Homöopathischer Arzt zum Münsteraner Memorandum

Vor einiger Zeit hatte ich hier auf diesem Blog zum Münsteraner Memorandum Homöopathie berichtet (hier). Der Ärztetag hat inzwischen  die Musterweiterbildungsordnung verabschiedet und dabei die Zusatzbezeichnung Homöopathie anscheinend nicht diskutiert.
In der Folge hat Dr. Hümmer den Beitrag kommentiert und seine Argumente gegen das Münsteraner Memorandum dargelegt. Dieser längere Kommentar wird hier ausführlich besprochen. Der Originaltext des Kommentars ist in schwarzer Normalschrift, meine Antworten sind kursiv, eingerückt und in blau wiedergegeben.

Man beachte auch die bisher eingegangenen Antworten von Joseph Kuhn (hier) und borstel (hier) und die Antwort von Herrn Dr. Hümmer hierzu (hier).

Münsteraner Memorandum Homöopathie
Argumente gegen die im Memorandum vorgebrachten Gründe für die beantragte Streichung der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ (von Dr. Heinrich Hümmer)

1. Einführung:
Begründung:„Die Homöopathie ist eine unwissenschaftliche Heilslehre. Homöopathischen Arzneien liegen….in so starker Verdünnung vor, dass es vollkommen unerheblich ist, welche Einzelsubstanz, welche Pflanze oder welches Tier als Ausgangsmaterial verwendet wird.“Diese Argumentation geht von dem geradezu mittelalterlichen Wissenschaftsverständnis aus, dass es nur eine Materie-gebunde Wirkung geben könne; Schwingungs-und Resonanzeffekte, elektomagnetische Wellen und viele in der Physik bekannte, (mögliche homöopathische) Effekte jenseits der Materie werden negiert; die Physik ist sich im übrigen einig darüber, dass Materie nur verdichtete Welle ist;

Sie werfen Wissenschaftsverständnis und Stand der Wissenschaft offenbar durcheinander. Wissenschaftsverständnis bezieht sich auf die Art und Weise, wie Wissenschaft betrieben wird. Das hat sich in den letzten hundert Jahren erheblich gewandelt, die Homöopathie ist hier jedoch auf einem recht frühen Stand stehengeblieben. Ziel jeder Wissenschaft ist ein in sich schlüssiges und widerspruchsfreies Wissen. Wo Widersprüche auftauchen, werden sie mit wissenschaftlicher Methodik ausgeräumt, indem man forscht und damit klärt, welche Sichtweise die Realität besser abbildet. Auf diese Weise werden die Unstimmigkeiten beseitigt. Homöopathen scheint es hingegen nicht zu stören, dass ihre Lehre voller Widersprüche ist.

Das moderne Stand des Wissens in der Physik geht davon aus, dass es nur vier Grundkräfte gibt, von denen nur zwei außerhalb der Atome eine Rolle spielen: Elektromagnetismus und Gravitation. Beide sind an Materie gebunden. Können Sie in jedem Physikbuch nachlesen. Schwingungen, Resonanzen und elektromagnetische Wellen sind ebenfalls an Materie gebunden. Wenn Sie das nicht glauben, entfernen Sie aus Ihrem Handy einmal die Antenne und schauen dann, was mit den elektromagnetischen Wellen passiert.

Und selbst wenn man Materie als „verdichtete Welle“ auffasst – eine eigenwillige Interpretation der Quantenmechanik – dann scheint doch eine Verdichtung erforderlich zu sein, die bei den homöopathischen Präparaten offensichtlich fehlt. Oder können Sie Wellen einnehmen? Kann der Organismus Wellen verstoffwechseln?

s. Prof. Walach (in seinem Blog http://www.homöopathie-forschung.info):“Die Implausibilität der Homöopathie als Argument für die Beendigung der Auseinandersetzung mit ihr zu verwenden ist zutiefst unhistorisch und in der Sache unwissenschaftlich.“
s. Walach: „Ist es zulässig, ein Phänomen, nur weil es noch nicht verstanden ist und wir es nicht in unser Weltbild einbauen können, zu bannen und als prinzipiell undenkbar zu brandmarken?“

Walach ist nun nicht gerade DER Gewährsmann, der sich mit hoher Kompetenz zur Physik äußern könnte. Ich empfehle Ihnen für den Einstieg eher Lambeck,M: Irrt die Physik?.

Außerdem versteht Walach unsere Argumentation (bewusst?) falsch: Wir „brandmarken“ keine Lehre oder „bannen“ sie, sondern weisen darauf hin, dass die pharmazeutische Wirksamkeit der Homöopathie auch nicht näherungsweise erklärt werden kann, ohne in deutlichem Widerspruch zu sicheren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu kommen, und dass es auch keine belastbaren Nachweise einer Wirkung gibt.  Man beseitige einen der beiden Vorbehalte, indem man entsprechende Angaben bzw. Daten liefert – und schon ändert sich die Position der Kritiker. Allerdings sollte es schon so sein, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Belege auf einem Fehler beruhen, deutlich geringer ist als dafür, dass die bisherige Physik falsch ist.

„Unwirksame Verfahren und Placebos sind mit ärztlicher Ethik nicht vereinbar“
s. Walach: Reanalyse der Meta-Analyse v. Shang et al.und Meta-Analyse von Mathie

Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

2. „Die Homöopathie widerspricht sicheren wissenschaftlichen Erkenntnissen“
Was sind und wie definieren sich sichere wissenschaftliche Erkenntnisse? Welche blinde Arroganz maßt sich an, die sicheren wissenschaftlichen Erkenntnisse zu besitzen?

Ich kann nicht ganz nachvollziehen, worin eine Arroganz liegen soll, wenn man widerspruchsfreies und durch experimentelle Forschung als zutreffend belegtes Wissen als „sicher“ bezeichnet. Was übrigens nicht unbedingt als „jetzt und für alle Zeit absolut richtig“ bedeutet, sondern als die gegenwärtig bestmögliche Annäherung an die Wirklichkeit zu verstehen ist.

Die von Joseph Kuhn angesprochene Frage, wie arrogant es denn ist, sich über wissenschaftliche Gepflogenheiten hinwegzusetzen, die Beurteilungen höchster wissenschaftlicher Institutionen als fehlerhaft und dilletantisch abzuwerten und das eigene Empfinden zum Maß aller Dinge zu machen, sei hier wiederholt.

2.1.1. Verdünnen:„Selbst die stärksten Gifte müssen in einer gewissen Mindestkonzentration eingenommen werden, um im Organismus in so nennenswerten Mengen an die Zielorte zu gelangen“
sämtliche gleichartige Prämissen gelten nur für die ausschließliche Masse-Wirkungs-Implikation

Es ist einfach so: Ohne Wirkstoff wirkt nichts. Die Homöopathen behaupten ja selbst, dass die Wirkung ihrer Präparate von der (meist herausverdünnten) Urtinktur (das ist Materie) abhängt. Wenn diese am Anfang des Prozesses nicht vorhanden wäre, der Hersteller vielleicht nur an die Urtinktur denkt oder so, dann sind die Präparate doch auch nach homöopathischer Sicht unwirksam, oder? Übrigens: Wieso muss man denn die Globuli kaufen und einnehmen, wenn die Wirkung nicht von „Materie“ abhängt? Dass es gewisse Kontexteffekte geben kann, stellen wir übrigens nicht in Abrede.

2.1.2. Reiben und Schütteln:„Immaterielle Heilinformation…Die Wasserforschung zeigt jedoch unzweifelhaft, dass sich Flüssigkeiten auch im atomaren Bereich viel zu dynamisch verhalten, um irgendeine Information speichern zu können…“
Niemand in der Homöopathie-Forschung postuliert ausschließlich das „Wassergedächtnis“ als Informationsüberträger. Wie die moderne Physik uns lehrt, existieren viele weitere potentielle Möglichkeiten der Informationsübertragung jenseits der Materie-Ebene

Auch die anderen Modelle (Informationsübertagung, Imprints oder Nanopartikel) sind keine tragfähigen Modelle. Die moderne Physik lehrt eben genau nicht, dass es viele weitere Möglichkeiten der Übertragung jenseits der Materie gibt. Ich empfehle Ihnen hier wieder, einmal Lambeck, „Irrt die Physik?“ als leicht verständliche Einführung zu lesen und bei Bedarf auf die dort aufgeführte tiefergehende Fachliteratur zurückzugreifen.

2.2. Simile-Prinzip: „Für dieses sogenannte Simile-Prinzip gibt es keinerlei belastbare Hinweise.“
Die Beweise liegen in Form von placebokontrollierten Studien vor, die signifikant positive Ergebnisse nach Anwendung der Simile-Regel zeigen

Da wäre ich auf Ihre Quellen gespannt. Meines Wissens ist noch nie überprüft worden, ob nach dem Simile-Prinzip verordnete Mittel genau die Effekte hervorrufen, die die Homöpathen ihnen zuschreiben. Aber wenn Sie Quellen wissen, lassen Sie mich an Ihrem Wissen teilhaben.

„Signifikant positive Ergebnisse“ bedeutet übrigens nicht, dass diese eine substanzielle Effektstärke aufweisen, oder dass die Wirkungen auch die sind, die den Mitteln seitens der Homöopathie zugeschrieben werden. Ebensowenig, dass die Studien richtig durchgeführt wurden, geeignete Beurteilungskriterien und Messverfahren angewandt wurden und vieles mehr. Man ignoriert bei der Homöopathie meist auch den Fakt, dass es mehr Studien gibt, die einer Wirksamkeit über Placebo hinaus widersprechen. Wie übrigens alle bekannten systematischen Übersichtsarbeiten. Aber da kommen wir noch drauf.

„Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Homöopathen ausgerechnet Impfungen meist kritisch sehen“
Dieses in einen Topf werfen von Homöopathen und Impfgegnern ist eine unzulässige Polemik. Impfgegner gibt es in allen Fakultäten, ohne dass diese in derartiger Weise diskreditiert werden. „Bemerkenswert“ in diesem Zusammenhang übrigens die auffallend geringe Grippe-Impfquote bei Ärzten..

Wo ist hier ausgesagt, dass generell Homöopathen und Impfgegener in einen Topf geworfen werden? Übrigens korreliert eine skeptische Haltung zum Impfen tatsächlich mit einer positiven Haltung zur Homöopathie (Link)

– und für die angeblich niedrige Impfrate bei Ärzten haben Sie doch sicher einen Beleg, oder?

2.3.1. Verunreinigungen: „…Bei jeder Arzneimittelherstellung müßte also auch die Heilkraft von Blei freigesetzt und potenziert werden – neben den Heilkräften aller anderen Verunreinigungen.“
möglicherweise ist dies auch so, die individuelle Zusammensetzung und der jeweilige Anteil der Substanzen dürfte jedoch (ebenso wie z.B. bei Heilquellen) entscheidend sein für die differenzierte Wirkung.

Ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass, wenn die Mittel (gezielt) individuell unterschiedlich zusammengesetzt wären, dann eine (gezielt einsetzbare) spezifische Wirkung zumindest nicht ausgeschlossen wäre. Aber das sind sie nicht. Rechnen Sie mal: Tausend Tonnen Globuli in D12, also noch in recht niedriger Potenz, bestehen aus 996 Tonnen Zucker, knapp vier Tonnen Verunreinigungen des Zuckers, den Verdunstungsrückständen von 10.000 Litern Lösungsmittel, das wären 100 Gramm und 0,01 Milligramm Material aus der Urtinktur. Das fällt gegenüber den vier Tonnen zufälliger Begleitstoffe wirklich ins Gewicht und macht einen fühlbaren Unterschied?

Wenn Sie allerdings überzeugt sind, dass Homöopathika individuell zusammengesetzt sind, dann bewerben Sie sich doch bei unserer Challenge, bei der wir 50.000,- Euro für denjenigen ausschreiben, der Homöopathika in Hochpotenz unterscheiden kann (Link zum Vortragsvideo, und zur Webseite).

2.3.2. Arzneimittelprüfung an Gesunden und ihre offensichtlichen Widersprüche (unverblindet, subjektive Prüfer, Fehldeutungen)
Diese ist in der Tat eine unübersehbare Schwachstelle im Hahnemannschen Dogmen-Gebäude und damit in der homöopathischen Lehre und bedarf auf Seiten der Homöopathen zumindest einer Überprüfung auf uneingeschränkte Gültigkeit und Aussagekraft

Ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass dies eine Schwachstelle ist. Die betrifft allerdings den zentralen Dreh- und Angelpunkt Ihrer Therapie. Hier sollte man doch ein gewisses Maß an Belastbarkeit erwarten, wenn man glauben soll, dass der Therapeut zielgerichtet vorgeht und dafür sein Werkzeug geeignet ist. Die aus den Arzneimittelprüfungen hervorgegangenen Materiae medicae sind nichts weiter als Manifestationen vieler Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschlüsse.

Allerdings teile ich die Auffassung nicht, wonach dies eine einzelne Schwachstelle der homöopathischen Lehre sei. Vielmehr ist die Homöopathie voll von internen Widersprüchen und Ungereimtheiten.

2.3.3. Heterogenität der Lehren:“Anders als in der wissenschaftlichen Medizin, in der sich diejenige Vorstellung durchsetzt, für die es die beste Evidenz gibt, koexistieren alle Varianten der Homöopathie nebeneinander, weil keine für sich irgendeine spezifische Evidenz geltend machen kann“.
Zum einen existiert auch in der sog. wissenschaftlichen Medizin eine „bunte“ Heterogenität, zum anderen sind beim Blick auf die Evidenzlage in der angeblich so wissenschaftlichen Medizin und der daraus hervorgehenden Therapieempfehlungen und Leitlinien größte Zweifel angebracht (s.o. „Studienlage in der sog. Wissenschaftlichen Medizin“, siehe ganz aktuelle Zweifel an der protektiven Wirkung von Aspirin bei Herz-und Gefäßerkrankungen)

Gibt es in der konventionellen Medizin tatsächlich so verschiedenartige Lehren, dass sich ihre Grundsätze gegenseitig ausschließen wie klassische Homöopathie, Komplexmittelhomöopathie, klinische Homöopathie, Selbstmedikation, Homotoxikologie, Isopathie, Empfindungslehre, Elektrohomöopathie, Quellenhomöopahie, Neue Homöopathie nach Körbler und was es nicht noch alles gibt? Wenn es in der Universitätsmedizin verschiedene Therapien für ein Anwendungsgebiet gibt, dann gibt es zumeist auch Kriterien, unter welchen Bedingungen welche Therapie die besseren Aussichten hat. Sehen Sie sich einfach mal eine x-beliebige Leitlinie an.

In der Homöopathie hingegen ist da komplette Fehlanzeige. Jede der genannten Spielarten nimmt für sich in Anspruch, das gesamte Einsatzgebiet der Homöopathie abzudecken – und dabei gleichermaßen positive Ergebnisse zu erzielen. Genau genommen muss man der Homöopathie unterstellen, dass sie über keine Mittel verfügt, diese Aussagen zu prüfen – sonst gäbe es diesen Wildwuchs nicht, bzw. es wäre irgendwo niedergelegt, unter welchen Voraussetzung ein Patient vorteilhaft mit welcher Sorte Homöopathie zu behandeln ist. Gibt es das? Ich lerne gerne!

2.3.5. Auf Konfrontation zur wissenschaftlichen Medizin:“Homöopathie und wissenschaftliche Medizin stehen in so eklatantem Widerspruch, dass sie in der Patientenversorgung unvereinbar sind“.
Verantwortungsvoll angewandt und die eigenen Grenzen respektierend wird sowohl die sog. wissenschaftliche Medizin als auch die Homöopathie keinen Widerspruch sondern eine notwendige Ergänzung im jeweils anderen Therapieangebot erkennen!

So? Sie kriegen also Physiologie, Toxikologie und Pharmakologie einerseits mit den Lehren von ererbten oder erworbenen Miasmen in Einklang bzw. mit dem Konzept einer verstimmten Lebenskraft? Wie machen Sie das? Wenn eines der zuerst genannten Fächer die Abläufe beim Kranken zutreffend beschreibt, dann muss letztere Lehre unzutreffend sein – und umgekehrt. Lassen Sie es mich so sagen: Wenn es für ein Passagierflugzeug unverzichtbar ist, über aerodynamische Tragflächen und leistungsstarke Antriebsmaschinen zu verfügen, dann ist das Konzept des fliegenden Teppichs falsch. Und umgekehrt. Dann profitiert auch niemand davon, wenn man das verbindet. Oder fallweise anwendet.

3. Studien liefern keine Hinweise für eine Wirksamkeit der Homöopathie
Dies ist eine klar widerlegte Falschaussage (siehe Reanalyse der Meta-Analyse von Shang et al. durch Prof. Walach und Meta-Analyse von Mathie, siehe äußerst fragwürdige Meta-Analyse des australischen NHMRC)

Wo ist die angebliche Falschaussage widerlegt? Alle Reviews (Kleijnen, die beiden Arbeiten Lindes, Cucherat, Shang, die beiden Arbeiten Mathies und die des NHMRC) kommen zu dem gleichen Schluss: Wenn man alle Studien unkritisch zusammenpackt, dann lässt sich ein kleiner positiver Effekt herausrechnen. Wenn man allerdings die Studienqualität mit betrachtet, also berücksichtigt, dass die Ergebnisse bei den meisten Studien aufgrund methodischer Schwächen wahrscheinlich verfälscht sind, dann ist dieses Ergebnis nicht belastbar. Diesen Schluss haben bislang alle Reviews gezogen, bei manchen scheinen die Homöopathen aber dann mit dem Lesen aufzuhören, wenn sie einen Halbsatz wahrgenommen haben, der positiv klingt (z.B. bei Mathie und bei Linde).

Zusammengefasst:

Herr Dr. Hümmer, Ihre Kritik geht weitestgehend daneben. Eine schlüssige Darlegung, wie die Homöopathie wirken könnte und was davon bislang bestätigt ist, haben auch Sie nicht zu bieten.

Dieser Beitrag wurde unter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Kommentare zu Homöopathischer Arzt zum Münsteraner Memorandum

  1. marieclaude sagt:

    Schon am 21. Mai hätte ich gern einen Kommentar @hümmer und @aust geschrieben, hatte da aber keine Zeit: Ist eigentlich allen an dieser Diskussion Beteiligten klar, dass auch auf der „emotionalen, psychischen, mentalen“ Ebene ebenfalls nicht mehr als unspezifische Effekte durch homöopathische Behandlungen erzielt werden? Für diesen Zugang gibt es definierte Interventionen mit wissenschaftlich belegter Wirksamkeit, wie sie für eine echte Psychotherapie genutzt werden. Homöopathie hat aber mit einer evidenzbasierten Psychotherapie ebenso wenig zu tun wie mit evidenzbasierter Medizin. Es handelt sich auch nicht um eine „Psychotherapie light“, wie oft behauptet wird, sondern um völlig unspezifische Effekte von Zuwendung, Selbstreflektion und Interaktion, wie man sie beispielsweise in Studien zu psychotherapeutischen Interventionen als – jawohl!- Placebokontrollen einsetzen könnte. Insofern bleibt bei homöopathischer Vorgehensweise auch ungenutzt, was an psychotherapeutischer Einflussnahme im Rahmen einer ein- oder mehrstündigen Sitzung möglich wäre. Die Veränderungen an Neurotransmittern und im Kernspin, die Sie, Herr Dr. Hümmer für die Homöopathie anführen wollen, müssten Sie erst einmal erzielen. Dass solches mit Homöopathie möglich sei, ist nicht nur völlig unbewiesen, sondern auch nicht sehr wahrscheinlich. Sollten Sie dennoch Studien zu Neurotransmitter- oder Kernspinveränderungen bei Homöopathie kennen, würden die mich sehr interessieren.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Sehr guter Punkt, der bei aller Diskussion um die psychische Wirkung der Homöopathie gemeinhin vergessen wird: Was der Homöopath mit seinem Patienten ausführt, ist eine Anamnese, gerichtet darauf, das richtige Mittel zu finden. Dass dies dem Patienten vielleicht guttut, weil er sich mit jemandem über seine Probleme austauscht, den das am Ende auch noch interessiert, ist ein Nebeneffekt, nicht das Ziel der Maßnahme.

  2. Joseph Kuhn sagt:

    „Unwirksame Verfahren und Placebos sind mit ärztlicher Ethik nicht vereinbar … Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.“

    Naja, die Bundesärztekammer hat das seinerzeit recht differenziert bewertet: http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Placebo_LF_1_17012011.pdf. Allerdings haben die – durchaus homöopathiefreundlichen – Autoren klar gesagt: Eine Placebotherapie „entspricht nicht dem einzuhaltenden Qualitätsstandard, wenn es Interventionen gibt, die für den Patienten erfolgversprechender und in der Wissenschaft unbestritten sind.“ (S. 132).

    Zur Idee einer Studie „Mercurius corrosivus gegen Placebo zur Behandlung von Divertikelentzündungen“: Es würde mich irritieren, wenn so ein Design durch die Ethikkommission ginge. Hier müssste man vermutlich eher über Varianten mit Homöopathie als supportiver Therapie nachdenken, aber ich bin bei dem Thema kein Experte.

  3. Dr. Heinrich Hümmer sagt:

    OK, ich werde sehen wie sich das bei „Full-House“ „Ruhestands“-Praxistätigkeit machen läßt. Ich verstehe allerdings angesichts all Ihrer Kommentare manchmal garnicht mehr, warum soviele Akademiker einschließlich Mikrobiologen mit florierender eigener Genanalyse-Firma, Lehrer, Juristen, Ingenieure und Piloten zu mir kommen und sehr zufrieden mit den Ergebnissen sind, wo ich doch nur Placebo-Therapie betreibe…..Sind sogar die so anfällig für Suggestion? Als Zauberer habe ich mich eigentlich bisher nicht verstanden!

  4. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Also, Herr Hümmer, kein Grund mehr, nicht auf die Carstens Stiftung zuzugehen, ob die Ihre Studie nicht finanzieren würden. Wie gesagt, ich bin bereit, mich mit Ihnen über Ihr Studienprotokoll auszutauschen.

  5. borstel sagt:

    Nebenbei: pubmed spuckt kein einziges Ergebnis aus, wenn diverticulitis und homeopathy oder mercurius zur Suche verwendet werden. Offensichtlich würde eine Studie hier eine Marktlücke füllen, das finde ich schon wieder ziemlich witzig!

  6. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    @ nota.bene
    Ich hatte schon verstanden, dass wir auf der gleichen Seite stehen, daran habe ich keine Zweifel. Dies konnte ich ja auch schon Ihren früheren Kommentaren entnehmen. Dennoch möchte ich etwas richtigstellen:

    Sie schreiben: “ … dass Studien, die ein Placebo gegen ein anderes testen, eigentlich keine signifikante Differenz aufzeigen dürfen – es sei denn, sie sind fehlerhaft.“

    Das ist leider nicht ganz korrekt. Mit der Signifikanz wird die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines gemessenen Unterschiedes (oder eines noch stärkeren Unterschiedes) zwischen den Gruppen bewertet. Die Grenze liegt bei p= 5 %, alles was darunter liegt, gilt als signifikant. Wenn man in einer Studie zwei gleiche Mittel miteinender vergleicht, dann kommt ein reines Zufallsergebnis heraus – und eben auch mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 % ein Ergebnis, dessen Wahrscheinlichkeit bei 5 % und darunter liegt. Folgerung: Auch bei soliden Studien, die identische Mittel untersuchen tritt in einem von 20 Fällen ein signifikantes Ergebnis auf. (Der Kommentar ist noch nicht fertig, habe nur jetzt keine Zeit mehr).

    Inzwischen bin ich zurück und Ihr Post ist zwischenzeitlich eingetroffen. Dennoch (für die Mitleser):

    Neben dem Effekt zufälliger falsch-positiver Ergebnisse gibt es noch Dinge, die zwar nicht ganz korrekt sind, die aber der menschlichen Schwäche zuzurechnene sind, die zwar eben eigentlich falsch sind – aber unvermeidlich, weil wir Menschen sind. Man stelle sich vor, das Ergebnis ist knapp daneben. p = 6 %, also eigentlich nicht signifikant. Solche Ergebnisse kommen in der veröffentlichten Literatur nicht vor (ich glaube Paul Coloquhoun hat darüber veröffentlicht). Knapp nicht signifikante Ergebnisse kommen nicht vor, knapp signifikante hingegen häufiger als normalerweise zu erwarten. Das bedeutet: liegt man nur knapp daneben, dann ist die Versuchung groß, verschiedene Testverfahren zur Signifikanz auszuprobieren. Viele davon setzen gewisse Eigenschaften der Daten voraus, eine Normalverteilung zum Beispiel, die in der Praxis häufig nicht gegeben sind. Also liefern verschieden Testverfahren für den gleichen Datzensatz auch geringfügig unterschiedliche Ergebnisse – und man berichtet natürlich über das beste davon. Oder man hat eine ganze Reihe von Werten ermittelt, probiert bei allen aus, ob sie signifikant sind – und berichtet in der Hauptsache über jene. Wie gesagt, das ist alles nicht ganz sauber – aber für jeden, der selbst einmalgeforscht hat, durchaus nachvollziehbar.

    • nota.bene sagt:

      @Norbert Aust
      Schon klar mit den 5%. Bei dem Ausdruck „eigentlich keine signifikante Differenz“ hatte ich die Möglichkeit zufällig positiver Ergebnisse schon mit einbezogen. Also bitte keine weitere, kostbare Energie an mich „verschwenden“. Widmen Sie Ihre Zeit lieber den Leichtgläubigen.

  7. nota.bene sagt:

    @Norbert Aust
    Ich stehe zu einhunderfünfzig Prozent auf Ihrer Seite. Mich müssen Sie nicht von der Sinnlosigkeit homöopathischer Studien überzeugen. Ich wollte nur das selten gehörte Argument in den Ring werfen, dass Studien, die ein Placebo gegen ein anderes testen, eigentlich keine signifikante Differenz aufzeigen dürfen – es sei denn, sie sind fehlerhaft. Aber natürlich schreiben Sie nicht für mich, sondern für die anderen Leser, und deshalb bin ich sehr froh über Ihre Antwort und ich bewundere Ihre Hartnäckigkeit und Ihre Frustationstoleranz im Umgang mit der gläubigen Homöopathiegemeinde. Weiter so!

  8. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    @ Hümmer,

    nach Ihrem letzten Kommentar zu urteilen, sind wir ja schon eine ganze Ecke weiter als zu Anfang: Meine Anmerkungen zur Studienauswahl bei Shang haben Sie offenbar akzeptiert, offensichtlich ist auch Ihr Vorschlag einer Studie vom Tisch, denn Sie nehmen zu meinen Hinweisen keine Stellung mehr.

    Ich weise nochmals darauf hin, dass wir der Homöopathie durchaus unspezifische Kontexteffekte zugestehen, ob Sie die nun genauer als Emotionen, Placeboeffekt oder Geist nennen ist aus meinem Blickwinkel eine recht akademische Diskussion. Bei dem Kernpunkt scheinen wir uns wieder einig zu sein, nämlich dass die homöopathischen Präparate keine spezifische, durch die Urtinktur festgelegte Effekte hervorrufen können. Um die von Ihnen beschriebenen Phänomene zu erreichen, ist es völlig gleichgültig, welches Mittel in dem Präparat nicht enthalten sind und auf welche Weise sie das sind.

    Worüber sind wir uns eigentlich uneinig?
    Allerdings: Wie können Sie so als Homöopath arbeiten?

    @ nota.bene

    Eigentlich ist die Sache mit der Studienschlacht recht einfach, wenn man sich klar macht, was mit den Studien eigentlich bezweckt werden soll. Innerhalb der homöopathischen Lehre braucht man keine klinischen Studien. Alles, was die Homöopathen zu ihren Mitteln wissen wollen, ermitteln sie durch die homöopathische Arzneimittelprüfung an Gesunden oder durch „Erfahrungen“ an Kranken, oder es wird gleich ganz wild ins Blaue phantasiert.

    Also sind klinische Studien bei den Homöopathen nach außen gerichtet. Sie sollen demonstrieren, dass die Aussagen zur Wirksamkeit irgendwie wissenschaftlich fundiert sind. Denken Sie einmal an der Forschungsreader der Wisshom, der ganz klar an die Patienten gerichtet ist. Es geht um die Behauptungen in die Richtung, dass die Homöopathie der wissenschaftlichen Medizin mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen sei. Dazu sollte man allerdings mit überzeugenden Effektstärken aufwarten können, die zudem noch anhand von Bewertungskriterien ermittelt werden, die für den Patienten fühlbar und bedeutsam sind. Man könnte sogar vermuten, dass man sich zu diesem Zweck mit den Krankheitsbildern beschäftigt, bei denen derr Effekt möglichst deutlich erkennbar und leicht zu zeigen ist. Da wird dann auch irgendwann mal der fehlende überzeugende Nachweis einer Wirkung zum überzeugenden Nachweis einer fehlenden Wirkung.

    Wobei zudem immer noch die Lücke klafft, dass nicht überprüft ist, ob die einzelnen Mittel nicht nur irgendeine spezifische Wirkung haben, sondern auch, dass die vielen tausend Symptome einzelner Mittel zutreffen. Dass also Natrium chloratum (Speisesalz) oder Sulphur (Schwefel) die umfassende Therapeutische Breite haben, die den Materia medica zu entnehmen sind.

    Fazit: Selbst wenn man alle Studien der Homöopathie für bare Münze nimmt, die durchweg mäßige Qualität, die mit einer Überbewertung der positiven Effekte einhergeht vergisst, selbst dann können diese nicht im Mindesten belegen, dass die vollmundigen Aussagen zur durchgreifenden Leistungsfähigkeit der Therapie auch nur annähernd berechtigt wären.

  9. nota.bene sagt:

    Die Studienschlacht auf dem Boden der aktuellen Studienlage wird ohne eindeutigen Sieger bleiben. Die meisten Resultate schwanken um den Nullpunkt herum: mal zeigt die Homöopathie eine Wirkung, mal nicht, jede Seite interpretiert die Ergebnisse zum eigenen Vorteil und unterstellt der anderen Seite fehlerhaftes Handeln. Dies ist nur möglich, weil es einfach keine guten Studien gibt und plazebokontrollierte RTs an Homöopathika zudem eine grundlegende Schwäche haben: es werden de facto je zwei unwirksame Mittel miteinander verglichen, also Placebo versus Placebo! Die Resultate sind daher ausschließlich vom Zufall oder von systematischen Fehlern bestimmt. Interessant könnten dagegen die Studien sein, in denen eine klassische gegen eine homöopathische Behandlung direkt getestet wird. Ein Plazeboarm könnte als zusätzliche Sicherheit eingefügt werden. Weiß jemand, wieviele solcher Studien es gibt?
    Ich fürchte aber, dass wir auch in Zukunft nicht mit einer großen(!) und umfassenden Studie rechnen können. Erstens ist das Geld dafür wohl nicht vorhanden, zweitens würde sich die konventionelle Medizin auch kaum daran beteiligen: als renommierter Wissenschaftler gibt „man“ sich nicht mit Hoöopathie ab – das wäre ein sicherer Karriere- und Rufkiller! Leider. Und Metastudien sind nun einmal bestenfalls so gut wie die eingeschlossenen Arbeiten.
    So unklar die Studienlage ist, eines lässt sich aber postulieren: hätte die Homöopathie tatsächlich die von ihr behaupteten enormen Fähigkeiten bis hin zur Krebsheilung, dann müsste die überwiegende Mehrzahl der Studien ein ÜBERZEUGEND POSITIVES Resultat aufweisen und nicht nur Ergebnisse knapp an der Signifikanzgrenze. Die Tatsache, dass sie sich stattdessen in der Nähe des Nullpunkts tummeln, beweist meiner nichtssagenden Überzeugung nach, dass ein eventueller Effekt, sollte er überhaupt vorhanden sein, nur minimal sein kann. Zu wenig, um darauf ein eigenes Medizinsystem zu gründen.

  10. Dr. Heinrich Hümmer sagt:

    @ Endruscheid
    Emotional-psychothrop wirkende Faktoren sind nur deswegen realer, weil sie mehr und intensiver beforscht wurden und werden! Natürlich kann man insofern die angenommene Homöopathie-Wirkung bisher als „Trittbrettfahrer“ bezeichnen; ich postuliere aber (und werde in meiner Arbeit und den Ergebnissen immer wieder bestätigt), dass die Homöopathie genau an den gleichen Zentren im Gehirn ansetzt, wie die geistig-emotionale Therapie einer Frau Grams, nämlich z.B. dem Corpus amygdale. Wenn Sie deren Bücher lesen und ihre Biographie verfolgen, werden Sie die verblüffende Ähnlichkeit der Wirkungen und Erfolge der beiden Therapie-Richtungen beobachten. Dass Frau Grams nach Beforschung des Wahrheitsgehalts (der Dogmen ihres Gurus!) zur Skeptiker-Gemeinde überläuft, ist, so glaube ich, nur der tiefen Enttäuschung über ihre frühere Gutgläubigkeit zuzuschreiben….
    @Borstel
    Was denken Sie wohl, warum ich so gerne den Beweis für die homöopathische Wirkung erbracht sehen würde?
    Weil ich einerseits ein kritischer Geist bin- andererseits aber tagtäglich Erfahrungen mache, dass die beobachteten Wirkungen auch bei kritischer und selbstkritischer Analyse nicht durch den Placeboeffekt erklärbar sind. Ob ich konvertiere, wenn „meine“ Studie das Gegenteil zeigt,??? Ich würde dann zumindest, da ich immer versuche, wahrhaftig zu bleiben, nicht mehr FÜR die Homöopathie STREITEN!
    @ Aust
    1) Aus dem Vorwort von „Homöopathie neu gedacht“:
    „Als ich mit der Arbeit an diesem Buch begann, wollte ich ein flammendes Plädoyer für die Homöopathie schreiben. Ich wollte als überzeugte Homöopathin allen Zweiflern aufzeigen, was die Homöopathie möchte und kann.“…
    2) Selbiges Buch, Seite 177:“Ich bin davon überzeugt, dass der GEIST Teil der Medizin sein und werden könnte“.
    3) Morphologische(!) Veränderungen im Gehirn bei/nach regelmäßigen Achtsamkeitsübungen kernspintomographisch erwiesen!
    4) Erwiesenermaßen übertragen Transmitter Veränderungen aus dem „emotionalen Bereich“ des Gehirn auf ALLE KÖRPERfunktionen!

  11. borstel sagt:

    Leider ist ja das einfache Durchsuchen der Kommentare direkt im Blog nicht möglich, aber Google hilft weiter: Was Dr. Hümmer hier schreibt, hat er ja schon vor mehreren Jahren verbreitet. Er stellt sich als kritischer Homöopath und Häretiker dar, er versucht, das Simileprinzip zu retten, was ihm damals schon nicht sehr überzeugend gelungen ist, er versucht, Hahnemanns Miasma-Begriff umzudeuten, um ihn in die Jetztzeit zu retten (das gleiche versuchte übrigens schon der olle Künzli von Fimmelsberg im letzten Jahrtausend [https://www.kuenzlipunkt.de/] mit abweichenden Resultaten, aber auch recht erheiternd). Schon damals ist er auf ihm mißliebige Einwände nicht eingegangen, sondern hat das Thema gewechselt.
    Schauen wir also, wie er sich nun intellektuell schlägt.

    Offenbar scheint aktuell ihm das Thema Emotion und homöopathisches Wirkprinzip wichtig zu sein. Darauf wurde eingegangen, es kam dann von Dr. Hümmer eine umfängliche Wiederholung seiner These ohne nähere Belege. Um trotzdem noch einmal darauf einzugehen: Daß positive Emotionen als Placeboeffekt eine große Eigendynamik entfalten können auch in Bezug auf somatische Erkrankungen, ist ziemlich trivial und dennoch sehr wichtig. Aus diesem Grunde werden einerseits verblindete und randomisierte Studien gefordert, um zwischen dem Placeboeffekt und einer medikamentenspezifischen Wirkung unterscheiden zu können.

    Andererseits kann eine positive emotionale Einstellung des Patienten außerordentlich in der Behandlung wichtig sein, z.B., damit er die nötige Mitarbeit (Compliance) und Therapietreue (Adhärenz) erbringt, so daß die Behandlung erfolgreich durchgeführt werden kann. Ich denke, daß hier zwischen den zwei Ärzten, die Herr Dr. Hümmer und ich sind, kein Dissens besteht.

    Wenn Dr. Hümmer aber den Versuch unternimmt, Emotionen zum Wirkprinzip von Zuckerkügelchen zu erheben, also die postulierte Wirkung gewissermaßen auf eine metaphysische Ebene zu heben, dann ist das sehr geschickt. Wieso? Weil auf diese Art und Weise versucht wird, eine „black box“ zu kreieren (funzt irgendwie, is‘ halt unklar wie, läßt sich aber auch nicht rausfinden…) und das Problem der physikalischen Unmöglichkeit einer Wirkung von Homöopathika elegant umgangen wird. Schade nur, daß die diversen Metaanalysen eben eine konsistente Wirkung der Homöopathika (egal durch welchen Mechanismus) nicht stützen.

    Zu dem Mercurius-Experiment bzw. -Studie (Mercurius corrosivus gegen Placebo zur Behandlung von Divertikelentzündungen): Reizvoll wäre es schon, aber der Aufwand ist, wie Dr. Aust schon festgestellt hat, hoch. Es wäre eine klinische Studie mit Ethikkommissionsvotum und organisatorischem Aufwand, die zudem auch dem Arzneimittelrecht unterliegen dürfte. Sicherlich nicht ohne entsprechendes Know-How und Finanzierung durch Dritte zu stemmen und am besten durch eine Fachgesellschaft/universitär durchzuführen.
    Weil ich aber, wie schon 2015, als Sie diesen Vorschlag zum ersten Mal gemacht haben, immer noch nicht zynisch, aber spottlustig bin, erlauben Sie mir doch schon einmal die unschuldige Frage: Falls bei einer solchen Studie keine Bestätigung Ihrer These herauskäme, wie würden Sie sich die Wahrheit dann zurechtbigen, damit sie wieder in Ihr Weltbild paßt? Oder konvertieren Sie dann auch und lassen von der Homöopathie ab?

  12. Lieber Herr Hümmer, Ihren Hinweis zur „Bewusstseinsspaltung“ der Skeptiker möchte ich nicht unkommentiert lassen. Was Sie als solche bezeichnen, ist, wenn ich das richtig verstehe, der Umstand, dass Frau Dr. Grams den auf der emotionalen Ebene wirkenden Faktoren eine „nicht materiell fassbare“ Wirksamkeit zuerkennt, dies aber für die „möglichen Wirkprinzipien“ der Homöopathie nicht tut. Sie sehen beides „unter einem Dach“, wollen beides „mit gleichem Recht“ behandelt sehen.

    Nur: Emotional-psychothrop wirkende Faktoren sind real, sie sind Gegenstand der psychosomatischen Forschung, auf die Frau Dr. Grams in ihrem Buch ihren Gedankengang ja auch erweitert. Sie plädiert für diesen „Teil“ der Methode, stellt aber offen die Frage, ob für diese Faktoren in der Medizin die Homöopathie überhaupt gebraucht wird oder ob womöglich die Psychosomatik längst weiter ist und schon Instrumentarien verfügbar hat, die ein „Weiterleben“ der Homöopathie als nicht-medikamentöse Therapie rechtfertigen könnten. (Nebenbei ziehe ich aus den Veröffentlichungen und Interviews von Frau Dr. Grams persönlich den vielleicht nicht unberechtigten Schluss, dass sie sich inzwischen deutlich von dem Gedanken entfernt hat, dass die Homöopathie „zumindest“ auf dem psychthropen Sektor der Medizin etwas zu bieten habe – angesichts der forschenden und zunehmend klinischen Psychosomatik.)

    Dagegen sind „mögliche Wirkprinzipien“ der Homöopathie ein unbewiesenes, zudem inkonsistentes Gedankengebäude und auch eine andere Denkkategorie: Die Kategorie des nur Vorstellbaren, dem allein nur deshalb, weil es vorstellbar ist, Realitätsgehalt zugesprochen werden soll. Mit gleichem Recht könnten Sie den in einem Science-Fiction-Film gezeigten Dingen Realitätsgehalt zusprechen, weil sich die Filmemacher ganz offensichtlich diese vorstellen konnten – und sich die Zuschauer diese vorstellen wollten. Tatsächlich ist es genau die Kernthese von Frau Dr. Grams‘ Buch: Das Inkonsistent-Unbewiesene der Homöopathie, das, mit dem diese sich als Arzneimittellehre zu präsentieren versucht, als unhaltbar abgegrenzt zu haben.

    Ich sehe hier zwei Kategorien, eine Faktenkategorie und eine Denkkategorie, deren getrennte Betrachtung und Beurteilung mit dem Wort „Bewusstseinsspaltung“ schon a priori nicht belegt werden kann (wenn man nicht konsequenter Anhänger eines idealistischen Weltbildes ist). Mir würde eher der Begriff der „Trittbrettfahrerei“ gefallen, wenn für die „möglichen Wirkprinzipien“ im Sinne eines „könnte doch dabei genauso sein“ der gleiche Realitätsgehalt eingefordert wird wie für die gut belegten und gut erklärten Effekte der Psychosomatik.

  13. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Entschuldigen Sie bitte, Herr Hümmer, aber woher wissen Sie das, was Sie FRau Grams unterstellen („stramme Dogmen-Homöopathin“ etc)? Woraus schließen Sie, dass sie jetzt Emotionen bei der Therapie propagiert? Ich habe das aus ihrem Buch nicht herauslesen können und was dort zur geistigen Ebene geschrieben wurde, habe ich als eine Darstellung der gegenwärtigen homöopathischen Sichtweise verstanden. Aber dies müssen Sie wahrscheinlich eher mit Frau Grams ausmachen. Wir Skeptiker unterstützen Frau Grams, weil uns ihre Argumentation schlüssig und logisch erscheint – und sie auch nicht mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften kollidiert.

    Was mich aber verblüfft, ist Ihre Haltung, dass man der Lehre der Homöopathie – also einer von den vielen, die es gibt – offenbar nicht „blind“ folgen soll, sondern sich jeder so wie Sie die Versatzstücke herauspicken kann, wie es ihm gerade gefällt. Wie können Sie dann auch nur irgendeinen minimalen Qualitätsstandard einhalten, wenn jeder das an der Lehre für falsch halten und ignorieren kann, was nicht in seine Vorstellungswelt passt? Mit ist jedenfalls keine halbwegs geordnete homöopathie-interne kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten der Lehre bekannt, die dazu führen könnte, den Wildwuchs zu bereinigen. Aber auch hier lerne ich gerne dazu.

    Zu den „emotionalen Wirkprinzipien“: Wenn wir uns einig wären, Herr Hümmer, und alle anderen Homöopathen das auch vertreten würden, dass die Homöopathie nur auf emotionaler, psychischer, mentaler – oder wie Sie es sonst nennen wollen – Ebene wirkt, ist unsere Kritik sofort erledigt. Dass in der Homöopathie solche Effekte auftreten, stellen wir doch gar nicht in Abrede nur, dass diese Effekte nicht über das hinausgehen, was man mit Placebo erreichen kann. Dann müssten wir uns aber auch einig sein, dass man mit der Homöopathie eben keine körperlichen Beschwerden (Krebs, Diabetes, Asthma, etc.) erfolgreich behandeln kann, was heute ja nicht die Ansicht der Homöopathen ist.

    Es freut mich übrigens, dass Sie jetzt im Gegensatz zu Ihren ersten Kommentaren die Studienlage als für die Homöopathie ungenügend bezeichnen. Damit ist ja wohl vom Tisch, dass unsere Auffassung, wonach es keine belastbare Evidenz für eine Wirksamkeit der Homöopathie über Placebo hinaus gibt, auf einer selektiven Betrachtung der Ergebnisse beruht. Es freut mich, dass wir hier Einigekeit erzielt haben.

    Darf ich Sie übrigens darauf hinweisen, dass im Shang-Review auch die „gute“ Arbeit mit der höchsten Teilnehmerzahl, Rottey (1995), eine Untersuchung zur homöopathischen Prophylaxe ist, nämlich von Grippesymptomen [1]? Zu dieser Arbeit habe ich sogar schon einen Beitrag hier auf meinem Blog verfasst. Wenn Sie also die Arbeit von Vickers zum Muskelkater (n=400, negatives Ergebnis für die Homöopathie) aus der Endauswertung streichen wollen, müssten Sie das mit dieser Arbeit (n=501, positives Ergebnis) auch tun. Nochmal die Frage: Wer arbeitet hier selektiv?

    Gut, Herr Hümmer, greifen wir den Faden einer Studie wieder auf, die Sie vor einigen Jahren einmal vorgeschlagen hatten. Inzwischen habe ich bessere Kontakte und wir könnten das fortführen. Entwerfen Sie ein Studienprotokoll, wie Sie sich das vorstellen. Herr Behnke von der Carstens-Stiftung hatte anlässlich einer Diskussion in Berlin anklingen lassen, dass die Carstens Stiftung so etwas vorhat. Wenn Ihr Versuch Aussicht auf Erfolg hätte, wäre Herr Behnke sicher bereit, mit der Finanzierung auszuhelfen. Wir können uns zunächst über das Studienprotokoll einigen, ich würde hier Frau Prof. Jutta Hübner von der Universität Jena hinzuziehen, die sich auf der gleichen Veranstaltung bereiterklärt hatte, das Studienprotokoll zu begutschten.

    Ich bin gespannt.

    [1] Rottey EED, Verleye GB, Liagre RLP: Het effect van een homeopathische bereiding van micro-organismen bij de preventie van griepsymptomen. Een gerandomiseerd dubbel-blind onderzoek in de huisartspraktijk. Tidschrift Int. Geneeskunde (1995); 11(1):54-58 ).

  14. Dr. Heinrich Hümmer sagt:

    Und ich bleibe dabei, dass Sie, die Skeptiker, mit Frau Dr. Grams als Protagonistin der „bekehrten Homöopathen“ offensichtlich den Bock zum Gärtner gemacht haben! Denn die ehemals sehr stramme Dogmen-Homöopathin, die den Thesen Hahnemanns (im Gegensatz zu mir) immer völlig blind gefolgt war (und „stolpern“ mußte, da jene in der Tat einige geistige und wissenschaftliche Stolperfallen besitzen…), propagiert jetzt vor allem die Berücksichtigung der EMOTIONEN statt der Homöopathie bei der THERAPIE (!) und schreibt in ihrem Buch „Homöopathie neu gedacht“ bei der Besprechung der „Geistebene“ ( der sie im übrigen eine intensive WIRKUNG auf den GESAMTORGANISMUS zuspricht) auf Seite 179:“ Ab der emotionalen Ebene haben wir es nicht mehr mit rein materiellen, messbaren, biologisch-physikalischen Tatsachen zu tun“!
    Nichts anderes reklamiert die kritische Homöopathie für sich!
    „Richtig, auf der emotionalen Ebene hat man es nicht mehr mit pharmazeutischen WIRKPRINZIPIEN zu tun……“ sagen Sie, Herr Aust.
    Mir kommt diese anerkennende Einsicht bezüglich den EMOTIONALEN WIRKPRINZIPIEN einerseits und andererseits die Verteufelung der möglichen HOMÖOPATHISCHEN WIRKPRINZIPIEN jenseits der Materie-Ebene fast wie eine Bewußtseinsspaltung der Skeptiker vor.
    Dass die Studienlage in der Homöopathie noch ungenügend ist, brauchen wir hier nicht zu diskutieren. In diesen Kontext paßt auch, dass in der Metaanalyse von Shang vor allem eine große Studie an Marathon-Läufern, die prophylaktisch mit Arnika gegen Muskelkater behandelt wurden, zur generellen Placebo-Abwertung führte.
    Nur: Es gibt in der Homöopathie definitionsgemäß keine prophylaktische Therapie, da gemäß dem Simile-Prinzip „Gleiches mit Gleichem“ behandelt wird. Ohne „Gleiches“ als kein „Gleiches“ als Therapie.
    Aber, lieber Herr Aust, Sie erinnern sich sicherlich noch, dass ich als ehemaliger Bauingenieur immer schon am zweifelsfreien Beweis der homöopathischen Evidenz interessiert war und mit Ihnen eine Studie zum homöopathischen Mittel „Mercuris-corrosivus“ vorgeschlagen habe. Ich habe Ihnen damals die geforderten Basisdaten geliefert und kann Ihnen jetzt sagen, es liegen inzwischen gut doppelt so viele exemplarische Fälle vor….Gerne auch eine Studie zur Veränderung des Genexpressions-profils unter homöopathischer Therapie-mir allerdings fehlt schlicht und allein das Geld dazu….

  15. Diese interessante Diskussion bestärkt mich einmal mehr in meiner Sichtweise dazu, wie die Homöopathen zur Wissenschaftlichkeit stehen bzw. dass sie den Begriff einer Methode, die Verbesserungen durch die Beseitigung von Fehlern und Irrtümern betreibt, nicht verstehen. Prof, Otto Prokop hat das bereits in den 1950er Jahren treffend zusammengefasst:

    „Die wiederholten Versuche, durch Angleichung der homöopathischen Systeme an die Lehrmeinungen an den Universitäten allgemeine Anerkennung zu erlangen, müssen als gescheitert angesehen werden. Führende Kliniker lehnen die Homöopathie ab, und zwar u.a. als „agnostisches System“ oder weil sie sich aufgrund eigener Versuche vom Unwert überzeugen konnten“.

    Mit letzterem reflektierte Prokop auf Paul Martini, den nachmaligen ersten Präsidenten der Gesellschaft für innere Medizin, der als überzeugter Homöopath in groß angelegten Versuchsreihen den empirischen Wert der Arzneimittelprüfungen untersuchte (gegen Placebo) – und nichts anderes fand als auf beiden Seiten einen heillosen Symptomwirrwarr. Dies bei fünf der großen Standardmittel, bei denen man sich der Arzneimittelbilder völlig sicher zu sein glaubte.

    In dem Versuch, gegenüber den Kritikern sozusagen einen eigenen Wissenschaftsbegriff einzufordern (Walach tut das mehr oder weniger offen), aber auch Wissenschaft mal als Zeugin anzurufen, mal als dogmatisch zu diffamieren, liegt letztlich ein Stück – Verschwörungstheorie. Denn letztlich müssen die von der Homöopathie Überzeugten doch annehmen, die Wissenschaft als solche verweigere ihnen gezielt und bewusst die Anerkennung ihrer Methode.

  16. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Herr Dr. Hümmer, vielen Dank, dass Sie Ihren letzten Kommentar hier nochmals gepostet haben. Das erleichtert die Übersicht doch sehr.

    Meine Anmerkungen dazu:

    (1) Studienlage wissenschaftliche MEdizin
    Aus der Arbeit von El Dib werden hier die falschen Schlussfolgerungen gezogen. Zunächst steht in der Zusammenfassung der Studie (Link: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/j.1365-2753.2007.00886.x) „are likely to be beneficial“, was korrekt mit „ …sind wahrscheinlich/voraussichtlich wirksam“ zu übersetzen ist und nicht „… sind möglicherweise wirksam.“ heißt (Langenscheidt-Wörterbuch). Zweitens ist es fragwürdig nur aus dem Fehlen des Satzes, dass mehr Forschung erforderlich sei, darauf zu schließen, dass es sich um „wissenschaftliche Evidenz“ handele. Genau genommen ist die Aussage „wahrscheinlich wirksam und weitere Forschung ist sinnvoll“ das Höchste, was man angesichts der generellen Beschränkung unserer Erkenntnisfähigkeit sicher aussagen kann.

    Aber das sind Formalien. Den wesentlichen Fehler macht Walach, indem er die Zahl der Cochrane Reviews auf die Häufigkeit der Anwendung der Therapien in der täglichen Praxis überträgt. Das ist aber sicher nicht gerechtfertigt. Therapien aus einem Cochrane Review zu Erkältungskrankheiten und aus einem Cochrane Review zu einer Spezialtherapie einer seltenen Krankheit sind sicherlich unterschiedlich stark in der täglichen Anwendung verbreitet. Ganz wesentlich aber: die Arbeit von El Dib sagt überhaupt nichts darüber aus, wie die Ärzteschaft auf eine negative Beurteilung durch Cochrane reagiert hat, also ob die Therapie in der Folge überhaupt noch angewendet wird. Homöopathen ignorieren ihre Studienergebnisse geflissentlich (Beispiel Münchner Kopfschmerzstudie von Walach et al. (!!)), aber gilt das auch für die wissenschaftliche Medizin?

    (2) Review von Shang et al
    Egal was Walach schreibt, schauen Sie sich doch einmal die Reviews von Mathie an. Der hat diese ganzen Verwerflichkeiten, die Shang und auch dem NHMRC vorgeworfen werden, nicht gemacht. Und was ist das Resultat? Er hat in Summe um die 100 Studien untersucht und fand genau zwei, die mit einem Low Risk of Bias bewertet werden konnten. Er findet in seinen beiden Reveiws keine Indikation, obwohl er entsprechende Meta-Analysen durchführt, in denen für belastbare Wirkungsnachweise für eine homöopathische Therapie vorliegen und kommt – genau wie Shang – zu dem Schluss, dass wenn man alle Studien zusammenwirft, man einen kleinen signifikanten Effekt herausrechnen kann, dies aber aufgrund der schlechten Qualität der Studien nicht belastbar ist. Genau das, was Shang und das NHMRC auch sagen. Mathie ist übrigens Mitarbeiter des Homeopathy Research Institute und sicher nicht gegen die Homöopathie voreingenommen.

    Wer ignoriert also Befunde und zitiert Ergebnisse nur, wenn sie ihm in den Kram passen?

    (3) Homöopathie ist Placebo
    Siehe meine Ausführungen zu (2), die passen hier auch.

    Zuletzt:
    Richtig, auf der emotionalen Ebene hat man es nicht mehr mit pharmazeutischen Wirkprinzipien zu tun. Inwiefern widerlegt das den Standpunkt der Skeptiker?

  17. Dr. Heinrich Hümmer sagt:

    1) Studienlage in der sog. Wissenschaftlichen Medizin (Walach, auf Veröffentlichung bzgl. Cochrain-Reviews von El Dib et al. 2007 beziehend):
    „Bei je 2% der Reviews zeigt sich, dass die untersuchte Intervention klar wirksam oder klar schädlich ist. Bei weiteren 5% zeigt sich, dass sie vermutlich schädlich ist, wir es aber noch nicht genau wissen. Bei 43% zeigt sich, dass sie möglicherweise wirksam ist und bei der Mehrzahl, nämlich 48% ist die Sache unklar.
    Jetzt nochmals zum Mitschreiben: bei gerade mal 4% haben wir eine sog. wissenschaftliche Evidenz. Immerhin deutet eine große Zahl von Studien, nämlich bei 43% der Interventionen, auf eine mögliche Wirksamkeit hin. Aber wissenschaftliche Evidenz sieht anders aus. Und bei fast der Hälfte haben wir keine Ahnung, ob die Intervention etwas taugt oder nicht. Kann man daraus folgern, dass das, was normalerweise in Krankenhäusern und Arztpraxen passiert, „evidenzbasiert“ ist, wie man das neudeutsch gerne nennt? Ich glaube nicht.“
    2) Und noch einmal Walach (aus seinem Blog):
    „Die am meisten zitierte, weil im Ergebnis negative Analyse, war die von Shang und Kollegen, die auch vom EASAC als Beleg für die Unwirksamkeit der Homöopathie angeführt wird. Dabei werden geflissentlich folgende Fakten übersehen, auf die schon vielfach hingewiesen wurde:
    Das Ergebnis dieser Analyse ist nur dann negativ, wenn man, wie die Autoren, nur die größten 8 Studien von 21 methodisch besten Studien einschließt. Für diese Entscheidung gab und gibt es kein gutes Argument. Die Entscheidung wurde nie begründet, auch nicht nachträglich (… ) Schließt man alle 110 Studien ein, ergibt sich ein KLARER SIGNIFIKANTER EFFEKT. Schließt man sukzessive immer mehr Studien aus, bleibt der Effekt sehr lange stabil SIGNIFIKANT..“

    3) Ein weiters mal Walach (aus seinem Blog):
    „Die Aussage, Homöopathie ist Placebo, lässt sich nur unter folgenden Bedingungen aufrechterhalten.

    Man ignoriert Befunde.
    Man stützt sich auf primäre Publikationen dort, wo sie einem in den Kram passen und ignoriert sie dort, wo sie die eigene Weltsicht trüben.
    Man biegt Kriterien, die allgemein gelten, mal kurzfristig um. Denn allgemein gilt das Kriterium, dass Meta-Analysen jeweils auf den neuesten Stand gebracht werden (also Mathie vor Shang) und dass Meta-Analysen den höchsten Evidenzgrad darstellen (also Meta-Analysen vor selektierten Einzelbefunden).“

    Und zuletzt noch von mir:
    Warum tragt ihr Skeptiker eigentlich immer noch Frau Dr. Grams wie eine Monstranz (siehe Autoren des Münsteraner Memorandums) vor euch her und macht den Bock zum Gärtner, wo sie doch selbst in ihrem Buch schreibt (und damit unfreiwillig eine Lanze für die Homöopathie schlägt):“Ab der emotionalen Ebene haben wir es nicht mehr mit rein materiellen, messbaren biologisch-physikalischen Tatsachen zu tun.“
    So what?

  18. borstel sagt:

    Dann werfe ich mal hier wieder meinen Hut in den Ring:
    Erst einmal vielen Dank an Dr. Aust, der sich wieder eine Menge Mühe gemacht hat, den Beitrag Dr. Hümmers zu analysieren.
    Ich möchte Bezug nehmen auf Dr. Hümmers Erwiderung vom 20.5.18 aus dem vorangegangenen Blogartikel.
    Ich stimme mit Dr. Hümmer überein, daß ein selektives Zitieren von Studien, welche die eigene Weltsicht stützen, weder hilfreich, noch redlich ist. Zu der Kritik an den verschiedenen Reviews und insbesondere an der aktuellen australischen Auswertung der Studienlage sind allerdings sowohl hier im Blog, als auch in der Homöopedia schon diverse Gegenkritiken veröffentlich worden, welche die Argumente der diversen homöopathischen Verbände widerlegen.
    Die von Walach und Ihnen zitierte Studie zur Evidenzlage bei Cochrane-Reviews ist über 10 Jahre alt. Unabhängig von der Frage, ob es da nichts neueres gibt, verstehe ich hier Ihre Argumentation immer noch nicht: Auch wenn es gewiß so ist, daß noch immer ein recht großer Teil unseres (allopathischen) therapeutischen Handelns einen formal niedrigen Evidenzlevel hat, dann ist das immer noch kein Argument dafür, die Homöopathie anzuwenden. Im Gegenteil sollte es Ansporn sein, eine bessere Studienlage im „konventionell-medizinischen“ Bereich zu schaffen.
    Ich zitiere zuletzt aus Ihrem letzten Absatz: „…wo sie (Anm.: Frau N. Grams) doch selbst in ihrem Buch schreibt (und damit unfreiwillig eine Lanze für die Homöopathie schlägt): “Ab der emotionalen Ebene haben wir es nicht mehr mit rein materiellen, messbaren biologisch-physikalischen Tatsachen zu tun.““ Das unterschreibe ich auch sofort – ein großer Teil meines Handelns ist alleine schon aufgrund seiner Komplexität nicht naturwissenschaftlich meßbar oder erklärbar. Jeden, der eine solche Reduktion versucht, halte ich für einen Trottel. Aber eine Lanze bricht Frau Grams für die Homöopathie trotz allem nicht, im Gegenteil. Sie beschreibt in Ihrem Buch, wie ich finde, sehr klar, daß der entscheidende Aspekt der homöopathischen Behandlung das Gespräch ist, welches einer psychotherapeutischen Intervention nahekommt. Die Globuli dagegen sind ein schmückendes Beiwerk. Oder meinen Sie etwa, Herr Dr. Hümmer, daß den Globuli durch Verdünnung, Verschüttelung und Aufsprühen auf den Zucker die Emotionalität beigefügt werde, die dann eine Wirkung verursacht? Ich glaube doch nicht.

    Unabhängig von all dem halte ich Prof. Walach noch immer nicht für einen hilfreichen Gewährsmann, und ich kann verstehen, weswege er keine Kommentare in seinem Blog erlaubt: Sein aktueller Beitrag https://www.homöopathie-forschung.info/atemwegsinfekte/ ist ziemlich peinlich.

  19. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Bitte beachten: Die Diskussion mit Dr. Hümmer hat bereits hier begonnen. Damit nicht zwei Threads parallel laufen, soll die Diskussion hier fortgesetzt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.