Im Dialog mit Professor Frass

Hier auf diesem Blog wurden bereits mehrfach Arbeiten von Prof. M. Frass zum Thema Homöopathie besprochen und kritisiert. Anlässlich des Kongresses ‚Science meets Homeopathy‘ im Februar 2015 kam es zu einem persönlichen Gespräch, dem jetzt eine ausführlichere Korrespondenz per Email folgt. In diesem Beitrag soll fortlaufend darüber berichtet werden: Stand 28.04.2015

In Kürze

Auf dem Kongress ‚Science meets Homeopathy‘ hatte Prof. Frass einen Vortrag über die Verlängerung der Überlebenszeit von Krebspatienten gehalten, die zusätzlich homöopathisch behandelt wurden. Je nach Krebsart soll demnach eine bis zum Dreifachen verlängerte Überlebensdauer möglich sein. Nachdem mein Einwand, dass es sich hierbei weitestgehend um statistische Artefakte handeln dürfte, nicht direkt beantwortet werden konnte, hatte mich Prof. Frass gebeten, meine Vorbehalte schriftlich darzulegen. Inzwischen liegt eine erste Stellungnahme zu meiner Ausarbeitung vor, in der allerdings die wesentlichen Kritikpunkte nicht aufgegriffen wurden. Daher habe ich meine Sichtweise in einer neuen Ausarbeitung nochmals deutlicher herausgearbeitet – wir werden sehen, welche Reaktionen hierauf erfolgen werden.

Da es in der Homöopathie durchaus nicht unüblich ist, auch Pilotstudien als wissenschaftliche Evidenz zu betrachten, muss aus meiner Sicht das völlig ungerechtfertigte Ergebnis der zugrundeliegenden Arbeit von Gärtner et al. korrigiert werden. Sollten die Autoren dies nicht selbst tun, werde ich im Mai ein entsprechendes Paper zur Veröffentlichung einreichen.

In Länge

Vorgeschichte

Professor Michael Frass ist im deutschsprachigen Raum einer der prominentesten Vertreter der Homöopathie. Er leitet die Spezialambulanz ‚Homöopathie bei malignen Erkrankungen‘ des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, das gleichzeitig als Universitätsklinik fungiert. Zusätzlich ist er unter Anderem der 1. Vorsitzende der ‚Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie‘ (WissHom).

Dennoch haben seine Veröffentlichungen zur Homöopathie bzw. Veröffentlichungen seiner Mitarbeiter einer tiefergehenden Analyse bisher nicht standgehalten, wie hier schon mehrfach auf dem Blog zu lesen war:

  • Bei einer Studie zur Behandlung schwerer Atemwegsprobleme an intubierten Patienten auf der Intensivstation [1] werden die Daten auf eine Weise ausgewertet, dass man sich fragt, ob das Ergebnis die Situation der Patienten überhaupt noch zutreffend wiedergibt (Link).
  • Eine von Ute Parsch untersuchte Studie beschäftigt sich mit der homöopathischen Zusatzbehandlung von schweren Blutvergiftungen [2]. Ob die erst lange nach Ausheilung der Sepsis aufgetretene signifikant höhere Todesrate bei der Placebogruppe überhaupt auf die Sepsis und dann noch auf die homöopathische Therapie zurückgeführt werden kann, bleibt offen (Link).
  • Bei der zusätzlichen homöopathischen Behandlung von Vergiftungen durch Knollenblätterpilze [3] wird der Erfolg ungerechtfertigterweise alleine auf die homöopathische Intervention zurückgeführt (Link). Aus diesem Anlass sind wir uns auch schon im ‚Ochsner Journal‘ begegnet (Link)
  • Schließlich die Arbeit von Gaertner et al., in der eine zusätzliche homöopathische Behandlung ganz außerordentliche Verlängerungen der Überlebenszeit von Krebspatienten bewirkt haben soll [4]. Nach meiner Ansicht handelt es sich dabei jedoch um statistische Artefakte (Link). Diese Arbeit ist erster (?) Gegenstand der jetzt begonnenen Diskussion.

In der Ankündigung zu dem Kongress ‚Science meets Homeopathy‘ in Berlin im Februar 2015 wurde ein Vortrag von Prof. Frass angekündigt, der ganz offensichtlich die letztgenannte Arbeit zum Thema hat. Da auch andere Forscher auftreten sollten, die sich mit der Homöopathie beschäftigen, hatte ich beschlossen, ebenfalls teilzunehmen und persönliche Gespräche mit den Autoren einiger von mir bereits kritisierter Arbeiten zu führen, so auch mit Prof. Frass.

Im Januar 2015 habe ich folglich Prof. Frass persönlich angeschrieben und darum gebeten, am Rande der Tagung einen Gesprächstermin vorzusehen. Natürlich habe ich mich dazu vorgestellt und die Themen kurz umrissen, die sich ebenso natürlich auf meine Kritikpunkte an den oben genannten Arbeiten beziehen (Originaltext). Leider erhielt ich keine Antwort.

Auf dem Kongress trug Prof. Frass erwartungsgemäß die Ergebnisse von Gärtner et al. vor, ich äußerte meinen Kritikpunkt, wonach die Ergebnisse eher die Folge eines fehlerhaft ausgeführten statistischen Vergleichs sind als tatsächliche Belege für die erfolgreiche Anwendung einer homöopathischen Therapie. Da er dazu nicht gleich Stellung nehmen konnte, vereinbarten wir, dass ich ihm meine Vorbehalte schriftlich darlege, was der Ausgangspunkt des jetzigen Dialogs ist.

Kritik an der Arbeit von Gärtner et al. (18. Februar 2015)

Auf Basis meines hier veröffentlichten Blogartikels zu dieser Arbeit habe ich eine ausführliche Ausarbeitung erstellt und an Prof. Frass gemailt (Originaltext). Kernpunkte sind:

  • Die etwas zweifelhafte Darstellung der Patientendaten, wonach, wenn die Angaben zuträfen, drei Patienten die homöopathische Therapie offenbar erst deutlich nach ihrem Ableben aufgenommen hätten.
  • Die Daten aus den Literaturangaben, auf denen das Ergebnis des Vergleichs der Überlebenszeiten beruht, umfassen den Gesamtzeitraum nach Erstdiagnose. Die Daten von Gärtner et al. hingegen erfassen entsprechend der Einschlusskriterien nur solche Patienten, die ihre Erstdiagnose um fast ein Jahr überlebt hatten. Somit ist ein direkter Vergleich, wie er in der Arbeit durchgeführt wurde, nicht aussagekräftig.
  • So sind eine ganze Reihe von Patienten überhaupt erst lange nach Ablauf der nach Literaturangaben prognostitzierten Überlebenszeit in die Studie eingetreten, ihre Überlebenszeiten wurden aber dennoch mit eben dieser kurzen Prognose verglichen.
  • In den zur jährlichen Überlebensrate angegebenen Daten sind auch eine ganze Reihe Patienten eingeflossen, die zu dem jeweiligen Betrachtungszeitpunkt noch gar nicht an der Studie teilgenommen hatten. Ergo kann die Homöopathie zu diesem Zeitpunkt noch keinen Einfluss auf das Überleben dieser Patienten gehabt haben.
  • Die Frage, warum eigentlich nicht Patientendaten aus der Onkologie der Universitätsklinik Wien zum Vergleich herangezogen wurden. Dann hätte man wenigstens vergleichbare Behandlungsstrategien in den Vergleichsdaten vorliegen, was bei internationalen Studiendaten eher nicht der Fall ist.
  • Der Hinweis, dass die veröffentlichten Ergebnisse in dieser Form nicht Bestand haben dürften, zumindest korrigiert wenn nicht gar zurückgezogen werden sollten.

Antwort der Autoren (Datiert 13. April 2015)

Es passierte erst einmal einige Zeit nichts. Ich fragte bei der Hauptautorin nach, die mir zusicherte, sie hätte meine Ausarbeitung erhalten und eine Antwort an Prof. Frass gesandt, der sich sicher mit mir in Verbindung setzen wird.

Bei der Forumsdiskussion auf ‚kurier.at‘, der sich Prof. Frass im März 2015 stellte, fragte ich direkt nach und wurde auf die zeitraubenden anderweitigen Verpflichtungen hingewiesen.

Dann, ich hatte die Sache schon fast abgeschrieben, erhielt ich doch noch eine Antwort von Frau Gärtner und Prof. Frass, durch Emailprobleme offenbar weiter verzögert (Originaltext).

Ich muss feststellen, dass man auf die wesentlichen Punkte meiner Kritik gar nicht eingegangen ist. Man erklärt zwar, dass die Überlebenszeiten tatsächlich, wie von mir vermutet, auf den Zeitpunkt der Erstdiagnose bezogen sind, was bei den Krankheitsbildern der metastasierten Krebserkrankungen naturgemäß das Auftreten von Metastasen ist und nicht die Ersterkrankung. Aber auf die offenbar widersinnigen Daten, wonach Patienten deutlich nach ihrem Ableben mit der homöopathischen Behandlung begonnen haben müssten, wird nicht eingegangen. Man erklärt noch die Anzahlen der Patienten, die ein- und ausgeschlossen wurden, dass nur zwei Patienten zwischen der ersten und der dritten homöopathischen Sitzung verstorben sind – und das war es dann auch.

Das Problem des schiefen statistischen Vergleichs wird nicht angesprochen, ebenso wenig wie der Einfluss des Zeitpunkts der Aufnahme in die Studie auf die berichteten Überlebensraten.

Meine Antwort (27. April 2015)

Ich habe daher eine weitere Ausarbeitung erstellt, in der ich nochmals auf das Problem der Zeitangaben eingehe und soweit eben möglich vorrechne, wie sich die Ergebnisse bei aus meiner Sicht korrekter Vorgehensweise ergeben (Originaltext).

Dreh- und Angelpunkt hierzu sind die aus den zum Vergleich herangezogenen Arbeiten entnehmbaren Kaplan-Meier-Plots. Das sind Darstellungen der Überlebenswahrscheinlichkeit über der Zeit. Die Problematik möchte ich anhand des folgenden Diagramms einmal darstellen:

Stupp_1

Bild 1: Fig 2 aus [5], Ergänzungen s. Text

Dieses Bild ist der Kaplan-Meier-Plot aus der Arbeit von Stupp et al. [5], aus dem Gaertner et al. offenbar ihre Daten entnommen haben (obere blaue Kurve). Diese Grafik stellt die Wahrscheinlichkeit für die Überlebenszeit bei Patienten mit einem Hirntumor (Glioblastom) dar. Der blaue Pfeil gibt die wahrscheinliche Überlebenszeit nach Erstdiagnose an, die im Mittel zu erwarten ist (14,6 Monate). Das ist der Zeitpunkt, an dem die Hälfte der betrachteten Patienten wahrscheinlich verstorben sein wird. Die roten Pfeile kennzeichnen die wahrscheinlichen Überlebensraten nach einem, zwei und drei Jahren (60 %, 27,2 % 16 %).

Die von Gärtner et al. betrachteten Patienten mit dieser Indikation sind im Mittel jedoch erst neun Monate nach der Erstdiagnose in die Studie aufgenommen worden. In diesem Zeitraum sind bereits einige der Patienten aus der Vergleichsuntersuchung verstorben. Diese Situation zeigt der obere grüne Pfeil in Bild 2: nur 75 % der Patienten überleben diese neun Monate. Betrachtet man nur diesen Teil der Gruppe, wie es in der Arbeit von Gärtner et al. geschieht, dann ist die wahrscheinliche Überlebenszeit durch den Zeitpunkt gegeben, zu dem die Hälfte der Mitglieder dieser Teilgruppe verstorben sein werden. Also wenn dies bei der Hälfte von 75 %, mithin bei 37,5 %, der Fall sein wird. Dies ist der untere grüne Pfeil, die wahrscheinliche Überlebenszeit ist demnach 18,7 Monate ab Erstdiagnose.

Stupp_2

Bild 2: Fig 2 aus [5], Ergänzungen s. Text

Nach dem Bild sind nach einem Jahr ab Erstdiagnose nur noch 60 % der Patienten am Leben. Allerdings waren 25 % schon vor Ablauf von neun Monaten verstorben. In der Zeit von neun Monaten bis zu einem Jahr nach Erstdiagnose versterben nur 15 % der Patienten. Bezogen auf die 75 %, die überhaupt in der Gärtner-Arbeit betrachtet werden, ist das ein Fünftel (20 %), vier Fünftel (80 %) der betrachteten Teilgruppe werden das erste Jahr nach Erstdiagnose überleben. Auf die gleiche Weise ist bei der Teilgruppe zwei und drei Jahre nach Erstdiagnose mit einer Überlebensrate von 36,2 bzw. 21,3 % zu rechnen und nicht von 27,2 bzw. 16 %. Damit ergibt sich folgende korrigierte Betrachtung:

 OriginalOriginalKorrigiert
Überleben nacherwarteterreichterwartet
1 Jahr60 %85,7 %80 %
2 Jahre27,2%28,5 %36,2 %
3 Jahre16%28,6 %21,3 %
im Mittel14,6 Mon.19 Mon.18,7 Mon.

Tabelle 1: Vergleich der Überlebenszeiten nach Erstdiagnose für Hirntumor (Glioblastom)

Für das Glioblastom geht der Vorteil bei dieser Betrachtungsweise wie ersichtlich deutlich zurück. Bedenkt man, dass es sich nur um eine Handvoll Patienten handelt, die hier betrachtet werden, dann sind die Streuungen der Istwerte um die Erwartungswerte durchaus im Rahmen dessen, was zu erwarten ist. Ein statistisch signifikanter Vorteil der zusätzlichen homöopathischen Therapie ist wohl eher nicht gegeben.

Für die Indikation des Krebses an der Bauchspeicheldrüse verschwindet der vermeintlich eklatante Vorteil bei der gleichen Betrachtungsweise vollständig, wie die nächste Tabelle zeigt.

 OriginalOriginalKorrigiertKorrigiert
Überleben nacherwarteterreichterwarteterreicht
1 Jahr8 %87,5 %91,7 %83,3
2 Jahre5,8 %37,5 %38,5 %33,3
3 Jahrekeine Daten12,5 %keine Daten0
im Mittel6,6 Mon.17,5 Mon.19,8 Mon.19 Mon.

Tabelle 2: Vergleich der Überlebenszeiten nach Erstdiagnose für Krebs der Bauchspeicheldrüse

Die ursprünglich angegeben 8 bzw. 5,8 % Überlebensrate konnten in der Literatur nicht verifiziert werden, hier wurden die aus dem zugehörigen Kaplan-Meier-Plot ermittelten Daten verwendet. Darüber hinaus wurden die erreichten jährlichen Überlebensraten im Hinblick auf die tatsächlich zum Betrachtungszeitpunkt bereits in die Studie aufgenommenen Patienten korrigiert.

Für die anderen von Gärtner et al. betrachteten Krebsarten konnte ich der angegebenen Literatur keine passenden Vergleichsdaten entnehmen – außerdem kann es nicht meine Aufgabe sein, die komplette Datenauswertung anstelle der Autoren durchzuführen.

Nun könnte man sagen, dass diese Studie ja nur eine Pilotstudie ist, aber die Erfahrung zeigt, dass gerade in der Homöopathie gerne auch Pilotstudien als vollwertige Evidenz betrachtet werden. Daher fordere ich die Autoren auf, geeignete Schritte zu unternehmen, dass die fehlerhaften Daten korrigiert oder gelöscht werden. Sonst würde ich im Laufe des nächsten Monats ein Review verfassen und zur Veröffentlichung einreichen.

Mal sehen, was passiert.

Literatur:

[1] Frass M, Dielacher C, Linkesch M, Endler C, Muchitsch I, Schuster E, Kaye A: Influence of Potassium Dichromate on Tracheal Sekretion in Critically Ill Patients:, in: Chest 2005: 127; 936-941, DOI 10.1378/chest.127.3.936, Link zum Volltext

[2] M. Frass et al: Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial in an intensive care unit. In Homeopathy. 2005 Apr;94(2):75-80. Link zum Volltext

[3] Frass M, Zagorchev P, Yurukowa V et al.: Two Cases of Fulminant Hepatic Failure from Amanita phalloides Poisoning Treated Additively by Homeopathy; The Ochsner Journal (2014); 14: 252-258, Link

[4] Gaertner K, Müllner M, Friehs H, Schuster E, Marosi C, Muchitsch I, Frass M, Kaye AD: Additive homeopathy in cancer patients: Retrospective survival data from a homeopathic outpatient unit at the Medical University of Vienna, Complementary Therapies in Medicine (2014) 22, 320-332 Link zum Abstract

[5] Stupp R, Hegi ME, Mason WP et al.: Effects of radiotherapy with concomitant and adjuvant temozolomide versus radiotherapy alone on survival in glioblastoma in a randomised phase III study: 5-year analysis of the EORTC-NCIC trial, Lancet Oncology (2009) 10: 459-466 Link zum Volltext

Reproduktion von Fig 2 aus dieser Arbeit mit Genehmigung Nr. 3617200972567  von RightsLink(R).

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8 Kommentare zu Im Dialog mit Professor Frass

  1. Daniel sagt:

    Unabhängig von Homöopathie oder nicht: Statistik ist leider die größte Schwäche vieler wissenschaftlicher Arbeiten. Das beginnt schon bei lapidarem wie Prozentrechnen.
    Wenn es ein Risiko von 4% gibt, ergibt ein 20fach höheres Risiko eben nicht 80% 😉

    Wie immer eine sehr gute Detailarbeit. Man darf gespannt sein, wie die Antworten ausfallen. Wobei ich da schon ein gewisse Vermutung habe…

  2. Rupprecht sagt:

    Auf die eventuell erfolgende Antwort bin ich schon jetzt gespannt !!

  3. AlteWeser sagt:

    Ich hoffe, es kommt zu einem Austausch mit Prof. Frass. Dabei geht es mir gar nicht einmal darum, wer zum Schluss Recht behält, sondern darum, dem Austausch der Argumente beizuwohnen. Ich stelle mir das hochinteressant vor.

  4. C.W. sagt:

    Hängt diese Metaanalyse auch mit diesen Arbeiten zusammen?

    http://oekonews.at/index.php?mdoc_id=1098785

    Hochinteressant, wenn die Forschungspreise von der pharmazeutischen (homöopathischen ) Industrie ausgelobt werden 😉

    Ich würde mich auch sehr über einen Austausch mit Prof Frass freuen…..es wäre einfach schade, wenn er sich zu der Kritik nicht äußern würde und ließe für mich nur einen Schluss zu…..

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Vorab: Prof. Frass hat mir inzwischen eine längere Antwort zukommen lassen, die ich hier posten werde – wahrscheinlich in einem eigenen Thread – wenn ich meine Stellungnahme dazu fertig habe. Das wird heute oder morgen der Fall sein.

  5. Joseph Kuhn sagt:

    @ Daniel:

    „Wenn es ein Risiko von 4% gibt, ergibt ein 20fach höheres Risiko eben nicht 80%“

    Sondern?

  6. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Das Problem ist, was man unter dem Begriff ‚Risiko‘ versteht.

    Wenn der Begriff als Wahrscheinlichkeit verstanden wird, dann bedeutet ein Risiko von 4 %, dass das betrachtete Ereignis bei 4 von insgesamt 100 Patienten eintritt, also bei 96 nicht. Ein zwanzigfach höheres Risiko wären dann in der Tat 4 x 20 = 80 von 100 Patienten, also 80 %.

    Betrachtet man als ‚Risiko‘ aber als Quote (‚Odds‘), deren Verhältnis (‚Odds Ratio‘) gerne als Ergebnis von Metaanalysen verwendet wird, dann ist die Sache anders. Die Quote im obigen Ausgangsfall wäre 4 / 96 alo 0,0417. Das Zwanzigfache davon wäre mithin 0,83. Bei insgesamt 100 Teilnehmern bedeutet das, dass bei 45,5 Patienten dieses Risiko eintritt, bei 54,5 nicht. Die Quote ist dann nämlich 45,5 / 54,5 = 0,83. Es zeigt sich also, dass bei einem um den Faktor zwanzig höheren Quotenverhältnis der Anteil der Patienten, bei denen der betrachtete Sachverhalt eintritt, nur um den Faktor 11 steigt. Wobei auch dies davon abhängig ist, wie groß der Ausgangswert war.

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