Behandlung von Krebspatienten mit Homöopathie – Studie von Rostock (2011)

Sucht man im Internet nach den Begriffen ‚Krebs‘ und ‚Homöopathie, dann findet man eine große Anzahl von Webseiten homöopathischer Ärzte und Heilpraktiker. Grundsätzlich gibt es dabei durchaus unterschiedliche Aussagen. Einig ist man sich offenbar, dass die Homöopathie bei der Linderung von Nebenwirkungen der klassischen Therapien erfolgreich eingesetzt werden könne, was auch von der Deutschen Krebshilfe postuliert wird.

Es gibt aber auch Stimmen, dass die Homöopathie auch zur direkten Bekämpfung einer Krebserkrankung selbst geeignet sei. In der einschlägigen Ratgeberliteratur wird dieser Standpunkt ebenfalls vertreten [1]. Erfahrungsberichte von angeblich ‚austherapierten‘ oder ‚aufgegebenen‘ Patienten der Schulmedizin, die von der Einnahme homöopathischer Arzneien ganz ungemein profitiert haben sollen, findet man reichlich. Sowohl im Internet als auch in Presse, Funk und Fernsehen, zuletzt auch in jener berühmt-berüchtigten Sendung des Bayerischen Rundfunks vom 22. 4. 2013 [2]. Berichte von Patienten, die sich ausschließlich der Homöopathie zugewandt hatten und bei denen das nicht so erfreulich verlief, findet man allerdings selten. Weil es sie nicht gibt, oder weil sie nicht so viel Quote bringen?

An anderer Stelle hatte ich berichtet, dass keine placebokontrollierten klinischen Studien existieren, die eine direkte Behandlung von Krebserkrankungen durch homöopathische Therapien zum Inhalt hätten. Man kann durchaus einwenden, dass dies daran liegen könnte, dass es sehr schwierig ist, hinreichend viele Studienteilnehmer zu rekrutieren, die bereit sind, sich in ihrer Behandlung einem Versuchsprotokoll zu unterwerfen, was durchaus dazu führen kann, dass man nicht unbedingt jederzeit die für den eigenen Befund optimale Versorgung erhält.

Es sei angemerkt, dass es einige randomisierte Studien zur Behandlung von Begleiterscheinungen gibt, über die später in weiteren Artikeln auf diesem Blog zu berichten sein wird.

Eine Alternative mit Vor- und Nachteilen zur randomisierten Vergleichsstudie bilden Ergebnisstudien, wie sie von Rostock et. al. in 2011 für die Behandlung von Krebspatienten vorgelegt wurde [3], die wir im Folgenden näher betrachten wollen. Kurz gesagt handelt es sich bei Ergebnisstudien um die Betrachtung der Entwicklung einer oder mehrerer Gruppen, ohne dass im Rahmen der Studie darauf Einfluss genommen wird. Eine eingehende Darstellung findet sich hier.

Studiendesign

Die Ergebnisstudie wurde in Zusammenarbeit mit insgesamt vier auf die Behandlung von Krebspatienten spezialisierten Kliniken in Deutschland und der Schweiz durchgeführt. Zwei davon haben sich auf die Therapie mittels Homöopathie spezialisiert (Clinica Santa Croce, Orselina, Schweiz und Homöopathiezentrum Oberland-Klinik, Weilheim), die anderen beiden verwenden konventionelle Methoden (Klink für interdisziplinäre Onkologie und Hämatologie, Freiburg, und Klinik für Onkologie und Hämatologie, Offenburg). In den Jahren 2004 bis 2007 wurden zweieinhalb Jahre lang alle Patienten, die diese Kliniken erstmals aufgesucht hatten und bei denen eine Tumorerkrankung bestätigt wurde, angesprochen, sich an der Studie zu beteiligen. Weitere Ein- oder Ausschlusskriterien gab es nicht, man wollte ein ‚repräsentatives Bild‘ erhalten.

Man konnte schließlich 259 Patienten aus den homöopathischen Kliniken gewinnen, und 380 aus den konventionellen. Die Patienten erhielten die in den Kliniken jeweils üblichen Behandlungen, ohne dass die Versuchsleiter darauf Einfluss genommen hätten.

Als Messgröße wurde die Lebensqualität der Patienten herangezogen, die mittels standardisierter Fragebögen FACT-G und FACIT-Sp zu Beginn der Studie und dann ein Jahr lang alle drei Monate ermittelt wurde. Die Patienten füllten diese Fragebögen aus und sandten sie dem Versuchsleiter wieder zu. Als hauptsächliches Ergebnis der Studie sollte die Veränderung der Lebensqualität nach drei Monaten bewertet werden, deren Index man aus den Fragebögen ermitteln kann. Als sekundäre Ergebnisse galten die Veränderung der Lebensqualität nach 12 Monaten, die Einschränkungen durch Erschöpfung und durch Ängstlichkeit und Depression.

Eigentlich wollte man noch Vergleichspaare bilden, es gelang aber nicht, in hinreichendem Umfang Patienten mit vergleichbaren Merkmalen zu finden.

Studienergebnisse

Wie bei solchen Befragungen üblich, hatte man auch erhebliche Ausfallraten zu verzeichnen. Die für uns wesentlichen Ergebnisse sind für die Homöopathiegruppe (HG) und die konventionell behandelte Gruppe (KG) in der folgenden Tabelle zusammengetragen:

Gegenstandzu Beg.+ 3 Mon.+ 6 Mon.+ 9 Mon.+ 12 Mon.
Ausgefüllte Frageb. HG (%)9669??56
Ausgefüllte Frageb. KG (%)8268??57
Gestorb. HG (%)05141923
Gestorb. KG (%)0391420
FACT HG (Pkte)75,681,1 (79,1)*??84,1
FACT KG (Pkte)75,376,6 (76,9)*??78,9
FACIT HG (Pkte)32,1 (32,5)*34,9??35,2
FACIT KG (Pkte)31,0 (31,6)*32,1??31,6

*(Nachtrag 17.6.2013): Die Daten in Klammern wurden ergänzt. Dies sind die Werte, die sich aus der Aufsummierung der in der Arbeit genannten Einzelposten zu den Tabellenwerten ergeben und bei denen der Unterschied zum dargestellten Ergebnis sicher nicht auf Rundungsfehler zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist, dass die FACT-G – Werte genau nach drei Monaten bei beiden Gruppen jeweils in die Richtung verschoben sind, die eine größere Wirkung der Homöopathie ergeben. Siehe auch Kommentar von Dr. Breß v. 16. 6. 2013

Nach Angaben der Autoren sind in den Daten aus den Fragebögen zu Beginn der Studie nur die Ergebnisse der Teilnehmer zusammengefasst, die bei der Erhebung drei Monate später gültige ausgefüllte Fragebögen zurückgegeben hatten.

Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass unter einer homöopathischen Behandlung für die Patienten beträchtliche Verbesserungen der Lebensqualität erreicht werden können. Die Verbesserungen seien klinisch relevant und statistisch signifikant. Daraus folge, dass eine klassische homöopathische Behandlung zum Wohle der Patienten die konventionelle Krebstherapie ergänzen kann.

Anmerkung:
Die Daten für Erschöpfung und Depression betrachten wir hier nicht, es hatten sich nur geringfügige tendenzielle Änderungen zu Gunsten von HG ergeben.

Analyse

Soweit zusammengefasst und unkommentiert die Studie und ihre Ergebnisse. Je länger man sich mit dieser Studie befasst, je tiefer man in die Details eindringt und den Text und die angegebenen Ergebnisse interpretiert, desto deutlicher wird:

Die ganze Studie ist nichts weiter als eine einzige Datenverschleierung und Irreführung derer, die sie lesen. Ich habe in der letzten Zeit schon einiges gelesen – aber in dieser Hinsicht ist die Studie schon einzigartig.

Studienteilnehmer

Vergleichen wir zunächst einmal die Kliniken und die Therapien:

Da ist die homöopathische Clinica Santa Croce in der Schweiz, die übrigens jetzt einen schönen, mit öffentlichen Geldern aus Deutschland gesponsorten Werbefilm auf ihrer Webseite zeigen kann. Wunderbar idyllisch am Lago Maggiore gelegen, bietet diese Klinik ihren Patienten einen 14-tägigen stationären Aufenthalt an, der nach den Angaben auf der Webseite mit rund 7.500 Schweizer Franken in Barzahlung zu Buche schlägt, mehr als 6.000 Euro. Dafür erhält der Patient neben der Erstanamnese eine tägliche Visite und der behandelnde Arzt eine tägliche Supervision. Nach Ende des Aufenthaltes können die Konsultationen telefonisch weitergeführt werden, vermutlich gegen erneute Rechnung.

Über das Homöopathiezentrum Oberland-Klinik in Weilheim ist allerdings nicht mehr viel in Erfahrung zu bringen, der Link auf die Homepage der Klinik geht ins Leere. Lediglich einer Notiz auf der Webseite des Deutschen Zentralverbandes der homöopathischen Ärzte [6] ist zu entnehmen, dass diese eine Gründung nach dem Vorbild der Clinica Santa Croce war und dass sie Teil des Medizinischen Zentrums für operative Therapie und Diagnostik sei. Zeitungsberichten zufolge wurde dieses Haus aber zum Ende September 2005 bereits weitgehend geschlossen [7] und der Träger ging zwei Jahre später in die Insolvenz. Wenn man weiter nachforscht, stößt man auf die Webseite des in [6] genannten Betreibers, Dr. med. Robert Ködel, der die Hömöopathie als Begleittherapie zur klassischen Krebstherapie empfiehlt. Auch hier handelt es sich um eine Privatklinik, die von einer Privatkasse oder dem Patienten selbst bezahlt werden muss. Wie dem auch sei, so sehr viele Patienten werden dort nicht für die Studie gewonnen worden sein.

Die Klinik für interdisziplinäre Onkologie und Hämatologie in Freiburg ist offenbar auch ein privates Ärztezentrum und hat sich auf die konventionelle Behandlung von Krebs in allen Stadien spezialisiert. Außer Chirurgie scheint das ganze Spektrum der Krebsbehandlung zum Leistungsangebot zu gehören. Die Behandlungen erfolgen nach den Angaben der Studie offenbar weitgehend ambulant.

Die Klinik für Onkologie und Hämatologie in Offenburg schließlich ist Teil des Ortenauklinikums, eines Klinikums an drei Standorten mit insgesamt 750 Betten. Auch hier wird das gesamte Spektrum der konventionellen Krebsbehandlung geboten. Auch hier ist die Behandlung offenbar zumeist ambulant.

Diese vier Häuser nun benannten Patienten zur Teilnehme an der Studie. Um die Daten ’so repräsentativ wie möglich‘ zu halten, gab es keine Ausschlusskriterien, sondern es wurden alle Patienten über 18 Jahre mit bestätigten Tumorerkrankungen in die Studie eingeschlossen. Eine Folge davon ist, dass alle möglichen Tumorpatienten sich in der Studie finden – aber wegen des unterschiedlichen Leistungsangebots der Kliniken auf die Gruppen unterschiedlich verteilt sind. Die konventionellen Kliniken bieten das volle Spektrum der Behandlungen, ergo werden auch Patienten in allen Stadien der Behandlung dort zu finden sein. In den homöopathischen Kliniken finden sich sowohl Patienten, die die Nebenwirkungen einer im Vorfeld erfolgten klassischen Therapie behandeln lassen wollen, aber auch solche, die auf eine solche Therapie bewusst zu Gunsten der Homöopathie verzichten. Diese Kliniken stellen ihrerseits erhebliche Anforderungen an die Finanzkraft der Patienten, die aufzuwenden nur ein ganz bestimmter Personenkreis willens und in der Lage ist. In der konventionell behandelten Gruppe sind daher vermutlich mehr Kassenpatienten zu finden. Auch der Anteil der Rentner ist dort offenbar größer. Die nachstehende Tabelle soll das verdeutlichen.

KriteriumHomöopathieKonventionell
Lebensalter (Jahre)5460
Universitätsabschluss (%)4316
Zeit seit Erstdiagnose (Monate)103
In Frühem Stadium I - III (%)3043
Chemotherapie vor Studie (%)*5033
Chemo und Radio während Studie (%)**72166
Ohne Krebsbehandlung während Studie (%)25,66,6

* Die Autoren der Studie nennen diese Zahl als repräsentativ dafür, dass bei der Homöopathiegruppe ein höherer Anteil bereits vor Studienbeginn konventionelle Therapien erhalten hat, ohne jedoch die Gesamtzahl der Behandlungen zu nennen.

** Aufsummierung der Angaben in Tabelle 2 der Studie. Angaben zu mehrfachen Behandlungen werden in der Studie nicht getroffen, sind aber sehr wahrscheinlich.

Viel unterschiedlicher können die Patienten eigentlich nicht sein.

Angesichts der doch recht bedeutsamen Unterschiede (Lebensalter, Zeit seit Erstdiagnose) muss man sich fragen, was ein Vergleich zwischen den Gruppen eigentlich aussagen soll. Die konventionelle Gruppe wird wesentlich heftiger mit den Nebenwirkungen der konventionellen Behandlungen zu kämpfen gehabt haben, bei der Homöopathiegruppe sind offensichtlich schon mehr Patienten über dieses Stadium hinweg.

Irgendwie fällt es schwer, diese Gruppenunterschiede dahingehend zu bewerten, wie sie sich wohl auf das Ergebnis ausgewirkt haben könnten. Es bleibt einfach übrig, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen wurden und herausgefunden wurde, dass das ungefähr gleich große Früchte sind. Mehr nicht.

Datenauswahl

Noch ohne dass wir uns mit der Bedeutung der Zahlen aus den Fragebögen auseinandersetzen, können wir feststellen, dass nicht über alle in der Studie erhobenen Daten berichtet wird. Ausdrücklich wird beschrieben, dass die Daten alle drei Monate erhoben wurden, mithin fünf Datensätze vorliegen müssten. Berichtet wird jedoch nur über drei. Warum wurden die anderen zwei weggelassen? Es ist durchaus sinnvoll, dass man für das Endergebnis nur eine Auswahl aus den Daten heranzieht, aber die Zwischendaten einfach wegzulassen, entzieht dem Leser eine ganze Menge an Information, mit der das Ergebnis weiter bewertet werden könnte. Es wäre beispielsweise wichtig zu wissen, ob zwischen den Zeitpunkten eine kontinuierliche Entwicklung stattgefunden hat oder ob die Daten wild streuten.

Zumindest einer der Co-Autoren, H. Walach, ist ein gestandener Wissenschaftler, der seit Jahrzehnten unzählige Beiträge veröffentlicht hat – und sich dabei auch zum Teil massive Kritik zugezogen hat. Zumindest er muss wissen, dass man sich bei diesem Vorgehen dem Vorwurf aussetzt, nur die Rosinen herausgesucht, das heißt die genehmen Ergebnisse berichtet zu haben. Dennoch lässt er zu, dass dies in seinem Namen passiert. Es ist kaum glaubhaft, dass dieser Grundsatz einfach vergessen worden ist. Ist der Vorwurf des Rosinen-Suchens im Vergleich zur vollen Veröffentlichung der Daten etwa das kleinere Übel? Was sagt das über die Daten? Das wissen wir nicht, aber zumindest sagt es nichts Gutes.

Dabei sind nicht nur die Daten zu gewissen Zeitpunkten unter den Tisch gefallen, es sind noch nicht einmal alle Patienten eingeflossen. Die für den Studienanfang angegebenen Daten stammen nur von den Patienten, die drei Monate später ihren Fragebogen ausgefüllt zurückgaben. Da nur rund zwei Drittel der Patienten dies taten, fehlen die Daten von einem Drittel, also ein recht respektabler Prozentsatz, der das Ergebnis schon spürbar beeinflussen könnte.

Ein Kriterium für eine hohe Studienqualität ist, dass die Daten aller Patienten in der Studie betrachtet werden. Nach dem englischen Ausdruck hierfür wird dies als ein ‚Intent-to-treat-Vorgehen‘ bezeichnet. Dem nicht zu folgen, gilt als eindeutiger Studienmangel, denn auf diesem Wege könnten starke Verfälschungen des Ergebnisses auftreten. Zur Erläuterung ein sicher krasses konstruiertes Beispiel: Stellen Sie sich vor, es wird ein Medikament untersucht, 100 Menschen nehmen es im Rahmen einer Studie ein. Nehmen Sie an, 25 profitieren davon, 25 nicht, aber 50 Menschen sterben an den Nebenwirkungen und verlassen die Studie vorzeitig. Ignoriert man die ausgeschiedenen Patienten, ergibt sich, dass 50 % (25 von 50) der Patienten davon profitieren. Dass tatsächlich 50 % (50 von 100) daran gestorben sind, fällt unter den Tisch. Wie ersichtlich, wäre das Ergebnis völlig umgekehrt worden.

Warum hat man hier ein Drittel der Patienten einfach weggelassen? Warum sind sie aus der Studie ausgeschieden? Wie sähen denn die Anfangsdaten aus, wenn man sie mit ausgewertet hätte? Sähe dann beispielsweise die Entwicklung der Homöopathiegruppe gar nicht mehr so vorteilhaft aus, wenn sich zum Beispiel zu Studienbeginn ein deutlich höherer Wert ergeben hätte, 88 vielleicht? Dann hätte sich bei HG eine negative Entwicklung ergeben, keine positive. Auch hier müssen wir sehen, dass die Autoren es vorgezogen haben, sich dem Vorwurf eines Studienmangels auszusetzen anstatt die Daten zu präsentieren, wie sie sind. Was immer man da auch für eine Schlussfolgerung ziehen kann, gut ist sie nicht.

Datenerhebung

Mit einem auch nur mäßig geschärften Skeptikerblick fällt sofort auf, dass sich die ganze Studie nur mit subjektiven Bewertungen der Patienten befasst. Objektive Maßstäbe werden überhaupt nicht in Betracht gezogen. Ich bin nicht Mediziner genug, um benennen zu können, welche Maßstäbe man anwenden könnte. Aber Krebs ist eines der am besten erforschten Krankheitsbilder, zumindest was die finanziellen Mittel anbelangt, die in die Forschung geflossen sind, und da soll es keine objektiven Maßstäbe geben? Auch wenn es um die Nebenwirkungen der Krebsbehandlung geht, Übelkeit, Hautirritationen, was auch immer, dafür muss es doch Bewertungsgrößen geben. Wenn es sie gibt, warum hat man sie nicht angewendet? Der Umstand, warum nur subjektive Bewertungen betrachtet werden, wird in der Studie nicht erläutert.

Gehen wir tiefer ins Detail. Welches Ergebnis wurde denn da eigentlich erzielt?

Die Forscher verwendeten standardisierte Fragebögen zur Ermittlung des Befindens der Patienten. Beide sind für diesen Zweck erprobte Mittel, die seit Mitte der 1980er Jahre entwickelt wurden und über die es sehr viel aussagekräftige Literatur gibt. Sie werden auch so eingesetzt, wie es von den Entwicklern vorgesehen wurde. Dennoch werden ungewöhnliche Messergebnisse damit erzeugt, wie im Folgenden zu ersehen.

Die Fragebögen sind ein Versuch, vergleichbare Antworten auf die Frage an den Patienten ‚Wie geht es Ihnen?‘ zu erhalten. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass eine Behandlung (auch) das Wohlbefinden des Patienten steigern soll, insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder wenn bei einem Krebspatienten keine Heilung mehr möglich ist und die letzte Phase irgendwie erträglich gemacht werden soll. Dies aber als einziges Indiz heranzuziehen, ist zumindest fragwürdig. Ist es nicht von Bedeutung, wie lange beispielsweise der Eintritt in diese letzte Phase hinausgezögert werden kann? Mit hoher Lebensqualität in einen früheren Tod ist besser als gewisse Einbußen im Befinden, dafür eine längere Lebensdauer? Den Ansatz kann man zumindest kontrovers diskutieren.

Jeder Patient beantwortet wohl die Frage, wie es ihm geht, nach eigenen Kriterien. Für den Einen ist die Abwesenheit von Schmerz das Maß der Dinge, für den Zweiten, dass er sich in seiner Familie gut aufgehoben fühlt, und für den Dritten, ob er arbeiten kann oder nicht. Um dies alles zu etwas Vergleichbarem zu machen, wird in dem Fragebogen FACT-G das als ‚Lebensqualität‘ bezeichnete Befinden in zusammen 27 Fragen in vier Kategorien ermittelt:

  • körperliches Wohlbefinden
  • soziales / familiäres Wohlbefinden
  • emotionales Wohlbefinden
  • funktionales Wohlbefinden.

Die Webseite von Facit.org [4] listet eine ganze Reihe solcher Fragebögen auf, die für unterschiedliche Zwecke spezialisiert sind, FACT-G ist ein genereller Fragebogen für Patienten mit chronischen Erkrankungen.

In jedem der vier Fragenkomplexe muss der Patient eine vorgegebene Feststellung bewerten, ob sie für den Zeitraum der letzten sieben Tage überhaupt nicht (’not at all‘)/ ein wenig (‚a little bit‘)/ gelegentlich (’somewhat‘) / häufig (‚quite a bit‘)/ sehr oft (‚very much‘) zutrifft. Die positivste Antwort wird mit vier Punkten bewertet, die schlechteste mit 0. Das Ergebnis ist die Summe der Ergebnisse aller 27 Fragen, geht also von 0 bis 108, je höher die Punktzahl, desto besser das Ergebnis. Beispiele für Fragen zu den obigen Kriterien:

  • Ich habe Schmerzen (körperliches Wohlbefinden)
  • Ich erfahre emotionale Unterstützung von meiner Familie (soziales Wohlbefinden)
  • Ich verliere die Hoffnung im Kampf gegen meine Krankheit (emotionales Wohlbefinden)
  • Ich schlafe gut (funktionales Wohlbefinden).

Wie ersichtlich wird versucht, die persönlichen Umstände möglichst umfassend zu bestimmen. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um eine Diagnose, sondern um eine Art Standortbestimmung des Patienten in der Welt.

Die gleichen Fragen sind auch in dem zweiten in der Studie verwendeten Fragebogen enthalten, FACIT-Sp, jedoch um 12 weitere Fragen zu ‚zusätzlichen Sorgen‘ (‚additional concerns‘) ergänzt, beispielsweise ‚ich habe Schwierigkeiten damit, geistig zur Ruhe zu kommen‘.

Anmerkung:
Die Fragen und Kategorien habe ich hier zur Information frei übersetzt. Möglicherweise gibt es offizielle deutschsprachige Fragebögen, dort mögen die Fragen im Detail anders lauten.

Betrachten wir einmal das Ergebnis der FACT-G, der ersten Fragebögen, wie der obigen Tabelle zu entnehmen. Nun gibt es eine Grundregel, die leider gerne ignoriert wird: Keine Zahl ist für sich aussagefähig, man braucht einen Vergleich, auch wenn dieser nur einen ungefähren Anhalt gibt. Glauben Sie nicht? Dann die Frage: Sind 120 Kilometer pro Stunde schnell? Diese Frage können Sie nicht entscheiden, wenn Sie nicht wissen, ob ich über einen Fahrradfahrer rede oder über ein Verkehrsflugzeug (Airbus A-380). Ersterer wäre unglaublich schnell, letzteres könnte bei dieser niedrigen Geschwindigkeit noch nicht einmal abheben, die Startgeschwindigkeit ist mehr als doppelt so hoch..

Oben wurde ausgeführt, dass dieser Fragebogen ein eingeführtes Messinstrument ist, für das dann auch selbstverständlich Unterlagen zur Validierung vorliegen [5]. Validierung ist der Prozess, mit dem ein Messinstrument – und dieser Fragebogen ist eins – überprüft wird hinsichtlich Genauigkeit, Vergleichsdaten und so weiter.

Der Unterlage [5] sind folgende Daten für den Fragebogen FACT-G als Ganzes zu entnehmen:

  • minimaler bedeutsamer Unterschied: 3 bis 7 Punkte
  • normativer Wert der normalen US-amerikanischen Bevölkerung: 80,1 Punkte

Den minimal bedeutsamen Unterschied, nach der englischsprachigen Bezeichnung MID genannt, ist etwa mit der Auflösung des Verfahrens zu vergleichen. Erst ein Unterschied in der Gesamtpunktzahl, der diesen überschreitet, ist für Patient oder Arzt von Bedeutung. Kleinere Unterschiede sind nicht wirklich fühlbar sondern, so kann man vermuten, auf Unterschiede in der Tagesform oder auch subjektive Unterschiede in der Bewertung (was ist ‚häufig‘, was ist ’sehr oft‘?) zurückzuführen.

Ein ’normativer Wert‘ ist nichts anderes als ein Vergleichswert, der einen Normalzustand repräsentiert. Der hier zitierte Wert wurde an 1.075 Männern und Frauen aller Altersstufen (16 bis 91 Jahre) und verschiedener Ethnien der US-amerikanischen Bevölkerung gewonnen.

Hier sehen Sie jetzt die wahre Sensation aus dieser Untersuchung: In Deutschland und der Schweiz hat ein Krebspatient im ersten Jahr nach der Erstdiagnose eine Lebensqualität (75,3 und 75,6 Punkte), die sich gerade eben so von der Lebensqualität der durchschnittlichen US-amerikanischen Bevölkerung unterscheidet. Der Unterschied von noch nicht einmal sechs Punkten liegt durchaus noch innerhalb der MID-Grenze. Da soll noch einer über unser Gesundheitssystem lästern! Chemotherapie, Bestrahlung, Operation, die Nebenwirkungen von alledem vermögen es nicht, dass es den Patienten subjektiv fühlbar viel schlechter geht als den ganz normalen Amerikanern.

Man könnte jetzt stolz auf unser Gesundheitssystem sein oder die Amerikaner ob ihrer lausigen Existenz bedauern – oder die Datenermittlung in der Studie anzweifeln. Ich entscheide mich für die letzte Option. Der Durchschnitt von 80 Punkten bedeutet bei den 27 Fragen, dass die für den Patienten im Mittel alle günstigen Zustände ‚oft‘, die negativen ’selten‘ aufgetreten sind. Angesichts der Altersspanne klingt das plausibel. Dass sich Krebspatienten mitten in den ganzen Beschwerlichkeiten einer akuten Krebsbehandlung und deren Nebenwirkungen nur in höchstens 6 der 27 Fragen um einen Punkt schlechter sehen, also die Bewertung beispielsweise von ‚häufig‘ auf ‚gelegentlich‘ zurückgenommen wurde, soll alles sein? Für die Patienten in der Privatklinik am Lago Maggiore ist das noch irgendwie vorstellbar, aber für die Patienten im Orthenauklinikum? Dabei ist zu bedenken, dass der Durchschnittswert weit über dem mittleren Skalenwert liegt, das wären 54 Punkte. Wenn es daher nur einem Patienten wesentlich schlechter gehen würde, müsste es mindestens drei Patienten gegeben haben, denen es erheblich besser gegangen sein soll als es den 75 bis 80 Punkten entspricht, die berichtet werden. Das erscheint kaum glaubhaft.

Zumal die Werte des FACIT-Sp nun schon gar nicht dazu passen. FACIT-Sp umfasst die Fragen FACT-G und enthält zusätzlich zwölf weitere Fragen. Wenn es irgendwie mit rechten Dingen zuginge, dann müsste sich aus FACIT-Sp eine höhere Punktzahl ergeben als aus FACT-G alleine. Tut es aber nicht. Die ist mit 30 bis 35 Punkten noch nicht einmal halb so groß. Oder wurden in dieser Zahlenangabe nur die Antworten auf die zusätzlichen Fragen zusammengefasst, die nicht im FACT-G enthalten sind? Wissenschaftliche Arbeiten sollten eigentlich nicht zum Rätselraten gemacht sein.

Etwas flapsig: Die Daten sind Käse. Oder die Art, wie sie dargestellt werden, ist Unsinn.

Dies gilt auch für die Schlussfolgerung der Autoren:

Zur Erinnerung: Der Ausgangspunkt für beide Gruppen lag etwa gleich, keine sechs Punkte unter dem US-amerikanischen Durchschnitt. Die Daten der Homöopathiegruppe haben sich im Laufe eines Jahres um 8,3 Punkte im FACT-Fragebogen verändert, die konventionelle Gruppe um 3,6 Punkte. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen betrug nach einem Jahr 5,2 Punkte. Aber erst ab 3 bis 7 Punkte merkt man einen Unterschied überhaupt, kleinere Werte bedeuten nichts.

Es sei einfach die Schlussfolgerung der Autoren direkt übersetzt:

Wir haben gezeigt, dass unter einer homöopathischen Behandlung beträchtliche Vorteile für die Lebensqualität der Patienten erzielt werden konnten, wie durch FACT-G gemessen wurde … Die Verbesserung war klinisch relevant und statistisch signifikant. … Daher weisen unsere Daten darauf hin, dass eine klassische homöopathische Behandlung die konventionelle Krebsversorgung zum Vorteil der Patienten ergänzen kann.

Ich erspare mir den Kommentar angesichts der dürftigen Grundlage für diese Einschätzung in den vorgelegten Daten.

Prinzipielle Vergleichbarkeit

Die gesamte bisherige Analyse der Studienergebnisse erfolgte unter der Annahme, dass die erhobenen Daten zwischen den Patientengruppen vergleichbar sind. Aber sind sie das wirklich?

Zur Erinnerung: Der Beginn der Studie ist alleine durch das Ausfüllen des ersten Fragebogens markiert, ansonsten gibt es bewusst keinen Eingriff in die laufende Behandlung. Der einzige wirklich markante Punkt im Krankengeschehen ist der Zeitpunkt der Erstdiagnose, danach entspinnt sich das gesamte Behandlungsgeschehen. Für die Homöopathiegruppe liegt dieser bei Studienbeginn bereits zehn Monate in der Vergangenheit, für die Konventionelle Gruppe aber nur drei. Der Zustand der Patienten der Homöopathiegruppe zu Beginn der Studie entspricht somit dem Zustand der konventionellen Gruppe sieben Monate nach Studienbeginn. Näherungsweise müsste man also die Daten von HG in Tabelle 1 mit den Daten von KG jeweils sechs Monate später vergleichen. Alleine, hierzu fehlen die Zahlen, wir können das nicht nachvollziehen.

Wir erkennen, dass zusätzlich zu der fragwürdigen Vergleichbarkeit der Gruppen untereinander auch noch Daten miteinander verglichen werden, die in der Krankengeschichte recht weit auseinanderliegen und wenig miteinander zu tun haben.

Damit wird die ganze Studie vollends zur Farce.

Zusammenfassung

In der Studie wird die Entwicklung zweier Gruppen von Patienten verfolgt, die sich mit einer Krebserkrankung entweder an eine spezialisierte homöopathische Klinik oder an eine konventionelle Klinik gewendet haben. Die Gruppen weisen in ihren wesentlichen Daten erhebliche Unterschiede auf, insbesondere hinsichtlich des Lebensalters, des Zeitpunkts in Bezug auf den Krankheitsbeginn und der Intensität der laufenden konventionellen Behandlung. Die Studie fragt aber nicht nach dem Erfolg dieser Behandlung, sondern nur nach der subjektiven Einschätzung der Patienten zu ihrem Befinden. Dabei vermag die Art der Darstellung nicht den Verdacht auszuräumen, dass die Ergebnisse durch geeignetes Weglassen unpassender Werte den Verlauf anders wiedergeben als tatsächlich vorgefunden und gemessen. Die ermittelten Daten selbst lassen erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Messung aufkommen, denn, sollten die Daten tatsächlich stimmen, dann verzeichnen Patienten hierzulande mitten in einer akuten Krebsbehandlung nur eine unwesentlich geringere Lebensqualität als die durchschnittliche US-amerikanische Bevölkerung.

Als wesentliche Datenbasis werden die Befindlichkeiten der beiden Gruppen in Bezug auf die Krankengeschichte zu zwei sieben Monate auseinanderliegenden Zeitpunkten erhoben. Ignoriert man die Unvergleichbarkeit der beiden Gruppen untereinander und den zeitlichen Versatz der erhobenen Daten, dann sind die beobachteten Veränderungen eher gering, selbst dann ist die Schlussfolgerung der Autoren angesichts der geringen Unterschiede der Daten nicht nachvollziehbar.

Schlussfolgerung

Die Clinica Santa Croce muss einen begnadeten Marketingspezialisten haben. Die Idee, für die Werbung eine solche, wahrscheinlich in hohem Maße vom Steuerzahler finanzierte Studie zu veranlassen, ist wirklich gut. Getoppt nur durch den Einfall, den Bayerischen Rundfunk zu einem öffentlich bezahlten Werbefilm zu veranlassen. Meine Anerkennung für diese Leistung!

Literatur und Quellen

[1] Sommer S. Homöopathie – warum und wie sie wirkt. Mankau Verlag, Murnau 2011, Seiten 20f, 65 etc.

[2] Sendung des BR vom 22. 4. 2013, Link 

[3] Rostock M, Naumann J, Guethlin C, Guenther G, Bartsch HH, Walach H. Classical Homeopathy in the treatment of cancer patients – a prospective observational study of two independent cohorts. BMC Cancer 2011, 11:19, Link zum Volltext 

[4] Webseite Facit.Org  

[5] Webster K, Cella D, Yost K. The Functional Assessment of Chronic Illness Therapy (FACIT) Measurement System: properties, Applications, and interperetation. Health and Quality of Life Outcomes 2003, 1, Link

[6] Webseite der Deutschen Zentralvereinigung homöopathischer Ärzte, Link 

[7] Zeitungsmeldung Merkur zur Oberlandklinik in Weilheim Link

[8] Webseite / Blog von Dr. Robert Ködel Link http://www.drkoedel.de/Website/Willkommen.html

Dieser Beitrag wurde unter Blog, Verlaufssstudien, Wirksamkeitsstudien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten auf Behandlung von Krebspatienten mit Homöopathie – Studie von Rostock (2011)

  1. Pingback: Homöopathie gegen Krebs? @ gwup | die skeptiker

  2. Breß sagt:

    Mal wieder hervorragend analysiert. Interessant ist auch, dass bei unterschiedlichen Krebsarten, die Lebensqualität stark variieren kann, wenn man aber alle Varianten zusammenwirft bekommt man bei den Ergebnissen der Fragebögen bestimmt eine immense Streuung in der Qualität.

    Was auch interessant ist: Mussten die Patienten der HG-Gruppe ihre Behandlung selbst zahlen, aus dem Text heraus erscheint es mir so. Wenn dem so ist… Ich sag lieber nichts.

    Vielen Dank für die Betrachtung

    Dr. Breß

    • Breß sagt:

      Was ich noch vergaß. Wenn man einen Durchschnittswert für die USA hat von 80,1 hat und sagt mindestens 3-7 Punkte sind notwendig um einen „minimalen“ Unterschied verlässlich messen zu können, sind doch die Standardabweichungen von 16 und mehr sofort ein Ausschlusskriterium um diese Ergebnisse überhaupt nutzen zu wollen.

      Daher frage ich mich zusätzlich, wie ein Unterschied wie oben schon erwähnt von ca. 5 bei diesen massiven Standardabweichungen überhaupt ein signifikantes Ergebnis erzielt haben soll, zumal ein stark signifikantes von p< 0,001.

      Weiterhin sind falsche Zahlen angeben. Zum Beispiel bei t1 für den Gesamt- FACT-G Wert sind es nur 79,1% und nicht 81,1%. Diese "Fehler" ziehen sich weiter durch die Ergebnisse. Somit sind die Unterschiede eventuell noch nicht einmal "echte" Ergebnisse signifikante sind es ja definitiv nicht.

      Warum wurde die KG Gruppe nicht mit Placebo-Homöopathika behandelt, dass wäre das Mindeste gewesen?!!!

      Jetzt noch eine echte Frage an den Statistiker: Wenn in den einzelnen FACT-G Untergruppen die SD so gering ist, wieso ist sie dann bei dem Gesamt-FACT-G plötzlich so hoch, würde man nicht davon ausgehen das es wenn überhaupt umgekehrt ist oder habe ich mir durch die Sonne das Hirn zu sehr erwärmt.

      Vielen Dank für die Infos

      Dr. Breß

  3. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Vermutlich haben die HG-Patienten ihre Behandlung tatsächlich selbst bezahlt – oder halt von ihrer privaten KV bezahlt bekommen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die gesetzliche KV in Deutschland die Behandlungskosten nicht übernimmt – und ich glaube auch nicht, dass die Patienten nur für das Ausfüllen von Fragebögen einen allzu großen Nachlass erhalten haben – wenn überhaupt.

    In der Tat ist es so – das hatte ich gar nicht bemerkt – dass die in der Originalarbeit dargestellten Einzelergebnisse sich gelegentlich nicht zu der Gesamtsumme aufaddieren lassen. Wie es der Teufel will, ist der Zahlenwert für die Homöopathiegruppe nach drei Monaten – das Hauptergebnis – um zwei Punkte zu günstig, der gleiche Wert für die konventionellen Patienten um 0,3 Punkte zu ungünstig angegeben. Irgendwie mag man da nicht so sehr an Zufall glauben. Ich werde die Daten in der Ergebnistabelle einbringen. Danke für den Hinweis.

    Das Thema Streuung, Standardabweichung und Signifikanz ist etwas komplexer zu beantworten. Diese Begriffe beziehen sich auf verschiedene Betrachtungsweisen. Ich denke, ich werde in den nächsten Tagen mal einen Grundlagenartikel zur Bedeutung dieser Größen verfassen.

    Bis dahin bitte ich allerdings um etwas Geduld – denn auch hier im Südschwarzwald ist es jetzt sehr warm.

  4. Breß sagt:

    Hier in Tübingen auch.
    Es gibt übrigens eine zwar sehr kurze aber ganz gute Einführung zu Fehlerbalken usw.:

    Cumming, G., Fidler, F., & Vaux, D. L. (2007). Error bars in experimental biology. The Journal of cell biology, 177(1), 7–11. doi:10.1083/jcb.200611141

  5. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    @ Herr Breß
    So, nun ist es geschafft und man findet hier: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?page_id=598 einen Artikel, in dem einige der angesprochenen statistischen Größen erläutert werden und in dem auch nochmal das Ergebnis dieser Studie beleuchtet wird.

  6. Pingback: Der Wahnsinn: Homöopathie gegen Krebs und Bach-Blüten bei Kindesmissbrauch @ gwup | die skeptiker

  7. Haftelmacher sagt:

    Hallo Herr Aust,
    tut mir leid – aber ich muß mal in wenig Wasser in den Wein gießen und dem Lob widersprechen, das Sie mit Ihrem Blog so reichlich ernten. Ich bin Arzt und habe Evidenzbasierte Medizin gelernt, als die noch „Klinische Epidemiologie“ hieß. Damals war die Analyse medizinischer Studien Teil meiner Arbeit. Ich habe also ein bißchen Ahnung vom Thema Ihres Blogs – so wie ich es verstanden habe. Und ich bin einigermaßen bestürzt darüber, daß sich offenbar so gar kein Widerspruch regt zu Ihren Ausführungen.
    Alternativmedizin oder Homöopathie stehen zwar nicht gerade im Mittelpunkt meines Interesses. In der medizinischen Versorgung spielen sie nach meiner Erfahrung nicht die große Rolle, die ihre Kritiker ihr nachsagen. Patienten machen da eh meist keine Unterschiede. Aber egal – die Kriterien, nach denen der Nutzen medizinischer Maßnahmen zu prüfen und zu beurteilen ist, sind ja eh für alle „Therapierichtungen“ die gleichen.
    Letzten Endes sollte es doch darum gehen, daß ein Patient genau die medizinische Versorgung bekommt, die ihm nachweislich am besten hilft. Ob die nun alternativ-, schul- oder sonstwie -medizinisch ist, ist nebensächlich. Wem das ein Anliegen ist, der findet im übrigen an der „Schulmedizin“ mindestens ebensoviel auszusetzen wie an der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM). In beiden „Systemen“ spielt die Gesundheit der Patienten nicht die Rolle, die ihr an sich zukommen sollte.
    Auf Ihrer „Über“-Seite laden Sie ausdrücklich ein, “diese Seiten zu besuchen und die Artikel zu kommentieren“. Aber die Einladung richtet sich an „die andere Seite“, an „homöopathisch arbeitende Ärzte oder Heilpraktiker“. An welche Art von Kommentaren Sie gedacht haben, sagen Sie nicht. Wie kritisch dürfen die denn sein?
    Ich bin das alles jedenfalls nicht. Ich vertrete folglich nicht die Gegenposition, an die Sie vielleicht gedacht haben. Ich bin zwar mit der Homöopathie nicht einverstanden, aber oft auch nicht mit der Kritik, die an ihr geübt wird. Die muß stimmen. Sonst trifft sie ja gar nicht.
    Ich weiß deswegen nicht, ob ich zu denen gehöre, die Sie einladen wollen. Aber ich hätte trotzdem jede Menge zu kommentieren. Wie dem auch sei – ich betrachte mich einfach mal als zur Kritik eingeladen.
    Grundsätzlich finde ich Ihr Vorhaben sehr lobenswert. Homöopathische Studien werden – auch im Netz – zwar oft kritisiert. Sie seien fehlerhaft und nicht geeignet, die Wirksamkeit der geprüften Behandlungen zu belegen heißt es meist. Aber mit der Begründung hapert es doch oft. Auch die Kritiker der Homöopathie bleiben die Belege für ihre Behauptungen nur allzu oft schuldig.
    Analysen – noch dazu welche, die so detailliert sind, wie Ihren – findet man denn auch eher selten. Nur leider habe ich den Eindruck, daß auch Sie im festen Glauben daran, daß Homöopathie nicht funktionieren kann, der Versuchung erliegen Argumente zu suchen – und auch zu finden – die zu der Kritik passen, die Sie eh – jenseits dieser Argumente – schon haben. Damit spielen Sie denjenigen in die Hände, denen Sie doch gerade ein bißchen an den Karren fahren wollen.
    Einige der in der Wissenschaft selbstverständlichen Gepflogenheiten scheinen Ihnen fremd zu sein. So finde ich nicht so schön, daß Sie Studien ausführlich besprechen, die nicht frei zugänglich sind. Selbstverständlich können Sie sich nicht über Urheberrecht oder die AGB’s von Verlagen hinwegsetzen. Aber Sie können wenigstens zitieren, was Sie besprechen. Nachprüfbarkeit ist das A und O in der Wissenschaft. Und ich vertraue Ihnen nicht genug, um Ihnen blind zu glauben. Übrigens finde ich auch die doch recht häufigen Verweise auf Ihr Buch ein wenig ärgerlich.
    Auch habe ich Schwierigkeiten mit Ihrer wenig präzisen Sprache. Formsache ist es nämlich ganz und gar nicht, wenn man sich im wissenschaftlichen Diskurs an Konventionen hält. Es erleichtert die Verständigung ungemein, wenn man nicht jedesmal ausführlich beschreiben muß, was man meint, weil einige wenige klar umrissene Begriffe reichen damit man weiß, wovon der jeweilige Gesprächspartner redet. Aber auch Ihre „ganz normale“ Sprache ist oft sehr ungenau und verwaschen.
    Was ist z.B. denn ein „erfolgreicher Wirksamkeitsnachweis“? Gibt es denn auch „erfolglose“? Falls ja – was ist das? „Mangelnde interne Validität“ hätte – vorausgesetzt Sie meinen das so, wie ich es verstehe – normalerweise zur Folge, daß eine Studie nicht geeignet ist, die Frage zu beantworten, die sie gestellt hat. Wenn man das Ergebnis unbedingt so ausdrücken will, daß das Wort „Erfolg“ drin vorkommt, so müßte es wohl am ehesten „erfolglos“ heißen.
    Wie „mangelnde interne Validität“ „Grundlage erfolgreicher Wirksamkeitsnachweise“ sein kann, ist mir ein Rätsel. Im übrigen möchte ich kurz anmerken, daß eine einzelne Studie – wie auch immer sie ausgeht – allenfalls die Wirksamkeit der darin untersuchten Therapien, aber niemals die „der Homöopathie“ beweisen kann. So einen Beweis könnte man allenfalls führen, wenn von vielen homöopathischen Studien wenigen bis gar keinen ein Wirksamkeitsnachweis gelungen ist.
    In Ihrer „Über-(diesen Blog)-Seite“ sprechen Sie zunächst von „Wirkungskraft“ der Homöopathie, und stellen dann Ihre zentralen Thesen vor. Deren zweite lautet:

    „Es gibt derzeit noch nicht einmal einen sicheren Beleg dafür, dass homöopathische Medikamente überhaupt eine Wirkung erzielen.“

    Das ist so nicht richtig. Es gibt sogar ziemlich viele Patienten, die felsenfest davon überzeugt sind, homöopathische Medikamente hätten sie geheilt – ein Umstand, den Skeptiker ja ziemlich oft beklagen. Die müssen ja wohl eine Wirkung bei sich beobachtet haben. Und diese Wirkungen leugnet auch kaum jemand – außer Ihnen.
    Sehr viel schlechter sieht es dagegen aus mit Belegen für die Wirksamkeit dieser Medikamente. Aber auch die gibt es durchaus. Nur ist Stand des Wissens, daß sie in der Regel etwa derjenigen von Placebos entspricht. Das ist ein erheblicher Unterschied und alles andere als Haarspalterei.
    An manchen Stellen weiß ich überhaupt nicht, was Sie meinen könnten. Bei Ihnen gibt es z.B. Studientypen, die in keinem EBM-Lehrbuch vorkommen. Da muß man erst einmal überlegen, an was Sie wohl denken, wenn Sie von „Ergebnisstudien“ sprechen. Gibt es denn Studien ohne Ergebnis?
    Andere Studientypen scheinen Sie ebensowenig zu kennen, wie die Bedeutung des Studiendesigns ganz allgemein. Davon hängt – vermutlich mehr als von der Datenauswertung – ab, ob eine Studie überhaupt valide sein kann, ob und wie Bias und Confounding kontrolliert werden.
    Aber bei genauem Hinsehen ist das wohl eher ein Verständnis- als ein Formulierungsproblem. In einem Ihrer Beiträge geben Sie eine – übrigens ziemlich umständliche – Beschreibung der „Ergebnisstudie“, die am ehesten der einer Beobachtungsstudie (von der es mehrere „Unterarten“ gibt) entspricht.
    Aber dann bemängeln Sie, daß eben diese Studie nicht auf „Intention-to-Treat“-Basis ausgewertet wird, „denn auf diesem Wege könnten starke Verfälschungen des Ergebnisses auftreten“. Nur ist das vor allem für die Randomisierung von Bedeutung. Bei Beobachtungsstudien wird aber definitionsgemäß nicht randomisiert.
    Das Beispiel, das Sie zur Erläuterung anführen, zeigt dann auch vor allem Eines: daß Sie nicht verstanden haben, was „Intention-to-Treat“ bedeutet. Denn es tut so, als würden Probanden, von denen keine vollständigen Daten vorliegen – z.B. weil sie an den Folgen der Behandlung verstorben sind – ohne diese spezielle Art des Umgangs mit MOD (missing outcome data) spurlos aus der Studie verschwinden. Als könnte man dann gar nicht mehr nachvollziehen, daß es sie überhaupt mal als Probanden gegeben hat. Das ist – mit Verlaub – kompletter Unsinn.
    Unsinn ist auch, was Sie dann noch weiter an dieser Studie kritisieren. Da soll die Lebensqualität von Krebspatienten als Erfolgsparameter für die Begleit-Therapie gemessen werden. Das ist ziemlich normal. Es gibt jede Menge standardisierter Instrumente dafür – für jede Krebsart extra, wenn man will.
    Aber Ihnen fällt natürlich auf der Stelle auf, was jedem „mit einem auch nur mäßig geschärften Skeptikerblick“ sofort ins Auge springt, nämlich „dass sich die ganze Studie nur mit subjektiven Bewertungen der Patienten befasst. Objektive Maßstäbe werden überhaupt nicht in Betracht gezogen.“ Na – wenn Sie den Autoren mal einen Tip geben könnten, wie man etwas so Subjektives wie Lebensqualität mit „objektiven Maßstäben“ mißt, werden die bestimmt viel Spaß haben.
    Als nächstes erregt die Tatsache Ihr Mißtrauen, daß „in Deutschland … ein Krebspatient im ersten Jahr nach der Erstdiagnose eine Lebensqualität (75,3 und 75,6 Punkte)“ hat, „die sich gerade eben so von der Lebensqualität der durchschnittlichen US-amerikanischen Bevölkerung unterscheidet.“. Offenbar wollen Sie mit diesem Vergleich belegen, daß die in der Studie gemessenen Werte wenig glaubhaft sein dürften. Ein wenig sehr spekulativ würde ich meinen.
    Mit psychometrischer Diagnostik kenne ich mich zwar nicht aus. Aber daß die Scores vermutlich nicht so ohne weiteres über verschiedene Nationalitäten hinweg vergleichbar sind, würde ich doch schwer vermuten. M.W. werden die landesspezifisch – oder wenigstens kultur-spezifisch – validiert. Gelten die denn für Gesunde genauso wie für Krebskranke?
    Ich wäre auch gar nicht so sicher, ob der Gesamtscore sich tatsächlich aus den einzelnen „Unterscores“ – von denen es viele verschiedene gibt, die je nach Bedarf verwendet werden können oder auch nicht – durch Summenbildung ergibt. Das das nicht so ist, nehmen Sie ja zum Anlaß, die Ergebnisse anzuzweifeln.
    Zum einen wären die Gesamtscores dann zwischen verschiedenen Studien ja gar nicht vegleichbar. Zum anderen habe ich (allerdings flüchtig) auch Studien gesehen, wo es nur den Gesamtscore gab.
    Auch wäre ich nicht so sicher, ob die anderen Rechenoperationen, die Sie mit den Scores noch so anstellen, überhaupt so ohne weiteres zulässig sind. Ich weiß gar nicht, ob diese Scores überhaupt „Zahlen“ sind.
    Aber ich weiß, daß kategoriale Variablen, wie ein Krankheitsstadium bei COPD das jedenfalls nicht sind. Das sind Bezeichnungen, Namen. Daraus kann man keinen Durchschnitt ermitteln. Aber Sie tun das. Und kommen so auf ein „durchschnittliches“ COPD-Stadium von 1,2. Also – ich habe das noch nie gesehen. Nicht nur das – Sie rechnen sogar noch weiter mit diesen falschen Durchschnitten. Es gibt übrigens noch ziemlich viel mehr an dieser Studie, was Ihnen als „Experte für Studienanalysen“ eigentlich hätte auffallen sollen.
    Das ist alles deswegen so ulkig, weil es in dieser „Krebs-Studie“ gar nicht darauf ankommt. Wenn die Vergleichsgruppen so unterschiedlich sind wie hier, dann sind fehlende Daten oder auch die „Messgenauigkeit“, die Stellen nach dem Komma bei den Scores vollkommen irrelevant. Der Vergleich macht so oder so keinen Sinn. Selbst wenn da alles ganz korrekt berechnet wird, kann das doch eine von Grund auf falsch konzipierte Studie nicht retten. Aber wenn ein „Experte für Studienanalysen“ sich so auf diese Daten stürzt, könnte das so mancher Leser ganz anders verstehen.
    Um nochmal auf Ihre Ausdrucksweise zurückzukommen. Sie sprechen immer wieder von „positiven“ und „negativen“ Studien und ich weiß nicht, was Sie damit eigentlich meinen. Was wäre diese Krebsstudie für Sie: „Positiv“? Weil ein statistisch signifikanter Unterschied gefunden wurde? Oder „negativ“? Weil das „positive“ Ergebnis nicht auf die richtige Art und Weise zustande gekommen ist? Oder ganz was anderes?
    Sie müßten m.E. Ihr Augenmerk dringend erstmal auf ganz andere Dinge legen als die Datenauswertung. Auf Ihre EBM-Grundkenntnisse zum Beispiel.
    Ich hab’s mir wirklich sehr genau angesehen: ich bin sicher, Sie wissen nicht, was – in klinischen Studien! – ein Studiendesign ist und wozu es das braucht, welche Studientypen es gibt, wann warum welches Design sinnvoll ist, was eine Meta-Analyse ist, was Signifikanz bedeutet, was Randomisierung ist … Das anhand Ihrer Blog-Beiträge nachzuweisen, wäre zwar etwas sehr aufwendig, aber davon abgesehen eine der leichteren Übungen. Ich habe nur rein zufällig mit dem Beitrag angefangen, wo das wohl am wenigsten eingängig ist.
    Wenn Sie wollen, daß die Homöopathie-Befürworter ein paar Argumente mehr gegen ihre Kritiker in die Hand bekommen, dann machen Sie doch weiter so. Die haben nämlich recht, wenn sie sich gegen falsche Kritik verwahren. Wer sich ein bißchen auskennt auf dem Gebiet, der merkt das ziemlich schnell. Diese Leute sind weder dumm, noch haben sie keine Ahnung.
    Mich erschreckt allerdings schon, daß Ihren Skeptiker-Freunden – allen voran der GWUP – so gar nichts auffallen will. Aber ich fürchte, die haben Wichtigeres zu tun, als sich Studien genau anzusehen und die Kritik sauber zu begründen, die sie so großzügig austeilen. Die berufen sich einfach auf Sie als „Experte für Studienanalysen“. Das muß reichen.
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihren Vortrag „Mangelnde interne Validität als Grundlage erfolgreicher Wirksamkeitsnachweise zur Homöopathie“. Sie werden schon wissen, was Sie damit meinen.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Herr/Frau Heftelmacher,

      wenn man versucht, sich mit dem sachlichen Kern Ihrer Kritik auseinanderzusetzen, dann hat man das Problem, dass da nur erstaunlich wenig Substanz übrig bleibt, trotz der Länge des Kommentars.

      >> So finde ich nicht so schön, daß Sie Studien ausführlich besprechen, die nicht frei zugänglich sind. (…) Aber Sie können wenigstens zitieren, was Sie besprechen. (…) Und ich vertraue Ihnen nicht genug, um Ihnen blind zu glauben

      Alle Studien, die ich bespreche, sind frei zugänglich, viele im vollen Wortlaut im Internet vorhanden. Man muss vielleicht gelegentlich etwas Aufwand treiben, wenn man sich den vollen Text beschaffen will, etwa einen Gang zur Universitätsbibliothek in Betracht ziehen. Hierzu dient mein Literaturverzeichnis, in dem Sie auch die Links finden.

      Ihre raumgreifenden Wortklaubereien will ich nur so weit kommentieren, dass Sie offensichtlich der Erste sind, der Schwierigkeiten damit hat, zu verstehen, was unter einem positiven Nachweis, einer positiven und einer erfolgreichen Studie zu verstehen ist. Nur um es auch für Sie verständlich zu sagen: Darunter sind Studien zu verstehen, bei denen die Autoren davon ausgehen, dass sie einen Nachweis für die Wirksamkeit der homöopathischen Therapie oder des homöopathischen Medikaments gefunden haben. Ich hoffe, meine Texte werden jetzt auch für Sie klarer verständlich.

      >> Wie „mangelnde interne Validität“ „Grundlage erfolgreicher Wirksamkeitsnachweise“ sein kann, ist mir ein Rätsel.

      Wirklich toll, wie Sie das Provokante in einem Vortragstitel herausarbeiten können. Mein Anerkennung dafür. Ehrlich.

      >> Es gibt sogar ziemlich viele Patienten, die felsenfest davon überzeugt sind, homöopathische Medikamente hätten sie geheilt – ein Umstand, den Skeptiker ja ziemlich oft beklagen. Die müssen ja wohl eine Wirkung bei sich beobachtet haben. Und diese Wirkungen leugnet auch kaum jemand – außer Ihnen.

      Diesen Standpunkt finde ich jetzt für jemanden, der sich wie Sie angeblich sehr intensiv mit dem Thema der Evidenzbasierung befasst hat, recht bemerkenswert. Halten Sie wirklich das bei den Patienten verzeichnete subjektive Empfinden einer Wirksamkeit für einen ausreichenden Nachweis? Ich denke, da sollten Sie sich nochmals mit den Grundlagen beschäftigen.

      >> Sehr viel schlechter sieht es dagegen aus mit Belegen für die Wirksamkeit dieser Medikamente. Aber auch die gibt es durchaus. Nur ist Stand des Wissens, daß sie in der Regel etwa derjenigen von Placebos entspricht. Das ist ein erheblicher Unterschied und alles andere als Haarspalterei

      Was denn jetzt? Da ist wohl jeder Kommentar überflüssig.

      >> Aber dann bemängeln Sie, daß eben diese Studie nicht auf „Intention-to-Treat“-Basis ausgewertet wird, „denn auf diesem Wege könnten starke Verfälschungen des Ergebnisses auftreten“. Nur ist das vor allem für die Randomisierung von Bedeutung. Bei Beobachtungsstudien wird aber definitionsgemäß nicht randomisiert.

      Einen Teil der Patienten nicht in die Betrachtung einzubeziehen ist bei allen Vergleichen ein Problem, nicht nur bei solchen, die auf einer Randomisierung beruhen. Es ist und bleibt Tatsache, dass etwa ein Drittel aller Patienten, die eigentlich die Einschlusskriterien erfüllt hatten, nicht in den Ausgangssdaten der Studie enthalten sind. Es machte den Autoren offenbar keine methodischen Schwierigkeiten, die Ergebnisse zu t1 und t4 auf die jeweilige noch verfügbare Patientenzahl zu beziehen – warum wurde dies dann bei t0 nicht gemacht?

      >> Na – wenn Sie den Autoren mal einen Tip geben könnten, wie man etwas so Subjektives wie Lebensqualität mit „objektiven Maßstäben“ mißt, werden die bestimmt viel Spaß haben.

      Wenn Sie richtig lesen würden – ist meine Sprache tatsächlich zu schwierig für Sie? – dann hätten Sie doch sicher verstanden, dass meine Kritik nicht in die Richtung ging, wie die Lebensqualität und andere subjektive Merkmale gemessen wurde, sondern dass sie als einzige als Maßstab für den Erfolg herangezogen wurden.

      >> Auch wäre ich nicht so sicher, ob die anderen Rechenoperationen, die Sie mit den Scores noch so anstellen, überhaupt so ohne weiteres zulässig sind. Ich weiß gar nicht, ob diese Scores überhaupt „Zahlen“ sind. Aber ich weiß, daß kategoriale Variablen, wie ein Krankheitsstadium bei COPD das jedenfalls nicht sind. Das sind Bezeichnungen, Namen. Daraus kann man keinen Durchschnitt ermitteln.

      Da hätten Sie vielleicht vorher in den Originalarbeiten nachsehen sollen, was die Autoren dort mit den Zahlen so alles anstellen.

      Auf den Rest Ihrer Kritik einzugehen erachte ich für wenig lohnend.

  8. Susanne sagt:

    Für mich ist dieser Text nichts weiter als völlig aussagelos.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Wenn Sie Ihre Kritik etwas präzisieren könnten – wo beispielsweise treffen meine Aussagen nicht zu oder welche Schlussfolgerungen sind nicht zutreffend – dann könnten wir darüber diskutieren.

  9. AlteWeser sagt:

    @Susanne:
    Ich fände es sehr wünschenswert, wenn Sie Ihre Kritik konkretisieren könnten. In dem Moment, wo sie Herrn Aust auf Fehler hinweisen, kann man darüber diskutieren. Und sollte Ihre Kritik berechtigt sein, dann wird Herr Aust seine Aussagen falls notwendig korrigieren. Mit einem offenen Austausch von Argumenten wäre uns also allen geholfen.

    Es ist nicht so, dass hier dogmatisch die Homöopathie angegriffen wird. Sie wird nur anhand von vorliegendem Wissen geprüft. Dass sie dabei schlecht abschneidet, daran sind die Verteidiger der Homöopathie in nicht geringem Maße selbst Schuld, denn regelmäßig versäumen sie es, diskussionsfähige Argumente zu bringen.

  10. Pingback: Homöopathie bei Krebs – es ist alles noch viel schlimmer @ gwup | die skeptiker

  11. Pingback: “Alternativmedizin” bei Krebs – Amygdalin, Homöopathie & mehr – völlig irre! | Ratgeber-News-Blog

  12. parmenides sagt:

    Beim Lesen des Artikels dachte ich die ganze Zeit: Diesen „Duft“ kenne ich doch. Das stinkt so richtig deftig nach Skeptiker-Beitrag. Und siehe da, ganz unten stosse ich auf den Link zur GWUP. Bingo!
    Das kann einem passieren, wenn man das Bildschirmfenster reduziert. Sonst hätte ich rechts oben bereits gesehen, dass ich mir den Beitrag ersparen kann. Skeptiker betreiben Desinformation. Diese Leute haben mir mehrfach bewiesen, wie sie entstellen, manipulieren und Arbeiten von anders Denkenden destruktiv zerstören. Etwas wirklich Konstruktives findet man bei den Skeptikern nicht, wohl aber Neid, Missgunst, notorische Nörglerei und spekulative Unterstellungen bis hin zu Rufmord und bösartigen Verleumdungen. Strafrechtlich relevante Angriffe betreiben die Skeptiker natürlich nur anonym. Inzwischen haben sie gemerkt, dass sie sich etwas mässigen müssen. Welch Geistes Kind sie aber letztlich sind, bleibt dennoch klar.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Schön, dass Sie, im Gegensatz zu den Skeptikern, so sachlich Kritik üben, Ihre Aussagen belegen, indem Sie zum Beispiel die Stellen im kommentierten Artikel nennen, auf die sich Ihre Kritik bezieht. Auch, dass Sie sich dabei nicht in die Anonymität flüchten, ist wirklich überzeugend.

      Da hat doch nun wirklich jeder was davon.

  13. Pingback: „Alternativmedizin“ und der Krebstod der „Wellness Warrior“ @ gwup | die skeptiker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *