Homöopathie in der Behandlung von Frühgeborenen

Das Ende der Homöopathie-Akademie in Traunstein nimmt der Münchner Merkur zum Anlass, in seiner Ausgabe vom 9.5.2014 über die Homöopathie zu berichten (Link). Hier wird Frau Dr. Sigrid Kruse dahingehend zitiert, sie sähe, dass die Homöopathie wirke, unter Anderem auch bei Frühgeborenen. Als Fachärztin für Kinderheilkunde an der Universitätsklinik in München wird ihren Äußerungen sicher eine hohe Glaubwürdigkeit beigemessen. Nur – worauf beruht ihre Behauptung?

Frau Dr. Kruse ist als Kinderärztin am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilian-Universität München tätig, also durchaus in einer der Forschung und Wissenschaft verpflichteten Umgebung. Sie fungiert dort als Leiterin des Modellprojekts ‚Homöopathie in der Pädiatrie‘.

Frau Dr. Kruse ist für Leser meines Blogs keine Unbekannte, denn sie war Ansprechpartnerin für eine Veranstaltung der LMU, auf der auch über eine Langzeitstudie zur homöopathischen Behandlung von Kindern vorgetragen wurde. Die Kritik an dieser Studie hatte ich in einem Brief an sie zusammengestellt (Link), der jedoch bis heute unbeantwortet blieb. Die Kritik wurde übrigens mit diesem Artikel fortgeführt, der aus Anlass der Vergabe des Sandoz-Forschungspreises 2013 an dieses Forschungsteam entstand.

Das Projekt ‚Homöopathie in der Pediatrie‘ startete 1995 mit den Zielen

(a) die Homöopathie in die Universitäts-Kinderklinik zu integrieren

(b) Forschung zur Homöopathie mit klinischen Studien zu betreiben.

Anfangs, bis zum Jahr 2001, wurde das Projekt von der Carl-und-Veronica-Carstens- Stiftung mit über € 500.000,- finanziert, anschließend übernahmen wechselnde Finanziers ganz oder teilweise die Kosten einer Assistenzarztstelle (Link).

Zum ersten Ziel, Integration der Homöopathie in die Kinderklinik, kann von außen nicht viel gesagt werden. Das zweite Ziel, Forschung mit klinischen Studien zu betreiben, war hingegen nur in sehr beschränktem Umfang erfolgreich.

Eigentlich, genau gesehen, war das Forschungsprojekt gar nicht erfolgreich, denn nach nunmehr fast 20 Jahren liegen ausweislich der Suche in Google Scholar keine klinischen Studien vor. Dabei wurde nach der Autorin ‚Kruse‘ und den Begriffen ‚Homöopathie‘ bzw. ‚Homeopathy‘ gesucht. Zusätzlich wurde nach dem Begründer des Projekts nur mit dem Namen ‚Dorcsi‘ gesucht. Auch die Datenbank der Carstens-Stiftung ist ähnlich unergiebig. Unter ‚Dorcsi‘ ist eine Studie zur Veterinärmedizin aus dem Jahre 1980 verzeichnet, für S. Kruse findet man nur sechs Einträge. Vier davon aus den Jahren 1996 bis 1998 befassen sich offenbar immer mit der gleichen Untersuchung zum Thema Mittelohrentzündung, die schließlich in ihre Dissertation mündeten. Die anderen zwei Einträge aus dem Jahr 2009 beziehen sich auf Hirnblutungen bei Frühgeborenen. Es handelt sich offenbar in beiden Fällen wieder nur um eine Untersuchung, die allerdings nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde, sondern einmal zu einem Kongressbeitrag und einmal zu einer Posterpräsentation führte.

Insgesamt also recht wenig handfeste Forschung in Anbetracht der vergangenen Zeit.

Was sich jedoch findet, sind im Wesentlichen Beiträge für Jahrbücher und ähnliche Veröffentlichungen, in denen die Autoren über die geleistete Arbeit der vorangegangenen Jahre zusammenfassend berichten. Der neueste dieser Beiträge wurde zum zehnjährigen Jubiläum des Projektes veröffentlicht, der als Grundlage der folgenden Betrachtungen dient [1] (Link).

Dort wird unter der Überschrift ‚Therapeutische Schwerpunkte in der Klinik‘ berichtet, die Schwerpunkte der Therapien auf der Säuglingsstation seien die Behandlung von Hirnblutungen und deren Folgen, wie sie oft bei Frühgeburten auftreten. Da dies anscheinend das einzige Krankheitsbild bei Frühgeburten ist, das irgendwie untersucht wurde, kann sich die in der Zeitung wiedergegebene Aussage zur Wirksamkeit bei Frühgeburten eigentlich nur hierauf beziehen. Betrachten wir die Angaben, die hierzu gemacht werden:

In der Zeit von August 1997 bis Juni 2001, also fast vier Jahre lang, wurden alle Früh- und Neugeborenen beobachtet, die in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Geburt (‚perinatal‘) eine Gehirnblutung dritten Grades erlitten. Dies ist eine schwere Komplikation, die bei den betroffenen Kindern häufig zu mittleren bis schweren Entwicklungsstörungen führt. Die Schwere ist in drei Grade eingeteilt, die kleinen Patienten hier hatten also die schlechteste Prognose in diesem Krankheitsbild. Näheres zum Erscheinungsbild siehe den Eintrag in der Wikipedia (Link).

Es wurden zwei Gruppen gebildet, der ersten wurden insgesamt sieben Kinder zugeordnet, die während des ersten Jahres von August 1997 bis Juli 1998 eine Hirnblutung erlitten hatten. Diese Kinder wurden ausschließlich konventionell behandelt. Der zweiten Gruppe wurden während der anschließenden drei Jahre insgesamt neun Kinder zugeordnet, die zusätzlich zur konventionellen Versorgung mit homöopathischen Medikamenten behandelt wurden. Als Ergebnis wurde betrachtet, ob eine Ableitung der Flüssigkeit aus dem Kopf notwendig wurde (‚ventrikuloperitonealer Shunt‘) und ob nach 12 Monaten Entwicklungsstörungen feststellbar waren.

Ergebnisse:

In der nur konventionell behandelten Gruppe wurde bei 6 von 7 Kindern eine Entlastung notwendig, in der Homöopathiegruppe bei 6 von 9. In der nur konventionell behandelten Gruppe zeigten alle Kinder nach zwölf Monaten Entwicklungsstörungen, 4 davon mäßig und 3 stark. Bei der Homöopathie waren 3 der Kinder unauffällig, 4 zeigten eine mäßige Störung, 2 zeigten schwere Störungen.

Betrachten wir die Angaben zunächst einmal bis hierher.

Als Erstes ist zu betonen, dass es sich bei der homöopathischen Behandlung um eine zusätzliche Therapie handelte, die parallel zur konventionellen Behandlung durchgeführt wurde. Des Weiteren fällt die extrem geringe Gruppengröße ins Auge, die nur mit einem exakten Fisher-Test statistisch auswertbar wäre, aber hierzu fehlt mir die Software, die eine 3 x 2 Matrix auswerten könnte. Auch die Autorin hat davon abgesehen, die Signifikanz zu ermitteln und darzustellen.

Prinzipiell erscheinen die statistischen Unterschiede zwischen den Gruppen aber recht gering. Wie erkennbar, treten auch mit der homöopathischen Behandlung in hohem Maße Entwicklungsstörungen auf, auch solche schwerer Natur. Mithin ist die Wirkung nicht so durchschlagend und überzeugend, wie man nach dem Zitat im Zeitungsbericht vermuten könnte (‚Homöopathie wirkt auch bei Frühgeborenen‘), wobei eine Bewertung der Wahrscheinlichkeit hierfür an der niedrigen Anzahl der Patienten scheitert. Damit ist es nicht möglich, aus diesen Angaben eine Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung nachzuweisen. Waren die Ergebnisse also Zufall – oder gibt es sogar noch andere denkbare Ursachen für das etwas bessere Abschneiden der Homöopathiegruppe?

Dazu ist es beachtenswert, dass die beiden Gruppen nicht nach einem Zufallsprinzip zusammengestellt wurden, sondern aufgrund des Datums, an dem die Komplikationen aufgetreten sind. Vor August 1998 erfolgte keine Zusatzbehandlung, danach jedoch bei allen Kindern. Ist dann sichergestellt, wie es für eine klinische Untersuchung eigentlich erforderlich wäre, dass die Patienten beider Gruppen die gleiche Behandlung erhielten?

Ganz sicher nicht.

Selbst wenn wir Einflüsse von Personalwechseln vernachlässigen, kann die Behandlung in so wenigen Fällen über einen so langen Zeitraum keine Routine aufkommen lassen, hier positiv im Sinne von gleichbleibenden Automatismen und Verfahren gemeint. Es wäre verwunderlich, wenn nicht jede konventionelle Therapie höchst individuell festgelegt und durchgeführt worden wäre. Damit wäre schon ein wichtiger Punkt einer aussagekräftigen Vergleichsstudie nicht gegeben, auch wenn es nicht möglich ist, den Einfluss auf das Ergebnis zu benennen.

Aber der wichtigste Punkt liegt wohl in der Natur der Klinik. Es handelt sich um eine Universitätsklinik, die neben der Versorgung der Patienten die Aufgabe hat, zu forschen und die Behandlungsmethoden zu verbessern. Dies wird sicherlich auch für die Behandlung der mit einem hohen Risiko behafteten Komplikation der Hirnblutung der Fall sein.

Dass die Medizin auf dem hier betrachteten Gebiet Fortschritte gemacht hat, kann einem Aufsatz in Medscape Deutschland entnommen werden (Edit 15.08.2017: Dieser Link scheint nicht direkt zu funktionieren. Daher copy & paste in die Adresszeile des Browsers: deutsch.medscape.com/artikel/4900855). Dort wird eine neuere Studie aus den USA betrachtet, die im Gegensatz zur früheren Situation über günstigere Prognosen für leichte Fälle berichtet. In der Diskussion wird Frau Dr. Felderhoff-Müser, Direktorin der Kinderklinik am Universitätsklinikum Essen, zitiert:

„(Sie) führt gleich zahlreiche plausible Gründe an. Dazu zählen unter Anderem die veränderten Therapien, die Möglichkeiten des antenatalen Transports der Mütter in Perinatalzentren mit der höchsten Versorgungsstufe, die Steroidapplikation zur Lungenreifung des Kindes bei drohender Frühgeburt und die Vermeidung von Blutdruckschwankungen. Auch die Tatsache, dass die Kinder heute besser und schonender, z. B. bei der Beatmung, versorgt werden, spiele bei der Beurteilung der durchaus unterschiedlichen Ergebnisse eine Rolle.“

Was davon für die zwischen 1997 und 2001 in München behandelten Kinder bei einer Hirnblutung dritten Grades eine Rolle spielte, ist sicher ungewiss, und als Laie wäre es fatal, dies beurteilen zu wollen. Aber, man kann unterstellen, dass es Fortschritte gegeben hat und dass die Ärzte im Universitätsklinikum jeweils auf der Höhe der Zeit waren und den Kindern die beste denkbare Therapie haben zukommen lassen.

Demzufolge kann man sicher nicht ausschließen, dass es im Laufe der Zeit Verbesserungen in der Therapie gegeben hat. Wenn das so war, dann sind diese Verbesserungen den Kindern der zweiten Gruppe vermehrt zugute gekommen, denn es wäre höchst unethisch gewesen, ihnen eventuelle neue Erkenntnisse wegen einer laufenden Studie vorzuenthalten. Selbst wenn die Fortschritte nur gering gewesen sein sollten, wird die zweite Gruppe mit der zusätzlichen homöopathischen Therapie grundsätzlich auch (etwas) bessere Bedingungen in der konventionellen Therapie vorgefunden haben als die ausschließlich konventionell behandelten Kinder. Mithin besteht dieMöglichkeit, dass die als Erfolg der homöopathischen Behandlung wahrgenommenen besseren Ergebnisse richtiger der verbesserten konventionellen Behandlung zuzuschreiben wären.

Ein anderer Aspekt sind die unterschiedlichen Geburtszeitpunkte der Kinder. Die Kinder in der ausschließlich konventionell behandelten Gruppe kamen zwischen der 24. und der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt, die der späteren in der 25. bis zur 39. Schwangerschaftswoche, der Durchschnitt beider Gruppen lag bei jeweils 28 Wochen. Während das älteste Kind in der ersten Gruppe also fünf Wochen zu früh geboren wurde, kam das älteste bei der Homöopathiegruppe durchaus zum erwarteten Geburtszeitpunkt zur Welt und war demnach wahrscheinlich voll entwickelt und wohl keine Frühgeburt. Unabhängig von der sonstigen Altersstruktur hatte also mindestens eins der Kinder der Homöopathiegruppe einen möglicherweise entscheidenden Entwicklungsvorsprung vor den ausschließlich konventionell behandelten Kindern. Auch dies kann das Ergebnis verfälscht haben, indem der vermeintliche Erfolg der Homöopathie eigentlich den günstigeren Startbedingungen zuzuschreiben ist.

Man darf also getrost davon ausgehen, dass – wenn das erzielte Ergebnis tatsächlich statistisch signifikant gewesen sein sollte, angesichts des statistisch geringen Unterschiedes kaum anzunehmen –  man mit Recht bezweifeln darf, dass die homöopathische Behandlung dafür der Grund war. Letztendlich könnten die verbesserten Rahmenbedingungen und die unterschiedliche Dauer der Schwangerschaft einzeln oder in Kombination diese Unterschiede ebenfalls herbeigeführt haben.

Im Anschluss liefert Frau Dr. Kruse noch eine Fallstudie, die ich hier im vollen Wortlaut wiedergeben will:

„Bei einem Frühgeborenen aus der 29. Schwangerschaftswoche (2. Zwilling, Geburtsgewicht 1270 g) trat am 3. Lebenstag eine Hirnblutung 3. Grades beidseitig auf. Fast zeitgleich kam es zu einer Lungenblutung, so dass das Kind reanimiert werden musste. Danach kam es zunächst zu einer Stabilisierung, allerdings entwickelte sich bald ein posthömorrhagischer Hydrocephalus [‚Wasserkopf‘, Autor] mit akuten Hirndruckzeichen wie vorgewölbter Fontanelle, Bradykardien beim Trinken und ein dramatisches Kopfwachstum von 1 cm pro Tag. In dieser Situation erfolgte die Verlegung ins Dr. von Haunersche Kinderspital, wo die Anlage eines ventrikuloperitonealen Shunts zur Durckentlastung erfolgen sollte (Abbildung hier nicht wiedergegeben).

Nach der homöopathischen Anamnese wurde eine begleitende homöopathische Therapie mit Arnica C 200 ( 1 x 3 Globuli an drei aufeinanderfolgenden Tagen) begonnen. Nach der Gabe entspannte sich die Situation: die Fontanelle kehrte ins Hautniveau zurück, die Bradykardien wurden seltener, das dramatische Kopfwachstum stagnierte und normalisierte sich schließlich im Lauf der nächsten Wochen. Eine Woche nach Beginn der homöopathischen Therapie wurde die Begleitbehandlung mit Lactodectus mactans C12 (2 x 3 Globuli täglich) fortgesetzt. Diese Arznei hat sich bei Kindern mit Hirnblutungen sehr bewährt, vor Allem, wenn im weiteren Verlauf vermehrt Unruhephasen auftreten. Am errechneten Geburtstermin konnte das Kind gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder ohne Shunt nach Hause entlassen werden. Zur Unterstützung der weiteren Entwicklung wurde die Therapie zunächst mit Helleborus C6 (3 x 3 Globuli täglich für 4 Wochen) fortgesetzt. Anschließend erfolgte eine konstitutionelle Therapie mit Calcium carbonicum C30 in seltenen Gaben alle sechs Wochen. Im Alter von korrigiert 8 Monaten wurden beide Zwillinge entwicklungsneurologisch als unbedenklich eingestuft. Diese erfreuliche Entwicklung hält bis heute an.“

Ist es nicht schön? Sicher ist das für das Kind und die beteiligten Eltern eine Entwicklung, die sehr zu begrüßen ist und zu der man sie aus vollem Herzen beglückwünschen kann. Aber, lieber Leser, Hand aufs Herz, ist Ihnen in dieser ausführlichen Fallstudie beim ersten Lesen auch das eine ganz entscheidende Wort aufgefallen, das vor lauter Detailinformation fast untergeht?

Wirklich nicht?

… wurde eine begleitende homöopathische Therapie…

Das Kind erhielt demnach die Druckentlastung für den Kopf, durch die die überschüssige Flüssigkeit abfließen konnte. Zusätzlich erhielt es auch ein paar Kügelchen von Irgendwas. Hat jetzt das Röhrchen dafür gesorgt, dass die überschüssige Flüssigkeit abfließen konnte oder haben die Kügelchen die Flüssigkeit irgendwie verschwinden lassen (Wie? Wohin?)? Woher weiß die Ärztin, dass es die Kügelchen waren und nicht das Röhrchen, die so segensreich gewirkt haben?

Diese Fallstudie zeigt schon fast in prototypischer Perfektion, wie mögliche Fehlschlüsse genau nicht betrachtet und ausgeräumt werden, diese den Autoren anscheinend noch nicht einmal als Möglichkeiten ins Auge fallen. Anderenfalls hätte man erwartet, dass es eine logische Begründung dafür gibt, dass man die Wirkung alleine der homöopathischen Medikation zuschreiben kann und das Röhrchen nicht in Betracht gezogen werden muss. Aber genau dies ist das Wesen aller homöopathischer Untersuchungen: Alleine, dass etwas nacheinander passiert, ist ein ausreichender Beweis dafür, dass das erste das zweite Ereignis hervorgerufen hat. (Verursache ich jetzt die Tagesschau, indem ich zu Abend esse?)

Zusammengefasst:

Also, liebe Frau Dr. Kruse, sollten Sie diesen Artikel lesen, mit der von Ihnen postulierten Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung auf Frühgeborene ist es nicht allzu weit her. Jedenfalls scheint es keine aussagekräftigen Untersuchungen hierzu zu geben. Die von Ihnen aufgezeigten ausbaufähigen Resultate haben innerhalb der folgenden bis jetzt 13 Jahre nicht zu einer aussagekräftigen Vergleichsstudie geführt.

Genau genommen deuten die in Ihrer eigenen Veröffentlichung vorhandenen Hinweise an, dass eine solche Wirksamkeit wahrscheinlich eher nicht existiert. Wäre ein solcher Nachweis möglich, wäre er in den vergangenen 19 Jahren sicher publiziert worden. Natürlich könnte es auch einfach nicht genug Fälle einer Hirnblutung dritten Grades gegeben haben, um eine solche Studie durchzuführen – dann aber wäre die Relevanz der Aussage, Homöopathie wirke bei Frühgeborenen, auch nicht gegeben.

Das Fehlen eines Nachweises der Wirksamkeit darf unter diesen Umständen sicher als Nachweis des Fehlens der Wirksamkeit gesehen werden, denn schließlich war genau dies das Ziel der Einrichtung des Homöopthieprojekts im Dr. von Haunerschen Kinderspital.

Literatur:

[1] Kruse S, Dorcsi-Ulrich M, Lucae C: 10 Jahre Homöopathie am Dr. von Haunerschen Kinderspital, in: AHZ 2006; 251: 11-20

[2] Laabs A: ‚Hirnblutung nach Frühgeburt ist nicht immer eine Hypothek fürs Leben‘, medscape Deustchland Paediatrie vom 8. März 2013 (Link login erforderlich)

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9 Kommentare zu Homöopathie in der Behandlung von Frühgeborenen

  1. Pingback: Homöopathie im “Merkur” @ gwup | die skeptiker

  2. Dr.med.Rupprecht sagt:

    Der Artikel spricht für sich. Eine zusätzliche Gabe homöopathischer Kügelchen zu einer kompetenten medizinischen Therapie sagt absolut nichts über deren Wirksamkeit aus. Auch wäre die Anzahl der Fälle viel zu gering für ein schlüssige Aussage. Eine Doppelblind-Studie, in der die angebliche Wirksamkeit der Kügelchen allein gegen die medizinische Therapie untersucht würde, und die allein eine Aussagekraft hätte, verbietet sich ja aus ethischen Gründen.
    Im übrigen ist der vorliegende Artikel, falls wirklich von einem Nichtmediziner verfasst, vorzüglich kompetent.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Danke für die Blumen. Ich bin tatsächlich der Autor dieses Artikels und tatsächlich kein Mediziner.

  3. Rolf Wagels sagt:

    Moin
    Jau, gerne schließe ich mich den Blumen an. Genau eine solche, nüchtern fundierte Betrachtung brauchen wir in dieser Debatte.
    Grüße
    Der Rolf

  4. hiatros sagt:

    Hallo Herr Aust,

    als betroffener Vater (26.Schwangerschaftwoche, 750g, ICB IV°) bin ich fassungslos ob dieser entweder gernzenlosen Dummheit oder der skrupellosen Chuzpe dieser „Kollegin“ und ziehe als Arzt den Hut vor Ihrer fachlich einwandfreien Aufarbeitung…in Sachen Fachkompetenz braucht sich Ihr Artikel wahrlich nicht vor Poster/Artikel/Vortrag dieser „Kollegin“ zu verstecken.

    hiatros

  5. Carbine sagt:

    Herr Aust

    ich habe Ihr Buch gelesen und Ihre Antworten in den Doccheck-Kommentaren zum Thema „Homöopathie-Studium“ verfolgt.

    Es ist toll, dass es Leute aus anderen Berufsgruppen gibt, die sich diesem Thema so sorgfältig annehmen, wie Sie das tun.

    Frau Kruse sagt in diesem Interview:
    http://dzvhae-homoeopathie-blog.de/?p=3162

    “ Es ist ganz wichtig, dass unsere Kollegen, die keine Homöopathie bisher machen, verstehen, wie Homöopathie wirkt, dass sie wirkt und in welchen Fällen wir sie einsetzen können..“

    Ich habe auch Frau Schlingensiepen in „hartaberfair“ verfolgt.
    Aus psychologischer Sicht ist es eine hoch spannende Sache, wie Ärzte, die ein seriöses Studium absolviert haben, sich dermassen auf die Schiene des Glaubens begeben und offenbar keinerlei Zweifel und Fragen mehr dazu haben, im Gegenteil

    „es ist ganz wichtig, dass unsere Kollegen die Homöopathie verstehen…“

    Freundliche Grüsse

    Brigitte Miller

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  7. Nadine sagt:

    Hallo!
    Mein Kind wurde in der 24+2 ssw 705gramm geboren, notkaiserschnitt. Keine Blutungen. 1 tag Tubus, cpap Sauerstoff immer unter 30%. Nun möchte ich ihn homöopathisch unterstützen. Er ist heute 33+0 1860gramm. Wer kann mir Informationen geben?
    Liebe Grüße Nadine

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Hallo Nadine,
      auf diesem Blog finden Sie Informationen zur Homöopathie aus wissenschaftlicher Sicht. Als Ergebnis der Betrachtungen zeigt sich, dass die Homöopathie keine über ein Placebo hinausgehende Wirkung hat. Weitergehende Informationen hierzu können Sie auch auf der Seite des Informationsnetzwerks Homöopathie finden: http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/

      Einen medizinischen Ratschlag wollen und können wir hier nicht geben – außer dem Hinweis natürlich, dass man bei Bedarf am besten einen qualifizierten Arzt zu Rate ziehen sollte.

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