Antworten an einen Anhänger der Homöopathie

Vor ein paar Tagen erhielt ich auf einen älteren Artikel hier im Blog einen Kommentar eines offenbar überzeugten Homöopathen, der mir allerhand Unverständnis, Voreingenommenheit und überhaupt … vorgeworfen hat (Link). Andererseits liefert der Kommentar eine Übersicht über die grundlegenden Fehlinterpretationen und Missverständnisse, wie sie für viele Befürworter der Homöopathie typisch scheinen, wie man in jeder Diskussion zu diesem Thema erleben kann. Daher soll die Entgegnung als eigenständiger Blogbeitrag erscheinen, denn es wäre zu schade, wenn er nur als Kommentar auf einen alten Blogbeitrag ungelesen verschwinden würde.

Nein, es geht nicht um Christian J. Becker. Es ist sinnlos, mit jemandem zu diskutieren, dessen Verständnis von Logik derartig löchrig ist und der daher nicht merkt, wenn er argumentativ am Ende ist.

Der originale und ungekürzte Text des Kommentars ist hier in Blau dargestellt, meine Entgegnungen dazu in schwarzer Schrift.

Hallo,

Ihre negative Kritik der Homöopathie-Studie kennzeichnet sich durch Folgendes: „Könnte“, „Hätte“, „Würde“, „Scheint“…et cetera, et cetera…

Alle Punkte, die Sie aufführen, die eine angebliche Nicht AussageKraft in Richtung des Homöopathie-Erfolges nahelegen, gelten eins zu eins auch für die Ergebnisse der Placebo-Gruppe.

Ergo ist ihre negative Kritik an dem offensichtlichen und nicht weg zu „könnte, würde, scheint-Argumentieren“ Erfolg der Homöopathie wirklich nichts als „hohle Luft“.

Ihre Kritik ist nichts anderes als ein reines Vermuten und Rumrätseln ohne einen einzigen haltbaren Punkt.

In einer klinischen Studie zur Wirksamkeit eines Arzneimittels versucht man, die Bedingungen für die beiden Vergleichsgruppen, von denen die eine das Mittel, die andere ein Placebo bekommt, möglichst vergleichbar zu machen. Die Ausgangslage beider Gruppen sollte sowohl bei den demographischen Daten (Verteilung der Geschlechter, Alter etc.) als auch bei den Befunden vergleichbar sein. Gelingt dies, dann kann man unterschiedliche Ergebnisse beider Gruppen auf die Wirkung des Mittels zurückführen. Gelingt dies hingegen nicht, dann können auch andere Ursachen in Frage kommen – und der Nachweis ist nicht mehr gültig. Wobei man natürlich nicht genau sagen kann, ob das wirklich der Fall ist. Daher die Sprache im Konjunktiv, der die Möglichkeit ausdrückt, dass andere Einflüsse eine Rolle gespielt haben können. Was eine Widerlegung eines Nachweises ist.

Defacto haben insgesamt die Patienten der Homöopathie-Gruppe deutlich signifikantere Verbesserungen als die der Placebo-Gruppe erreicht.

Warum können Sie das Offensichtliche nicht akzeptieren?

Weil genau das, was Sie behaupten, nicht der Fall ist. In einigen der Bewertungskriterien war die Ausgangslage der Placebogruppe wesentlich besser als in der Homöopathiegruppe, so dass das Verbesserungspotenzial nicht gleich war. Beispiel:

Gelenksteifigkeit (Zeitdauer, je niedriger desto besser):
Homöopathie: Vorher 114,6, Nachher 73,8; Verbesserung: 40.8
Placebo: Vorher 80,2, Nachher: 72,3; Veränderung: 7,9

Wie ersichtlich, hat die Homöopathiegruppe durchaus eine größere Verbesserung erreicht, aber der Endpunkt war in beiden Gruppen der gleiche. Die Verbesserung in der Placebogruppe war deshalb geringer, weil die Ausgangslage günstiger war. Bei den Griffkräften lag die Homöopathiegruppe selbst nach der Behandlung noch deutlich unter dem Startwert der Placebogruppe:

Handkraft links (Kraft, je höher desto besser):
Homöopathie: Vorher 96,7, Nachher 112,7, Verbesserung 16,0
Placebo: Vorher 140,5, Nachher 151,4, Verbesserung 10,9

Handkraft rechts (Kraft, je höher desto besser):
Homöopathie: Vorher 104,3, Nachher 121,2, Verbesserung 16,9
Placebo: Vorher 147,4, Nachher 152,1, Verbesserung 4,7

Hinweis: Ein Studienergebnis ist signifikant (=wahrscheinlich kein Zufall) oder es ist es nicht. Wenn man von einem signifikanten Studienergebnis spricht, bezieht sich das nicht auf die Veränderungen bei den Patienten, sondern auf den Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

25 % aller Deutschen nehmen regelmäßig homöopathische Mittel ein, wenn sie krank sind.
Das heißt das 20 Millionen Menschen in Deutschland WISSEN + Erfahren, daß Homöopathie wirksam ist.

Üblicherweise sollte man Zahlenangaben mit Quellen belegen, damit der Leser diese überprüfen kann bzw. die Angabe beispielsweise zeitlich einordnen kann. Laut dem Statistik-Portal Statista waren es nämlich nur 10 %. Und wenn wir davon ausgehen, dass nur Personen über 18 Jahre aktive Therapieentscheidungen treffen, bleiben nur 7 Millionen Menschen übrig, die regelmäßig Homöopathika verwenden (Link). Zum Vergleich: 33 % der Deutschen glauben, dass Sternzeichen das Leben bestimmen (Link) , 20 Millionen Menschen in Deutschland rauchen (Link), etwa ein Drittel der Deutschen glaubt an Wahrsagerei (Link). 9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken zuviel Alkohol (Link). Sie sehen, dass es nicht unbedingt ein gutes Argument für die Wahrhaftigkeit einer Aussage ist, dass ein großer Prozentsatz von Menschen daran glaubt oder entsprechend handelt.

Glauben Sie wirklich, dass Millionen Menschen eigenes (!) Geld für etwas ausgeben, was keine Wirkung hat?

Natürlich. Die Statistik zur Homöopathie zeigt das ja. Aber auch ohne Zirkelschluss: Es gibt, wie oben beim Rauchen und beim Alkohol ersichtlich, sogar mehr Menschen, die Geld für etwas ausgeben, das ihnen schadet.

Das sind ein paar Fakten, die sowas von eindeutig sind im Gegensatz zu Ihrem wagen HerumVermuten.

Wie Sie sehen: Das waren keine Fakten. Ihre Zahlen sind falsch und die Schlussfolgerungen, die Sie daraus ziehen, ebenfalls.

Ganz ehrlich, Sie versuchen Ihrer Diskussion/Kritik an der Homöopathie-Studie einen „wissenschaftlichen“ Anstrich zu geben. Jedoch warten Sie mit keinem einzigen wirklichen Fakt auf, der bestätigen könnte, daß Homöopathie unwirksam sei.

Doch. Vielleicht nicht in jedem einzelnen Artikel in gleicher Weise:
(a) Es gibt kein gültiges Erklärungsmodell dafür, wie Homöopathika wirken könnten.
(b) Es gibt keine Nachweise dafür, dass die Homöopathie über Placebo hinausginge.
(c) Die Lehre weist eklatante innere Widersprüche auf.
Details dazu finden Sie vielfach hier auf meinem Blog und in den Webseiten des INH.

Es gibt inzwischen hunderte, wenn nicht tausende Studien, die eindeutig die Wirksamkeit der Homöopathie beweisen.

Das gibt es genau nicht. Alle systematischen Reviews, auch diejenigen von Mathie, einem Mitarbeiter des Homeopathy Research Institute, kommen zu dem Schluss, dass es keinen Nachweis dafür gäbe, dass die Homöopathie in irgendeinem Krankheitsbild wirksamer sei als Placebo. So auch die bislang umfangreichste Arbeit, die 2015 im Auftrag des Gesundheitsministeriums von Australien veröffentlicht wurde (Link).

Sie können ja gerne weiter der Illusion unterliegen, Homöpathie sei mehr oder weniger Glaubenssache oder vielleicht gar Scharlatanerie.
Dies hat mit der Wirklichkeit, die 20 Millionen Menschen allein in Deutschland erleben und erfahren (Wirksamkeit homöopatischer Mittel), nicht das Geringste zu tun.

Wobei die Frage offen ist, wer hier einer Illusion unterliegt. Sie nennen ja keinen einzigen nachprüfbaren Beleg für Ihre Behauptungen.

Ich selbst hingegen habe in 35 Jahren Arbeit als Therapeut in somatischen Krankenhäusern bei tausenden Patienten miterlebt, wie sich ihr Zustand unter allopathischen Medikamenten, wenn überhaupt, nur kurzfristig besserte in Richtung einer SymptomLinderung besser -Unterdrückung.

Von Heilung konnte gar keine Rede sein. Im Gegenteil.

Über viele Jahre konnte ich oft beobachten, wie sich der Zustand dieser Patienten mehr und mehr verschlechterte, da die schulmedizinischen Medikamente so oft durch ihre Nebenwirkungen (die übrigens KEINE „Neben“-Wirkungen sind, wie es so gerne verharmlosend heißt, sondern es sind genausolche Wirkungen, nur unerwünschte eben) alle möglichen Schädigungen in anderen Bereichen der Körper verursachten.

Hier machen Sie einen Fehler: Sie reduzieren die wissenschaftsbasierte Medizin auf die Gabe von Medikamenten, was vielleicht bei psychisch induzierten Leiden nicht der optimale Weg ist, und vergessen dabei, dass Psychiatrie und Psychotherapie ebenfalls Bestandteile dieser Medizin sind. Es gibt Facharztausbildungen dazu. Möglicherweise, da habe ich keinen Einblick, ist der Heilungserfolg tatsächlich eher mäßig, aber ist die Homöopathie da wirklich besser?

Die Allopathie hat, seit es sie gibt, niemals irgendeine Heilung verursacht.

Einzig und allein gelingt es mit ihr, die Symptome zu unterdrücken, eine scheinbare kurzzeitige „Verbesserung“ vorzugaukeln, die niemals nachhaltig ist, da die wirkliche Ursache des Symptoms ihr nicht bekannt ist, sie diese damit auch nicht berücksichtigt.

Entschuldigen Sie, aber das ist ausgemachter Unfug. Jeder Mensch, der etwas in die Jahre gekommen ist, hat Krankheiten durchlitten, die vor Jahrzehnten tödlich gewesen wären, und die dank der Medizin überwunden wurden. Bei mir waren das eine Blinddarmentzündung, eine Blutvergiftung, mehrere andere Infekte, ein schwerer Unfall. Von anderen Dingen, die auch zur Medizin gehören, gar nicht zu reden, etwa Brillen, Zahnbehandlungen und -ersatz etc.. In meinem Bekanntenkreis gibt es mehrere Personen, die eine Krebserkrankung überwunden und bislang 25 Jahre überlebt haben.

Der betreffende Körper will mit dem Symptom dem Menschen etwas signalisieren, nämlich, daß er in irgendeiner Form eben ungesund lebt.
„Bügele“ ich nun dieses Symptom mal eben mit einer Pille weg, so sucht der Körper (eigentlich unser Bewusstsein) eben einen neuen Weg, um seine wichtige Botschaft mitzuteilen.

Und das ist einfach Geschwurbel, in dem die Medizin wieder nur auf „Pillen“ reduziert und der Rest einfach ignoriert wird. Wer sind Sie, welche Expertise haben Sie, dass Sie die Erkenntnisse und Lehren aus den letzten 150 Jahren der Forschung und Entwicklung in der Medizin einfach so abbügeln können? Genau dieses Verhalten ist es, was aus unserer Sicht die Homöopathie so gefährlich macht, nämlich die Abwertung der Medizin und ihrer Errungenschaften. Auf diesem unguten Boden gedeihen dann Impfskepsis und Misstrauen gegenüber allem und jedem im Gesundheitswesen.

Das nennt die Schulmedizin in ihrer Unkenntnis tieferer Zusammenhänge dann einfach „Nebenwirkung“. Es handelt sich vielmehr eben um eine „Symptomverschiebung“

Der Körper und unser Bewußtsein lassen sich nämlich nicht belügen. So einfach ist das.

???

Sie (und viele andere Kritiker der Homöopathie) sprechen gerne von „Verdünnung“ bei homöopathischen Mitteln.
Dies zeigt sowas von offensichtlich, daß Sie das Prinzip der Homöopathie nicht im Geringsten verstehen oder erfassen.

Meines Wissens wird die Homöopathie zur Homöopathie aufgrund der Methode definiert, wie dem Patienten das Mittel verordnet wird.

Das wesentliche, und deshalb derartig wirksame Prinzip der Homöopathie, ist eben NICHT Verdünnung, sondern „Kristallisieren“ bzw. Potenzieren der Information/Seele eines UrsprungsStoffes, z.B. Mineral, Pflanze, Insekt etc.

… was wohl offensichtlich das ist, was durch das Verschütteln bewerkstelligt werden soll. Dabei ist Schütteln ein ganz alltäglicher Vorgang, der gewollt und ungewollt jeden Tag viele tausend Male stattfindet. Wenn dies tatsächlich irgendetwas wie „Kritsallisieren bzw. Potenzieren der Information/Seele“ bewirken würde, müsste man das auch anderenorts bereits festgestellt haben, außerhalb der Homöopathie.

In ein oder spätestens zwei Generationen werden die Menschen kopfschüttelnd und mit Befremden sehen, wie sich Menschen unserer Zeit bewußt oder unbewußt mit allopathischen Substanzen vergiftet haben, in dem Irrglauben etwas für ihre Gesundung zu tun.

Woher wollen Sie das wissen? Es könnte doch auch sein, dass man sich über Menschen wundert, die doch tatsächlich Verdunstungsrückstände von geschütteltem Wasser auf Zucker eingenommen haben, in dem Irrglauben, irgendetwas für Ihre Gesundung zu tun.

Schauen Sie sich doch die Schulmedizin an: alle paar Jahre wirft sie ihre eigenen „Erkenntnisse“, die mithilfe „eindeutiger“ Studien belegt wurden, über den Haufen, um dann zu sagen: wir machen das jetzt ganz, ganz anders, früher lagen wir falsch, aber jetzt wissen wir (und nur wir) es viel besser, weil nämlich „NEUERE“ Studien zeigen, daß es SO jetzt „richtig“ ist.
In ein paar Jahren später wiederholt sich das ganze perfide Spiel.

Sie haben von Wissenschaft und Forschung offenbar keine Ahnung. Es ist gerade das Wesen von einer wissenschaftlich fundierten Arbeitsweise, dass sich Wissen auch erneuert und Verfahrensweisen durch bessere ersetzt werden. Wie sieht es dagegen in der Homöopathie aus? Es gibt bald 30 verschiedene Richtungen, die sich untereinander oftmals widersprechen – aber offenbar alle gültig sind. Welchen Bestand an (Grundlagen-)Wissen hat die Homöopathie denn, das von allen Vertretern akzeptiert wird? Nichts. Alles ist Beliebigkeit, jeder darf sich ein neues Hirngespinst ausdenken und es Homöopathie nennen. Ganz offensichtlich hat es die Homöopathie noch nicht einmal zuwege gebracht, dass sie gute von weniger guten Verfahren und Vorgehensweisen unterscheiden kann. Und Sie werfen der Medizin tatsächlich vor, dass sie laufend neue Verfahren und Medikamente entwickelt und dann durch Vergleich das weniger Geeignete aussortiert?

Therapien wie Homöpathie, Akupunktur, TCM sind jahrhunderte und jahrtausende alt und in ihren Prinzipien gleich geblieben. Warum? Ganz einfach.
Sie sind WAHR & WIRKSAM. Eine Wahrheit bleibt eine Wahrheit, auch nach tausenden von Jahren.

Nein, nicht weil sie wahr und wirksam sind, sondern weil die Lehre des Meisters ein Dogma ist, das noch niemals einer Überprüfung unterzogen wurde. Wie auch, der Homöopathie fehlt es ja an aller Methodik, gut von schlecht zu unterscheiden.

Da muß ich nicht alle paar Jahre von Neuem behaupten: „JETZT“ weiß ich`s

Nein, das müssen Sie nicht. Sie haben ja einen Propheten, der vor 200 Jahren eine absolut fehlerfreie Lehre geschaffen haben soll, der aus dem Wissen seiner Zeit heraus mit sicherer Hand ohne Fehl und Tadel Dinge aufgeschrieben hat, die auch noch in ferner Zeit absoluten Bestand haben werden. Das hat nach ihm kein einziger Wissenschaftler mehr hingekriegt. Selbst Einstein hat sich in manchen Punkten geirrt.

Nur Hahnemann nicht. An was erinnert mich das?

Wissenschaft oder Religion?

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13 Kommentare zu Antworten an einen Anhänger der Homöopathie

  1. Jochen Jungehülsing sagt:

    Hallo Herr Aust,

    ich finde es bezeichnend und schon fast amüsant, wie Sie Ihre Ignoranz und Ablehnung einer wirksamen Therapie, der Homöopathie, immer wieder in absolut krude Vergleiche und eine bemerkenswerte Polemik kleiden.

    Dies zeigt, wie wenig Essentielles Sie wirklich vorzubringen haben.

    Sie und andere unwissende Kritiker werden mit ihren Veröffentlichungen niemals erreichen, was Sie offensichtlich bezwecken. Nämlich eine Verunglimpfung einer gesicherten Therapie, die zu erstaunlichen Heilungserfolgen kommt.

    Und dies auch bei Tieren und Babies, die ja nun offensichtlich nicht durch einen Placebo-Effekt beeinflusst werden können.

    Und nein, sie werden es auch nicht erreichen, daß weniger Menschen auf die Homöopathie vertrauen, weil eine zunehmende Anzahl am eigenen Körper merkt, daß Homöopathie wirkt.

    Sie werden auch nicht erreichen, daß Homöopathie überhaupt verschwindet, da können Sie und Ihre Mitstreiter gerne noch Jahre Ihres Lebens damit verbringen, weiter zu wettern.

    Sie gehören zu den Menschen, die strikt eine geistige Dimension und Wirklichkeit des Menschseins ablehnen, die alles, was sie nicht sehen oder anfassen können, für
    „nicht-wirklich“ erklären.

    Daher rührt nämlich ursprünglich Ihr Kampf gegen eine geniale Methode, die sich logischerweise (da mit Information heilend), ihrem materialistischen Weltbild und seinen damit begrenzten Untersuchungs-Methoden entzieht.

    In den achtziger Jahren wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in einer Medizinsendung folgender Versuch vor Millionen Fernsehzuschauern demonstriert.

    Dieser Versuch war vorher im universitären Bereich gemacht worden.

    Er fand unter Beobachtung und Kommentierung eines renommierten, habilitierten Mediziners statt.

    Dies war der Versuch:
    Ein Mäusedarm wurde in ein Reagenzglas mit destilliertem Wasser gehängt. Nun gab der Mediziner ein allopathisches, krampffördendes Mittel in das Wasser, in welchem der Mäusedarm hängt.

    Der Mäusedarn zog sich daraufhin sofort, verkrümmmend zusammen.

    Direkt danach wurde ein homöopathisches, krampflösendes Mittel in einer Potenz jenseits D30 in das Wasser getröpfelt (also keine Moleküle des Ursprungsstoffs mehr vorhanden – reine Information eben).

    Sofort entspannte, entkrampfte sich der Mäusedarm wieder, hing schlaff im Wasser, ohne Kontraktion, wie vorher.

    Der habilitierte Schulmediziner sagte daraufhin:
    „Wir wissen und sehen, daß Homöopathie wirkt. Für uns ist nun interessant und Inhalt zukünftiger Forschung, wo die Information(hom. Medikament), die ja nicht materieller Natur ist, am Körper/Mäusedarm ansetzt.“

    Sie können sicherlich in den Archiven des öffentlich rechtlichen Fernsehens diese Sendung noch finden.
    Abgesehen davon, ist dieser Versuch jederzeit wiederholbar.

    Kann ein Mäusedarm einem Placebo-Effekt unterliegen?

    Liebe Grüße

    • borstel sagt:

      Ernstlich? Haben Sie noch nie etwas von dem Placebo-by-proxy-Effekt gehört? Dann blättern Sie mal in diesem Blog, beim INH, der Homöopedia oder in Frau Grams‘ Buch nach. Und lassen sich erklären, was es damit auf sich hat, und weshalb die vorgebliche Wirkung der H. bei Säuglingen und Tieren keinen Beleg darstellt.

      Was ihren Mäusedarm angeht: Ich weiß nichts von solchen öffentlichen Demonstrationen (die ich auch nicht für einen guten Beleg halte, da sie mehr Jahrmarkt, als Labor sind), aber dieselben Versuche (jedoch mit Rattendarm) waren ein höchst peinliches PR-Desaster für die Leipziger Universität 2003:
      https://www.laborjournal.de/editorials/415.lasso
      https://www.gwup.org/infos/themen/77-komplementaer-und-alternativmedizin-cam/767-homoeopathieforschung-an-der-universitaet-leipzig-skeptiker-32005
      http://www.xy44.de/belladonna/versuche.htm

      Wenn Sie, Herr Jungehülsing, aus Angst, Ihr Weltbild zu erschüttern, sich nicht richtig informieren, dann ist das ziemlich traurig. Die Anekdoten, die Sie hier bringen, sind jedenfalls eine intellektuelle Beleidigung, die Anwürfe gegen Dr. Aust und mich (als „unwissenden Kritiker“) schlicht dumm.
      Und überhaupt, auch Anekdoten gehören durch Quellen belegt – graben Sie doch bitteschön diese Sendung aus dem öffentlichen Rundfunk, wenn es sie denn gibt, aus den Archiven aus.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Gemach, gemach, Herr Jungehülsing. Wenn Sie sich auf eine Diskussion zur Homöopathie einlassen, dann müssen Sie einfach damit rechnen, dass Ihre Argumente geprüft werden. Und gegebenenfalls zerpflückt. Darauf kann man natürlich mit persönlichen Angriffen reagieren, wesentlich überzeugender wäre es allerdings, wenn Sie die Gegenhaltung Ihrerseits entkräften würden. Durch passende Belege etwa.

      Wesentliche Dinge hat borstel ja schon ausgeführt. Vielleicht noch ein paar Anmerkungen:

      Warum sollen „Informationen“ nicht in ein materialistisches Weltbild passen? Unsere Welt erlebt ja gerade einen Boom der Informationstechnik. Dass dieses Konzept aber nicht zur Homöopathie passt, in diesem Fall nur eine leere Worthülse ist, können Sie hier nachlesen: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=3524

      Da Sie den Versuch mit dem Mäusedarm aus dem Gedächtnis zitieren, gehe ich davon aus, dass sie sich tatsächlich auf die Darstellung der Nieber/Süß – Arbeit im Fernsehen beziehen. Auch hier hat borstel Ihnen schon die einschlägigen Quellen genannt: Diese Ergebnisse sind Resultate fehlerhaften Vorgehens im Versuch.

      Aber: Selbst wenn wir annehmen, dass dieses Versuchsergebnis valide wäre – was es ja tatsächlich nicht ist, aber einfach einmal angenommen – was wäre damit bewiesen?

      Dass alle Homöopathika die Wirkung erzielen, die die Homöopathen ihnen zubilligen? Doch wohl ganz sicher nicht. Es wurde nur ein Mittel getestet und das Symptom „Entspannung der Darmmuskulatur“ steht, soweit ich erkennen kann, auch bei Belladonna nicht verzeichnet.
      Dass die Prinzipien der Homöopathie stimmen? Doch ganz gewiss nicht, oder ist mit der Ratte eine eingehende Anamnese durchgeführt worden, die ganzheitlich alle Aspekte, auch die geistige und seelische Verfassung in Betracht gezogen hat, bei der dann Belladonna als das Simillimum gefunden wurde? Wenn es das der Homöopathie zugrundeliegende Ähnlichkeitsprinzip tatsächlich gäbe, dürfte das Ergebnis nur bei wenigen Proben auftreten.
      Dass Homöopathie ohne Nebenwirkungen ist? Auch das nicht, denn da vermutlich eben keine Anamnese durchgeführt wurde, müsste man aus dem Ergebnis schließen, dass diese Entspannung immer auftritt. Wenn dies nicht die erwünschte Wirkung ist, weil man Belladonna für einen anderes Symptom anwenden wollte, wäre das eine Nebenwirkung. Eine ziemlich nachteilige dazu, würde ich sagen.
      Dass Homöopathie ja so sanft ist und ohne Tierversuche auskommt? Nun, lassen wir das.

      Quintessenz: Wenn es sich tatsächlich um valide Ergebnisse handeln würde, dann wäre dies ein Nachweis dafür, dass die Grundlagen der klassischen Homöopathie falsch sind.

      Auch frage ich mich, wie man es schafft, dass ein zuckender Darm aus einem Nagetier einen davon überzeugen kann, dass ein homöopathisches Mittel irgendeine ernsthafte Erkrankung heilen kann.

      • Joseph Kuhn sagt:

        „Auch frage ich mich, wie (…) ein zuckender Darm aus einem Nagetier einen davon überzeugen kann, dass ein homöopathisches Mittel irgendeine ernsthafte Erkrankung heilen kann.“

        Oder dass Wasser im Winter nicht mehr kalt wird? Die homöopathische Logik solcher „Nachweise“ lässt alles zu. Nur nicht, dass Globuli Krampf sind. In der Hinsicht ist der esoterische Fehlschluss wiederum sehr spezifisch.

  2. KJK sagt:

    Die Diskussion hier liest sich, als würde sie von den Homöopathie-Gegnern unter der Prämisse geführt, dass die Homöopathie der Schulmedizin oder Allopathie „gefährlich werden“ könnte, indem sie ihr Patienten „abjagt“. Demzufolge versuchen sie, die Homöopathie völlig zu verteufeln. Das ist m. E. der falsche Ansatz. Man sollte stattdessen untersuchen, ob die Homöopathie evtl. AUCH ihre Berechtigung haben kann. Die von Herrn Aust zitierten Studienergebnisse legen dies m. E. durchaus nahe, auch wenn er nicht ganz zu Unrecht methodische Mängel moniert. Damit lässt sich aber die Tatsache, dass z. B. die Verbesserung bei der Gelenksteifigkeit in absoluten Zahlen 5-mal so hoch war wie bei der Vergleichsgruppe, nicht einfach völlig vom Tisch wischen.

    Ich möchte mich dem Thema gar nicht von der wissenschaftlichen Seite nähern, da ich kein Mediziner, sondern „nur“ Patient, bin. Ich kann auch nicht die Wirkungsweise der Homöopathie erklären, sondern ich kann nur an meinem Beipiel schildern, dass und wie mir die Homöopathie bzw. im Speziellen EIN homöopathischer Wirkstoff geholfen hat. Dabei will ich ganz bestimmt nicht behaupten, dass die Homoöpathie prinzipiell besser als die Allopathie ist oder dass sie bei Allem und Jedem hilft. Meine feste, aus persönlicher Erfahrung gewonnene, Überzeugung ist nur, dass sie in bestimmten Fällen ihre Berechtigung hat und dass man ihr SPÄTESTENS dann eine Chance geben sollte, wenn die Allopathie keine Erfolge erzielen konnte.

    Damit Sie meine Aussagen besser einordnen können, möchte ich zunächst ein paar Worte zu meiner Person sagen: Ich bin Diplom-Mathematiker, habe die meiste Zeit meines bisherigen Berufslebens als Programmierer gearbeitet und gehe auf die 60 zu. Ich würde mich als Faktenmenschen bezeichnen, der sich in erster Linie von seinem Verstand und der Logik leiten lässt. Garantiert bin ich kein „Öko-Fuzzi“ oder „alternativer Spinner“ und ich habe keinerlei ideellen oder gar materiellen Vorteile davon, dass ich mich in irgendeiner Form positiv über die Homöopathie äußere.
    Meine einzige Motivation dafür ist der Gedanke, dass ich durch meine Erfahrungen evtl. ein paar Menschen davon überzeugen kann, der Homöopathie eine Chance zu geben, obwohl diese in der öffentlichen Meinung (so wie hier) häufig diskreditiert wird, und dass diese Menschen dadurch diese Chance evtl. ein besseres Leben haben können.

    Leider hat mein Körper vor einigen Jahren eine „Funktionsstörung“ entwickelt, die zwischenzeitlich eine sehr starke Belastung für mich war: Ich hatte sehr häufigen und plötzlichen Harndrang. Wenn es mir dann gelungen war, eine Toilette zu finden, war allerdings meistens die Dringlichkeit in Anbetracht der abgegebenen Urinmenge für mich nicht nachvollziehbar. Trotzdem kam es oft vor, dass sich meine Blase schon nach einer Viertel- oder halben Stunde wieder nachdrücklich meldete. Ich war gezwungen, Inkontinenzeinlagen zu verwenden, selbst diese reichten bei längeren Reisen teilweise nicht aus, sodass auch Beinbeutel zum Einsatz kommen mussten. Mein Leben wurde von der Suche nach der nächsten Toilette (oder wenigstens einer im wahrsten Sinne des Wortes „notdürftigen“ Ersatzlösung) bestimmt. Auch meine Nachtruhe war entsprechend stark beeinträchtigt, da ich in der Regel 4-5-mal pro Nacht Wasser lassen musste.

    Natürlich hatte ich mich kurz nach Auftreten meiner Beschwerden an einen Facharzt gewandt, der mit mir im Laufe der Zeit verschiedene Wirkstoffe und Medikamente ausprobierte. Leider machten die „Wirkstoffe“ ihrem Namen in keinem Fall Ehre, denn eine Wirkung konnte ich leider nicht feststellen. In meiner Not konsultierte ich weitere Fachärzte, die mir wieder dieselben Medikamente verschrieben, obwohl ich ihnen von deren Wirkungslosigkeit berichtet hatte. Ich ging zum Neurologen, unterzog mich MRT und CT, ließ mich ambulant und stationär in verschiedenen Kliniken, darunter auch eine hochrenommierte Universitätsklinik, untersuchen – eine Ursache für meine Beschwerden – oder auch „nur“ eine Therapie – konnte nicht gefunden werden.

    Eines Tages schlug meine damalige Hausärztin, die nicht ausschließlich „Schulmedizinerin“, sondern auch Homöopathin, war, vor, es einmal mit dieser Therapiemethode zu versuchen. Da ich nichts zu verlieren hatte und nicht so vermessen bin, etwas grundsätzlich abzulehnen, nur weil ich es nicht verstehe (ich verstehe z. B. auch die Relativitätstheorie bestenfalls bruchstückhaft), stimmte ich dem Vorschlag zu, obwohl ich etwas skeptisch war.
    Meine Hausärztin führte daraufhin ein ausführliches Analysegespräch mit mir, durch das sie auch bestimmte Charaktereigenschaften von mir ermitteln wollte. Auf Basis dieser Ergebnisse forschte sie in ihrer Literatur nach einem geeigneten Wirkstoff und präsentierte mir nach einigen Tagen ein Ergebnis, von dem sie meinte, dass es passen und sich ein Versuch damit lohnen könnte. Zuvor musste ich jedoch meinen Körper mit Sulfur entgiften, damit das eigentliche Mittel auch seine Wirkung entfalten konnte – und zwar so lange, bis ich keine Wirkung mehr durch die Einnahme von Sulfur verspürte. Ich muss gestehen, dass mir die Bestimmung dieses Zeitpunkts etwas Schwierigkeiten bereitete, da ich die Bedingung als etwas diffus empfand. Nach 3 oder 4 Gaben von Sulfur (im IIRC täglichen Abstand) hatte ich aber den Eindruck, dass es so weit sei.
    Ich begann daraufhin mit der Einnahme des von ihr vorgeschlagenen Mittels in der Potenz C30 – jeweils 5 Globuli. Da dies mittlerweile einige Jahre her ist, weiß ich nicht mehr genau, in welchen Abständen ich das Mittel in der Anfangszeit nahm. Ich weiß nur noch, dass ich es in den ganzen Jahren nie häufiger als einmal am Tag genommen habe. BTW: Den Namen des Mittels nenne ich hier ganz bewusst nicht, damit niemand mit ähnlichen Beschwerden auf die Idee kommt, es ohne ausführliche Anamnese auch einfach auszuprobieren.
    Nach relativ kurzer Zeit stellte ich – ohne das bewusst zu beobachten – fest, dass mein Harndrang seltener auftrat. Mir fiel einfach auf, dass ich für meine Verhältnisse schon relativ lange nicht mehr auf die Toilette rennen musste. Auch meine Nachtruhe verbesserte sich signifikant, da ich nur noch 1-2-mal auf zum WC musste und in Einzelfällen sogar wieder durchschlief. Wenn ich bemerkte, dass sich die Probleme doch wieder verstärkten und meine Blase sich wieder hartnäckiger meldete, nahm ich wiederum 5 Globuli ein. Das war zwischenzeitlich meist nach ungefähr einer Woche der Fall. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass diese Auffrischungsgaben nicht mehr so wirkten wie zu Beginn und auf Empfehlung meiner Ärztin nahm ich eine höhere Potenz ein: Zunächst C100, dann C200 und C1000 und zum Schluss sogar XMK (C10000).
    Auf diesem Level hatte ich irgendwann den Eindruck, dass ich bei einer Auffrischung überdosiert hatte: Es traten Beschwerden auf – ein Druckgefühl im Unterleib -, die ich sonst nur von einer Blasenentzündung kannte. Ich reduzierte daher die Potenzen wieder sukzessive bis auf C30.. Die Abstände, in denen eine Auffrischung erforderlich war, wurden auch immer größer. Es vergingen zwischenzeitlich Wochen oder gar Monate, bis ich den Eindruck hatte, dass die Wirkung signifikant nachließ. Von den Beinbeuteln hatte ich mich zum Glück schon längst wieder verabschieden können, die kaum störenden Einlagen verwendete ich jedoch sicherheitshalber nach wie vor. Dass ich in dem gesamten Zeitraum meine konventionelle Medikation nicht verändert habe, brauche ich wohl nicht gesondert zu erwähnen.

    Zur Bewahrung der Wirkung des homöopathischen Mittels sollte ich übrigens auf ätherische Öle verzichten, was für mich insbesondere bedeutete, eine homöopathieverträgliche Zahnpasta zu verwenden.
    Nachdem ich 2 oder 3 Jahre wieder ein „fast normales Leben“ ohne Beeinträchtigungen durch meine Blase verbracht hatte – sogar ohne Auffrischungsgaben meines Homöopathikums -, bekam ich Zahnschmerzen. Mein Zahnarzt diagnostizierte, dass mein Zahnschmelz gelitten hatte und empfahl mir die Verwendung einer Zahncreme, die diesen wieder aufbaut. Meine Frage, ob es auch homöopathieverträgliche Cremes mit dieser Funktion gibt, konnte er mir leider nicht beantworten. Ich hatte auch den Eindruck, dass er sie für nicht wirklich relevant hielt. Nachdem ich eine solche Creme ein paar Monate verwendet hatte, meldeten sich aber „prompt“ meine alten Beschwerden wieder und wurden innerhalb relativ kurzer Zeit wieder so massiv, dass die Einlagen an manchen Tagen an ihre Belastungsgrenze stießen. Zum Glück konnte ich den Problemen durch den erneuten Einsatz „meines“ Homöopathikums – mit ähnlichem Verlauf wie beim ersten Mal – erneut erfolgreich entgegentreten, wobei ich die Zahncreme natürlich wieder austauschte. Zwar muss ich derzeit noch wieder etwa wöchentlich mit C1000 auffrischen, aber die Tendenz ist schon wieder eindeutig positiv, was ganz klar auch wieder an der verbesserten Qualität meiner Nachtruhe erkennbar ist. Während ich zwischenzeitlich manchmal bereits nach weniger als 1 Stunde, nachdem ich zu Bett gegangen war, wieder „´raus musste“, ist dies jetzt meist wieder erst gegen Morgen der Fall, und es bleibt dann bei dem einen Mal. Selbst wenn es sich nicht wieder noch weiter verbessern sollte, könnte ich „damit leben“.

    Da (nicht nur für mich als Mathematiker) eine absolute (grundsätzliche) Aussage dann falsch ist, wenn es mindestens ein Gegenbeispiel gibt, steht für mich fest: Wer der Homöopathie (aus welchen Gründen auch immer) jegliche Wirksamkeit abspricht und damit das gesamte Potential dieses Heilverfahrens ungenutzt lässt, weiß es im besten Fall bedauerlicherweise einfach nicht besser. Im schlimmsten Fall ist er ein bornierter Ignorant.

    Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner damaligen Hausärztin, Frau Doktor E. K., bedanken, die durch ihre sorgfältige Anamnese dafür gesorgt hat, dass ich über Jahre hinweg ein nahezu beschwerdefreies Leben führen konnte und die sich dadurch nachhaltig um meine Lebensqualität verdient gemacht hat. Sie praktiziert mittlerweile (wohl zum Bedauern all ihrer ehemaligen Patienten) nicht mehr und ist weit weg in ihre ursprüngliche Heimat gezogen. Ich wünsche ihr alles Gute für ihren wohlverdienten Ruhestand!

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Hallo KJK,
      ich möchte zu ein paar Aspekten Ihres ausführlichen Kommentars Stellung nehmen, in denen Sie aus meiner Sicht Irrtümern unterliegen:

      (1) Das Motiv der Homöopathie-Kritiker ist sicher nicht darin zu suchen, dass die Homöopathie der wissenschaftsbasierten Medizin die Patienten „abjagt“. Die Grundlage eines unserer Motive tritt Sie im obigen Artikel deutlich zutage: Die Hinwendung zur Homöopathie hat häufig eine generelle Abkehr von der wissenschaftsbasierten Medizin zur Folge, was für unsere Gesellschaft keine vorteilhafte Entwicklung ist, denken Sie etwa an die zunehmende Ablehnung des Impfens. Oder an die Dauermedikamentierung auch bei banalsten Beschwerden, was sicher auf lange Sicht zu Abhängigkeiten und suchtartigen Gewohnheiten führen kann.

      (2) Ich kann nicht verstehen, warum man einer Therapieform, die nach allem, was wir wissen, nicht wirksam sein kann, in irgendeiner Situation „eine Chance“ geben soll. Homöopathika können nicht wirken, da sie keinen Wirkstoff enthalten. Würden Sie einem fliegenden Teppich eine Chance geben, wenn Flugzeuge nicht fliegen? Würden Sie einem Zauberspruch vertrauen, wenn die Bremsen Ihres Autos nicht funktionieren? Wenn Sie daran glauben, dass durch das Schütteln bei der Herstellung der Präparate das Fehlen des Wirkstoffes kompensiert werden kann, dann sollten Sie in Zukunft Ihre Getränke sehr, sehr vorsichtig nach Hause tragen. Vielleicht sollten Sie auch ganz darauf verzichten, denn diese sind ja auf dem Transport sicher stark geschüttelt worden. Man mag sich gar nicht vorstellen, was da alles hätte verstärkt werden können.

      (3) Es ist zwar richtig, dass eine allgemeine Behauptung dann widerlegt ist, wenn ein Gegenbeispiel vorgelegt werden kann. Nur: Ist Ihr Fall dieses Gegenbeispiel? Davon könnte man nur ausgehen, wenn tatsächlich zweifelsfrei feststünde, dass es das homöopathische Mittel war, dass auf pharmakologischem Wege die Besserung Ihres Befindens ausgelöst hätte. Ist das der Fall? Ich will und kann Ihren Fall hier nicht diskutieren, dazu fehlt mir die Sachkenntnis. Ich könnte Ihnen pauschal auch einfach einen Post-hoc-ergo-propter-hoc Fehlschluss vorwerfen. Stattdessen will ich nur ein paar zu bedenkende Aspekte aufzählen, die auszuschließen wären:
      (a) Sie haben nur die Gegebenheiten geschildert, die aus Ihrer Sicht gegen die wissenschaftsbasierte Medizin und für die Homöopathie sprechen. Da diese Ihre Ansicht bestärken, haben Sie diese auch in Ihrer Erinnerung parat. Irgendwelche anderen Ereignisse oder Veränderungen Ihrer Lebensbedingungen oder des Umfeldes, die Sie nicht mit dem von Ihnen erlebten Verlauf in Verbindung bringen, haben Sie sehr wahrscheinlich vergessen. Hinweis: Erinnerung ist überhaupt kein zuverlässiger Speicher für Fakten oder für zeitliche Abfolgen und Zeitdauern. Dies hat ein Spiegel-Artikel vor einiger Zeit einmal sehr gut aufgearbeitet. (Spiegel 1/2016, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-140750217.html).
      (b) Sofern Ihr Problem eine psychische Dimension haben kann, wäre es sehr gut möglich, dass sie stark auf einen Kontexteffekt reagieren. Panik, wenn das Mittel nicht verfügbar war, Beruhigung, wenn doch. Ähnlich die Unsicherheit hinsichtlich der möglichen Auswirkungen der Zahncreme. Auch ein „Faktenmensch“ wird in erheblichem Maße von seinem Unterbewusstsein gesteuert. Das ist nur für Menschen mit rationalem Hintegrund, beispielsweise Mathematiker und Ingenieure, nicht immer ganz leicht zu akzeptieren.
      (c) Es könnte sich um einen Spontanverlauf handeln, der sich von selbst einigermaßen unabhängig von der Einnahme der Mittel ereignet hat. Der Erfolg wird als Folge der zuletzt ergriffenen Maßnahme erlebt, die bei Ihnen zufällig nun die Einnahme des Homöopathikums war. Die Sache mit der Zahncreme haben Sie sich gemerkt, weil sie wieder in Ihr Bild passte. Andere Ereignisse, bei denen Sie entweder ähnlichen ätherischen Ölen ausgesetzt waren, die ohne Folgen blieben oder bei denen die vermeintliche Wirkung nachließ, ohne mit solchen Stoffen in Verbindung zu stehen, hätten Sie vermutlich vergessen. Hinweis: Nicht nur Zahnpasta hätte nach der homöopathischen Lehre das Potenzial, die Wirksamkeit zu beeinflussen, sondern alle Mittel, bei denen prinzipiell arzneiliche Wirkungen möglich sind – und das sind nach homöopathischer Lehre einfach alle Stoffe, die es auf der Erde gibt. Aber zumindest Kaffee, Tee, rohes Obst und Gemüse, Gewürze, Aromen etc. etc. wären genauso „gefährlich“ wie Ihre Zahnpasta.

      Mit diesen Möglichkeiten will ich es bewenden lassen. Dies soll genügen, um die Problematik aufzuzeigen, aus Ihrem Fall auf die Wirksamkeit des Homöopathikums zu schließen und damit das Gegenbeispiel zu liefern. Es bleiben zwei Dinge auf jeden Fall bestehen: Es gibt kein auch nur halbwegs plausibles Modell, die Wirksamkeit der Homöopathie im Rahmen der Naturwissenschaften zu erklären, was auch beinhalten müsste, warum dergleichen Effekte außerhalb der Homöopathie bislang nicht beobachtet wurden. In Übereinstimmung damit liegen auch keinerlei belastbare Nachweise dafür vor, dass die Homöopathie besser wirken würde als Placebo. Als drittes Argument mögen die vielen Widersprüche gelten, die es innerhalb der Homöopathie gibt, die diese zu einer Irrlehre machen.

      • Michael Fischer sagt:

        „Panik, wenn das Mittel nicht verfügbar war, Beruhigung, wenn doch.“ …
        wie bei einer guten Bekannten von mir: Wir sitzen im Waldbiergarten, sie nimmt einen bestimmten Geruch wahr und beginnt sofort hektisch nach ihren Globuli zu suchen, um der ansonsten auftretenden allergischen Reaktion vorzubeugen.

        Wogegen sei sie denn allergisch? Tja, der Allergietest beim Arzt war negativ ausgefallen. Daher müsse es sich natürlich um eine sehr seltene Allergie handeln, gegen die einzig und allein Aspis Dingsbums hilft.

    • borstel sagt:

      Sehr geehrter Herr KJK,

      vielen Dank für Ihren offenherzigen Bericht. Zur Frage, was denn in der Homöopathie wirkt, wenn es denn nicht die Globuli sind, wurde ja hier, beim INH, in den Büchern von Frau Grams, bei der GWUP usw. genug gesagt.

      Was ich aber aufgreifen will, ist Ihre Behauptung, es gehe den Homöopathiekritikern um die Sorge, der Schulmedizin würden Patienten abgejagt. Ich sehe das aus meiner beruflichen Erfahrung anders: Es handelt sich dabei um ein heterogenes Klientel, welches von Komplementäranwendern der Homöopathie bis hin zu bedingungslosen Ablehnern der Schulmedizin reicht. Erstere werden im Normalfall auch schulmedizinische Therapien akzeptieren, letztere sind von Schulmedizinern nicht zu erreichen. Abgesehen davon: Angesichts der vielen überflüssigen Arztbesuche in Deutschland wäre es ja geradezu wünschenswert, wenn ein paar Menschen weniger zum Arzt gingen.

      Um aus dem Nähkästchen zu plaudern: Wenn meine Patienten Homöopathika anwenden wollen, bitte. Wichtig ist mir vor allem die Therapietreue in Bezug auf die tatsächlich spezifisch wirkenden Verfahren und Medikamente. In meiner speziellen Fachrichtung ist es allerdings auch so, daß ich es mit sehr kranken Menschen zu tun habe, für die die Homöopathie allenfalls ergänzend (d.h. den Placeboeffekt nutzend, die Selbstwirksamkeit stärkend), aber ganz bestimmt nicht alternativ zur Geltung kommen kann. Insofern sehe ich da keine Konkurrenz. Und wenn jemand meine Therapievorschläge ablehnt und einen anderen Behandler aufsucht: Dann ist das so, nennt sich Patientenautonomie. Mit den Konsequenzen muß schließlich nicht ich leben, sondern der Patient…

      Aber letztlich geht dies am Thema vorbei! Uns ist es, bei aller Kritik, weitestgehend wurst, ob Menschen ihre Globuli im Wasserglas mit einem Plastiklöffel verkleppern oder als teure, exklusive Süßung für den Morgenkaffee verwenden. Wir werden einem Arzt weder verbieten können noch wollen, Homöopathie anzuwenden. Aber wir wollen eine vorurteilslose (!!) Aufklärung der Patienten, wir wollen, dass Homöopathika entweder wie jedes andere Medikament einem Zulassungsverfahren unterliegen müssen, oder aber ihren Status verlieren (dann können sie gerne, sofern sie keine gefährlichen Inhaltsstoffe in nachweisbarer Menge enthalten, in der Süßwarenabteilung feilgeboten werden), und nicht zuletzt fordern wir, daß Krankenkassen dies als Satzungsleistung nicht anbieten sollen, und die Ärztekammern Homöopathie aus den WBOn streichen.

  3. Joseph Kuhn sagt:

    Der Kommentar hat in der Tat typische, immer wieder vorgebrachte Irrtümer versammelt, daher ist die ausführliche Replik für Leute, die nach Antworten suchen, hilfreich, auch wenn man den Kommentator selbst damit wohl nicht erreicht.

    Den Vergleich mit den Rauchern und Alkoholkonsumenten finde ich sehr treffend.

  4. Vincent sagt:

    Eine gute Replik, ein Punkt ist jedoch vielleicht nicht so gut gewählt:
    Rauchen und saufen machen die Leute ja nicht einfach so, sondern weil die -vermeintlich positiven- Effekte ja unmittelbar und messbar zu spüren sind (Rausch, Genuss, Wohlbefinden), während die gesundheitlichen Risiken nur irgendwo in der Ferne unter bestimmten Voraussetzungen dräuen.
    So wird aus diesem irrational anmutenden Verhalten wieder ein fakultativ rationales und ist daher in diesem Kontext nicht das beste Beispiel.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Ich finde doch. Auch Menschen, die sich Homöopathika regelmäßig einwerfen, erreichen damit einen gewissen subjektiven Wohlfühleffekt. Aber: Das Argument war „Viele tun es bzw. glauben daran – also ist es gut und richtig“ und dies kann aus meiner Sicht durchaus mit Hinweis auf Alkohol- und Nikotinmissbrauch entkräftet werden – auch wenn man die Analogie nicht zu weit verfolgen sollte.

  5. Volker sagt:

    Sehr anschaulicher Blogeintrag! Vielen Dank für Ihre unermüdlichen Ausführungen, die m.M. nach den Nagel auf den Kopf treffen!

  6. Pingback: Argumentationstraining in Sachen Homöopathie | gwup | die skeptiker

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