Homöopathika wirken auch in tiefen Potenzen nicht über Placebo hinaus

Nochmal, auch für Betriebswirte: Homöopathika wirken nicht über den Placeboeffekt hinaus.

Dass dies bei Homöopathika in hoher Potenz so ist, ist vollkommen einsichtig, schließlich ist spätestens oberhalb von D23 / C12 von dem eingesetzten Wirkstoff nichts mehr vorhanden, was eine spezifische Wirkung auslösen könnte. Und andere Erklärungsmodelle der Homöopathen, wie Nanopartikel, Wassercluster, Imprints oder Übertragung von Information stehen in eklatantem Widerspruch zu Wissenschaft und Technik.

Ebenfalls Rohstoffe für Homöopathika

Aber wie ist das bei Niederpotenzen? D12, D6 oder gar noch niedriger? Dort sind doch Bestandteile der Urtinktur vorhanden. Müsste man da nicht von einer Wirksamkeit ausgehen? Also sind bei niedrig potenzierten homöopathischen Präparaten Wirkungen über Placebo hinaus denkbar? Wobei wir davon ausgehen, dass man nicht irgendeine Wirkung haben will – dass Arsenicum album etwa Vergiftungserscheinungen auslöst – sondern dass es um die von den Homöopathen erwarteten Wirkungen geht.

Diese Frage wurde verschiedentlich auf Facebook und per E-Mail an mich gerichtet. Daher hier eine Betrachtung zu diesem Thema, zweckmäßigerweise in drei Schritten:

  • Welche Tagesdosis an Urtinktur und Wirkstoff ergibt sich, wenn man ein Homöopathikum in Niederpotenz entsprechend der Verordnung einnimmt?
  • Sind homöopathische Präparate auf dem Markt, also ohne ärztliche Verordnung käuflich, die bei dieser Tagesdosis einen spezifischen Effekt hervorrufen?
  • Wäre diese Wirkung auch diejenige, die die Homöopathen ihnen zuschreiben?

Angesichts der schier unübersehbaren Menge von denkbaren homöopathischen Mitteln und der großen Zahl von Anbietern kann dies hier natürlich nicht mit dem Anspruch auf Vollständigkeit beantwortet werden. Im Gegenteil, es kann nur anhand einzelner Beispiele versucht werden, die Vorgehensweise zu erkennen und zu beschreiben – was natürlich widerlegt werden kann.

In diesem Artikel werden nur reguläre Homöopathika betrachtet, wie sie von den verschiedenen eingeführten Herstellern nach Arzneibuch oder internen Vorschriften hergestellt und vertrieben werden. Schließlich haben Beispiele in der Vergangenheit durchaus gezeigt, dass bei Produktionsfehlern mitunter Wirkstoffmengen auf die Zuckerkügelchen oder Tinkturen gelangen, die unerwünschte Wirkungen hervorrufen können.

Spoiler:

Nein, nach dem, was sich hier abzeichnet, wirken die frei verkäuflichen Niederpotenzen nicht über den Placeboeffekt hinaus. Natürlich ist es denkbar, dass es von extremen Giftstoffen homöopathische Präparate gibt, bei denen auch Niederpotenzen eine Wirkung haben, aber ob dies dann diejenige ist, von der die Homöopathen in ihren Therapien ausgehen, ist zu bezweifeln. Im freien Handel sind solche Präparate aber nicht.

Die Tagesdosis

Die Deutsche Homöopathie Union (DHU), der größte deutsche Hersteller von Homöopathika, gibt für tiefe Potenzen unter D23 bzw. C11 folgende Dosierungsempfehlung für Erwachsene [1]:

  • Bei akuten Beschwerden stündlich 5 Tropfen, 5 Globuli oder 1 Tablette bis zum Eintritt der Besserung, höchstens 6-mal täglich
  • Danach 3-mal täglich 5 Tropfen, 5 Globuli oder 1 Tablette

Für pharmazeutische Zwecke bilden 20 Tropfen einen Kubikzentimeter, das heißt, ein Tropfen wiegt 0,05 g [2]. Die Tagesdosis beträgt bei Einnahme von Tropfen somit im Akutfall 30 Tropfen oder 1,5 g, danach die Hälfte, also 0,75 g.

Für Globuli verwendet die DHU, wie viele andere Hersteller auch, Zuckerkügelchen der Größe 3, von denen etwa 1200 Stück 10 g wiegen. Darauf wird das Mittel als Dilution im Verhältnis 1 : 100 aufgebracht und verdunstet. Daraus ergibt sich, dass der Patient im Akutfall 0,25 g = 250 mg Globuli einnimmt, auf denen sich die Rückstände von 2,5 mg verdunsteter Dilution befinden. Übrigens auch 1,5 mg zufälliger Verunreinigungen des Zuckers. Nach Ende des Akutfalles ist nur noch die Hälfte einzunehmen, der Patient nimmt also die Verdunstungsrückstände von 1,25 mg Dilution ein. Für die Tabletten konnte keine Herstellvorschrift gefunden werden, allerdings ist die Annahme plausibel, dass die Tagesdosis hier den Globuli entspricht, weshalb diese Darreichungsform nicht weiter gesondert betrachtet wird.

Damit ergeben sich die in der folgenden Tagesdosen an Urtinktur:

PotenzDilution Globuli 
akutregulärakutregulär
D1150 mg75 mg250 µg125 µg
D2 / C115 mg7,5 mg25 µg12,5 µg
D31,5 mg750 µg2,5 µg1,25 µg
D4 / C2150 µg75 µg250 ng125 ng
D515 µg7,5 µg25 ng12,5 ng
D6 / C31,5 µg750 ng2,5 ng1,25 ng
D7 150 ng75 ng250 pg125 pg
D8 / C415 ng7,5 ng25 pg12,5 pg
D91,5 ng750 pg2,5 pg1,25 pg
D10 / C5150 pg75 pg250 fg125 fg
D1115 pg7,5 pg25 fg12,5 fg
D12 / C61,5 pg750 fg2,5 fg1,25 fg

mg: Milligramm – Tausendstel Gramm
µg: Mikrogramm – Millionstel Gramm
ng: Nanogramm – Milliardstel Gramm
pg: Pikogramm – Billionstel Gramm
fg: Femtogramm – Billiardstel Gramm

Dreh- und Angelpunkt ist nun: Woraus besteht eigentlich die Urtinktur? Nicht nur, weil dies der Ausgangsstoff für die homöopathischen Präparate darstellt, sondern auch, weil mit der Urtinktur, soweit sie verfügbar ist, die höchste Tagesdosis eines homöopathischen Mittels erreicht werden kann.

Man hat ja irgendwie die Vorstellung, die Urtinktur sei der reine Wirkstoff – aber das ist nicht der Fall. Im Europäischen Arzneibuch [3], in das offenbar die Vorschriften des deutschen und des französischen Homöopathischen Arzneibuchs eingeflossen sind, wird detailliert aufgeführt, wie die Urtinkturen hergestellt werden müssen.

Ohne auf die Details eingehen zu wollen, sei das Folgende festgehalten:

  • In den Rohstoffen tierischen oder pflanzlichen Ursprungs wird der Gehalt an Wirkstoff nicht überprüft. Je nach Pflanze liegt er damit mehr oder weniger weit unter 100 % und ist als Naturprodukt von erheblichen Schwankungen betroffen.
  • Die Urtinktur ist zumeist ein alkoholischer Auszug (in speziellen Fällen wird auch Glycerin verwendet). Dabei ist der Wirkstoffanteil weiter herabgesetzt, da die zwei- oder dreifache Menge des in den Pflanzen vorhandenen Safts verwendet wird. Bei der ersten Potenzierung wird dies jedoch durch eine verminderte Zugabe von Lösemittel berücksichtigt. (Edit 14.07.2019: Die Saftmenge als Basis für die Menge des Lösungsmittels ergänzt.)
  • Bei tierischem Material, bei getrockneten Pflanzen und löslichen Feststoffen wird die neunfache Menge Lösungsmittel benutzt, die Urtinktur hat dann bereits eine D1-Konzentration.
  • Für unlösliche Feststoffe gibt es keine Urtinktur, da hier die ersten Potenzstufen durch Verreibung mit Zucker hergestellt werden, die erst ab einem Niveau C4 in Lösemittel weitergeführt wird.

Erstes Beispiel: Belladonna (Tollkirsche):
Die höchste Konzentration des Giftes Atropin befindet sich in den Blättern mit bis zu 1,5 %. Dieses ist „gut löslich in Wasser (2,2 g /l)“ und „löslich in Alkohol“, letzteres leider ohne Mengenangabe, aber sicher weniger gut als in Wasser [4]. Gleichgültig: Die Urtinktur ist eine höchstens 0,2%-ige Lösung des Atropins. Zuzüglich natürlich aller anderen in Alkohol löslichen Bestandteile aus der Pflanze.

Zweites Beispiel: Aconitum napellus (Blauer Eisenhut):
Den höchsten Gehalt an Aconitin hat mit bis zu 3 % die Wurzel. Aconitin ist eines der stärksten Pflanzengifte [5], die tödliche Dosis liegt für einen erwachsenen Menschen bei 5 mg [6]. Die Löslichkeit wird in Alkohol mit 35 g/l angegeben, also 3,5 % ist der maximale Gehalt in der Urtinktur.

Drittes Beispiel: Apis mellifica, die Honigbiene:
Der Stich einer Biene verursacht Hautrötungen, Schwellungen, schmerzt. Dafür verantwortlich ist das Bienengift, das kein einheitlicher Stoff ist, sondern aus verschiedenen Proteinen und anderen Molekülen besteht. Eine Arbeiterin wiegt 80 bis 100 mg, sie kann bis zu 0,1 mg Bienengift einsetzen [7]. Wir können also davon ausgehen, dass ein, höchstens zwei Promille der Masse der Biene aus Bienengift bestehen. Da die Bienen mit dem Zehnfachen des Gewichts mit Alkohol versetzt werden, liegt in der D1-Urtinktur (s. oben) der Wirkstoff bestenfalls in D5-Konzentration vor, aber auch das nur, wenn die Biene bei ihrer Verwendung über einen vollen Giftapparat verfügte.

Die Wirkstoffe in der Homöopathie

Es gibt nichts, was absolut ungeeignet wäre, ein homöopathisches Mittel zu sein. Wirklich nichts. Zumindest ist das die Sichtweise, die sich aufdrängt, wenn man eine umfassende Zusammenstellung homöopathischer Mittel betrachtet. Beispiel: www.provings.info, eine von Homöopathie-Wichmann zusammengestellte Seite, auf der (Stand Juni 2019) mehr als 8.500 homöopathische Mittel verzeichnet sind. Ich beschränke mich hier weiter auf die Mittel, für die Wichmann auch Lieferanten nennt, wobei ich dies durch einen Blick auf die Webseiten der genannten Hersteller verifiziert habe. Damit ist aus meiner Sicht sichergestellt, dass es für diese Mittel eine Nachfrage gibt, entweder von Patienten in der Selbstmedikation oder von einem Therapeuten verordnet. Letzteres spräche dafür, dass es mindestens eine Stilrichtung der Homöopathie gibt, in der das Mittel angewandt wird.

In dieser Betrachtung fehlen also die bei Wichmann verzeichneten völlig abstrusen Dinge wie „US-Dollar“, „German Mark“, usw., für die es zwar jeweils eine Arzneimittelprüfung gibt, allerdings kein Lieferant genannt wird. Dies wäre sicher auch kein sonderlich sinnvolles Produkt, schließlich würde das Homöopathikum das bekämpfen, was es bei einem Gesunden hervorrufen kann. Was kann das sein? Reichtum? Finanzielle Unabhängigkeit? Oder ist das eine Anspielung auf den hohen Zuckerpreis, der die beim Patienten vorhandenen Mark und Dollar reduziert?

Oder „Cubus“. Hier ist die Form (!) des Würfels das Ausgangsmaterial. Oder „Meditation“. Ausgangsmaterial ist hier eine Flasche Alkohol, die während einer Gruppenmeditation von 60 Leuten in der Mitte des Raumes stand, in dem diese Meditation stattfand.

Also: Alle im Folgenden genannten Mittel werden ernsthaft hergestellt und irgendwer benutzt die auch.

Immaterielle Ausgangsstoffe

Zunächst gibt es die „Imponderabilia“: In verschiedenen Untergruppen zusammen 123 Mittel, denen Urtinkturen zugrunde liegen, die offenbar nicht aus materiellen Dingen bestehen. Beispiele:

  • Lux iritis – Regenbogen – Hersteller Freeman‘s, Ainsworths – drei Arzneimittelprüfungen
  • Lux lunae – Mondlicht – Hersteller unter vielen anderen: Gudjons – vier Arzneimittelprüfungen
  • Gamma radiatia – Gammastrahlung – Hersteller Freeman‘s – keine Arzneimittelprüfung
  • Microwave 750 MHz – Mikrowelle 750 MHz – Hersteller Helios – keine Arzneimittelprüfung
  • Radiatio TV – Fernseher-Strahlung – Hersteller Helios, eine Arzneimittelprüfung

Es bedarf wohl keiner weiteren Erörterung, dass diese Dinge als homöopathische Mittel verordnet in keiner Potenz eine materielle Wirkung erzielen können, die mit den Lehren der Pharmazie erklärbar wären.

Lebensmittel, Material aus der Umgebung

Eine ganze Reihe von homöopathischen Mitteln basiert auf Lebensmitteln, die wir alle in mehr oder minder großen Mengen zu uns nehmen. Beispiele:

  • Cervisia – Bier – Hersteller Remedia-Apotheke, ab C12
  • Cheddar cheese – Cheddar Käse, Hersteller Helios, ab C3
  • Lac condensatum – Kondensmilch, Hersteller Remedia-Apotheke,
  • Panis tritici albi – Weißbrot, Hersteller Ainsworths, ab C1
  • Whisky – Whisky, Hersteller Ainsworths, ab C6
  • und viele andere Mittel mehr

Weiterhin gibt es Homöopathika, die auf Dingen beruhen, die in großer Zahl und Häufigkeit in unserer täglichen Umgebung vorkommen:

  • Aer automobilis – Autoabgas, Hersteller: Ainsworths, Helios
  • Nylon – Nylon (Kunstfaser), Hersteller: Ainsworths
  • Sapo domesticus – Kernseife, Hersteller: Remedia ab C5
  • Vacuum cleaner dust – Staubsaugerstaub, Hersteller: Helios ab C12
  • Tap water – Leitungswasser, Hersteller: Ainsworths ab C1.
  • und sehr viele andere mehr.

Auch hier dürfte es unstrittig sein, dass eine Tagesdosis im Milligrammbereich keinerlei Wirkung hervorrufen kann, einfach weil wir diesen Stoffen bereits in derartigen Mengen ausgesetzt sind, dass die homöopathische Dosis keinen Unterschied macht, da sie kleiner ist als die täglichen Schwankungen.

Folgerung bisher: Es gibt homöopathische Mittel in Hülle und Fülle, die entweder keine beständige materielle Erscheinungsform haben und somit auf keine pharmakologisch verständliche Weise eine Wirkung ausüben könnten, oder Mittel, denen wir im täglichen Leben in derartigen Mengen ausgesetzt sind, dass selbst die größtmögliche Tagesdosis unterhalb der Toleranz liegt und nicht bemerkt wird.

Konventionelle Arzneimittel

Am anderen Ende der Skala gibt es Mittel, die auf synthetischen Arzneimitteln beruhen (Gruppe „Synthetische Arzneimittel innerhalb der „Mineralia“), zusammen 680 Mittel. Hier handelt es sich um Wirkstoffe, wie sie auch in der evidenzbasierten Medizin angewandt werden. Beispiel:

Ibuprofenum – Ibuprofen – Hersteller Remedia, Ainsworths etc. – keine Arzneimittelprüfung

Remedia bietet Ibuprofenum als Globuli ab den Potenzen D5 und C3 an, als flüssige Dilution ab D4 und C2, was eine Tagesdosis von maximal 25 ng (Nanogramm, Milliardstel Gramm) als Globuli oder oder 0,15 mg als Dilution ergibt.

Auf dem Beipackzettel von Ibuprofen selbst findet sich die Angabe, dass die Tagesdosis für Kinder bei 200 mg liegen sollte, maximal bis 600 mg pro Tag. Bei Erwachsenen maximal 1200 mg pro Tag [8]. Das ist um Größenordnungen mehr als bei den Homöopathika. Selbst ein ganzer Liter des Homöopathikums als Dilution, das größte Gebinde, enthält nur ein Viertel der Wirkstoffmenge einer einzigen Tablette von Ibuprofen 400.

Natürlich existieren Medikamente, die auch bei deutlich niedrigerer Tagesdosis als 200 mg eine Wirksamkeit entfalten – aber die homöopathischen Präparate tragen dem Rechnung, indem sie erst in höherer Potenzierung, also in stärkerer Verdünnung, angeboten werden.

Beispiel:
Estriol, ein Hormon, wird nach Angaben des Herstellers bis max 4 mg / Tag eingenommen [9]. Das entsprechende Homöopathikum wird als Globuli ab D12/C6 oder als Dilution ab D12 / C9 angeboten (Remedia), sowie ab C6 (Ainsworths) und ab C6/D12 (Homeocur). Die Tagesdosis läge demnach im Bereich Billionstel und Billiardstel Gramm.

Es sei angemerkt, dass diese Betrachtungen nur gelten, wenn wirklich der reine Wirkstoff das Ausgangsmaterial wäre – und nicht etwa eine Tablette des konventionellen Medikaments. Ein solches Vorgehen ohne große Berücksichtigung des tatsächlichen Gehalts an Wirkstoff wäre für die Homöopathie nicht überraschend, denn auch bei anderem Ausgangsmaterial ist wie oben beschrieben die Überprüfung des Wirkstoffgehalts nicht vorgesehen.

Man kann hier sicher davon ausgehen, dass extreme Mengen der Homöopathika eingenommen werden müssten, um eine pharmakologische Wirkung zu erreichen, was bedeutet, dass die aus den Arzneistoffen hergestellten regulären Homöopathika keine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus entfalten können.

Giftstoffe

Es gibt natürlich Stoffe, die selbst in kleinsten Mengen eine furchtbare Wirkung entfalten können, Giftstsoffe, die auch zu Homöopathika verarbeitet werden. Prinzipiell könnte bei den stärksten Giften durchaus bei den mit Niederpotenzen eingenommenen Tagesdosen eine Wirkung auftreten.

Beispiel: Botulinum – Botulintoxin,
Hersteller Helios (ab C12), Remedia-Apotheke (ab D12), Ainsworths (ab C12) und Homeocur (ab C6). Zum Vergleich: Der LD50-Wert, also die Giftmenge, die bei der Hälfte der Menschen zum Tode führt, liegt bei nur 1 ng/kg Körpergewicht. Für die niedrigste angebotene Potenz gilt:

Mensch 90 kg, LD50 90,0 ng
Tagesdosis D12 Dilution: 0,001 5 ng
Tagesdosis D12 Globuli: 0,000 002 5 ng

Bitte die interessante Anmerkung zum Gebrauch von Botox im Kommentar von borstel beachten (hier). Danke für den Hinweis.

Wobei diese Rechnung wiederum nur gilt, wenn tatsächlich das unverdünnte Gift als Ausgangsbasis für die Urtinktur herangezogen werden würde. Dies würde aber Sicherheitsvorkehrungen erfordern, die bisher von keinem Homöopathiehersteller berichtet werden, und hätte auch eine entsprechende Entsorgungsproblematik zur Folge. Insbesondere im Hinblick darauf, dass das eingesetzte Gift praktisch vollständig im Ausguss landet. In einer früheren Darstellung zu Botulinum schrieb die Remedia Apotheke hingegen, dass die Urtinktur lediglich ein alkoholischer Auszug aus verdorbenem Schweinefleisch sei (leider ist diese Eintragung inzwischen verschwunden, dies kann somit nicht belegt werden).

Soweit hier ersichtlich, ist die Tagesdosis um den Faktor 60.000 kleiner als LD50. Nun ist sicher nicht der Tod des Patienten Ziel der Behandlung, aber die Tagesdosis erscheint weit genug von LD50 entfernt, um sicher keine Wirkung zu erzeugen.

Dieses Vorgehen scheint für die in der Homöopathie verwendeten Giftstoffe typisch zu sein. Hier einige Beispiele von Giftstoffen, deren LD50-Werten umgerechnet auf einen 90 kg schweren Erwachsenen und der Vergleich mit der niedrigsten Potenz der Remedia-Apotheke:

NameLD50 [mg/kg]LD50 bei 90 kg [mg]Min. Potenz GlobuliMin. Potenz Dilution
Aflatoxin0,4843,2HochpotenzHochpotenz
Natriumcyanid6,4576C5C6
Aconit0,16614,9C7C9
Strychnin2,35211,5D12D15
Cyankali8,5765D10D10

Wie ersichtlich, liegt bei allen diesen Mitteln die höchste Konzentration in der Dilution bei D10, was nach obiger Tabelle eine maximale Tagesdosis im Akutfall von 150 pg ergibt, das sind 0,000 000 150 mg.

Schlussfolgerung: Giftstoffe, die bei extrem niedriger Potenzierung durchaus eine Wirkung hervorrufen könnten, sind nicht in diesen Potenzen erhältlich. Die Tagesdosis ist um mindestens den Faktor 50.000 niedriger als LD50 und damit wohl weit außerhalb einer therapeutischen Wirksamkeit.

Heilpflanzen und andere pflanzliche oder tierische Quellen

In der Homöopathie werden viele Mittel angewandt, die pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind. Natürlich gibt es Heilpflanzen, die Stoffe enthalten, die in passender Dosierung spezifische Wirkungen entfalten können. Man denke an Kamille, Johanniskraut oder Baldrian. Auch Tiere können Quellen sein, etwa die Gifte von Schlangen oder Quallen. Es erstaunt aber schon, von welchen Tierarten Material genommen wird, das dann in minimalen Mengen eine Wirkung erbringen soll, hier Beispiele aus dem Liefersortiment von Remedia:

  • Lac elefantis – Indische Elefantenmilch
  • Mus musculus – Hausmaus
  • Bos taurus – Stier
  • Giraffa camelopardalis – Giraffe
  • Cyprinus carpio – Karpfen
  • und viele andere mehr.

Auch viele eigentlich harmlose Pflanzen, die zudem in großem Umfang als Nahrungsmittel verzehrt werden, finden sich als homöopathische Mittel wieder, einige Beispiele ebenfalls aus dem Lieferprogramm der Remedia-Apotheke:

  • Solanum tuberosum – Kartoffel
  • Cucumis sativus – Salatgurke
  • Rubus idaeus – Himbeere
  • Juglans – Walnuss
  • Oryza sativa – Reis
  • Triticum e seminibus – Weizen
  • und so weiter.

Leider wird nichts über die Natur der Urtinktur ausgesagt, welche Bestandteile verarbeitet werden. Denkbar wäre ja, dass zum Verzehr ungeeignete Bestandteile zum Einsatz kommen, etwa die oberirdischen Fruchtstände von Kartoffeln. Es erscheint indes schwer vorstellbar, dass irgendetwas aus diesen Tieren oder Pflanzen, in einer Tagesdosis von weit unter einem Gramm eingenommen, irgendeine fühlbare Wirkung auslösen sollte.

Arzneipflanzen oder auch einzelne Organe von Tieren zeichnen sich dadurch aus, dass sie tatsächlich einen Wirkstoff enthalten können, der medizinisch wirksam eingesetzt werden kann. In der Homöopathie kommen nach HAB jedoch wie oben beschrieben nicht die Wirkstoffe, sondern die Pflanzen- und Körperteile als Ausgangsstoffe zum Einsatz. Entsprechend niedrig ist der Gehalt in der Urtinktur. Für die oben dargestellten Beispiele ergeben sich folgende Tagesdosen:

Aus dem Lieferprogramm der Remedia-Apotheke:

  • Belladonna:
    Globuli ab D2 – Tagesdosis max. 0,2 % von 25 µg
    Dilution ab D4 – Tagesdosis max. 0,2 % von 150 µg
  • Aconitum napellus:
    Globuli D2 – Tagesdosis max. 3,5 % von 25 µg
    Dilution D4 – Tagesdosis max. 3,5 % von 150 µg
  • Apis mellifica:
    Globuli D1 – Tagesdosis max. 0,02 % von 250 µg
    Dilution D3 – Tagesdosis max. 0,02 % von 1,5 mg

Es ergeben sich in diesen Beispielen folglich Tagesdosen von maximal 5,2 µg, zumeist deutlich darunter, bei einer LD50-Dosis für einen Erwachsenen bei oraler Aufnahme von mindestens 90 mg.

Für Atropin beträgt die Dosis zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen für einen Erwachsenen 0,5 mg (Danke borstel für den Hinweis mit Quelle in den Kommentaren)

Vergleichen wir die Dosierungsempfehlungen für Phytopharmaka des Herstellers Wilmar Schwabe mit den Tagesdosen, wie sie bei den Homöopathika mit dem gleichen Ausgangsmaterial möglich sind:

  • Ginkgo-Trockenextrakt gegen Schwindel: 120 – 240 mg/Tag [12]
    Der Trockenextrakt wird aus der 35 bis 65-fachen Menge Blättern gewonnen, die Menge entspricht also 4.600 bis 15.600 mg Ginkgo Blätter,
    Remedia: Globuli und Dilution D1: 250 µg / 150 mg.
  • Pelargonium-sidoides-Wurzeln-Auszug bei Atemwegsinfekten: 60 mg / Tag,
    Remedia: Globuli D3, Dilution D6: 2,5 µg / 1,5 µg
  • Sägepalmenfrüchte und Brennesselwurzel gegen Prostatabeschwerden: 329 / 240 mg / Tag,
    Sägepalme: Globuli D2, Dilution D4: 25 µg / 150 µg
    Brennesselwurzel: Globuli D2, Dilution D3: 25 µg / 1,5 mg
  • Johanniskraut bei Niedergeschlagenheit: 600 mg.
    Globuli D4, Dilution D6: 250 ng / 1,5 µg

Was mit dieser Aufstellung klar werden sollte: Mit den in der Homöopathie erreichbaren Tagesdosen erreicht man auf keinen Fall die in der Phytotherapie erforderlichen Einnahmemengen. Auch bei diesen Präparaten ist eine Wirksamkeit über Placebo hinaus bei regulär hergestellten Homöopathika nicht möglich.

Wirkung

Wir können also davon ausgehen, dass es ausschließlich extreme Giftstoffe sein können, die bei extremen Niederpotenzen bei verordnungsgemäßer Einnahme eine Wirkung hervorrufen könnten. Solche Mittel sind zwar nicht im Handel, aber es könnte sein, dass sie auf Rezept einzeln hergestellt und mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen verabreicht werden.

Für Belladonna, Atropin, wird die pharmazeutische Wirkung bzw. die Giftwirkung wie folgt beschrieben [4]:

  • Beschleunigung der Herzfrequenz
  • Weitstellung der Bronchien
  • Weitstellung der Pupillen
  • Austrocknung der Schleimhäute
  • Vergiftungserscheinungen: Rötungen der Haut, Herzrasen, Verwirrtheit, Halluzination, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung, Tod.

Zur medizinischen Verwendung werden für Atropin folgende Einsatzgebiete angegeben:

  • Kreislaufstillstand
  • Bradykardie (zu niedrige Herzfrequenz)
  • (therapeutische) Erweiterung der Pupillen
  • Gegengift bei Vergiftungen durch Pflanzenschutzmittel und Nervenkampfstoffe (Tabun, Sarin)
  • Entspannung von Krämpfen der glatten Muskulatur

In der Homöopathie wird hingegen davon ausgegangen, dass folgende Beschwerden gut auf Belladonna ansprechen, ggf. auch nur begleitend zur konventionellen Therapie [11]:

  • Mandelentzündung
  • Fieber
  • Harnblasenentzündung
  • Brustentzündung
  • Gelenkentzündung
  • Grippale Infekte
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Ohrenschmerzen, Mittelohrentzündung
  • Kopfschmerzen
  • Sonnenstich
  • Sonnenbrand
  • Verbrennungen
  • Hautinfektionen
  • Zahnschmerzen
  • Bluthochdruck
  • eitrige Mandelentzündung
  • Blinddarmentzündung
  • Scharlach
  • Masern
  • Mumps
  • Fieberkrämpfe
  • Grippe
  • Hirnhautentzündung
  • Hepatitis

Dies deckt sich weder mit den beschriebenen Wirkungen des Atropin noch mit den Einsatzgebieten in der Medizin. Selbst wenn – beispielsweise durch einen Produktionsfehler – zu viel Atropin auf den Zuckerkügelchen gelandet sein sollte, dann ist auf keinen Fall mit den Wirkungen zu rechnen, die seitens der Homöopathie erwartet werden.

Schlussfolgerung

Die Tagesdosen der Homöopathika sind auch bei Niederpotenzen sehr niedrig, wesentlich niedriger als für die therapeutische Anwendung des eingesetzten Wirkstoffs erforderlich ist. Wobei es eine unüberschaubare Menge an Mitteln gibt, bei denen unklar ist, dass sie überhaupt eine Arzneiwirkung entfalten könnten. Natürlich gibt es auch einige wenige Giftstoffe, die in den niedrigsten Potenzen oder gar als Urtinktur heftige Wirkungen hervorrufen könnten, jedoch sind diese Präparate nicht als Homöopathika im Handel und die niedrigsten Potenzen sind vieltausendfach stärker verdünnt als es für die Wirkung erforderlich wäre.

Diese Betrachtung beruht, das muss wiederholt werden, nur auf einer stichprobenartigen Sichtung der Angebote weniger Lieferanten für wenige Mittel. Bei weit über 8000 in der Homöopathie bekannten Mitteln bei vermutlich Dutzenden oder gar Hunderten von Herstellern ist eine systematische Übersicht nicht zu leisten. Andererseits ist die Unbedenklichkeit der Präparate – aka deren hinreichend niedrige Dosierung, um Schäden zu vermeiden – die einzige Anforderung, die bei der Zulassung oder Registrierung an homöopathische Präparate gestellt wird.

Daher:

Homöopathie wirkt nicht über ein Placebo hinaus – auch bei niedrig potenzierten Mitteln nicht.

Literatur

[1] NN: Wie viel – Globuli richtig dosieren; Webseite der DHU, (Link) abgerufen 01.07.2019.

[2] NN: Der Tropfen als Maßeinheit, (Link) abgerufen 01.07.2019

[3] Europäisches Arzneibuch, 8. Ausgabe 6. Nachtrag, pp 7469 – 7482

[4] Eintrag „Atropin“ auf Chemie.de, (Link) , abgerufen 30.06.2019

[5] Eintrag „Blauer Eisenhut“ auf www.giftpflanzen.com (Link), abgerufen 30.06.2019

[6] Eintrag „Aconitin“, auf Chemie.de (Link) , aberufen 20.06.2019

[7] NN, „Westliche Honigbiene“ (Link), abgerufen 01.07.2019, Kapitel „Körperbau“ und „Verteidigung“.

[8] NN: Gebrauchsinformation Ibuprofen 400 (Link), abgerufen 30.06.2019

[9] NN: OeKolp(R)-Tabletten 2 mg, Beipackzettel der Fa. Dr. Kade Besins (Link), abgerufen 30.06.2019

[10] NN: Gift, Wikipedia (Link), abgerufen 01.07.2019, LD50-Tabelle

[11] Mai M: Belladonna, Eintrag auf NetDoktor (Link)

[12] https://www.tebonin.de/schwindel#/behandlung

[13] https://www.umckaloabo.de/

[14] https://www.prostagutt.de/prostagutt-forte/darreichungsformen-von-prostagutt-und-prostagutt-forte/

Webseiten der Hersteller und Homöopathika-Verzeichnis

Ainsworths: https://www.ainsworths.com/RemedyStore3/

Freeman‘s Homeopathic Pharmacy: https://www.freemans.scot/index2.html

Gudjons: https://www.gudjons.com/unsere-arzneien/

Helios: https://www.helios.co.uk/

Homeocur: https://www.homeocur.com/member/

Homöopathie Wichmann: www.provings.info

Remedia-Apotheke: https://www.remedia-homoeopathie.de/homoeopathie-liste-von-a-bis-z/la

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6 Antworten zu Homöopathika wirken auch in tiefen Potenzen nicht über Placebo hinaus

  1. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Hallo Herr Hümmer,

    „Aber wie Sie auf den Schluss aus dieser Herkulesarbeit kommen:“Homöopathie wirkt nicht über ein Placebo hinaus – auch bei niedrig potenzierten Mitteln nicht.“ bleibt mir irgendwie schleierhaft.“

    Der Schluss ist doch naheliegend: Ohne Wirkstoff keine spezifische Wirkung der Präparate und da auch in Niederpotenzen, wie hier stichprobenartig betrachtet, keine hinreichenden Mengen an Wirkstoffen enthalten sind, können sie keine spezifischen Wirkungen hervorrufen.

    Ihre Argumentation hingegen enttäuscht mich: Sie begründen die Wirksamkeit der Homöopathie mit den Schwächen der konventionellen Medizin? Und Sie haben mir an anderer Stelle Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen?

    „Wir haben aber zum Glück die klinische Empirie über 200 Jahre (das hat keine der heute angewendeten konventionellen Therapien), und die spricht ein deutliches Wort.“

    So, tut sie das? Welche Daten haben Sie denn vorliegen? Sicher, Sie zitieren gerne positive Fälle. Aber in wie vielen Fällen ist das Ergebnis nicht positiv? Also wie hoch ist die Erfolgswahrscheinlichkeit? Und das im Vergleich zur Nicht-Behandlung? Oder einer bekannt wirksamen Behandlung? Soll heißen: Sie brauchen alle vier Angaben aus einer Kontingenztafel, aus Behandlung / nicht Behandlung und Erfolg / nicht Erfolg (https://de.wikipedia.org/wiki/Kontingenztafel).

    Zu Ihrer Studie:
    Gut, können wir machen, dann sollten wir den Vorschlag weiter ausarbeiten.

    Frage 1: Wer finanziert das Vorhaben? Ich habe gehört, eine valide Studie verursacht Kosten im sechsstelligen Bereich. Woher kommt das Geld?

    Frage 2: Wie soll die Studie ablaufen, welche Kriterien gibt es etc? Als Muster, welche Informationen zu erarbeiten sind, könnten Sie ja diesen Eintrag im Deutschen Register klinischer Studien heranziehen: https://www.drks.de/drks_web/navigate.do?navigationId=trial.HTML&TRIAL_ID=DRKS00006132

    Ich freue mich, wieder von ihnen zu hören.

    Viele Grüße
    Norbert Aust

  2. Heinrich Hümmer sagt:

    Respekt, Herr Aust!
    Sie arbeiten sich ja richtig ab an der Homöopathie (ist die das denn überhaupt wert als esotherischer Kram?).
    Aber wie Sie auf den Schluss aus dieser Herkulesarbeit kommen:“Homöopathie wirkt nicht über ein Placebo hinaus – auch bei niedrig potenzierten Mitteln nicht.“ bleibt mir irgendwie schleierhaft.
    Natürlich gibt es grauenhafte Auswüchse in der Homöopathie – aber gibt es die nicht auch in der konventinellen Medizin? Z.B. mit erwiesenermassen unnötigen Operationen und manchen Chemotherapien, deren Wirkungen in Studien völlig unbewiesen sind (das ist dann in etwa so wie „Vacuum cleaner dust“ s.o.) und das Leben eher noch auf grausame Weise verkürzen..
    Da ist mir und den Patienten dann schon lieber, in so phantastischer Weise darum herum gekommen zu sein, ohne dass zu irgendeinem Zeitpunkt das Risiko eingegangen wurde, eine erforderliche konventionelle Therapie zu verpassen: https://t.co/r3wJSsVWd8
    Und natürlich ist ein großer Anteil der sog. Arzneimittelprüfungen mist!
    Wir haben aber zum Glück die klinische Empirie über 200 Jahre (das hat keine der heute angewendeten konventionellen Therapien), und die spricht ein deutliches Wort.
    Sie erinnern sich an unsere angedachte Studie: Merc-c C 30 bei Divertikulitis nicht vergessen – Sie könnten vom Saulus zum Paulus konvertieren auch ggf. mit der empirischen Erfahrung am eigenen Leib.
    Dann könnten wir Sie als fleißger, begeisterter, seriös und präzise arbeitender Verfechter der Homöopathie gut gebrauchen. Vielleicht können wir ja doch noch Jutta Hübner ins gemeinsame Studien-Boot holen?

  3. Andy Fischer sagt:

    Hallo Herr Doktor Aust,

    Vielen Dank und wieder einmal Respekt für die Mühe und Energie. Eine Frage, die nicht konkret mit dem Artikel zu tun hat: Hat es eigentlich eine erkennbare Auswirkung gehabt (Kontakte zum INH, Zugriffe auf Ihre Seite, …), dass Böhmermann sich kürzlich recht populär an der Homöopathie abgearbeitet hat (https://www.youtube.com/watch?v=pU3sAYRl4-k) ?

  4. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Danke. Ich nehme das in den Artikel mit auf.

  5. borstel sagt:

    Danke, das ist ein notwendiger Artikel!

    Ein paar Anmerkungen:
    Ich wußte bislang nicht, daß die Herstellung der Urtinktur vollkommen unstandardisiert erfolgt. Jedem „normalen“ Apotheker oder Pharmaunternehmen würde bei einem solchen Vorgehen gewiß die Betriebserlaubnis entzogen werden.

    Von der LD50 auf Dosen zu schließen, in denen eine therapeutische Wirkung vorhanden ist (oder auf die sog. therapeutische Breite zu schließen, den Bereich zwischen therapeutischer Wirkung und toxischer Wirkung), dürfte etwas schwierig sein. Allerdings gestehe ich gerne zu, daß in einem Fall wie Natriumcyanid, für das es keine medizinische Anwendung gibt, keine andere Möglichkeit besteht, die Relationen der Dosen darzulegen.

    Gerne würde ich aber ein paar Zahlen ergänzen:
    – Atropin: Die Dosierung bei Herzrhythmusstörungen beträgt 0,5 mg (https://eref.thieme.de/images/supmat/292010101_Atropinsulfat.pdf) beim Erwachsenen – man sieht, wie weit entfernt die Dosierungen in den Globuli sind.

    – Botox: Dieser Fall ist insofern herausfordernd gewesen, weil normalerweise die Dosierung in Internationalen Einheiten erfolgt, welche je nach Präparat auch unterschiedlich sind. Folgen wir https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-077l_S1_Aesthetische_Botulinumtoxin_Therapie_2018-06.pdf, so ergibt sich aus der Tabelle auf Seite 9, daß in einer Ampulle ein maximal einstelliger Nanogrammbetrag an Toxin enthalten ist. Desweiteren wird von dieer Menge nur bis weniger als die Hälfte dieser Dosis in einer Sitzung verwendet. Nichtsdestrotz zeigt sich hier natürlich die geringe therapeutische Breite des Toxins (mit ungefähr 20 Ampullen könnte ein Mensch getötet werden, und es wäre hierfür ausreichend, den Inhalt einzunehmen, und auch die Anweisungen der Hersteller zur Vernichtung nicht verbrauchten Toxins sind aufgrund seiner Stabilität streng), aber gleichzeitig wird noch einmal klar, daß die postulierten Effekte selbst bei dem so giftigen Botox nicht in der Niedrigpotenz auftreten können.

  6. Pingback: „Nochmal, auch für Betriebswirte: Homöopathika wirken nicht über den Placeboeffekt hinaus“ | gwup | die skeptiker

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