik ist in meiner Antwort nicht enthalten, sie soll dem Leser hier das Verständnis erleichtern.

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Was allerdings wie ein gutes Ergebnis aussieht, wurde in weiten Teilen ohne die Homöopathie erreicht. Ihre Chance, lange genug zu leben, um nach 10 Monaten die homöopathische Behandlung zu beginnen, lag bei nur 34,6 %, wie aus dem KMP ersichtlich. Die Beurteilung, ob sie mit ihrer homöopathischen Behandlung besser gefahren ist als die Patienten ohne, kann nur dadurch erfolgen, dass man betrachtet, was passiert ist, nachdem die Wirkung der Homöopathie erfolgt sein kann. Daher müssen wir den Verlauf betrachten, wie er sich bei ihr ergab, im Vergleich zu den Patienten, die keine homöopathische Behandlung aufgenommen und ebenfalls bereits 10 Monate überlebt hatten.

Der Median der Überlebenszeit für diese Untergruppe, die bereits 10 Monate überlebt hat, kann dem KMP zu dem Zeitpunkt entnommen werden, wenn die Hälfte dieser Untergruppe verstorben ist, das ist die Hälfte der 34,6 % der Gesamtzahl der Patienten. Das ergibt eine Zeit von 18,3 Monaten. Die Patientin hat 19 Monate überlebt, was wegen der Effekte der Rundung in etwa das Gleiche sein kann. Schlussfolgerung: Selbst wenn wir annehmen, dass ein Homöopathieeffekt unmittelbar nach der ersten Konsultation eingesetzt hätte, hat sie gerade eben so etwas länger gelebt als es der mittleren Überlebenszeit entspricht.

Wenn wir aber annehmen, dass ein homöopathischer Effekt erst später eingetreten wäre, erst nach der zweiten oder der dritten Konsultation, dann impliziert dies, dass sie bis dahin ohne Zuhilfenahme der Homöopathie überlebte. Also 12,5 oder 15 Monate, wenn, wie es der Arbeit von Gaertner zu entnehmen ist, die Zeit zwischen den Sitzungen 8 bis 12 Wochen betrug. Und wenn sie 15 Monate gelebt hat, ohne dass die Homöopathie geholfen hat, dann wäre sie eine von nur 22,4 % der Überlebenden der Gesamtkohorte gewesen – und ihre zu erwartende Überlebenszeit hätte mehr als 24 Monate betragen, wo jedoch das zur Verfügung stehende KMP endet.

Betrachten wir die jährlichen Überlebensraten.

Nach den Angaben des KMP betragen die Überlebensraten nach einem und zwei Jahren ab Erstdiagnose 28,6 beziehungsweise 12 %. Aber unsere Patientin ist eine der nur 34,6 %, die 10 Monate überlebt hat. Die [statistische] Chance, 12 Monate zu überleben, ist für sie jetzt, da sie bereits 10 geschafft hat, wesentlich höher als am Anfang. 34,6 % der originalen Kohorte von 7027 Patienten mit einem lokoregionalen Befund ergibt 2431 Überlebende bisher, von denen 2010 auch 12 Monate überlebten – was 82,7 % der Patienten entspricht, die zwei Monate zuvor noch am Leben waren. Auf die gleiche Weise ergibt sich ihre Chance, auch zwei Jahre zu überleben zu 34,7 % – alles dies unter der Annahme, dass ihre Zusatzbehandlung unmittelbar nach der ersten Konsultation wirksam geworden wäre.

So, nun zeigen Sie mir bitte auf, wo und wie meine Überlegungen und Rechnungen in die Irre gehen. Eine Aussage zur Kompetenz der Autoren halte ich, verzeihen Sie, nicht für sehr überzeugend. Ich würde gerne genau den Punkt wissen, an dem ich mich nach Ihrer Meinung irre.

Nachrechnung der PC-Daten

Für Tabelle 1 habe ich die Methodik angewendet wie oben beschrieben, um die Daten für alle acht in der Gaertner-Arbeit enthaltenen PC-Patienten unter der Annahme nachzurechnen, dass die Homöopathie nach der ersten Sitzung einen sofortigen Effekt gezeigt hätte.

Patient
Nr.
Beginn
(Monate)
Ü-Wahrsch.
(%)
1 Jahr
(%)
2 Jahre
(%)
erwartet
(Monate)
erzielt
(Monate)
Diff
(Monate)
37464,244,518,710,815+ 4,2
38938,274,831,416,925+ 8,1
391034,682,734,718,319+ 0,7
402412,0--100,0>> 2426< 0
41187,632,613,67,71- 6,7
42?????36> 0 ?
43652,055,023,013,314+ 0,7
44277,836,715,49,220+10,8

Tabelle 1: Nachrechnung der Daten der PC-Patienten

Die Spalten bedeuten:
Patient Nr.: Referenz zu Tabelle 3 bei Gaertner [1]
Beginn: Zeit zwischen Erstdiagnose und erster homöopathischer Sitzung nach Tab. 3 in [1]
Ü-Wahrsch.: Überlebenswahrscheinlichkeit zu Beginn der homöopathischen Therapie, nach Fig 2 in der Arbeit von Boyd [3]
1 Jahr, 2 Jahre: Überlebenswahrscheinlichkeiten für den jeweiligen Patienten ein bzw. zwei Jahre nach Erstdiagnose, beruhend auf 28,8 bzw. 12,0 % für die gesamte Kohorte aus Fig 2 in [3]
Erwartet: Mittlere erwartete Überlebenszeit (Median) für diesen Patienten aus Fig.2 in [3]
Erreicht: Überlebenszeit des Patienten nach Erstdiagnose nach Tab. 3 in [1]
Differenz: Unterschied in Monaten, + zeigt, dass der Patient länger lebte als im Mittel zu erwarten.

Aus dieser Tabelle kann man ablesen, dass die zu erwartende Überlebenszeit im Median bei 13,3 Monaten liegt (Patient Nr. 43) und diese im Median nur um magere 0,7 Monate überlebt wurde (Patient Nr. 43).

Man beachte, dass diese Daten wesentlich weniger vorteilhaft aussähen, wenn wir ein späteres Wirksamwerden der Homöopathie unterstellten. Fünf Monate später, nach zwei weiteren homöopathischen Sitzungen, wie es die Einschlusskriterien von Gaertner et al. nahelegen, läge die als Median zu erwartende Überlebenszeit bei 18,3 Monaten (Mittel aus Patienten Nr. 37 und 43, da Patient Nr. 40 keine Rolle spielt), was die Patienten mit einem Abstand von im Median 4,3 Monaten nicht erreichten.

Jetzt können wir diskutieren, welche Auswirkungen das wesentlich höhere Alter der Patienten in der Kontrollgruppe (im Mittel 78,1 Jahre) im Vergleich zum Alter von im Median 62 Jahren in der Homöopathiegruppe haben könnte. Aber, da ich über keinerlei tiefergehende medizinische Sachkenntnis verfüge, sind Sie in der besseren Position, dies zu tun, als ich.

Nach der eingehenden Betrachtung von Gaertners PC-Patienten muss ich einfach noch einen Kommentar loswerden. Die Patienten Nr. 38, 39 und 40 haben mit der Homöopathie 9, 10 und 24 Monate nach ihrer jeweiligen Erstdiagnose begonnen und erhielten eine erwartete Überlebenszeit von 8, 8 und 22 Monaten zugeordnet. Das ist ein bis zwei Monate kürzer, als sie bereits überlebt hatten. Tut mir leid, aber das ist lächerlich. Der Patient erscheint in der homöopathischen Ambulanz und erhält die Prognose, dass er seit vier bis acht Wochen verstorben sein müsste. (Okay, ich sehe den Fortschritt. Es geht nicht mehr um Patienten, die bereits ein paar Jahre tot sind, sondern nur noch um solche, die es eigentlich seit ein paar Wochen sein sollten :-)). Und selbst wenn das richtig wäre, dann war es wohl kaum die Homöopathie, die diesen Menschen das Überleben ermöglicht hat.

Für die anderen Krankheitsbilder ist das Vorgehen gleich, sofern die Daten verfügbar sind. Dies bedingt eine gewisse Konsistenz in den Angaben zum Zeitpunkt des Beginns der Therapie und der Überlebenszeiten sowie Überlebensdaten als Kaplan-Meier-Plot. Ich denke, es kann nicht meine Aufgabe sein, dies vollumfänglich auszuführen.

Darstellung der Ergebnisse

Ja, im wörtlichen Sinne sind die Daten, die in Tab. 4 und Fig. 2 des Gaertner-Papers dargestellt werden, nicht falsch. Bleiben wir wieder bei den PC-Daten, dann beträgt die in der Literatur im Median angegebene Überlebenszeit tatsächlich 6,6 Monate und die Patienten haben im Median tatsächlich 17,5 Monate überlebt. Beide Zahlenangaben sind so korrekt wie sie nur immer sein können, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber die Art und Weise, wie Sie sie darstellen, impliziert, dass dem Vergleich dieser beiden Zahlen irgendeine Bedeutung zukommt. In Fig. 2 sind sie als Säulen nebeneinander dargestellt. Aber diese Implikation ist falsch, solange Sie nicht aufzeigen können, worin meine Überlegungen fehlgehen. Das ist etwa so, als würde ich das Alter von Emil von Behring, als er den ersten Nobelpreis erhielt (48), und Ihr eigenes (wissen Sie selbst am besten) nebeneinander darstellen. Beide Zahlen sind absolut korrekt und unabhängig voneinander, aber zusammen transportieren sie vielleicht eine Bedeutung. Völlig ungerechtfertigt, natürlich. Aber vielleicht doch …

Sie haben die Daten persönlich in Berlin vorgetragen. Ich kann wirklich nicht mehr sagen, ob Sie dargestellt haben, DASS die Homöopathie hilft, oder nicht. Es gibt keinen Tagungsband – und ich fürchte, es wird nie in Druckform verfügbar sein, was auf dieser Tagung gesagt wurde und was nicht. Aber dies war kein Treffen von Wissenschaftlern, sondern eine Weiterbildungsveranstaltung für homöopathische Ärzte und Heilpraktiker – und worauf es dabei ankam ist, welchen Geist diese mitgenommen haben. Da gab es ein beeindruckendes Diagramm mit blauen und roten Balken, das aufzeigte, dass Patienten, die eine zusätzliche homöopathische Behandlung begonnen hatten, bis zu dreimal länger lebten als die anderen. Glauben Sie wirklich, dass irgendeiner Ihrer Zuhörer – außer dem einen Skeptiker natürlich – verstanden hat oder sich überhaupt darum kümmert, was die Ursache für diese Ergebnisse in Wirklichkeit sein könnte? Die haben alle den Eindruck mitgenommen, dass Homöopathie ein sehr effektives Verfahren sei, und Ihre Präsentation hat noch den Halbsatz ‚… und man kann damit sogar Krebs für eine ganz beträchtliche Zeit beherrschen!‘ hinzugefügt.

Nun, das ist nicht mehr zu ändern, aber diese Schlussfolgerung ist in Tab. 4 und Fig. 2 der Gaertner-Arbeit enthalten und bietet sich jedem an, der sie als wissenschaftlichen Nachweis für seine Zuhörer verwenden will – wie ich es selbst in Freiburg bei einem homöopathischen Arzt erlebt habe, der sich auf die Behandlung von Krebs spezialisiert hat, und diese seinen Zuhörern bzw. zukünftigen Patienten als wissenschaftlichen Beweis (!) für seine Aussagen vorlegte.

Diese Ausarbeitung ist inzwischen lang genug, daher möchte ich davon absehen, Ihre Aussagen zu diskutieren, wonach Skeptiker dazu neigen, sich einer in ihren Augen als Quacksalberei geltenden Heilmethode anzuvertrauen. Auch nicht zu den Betrachtungen, warum in der Homöopathie so viele Arbeiten nur als Pilot-Studien existieren. Das Fehlen einer Finanzierung mag die Ursache für diese Situation sein – aber ich spreche über die Folgen, dass die Ergebnisse einer Pilotstudie keine belastbare Evidenz darstellen. Dies ist wohl einigermaßen unabhängig davon, ob die beklagenswerte Situation nun durch fehlendes Geld oder Publication bias oder sonst etwas verursacht sein könnte.

Ein Punkt fällt mir noch ein. Ich weiß nicht, wie ich Ihre Aussage bewerten soll, dass einige der Krebspatienten sogar heute noch am Leben sein könnten, zumindest aber die Beobachtungszeit überlebt haben könnten. Mich überrascht es, dass eine Arbeit, die sich mit der Überlebenszeit von Patienten beschäftigt, eine größere Anzahl von Patienten beinhaltet, die noch am Leben sind. Die vielleicht sogar noch sieben Jahre nach Ende der Beobachtung am Leben sind. Wie soll man das verstehen? Komplette Remission, nachdem schon Metastasen aufgetreten sind? Vergleich zu vollen Remissionen bei Patienten, die nicht homöopathisch behandelt worden sind? Qualität der Einstufung als ‚tödlich‘? Nun, wir werden ja sehen, wie das dargestellt wird.

Und vielleicht gibt es noch ein paar Paragraphen, die ich nicht angesprochen habe, aber ich hielt es für wichtiger, mich über die korrekte Vorgehensweise beim Vergleich zu verbreiten – ganz und gar nicht davon überzeugt, dass ich im Irrtum bin.

5. Mai 2015

Norbert Aust

Doktor des Maschinenbauwesens, Spezialist für Strömungslehre und Thermodynamik, Leiter Forschung und Entwicklung, Leiter Qualitätswesen, Patenthalter, Homöopathiekritiker, Hobby-Statistiker, Hobby-Mathematiker, Skeptiker – und gar nichts in Richtung Medizin.

Man wird sehen, was passiert.

Literatur (im Dialog nicht als detailliert angegeben)

[1] Gaertner K, Müllner M, Friehs H, Schuster E, Marosi C, Muchitsch I, Frass M, Kaye AD: Additive homeopathy in cancer patients: Retrospective survival data from a homeopathic outpatient unit at the Medical University of Vienna, Complementary Therapies in Medicine (2014) 22, 320-332 Link zum Abstract

[2] Stupp R, Hegi ME, Mason WP et al.: Effects of radiotherapy with concomitant and adjuvant temozolomide versus radiotherapy alone on survival in glioblastoma in a randomised phase III study: 5-year analysis of the EORTC-NCIC trial, Lancet Oncology (2009) 10: 459-466 Link zum Volltext

[3] Boyd CA, Benarroch-Gampel J, Sheffield KM et al.: The effect of depression on stage at diagnosis, treatment, and survival in pancreatic adenocarcinoma, Surgery (2012) 152(3):403-413. doi: 10.1016/j.surg.2012.06.010 Link zum Volltext

RRightsLink Licence 3623591048399 zur Wiedergabe von Fig. 2 aus [3], hier Bild 1.

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21 Kommentare zu Prof. Frass hält meine Rechnungen für falsch – ich die Seinen

  1. Fliegenschubser sagt:

    Vielen Dank, Herr Aust, für Ihre Ausarbeitungen. Vielen Dank auch an Prof. Frass dafür, dass er sich der Diskussion stellt und diesen Disput hier (quasi) öffentlich führt. Das verdient Respekt.

    • Harry_X sagt:

      Meiner Meinung nach tut es das nicht. Aus derlei Untersuchungen sollte man Begriffe wie „Respekt“ etc komplett heraushalten, weil sie immer auf persönliche Befindlichkeiten abzielen, die einer Versachlichung des Themas abträglich sind.
      So sind mir im Dr.Frass-Beitrag auch ein paar Sachen aufgefallen, die mit dem Thema nur am Rande zu tun haben (die Erwähnung der „Tendenz“ der beteiligten Wissenschaftler; die Seitenhiebe auf die Shang-Studie; die Aussage, daß „Homöopathie helfen könnte“, was ich als Rückzieher empfinde). Das alles hat mit dem konkreten Thema doch wirklich nichts zu tun; die ausführlich geführte Kritik von Herrn Aust wird imho im wesentlichen mit „Ihre Berechnung ist falsch“ abgetan, eine wirklich dezidierte Widerlegung findet nicht statt -zumindest kann ich nichts dergleichen dem Text entnehmen, was ich erstens als Laie, zum zweiten ohne die komplette Studie mitsamt dem statistischen Verfahren inkl. Datenerhebung nachvollzogen zu haben, was ich als Widerlegung erkennen könnte. Beim Aust-Beitrag habe ich zumindest den Eindruck, daß ich die Kritik als nachvollziehbar erachte… wenn ich mir die Mühe machen würde.
      Ich habe die Befürchtung, daß nun wieder Funkstille herrscht, und eine nachvollziehbare Widerlegung der Aust-Kritik nicht erfolgt.

  2. C.W. sagt:

    Vielleicht habe ich ja was versäumt, aber ich verstehe eines nicht:
    Die statistischen Hintergründe der Studien kann ich als Laie nur bedingt nachvollziehen. Aber mir ist irgendwie entgangen wo diese Studien placebokontrolliert und verblindet/ doppeltverblindet sind. Die homöopathisch behandelten Patienten wussten das doch, dass sie ein Homöopathium erhielten, oder nicht? Waren ja möglicherweise noch Patienten, die der Homöopathie eh schon positiv zugetan sind? Oder erhielt auch ein Teil reine Milchzuckerglobuli? Ebenso wussten das doch auch die Ärzte oder nicht? Wenn dann der Teil, der nach meinem Verständnis die Wirkung der Homöopathie überhaupt erst ausmacht ( und diese Wirkung kann ich ja noch nachvollziehen!) nicht verblindet wurde, was sagt das ganze denn dann überhaupt noch aus? Für meine Begriffe hätten alle Globuli erhalten müssen, wobei weder Arzt noch Patient hätte wissen dürfen, wer die Milchzuckerglobuli und wer die für den Patienten in seinem Fall ausgesuchten Globuli erhalten hat. War das nicht so, wäre es doch eigentlich müßig, sich über statistische Mängel zu streiten?

  3. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    @ C.W.

    es kommt in diesem Beitrag nicht so deutlich heraus, aber bei der betrachteten Studie von Gaertner et al. handelt es sich nicht um eine regelrechte placebokontrollierte Vergleichsstudie (PCT). Siehe die im Artikel aufgeführten Links zu den früheren Betrachtungen zu dieser Arbeit und der Diskussion.

    Die generelle Vorgehensweise ist recht logisch: Man hatte in der Homöopathieambulanz den Eindruck, dass Krebspatienten, die zusätzlich homöopathisch behandelt wurden, länger lebten. Um herauszufinden, ob das tatsächlich so ist und ob sich der Aufwand einer PCT lohnt – die dann nach den von Ihnen dargestellten Prinzipien ablaufen müsste – hat man in dieser Arbeit erst einmal versucht, vorhandene abgeschlossene Krankenakten auszuwerten. Wie gesagt, ich halte das für einen sehr vernünftigen ersten Schritt.

    Problematisch ist nur, dass in der Auswertung, das heißt, in dem Vergleich der gefundenen Daten mit statistischen Angaben aus der Literatur, nicht richtig vorgegangen wurde. Man hat die Überlebenszeit der Patienten, die vor der homöopathischen Behzandlung lag, mit in die Betrachtung einbezogen. Ganz platt: Ein Patient mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, der 10 Monate nach der Diagnose mit der Homöopathie beginnt, hat bereits länger überlebt, als im statistischen Mittel zu erwarten war, allerdings ohne dass ihm die Homöopathie bis dahin geholfen hätte. Genau dies aber unterstellt die Auswertung von Gaertner, Frass und Co-Autoren.

  4. Ralf sagt:

    Im Folgenden bleiben wir bei den Daten der Patienten mit Krebs an der Bauchspeicheldrüse (‘pancreatic cancer’ – PC), denn dies erscheint mir als das beste Beispiel, meine Punkte darzulegen.

    Und genau das ist das schlechteste Beispiel.
    Die Streuung des Krebszustand (TNM-Stadium) beim Zeitpunkt der Erstdiagnose (bei ihren Berechnungen fließt das Krebsstadium und der Allgemeinzustand des Patienten nicht mit ein) hat bei einem so aggressiven und schnell tödlich verlaufenden Krebs einen zu grossen Einfluß.

    Daher wiederhole ich die Kritik an Hrn Austs Vorgehen:

    Die Verurteilung einer medizinischen Studie (z.B. weil sie Austs‘ Kriterien nicht erfüllt) ist ohne medizinischem Wissen und ohne inhaltlicher Auswertung nicht möglich und führt wie hier ersichtlich zu Fehlinterpretationen.

  5. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    @ Ralf
    Beschaffen Sie sich erst einmal die Originalarbeit, lesen diese, überlegen, welche Informationen darin enthalten sind – und überlegen dann, ob diese Kritik berechtigt ist. Wenn ja, dann sollten Sie prüfen, an wen diese Kritik zu richten ist.

    Nota bene: Auch in der Arbeit von Gaertner / Frass wird nicht nach den verschiedenen Stadien unterschieden.

  6. Ralf sagt:

    @Norbert Aust

    Sie betrachten eine Krebsart und halten diese für ihre Ausführung als die beste Wahl.

    Ich habe sie darauf hingewiesen, dass gerade diese Krebsart nicht dafür geeignet ist und habe es begründet.

    An wen sonst als an sie, sollte dieser Hinweis gerichtet werden ?

    Desweiteren unterstellen sie mir, ich hätte mich mit der Studie nicht beschäftigt und sollte sie ersteinmal lesen.
    Damit entkräftigt sie keineswegs meinen Hinweis, vermutlich war es nur ein weiterer Versuch mich denunzieren zu wollen.

    Als selbsternannter Hobby-Statistiker, sollte der beschriebene Zusammenhang, auch ohne medizinischem Wissen, nachvollziehbar sein.

    Warum nennen sie sich eigentlich selbst so ?
    Kann man da beginnende Selbstreflexion und Selbstzweifel erkennen ?
    Wenn man ihre Aussagen in einem anderen Thread bez Ausbildung miteinbezieht, entkräftigen sie damit selbst ihre gesamte Argumentationskette, die sich hauptsächlich auf Statistik stützt. Und gerade in diesem Punkt stellt ihnen ihr Wissen wohl niemand in Abfrage. Zumindest meine Kritik richtet sich an ihre Annahmen und Interpretationen und an ihre Vorgehensweise ohne inhaltlichen, medizinischen Bezug.

  7. ringo74 sagt:

    Hallo Ralf,

    wollen oder können sie es nicht begreifen?

    Sie betrachten eine Krebsart und halten diese für ihre Ausführung als die beste Wahl.

    Herrn Aust geht es eben nicht um die medizinischen Aspekte der Studie sondern um das Design der Studie/die Auswertung der Daten. Das ist entweder ein ziemlicher Klopper oder elendiger Beschiss. Um das zu zeigen reicht es, eine Krebsart näher zu betrachten. Das Problem besteht bei allen anderen untersuchten Krebsarten entsprechend genau so.

    Ich habe sie darauf hingewiesen, dass gerade diese Krebsart nicht dafür geeignet ist und habe es begründet. An wen sonst als an sie, sollte dieser Hinweis gerichtet werden ?

    Gemeint war: Sie sollten die Erkenntnis, dass die Krebsart für eine Studie wenig geeignet ist, den Studiendurchführern mitteilen.

    Desweiteren unterstellen sie mir, ich hätte mich mit der Studie nicht beschäftigt und sollte sie ersteinmal lesen.
    Damit entkräftigt sie keineswegs meinen Hinweis, vermutlich war es nur ein weiterer Versuch mich denunzieren zu wollen.

    Auch hier ist gemeint, dass Ihr Hinweis auf die medizinischen Details für die Kritik unerheblich ist.

    Als selbsternannter Hobby-Statistiker, sollte der beschriebene Zusammenhang, auch ohne medizinischem Wissen, nachvollziehbar sein. Warum nennen sie sich eigentlich selbst so ?

    Herr Aust ist schlicht kein Statistiker.

    Viele Grüße
    Ringo74

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Danke, ich war durch längere Abwesenheit verhindert, entsprechend zu antworten.

      Wobei ich mich langsam frage, ob es wirklich sinnvoll ist, einen Troll zu füttern …

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  10. Ralf sagt:

    „Herr Aust ist schlicht kein Statistiker.“
    Vielen Dank für dieses Statement.
    Hr Aust hat in einem anderen Thread geschrieben, dass er Heilpraktiker nicht für ausreichend qualifiziert hält, weil sie, seiner Meinung nach, nicht entsprechend ausgebildet sind.
    Mit ihrem Statement disqualifizieren sie Hrn Aust in statistischen Fragen, gemäß seinen eigenen Vorgaben.
    Ich persönlich sehe das nicht so, aber bitte.

    „Um das zu zeigen reicht es, eine Krebsart näher zu betrachten“
    Dies stimmt eben so nicht. Wenn eine Krebsart herausgepickt wird, dessen Streuung im Anfangsstadium (Diagnose der Krankheit) schon im Bereich der Todesfälle liegt, sind seine Schlüsse daraus falsch. Andere, weniger schnell verlaufende, Krebserkrankungen wären dafür wesentlich besser geeignet gewesen.
    Und wieder sind wir bei dem Punkt, dass ein Mindestmaß an Fachwissen benötigt wird, um eine Studie beurteilen zu können.

    Sie können mich nennen und angreifen wie sie wollen („Wobei ich mich langsam frage, ob es wirklich sinnvoll ist, einen Troll zu füttern“, „wollen oder können sie es nicht begreifen?“ usw.), dadurch vertreiben sie mich nicht.
    Ich höre hier höchstens auf, weil der Aufwand eher fraglich ist. Die Fangemeinde der Anti ist doch sehr überschaubar. Beim letzten Petitionsversuch kamen nicht einmal 3% der Stimmen zusammen, die für eine Petition nötig gewesen wären. Trotz massiver Werbung auf den einschlägigen Homepages. Beim letzten Versuch 2010 mit gleichem Inhalt kamen etwas über 4% zustande.

    Wenn für sie ein Troll jemand ist, dem es immer wieder gelingt Fehler und Widersprüche von Hrn Aust aufzudecken, dann trifft das wohl zu.

    „Danke, ich war durch längere Abwesenheit verhindert, entsprechend zu antworten.“
    Das Thema scheint ein sehr grossen (wenn nicht sogar zu grossen) Anteil in ihrem Leben zu haben, wenn sie 2 Tage schon längere Abwesenheit nennen und sich dafür rechtfertigen müssen. Ich verspüre ernsthaft Mitleid mit ihnen und ich verstehe einiges besser.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ralf

  11. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten.

    Die anderen Teilnehmer der Diskussion können Troll-Diskussionen begegnen, indem sie auf Beiträge des Trolls grundsätzlich nicht eingehen. In der Netzkultur bezeichnet man dies mit der Phrase „Den Troll nicht füttern“ (engl. „Do Not Feed The Troll“, als Akronym DNFTT). Damit entzieht man den Trollen die Aufmerksamkeit, die sie erhaschen wollen.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29

  12. Harry_X sagt:

    tscha… passiert da was oder ist die Sache erledigt?

  13. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    @ Harry_X

    Ich habe den Eindruck, Prof. Frass hält die Diskussion für abgeschlossen. Ich arbeite gerade an einem neuen Blogartikel – danach muss ich wohl einen Brief an den Herausgeber des Journals verfassen, das die Arbeit von Gaertner et al. veröffentlicht hat. Ich werde das dann hier posten. Wir werden sehen, was dann passiert.

  14. Pingback: Homöopathie wirkt doch – nicht @ gwup | die skeptiker

  15. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Nach nunmehr rund einem Monat habe ich noch keine Antwort von Prof. Frass erhalten. Er betrachtet den Fall offenbar als erledigt. Damit ist es wohl nötig, diese Diskussion auf ein anderes Level zu heben.

    Daher habe ich heute dieses Paper zur Veröffentlichung eingereicht, und zwar bei dem gleichen Journal, das auch das Gaertner-Paper veröffentlicht hat. Mal sehen, was dabei rauskommt. Unglücklicherweise erscheint die nächste Ausgabe aber erst im September. Müssen wir uns halt in Geduld fassen.

    Link: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/blog/wp-content/uploads/2015/06/Review-Paper-Draft.pdf

    Natürlich habe ich Prof. Frass auch darüber informiert…

  16. Fliegenschubser sagt:

    @Harry_X
    Es scheint, dass Sie Recht haben. Herr Frass ist wohl doch nicht an einer Diskussion gelegen. Schade. Sehr schade. Ich hätte gerne diese Diskussion verfolgt, besonders den Teil, in dem Herr Frass hätte zugeben müssen, dass seine Studie keinerlei Effekt der HP zeigt.

    @Herr Aust: Wie immer, vielen Dank für Ihre Mühe. Ich bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt, wenn Ihr Paper erst veröffentlicht ist.

  17. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    … da bin ich wohl mit dem Update nicht nachgekommen.

    Zwischenzeitlich hat Professor Frass sich bei mir gemeldet und wir waren übereingekommen, dass er seine Kommentare in meinen Text einträgt, wozu er gestern eine editierfähige Version meiner Ausarbeitung (s. oben) erhalten hat. Heute habe ich dann diese Mail erhalten:

    Sehr geehrter Herr Dr. Aust!

    Vielen Dank, ich werde mich morgen im Nachtdienst bemühen, die Kommentare einzufügen. Ich denke, dass dann die Missverständnisse alle ausgeräumt werden können, denn die Ergebnisse sind tatsächlich sehr positiv. Durch Ihre Hinweise und nochmaliger Durchschau haben sich die Ergebnisse ja noch verbessert, dies genau nachzuprüfen erfordert jedoch, wie schon bemerkt, etwas Zeit.

    Es tut mir leid, wenn die bisherige Darstellung nicht ausreichend zur Interpretation der Datenlage war. Wir werden uns bemühen, in Zukunft die Daten klarer und lesbarer darzustellen.

    Nochmals danke für Ihr Interesse an der Homöopathie und herzliche Grüße aus Wien

    Michael Frass

  18. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Um die Leser auf dem aktuellen Stand zu halten, hier der Text einer Email, die ich heute von Professor Frass erhalten habe:

    Sehr geehrter Herr Dr. Aust!

    Leider war der Nachtdienst doch nicht so ruhig auf der Intensivstation wie erhofft,
    so dass ich keine Möglichkeit hatte, Ihre ausgezeichneten Fragen entsprechend zu beantworten.
    Bitte geben Sie mir noch ein wenig Zeit, da ich leider am Wochenende auswärts bin.

    Bezüglich der Metaanalyse werde ich Ihre Email an Herrn Prof. Dr. Kundi weiterleiten.

    Mit herzlichen Grüßen

    Michael Frass

    Anmerkung: Ich hatte in meinem letzten Mail auch meinen aktuellen Blogartikel zur Arbeit von Rumpl erwähnt.

  19. Pingback: Homöopathie-Debatte mit Norbert Aust und Michael Frass @ gwup | die skeptiker

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