Homöopathische Arzneimittelprüfung – scheinbare Wissenschaft

Ist die Homöopathie eine Wissenschaft? Wird dort Forschung betrieben? Nur wenn man diese Fragen vollumfänglich mit ‚ja‘ beantworten könnte, nur dann wäre es gerechtfertigt, Homöopathie als eigenständiges Studienfach zu etablieren, in dem Bachelor of Science oder Master of Science als akademische Grade verliehen werden können.

In diesem Artikel wurde bereits dargestellt, dass die Grundlagen der Homöopathie denjenigen einer dogmatischen Heilslehre oder Religion entsprechen, bei der sämtliches Wissen auf den Erkenntnissen eines prophetischen Gründervaters basiert, und das ein für alle Mal in einem heiligen Buch niedergelegt ist. Für die Homöopathie heißt der Prophet Samuel Hahnemann und die heilige Schrift ist der vor nunmehr 200 Jahren erstmals publizierte Organon der Heilkunst. Analog einer Bibel oder eines Koran wird der Organon heute noch vollumfänglich als gültig erachtet. Moderne Abhandlungen zur Wirkungsweise beschränken sich analog zur Theologie darauf, ob man nicht die eine oder andere Passage aus dem Heiligen Buch auf die zu untersuchende Fragestellung anwenden kann. Gelingt dies, dann gilt das Problem als gelöst, denn wie auch die Bibel braucht der Organon keinen weiteren Nachweis seiner Gültigkeit.

Ein weiteres Merkmal einer Wissenschaft ist, dass dort ständig versucht wird, das vorhandene Wissen zu überprüfen und zu erweitern. Es ist absehbar, dass in der Diskussion um die Wissenschaftlichkeit der Homöopathie irgendwann angeführt werden wird, dass man genau dies betreibe, indem man im Rahmen der Arzneimittelprüfungen ständig neue Wirkstoffe erforsche. Was es mit dieser anwendungsbezogenen Forschung auf sich hat, soll in diesem Artikel untersucht werden.

Jede Wissenschaftsdisziplin verfügt über einen allgemein akzeptierten Wissensstand. Ebenfalls gibt es in jedem wissenschaftlichen Arbeitsgebiet akzeptierte Verfahren zur Überprüfung von neuen Hypothesen oder Theorien und zur Bereinigung von eventuell auftretenden Widersprüchen zum bisherigen Kenntnisstand. Die Verfahren sind zwar höchst verschieden, aber egal, ob Geschichts- oder Sprachwissenschaften, Jura oder Mathematik, Philosophie oder Medizin, Wirtschafts- und Naturwissenschaften, sie alle verfügen über Untersuchungsmethodiken, um festzustellen, ob bestimmte Wirkmechanismen tatsächlich vorhanden sind, und ob eine vorgeschlagene Hypothese geeignet ist, diese zutreffend zu beschreiben. Wichtig ist dabei, dass diese Überprüfungen jederzeit wiederholbar sind.  Täuschungen und Fehlschlüsse der Autoren müssen soweit als möglich ausgeschlossen werden.

Im Bereich der Medizin und der Pharmazie ist die doppelt oder dreifach verblindete klinische Studie das akzeptierte Verfahren, die Wirksamkeit eines Medikaments oder einer Therapie nachzuweisen. Hierbei wird eine Anzahl Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine erhält das zu untersuchende Medikament, die andere wird gleich behandelt, außer dass das verabreichte Medikament ein Placebo ist und keinen Wirkstoff enthält – oder ein Wirkstoff, dessen Wirksamkeit bekannt ist. Alle Teilnehmer, die behandelnden Ärzte, sowie möglichst auch die Personen, die die Ergebnisse auswerten, sind in Unkenntnis über die Gruppenzuordnung der jeweiligen Testpersonen, um auf diese Weise eine Gleichbehandlung aller Studienteilnehmer sicherzustellen. Der einzige Unterschied zwischen den Gruppen besteht dann darin, dass die eine mit dem Wirkstoff in Berührung kam, die andere nicht. Sofern das Ergebnis so deutlich ist, dass es sich wahrscheinlich nicht um einen reinen Zufall handelt, kann der Unterschied der Ergebnisse der Wirksamkeit des Medikaments als Ursache zugeordnet werden. Sofern dieses Ergebnis unabhängig wiederholt wurde, kann es als gesichert angesehen werden.

Das entsprechende Verfahren in der Homöopathie ist die Arzneimittelprüfung. Diese beruht auf dem von Hahnemann postulierten Ähnlichkeitsprinzip. Hiernach ist ein Wirkstoff in der Lage, die Leiden zu heilen, deren Symptome er bei einem gesunden Menschen hervorrufen kann. Genau dies wird in einer homöopathischen Arzneimittelprüfung untersucht: Gesunde Menschen nehmen die Wirkstoffe ein und die beobachteten Symptome werden aufgezeichnet und in sogenannten Arzneimittelbildern gesammelt. Sie dienen später dem behandelnden Homöopathen als Grundlage für die Verordnung von Medikamenten.

Es sei am Rande vermerkt, dass sich in diesem Vorgehen einer der vielen Widersprüche der Homöopathie offenbart. Zum einen heißt es, Homöopathie sei ohne Nebenwirkungen, wirke also nur in dem Fall, in dem der Patient an den Symptomen leidet, die das Medikament behandeln kann. Dann kann eine Arzneimittelprüfung nicht funktionieren, denn ein gesunder Mensch zeigt keine entsprechenden Symptome. Rufen die Medikamente hingegen bei einem Gesunden Symptome hervor, dann kann ein homöopathisches Medikament nicht nebenwirkungsfrei sein, denn es würde ja dann bei einem Kranken die Symptome hervorrufen können, an denen er noch nicht leidet. Es sei denn, dem Wirkstoff wohnt eine intelligente Wesenheit inne, die das zum Nutzen des Kranken irgendwie steuert.

Zurück zur Arzneimittelprüfung.

Für die moderne Form der Arzneimittelprüfung hat das ECCH kraft welcher Autorisierung auch immer im Jahre 2009 in zweiter Auflage eine Richtlinie (‚Guidelines‘) für die Durchführung herausgegeben, die wir im Folgenden betrachten wollen. Das ECCH (‚European Council for Classical Homeopathy‘ oder ‚European Central Council of Homeopaths‘, so richtig schlüssig ist man sich über den Namen offenbar nicht) wurde 1990 gegründet, hat seinen Sitz in England und hat eine ganze Reihe solcher Schriften herausgegeben (Link)

In der Richtlinie zur Arzneimittelprüfung wird die Vorgehensweise recht detailliert dargestellt. Uns interessiert hier im Wesentlichen die Konzeption sowie die Analyse und Verarbeitung der gewonnenen Daten. Dazu wird ausgesagt:

Es wird empfohlen, dass 10 bis 30 % der Probanden ein Placebo erhalten, denn dies würde die Aufmerksamkeit der Probanden erhöhen und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse verbessern. Wie, auf welche Weise dies geschehen soll, bleibt zunächst im Dunkeln. Dabei wird darauf hingewiesen, dass auch Probanden, die Placebo erhalten haben, Prüfsymptome entwickeln können. Wir dürfen gespannt sein, wie man mit diesem Umstand umzugehen gedenkt.

Alle Teilenehmer, die sie unterstützenden Betreuer (‚Supervisors‘) sowie der Studienleiter selbst sollen im Unklaren darüber sein, welches Mittel gerade getestet wird, ebenfalls über die Zuordnung der Probanden zu Verum oder Placebo.

Sieben Tage vor Einnahme des zu prüfenden Mittels, das in mehreren verschiedenen Potenzierungen verabreicht wird, sollen die Probanden beginnen, ihre Symptome aufzuzeichnen. Sie sollen ihre normalen Lebensgewohnheiten beibehalten – oder auch, als Alternative, alle möglicherweise die Wirkung aufhebenden Substanzen meiden, etwa Kaffee, Partydrogen, Kampher, Eukalyptus, Menthol und Minze sowie jeden Stoff, auf den sie empfindlich sind. Der Genuss dieser Stoffe soll rechtzeitig vor der Prüfung eingestellt werden. Was ist ‚rechtzeitig‘?

Die Richtlinie schweigt sich jedoch darüber aus, welche der Alternativen zu wählen ist. Was macht jemand, zu dessen Lebensgewohnheiten der Genuss von Kaffee gehört? Ist ein Leben ohne Kaffee überhaupt möglich?

Die zu prüfende Substanz soll so lange eingenommen werden, bis sich klare Symptome entwickeln, offenbar auch bei den Placebos. Die Probanden sollen alle Symptome notieren, sowie die Bedingungen, unter denen sie auftreten, sich verstärken oder abschwächen. Solange Symptome vorhanden sind, soll es einen täglichen Kontakt zwischen dem Betreuer und dem Probanden geben, bei dem man die Aufzeichnungen durchgeht und offene Punkte klärt. Die Aufgabe des Betreuers ist es ausdrücklich, alle Regungen und Befindlichkeiten des Probanden herauszuarbeiten (‚elicit‘).

Wenn die meisten der Symptome eines Probanden wieder abgeklungen sind, schätzungsweise vier bis sechs Wochen nach Einnahme, beginnt das Extrahieren der Ergebnisse, wobei die Ausdrucksweise des Probanden beibehalten wird. Die Aufnahme der Symptome erfolgt nach folgenden Kriterien:

  • Neue Symptome, die bei dem Teilnehmer sonst nicht auftreten
  • Normale oder aktuelle Symptome, die fühlbar intensiviert worden sind
  • Aktuelle Symptome, die sich verändert haben (mit einer deutlichen Beschreibung der gegenwärtigen und veränderten Bestandteile)
  • Alte Symptome, die wenigstens ein Jahr lang nicht aufgetreten waren (mit Zeitangabe zum letzten Auftreten)
  • Gegenwärtige Symptome, die während der Prüfung abgeklungen sind (Heilung)
  • Die Tageszeit, zu der ein Symptom aufgetreten ist, soll nur dann angegeben werden, wenn sie sich bei einem oder mehreren Teilnehmern wiederholt
  • Wenn es Zweifel hinsichtlich eines Symptoms gibt, dann ist es in Klammern anzugeben. Wenn es auch bei einem anderen Teilnehmer aufgetreten ist, wird es berücksichtigt, sonst nicht
  • Ein Symptom, das wegen einer Änderung im Lebenswandel oder aufgrund besonderer Umstände (‚exciting cause‘) aufgetreten sein könnte, soll nicht berücksichtigt werden.
  • Symptome aus einer beiläufigen Prüfung (‚casual proving‘) sollen nur dann veröffentlicht und in Repertorien aufgenommen werden, wenn die strengsten Einschlusskriterien beachtet werden.

Im nächsten Schritt werden die extrahierten Symptome aller Probanden zusammengefasst und in die Sprache und Ausdrucksweise der Materia Medica übertragen, und das Ganze wird protokolliert.

Das war alles.

Es wird zwar noch kurz angesprochen, dass eine klinische Bestätigung der Ergebnisse sinnvoll wäre, dass dies aber im vorliegenden Dokument nicht behandelt wird. Eine Richtlinie, wie eine Studie zur klinischen Bestätigung zu gestalten wäre, liegt aber bis heute, über drei Jahre nach der Publikation des hier betrachteten Dokuments, nicht vor.

Im Vorwort der Richtlinie wurde erwähnt, dass man hiermit zwar Kriterien für eine hochwertige Arzneimittelprüfung festlegen wolle – aber Ergebnisse, die aus anderen Prüfungen stammen, die nicht diesen Standards genügen, sollen deshalb nicht abgewertet werden. Dieser Ansatz ist zwar irgendwie verständlich – man müsste ja sonst den größten Teil der Arzneimittelbilder, insbesondere die von Hahnemann selbst, aussondern – zeugt aber nicht von einem besonders ausgeprägten Problembewusstsein.

Zusammengefasst heißt das etwa: ‚Nur die Ergebnisse, die in Arzneimittelprüfungen ermittelt wurden, die diesen Richtlinien genügen, sind wirklich verlässlich – aber die anderen gelten auch weiterhin.‘ Was soll das Ganze also?

Neue Ergebnisse hingegen, die nicht nach diesen Regeln, sondern mittels eher zweifelhafter Vorgehensweisen ermittelt wurden, dürfen nur verwendet werden, wenn sie den strengsten Kriterien entsprechen. Welcher Art sind diese ’strengsten Einschlusskriterien‘? Darüber schweigt sich die Richtlinie wieder aus. Wahrscheinlich muss man die aufgeführten Kriterien anwenden, wobei der Prüfungsleiter ein besonders strenges Gesicht macht oder sonstwie ausdrückt, dass er im Begriff ist, die aufgeführten Einschlusskriterien besonders streng anzuwenden.

Aber, wenden wir uns einmal den ernsthaften Vorbehalten zu:

Frage: Was passiert eigentlich mit den Ergebnissen aus der Placebogruppe?

Antwort: Absolut nichts.

Das ist schon erstaunlich. Man treibt einigen Aufwand und lässt eine Handvoll Probanden die Ergebnisse aufschreiben, unterstützt von den Betreuern, treibt das Ganze weiter bis zum nicht näher definierten Zeitpunkt, zu dem die Gruppenzuordnung offenbart wird – und wirft die Ergebnisse dann offenbar einfach weg.

Normalerweise besteht das Ergebnis einer Vergleichsuntersuchung aus dem Unterschied der Resultate beider Gruppen. Gedanklich etwa dadurch, dass man von dem Erfolg der Verumgruppe den Erfolg der Placebogruppe abzieht, denn letzterer ist ja offensichtlich auch von alleine ohne das Medikament eingetreten. Bei der homöopathischen Arzneimittelprüfung kommt dieser Gedankengang aber nicht vor. Man würde etwa erwarten, dass die Symptome bei Einnahme des zu prüfenden Mittels mit den Symptomen unter Placebo verglichen werden. Wenn ein Symptom ganz ähnlich in beiden Gruppen vorkommt – dann kann es kein Symptom sein, das durch das Mittel hervorgerufen wurde, und hätte folglich in einem Arzneimittelbild nichts zu suchen. Allein, die oben vollständig aufgeführten Bewertungskriterien sehen einen solchen Vergleich nirgendwo vor.

Bei diesem merkwürdigen Vorgehen handelt es sich auch nicht um ein Versehen, das es wie auch immer durch alle Revisionen und Diskussionen in die zweite Auflage geschafft hat. Eine US-amerikanische Vereinigung von Homöopathen hat 2013 ebenfalls Richtlinien zur Arzneimittelprüfung herausgegeben [2]. Auch dort werden die Befunde aus der Placebogruppe nicht weiter beachtet. Immerhin wird vorgegeben, dass die Symptome der Probanden aus der Placebogruppe nicht in die Materia Medica einfließen sollen. Irgendwie erscheint das selbstverständlich – in den europäischen Richtlinien wird dazu allerdings nichts ausgesagt. So gesehen, kann ich eigentlich nur hoffen, dass die Feststellung ‚absolut nichts‘ auch wirklich zutrifft.

Wenn die Befunde der Placebogruppe auf keine Art und Weise im Ergebnis Berücksichtigung finden, wozu sind sie dann gut? Wie soll dann die behauptete Verbesserung der Zuverlässigkeit der Ergebnisse entstehen? Das ist mit einfachen Mitteln nicht nachvollziehbar. Was mir dazu einfällt, ist eine Art gefühlte, man könnte auch sagen, eine vorgetäuschte Validität. Niemand kann fürderhin behaupten, dass die homöopathischen Arzneimittelprüfungen ohne Placebogruppe stattfinden. Damit wird der Anschein erweckt, eine homöopathische Arzneimittelprüfung sei den klinischen Studien der evidenzbasierten Medizin vergleichbar. Dass die ermittelten Daten schlicht und einfach auf Nimmerwiedersehen im Orcus verschwinden, so als wären sie nie entstanden, erkennt man erst auf den zweiten Blick – den vermutlich nicht allzu viele Leute tun. Für den interessierten Laien wird die Auskunft ihre beeindruckende Wirkung nicht verfehlen, man führe die Arzneimittelprüfungen ebenfalls randomisiert in doppelter Verblindung mit einer Placebo-Kontrollgruppe durch, folge also prinzipiell dem Standard klinischer Studien der evidenzbasierten Medizin.

Da die Ergebnisse der Verumgruppe nicht anhand der Kontrollgruppe überprüft werden, führt dies dazu, dass, wie seit Anbeginn der Homöopathie üblich, alle Änderungen, die sich bei einem Probanden ergeben haben, in vollem Umfang auf die Einnahme des Homöopathikums zurückgeführt werden. Genau so, als wäre eine zeitliche Abfolge von Ereignissen auch ein ausreichender Beweis dafür, dass das frühere das spätere Ereignis verursacht hat. So wie die Hähne durch ihr Krähen auch die Sonne zum Aufgehen bringen. Oder wir durch Abendessen die Tagesschau hervorrufen.

Die Auswirkungen davon können wir anhand des Berichts einer Arzneimittelprüfung nachvollziehen, die zwischen Februar und Mai 2012 im italienischen Verona durchgeführt wurde [3], wobei die Einnahme des Mittels zum 1. März erfolgte und die Symptome den ganzen Monat über gesammelt wurden. In dem Bericht wird zwar nicht auf die ECCH-Richtlinie Bezug genommen, soweit erkennbar folgte man aber einer zumindest sehr ähnlichen Vorgehensweise.

Die Prüfung wurde an 16 Probanden, alles Teilnehmer einer Homöopathie-Ausbildung, durchgeführt, vier erhielten Placebo, zwölf das Medikament in drei verschiedenen Potenzen.

Getestet wurde ein Medikament ‚Streptococcinum‘, das aus den bekannten Krankheitserregern Streptococcus pyogenes gewonnen wurde, die beim Menschen Scharlach, Mandelentzündung, als Folgeerkrankungen auch Niereninsuffizienz oder rheumatisches Fieber verursachen können. Aber, keine Sorge, in den Medikamenten, die in den Potenzen C30, C200 und C1000 verabreicht wurden, war kein einziges Bakterium oder auch nur ein Molekül davon mehr vorhanden. Zumindest nicht aus der Ursubstanz, aus den Verunreinigungen des Lösungsmittels schon. Aber dies ist ja die normale Belastung und irgendeine dem Medikament innewohnende Intelligenz hat ja gelernt, zwischen den Wirkungen des nicht mehr vorhandenen Wirkstoffes und den Wirkungen der sehr wohl vorhandenen Verunreinigungen gleicher Art zu unterscheiden. Sonst wären Homöopathika bekanntlich ja nicht herstellbar (s. hier).

In dieser Arzneimittelprüfung wurden insgesamt 88 Symptome gefunden, die vermutlich jetzt in das offizielle Arzneimittelbild einfließen werden. Hier ein paar willkürlich herausgegriffene Beispiele:

(1) Ich sehe nur die schlechten Seiten von Dingen. Diesen Nachmittag fühlte ich mich niedergeschlagen und ärgerte mich über die kleinste Bemerkung. Ich fühle mich lustlos, ich verschiebe Dinge, die ich eigentlich erledigen müsste, und vertrödle meine Zeit.

(15) Ich fühle mich extrem müde und teilnahmslos. Ich will einfach nur schlafen gehen. Ich muss Dinge erledigen, habe aber keine Lust mich damit zu beschäftigen. Ich fühle mich bereits müde, bevor ich anfange. Ich bin so müde, dass ich mich einfach ins Bett schleppen möchte. Ich schlafe halb. Ich muss irgendwohin fahren, bin aber über diese Schläfrigkeit sehr besorgt. Steifheit und Schmerz im linken Teil des Nackens.

(25) Ich habe weniger und weniger intensive Träume. Ich träume nicht mehr von Katzen.

(29) Sehr fettiges Haar.

(33) Ich fühlte mich beim Erwachen etwas müde und erlebte ein wiederkehrendes Zittern der Unterlippe, das dreißig Minuten lang anhielt.

(45) Nach dem Mittagessen fühle ich mich elend und mein Bauch fühlt sich schwer an. Es ist, als wäre eine Flasche heißen Wassers in meinem Unterbauch. Ich kann das Gefühl, wie mein Gürtel auf meinen Bauch drückt, nicht aushalten.

(60) Plötzliche Hungerattacken mit einem leeren Gefühl im Bauch.

(73) Gestern Abend hatte ich Probleme, im Bett warm zu werden. Ich habe ebenfalls einen rauen Hals; ich empfinde einen leichten weit verbreiteten Muskelschmerz und ein wenig Steifheit. Besonders mein linkes Knie tut weh und Schmerz und Steifheit wurden bei Bewegung schlimmer.

Die Autoren fassen die Symptomatik insgesamt als Hinweise auf Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit und Müdigkeit zusammen, hinzu kommen Unduldsamkeit, Hautprobleme, Muskel- und Gliederschmerzen, Augenreizungen sowie vielfältige Schmerzen im ganzen Körper. Was die vier Probanden erlebt haben, die Placebo eingenommen hatten, wird nicht berichtet.

Kann man glauben, dass die Symptome ausschließlich von dem verabreichten Medikament herrühren? Das wäre dann der Fall, wenn sich das Befinden von Menschen innerhalb eines Monats normalerweise nicht oder nur sehr wenig änderte. Das ist aber sicher nicht der Fall, wie jeder Leser sich anhand seiner eigenen Person überlegen kann. Es ist doch wohl ausgeschlossen, dass es auch nur einen einzigen Monat im Leben eines Menschen gibt, an dessen Ende man sich genauso fühlt wie am Anfang.

Normalerweise unterliegt man vielfältigen und sich rasch ändernden Einflüssen aus dem täglichen Leben, aus Beruf oder Ausbildung, aus Partnerschaft und Familie, aus den verschiedenen sozialen Geschehnissen. Sport, Feiertage, das Auf und Ab von Beziehungen, sonstige Umwelteinflüsse, alles dies ist doch bei keinem Menschen über einen ganzen Monat hin soweit konstant, dass dies keine Auswirkungen auf das Befinden hätte. Man bedenke, die Homöopathie betrachtet ja den ganzen Menschen, seinen Geist, seine Psyche und seinen Körper.

Alle diese Einflussmöglichkeiten werden durch das Vorgehen der homöopathischen Arzneimittelprüfung schlicht und einfach ignoriert, indem den Kügelchen als einzigem Agens unterstellt wird, Änderungen in den Befindlichkeiten der Probanden herbeiführen zu können.

Betrachten wir den März, den Monat, in dem die Prüfung stattfand:

Unter der Frühjahrsmüdigkeit versteht man eine verringerte Leistungsbereitschaft und Mattigkeit, die viele Menschen im Frühling erleben. Es handelt sich hierbei um keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern um eine durch den Jahreszeitenwechsel hervorgerufene Erscheinung.

Die Symptome treten meist ab Mitte März bis Mitte April auf und sind bei den Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Am häufigsten treten Müdigkeit (trotz ausreichender Schlafdauer), Wetterfühligkeit, Schwindelgefühl, Kreislaufschwäche, Gereiztheit, Kopfschmerzen, z. T. Gliederschmerzen und Antriebslosigkeit auf
(Quelle: Wikipedia, Stichwort ‚Frühjahrsmüdigkeit‘, Link).

Dazu gibt es eine ganze Reihe von Pollen als Allergenen, die im März erstmals auftreten: Die Wikipedia nennt Ulme, Weide, Pappel, Esche, Birke und Hainbuche. (Wikipedia, Stichwort ‚Allergische Rhinitis‘, Link) Auch Menschen, die sich nicht als Allergiker sehen, werden davon – wie der Verfasser dieser Zeilen – gelegentlich behelligt.

Alleine mit diesen beiden Phänomenen, Frühjahrsmüdigkeit und einsetzendem Pollenflug, wäre eine ganze Menge der Symptome dieser Arzneimittelprüfung erklärbar. Ob dies tatsächlich so war, ließe sich anhand der Kontrollgruppe feststellen. Wenn dort ebenfalls solche Symptome wie Müdigkeit, Gliederschmerzen und Augenreizungen aufgetreten sind, dann dürften diese nicht in das Arzneimittelbild aufgenommen werden. Alleine, diese Prüfung erfolgte nicht. Hierzu müsste natürlich die Placebogruppe auch ausreichend groß sein, damit beide Gruppen mit einiger Wahrscheinlichkeit gleichmäßig mit Personen besetzt sind, die zur Frühjahrsmüdigkeit oder zu einer Pollenempfindlichkeit neigen.

Nach Lage der Dinge können wir davon ausgehen, dass das Ergebnis dieser Arzneimittelprüfung wahrscheinlich wesentlich anders ausgefallen wäre, wenn sie zu einer anderen Jahreszeit stattgefunden hätte. Im Mai wären wahrscheinlich die üblichen Frühlingsgefühle in das Arzneimittelbild eingeflossen, im Hochsommer die Lust auf Speiseeis und das unangenehme Empfinden von Wärme, im Dezember die Suche nach derselben und die Lust auf Glühwein, gutes Essen, auf Zimt und Lebkuchengewürz.

Kann mit der Methode der Arzneimittelprüfung eine Hypothesenprüfung durchgeführt werden?

Auf gar keinen Fall.

Nehmen wir an, ich behaupte, das Medikament Streptococcinum C200 steigert die Lust auf Nussschokolade.

Sollte dieses Symptom tatsächlich während einer Arzneimittelprüfung auftreten, dann ist, wie bereits ausgeführt, auf keinen Fall sichergestellt, dass dies auch von dem untersuchten Medikament herrührt. Da es Nussschokolade zu kaufen gibt, ist zu vermuten, dass man damit Umsatz machen kann. Dies bedeutet, dass es viele Menschen gibt, die auch ohne die Einnahme des Medikaments einen entsprechenden Appetit entwickeln können. Es gibt schließlich ganze Berufszweige, die sich damit beschäftigen, genau dies zu bewirken. Da man die Schlüsselreize für das Auftreten des Appetits auf Nussschokolade bei der Arzneimittelprüfung nicht ausschließen kann, ist es nicht zutreffend, das Homöopathikum als Ursache festzulegen.

Tritt dieses Symptom nicht auf, hat das auch keine Aussagekraft. Schon Hahnemann hat darauf hingewiesen, das nicht jeder Proband alle Symptome eines Arzneimittels erleben wird. Angesichts der in die Hunderte, ja bis in die Tausende gehenden Zahl von Symptomen eines einzelnen Medikaments ist es unumgänglich, dass bei einer beliebigen Arzneimittelprüfung ein sehr großer Anteil der bisher festgestellten Symptome nicht auftritt. Damit ist die Abwesenheit eines Symptoms in einem Arzneimittelbild und in einer Arneimittelprüfung kein Beweis für die Nichtexistenz.

Folgerung: Die homöopathische Arzneimittelprüfung ist kein geeignetes Instrument, zutreffende von unzutreffenden Aussagen zu unterscheiden. Als eine wissenschaftliche Methodik also völlig ungeeignet. Eine Kontrollgruppe schafft da keine Abhilfe, solange durch die Teilnehmerzahl nicht sichergestellt ist, dass die bisherigen Symptome in hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Prüfung auftreten. Ohne das berechnet zu haben, dürfte die Gruppenstärke damit bei einigen Tausend Teilnehmern liegen. Die in den Richtlinien empfohlenen Teilnehmerzahlen von um die 20 sind auf jeden Fall um einige Größenordnungen zu niedrig.

Schlussfolgerung:

Auch heute ist die Realität der Arzneimittelprüfung nicht anders als zu Zeiten Hahnemanns, der die Vorgehensweise schon im Organon der Heilkunst in den Paragraphen 121-145 beschrieben hat [4]. Insbesondere die Paragraphen 138 und 139 beschreiben, wie die Symptome der Probanden zu ermitteln und auszuwerten sind, ohne merklich an Aktualität eingebüßt zu haben.

In den hier betrachteten Regeln zur Arzneimittelprüfung wird zwar die Bildung einer Kontrollgruppe empfohlen, die nur Placebo erhält. Deren Befunde haben jedoch auf das Ergebnis der Prüfung keinen wie auch immer gearteten Einfluss, es handelt sich wohl eher um ein Deckmäntelchen, um eine moderne Versuchsführung vorzutäuschen. Berücksichtigt man dies bei der Bewertung der Richtlinie – dann reduziert sich die Vorgehensweise weitestgehend nur auf das bereits vor zweihundert Jahren von Hahnemann beschriebene Verfahren, allenfalls im Stil der Gegenwart durch eine recht aufgeblähte Projektorganisation ergänzt.

Dabei ist und bleibt dieses Vorgehen von Grund auf unbrauchbar, weil es trotz der involvierten Betrachtungszeiträume von mehreren Wochen alleine den eingenommenen Medikamenten die Fähigkeit unterstellt, Änderungen im Befinden der Patienten herbeizuführen. Das ist völliger Humbug, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen vielfältigen und rasch wechselnden Einflüssen der Mensch in seiner sozialen, wirtschaftlichen und physischen Lebensumwelt ausgesetzt ist, auf die er ohne Zweifel auf vielfältige Art und Weise in seinem Befinden reagiert. Aber dieser Fehler gehört zu den Grundfesten der Homöopathie, schon deren Anfänge in Form des Chinarindenversuchs basieren auf einem ähnlichen Irrtum Hahnemanns.

Aus dem gleichen Grunde ist die homöopathische Arzneimittelprüfung auch keine zuverlässige wissenschaftliche Methodik, zutreffende Aussagen von unzutreffenden zu unterscheiden. Taucht ein Symptom auf, ist nicht belegbar, ob auch das Medikament die Ursache dafür war. Angesichts der hohen Anzahlen verzeichneter Symptome ist nicht zu erwarten, dass eine Arzneimittelprüfung ein vollständiges Bild liefern kann – womit auch aus dem Nicht-Auftreten eines Symptoms keine Schlussfolgerung möglich ist.

Ergo: Die Homöopathie verfügt über keine geeignete wissenschaftliche Methodik, ihren Kenntnisstand zu überprüfen und sich verlässliches neues Wissen zu erschließen – was eine dogmatische Religion allerdings auch nicht braucht.

Literatur:

[1] European Council for Classical Homeopathy: ECCH Guidelines for Homeopathic Provings, 2nd Edition April 2009, Link zum Volltext

[2] Homoeopathic Pharmacopoeia Convention of the United States: HPCUS Proving Guidelines, April 14, 2013, Link zum Volltext ist erloschen (25.05.2015)

[3] Dominici G, Allergi F, Andreotti MC, Calieri R, Mariani I, Pomposelli R, Tonini E, Lnaza L: Streptococcinum Proving 2012 conducted by the school of Homeopathy, Verona, Link zum Volltext

[4] Hahnemann s: Organon der Heilkunst, 6. Auflage, Burgdorf Verlag, 2001, Link zum Volltext

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26 Kommentare zu Homöopathische Arzneimittelprüfung – scheinbare Wissenschaft

  1. Pingback: Kritische Homöopathie-Info der GWUP erschienen @ gwup | die skeptiker

  2. Ein frohes neues Jahr auch …

    Niemand kann fürderhin behaupten, dass die homöopathischen Arzneimittelprüfungen ohne Placebogruppe stattfinden.

    Der Meinung bin ich auch und die Strategie scheint auch aufzugehen. Einerseits durch die Wortwahl, es wird dasselbe Wort — Arzneimittelprüfung — verwendet. Andererseits durch unkritische Berichterstattung. So erschien bspw. 2010 in der Ärztezeitung (05.08.2010) ein Artikel hierzu:

    Auch bei Globuli gibt es eine Arzneimittelprüfung
    BONN (hub). Von Spöttern wird behauptet, in der Homöopathie gebe es keine Arzneimittelprüfung. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Allerdings unterscheidet sich die homöopathische Arzneimittelprüfung deutlich von der schulmedizinischen.
    […]
    Durch die Sammlung der Prüfungssymptome aller Prüfer entstünde ein Bild der künstlich hergestellten Krankheit, das sogenannte Arzneimittelbild. Die Arzneimittelprüfung stelle damit eine wichtige Informationsgrundlage für den homöopathischen Arzt: Denn nur das homöopathische Arzneimittel könne wirksam helfen, das in einer Prüfung am gesunden genau die Symptome hervorgerufen hat, …

    Quelle: http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/homoeopathie/article/611108/globuli-gibt-arzneimittelpruefung.html
    Also alles in Ordnung, auch Homöopathika werden ausreichend geprüft.

    Auswertung der Symptome:
    Bei diversen Studien der Homöopathen fließen auch Symptome in die Auswertung mit ein, die die Probanden einige Tage vor Prüfungsbeginn, also vor Einnahme des Homöopathikums, niedergeschrieben haben.

  3. AlteWeser sagt:

    Sehr schön! Auch von der Themenwahl! Vor allem, weil ich meine, die Arzneimittelprüfung ist der einfachste Ansatz, die Wirkung der Homöopathie zu überprüfen. Man nimmt bekannte/ beliebte Hochpotenzen und sieht nach, ob sie wirklich Symptome erzeugen. Reproduzierbar. Doppelblind. Randomisiert.

    Wenn ja, dann lohnt es sich auf jeden Fall dem nachzugehen. Warum verdammt ziehen die Befürworter nicht einfach ein, zwei Studien so durch?? Das wäre doch DER Durchbruch!!

    • Ute Parsch sagt:

      Hallo Alte Weser,

      „Warum verdammt ziehen die Befürworter nicht einfach ein, zwei Studien so durch?? Das wäre doch DER Durchbruch!!“

      Weil doppelverblindete AMPs die (von Skeptikern) erwarteten Ergebnisse haben, darum führen die das ungern durch….

      Siehe z.B.

      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

      „“Combined results of qualitative and quantitative methods did not result in a significant difference of characteristic proving symptoms between O. aubrevillei C12 and placebo.““

  4. @AlteWeser
    Kurze Antwort: Weil sie das Prinzip Wissenschaft nicht verstanden haben! Im Grunde lehnen sie Wissenschaft sogar ab.

    Schon Hahnemann schrieb, nicht jeder Patient zeige die gleichen Symptome. Heutige Homöopathen behaupten ebenfalls, daß jeder Patient individuell betrachtet werden müsse und daher die naturwissenschaftlichen Meßverfahren für die Homöopathie nicht geeignet seien, mithin an die Homöopathie andere Maßstäbe angelegt werden müssten. Mit dieser Argumentation sind sie politisch bisher durchaus erfolgreich, müssen doch Homöopathika eben nicht wie andere Medikamente klinisch getestet werden. Die Argumentation zeigt auch auf, das die Homöopathie das heutige Verständnis von Krankheitsentstehung vollkommen ablehnt. Das ist in gewisser Weise logisch, da diese Vorstellung zu Hahnemanns Zeiten, als er uns das Organon offenbarte, auch eine vollkommen andere war . Die Homöopathie „behandelt“ rein symptomatisch, negiert aber die Tatsache, daß gleiche Symptomatik einer unterschiedlichen Genese entstammen können. Unter diesen Prämissen sind entsprechende Studien von Homöopathen nicht zu erwarten, es widerspricht ihrem Selbstverständnis.

  5. Micha sagt:

    @Alte Weser

    Vor allem, weil ich meine, die Arzneimittelprüfung ist der einfachste Ansatz, die Wirkung der Homöopathie zu überprüfen. Man nimmt bekannte/ beliebte Hochpotenzen und sieht nach, ob sie wirklich Symptome erzeugen. Reproduzierbar. Doppelblind. Randomisiert.

    Ich fordere Homöopathen seit Jahren zu einem solchen, einfachen Selbstversuch auf. Sie selbst müssen doch zumindest einige Homöopathika an ihrer Wirkung erkennen können … … aber sie kneifen natürlich (http://wahrsagercheck.wordpress.com/2009/11/18/die-homoopathen-kneifen-bis-jetzt/)

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Sorry, dieser Kommentar war im Spam-Ordner gelandet – den ich erst jetzt wieder einmal überprüft habe.
      Daher meine Bitte: Wenn Ihr Kommentar nicht innerhalb von 24 Stunden freigegeben wird -> Email an mich.

    • AlteWeser sagt:

      Habe es mir durchgelesen und die erwarteten Kommentare gefunden. Aber der Unwille überrascht mich immer wieder. Überzeugte Homöopathen gibt es ja nun genug, warum probieren die nicht einfach mal diese Art des Nachweises? Statt dessen kommt teilweise massive Kritik an dem Vorschlag. Homöopathiekritik ist wohl nun mal Religionskritik.

      Der echte Homöopath lässt sich aber selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn er selbst Argumente des Zweifels liefert:
      http://www.quantenhomöopathie.de/?p=642#comment-19

  6. Pingback: Darüber lachen und vergessen? Homöopathie und Scientabilität @ gwup | die skeptiker

  7. Joseph Kuhn sagt:

    Niemand kann fürderhin behaupten, dass die homöopathischen Arzneimittelprüfungen ohne Placebogruppe stattfinden.

    Wer hätte das auch je behauptet? Schließlich gibt es in der homöopathischen Arzneimittelprüfung sogar zwei Placebogruppen. Da in den Daten nichts (wirkstoffspezifisches) zu finden sein kann, sollte man sich nicht beschweren, wenn die Daten einer Gruppe weggeworfen werden. Ich würde konsequenterweise auch die der anderen Gruppe, die fälschlicherweise als Interventionsgruppe gilt, wegwerfen: Von Nichts kommt nichts.

  8. Lothar Brunke sagt:

    Sehr schöner Beitrag zur AMP.
    Folgende Einwände habe ich: Verband Deutsche Homöopathen ist der Verband der Heilpraktiker, die von ihrer Ausbildung nie Medizin erfolgreich studiert haben, also mehr oder weniger als medizinische Laien einzustufen sind.
    Gegenwärtig machen die AMP von Herrn Scholten und seiner Anhänger bei den homöopathischen Laien die Runde. Diese werden nicht wie im Beitrag vorgesehen durchgeführt, sondern mittels „geistiger Innenschau“ des Probanden, also auf dem Weg der esoterischen Selbstüberhebung. Das wird dann teilweise in der ärztlichen Weiterbildung gelehrt, wie gerade am Fall des indischen Heilpraktikers zu sehen war, der nach Berlin kam und 200 Euro pro Arzt kassiert hat.
    Folgender Einwand besteht zu recht:
    „Man würde etwa erwarten, dass die Symptome bei Einnahme des zu prüfenden Mittels mit den Symptomen unter Placebo verglichen werden…
    Als eine wissenschaftliche Methodik also völlig ungeeignet.“
    Dem kann ich insofern zustimmen, weil die Methodik der Arzneimittelprüfung seit Hahnemann nicht auf den Prüfstand gestellt wurde und in neueren Prüfungen sogar Prüfungssymptome des Verums in der Placebogruppe aufgetaucht sind.
    http://www.quantenhomöopathie.de/?p=598
    Es handelt sich jedoch um das zentrale Thema der Homöopathie. Der Wissenschaftlichkeitsanspruch steht und fällt mit der Zuverlässigkeit der Arzneimittelprüfungen. Die gegenwärtig verwendeten Arzneimittelprüfungen, gerade die Prüfungen durch die angeblich „modernen“ Heilpraktiker, entsprechen keinerlei wissenschaftlichen Anforderungen. Ob die alten Prüfungen besser sind, sollte festgestellt werden, wenn die Kriterien für wissenschaftliche Prüfungen erarbeitet sind.
    Das Diskussionsforum des DZVHÄ wurde leider nicht für Diskussionen zu diesem Thema genutzt. Insofern bin ich dankbar, dass das Thema wenigstens bei den Skeptikern behandelt wird.
    Vielleicht machen einige Diskutanten Vorschläge wie die Arzneimittelprüfung auszusehen hätte, damit sie wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird.
    Wenn ich Zeit haben sollte, mache ich auf meinem blog gelegentlich auch Vorschläge.

  9. Pingback: Homöopathie und Scientabilität beim WDR-Funkhausgespräch @ gwup | die skeptiker

  10. lionheart sagt:

    ich muss zustimmen, dass die placebo-nummer nicht wirklich sinnreich ist. aber die kritiker hier kennen arzneimittelprüfung anscheinend im detail nicht. was nutzt es denn die placebo gruppe mit der „verum“ gruppe zu vergleichen? die symptome sind so individuell, dass man da garantiert nichts gegeneinander rausstreichen kann.
    die vorgehensweise von hahnemann war anders, und zwar wurden die häufig gleich vorkommende symptome höher bewertet, als die nur einmal vorkommenden.
    und selbst diese werden jetzt immernoch nicht sehr hoch bewertet. erst wenn das mittel auch in der anwendung genau diese symptome heilen vermochte, wird es interessant für die repertorisierung.
    was nutzt eine placebo-gruppe? wurde doch schon erwähnt: damit die versuchsteilnehmer eben kritischer mit ihren erfahrungen umgehen. außerdem sind es schöne selbst-beweise für die wirksamkeit der homöopathie, wenn man halt globulis nimmt und nichts passiert – und es war ein „placebo“ und beim anderen mal ist es genau anders herum.

    • Ute Parsch sagt:

      „was nutzt es denn die placebo gruppe mit der “verum” gruppe zu vergleichen? die symptome sind so individuell, dass man da garantiert nichts gegeneinander rausstreichen kann.“

      Das ist ein Irrtum, den man allerdings erst bemerkt, wenn man es einmal probiert. Darf ich noch einmal auf die bereits oben von mir verlinkte verblindete, placebokontrollierte Beispielstudie verweisen? Da passierte genau das:

      http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

      Ich zitiere

      „Thirty-one subjects were included (19 Okoubaka and 12 placebo). Data for 29 participants could be analysed. No significant differences in number of characteristic symptoms in both groups were observed between Okoubaka (…) and placebo. (…) Females and subjects expecting a higher number of symptoms at baseline or feeling more sensitive to homeopathic drugs experienced more characteristic symptoms regardless of allocation.“

      Die von Ihnen beschriebene Bewertung allein aufgrund der Häufigkeit ist hochanfällig für Fehler bei häufig vorkommenden Beschwerden. Nehmen wir zum Beispiel leichte Kopfschmerzen oder Sodbrennen. Beides hat jeder von uns von Zeit zu Zeit.
      Es wird also auch bei einer AMP öfter einmal vorkommen, dass Teilnehmer _nach_ der Globulieinnahme leichte Kopfschmerzen oder Sodbrennen haben. Der Fehler ist nun aber, dies zwangsweise kausal auf die Globuli zurückzuführen. Auch Ihr Einwand, dass die Globuli auch in der Lage sein müssten, diese Symptome zu beseitigen, greift hier nicht: Beides verschwindet erfahrungsgemäß auch von selbst wieder, so dass auch hier wieder nach Globulieinnahme ein falscher Kausalzusammenhang angenommen werden kann.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      was nutzt es denn die placebo gruppe mit der “verum” gruppe zu vergleichen

      Wäre es da nicht sinnvoll, wenn Sie sich mal über das Wesen wissenschaftlicher Arbeit informieren, insbesondere zum Thema Hypothesentest?

      die symptome sind so individuell,

      … also konfus und regellos. Das führt doch die Arzneimittelprüfung vollends ad absurdum. Wenn das tatsächlich so wäre, wie können Sie dann annehmen, dass das Mittel bei anderen Patienten als den Probanden selbst auf die gleichen Symptome wirk?

      zwar wurden die häufig gleich vorkommende symptome höher bewertet, als die nur einmal vorkommenden. (…) erst wenn das mittel auch in der anwendung genau diese symptome heilen vermochte

      Wenn also die Prüfung in der Winterzeit stattfindet und viele melden ein Gefühl von Kälte als Symptom – dann ist das ein hoch bewertetes Symptom? Und wenn Patienten das Medikament im Winter einnehmen und im Sommer dann kein Kältegefühl mehr haben, dann gilt es als wirksam, da ja offensichtlich eine erfolgreiche Heilung erfolgt ist? Das Konzept taugt überhaupt nicht dafür den post hoc ergo propter hoc – Fehlschluss auszuschließen. Es nutzt nichts, ihn nur oft genug zu wiederholen, daraus wird keine Wahrheit.

      was nutzt eine placebo-gruppe? wurde doch schon erwähnt: damit die versuchsteilnehmer eben kritischer mit ihren erfahrungen umgehen

      Ah ja, und wie geht das bitte?

      wenn man halt globulis nimmt und nichts passiert

      Dann schauen Sie sich mal diese Untersuchung von Teut et al an. Da war die Placebogruppe sogar deutlich produktiver mit dem Generieren von Symptomen als die Verumgruppe: http://www.karger.com/Article/Abstract/148825
      Schauen Sie doch mal hier, was für Symptome so ein Placebo hervorrufen kann. http://www.karger.com/Article/PDF/209386

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