Markus Dankesreiter auf HomoeopathieTV: Eine Portion Desinformation

Kritischer Kommentar zum neuesten Beitrag auf dem YouTube-Kanal „HomoeopathieTV“. Die Aussagen strotzen nur so vor unrichtigen und unbelegbaren Aussagen, aber mein kritischer Kommentar hierzu bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Daher jetzt hier:

In seinem Video schildert der Physiker und Heilpraktiker Markus Dankesreiter sein Erweckungserlebnis und äußert sich zu verschiedenen Aspekten, die aus seiner Sicht offenbar überzeugende Argumente pro Homöopathie darstellen – was aber nicht der Fall ist. Praktisch jede einzelne Aussage erweist sich bei genauerer Betrachtung als unhaltbar. Nichts ist messbar. Messungen ergeben, dass homöopathische Präparate eben nicht wirken.

Dies habe ich auch in meinem Kommentar zu diesem Video gepostet – alleine, die Betreiber von HomoeopathieTV ziehen es vor, meinen Kommentar zu verbergen und so nicht bekannt werden zu lassen.

Daher hier der Text:

Herr Dankesreiter,

Sie betonen Ihre Qualifikation als Naturwissenschaftler, was Ihren Darstellungen offenbar mehr Autorität verleihen soll. Daher halte ich es für sinnvoll, darauf hinzuweisen, wie wenig sich Ihre Aussagen mit Ihrer Qualifikation vertragen:

– Sie sollten wissen, dass eigene Erfahrungen keine Evidenz zur Wirksamkeit darstellen können.

– Sie sollten wissen, dass man die Nicht-Existenz von etwas nicht „beweisen“ kann, also auch nicht die Nicht-Existenz der Wirksamkeit der Homöopathie. Wenn Sie doch der Meinung sind, dass das geht, dann beweisen Sie mir bitte die Nicht-Existenz des Osterhasen und des Weihnachtsmannes, damit ich lerne, wie man das macht.

– Sie sollten wissen, dass es mit einer pharmazeutischen Wirksamkeit der Homöopathika schon bei recht niedrigen Potenzen zu Ende ist. Schon bei C1 / D2 nimmt man bei einer Tagesdosis von 15 Globuli nur 0,01 mg Urtinktur auf, die ja auch nur zum kleinsten Teil aus Wirkstoff besteht (zum Vergleich: 1 mg Arsen pro Tag ist wirkungslos!).

– Selbst wenn die Mittel in Urtinktur EINE Wirkung haben, ist dies keine Aussage dafür, dass das Mittel die vielen tausend Wirkungen (=Symptome) aufzeigt, die in den Materia Medica verzeichnet sind.

– Versorgungsstudien arbeiten häufig ohne Vergleichsgruppe, daher ist ein Vergleich zur Situation ohne Eingriff nicht möglich, daher auch keine Aussage zur Wirkung. Schließlich würden sämtliche Kontexteffekte als unkontrollierte Störgrößen das Ergebnis in die positive Richtung verfälschen.

– Dass Homöopathika gleich gut wie konventionelle Mittel wirken, wird in der Versorgungsforschung dadurch erreicht, dass man die Vergleichsgruppe Medikamente einnehmen lässt, die in dieser Indikation unwirksam sind. Stichwort: Studie von Haidvogl, wo Homöopathika mit Antibiotika bei viralen Erkältungskrankheiten verglichen werden.

– Die „Erfolge“ der Homöopathie bei Ferkeln kommen ähnlich zustande.

– Dann frage ich mich, wie ein Ergebnis, dass Homöopathika in der Kernspinspektroskopie marginale Unterschiede zu Placebo aufweisen könnten, selbst wenn sich diese reproduzieren ließen, eine Wirksamkeit im Patienten erklären kann.

Quintessenz:

Den Aussagen in Ihrem Video ist in vollem Umgang zu widersprechen.

— Textende

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3 Kommentare zu Markus Dankesreiter auf HomoeopathieTV: Eine Portion Desinformation

  1. RainerO sagt:

    Physiker und Heilpraktiker. Gleichzeitig. Das.geht.nicht!
    Ist er Heilpraktiker, hat er sein Recht verwirkt, sich Wissenschaftler zu nennen. Er hat sein Diplom zurückzugeben.
    Ist er Physiker, kann er nicht einmal im Traum daran denken, dass an der Homöopathie etwas dran ist.
    Der Sender ist sowieso unter aller Kanone, aber dass sich so jemand als Physiker bezeichnet und das auch noch als Autoritätsargument missbraucht, ist eine Schande sondergleichen. Zum Abschöpfen Leichtgläubiger reicht das aber offensichtlich.

  2. yoshee sagt:

    Natürlich kann man Nichtexistenzen beweisen. In der Mathematik wird so etwas dauern getan, zum Beispiel: „Beweisen Sie, dass es in der Ebene kein Dreieck gibt, welches 2 Innenwinkel gleich 90° hat. “
    Die Nichtexistenz des Weihnachtsmannes kann man beweisen, in dem man zeigt, dass er sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegen müsste, um sein Pensum zu erfüllen, was im Widerspruch zu physikalischen Gesetzen steht.
    Das ändert natürlich nichts an der Richtigkeit der anderen Aussagen des Blogbeitrags.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      „Beweise“ in dem Sinne, dass es überhaupt nicht anders sein kann, sind zwar in der Mathematik Gang und Gäbe – aber in den Naturwissenschaften nicht. Der Satz des Pythagoras, einmal bewiesen, wird immer zutreffen. Unser Wissen über die Gesetzmäßigkeiten der Natur sind prinzipiell begrenzt und können sich hingegen jederzeit als obsolet erweisen, wenn eine bessere Theorie bekannt wird.
      Zum Weihnachtsmann: Nein, Ihr Argument beweist nicht die Nichtexistenz des Weihnachtsmannes, sondern zeigt nur, dass er vielleicht nicht so funktioniert, wie wir uns das denken. Wenn man in Betracht zieht, dass es mehr als einen Weihnachtsmann geben kann, dann ist Ihr Beweis ausgehebelt.

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