Interessenkonflikte in wissenschaftlichen Studien zur Homöopathie

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In den nächsten Artikeln werden wir uns mit Studien von Autoren beschäftigen, bei denen ein sogenannter Interessenkonflikt vorliegt. Da dies öfter der Fall sein wird, sollen hier die Überlegungen dargestellt werden, wie wir damit umgehen wollen.

Zunächst: Was ist im Zusammenhang mit diesem Blog ein Interessenkonflikt?

Ein Interessenkonflikt liegt immer dann vor, wenn ein Autor einer Studie ein Interesse an einem bestimmten Ergebnis hat. Zumeist wird dies auf den rein wirtschaftlichen Aspekt bezogen, etwa dass der Autor einer Studie einen wirtschaftlichen Vorteil erreichen kann oder einen Nachteil vermeiden kann, wenn das Ergebnis der Studie in die eine oder andere Richtung ausfällt. Dabei kann es durchaus auch andere Aspekte geben, das wissenschaftliche Rennomee etwa.

Klassisch ist der Interessenkonflikt beispielsweise, wenn Ärzte an einem homöopathischen Krankenhaus, wie in der in Bristol durchgeführten Ergebnisstudie von Spence, in einer Studie über die Wirksamkeit der Homöopathie mitwirken. Würde man ein negatives Ergebnis veröffentlichen, dann könnte das Krankenhaus wohl dichtmachen und die Ärzte stünden auf der Straße. Ähnliches trifft natürlich auch für Forschungsinstitute zu, die im Auftrag von Unternehmen forschen. Es überrascht wohl niemanden wirklich, dass die von der Tabakindustrie in Auftrag gegebenen Untersuchungen zur Schädlichkeit des Rauchens zu durchweg positiveren Bewertungen kommen als andere. Käme das beauftragte Institut zu einem anderen Ergebnis, wäre wohl der Nachfolgeauftrag deutlich gefährdet.

Im täglichen Leben neigt man dazu, zumindest bei mir ist das so, Informationen, von denen man weiß, dass sie unter einem Interessenkonflikt zustande gekommen sind, einfach zu ignorieren. Rauchen ist nicht so schädlich, hat die Tabakindustrie herausgefunden? Vergessen. Kernkraftwerke sind vorteilhaft, sagen die Hersteller von Kraftwerksausrüstungen? Ebenfalls vergessen. Fleisch ist gesund, sagt der Verband der Fleischwirtschaft? Die Bauern haben Einkommensverluste, sagt der Bauernverband? Ich denke mehr Beispiele braucht es nicht.

Bei unseren Betrachtungen hier, die sich in der Hauptsache auf wissenschaftliche Originalarbeiten beziehen, wäre diese Einstellung aber fatal: Wir hätten kaum etwas zum untersuchen. Es ist nun einmal so, dass die Untersuchungen an den verschiedenen Arzneien und Therapien von irgendjemandem bezahlt werden müssen. Dieser jemand wird ein Interesse an der Untersuchung haben, sonst würde er kein Geld geben, und damit zumeist auch an einem bestimmten Ergebnis. Selbst die Forschung an öffentlichen Universitäten orientiert sich meist an den Interessen eines Finanziers. Etwas Anderes zu erwarten wäre naiv. Man versuche sich auch einmal zu überlegen, woher das Fachwissen eines gestandenen Wissenschaftler eigentlich anders herkommen soll, als aus einer früheren oder gegenwärtigen Tätigkeit bei einem Unternehmen, das sich intensiv mit diesem Fachgebiet beschäftigt, also dort sein Geld verdient.

Was schließen wir aus einem vorliegenden Interessenkonflikt also? Die Antwort erstaunt Sie bestimmt: Gar nichts. Allenfalls können wir zu dem Schluss kommen, dass dieses Unternehmen oder jener Wissenschaftler wahrscheinlich keine Studien veröffentlichen wird, die seiner Interessenlage widersprechen. Wir können sicher sein, dass ein Hersteller homöopathischer Medikamente keine Studien publizieren wird, die gegen die Wirksamkeit seiner Arzneien sprechen. Das ist schon alles.

Denn in der Arbeit selber, da muss der Autor den wissenschaftlichen Standards genügen, seine Vorgehensweise, seine Ergebnisse und Schlussfolgerungen daraus präsentieren. Diese können wir untersuchen. Ist die Studie so angelegt, dass der Einfluss des Autors auf das Ergebnis möglichst ausgeschlossen war? Das denkbar schlechteste Gegenbeispiel liefert die oben schon angesprochene Studie von Spence. Hier hatten die homöopathischen Ärzte mit den Patienten gemeinsam die Behandlungserfolge bewertet. Sind die Untersuchungen sinnvoll, die Ergebnisse logisch davon abgeleitet? Wenn sich der Autor hierbei hat von seinem Interessenkonflikt leiten lassen, dann werden wir das merken. Dann kann man merken, ob die Daten sinnvoll und vollständig erhoben wurden, geeignete Analyse- und Auswerteverfahren angewandt worden sind, die Schlussfolgerungen logisch sind oder ob die Deutung einseitig in eine Richtung geschoben wurde.

Außer natürlich, jemand lässt sich dazu hinreißen, Versuchsergebnisse einfach zu fälschen. Auch das gibt es. Wenn das nicht extrem dilettantisch gemacht wurde, werden wir das hier allerdings nicht merken, mit diesem Restrisiko müssen wir leben. Erst die Fachkollegen werden es dann über kurz oder lang aufdecken, wenn sich Ergebnisse beim besten Willen nicht so einstellen lassen, wie es der Autor beschrieben hat. Ob es dann Irrtum oder böser Wille war, wird sich dann vielleicht nicht zweifelsfrei klären lassen. Aber auf jeden Fall benötigt man zum Aufdecken einer Fälschung eine andere Qualifikation, als sie mir zur Verfügung steht.

Zum Abschluss:
Oben hatte ich postuliert, dass das Fachwissen eines Wissenschaftlers eigentlich nur von der Arbeit in einem entsprechenden Umfeld stammen kann. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, woher denn mein angebliches Fachwissen zur Homöopathie stammt. Wenn Sie die Angaben zu meiner Person betrachten, gibt es da ja nicht viele Anhaltspunkte. Eigentlich gar keine. Meine Antwort wird Sie vielleicht erstaunen:

Genau deshalb, weil ich noch nie als Mediziner oder Heilpraktiker, schon gar nicht als Homöopath gearbeitet habe, würde ich Ihnen antworten, bin ich kein Fachmann für Homöopathie. Ich habe keine Ahnung davon, wie man eine Anamnese führt, das passende Medikament bestimmt, den Erfolg kontrolliert. Nicht die Bohne. Daher schreibe ich auch gar nicht über Homöopathie.

Ich sehe mich als Fachmann für Physik, Datenanalyse, Versuchsauswertungen, wissenschaftliche Logik. Wie jedem richtigen Fachmann ist mir bewusst, dass mein Wissen auch Grenzen hat, dass ich mich selbst auf meinen Fachgebieten nur jeweils in Teilgebieten auskenne. Mit den genannten Gebieten habe ich mich lange Jahre in der Industrie in Forschung und Entwicklung und Qualitätsmanagement befasst. Darüber schreibe ich. Nicht über Homöopathie. Daher habe ich auch keinen Interessenkonflikt bezüglich der Homöopathie.

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2 Antworten zu Interessenkonflikte in wissenschaftlichen Studien zur Homöopathie

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