Diskussion unserer Studienkritik: Prof. Frass zu seiner Sepsisstudie

Im April 2014 erschien hier auf dem Blog eine kritische Betrachtung von Ute Parsch zur Studie über die Wirkung einer homöopathischen Zusatzbehandlung bei schwerer Sepsis (Link). Prof. Frass von der Med Uni Wien nimmt hierzu als Hauptautor der Studie Stellung.

Es gibt Dinge, die sind eigentlich brennend interessant und wichtig – passieren aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt. So ist es auch mit dieser Stellungnahme geschehen, die mir schon einige Monate (!) vorliegt. Sie fiel gerade in eine Zeit, in der die Interessen wegen der überraschend großen Medienresonanz zur Gründung unseres Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) (Link) in andere Richtung gelenkt waren. Auch jetzt, wo nach Berichten der FAZ und Spiegel Online Bewegung in die Diskussion um Heilpraktiker und Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen gekommen ist (Link) (Link), liegt die Diskussion um einzelne Studien nicht unbedingt im Zentrum des aktuellen öffentlichen Interesses. Andererseits erwartet Herr Prof. Frass zurecht, dass seine Entgegnungen auch veröffentlicht werden.

Die nun vorliegende Stellungnahme bezieht sich auf die Studie zur homöopathischen Zusatzbehandlung von Patienten mit schwerer Sepsis auf der Intensivstation, die in diesem Blogartikel von Ute Parsch besprochen wurde. Hier werden nur die Abschnitte des originalen Beitrags wiederholt, auf die sich die Stellungnahmen direkt beziehen. Diese sind eingerückt, MF kennzeichnet die Aussagen von Prof. Frass, die Antworten hierauf sind mit UP gekennzeichnet. Meine Anmerkungen findet man unter NA.

EDIT 14.09.16: Professor Frass hat zu unseren Antworten wiederum Stellung bezogen. Dies wurde heute nachgetragen, die Beiträge sind mit MF (R) gekennzeichnet.

Die Berliner Heilpraktikerin Andra Dattler schreibt als „Expertin für Homöopathie“ auf dem laut Eigenbezeichnung führenden deutschen Online-Expertenportal „experto“ (Link Edit 19.02.2017: Link zwischenzeitlich erloschen)

„Und wenn ich einmal mit einer Sepsis in der Klinik liegen sollte, werde ich auf homöopathische Behandlung bestehen! „

Zu dieser Aussage bewegt sie eine Studie, die unter der Leitung von Professor Frass an der Universitätsklinik Wien durchgeführt wurde. Und ohne der Besprechung der Studie vorgreifen zu wollen: Es wäre Frau Dattler im eigenen Interesse dringend angeraten, sich selbst intensiv mit dieser Arbeit auseinander zu setzen, wie wir das im folgenden Beitrag gleich tun werden, um im Falle einer solch schweren Erkrankung keine falschen Entscheidungen zu treffen. Noch besser wäre es für die Leser dieses „Expertenportals“, wenn dort keine derartig missverständlichen und deshalb lebensgefährlichen Empfehlungen zu finden wären.

Vorab: Sie kann gerne auf einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung bestehen -aber diese anstelle der konventionellen Behandlung zu verlangen wäre Selbstmord, oder, wenn sie für jemand anderen handelt, Kinder oder andere Angehörige, schlichter und einfacher Mord bzw. Anstiftung dazu.

MF: Dieser Vorspann erinnert mich an einen ehemaligen Vorstand einer Klinik für Innere Medizin, der im Aufzug zwischen zwei Stockwerken meinte: “Herr Frass, Sie ziehen also den Beatmungsschlauch aus dem Patienten heraus und geben stattdessen Globuli!“. Ähnlich klingt die Behauptung Frau Dattler würde auf einer alleinigen homöopathischen Sepsisbehandlung bestehen. Mit Sicherheit meint sie eine zusätzliche Behandlung. Wieso wäre sie wohl sonst auf einer Intensivstation? Nur in der Vorstellungskraft von in Intensivmedizin vollkommen unbedarften Personen kommt so ein Gedanke zustande.

UP: Das Problem ist, dass das aus der Bemerkung von Frau Dattler nicht hervorgeht. Sie schreibt nichts von einer „zusätzlichen Behandlung“, sie schreibt nicht „wenn ich in der Intensivstation wäre“, sondern nur „in der Klinik“.

Der Patient ist in aller Regel eine in Intensivmedizin vollkommen unbedarfte Person – zumindest aber könnte er es sein.

Ich halte es deshalb für sehr bedenklich, dem Patienten bei lebensgefährlichen Situationen, bei denen schnelle Behandlung eine wesentliche Rolle für die Überlebenszeit spielt, die Idee vorzugaukeln, man habe da eine gleichwertige Wahl zwischen medizinischer und homöopathischer Behandlung – denn genau so klingt der Satz von Frau Dattler.

Insofern: Was hat Frau Dattler mit Ihrer Studie zu tun? Das ist ein Beispiel dafür, was beim Patienten davon ankommt. In dieser oder sehr ähnlicher Form könnte der Leser des Blogartikels schon einmal Ihrer Studie begegnet sein. Deswegen halte ich das für einen guten Aufhänger.

Ein wichtiger Hinweis

Das erste, worauf wir gezielt und ganz unabhängig von der Besprechung der Studie selbst aufmerksam machen möchten: In der Studie steht explizit „All patients received antibiotic therapy“ („Alle Patienten erhielten eine Behandlung mit Antibiotika.“). Frau Dattler sollte diesen Satz für sich besonders vermerken – und auch in ihrem Internetbeitrag unübersehbar herausstellen, denn bislang erfährt der Patient auf dem oben zitierten Online-Expertenportal dies mit keinem Wort.

MF: Ich denke, die Vermischung mit Frau Dattlers Aussagen hat mit der eigentlichen Studie nichts zu tun. Wenn Sie der Meinung sind, Frau Dattler hat etwas nicht richtig verstanden, schreiben Sie ihr bitte persönlich. Diese Vermischung meiner Studie mit Annahmen über Frau Dattlers Fehleinschätzung bewegt sich nicht auf dem sonst von Ihnen gewohnten Niveau.

UP: Wir haben experto/Frau Dattler auf diesen Artikel selbstverständlich hingewiesen. Der Text ist bis heute leider unverändert auf der dortigen Webseite.
Dieser Abschnitt des Blog-Artikels ist ja keine Kritik an Ihrer Studie, sondern bringt nur unsere Sorge zum Ausdruck, welcher falsche Eindruck beim Patienten entstehen kann.
Insofern finde ich es persönlich eher überraschend, wenn es Sie als Arzt nicht selbst stört, in welch unverantwortlicher Weise eine Heilpraktikerin hier Ihre Arbeit zitiert.

Wie geschildert, geht es auch in der hier vorgestellten Studie um eine Überlebensrate, selbst unter Antibiotikabehandlung. Es wäre ein schwerer, absolut lebensgefährlicher Fehler, im Falle einer Sepsis die Antibiotika zu verweigern und stattdessen auf einer „homöopathischen Behandlung“ zu bestehen. Leider wird die Tatsache, dass es sich in der zitierten Studie um eine „Add-On“-Behandlung handelte, bei experto.de mit keinem Wort erwähnt. Zu bloßem Werbezweck für die Homöopathie wird hier also das Risiko zumindest billigend in Kauf genommen, dass der Leser den Eindruck gewinnt, in der Studie seien die Sepsis-Patienten rein homöopathisch behandelt worden. Wir finden eine solche Darstellung faktenverzerrend und absolut fahrlässig. Wir werden Frau Dattler auf diesen Blogbeitrag aufmerksam machen und ihr die möglichen Konsequenzen deutlich vor Augen führen.

MF: Es ist eine beliebte Methode, irgendeine Homöopathin oder einen Homöopathen zu zitieren, der irgendetwas gesagt hat. In der Publikation steht schon im Abstract:
“Conclusions: Our data suggest that homeopathic treatment may be a useful ADDITIONAL therapeutic measure …….”

UP: Richtig. Deswegen schreiben wir ja auch weiter:

Die zitierte Berichterstattung ist den Autoren der Studie selbst natürlich in keiner Weise vorzuwerfen, wenn auch in der Studie selbst dieser Umstand nicht gerade sehr deutlich nur in wenigen kurzen Statements mitgeteilt wird. Sie zeigt aber, zu welchem Wildwuchs es führt, wenn Homöopathiestudien auch an schwerstkranken Patienten durchgeführt werden und die zuständigen Verbände und Therapeuten nicht verantwortungsvoll auf eine saubere Darstellung der Möglichkeiten eines Verfahrens in den Medien achten.

MF: Ich stimme Ihnen zu, dass es zu Wildwuchs führt, wenn eine saubere Darstellung der Möglichkeiten eines Verfahrens nicht ordentlich recherchiert wird. Über eine saubere Darstellung der Homöopathie in den Medien würde ich mich übrigens auch sehr freuen.

Von den 33 Patienten der Homöopathiegruppe und den 34 der Placebogruppe haben also gerade einmal rund zwei Drittel die Diagnose, die im Titel der Studie genannt wird. Von einem Teil der Patienten erfahren wir überhaupt nicht, wie ihre Diagnose lautete und ob sie entsprechend vergleichbar war.

MF: Hier hilft das Studium der Medizin gepaart mit der Praxis der internistischen Intensivmedizin: die Zuweisungsgründe sind natürlich nicht immer die Sepsis. Diese kann sich aber auch erst an der Intensivstation entwickeln. Es macht auch wenig Sinn, „andere“ Diagnosen anzuführen, bei einer Zahl von 2 respektive 3 PatientInnen. Es wurde auch nicht die Aufnahmediagnose behandelt, sondern die Sepsis.

UP: Der Punkt ist, dass aus der Tabelle – und aus keiner anderen in der Studie dokumentierten Angabe – hervorgeht, dass mehr als 2/3 der Patienten überhaupt von Sepsis betroffen waren.
Bei allem Respekt: Eine schriftliche Studie dient ja gerade der Dokumentation einer Behandlung. Dafür ist es irrelevant, ob Sie uns persönlich versichern, dass alle Patienten im Laufe des Aufenthaltes eine Sepsis erlitten haben. Für die Bewertung einer Studie kann nur relevant sein, was an Zahlen darin dokumentiert ist.

Es gibt verschiedene auslösende Faktoren für Sepsis, verschiedene Arten, wie die Infektion in die Blutbahn gerät, die leider unterschiedlich gute Überlebensprognosen haben. Blutvergiftungen, deren Infektionsherd klar ersichtlich ist und die schnell medizinisch versorgt werden, sind erheblich leichter behandelbar als Blutvergiftungen, bei denen der Arzt später zugeschaltet wird und/oder man noch nicht einmal genau weiß, welches Organ die Sepsis verursacht. Daneben spielt natürlich eine Rolle, wie gut der Patient auf das gegebene Antibiotikum anspricht, denn auch die verursachenden Keime sind verschieden. Sepsispatienten haben also eine höchst unterschiedliche Überlebensprognose.

MF: Deswegen kommen jene SepsispatientInnen, die ja so leicht überleben, an die Intensivstation? Die leicht zu behandelnden PatientInnen bleiben natürlich an der Normalstation.

Es ist ein schwerer Fehler der Studie, in den Eingangsgruppen nicht zu erfassen, welcher Art die Sepsis der Patienten war und damit ob ihre Überlebensprognose überhaupt jemals vergleichbar war. Sepsis ist ein sehr heterogenes Problem, weil die Blutvergiftung auf alle möglichen Arten zustande kommen kann. Bei kleinen Studien ist daher das Risiko ungleicher Ausgangsbedingungen sehr hoch. Sepsisstudien werden daher meist in großen Gruppen von mehreren 100 Patienten gemacht, um eine Vergleichbarkeit der Gruppen zu gewährleisten.

MF: Auch in größeren Studien kann die Heterogenität ein Problem sein. – Ich finde es schön, dass die Homöopathiekritik nach dem Diktat der Gleichheit aller PatientInenn nunmehr die Individualität erkennt. – Tatsächlich besteht aber kein statistisch signifikanter Unterschied bezüglich der Aufnahmegründe zwischen den beiden Gruppen.
Eine zu einem vergleichbaren Zeitpunkt veröffentlichte Studie untersuchte 81 PatientInnen (Rice TW, et al. Safety and efficacy of affinity-purified, anti-tumor necrosis factor-alpha, ovine fab for injection (CytoFab) in severe sepsis. Crit Care Med 2006;34:2271-81). Es müssen also nicht immer hunderte PatientInnen sein um eine Aussage zu treffen.

NA: Das ‚Diktat der Gleichheit aller Patienten‘ verstehe ich nicht. Wenn wir dies täten, könnten wir ja bei Vergleichsstudien auf hohe Teilnehmerzahlen verzichten. Auch dass andere Studien mit kleiner Teilnehmerzahl arbeiten, ist keine hinreichende Begründung dafür, dass dieses Vorgehen richtig ist.

Frass arbeitet mit seinen noch nicht einmal 70 Patienten also mit einer extrem kleinen Teilnehmerzahl. Es haben aber noch nicht einmal alle Patienten „Sepsis“, geschweige denn, dass wir erfahren, welche Art von Sepsis denn nun vorlag.

MF: Beide Argumente sind oben erklärt und damit obsolet. Eine sauber durchgeführte kleine Studie ist mindestens ebenso wertvoll wie eine große Studie (Dieser Satz stammt von einem akademischen Biometriker).

UP: Gewiss kann auch eine kleine Studie aussagekräftig sein. Gewiss kann Heterogenität auch in großen Studien zum Problem werden. Beides bestreiten wir hier aber gar nicht.
Wir behaupten auch keine signifikanten Unterschiede bzgl. der Aufnahmegründe. Die sind in Tabelle 1 ja genannt.
Unsere Kritik beruht darauf, dass in Tabelle 1 wesentliche Informationen über den Zustand der Patienten fehlen.
Aus Tabelle 1 ist nicht ersichtlich, dass alle Patienten eine Sepsis hatten. Aus Tabelle 1 ist nicht ersichtlich, dass alle Patienten vergleichbar schwere Vorerkrankungen hatten. Und damit: Aus Tabelle 1 ist in keiner Weise ersichtlich, dass alle Patienten dieselbe Langzeitprognose haben.

NA: Jedwede Statistik unterstellt, dass die Stichprobe mehr oder weniger homogen die Grundgesamtheit abbildet und der Stichprobenfehler mit zunehmender Größe der Stichprobe immer kleiner wird. Bei kleinen Gruppengrößen ist diese Voraussetzung aber nicht unbedingt erfüllt, denn zufällige extreme Ausreißer können den tatsächlichen Stichprobenfehler sprunghaft verändern.

MF (R): Nun steht im Paper unter Material Methods, Patients:

Patients with a known or suspected infection on the basis of clinical data at the time of screening and three or more signs of systemic inflammation (temperature p36 or X 38 1 C, respiratory rate X 20/min, heart rate X 90/min, leukocytes p4 X 12 G/L) and sepsis-induced dysfunction of at least two organ systems that lasted no longer than 48 h were included.

Damit ist sofort ersichtlich, dass diese Patientinnen eine Sepsis hatten. Man soll Informationen im Text nicht in Tabellen oder Abbildungen nur wiederholen.

Ad vergleichbar schwere Vorerkankungen: Dies ist einerseits aus den genannten Diagnosen und dann natürlich aus den Daten in Tabelle 2 sofort ersichtlich: Gleiche Langzeitprognose!

Dasselbe gilt noch einmal für die Auflistung der Vorerkrankungen. Wir erfahren zwar beispielsweise, dass in beiden Gruppen vergleichbar viele Patienten Krebs hatten (ein knappes Drittel), doch ist auch Krebs nicht gleich Krebs. In welchem Stadium war der Krebs? Wie wurde er behandelt? Hatten die Patienten im Studienzeitraum Operationen zu überstehen? Oder Chemotherapie?

MF: Alhamdi Y et al (Circulating Histones Are Major Mediators of Cardiac Injury in Patients With Sepsis. Crit Care Med 2015;43:2094-103) berichten von 65 PatientInnen. Dort ist nicht einmal die zugrunde liegende Erkrankung genannt, wiewohl es sich um das renommierte intensivmedizinische Journal „Critical Care Medicine“ handelt.

UP: Der primäre Auswerteparameter der Studie ist aber auch nicht die Überlebensrate der Patienten Monate nach der Sepsis. Die Frage, ob eine Grunderkrankung die langfristige Überlebensprognose beeinflusst, stellt sich dort gar nicht. In Ihrer Studie dagegen schon.

MF: Dazu kann ich berichten, dass es sich bei der Homöopathiegruppe um 6 Brustkrebspatientinnen, 5 Patienten mit Kolonkarzinom und einen Patienten mit Bronchuskarzinom, bei der Placebogruppe um 6 Brustkrebspatientinnen, 6 Patienten mit Kolonkarzinom und einen Patienten mit Bronchuskarzinom gehandelt hat. Auch die Stadien der einzelnen Tumorentitäten waren vergleichbar. Zwei Wochen vor der Aufnahme und während des Aufenthaltes an der Intensivstation hatten die PatientInnen weder eine Operation noch eine Chemotherapie. Somit sind die beiden Gruppen miteinander vergleichbar.

UP: Diese Angaben sind in der Studie nicht enthalten. Daran ändert sich auch nichts, wenn Sie es uns jetzt so erzählen.

Kurz: Hier fehlen wesentliche Informationen, die belegen würden, ob die ohnehin mit nur gut 30 Patienten extrem kleinen Gruppen bezüglich der untersuchten Eingangserkrankung überhaupt gleichwertig waren.

MF: Sekundäre Informationen müssen nur dann in einer wissenschaftlichen Arbeit genannt werden, wenn Unterschiede vorhanden sind oder wenn die Gutachter sie einfordern. Ansonsten erübrigt sich eine solche Angabe.

UP: Der primäre Auswerteparameter in der Studie ist das Überleben nach mehreren Monaten. Da die Schwere der Grunderkrankung die Prognose für das langfristige Überleben logischerweise mitbestimmt, handelt es sich in keiner Weise um sekundäre Informationen. Für Ihren Auswertezeitraum wäre es essentiell gewesen, in der Studie zu belegen, dass beide Gruppen dieselbe Langzeitprognose hatten. Das ist nicht erfolgt.

MF (R): Die Langzeitprognose ist anhand der angegebenen und dann den zusätzlichen Daten bei beiden Gruppen dieselbe. Hätte gerne eine Arbeit von Ihnen zitiert bekommen, die genauere Angaben als unsere gibt.

Mit dem nächsten Abschnitt treffen wir auf den Hauptkern der Studie und werden mit der Haupttätigkeit der Autoren konfrontiert: Nebelwerfen, den sehr dünnen Inhalt dieses Studienverschnitts mit einer Vielzahl bedeutungsloser Informationen und Angaben aufblähen. Es werden nicht weniger als 29 klinische Parameter als Eingangsdaten dargestellt, die mithin die Vergleichbarkeit der Befunde bei Einlieferung in die Intensivstation darstellen sollen – sind diese Daten aber auch für das Ergebnis bedeutsam, das, wie wir später noch sehen werden, eigentlich erst lange nachdem die Patienten ihre Sepsis überwunden hatten, einen signifikanten Unterschied der Gruppen ergab?

MF: Einige Zeilen weiter oben wird das Fehlen von Information kritisiert, dann wieder ist es zu viel: Dieser Diskrepanz in der Argumentation kann ich nicht folgen.

Zum Puls wird beispielsweise angegeben, er hätte bei der Homöopathiegruppe im Mittel bei 102,7 Pulsschlägen pro Minute gelegen, in der Placebogruppe hingegen bei 112,9. Dieser Unterschied sei nicht signifikant, wie mit einem Kruskal-Wallis-Test ermittelt worden ist. Dies ist ein statistischer Signifikanztest, mit dem ermittelt werden kann, ob zwei Stichproben – wahrscheinlich – aus der gleichen Grundgesamtheit stammen. Wie gesagt, man findet solche Bewertungen öfter, das macht aber den Unsinn nicht besser. Dies sagt nämlich nur aus, ob die ermittelten Daten durch Zufall zustande gekommen sind oder nicht – es sagt aber überhaupt nicht, ob dies ein klinisch relevanter Unterschied ist oder nicht. Der mathematisch-statistische Test kann doch überhaupt nichts darüber aussagen, ob der Zustand der Patienten mit einem Puls von 112,9 deutlich bedenklicher ist als mit 102,7. Dies müsste der ärztliche Sachverstand des Studienleiters bewerten, nicht der Statistiker im Team. Im Apache-Score führt dieser Unterschied immerhin zu einem Zuschlag von zwei Punkten, scheint also doch einige Relevanz für das Krankengeschehen zu haben.

MF: Dies hat der Sachverstand des Studienleiters auch so bewertet: NICHT bedenklicher.

Ganz platt: Dass die Patienten beider Gruppen aus der gleichen Grundgesamtheit stammen, braucht nicht mit einem statistischen Test nachgewiesen zu werden, die Gruppen sind ja auf diese Weise zustande gekommen. Für die medizinische Bedeutung des Unterschiedes kann die Statistik hingegen keine Aussage machen.

MF: Korrekt.

Zunächst einmal: 180 Tage sind für Sepsis aufgrund der Schwere der Erkrankung ein höchst ungewöhnlicher Auswertezeitpunkt. Wie oben zitiert, entscheiden oft die ersten Behandlungsstunden, maximal -tage, ob ein Patient überlebt. Je schneller die Ärzte den Patienten stabilisieren können, desto geringer sind Sterberaten und organische Folgeschäden. Übliche Beobachtungsdauern in Sepsisstudien liegen daher sogar noch unter den 30 Tagen des ersten Vergleichspunktes.

MF: Das ist nicht richtig: manche Therapien verbessern das Kurzzeitüberleben, z.B. Hydrocortone (ein Cortisonderivat) bei septischem Schock; allerdings ändert sich das Langzeitüberleben nicht. Daher macht es Sinn, PatientInnen über einen längeren Zeitraum zu beobachten, eine Methode, die auch heute noch angewandt wird (z.B. COIITSS Study Investigators, et al. Corticosteroid treatment and intensive insulin therapy for septic shock in adults: a randomized controlled trial. JAMA 2010;303:341-348. Anmerkung: JAMA ist ein Top Journal der konventionellen Medizin).

Das heißt, offenbar ist die Sepsis ein vergleichsweise kurzfristiges Phänomen. Wenn es üblicherweise ausreicht, entsprechende Studien schon nach weniger als dreißig Tagen zu beenden, dann heißt das auch, dass sich die Krankheit im Wesentlichen innerhalb dieser Zeitspanne abspielt. Entweder hat man bis dahin seine Sepsis überstanden oder man ist tot. Wenn das so ist – warum betrachtet Frass dann diesen ungewöhnlich langen Zeitraum?

MF: Siehe oben. Mit Kurzzeitüberleben ist den PatientInnen nicht geholfen, wohl aber mit Langzeitüberleben.

Frass gibt keinen Grund hierfür an. Wenn er so weit wie hier von den üblichen Gepflogenheiten abweicht, dann muss er dies begründen. Insbesondere muss er den Zusammenhang herstellen, warum die Todesfälle so weit nach Ende der Sepsisbehandlung auf diese zurückzuführen sein sollten.

MF: Das Argument wird auch durch dreifache Wiederholung nicht schlagkräftiger.

UP: Natürlich hat der Patient sogar hauptsächlich ein Interesse am Langzeitüberleben. Etwas anderes haben wir aber auch gar nicht geschrieben.
In der von Ihnen zitierten Studie wird mit den Werten aber ganz anders umgegangen: Ja, auch dort wird – unter anderem – auf die Überlebensrate nach 180 Tagen geschaut. Das ist per se nicht der Ansatzpunkt unserer Kritik.
Der Unterschied wird aber gerade in der von Ihnen genannten Arbeit deutlich (http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=185252). Dort steht: „Randomized patients were followed up for 180 days. Data collected during their ICU stays included vital signs, results from laboratory tests and cultures of specimens drawn from any new site of infection, and any major interventions that were performed.”
Die Patienten wurden also über den Zeitraum hinweg beobachtet, der 180-Tage-Wert fällt nicht einfach vom Himmel. Außerdem ist die Gruppenzusammensetzung und –größe hier eine ganz andere.
Das Problem bleibt nach wie vor, dass aus den von Ihnen in der Studie gegebenen Daten keine Langzeitprognose der Patienten möglich und in der Studie auch nicht gegeben ist.

NA: Eine Beobachtungszeit von 180 Tagen ist etwas anderes als das Hauptkriterium als „Überlebensrate 180 Tage nach Eingriff“ festzulegen. Es gibt in der Arbeit keinerlei Hinweise, woher sich die Annahme ableitet, dass die homöopathische Behandlung nur die Überlebensrate nach 180 Tagen positiv beeinflusst. Damit besteht immer die Gefahr, dass sich dieses Kriterium zur Beurteilung des Behandlungserfolgs erst nach Vorliegen der Messdaten ergeben haben könnte.

MF (R): [Antwort auf UP]: Nun, da bin ich jetzt überrascht: waren alle PatientInnen 180 Tage an der Intensivstation? Wenn nicht, wie schafft man es logistisch jede neue Infektion und Intervention über 180 Tage festzuhalten? Da wurde etwas idealistisch hinein interpretiert.

Natürlich ist auch eine langfristige Überlebensrate für den Patienten interessant, doch müsste Frass hier ausführlich begründen und mit seinen Daten belegen, warum er diesen Zeitpunkt bereits vor Studiendurchführung gewählt hatte und warum er davon ausgeht, dass es nicht andere, zum Beispiel mit der Grunderkrankung des Patienten zusammenhängende Ursachen waren, die langfristig zum Tode der Patienten führten.

MF: Die PatientInnen sind allesamt an entzündlichen Erkrankungen verstorben. Ich denke, ich muss an dieser Stelle, um weitere Missverständnisse zu vermeiden, auch darauf hinweisen, dass alle diese PatientInnen eine antibiotische Therapie im Krankenhaus erhalten haben und auch im Krankenhaus verstorben sind.

UP: Noch einmal: Eine Besprechung der Studie kann nur auf den in der Studie enthaltenen Angaben erfolgen. In der Studie erfährt der Leser nicht, woran die Patienten gestorben sind. Natürlich gehen wir nicht ernsthaft davon aus, dass die Patienten einen Autounfall erlitten haben – doch ist es eben auf der Basis der Angaben in der Studie auch nicht auszuschließen.
Auch wenn alle Patienten letztlich an entzündlichen Erkrankungen gestorben sind, so bedeutet das noch keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Ausgangssepsis. Bei einer schweren Grunderkrankung und entsprechender Therapie ist der Körper geschwächt und anfälliger. Der Zusammenhang mit der am Beginn der Studie stehenden Sepsis wird durch die Angaben in der Studie einfach nicht hergestellt.

Normalerweise dient der Diskussionsteil einer Studie der Analyse und Besprechung der vorgelegten Daten. Frass begnügt sich hier über weite Strecken lieber mit allgemein gehaltenen Ratschlägen, wie denn Patienten mit schwerer Sepsis medizinisch (nicht homöopathisch!) in der Intensivmedizin zu betreuen seien. Diese Passagen könnten ebenso unverändert in einem Vorlesungstext oder einem allgemeinen Lehrbuch stehen. Ihre Aussagekraft für die Bewertung der vorliegenden Daten ist gleich Null und es ist nicht nachzuvollziehen, warum hier das Papier mit Informationen gefüllt wird, die für die gemachten Schlussfolgerungen so komplett irrelevant sind, während ganz wichtige Fragen offen bleiben.

MF: Freue mich, dass Sie meine Ausführungen witzig finden, tatsächlich bin ich ein fröhlicher Mensch. Dass in dieser Arbeit auch die konventionelle Medizin eine entsprechende Würdigung erfährt, ist meinem Können in verschiedenen Facetten der Medizin zu schulden. Damit ist aber auch ein Anfangsargument entkräftet, dass nämlich viel zu wenig auf die kombinierte Anwendung von konventioneller und homöopathischer Medizin hingewiesen würde. Damit wird verhindert, dass jemand auf die Idee verfiele, alleinige Homöopathie wäre anzuraten.
Ganz sicher haben Sie eine ähnliche Kritik auch an das renommierte „New England Journal of Medicine“ geschickt: Bernard et al z.B. schreiben kein Wort über die Todesursachen in ihrer Publikation (Bernard GR et al., Recombinant human protein C Worldwide Evaluation in Severe Sepsis (PROWESS) study group. Efficacy and safety of recombinant human activated protein C for severe sepsis. N Engl J Med. 2001 Mar 8;344(10):699-709).

UP: Bernard hat keinen Auswertezeitpunkt Monate nach der Sepsis. Insofern passt der Vergleich nicht.
Unsere Kritik am Diskussionsteil der Studie will auch in keiner Weise Ihr enormes Wissen auf dem Gebiet der Intensivmedizin in Frage stellen, soll aber ausdrücken, dass wir das vermissen, was eigentlich im Diskussionsteil einer Studie stattfindet: Die Diskussion der Ergebnisse dieser Studie.

MF (R): Doch doch, der Vergleich passt vorzüglich. Man muss ja bei der Beurteilung einer Arbeit differenziert vorgehen: Wo stehen also bei Bernard die Todesursachen? Das müsste ja auch bei 30 und nicht nur bei 180 Tagen Beobachtungszeitraum stehen.

Die wenigen Aussagen, die sich explizit auf die vorgelegten Daten beziehen, bleiben unverständlich bzw. sind nicht korrekt.

MF: Wie schön wäre es, wenn Sie schrieben „sind nach meiner Auffassung nicht korrekt“: Damit hätten Sie sicher gestellt, dass Sie nicht ein Vorurteil verfolgen, sondern tatsächlich wissenschaftlich vorgehen.

Den nicht statistisch signifikanten Unterschied nach 30 Tagen stellt Frass als „Trend“ dar.

On day 30, there was non-statistically significantly trend of survival in favour of homeopathy.“

Das ist leider so nicht haltbar. Ein statistisch nicht signifikantes Ergebnis ist genau das; es kann mit einer Wahrscheinlichkeit, die über dem Signifikanzniveau liegt, zufällig zustande gekommen sein. Ein erfahrener Wissenschaftler wie Frass muss eigentlich wissen, dass man aus solchen Daten keinen „Trend“ ablesen kann.

MF: Ein in der Medizin tätiger Wissenschafter weiß, dass „Trend“ keine Signifikanz bedeutet. Und genau diese Aussage wurde auch gemacht. Es steht auch „non-significant“: zur Erklärung für Laien: dies bedeutet, dass dieser Trend nicht signifikant (bedeutsam) ist.

NA: Mit der Fachsprache ist das so eine Sache. Es werden Begrifflichkeiten und Redewendungen benutzt, die in der Umgangssprache eine andere Bedeutung haben. Wir verfassen unsere Kritiken hier weniger für die Auseinandersetzung im akademischen Rahmen, sondern richten diese auch an den interessierten Laien. Übrigens wird diese Beschönigung nicht signifikanter Ergebnisse auch von berufeneren Leuten kritisiert (Link).

Blickt man indes in Tabelle 2, in der die klinischen Messwerte der Gruppen verglichen werden, so gibt es einen einzigen Wert, bei dem sich die Gruppen statistisch signifikant unterscheiden: Mit P = 0,033 ist die Herzschlagfrequenz in der Placebogruppe bei statistisch signifikant mehr Patienten über 90 Schlägen pro Minute als in der Homöopathiegruppe. Es war zwar nicht der Wert signifikant unterschiedlich, sehr wohl aber die Zahl der davon betroffenen Patienten. Warum Frass hier ausschließt, dass dies auf das Endergebnis einen Einfluss gehabt hat, verrät er uns nicht. Wobei wir schon oben über die Problematik geschrieben haben, die medizinische Relevanz anhand statistischer Wahrscheinlichkeiten zu bewerten.

MF: Die medizinische Relevanz ist, wie oben schon bemerkt, unerheblich.

UP: Eine Begründung für diese Aussage fehlt aber in der Arbeit

Offen bleiben dagegen wesentliche Fragen, wie:
– Wie lange verbleiben die Patienten auf der Intensivstation?
– Bekamen alle dieselben Antibiotika? Und wie lange?
– Vertrugen alle die Antibiotika gleich gut?
– Gab es bei einigen Patienten Komplikationen bei der Behandlung und wenn ja, welche?
– Wie veränderten sich ihre Prognosewerte bei Entlassung aus der Intensivmedizin?
– Gab es in den Folgemonaten weitere intensivmedizinische Behandlungen der Patienten?
– Oder Behandlungen ihrer Grunderkrankungen? Bekamen zum Beispiel einige Patienten Chemotherapie? Und wie gut verkrafteten sie diese?
– Wann verstarben die Patienten?
– Was war die Todesursache?

MF: Diese Fragen habe ich schon weiter oben zum Teil beantwortet. Natürlich bekommen die PatientInnen nicht alle das gleiche Antibiotikum, sondern jenes, das aufgrund eines Antibiogramms eine selektive Wirkung auf den jeweiligen Erreger hat.
Bei der Placebogruppe gab es in den Folgemonaten bei drei der PatientInnen eine weitere intensivmedizinische Behandlung. Nur ein Patient in jeder Gruppe erhielt eine Chemotherapie.

UP: Erneut: Eine Studienbesprechung kann immer nur auf der Angabe der in der Studie enthaltenen Informationen erfolgen. Alle diese relevanten Fragen bleiben in der Arbeit unbeantwortet.

Wir wissen also nicht, ob die Gruppen während und unmittelbar nach der Behandlung in der Intensivstation überhaupt vergleichbar waren. Für die Patienten, die die Sepsis überlebten, sind die vielen, vielen Angaben, mit denen Frass seine Studie füllt, nicht relevant, denn dieser Befund ist überwunden oder der Patient ist daran gestorben.

MF: Zur Erleichterung: Die Gruppen sind auch nach der Behandlung in der Intensivstation vergleichbar.

UP: Bzgl. welcher Eigenschaften? Wo ist das in der Arbeit dokumentiert? Denn dass man 2 Gruppen von Patienten immer vergleichen kann, ist trivial und sagt nichts darüber aus, was der Vergleich ergäbe.

Aus den Daten hingegen, die Frass zur Verfügung stellt, ist nicht einmal ablesbar, woran die Patienten innerhalb der folgenden fünf Monate gestorben sind, ob die Patienten überhaupt an Folgen ihrer Grunderkrankung oder der Sepsis starben oder gar durch ganz andere Ursachen. Ebenso gut könnten sie einen Unfall gehabt haben. Sie könnten sich eine schwere Grippe oder Lungenentzündung zugezogen haben oder gestürzt sein. Wir erfahren nur, ob sie nach 180 Tagen noch am Leben waren. Die in der Studie enthaltenen Daten belegen also nicht einmal, ob ihr Tod überhaupt in irgendeiner Weise mit der erlittenen Sepsis in Verbindung steht. Der Rückschluss, ob der Tod dann sogar auf ein Detail der Behandlung der Sepsis zurückzuführen ist, ist noch weniger belastbar – nämlich gar nicht.

MF: Wie oben angeführt, sind die PatientInnen an entzündlichen Erkrankungen (an Pneumonie 7 PatientInnen der Homöopathiegruppe, 15 der Placebogruppe; an einer komplizierten Harnwegsinfektion ein Patient der Homöopathiegruppe, 2 der Placebogruppe) gestorben. Es gab keinen Todesfall durch Unfall.

UP: Der Kritikpunkt an der Studie bleibt: Die Studie dokumentiert nicht, dass beide Gruppen überhaupt ähnliche a priori Langzeitprognosen hatten. Es werden keine Angaben über die Grunderkrankungen und andere die Langzeitüberlebenschancen mitbestimmende Faktoren gemacht. Es werden keine Daten gegeben, woran die Patienten verstarben. Es werden keine Daten gegeben, aus denen geschlossen werden kann, dass der Tod der Patienten ohne die in der Studie behandelte Sepsis nicht genauso erfolgt wäre.

Vielleicht wartet Frass ja auch noch auf den ganz großen Schlag? Zu irgendeinem Zeitpunkt wird der letzte Patient aus der Placebogruppe gestorben sein. Wenn dann noch mindestens ein Mitglied der Homöopathiegruppe lebt – dann ist das doch ein bärenstarker Nachweis, dass die vielleicht dreißig Jahre früher durchgeführte homöopathische Behandlung ein voller Erfolg war – schließlich ist das Ergebnis jetzt richtig signifikant und die Odds Ratio – ein beim Zitieren von Studienergebnissen gerne genommener Ergebnisbooster – in traumhafte Höhen geschnellt.

MF: Was so lustig klingen soll ist ja der besondere Effekt der Homöopathie: Es geht nicht um Kurzzeiteffekte, sondern um Langzeiteffekte. Dieses Phänomen (natürlich nicht in dieser Studie) kann täglich bei homöopathisch behandelten PatientInnen weltweit beobachtet werden. Es ist schön, wenn jemand ein chronisches Leiden, das medikamentenabhängig war (schien), nach einer individualisierten homöopathischen Behandlung über Jahrzehnte verliert.

UP: Eine Aussage halt, die zu belegen die Homöopathie bis heute schuldig ist.

Generell ist es ein Fehler (oder Absicht?), die statistische Signifikanz mit Bedeutung zu überfrachten. Diese sagt ausschließlich aus, ob ein Ergebnis wahrscheinlich durch Zufall zustande gekommen ist oder nicht. Sie sagt insbesondere nichts über eine Kausalität aus, ob das bewertete Resultat auch von dem Eingriff herrührt. Wenn die statistische Auswertung ergibt, dass das Ergebnis wahrscheinlich nicht durch Zufall entstanden ist – dann könnte auch ein gemeinsamer Autounfall einiger Placebo-Patienten die Ursache sein. Eine statistische Signifikanz bedeutet also keinen Beweis dafür, dass der Gruppenunterschied auch durch das Ereignis hervorgerufen wurde, das die Autoren der Studie für die Ursache halten. Dies müsste durch weitere Information bzw. durch eine geeignete Versuchsführung oder durch weitere Messungen bestätigt werden. Und genau da fehlt es der Arbeit ganz gewaltig.

MF: Im Gegensatz zu manch anderer Studie sind nun die Todesursachen klar auf den Tisch gelegt. Jetzt fehlt nichts mehr.

UP: Es fehlt eine Dokumentation des Zusammenhanges zwischen dem Versterben der Patienten und der Sepsis selbst; es fehlt eine Dokumentation, dass die Langzeitprognose der Patienten nicht unterschiedlich war.

MF (R): Wie in meinen Ausführungen ausführlich dargestellt, war die Langzeitprognose zw. den beiden Gruppen ident. Eine genauere Darstellung werden Sie in anderen Arbeiten vergeblich suchen.

Aber auch aus homöopathischer Sicht gibt es gravierende Auslassungen in den Informationen, die Frass dem Leser gibt:

Wie kann man bei mehr oder weniger nicht ansprechbaren Patienten überhaupt eine saubere Anamnese führen?

Wurde nur über die 2 – 5 in Tabelle 4 genannten Symptome repertorisiert? Und wenn ja, warum gehen Frass und seine Kollegen bei einer solch ungewöhnlichen Anamnese davon aus, in absolut allen Fällen das passende Mittel gewählt zu haben?

Und warum wurde dann so oft das Mittel gewechselt? In Tabelle 4 ist ersichtlich, dass für die 33 Patienten der Homöopathiegruppe insgesamt 72 verschiedene Verordnungen gemacht wurden, für die 34 der Placebogruppe sogar 87.

MF: In der Tabelle 4 sind wesentlich mehr als 5 Symptome angeführt.

UP: Gemeint war pro genanntem homöopathischen Mittel. Pro Mittel sind nur einige wenige Symptome genannt – maximal 5 bei Lachesis muta.

MF: In der Tat müssen natürlich noch wesentlich mehr Merkmale berücksichtigt werden. Dies würde den Rahmen eines solchen Artikels sprengen. Ad Wechsel der Mittel: Dies ist der konventionell medizinischen und homöopathischen Ausbildung sowie der Berufserfahrung zuzuschreiben. Die Situation von IntensivpatientInnen ändert sich auch oft sehr rasch, was den Mittelwechsel erklärt. Eine sorgfältige Berücksichtigung der vegetativen Symptome zusammen mit der bereits von Hahnemann postulierten Außenanamnese (= Familie und FreundInnen) ist unabdingbare Voraussetzung.

Inwiefern kann hier eigentlich noch von „klassischer Homöopathie“ gesprochen werden?

MF: Ein Homöopath sollte auch unter schwierigsten Bedingungen imstande sein, medizinische Probleme zu lösen. Das Gleiche gilt in der konventionellen Medizin: bei einem Atemwegsproblem kann man z.B. mit dem Combitube in fast jeder Lebenslage intubieren. Es gibt eben Alles zu bedenken, um sich vor Einseitigkeit zu schützen. Wie em. Rektor Prof. Dr. Schütz sagte „Es gibt nur eine Medizin!“

Warum erfolgt keine Diskussion zur Auswirkung einer möglichen Erstverschlimmerung? Könnte die bei einem lebensbedrohlich Erkrankten nicht sehr wohl fatale Folgen haben?

MF: Natürlich: und deswegen ist eine professionelle Ausbildung in homöopathischer Medizin notwendig.

Kurz: Frass gibt auch homöopathischen Kollegen keineswegs ausreichend Informationen über den homöopathischen Behandlungsablauf. Eine Reproduktion der Studie an einer anderen Klinik ist schon alleine dadurch erschwert, dass Frass auch seine Vorgehensweise bei der homöopathischen Behandlung überhaupt nicht begründet.

MF: Dazu gibt es das Buch „Homöopathie in der Intensiv- und Notfallmedizin“ erschienen im Elsevier Verlag. Tatsächlich sind in der Tabelle 4 die hauptsächlich verwendeten homöopathischen Medikamente angeführt.

Fazit:

Einigen wenigen Patienten werden in dieser Studie zusätzlich zu ihrer normalen Behandlung entweder Placebos oder 5 Globuli verabreicht. Nach einem für schwere Sepsis unüblichen Zeitraum wird spontan und ohne Begründung wieder einmal auf die Überlebensrate geschaut. Dass dann, nach einem halben Jahr, signifikant mehr Patienten in der Placebogruppe verstorben sind, führt Frass ebenfalls ohne Begrünung in Standard-Homöopathen-Manier auf die Gabe der Globuli zurück. Damit postuliert er den Zusammenhang, den er eigentlich mit seinen Untersuchungen belegen sollte. Denn die Frage, ob die Todesursache der Patienten überhaupt medizinisch mit der Sepsis in einen Zusammenhang gebracht werden kann, stellt (und beantwortet) er vorsichtshalber in seiner Arbeit gar nicht.

Unbegreiflich bleibt, dass Frass seit dem Vorlegen der Arbeit im Jahr 2004, vor 10 Jahren also, die Studienergebnisse nicht mehrfach und an größeren Patientengruppen wiederholt hat. In seiner Ergebnistabelle stehen immerhin 75.8% Überlebende in der Homöopathiegruppe nur 50.0% Überlebenden in der Placebogruppe gegenüber. Wäre dieses Ergebnis real, so würde er einem Viertel der Patienten mit einer einfachen Maßnahme das Leben retten. Es sind schon Verdienstorden für Weniger verliehen worden.

MF: Es schmeichelt mir, dass Sie an einen Verdienstorden denken. – Nun, es sind alle MedizinerInnen aufgerufen, diese Studie zu wiederholen.

Zudem handelt es sich bei solchen Zahlen doch um ein Ergebnis, das man spielend leicht reproduzieren können müsste. Der Nachweis einer Überlegenheit gegen Placebo sollte doch ein Kinderspiel, ein Selbstläufer sein, wenn der Einsatz von Homöopathika bei einem Viertel der Patienten den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmacht. Und wieso erschwert Frass selbst eine Reproduktion der Ergebnisse durch homöopathische Kollegen, indem er auch diesen keine klaren Anweisungen mit auf den Weg gibt?

MF: Siehe oben.

Wenn man ein Einhorn im Stall hat, wieso führt man es dann nicht einfach vor, um die Zweifel an dessen Existenz ein für alle Mal zu beseitigen? Sein Einhorn hat Frass jetzt jedenfalls 10 Jahre im Stall versteckt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Traurig ist, dass die Studie seit Jahren auf Internetseiten, wie der eingangs Zitierten immer wieder als „Beleg“ auftaucht, ohne jedoch die Studie genau zu beschreiben. Dem Leser solcher Seiten kann dann durch diese Verbreitungsart gar nicht mehr auffallen, wie wenig aussagekräftig die Studie eigentlich ist

MF: Ich konnte bis dato kein Einhorn verstecken, da ich außerhalb des Musée national du Moyen Âge in Paris (Dame mit dem Einhorn) noch keines gesehen habe. Ich bitte Sie daher mir Ihres zu zeigen. Scherz beiseite, das Fazit Ihrer Darlegungen: es gibt noch viel zu tun, um klinische Studien auch in der konventionellen Medizin tatsächlich zu erfassen und in ihrer Gänze zu durchleuchten. Packen wir’s an. Es lohnt sich.

MF (R): Zum Schluss ein Danke an die wirklich interessante Kritik, die mir erst so richtig gezeigt hat, wie gut die Arbeit verfasst ist. Denn keines der entgegengehaltenen Argumente ist schlagkräftig.


Soweit die Stellungnahmen zur Studienkritik.
Die Kommentarfunktion steht jedem zur Diskussion offen.

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9 Kommentare zu Diskussion unserer Studienkritik: Prof. Frass zu seiner Sepsisstudie

  1. borstel sagt:

    Ein paar Nebenkriegsschauplätze:
    Ich habe mich hier im Blog schon einmal über den Begriff „Trend“ geärgert. Man sollte in Publikationen und Vorträgen von seiner Verwendung in der Tat absehen. Letztlich kann er nicht nur bei Laien, sondern auch in der Fachwelt für Verwirrung sorgen.

    Frass gibt an, daß er zum Repertorisieren das Buch „Homöopathie in der Intensiv- und Notfallmedizin“ verwendet habe. Seine ihm eigentümliche Bescheidenheit verbietet es, uns mitzuteilen, daß er der Hauptautor ist. Selbst wenn wir davon ausgehen, daß sich daraus kein Interessenkonfilkt ergibt, warum um alles in der Welt hat Frass das Buch im Paper nicht als Quelle für seine Entscheidungen angegeben?

    Der Aspekt der Erstverschlimmerung wird im Paper nicht nur nicht diskutiert, es wird auch nicht angegeben, ob überhaupt eine auftrat (und wie sie ggfs. beherrscht wurde). An und für sich ist dies aber doch wichtig, denn Frass sagt selbst auf die entsprechende Frage:
    „Warum erfolgt keine Diskussion zur Auswirkung einer möglichen Erstverschlimmerung? Könnte die bei einem lebensbedrohlich Erkrankten nicht sehr wohl fatale Folgen haben?

    MF: Natürlich: und deswegen ist eine professionelle Ausbildung in homöopathischer Medizin notwendig.“
    Ich kann daraus nur schließen, dass für eine Reproduktion der Studie wichtige Handlungsanweisungen fehlen und bei derart kritisch kranken Patienten ein hohes Risiko für fatale Verläufe durch Homöopathika besteht.

    Zuletzt ein Zitat von Frass: „Es ist schön, wenn jemand ein chronisches Leiden, das medikamentenabhängig war (schien), nach einer individualisierten homöopathischen Behandlung über Jahrzehnte verliert.“ Sepsis ist kein chronisches Leiden. Oder ging es Prof. Frass etwa um die Behandlung der Grundkrankheiten, die die Sepsis begünstigt haben? Dann wäre sein Paper komplett verfehlt.

  2. Vincent sagt:

    Mir wird mal wieder Angst und Bange, wenn ich sehe wie unbedarft ein Medizinprofessor teilweise auf berechtigte Einwände reagiert:
    „MF: Einige Zeilen weiter oben wird das Fehlen von Information kritisiert, dann wieder ist es zu viel: Dieser Diskrepanz in der Argumentation kann ich nicht folgen.“

    Also wenn der Professor keinerlei qualitative Unterschiede in den o.g. Informationen ausmachen kann, bzw. der Argumentation nicht folgen kann – dann kann ich nur hoffen, dass ich niemals in den zweifelhaften Genuss seiner Behandlung komme.

    Und wenn ich halb bewusstlos noch bei meiner Einlieferung in eine Intensivstation mitkriegen würde, wie der behandelnde Arzt oder Ärztin in dem Buch „Homöopathie in der Intensiv- und Notfallmedizin“ blättert und meine Angehörigen fragt, ob ich in letzter Zeit irgendwelche emotionalen Konflikte auszutragen hatte – ich wollte sofort in ein anderes Krankenhaus überführt werden, weit weg von Hogwarts.

  3. Lanzelot sagt:

    @Vincent
    Möglicherweise ist das für die Alter-Naiv-Heiler, eine Variante, die Vitalfunktion zu prüfen. Wenn der Patient reagiert und seine Verlegung verlangt, kann es so schlimm nicht sein 🙂
    Aber ich kann (und will) mir nicht vorstellen, dass irgendein Not- oder Intensiv-Mediziner auf die Idee kommt….. widerspricht jeder mir bekannten Handlungs- Leit/Richtlinie. Und da gibt es einige.
    Und ich sollte mich immer in der Nähe dieser Linie bewegen, sonst macht es richtig Aua
    Die Schwurbel-Heiler kommen regelmäßig davon, wenn sie pfuschen
    Zumal ihre Opfer zum Sterben eh ins Krankenhaus gehen
    Bei Medizinern sieht es anderes aus. Verlust der Approbation, Haftung, evtl. Gefängnis.

  4. 2xhinschauen sagt:

    Ich kenne Prof. Frass nur im Kontext der Auseinandersetzungen mit den Homöopathiekritikern, weiß also auch nichts über seine Arbeit und sein Standing als praktizierender Intensivmediziner.

    Ich kann also nur aus seinen Äußerungen hier in Norberts Blog schlussfolgern, wenn ich sage: Clever, der Mann. Er macht ja eigentlich nichts anderes als viele andere wissenschaftliche Ärzte/Ärztinnen auch, nur eben big, mit viel größerem Impact. Er muss sich anders als viele andere nicht auf seinen Glauben an die Homöopathie und falsch verstandene frühere Studien zurückziehen, wenn es schwierig wird. Er hat dann immer die seriöse „richtige“ Medizin zur Hand (Doppelsinn). Nicht schlecht.

    Was uns keinesfalls davon abhalten sollte, uns weiterhin mit den kritikwürdigen Aspekten seines Schaffens auseinanderzusetzen und im Netz diesbezüglich zur Ausgewogenheit beizutragen, wenn ihn jemand googelt.

  5. Markus M. sagt:

    Es wäre doch mal interessnt den Hintergrund zu beleuchten wieso sich gestandene Mediziner dazu hergeben solche „tendenziöse“ Studien zu verfassen.
    Wer könnte mal beleuchten wie oft Autoren zitiert werden welche bezüglich HP unauffällige Studien veröffentlichen, im Vergleich zu der Zitationszahl der Autoren welche „tendenziell“ der HP eine irgendwie geartete Wirkung zugestehen ?
    Da liegt der Hund begraben, es geht einzig nur um Aufmerksamkeit, und darum versucht man auch einigermaßen wissenschaftlic objektiv zu sein, auch wenn das nicht wirklich klappen kann wenn man Wasser/Zuckerkugeln eine signifikante Wirkung zuschreiben möchte. Das ist ein Drahtseilakt der Autoren, an der Kante zur wissenschaftlichen Lächerlichkeit. Wieso praktiziert man nicht einfach mal andersartig auffällig, zB in einem Clownskostüm ? Dann kann man wissenschaftlich redlich bleiben und trotzdem jede Menge Aufmerksamkeit erhaschen 😉

  6. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Professor Frass hat mir heute mit einer Email seine Stellungnahmen auf unsere Entgegenungen mitgeteilt und gebeten, diese in den Text einzufügen, einer Bitte, der ich soeben gerne entsprochen habe. Diese Entgegnungen sind mit MF(R) gekennzeichnet.

  7. borstel sagt:

    Also hält sich Herr Prof. Frass für ein verkanntes Genie (Sarkasmus wieder aus)… Einwand eins von MF zur Frage, ob klar wird, dass alle Patn. eine Sepsis hatten: Ja, ich glaube, aus Text UND Tabelle geht das tatsächlich hervor. Einwand zwei zur Frage der gleichen Langzeitprognose der Patn.: Aus der Tabelle 2 (Baseline clinical indices) geht hervor, daß die Patn. eben gleiche Ausgangswerte hatten. Hieraus auf die gleiche Langzeitprognose zu schließen, ist sicherlich legitim. Die Sache mit den gleichverteilten Grunderkrankungen halte ich allerdings für viel problematischer: Wir haben zwar die Aussage von Prof. Frass hier im Blog, aber es bleibt Frau Parschs berechtigter Einwand bestehen, daß eine solch wichtige Information in das Paper gehört. Außerdem ist mir auch die von Frass nachgereichte Aussage noch etwas sehr knapp gehalten, als daß ich sie wirklich belastbar fände, es geht ja nicht nur um Krebserkrankte, und auch die können trotz gleichem Stadium sehr unterschiedliche Voraussetzungen zum Überstehen der Sepsis haben. Ein Addendum täte der
    Arbeit gut.
    Die weiteren Einwände von Frass sind dann doch ein wenig flapsig gehalten – hübsch zu lesen, aber nicht wirklich relevant (niemand hat z.B. im oder bezüglich des JAMA-Papers behauptet, dass die Patn. ein halbes Jahr auf ITS gelegen hätten).
    Vorschlag zur Güte: Angesichts der Vielzahl von Sepsisfällen, Intensivstationen in der westlichen Welt und jeder Menge Homöopathen wäre eine Reproduktion der Studie im großen Maßstab und multizentrisch (wie die Evidenzkriterien es empfehlen) doch wohl leicht zu stemmen. Und dann sehen wir mal weiter.

  8. borstel sagt:

    Addendum meinerseits:
    Daß die viel zu große Heterogenität des Patientenkollektivs ein Problem darstellt, hat Dr. Aust bereits im vorangegangenen Blogbeitrag betont. Es entstehen kleinste Untereinheiten von Subgruppen, die sich nicht vernünftig statistsich auswerten lassen. Die Einlassungen von Prof. Frass zur Zusammensetzung des Kollektivs ändern an der Angelegenheit nichts. Daß der Prof. dies im Diskussionsteil der Arbeit nicht anspricht, verwundert nicht, wenn man seine Selbstdarstellung hier im Blog verfolgt. Wenn zudem Prof. Frass als Notfallmediziner keine Ahnung hat, daß auch das gleiche Stadium einer Tumorentiät sehr verschiedene Prognosen aufweisen kann, dann sollte er sich bei den Onkologen des AKH darüber kundig machen. Es besteht alleine schon ein Unterschied, ob z.B. ein Patient im UICC-Stadium IV einer Tumorerkrankung Hirn- oder Knochenmetastasen hat, ob er frisch diagnostiziert ist, ob er mehrere Linien Chemo hinter sich hat usw.
    Patienten nur dann in die Studie einzuschließen, wenn die letzte Chemotherapie mindestens zwei Wochen zurückliegt, ist deswegen auch fraglich, abgesehen davon, daß die Nebenwirkungen der Chemotherapie auf die Körperabwehr zum Teil mit noch deutlicher Verzögerung nach diesem Zeitraum auftreten können.
    Insofern korrigiere ich meine Ansicht: Eine Ergänzung würde diese Travestie einer wissenschaftlichen Arbeit auch nicht mehr retten. Interessant ist auch, daß die Kommentare auf diese Arbeit nicht gerade zahlreich waren. Hat die scientific community sie überhaupt wahrgenommen?

    Nach meinem bitteren Wüten zum Lachen folgender Link (der auch dem so humorvollen Prof. Frass gefallen sollte):
    https://www.youtube.com/watch?v=Uvvp2lYz1J8

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