Ein neues Angebot zum Master of Science in Homöopathie

Sind Sie ein auf dem Gebiet der Homöopathie arbeitender Therapeut oder wollen es werden? Würden Sie es toll finden, wenn es so aussähe, als hätten Sie dazu ein Studium absolviert und einen akademischen Grad erlangt? Sind Sie bereit, dafür einiges an Geld auszugeben und beträchtliche Zeit zu investieren und verfügen über so etwas wie Pioniergeist?

In Kürze

Als Zusammenfassung soll hier eine Betrachtung zu Aufwand und Nutzen der in diesem Artikel behandelten ‚Ausbildung und Studium Homöopathie / Master of Science (MSc)‘ dargestellt werden.

Aufwand:

(1) Zwei Jahre Ausbildung in Homöopathie in Trier oder Berlin.
Diese Ausbildung muss erfolgen, Seiteneinstiege sind nicht möglich.

  • Studiengebühr: 4 Semesterbeiträge à € 1500,-, zus. € 6.000,-
  • Reisekosten: ca. 12 Wochenenden in Trier oder Berlin, geschätzt je € 300,-, zus. € 3.600,-
  • Software und Material im 2. Ausbildungsjahr: € 1.500
  • Arbeitsaufwand: 2 x ca. 750 Stunden, zusammen 1.500 Arbeitsstunden.

(2) Erreichen der Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde.
Diese muss am Beginn des dritten Jahres vorliegen, Aufwand von persönlicher Situation abhängig. Vorbereitung hierauf nicht in der Ausbildung enthalten. Prüfungskosten auch nicht.

(3) Drei Jahre ‚Masterstudiengang mit Schwerpunkt Homöopathieforschung und Lehre‘

  • Studiengebühr 6 Semesterbeiträge à € 2.400, zus. € 14.400,-
  • Reisekosten: 12 Wochenenden Graz (oder Trier?), geschätzt je € 300,-, zus. € 3.600,-
  • Arbeitsaufwand: 3 x ca. 750 Stunden, zus. 2.250 Arbeitsstunden

(4) Anwalts- und Gerichtskosten in unbekannter Höhe, ggf. Reisekosten.

Zusammen:
Gesamtkosten mindestens etwa € 30.000,-, Arbeitsaufwand ca. 3.750 Stunden

Nutzen:

(1) Zusätzliche beruflich verwertbare Qualifikation: keine.

(2) Zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten: ggf. Homöopathie-Lehre ‚Causa fundamentalis‘.

(3) Prestige bei Patienten: Urkunde an der Wand, Textzeile im Webauftritt

Inwieweit sich die Punkte 1 bis 3 in einen wirtschaftlichen Gewinn umsetzen lassen, ist vom persönlichen Geschick abhängig, diese Kunde effektiv zu vermarkten.

(4) Prestige im Bekannten- und Verwandtenkreis: keins, da man Aufwand und Ergebnis kennt.

(5) Eventuelle Rückerstattung von Studiengebühren sowie Anwalts- und Gerichtskosten: nicht absehbar.

In Länge

Hier nun die Begründung für die etwas boshafte Zusammenfassung, die aber im Wesentlichen den Kern der Sache treffen dürfte.

Studienangebot

Auf der Webseite des Heilpraktikers und Impfgegners Rocco Kirch (Link, Edit 11.09.2016: Dieser Link wie auch die anderen aus diesem Artikel führen inzwischen auf geänderte Inhalte.) findet sich eine Seite, auf der auf diese Ausbildung hingewiesen wird:

„Ausbildung und Studium Homöopathie / Master of Science (MSc)“

Das ist doch sicher sehr verlockend. Man vergleiche: die in 2014 eingestampfte Homöopathie-Akademie in Traunstein hatte nur einen Bachelor of Science (BSc) zu bieten, der erst noch zum Master aufgebohrt werden sollte – und hier zeichnet sich jetzt die Gelegenheit ab, gleich den Master zu erreichen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass nach den Angaben auf der Webseite ein Internetanschluss und eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde (= bestandene Heilpraktikerprüfung) als Studienvoraussetzung völlig ausreichen sollen, also irgendeine Form mindestens einer Fachhochschulreife nicht erforderlich ist.

Beteiligt an diesem Angebot ist eine als ‚Homöopathie-Campus Trier‘ bezeichnete Organisation, die eigentlich als Anbieter auftritt, deren Angebotsbeschreibung jedoch etwas weniger aufschlussreich ist (Link). Ebenfalls beteiligt ist die ‚Interuniversitäre Arbeitsgemeinschaft für Gesundheit und Entwicklung e.V.‘ in Graz / Österreich unter der Leitung von Professor P.C. Endler, den Lesern dieses Blogs durch seine Forschung zur Wirkung homöopathischer Präparate bei Kaulquappen bekannt (Link und Link).

Der Anbieter

Angeboten wird dieses ‚Studium‘ also durch eine Organisation, die sich ‚Homöopathie-Campus Trier‘ nennt. Hinter diesem großspurigen Namen scheint aber nur eine Person zu stecken, denn unter dem Menüpunkt ‚Kollegium‘ wird nur ein ‚Dr. (UCN) Peter-Matthias Kiefer M.Ed / M.Sc‚ genannt. Dieser Mann betreibt als Heilpraktiker seit 1990 eine Homöopathiepraxis in Taben bei Trier, die sich ‚Praxis für Homöopathie und komplementäre-psychosoziale Integration‚ nennt (Link). Oder heißt das Teil ‚Praxis für Homöopathie und Salutogenese‚, wie es auf seiner dazugehörigen Profilseite dargestellt wird (Link)? Dazu unter gleicher Adresse ein ‚Lehrinstitut für Homöopathie und Gesundheitswissenschaften‚. Ein vielbeschäftigter Mann also, der das, was er tut, offenbar gerne mit wohlklingenden Begriffen benennt.

Herr Kiefer verfügt nach den Angaben auf seiner Praxiswebseite über eine Ausbildung zum Krankenpfleger und ein entsprechendes Fachhochschulstudium. Dazu hält er einen Master of Science in ‚Health Sciences‘ des Interuniversitären Kollegs in Graz. Weiterhin hat er an der Universidad Azteca in Mexico einen ‚Master of Educational Sciences‘ erworben. Sein Doktortitel ungenannter Fachrichtung stammt von der ‚Universidad Central Nicaragua‘, worauf das Kürzel (UCN) in seinem Dr.-Titel hinweist.

So, einmal unabhängig von den Zweifeln daran, ob Herr Kiefer die Titel denn so führen darf (siehe unten), wie er das tut – was sagt uns das? Ich habe keinen Anlass anzunehmen, dass die Universitäten in Mexiko oder Nicaragua in irgendeiner Form anrüchig wären. Einem Nicaraguaner oder Mexikaner gegenüber, der über Abschlüsse einer dieser Institutionen verfügt, sind keinerlei Vorbehalte angebracht. Dieser hätte die von den nationalen Behörden zugelassenen Bildungsweg vollständig durchlaufen. Ein allgemeines Vorurteil wäre sicher nicht die richtige Grundlage, um die sich daraus ergebende Qualifikation und Fachkompetenz zu beurteilen, zumal die Universitäten über Zertifizierungen durch eine englische international anerkannte Agentur verfügen. Ob die nationalen Aufsichtsbehörden aber so penibel sind, wenn diese Hochschulen im Ausland Fernlehrgänge anbieten und damit dann Gringo-Geld ins Land kommt, ist vielleicht schon eher fraglich. Zumindest hinsichtlich der UCN bestehen da seitens der deutschen Kultusbehörden offensichtlich Zweifel:

„Die „Universidad Central de Nicaragua“ (UCN) ist eine Privathochschule und als solche durch den nicaraguanischen Hochschulrat autorisiert. Die Hochschule bietet u.a. Studienprogramme in Kooperation mit der „Universidad Azteca de Chalco“ in Mexiko sowie Fernstudiengänge an Außenstellen in Deutschland und Österreich an. Hierfür verleiht die Hochschule Abschlüsse wie zum Beispiel den Grad des ‚MA‘ oder des ‚PhD‘.

Das nicaraguanische Hochschulgesetz nimmt keine Einschränkungen der zu verleihenden Titel und dementsprechend keine Normierung der hierfür zu erbringenden Voraussetzungen vor. Die o.g. Abschlüsse werden derzeit an der UCN im Präsenzstudium nicht angeboten und unterliegen nicht der Aufsicht durch den nicaraguanischen Hochschulrat. Die von der UCN in Deutschland und Österreich betriebenen Außenstellen genügen nicht den hiesigen Anforderungen und akademischen Standards einer hochschulischen Einrichtung. Die im Wege des Fernstudiums erworbenen Abschlüsse können daher hier nicht zur Anerkennung empfohlen werden.“

Quelle: Webseite Kultusministerkonferenz, Link , Eintrag zur UCN, abgerufen 15.6.2015

Wie dem auch immer sei – wie ist ein solcher Doktorgrad bei jemandem zu sehen, der ausweislich seiner eigenen Angaben zur Berufstätigkeit nie einen längeren Aufenthalt in Lateinamerika hatte, der ausgereicht haben könnte, dort ein entsprechendes mehrjähriges Studium durchzuführen? Selbst wenn alles mit rechten Dingen zugegangen sein sollte – man darf sicher schon fragen, was einen Mitteleuropäer aus einem mit Hochschulen aller Couleur gesegneten Land dazu treibt, sich in Lateinamerika um diese Abschlüsse zu bemühen. Mir fallen da nur Begriffe wie ‚dünnes Brett‘ oder ‚der Weg des geringsten Widerstandes‘ ein, was nicht gerade eine akademische Auszeichnung wäre, wenn man ihn gegangen ist.

Dass hier generell mehr mit dem Schein als mit dem Sein geworben wird, wird weiterhin dadurch nahegelegt, wie sich das ‚Homöopathie-Campus Trier‘ präsentiert. Hier eine Kostprobe:

„Zum Jahreswechsel 2014 / 2015 wurde das private Lehr- und Forschungsinstitut Auditoriom Homöopathicum zum Homöopathie-Campus Trier gegründet und erweiterte die Aus- und Weiterbildungskonzeption auf Basis der Bologna-Konvention.“

Dazu werden Fotos von einem durchaus repräsentativen und großzügigen historischen Bau mit weitläufiger Wiese davor gezeigt, die den ‚Campus Robert-Schumann-Haus‘ darstellen sollen. Man sieht einen altehrwürdigen Bau, in dem früher die Katholische Hochschule Trier untergebracht war. Heute wird dieses Gebäude, wie auf der zugehörigen Webseite ersichtlich, als ein Tagungsort des Bistums Trier genutzt. (Link). Zweifellos ist das ein schöner Rahmen – man braucht aber wohl kaum zu denken, dass das dargestellte Gebäude eben dieser Campus sei. Man sollte sich vielleicht eher vorstellen, dass von Zeit zu Zeit darin ein Tagungsraum angemietet wird, um die vor Ort abzuleistenden Anteile der Ausbildung abzuwickeln. Denn das organisatorische Gebilde ‚Homöopathie-Campus Trier‘ residiert offenbar unter einer ganz anderen Anschrift in einem Ort namens Taben-Rodt, Luftlinie knapp 25 km von Trier entfernt.

Die Homöopathie-Ausbildung

Es werden drei verschiedene Ausbildungswege angeboten, uns hier interessiert nur derjenige, der zum Master of Science führen soll. Dabei ist auf den werbenden Webseiten textlich nicht immer ganz klar, welche Aussagen sich auf welche Ausbildungsvariante beziehen.

Der angebotene Ausbildungsgang gliedert sich in zwei Teile. Die zunächst zweijährige ‚Ausbildung in Homöopathie‚ wird durch ‚akademisierte Lehrkräfte‚ vermittelt, die auch im Bereich der Homöopathieforschung qualifiziert sein sollen. Die Ausbildung

„vermittelt die unveränderten Grundlagen von Dr. Christian-Samuel Hahnemann zum Heilverfahren. Die Ausbildung ist von verschiedenen methodischen Strömungen bereinigt und verknüpft seine hinterlassenen Inhalte mit erklärenden Hintergründen aus Physik, Chemie, Mathematik, Philosophie, Psychologie u.a.“

Dazu wird ein methodischer Ansatz ‚Praxis der reinen Homöopathie‚ gelehrt, denn

„die inhaltlichen Bereiche des methodischen Ansatzes ermöglichen den Zugang zur Anwendungsforschung, zu Verlaufsbeobachtungen, zur Grundlagenforschung und anderen Forschungsdesigns.“

Bei diesem Ansatz handelt es sich um ein Verfahren, das von einer ‚argentinischen Forschergruppe‘ 1999 in Starnberg vorgestellt worden sein soll. Die Doktores Candegabe und Carrara verknüpfen darin ‚Hintergründe aus Naturwissenschaften mit der von Hahnemann beschriebenen Vorgehensweise‘. Offensichtlich gehört auch ein Gebilde ‚Materia Medica Fundamentalis (C)‘ dazu, das irgendwie von Nutzen ist, wenn man die ‚Causa fundamentalis‘ des Patienten herausgefunden hat.

„Nur durch Stabilisierung der dynamischen Reaktionen eines Systems kann dauerhafte Stabilität der Gesundheit erreicht werden, dieser Hintergrund wird in den Dokumentationen Hahnemanns und in der Beschreibung der Salutogenese nach Antonovsky dargestellt.“

„Die erforderlichen Abgleichungen zwischen den Symptomen des Patienten und der daraus resultierenden Heilmittelentscheidung werden am Homöopathie-Campus in der Lehre der Causa Fundamentalis beschrieben.“

Wenn Sie sich mit der ‚Materia Medica Fundamentalis‘ beschäftigen wollen, sollten Sie sich allerdings nicht wundern, dass Google nur recht wenige Hits findet, wenn man diesen Suchbegriff eingibt – eigentlich nur den Link auf diese Webseite, die wir gerade betrachten. Die Suche nach ‚Candegabe und Carrara‘ führt zu einem Büchlein, das 1999 erschienen ist und über verschiedene Kanäle bezogen werden kann. Sonst nichts.

Bei diesem Ansatz scheint es darum zu gehen, so ist jedenfalls der Diplomarbeit von C. Wagner zu entnehmen, das Ausmaß der Erstverschlimmerung einer Mittelgabe vorherzusagen und dies zur Grundlage der Wahl der zu verabreichenden Potenz zu machen (Link).

Weil ich die Fähigkeiten zur kreativen Erzeugung sinnloser Worthülsen echt bewundere und die Schöpfer solcher Schwurbeleien um ihre Phantasie wirklich beneide, hier noch ein schönes Beispiel:

„Durch die besondere Konzeption eröffnete sich auf Basis von Verreibungsstudien eine neue Form von Grundlagenforschung, die Ergebnisse können helfen die Materia Medica zu begründen und deren Anwendung zu optimieren.“

Mir ist es noch nie passiert, dass ein korrekt geschriebener Einzelbegriff in Google  nur ganze zwei Treffer ergibt (Abruf 14.6.2015). ‚Verreibungsstudie‘ ist ein solches Ding. Hier kommen nur die Links auf die Seiten des Herrn Kirch und des Homöopathie-Campus, deren Texte in diesem Teil wörtlich identisch sind. Diesen Begriff benutzt der Autor dieses Textes also im deutschsprachigen Raum exklusiv als Einziger – ohne allerdings darzulegen, was man sich darunter vorzustellen hätte.

Aufwand und Nutzen dieser Homöopathieausbildung

Sie können nach den Angaben auf der Webseite sich nur für das Gesamtpaket anmelden, das heißt, wenn Sie sich für das Studium entschieden haben, müssen Sie diesen Teil ebenfalls absolvieren.

Die Studiengebühren sind mit € 1500,- pro Semester noch vergleichsweise moderat. Alle sechs Wochen ist ein Wochenende in Trier (oder Berlin?) fällig, bei dem Anwesenheitspflicht herrscht. Die Veranstaltungen beginnen freitags um 09.00 Uhr, enden sonntags um 15.00 Uhr. Das macht also zusätzlich zu den Fahrtkosten, wenn man von außerhalb kommt, drei Übernachtungen und Verpflegung für drei Tage erforderlich, die mindestens sechs Mal im Jahr anfallen. € 300,- pro Wochenende sind da sicher eher knapp geschätzt, damit sind wir sicher im unteren Bereich der Möglichkeiten. Dann kommen im zweiten Studienjahr noch Kosten für Material und Software hinzu, die mit € 1500,- benannt sind. Das macht in Summe rund € 11.000,-.

Hinzu kommt noch die Arbeitszeit, die aufgebracht werden muss, pro Jahr 750 Stunden, in zwei Jahren also 1500 Stunden. Zum Vergleich: 2013 betrug die durchschnittliche Jahrearbeitszeit je Erwerbstätigem in Deutschland 1388 Stunden (Link, S. 9). 750 Stunden im Jahr sind also durchaus eine beträchtliche Arbeitsbelastung, die man neben seinem Beruf bewältigen muss.

Es ist sicher eine Frage der persönlichen Einstellung, ob man seinen Zeitaufwand ebenfalls monetär bewerten will, weil man ja in dieser Zeit zumindest teilweise etwas anderes machen könnte, womit vielleicht ein Einkommen realisiert werden könnte. Dies ist von hier aus nicht seriös zu bewerten, daher belasse ich es bei der Angabe des geplanten Stundenaufwandes.

Nutzen dieser Homöopathieausbildung

Sofern Sie noch nicht als Heilpraktiker zugelassen sind, bringt Sie diese Ausbildung in dieser Hinsicht nicht weiter. Eine Vorbereitung auf die Heilpraktikerprüfung wird nicht erwähnt, es scheint, dass man sich alleine auf die Homöopathie beschränkt.

Wenn Sie bereits Heilpraktiker sind und noch keinen Kursus zur Homöopathie absolviert haben, dann ist dieser Kurs vielleicht genauso sinnvoll wie jeder andere. Ein Vor- oder Nachteil ergibt sich lediglich aus den vielleicht geringeren Kosten für einen Homöopathielehrgang in Ihrer Nähe, die ja in großer Zahl angeboten werden. Da es sich aus skeptischer Sicht bei der Homöopathie bestenfalls um eine Placebomedizin handelt, ist es ohnehin belanglos, welchen Inhalt Sie erlernen.

Ab Ende des zweiten Ausbildungsjahres müssen Sie aber über eine Genehmigung zur Ausübung der Heilkunde verfügen, also eine bestandene Heilpraktikerprüfung vorweisen können. Warum? Keine Ahnung.

Interessant wird es, wenn Sie Heilpraktiker sind und bereits Homöopathie-Lehrgänge absolviert haben. So, wie sich das im Text liest, nutzt Ihnen das nicht viel, Sie müssen auf jeden Fall diese Ausbildung durchlaufen. Dass ein Seiteneinstieg nicht möglich ist, wird extra erwähnt, allerdings auch, dass stattgefundene Ausbildungskontingente anderer Schulen ggf. nach Begutachtung anerkannt werden können‘. Offenbar hätten Sie anderenfalls ja den oben im Zitat erwähnten Zugang zur Forschung nicht, den Ihnen die Lehre der ‚Causa fundamentalis‘ offenbar als Studienvoraussetzung vermitteln soll.

Was bleibt Ihnen unter diesen Voraussetzungen – außer diesem Studium, das wir im nächsten Abschnitt betrachten – als Vorteil? Sind Sie dann ein besserer klassischer Homöopath, der seine Patienten mit treffsichereren Behandlungen schneller heilt als die anderen Homöopathen, einfach weil Sie auf Anhieb die richtige Potenz auswählen? Zunächst würde dies ja gegen Ihre wirtschaftlichen Interessen laufen, denn, wenn Sie schneller heilen, kommt der einzelne Patient weniger häufig in die Praxis. Also muss sich die Kunde von Ihrer besseren Qualität bei den Patienten herumsprechen, damit sie in größerer Zahl in Ihre Praxis strömen. Wie viele müssen das sein, bis die Kosten wieder eingearbeitet sind? Da derzeit alle Spielarten der Homöopathie bei ihren Anhängern gleichermaßen ohne Unterschied als wirksame, sanfte, ganzheitliche und kostengünstige Therapieformen wahrgenommen werden, dürfte es sehr schwierig sein, dass Sie sich gegen Ihre Konkurrenz entsprechend etablieren.

Als Arzt mit Approbation werden Sie sicher eher durch von der Ärztekammer zugelassene Weiterbildungsmaßnahmen die Zusatzbezeichnung ‚Homöopath‘ erwerben wollen und nicht auf dieses Angebot zurückgreifen, das Ihnen nichts bringt, was Sie auf Ihr Praxisschild schreiben könnten.

In Summe ist der Nutzen, den speziell diese Ausbildung ihren Absolventen bieten könnte, eher gering.

Das anschließende Studium

Was wird da eigentlich angeboten? Darüber erfährt man überhaupt nichts Konkretes! Weder auf den bisher betrachteten Seiten des Herrn Rocco Kirch noch des Homöopathie-Campus Trier.

Man erfährt, dass es sich wohl um ein Fach namens ‚Komplementäre Gesundheitswissenschaften‚ handle, ‚Schwerpunkt Homöopathieforschung‚, und dass das Ganze als fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung zu sehen ist. Dazu arbeitet man mit dem Interuniversitären Kolleg in Graz zusammen. Quasi nebenbei fällt beim Studium nach einem Jahr noch ein ominöses nicht näher definiertes ‚EU-Certificate‚ an.

Einer Grafik kann man entnehmen, dass es in dem Studium wohl hauptsächlich um die schlagwortartig genannten Begriffe ‚Forschung und Lehre der Homöopathie‘ sowie um ‚Psychosoziale Komplemente‘ geht. Worum es sich bei Letzterem handelt, ist mir ein unlösbares Rätsel.

Eine andere Grafik, etwas weiter unten auf der gleichen Seite, listet abweichend von der eben genannten folgende Fachbezeichnungen auf:

  • Salutogenese (5. Semester)
  • Wissenschaftliches Arbeiten (5. und 6. Semester)
  • Tiefenpsychologie (6. Semester)
  • Vorstellung regulativer / Komplementärer Verfahren (7. Semester)
  • Vergleich und Integration regulativer Verfahren (7. Semester)
  • Regulationsbiologie (8. Semester)
  • Supervision – Balintgruppenarbeit (5. bis 10. Semester)
  • Reflektion der angestammten Kompetenz (9. und 10. Semester)
  • Abschlussarbeit (7. bis 10. Semester)

Dass dies im Widerspruch zu den Aussagen oben drüber steht, ist wohl noch niemandem so richtig aufgefallen: Homöopathieforschung und Homöopathielehre, was angeblich so eine große Bedeutung hat, dass es den Namen der Vertiefungsrichtung prägt, kommt hier gar nicht vor. Wenn die Unterlagen zur Ausbildung genauso sorgfältig aufeinander abgestimmt sind, dann lässt dies Schlimmes befürchten.

Man kennt allerdings schon genau die auflaufenden Studiengebühren (€ 2.400,- pro Semester).

Als Voraussetzung für das Studium wird neben der schon erwähnten erfolgreich abgelegten Heilpraktikerprüfung noch ein Internetanschluss genannt, da das Ganze als Fernlehrgang mit gelegentlichen Präsenzzeiten organisiert ist.

Für den ‚wissenschaftlichen Teil der Ausbildung‘ kooperiert man mit dem Interuniversitären Kolleg in Graz. Auf dessen Webseite (Link) wiederum findet man die Angabe, dass man bis 2012 ‚Master-Lehrgänge universitären Charakters‚ angeboten HATTE (!!) ‚und seither ihre Struktur verschiedenen Universitäten als Außenstelle zur Verfügung stellt.‚ Demnach macht man da nichts selber! Die Studenten anderer Hochschulen dürfen offensichtlich Hörsäle, Labors, Gruppenräume oder was auch immer benutzen, vielleicht wird auch eine (Gast-)Vorlesung abgehalten – aber eigenverantwortlich durchzuführende Studiengänge oder Lehrgänge bietet man derzeit (Juni 2015) offenbar nicht an.

Das soll sich aber offensichtlich ändern. Unter ‚News‚ findet man eine Überschrift ‚Neustart MSc MEd‚, unter der man dann erfährt, dass ab Herbst 2015 in Österreich drei verschiedene Lehrgänge angeboten werden, nämlich

  • MSc Komplementäre und psychosoziale Gesundheitswissenschaften
  • MSc Child Development, MEd Child Development
  • MEd (Master of Education)

Für Deutschland wird ein ‚Masterstudiengang mit Schwerpunkt Homöopathieforschung und Lehre‘ ebenfalls ab Herbst 2015 angeboten, der eben in Trier stattfinden soll.

Während man für die Studiengänge in Österreich zum Teil recht umfangreiches Informationsmaterial findet (allerdings als ‚Lehrgang universitären Charakers‘, nicht als ‚Studium‘), mit Studien- und Prüfungsordnung, einer Auflistung des beteiligten Lehrpersonals etc. erfährt man von dem in Deutschland angebotenen Studiengang – absolut nichts. Nicht eine Zeile zum Inhalt, schon gar nicht zu Studien- und Prüfungsordnung und zu allem, was man als Student, der da immerhin eine Menge Geld investieren soll, sonst so wissen möchte. Vom Titel her passt dieses Angebot auch so gut wie gar nicht zu dem, was in Österreich angeboten wird – man wird wohl davon ausgehen müssen, dass nicht viel der Inhalte aus den österreichischen Lehrgängen übernommen werden kann.

Damit ist völlig unklar, was da eigentlich angeboten wird, nur die Höhe der Kosten und dass ein Master-Titel erreicht werden soll, liegen schon fest. Da weiß man doch gleich, wo die Prioritäten liegen.

Wenn man hierzulande einen Mastertitel führen will, dann muss man diesen entweder in Deutschland von einer als Hochschule staatlich anerkannten Bildungseinrichtung verliehen bekommen oder alternativ von einer ausländischen Hochschule – was allerdings die gleiche Problematik beinhaltet. Somit stellt sich die Frage, wer formal die Einrichtung ist, die in fünf Jahren den begehrten akademischen Titel verleihen wird. Grundsätzlich stellt sich damit auch die Frage, wer der Vertragspartner ist und wer für diese Ausbildung / diesen Lehrgang / dieses Studium inhaltlich verantwortlich ist.

Wenn das Homöopathie-Kolleg Trier diese Einrichtung sein soll – dann ist da noch ein weiter Weg zu gehen. Die gegenwärtige Ein-Mann-Institution müsste sich als Hochschule staatlich anerkennen lassen, was nach dem für Trier geltenden Hochschulgesetz von Rheinland-Pfalz eine erhebliche Ausweitung der Organisation erfordern würde. Man müsste beispielsweise diverse Gremien bilden, Professoren einstellen, den ganzen Lehrbetrieb planen. Darüber müssten eine ganze Menge Unterlagen beim Kultusministerium eingereicht werden. Es muss ein Anerkennungsverfahren durchlaufen werden, was ein sehr zeit- und arbeitsintensives Unterfangen ist. Danach muss der Studiengang selbst akkreditiert werden, was wiederum einen Haufen Arbeit bedeutet – und auch einige Anforderungen an Lehrpersonal und Infrastruktur stellt. Ein ‚Akademisieren des Lehrpersonals‘ dürfte da nicht reichen.

Natürlich können Sie darauf hoffen, dass dies alles bis dann, wenn Sie am Ende den begehrten Titel erhalten wollen, auch erreicht sein wird. Was aber, wenn es da Schwierigkeiten gibt? Wenn das Kultusministerium zum Beispiel darauf besteht, dass für ein wissenschaftliches Studium mindestens eine Hochschulreife (Abitur) oder gleichwertige Qualifikation vorliegen muss? Wenn am Ende das Kultusministerium das Argument einfach wegwischt, dass man ja der lebende Beweis sei, dass man für das Studium keine weitere Voraussetzung als Hauptschulabschluss und ein Alter von 25 Jahren wie für einen Heilpraktriker benötigt. Was wenn man genau darin den Beweis dafür sieht, dass das Studium eben keine angemessenen Inhalte hatte, um einen Master-Titel zu rechtfertigen, wenn diese Qualifikation zum Bestehen ausreichte?

Oder wenn irgendeins von den anderen 1001 Problemen sich als unlösbar erweist, zumindest in der zur Verfügung stehenden Zeit? Daher meine ich, sollten Sie Anwaltskosten in die Gesamtbetrachtung mit einbeziehen, ebenso die vorzulegenden Gerichtskosten und möglicherweise einen gewissen Reiseaufwand einkalkulieren. Allerdings ist die Erfolgsaussicht gering. Wenn Sie merken, dass da etwas schiefläuft mit Ihrem Studium, dann merken das Ihre Studienkollegen auch – und ob das Homöopathie-Campus dann alle Forderungen begleichen kann, darauf würde ich nicht wetten.

Was aber, wenn das Interuniversitäre Kolleg den Titel vergeben soll? Das ändert die Problemlage, so wie es aussieht, nicht grundlegend. Man darf in Deutschland zwar einen im Ausland erworbenen akademischen Grad führen, aber dies ist an Vorgaben gebunden:

„Voraussetzung für die Führung eines ausländischen Hochschul- oder staatlichen Grades ist, dass der Grad ordnungsgemäß durch eine Hochschule bzw. durch eine hierzu berechtigte staatliche Stelle verliehen wurde. Außerdem muss die Hochschule in dem betreffenden Land staatlich anerkannt oder nach den dort geltenden Akkreditierungsverfahren akkreditiert sein.

Abgesehen von Ehrengraden muss der Grad aufgrund eines tatsächlich absolvierten und ordnungsgemäß durch Prüfung abgeschlossenen Hochschulstudiums erworben sein. Diese Regelungen gelten grundsätzlich sowohl für staatliche wie kirchliche Grade sowie auch für Hochschultitel und Hochschultätigkeitsbezeichnungen.“

(Link) abgerufen 15.6.2015

Nun ist das Interuniversitäre Kolleg derzeit keine akkreditierte Hochschule. Man hat zwar durchaus Erfahrung mit akkreditierten Studiengängen, so scheint es, immerhin sind die drei in Österreich angebotenen Ausbildungsgänge akkreditiert worden. (Link)

Aber bisher hat man kein vollständiges Hochschulstudium angeboten, sondern nur ‚Lehrgänge universitären Charakters‘, was eine österreichische Spezialität war (!) und eine wesentlich leichtere Version des Qualifikationserwerbs darstellte. Ein wissenschaftliches Studium erfolgt auch in Österreich an einer Universität oder Fachhochschule und die Lehre erfolgt durch Professoren. Für einen ‚Lehrgang universitären Charakters‘ reichte es aber offenbar aus, das nur die Gesamtverantwortung durch eine Person mit (Hochschul-)Lehrberechtigung wahrgenommen wird, ansonsten genügt für die Lehre ‚fachlich ausreichend qualifiziertes Personal‘. Demzufolge waren die verliehenen Mastergrade auch nicht gleichwertig zu denjenigen der Universitäten und Hochschulen (Link).

Man wird also entweder das Interuniversitäre Kolleg zu einer vollwertigen Hochschule ausbauen müssen oder eine andere Universität oder Fachhochschule dafür gewinnen müssen, hier einzusteigen. Dann muss die ganze Prozedur abgearbeitet werden, bis der Studiengang – nicht ein ‚Lehrgang universitären Charakters‘ – akkreditiert ist. Sie können natürlich darauf vertrauen, dass dies bis in zwei Jahren zumindest soweit gediehen sein wird, dass die Inhalte klar sind und Sie das Studium beginnen können. Sie müssen dann zwangsläufig weiter darauf vertrauen, dass dieser Prozess abgeschlossen sein wird, wenn Sie drei Jahre später Ihren Titel verliehen bekommen wollen. Wie gesagt, heute scheint es noch nicht eine Zeile Text davon zu geben, weder einen Namen für das Fachgebiet (nur welcher Schwerpunkt das ist), noch nicht einmal eine publikationsfähige Beschreibung des Inhalts, für den man Sie als Student werben will.

Ich halte es auch hier für sinnvoll, Anwalts- und Gerichtskosten zu budgetieren, wobei in diesem Falle der Gerichtsstand Österreich wäre, was bei den Kosten zu berücksichtigen wäre.

Dass die ganze Sache problematisch ist, können Sie an zwei Beispielen sehen:

Offenbar haben einige Absolventen aus Deutschland schon solche ‚Lehrgänge universitären Charakters‘ abgeschlossen – haben aber das Problem, dass sie diesen Titel nicht führen dürfen. Auf diesen Profilseiten zweier Heilpraktikerinnen wird auf ihr jeweiliges Studium in Graz Bezug genommen – aber sie dürfen offenbar ihren Namen nicht damit schmücken, sich also nicht als Frau ‚Irgendwie Soundso MSc ‚ bezeichnen – weder auf dem Praxisschild, dem Briefpapier oder im Internetauftritt (Link  Link). Dass Herr Kiefer, siehe oben, seinen in Graz erworbenen Titel so führt, beweist nicht, dass das richtig ist.

Das Problem könnte natürlich auch darin liegen, dass die beiden Damen nicht über die in der Prüfungsordnung in Graz festgelegten Voraussetzungen zum Studienbeginn verfügten (‚Arzt/Ärztin oder AbsolventIn anderer Akademischer Studien‘). Fest steht, dass man wahrscheinlich in Graz rund € 20.000,- dafür ausgegeben hat, mit dieser Textzeile im Internetauftritt auf das Studium hinzuweisen – und gegebenenfalls eine sicher sehr aufwändig gestaltete Abschlussurkunde an der Wand hängen zu haben.

Nutzen des Studiums

Angesichts des unbekannten Inhalts kann man über den möglichen Nutzen des Studiums nur mutmaßen, was natürlich eine gewisse Unschärfe beinhaltet. Aber dennoch:

Ob der durch Zeugnis und vielleicht sogar Titel dokumentierte Abschluss dieses Ausbildungsgangs zu irgendwelchen beruflichen Weiterentwicklungen qualifiziert, ist stark zu bezweifeln. Sie sind und bleiben zunächst Heilpraktiker, denn dieser Mastergrad ist im deutschen Gesundheitswesen – genauso wenig wie im österreichischen – nicht vorgesehen. Sie können nichts damit anfangen. Und eine institutionalisierte Homöopathieforschung, für die Sie vielleicht (!) interessant wären, gibt es in Deutschland nicht.

Sind Sie hinterher ein besserer Heilpraktiker, der seine Patienten schneller und effektiver heilt? Mit einem zusätzlichen Wissen in ‚Lehre und Forschung in der Homöopathie‘ oder ‚Psychosoziale Komplemente‘, was immer man sich darunter auch vorzustellen haben mag? Zweifel sind da sicher erlaubt.

Bleibt der Gewinn an Prestige gegenüber Ihren Patienten, den ein akademischer Grad so mit sich bringt, wenn man ihn denn führen darf. Wird durch die ohne Zweifel schöne Urkunde in Ihren Praxisräumen die Zahl der Patienten, die Sie aufsuchen, deutlich wachsen, damit der gestiegene Umsatz die Kosten deckt – aus dem Gesamtpaket sicher etwas in der Größenordnung von € 30.000,- plus die angefallenen 3750 Arbeitsstunden?

Bleiben die ideellen Werte in Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis. Wobei bei ersteren wohl schon aufgefallen sein dürfte, welchen Aufwand Sie in das Projekt gesteckt haben und wie wenig Nutzen dabei herausgekommen ist. Natürlich finden Großeltern immer toll, wenn die Enkel irgendetwas erreicht haben, auch wenn man nicht so ganz genau verstanden hat, worum es dabei eigentlich ging.

Aber lohnt dies den Aufwand?

Alles in Allem ist der Konflikt vorprogrammiert. Wenn Sie das ehrlich betrieben haben, haben Sie einiges an Geld und Zeit investiert. Nur wenn es Probleme mit dem akademischen Grad gibt, dass man Ihnen den gar nicht verleihen darf oder sie ihn in Deutschland nicht führen dürfen, haben Sie vielleicht eine Chance, vor Gericht wenigstens einen Teil der Studiengebühren als Erstattung zugesprochen zu bekommen. Aber selbst dann könnte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass Sie sich mit recht einfachen Mitteln hätten davon überzeugen können, welche Risiken Sie eingingen, als Sie den Vertrag unterzeichneten und die Ausbildung begannen. Ein gewisses Risiko also auch hier.

Zum Abschluss

Zum Abschluss ein kleiner Streifzug über die Informationsseiten, in denen das Interuniversitäre Kolleg den Studiengang zum ‚Master Health Sciences‘ beschreibt, was dem ‚Masterstudiengang mit Schwerpunkt Homöopathieforschung‘ vielleicht (!) nahekommt (Link). Möglicherweise finden sich diese Aussagen ja später auch in dessen Beschreibung

Schon die erste Seite, wenn man den Button anklickt, fördert Verwunderliches zutage. Man erfährt, dass es um eine Qualifikation für ‚optimierte Praxis, Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit‘ geht. Sind das wirklich die Kernpunkte der Qualifikation eines alternativmedizinischen Therapeuten? Und warum in aller Welt steht da:

„Pioniergeist ist Voraussetzung – Bildung muss neben methodisch-technischem und intellektuellem Anspruch auch das individuelle persönliche Wachstum einbeziehen.“

Wenn es Ihnen so geht wie mir, dass sich Ihnen auch nach dem fünfzigsten Lesen der tiefere Sinn dieser Fundamentalaussage nicht erschließt – sind Sie sicher, dass dies das Studium ist, das Sie brauchen?

Vollends verdächtig wird die Sache, wenn Sie sich die Angaben zur Zielgruppe ansehen. Da kommt relativ häufig das Wort ‚AbsolventIn‘ vor, in Verbindung mit irgendeiner Akademie. Auch als Arzt / Ärztin verfügt man über die notwendige Qualifikation oder als StudentIn mindestens auf Fachhochschulniveau mit zusätzlicher gesundheitsrelevanter Qualifikation. Das sind Dinge, die man als Heilpraktiker eher nicht mitbringt. Wenn Sie das Studium dennoch beginnen – eigentlich müsste man Sie dort aber ablehnen – dann wäre es ein Verstoß gegen die Prüfungsordnung, Ihnen den Titel auch zu verleihen. Selbst wenn man es täte – der Titel wäre unrechtmäßig erworben.

Der Internetanschluss wird übrigens hier nicht gefordert.

Da ich sinnlose Worthülsen eigentlich liebe und die Schöpfer solcher Elaborate ob ihrer Kreativität ganz offen bewundere, noch ein paar Beispiele dessen, was der Kandidat hier unter Anderem mitbringen muss:

  • ‚Eignung zur inter-hierarchischen und interdisziplinären Vernetzung von Gesundheitswissen‘
  • ‚Bereitschaft zu vertiefter Selbst- und Kommunikationserfahrung‘
  • ‚Interesse an weiterer fachlicher und persönlicher Qualifikation für Berufszufriedenheit / Forschung / Lehre / Öffentlichkeitsarbeit‘

Das Highlight aus dem Menüpunkt ‚Inhalt‘ sind für mich diese Sätze – die Sie sich bei Interesse an dem Studium einmal ganz genau betrachten sollten:

„Auch nach dem Lehrgang, mit dem akademischen Mastergrad ausgestattet, gehen Sie in der Regel von Ihrer Ursprungskompetenz aus, aber mit mehr interdisziplinärer Umsicht, mehr Zufriedenheit und Effizienz.

Zusätzlich erhalten Sie Kompetenzen in der Forschung, in der Lehre und in der Öffentlichkeitsarbeit und können an den internationalen Forschungsprojekten des Kollegs teilnehmen.“

Wenn das nicht echte Perspektiven sind …

Edit 03.11.2015: Ute Parsch hat weiter daran gearbeitet – was dazu geführt hat, dass es dieses Angebot heute nicht mehr gibt. Hier ihr Bericht auf diesem Blog (Link).

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11 Kommentare zu Ein neues Angebot zum Master of Science in Homöopathie

  1. Pingback: Der wahre Homöopathie-Meister glänzt in „Bereitschaft zu vertiefter Selbsterfahrung“ @ gwup | die skeptiker

  2. AlteWeser sagt:

    Herr Aust,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Sie verstehen es, die Fakten so freundlich ironisch zu präsentieren, dass man sich bestens unterhalten fühlt. Nach dem Lesen wage ich eine Vorhersage: Das Angebot wird mangelnds Nutzer wieder eingestellt, so wie es auch in Traunstein geschehen ist. Gut so.

    • Ute Parsch sagt:

      Da wäre ich mir nicht sooo sicher, dass das mangels Teilnehmern wieder eingestellt wird, weil die organisatorische Struktur hier völlig anders ist.

      Wir haben nur 1 Dozenten, der hauptberuflich von seiner Praxis lebt und sich nur alle paar Wochenenden Zeit nehmen muss. Wir haben einen „wissenschaftlichen Partner“ mit Burg Seggau in Graz, der bereits finanziert ist.

      Die einzigen Unkosten, die entstehen, sind Buchungsgebühren für die Räumlichkeit alle paar Wochen am Wochenende. Also zu Zeiten, in denen der Campus vermutlich sonst eher verwaist wäre. Es wäre nicht erstaunlich, wenn die Räume deshalb zu einem Preis angemietet werden könnten, so dass man bereits mit einem oder maximal zwei Teilnehmern Gewinn macht.

      Außerdem ist angekündigt, das Angebot auf andere Bundesländer auszuweiten. Um den MSc in Homöopathie real werden zu lassen, genügt also wirklich eine Handvoll Teilnehmer bundesweit.

      Daher würde ich vermuten, dass sich dieser Kurs nicht so einfach von selbst auflöst. Und bestimmt auch nicht deshalb, weil jemand befürchten müsste, die Diskussion um diesen Studiengang könnte Bewerber anderer Studiengänge von diesem Campus fernhalten: Es gibt ja nur dieses eine Angebot.

      Grüße

      • Cliff sagt:

        Ist zwar inhaltlich nicht wirklich relevant, möchte aber anmerken, dass die Burg Seggau nicht in Graz ist, sondern in der Südsteiermark bei Leibnitz liegt und von jedermann für Seminare und dergleichen gemietet werden kann.

        http://www.seggau.com/de/

  3. Dr. Rupprecht sagt:

    Danke Herr Aust, wieder einmal sehr gründlich recherchiert und sehr ausführlich dargestellt. Ich habe mit großem Interesse diesen Artikel gelesen. Ich frage mich allerdings, ob es wirklich jemanden geben wird, der so viel Geld und Zeit für etwas investiert, welches ja wohl letzten Endes völlig wertlos ist.

  4. Paula sagt:

    Ich frage mich die ganze Zeit, wie dieses Angebot juristisch zu bewerten ist.

    Bei dem Master of Science handelt es sich in Deutschland um einen geschützten akademischen Grad, der nur unter strengen Voraussetzungen und nicht von Krethi und Plethi vergeben werden darf.

    Ist diese Werbung für ein „Studium“ Homöopathie / Master of Science (Msc) unter den geschilderten Umständen eigentlich legal?

  5. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Paula,

    das ist genau der Punkt.

    Wenn der Mastergrad hier in Deutschland verliehen werden soll, dann muss es sich bei der verleihenden Institution um eine staatlich anerkannte (oder staatliche) Hochschule handeln und der Studiengang muss akkreditiert sein. Sonst ist das illegal und kann die verleihende Institution recht teuer zu stehen kommen, soweit ich jetzt im Gedächtnis habe, bis zu € 50.000,-.

    Wird der Titel im Ausland verliehen, dann muss das Studium nach den dortigen Vorschriften abgeleistet worden sein. Im Falle Österreich muss es sich ebenfalls um einen akkreditierten Studiengang an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule handeln. Gegenstand dieser Akkreditierung wäre auf jeden Fall auch die Prüfungsordnung, darin auch die Zugangsvoraussetzungen für das Studium. Wenn in der Prüfungsordnung beispielsweise ein Abitur (in Österreich Matura), Fachhochschulreife oder Ähnliches als Voraussetzung genannt ist und der Student verfügt nicht darüber, dann ist das Studium nicht ordnungsgemäß absolviert worden. Unabhängig von den Regelungen in Österreich dürfte der Titel in Deutschland nicht geführt werden.

    Wie das mit dem Angebot ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber wenn ein Interessent mit dem Anbieter – wer immer das auch jetzt ist – einen Vertrag eingeht, also etwas unterschreibt, dann kann es sich um einen Betrug handeln, genauer gesagt entweder um einen Erfüllungsbetrug oder einen Eingehungsbetrug. Ein Erfüllungsbetrug wäre, wenn der Absolvent weniger erhält als vertraglich vereinbart (also er erhält zwar die Unterrichtseinheiten aber trotz ausreichender Prüfungsleistungen nicht den akademischen Grad). Eigehungsbetrug wäre, wenn der Vertragspartner den Vertrag schließt, während ihm klar ist, dass er die vereinbarte Leistung nicht erbringen kann.

    • Cliff sagt:

      In Österreich dürfen nur Ärzte Homöopathie betreiben. So etwas wie Heilpraktiker haben wir hier zum Glück nicht. Daher frage ich mich wie dieser Studiengang aus österreichischer Sicht einzuordnen ist. Der Titel ist ja, wenn man bereits einen Dr. med. führt, wohl eher uninteressant.

  6. Joseph Kuhn sagt:

    Immerhin ein konsequent homöopathisches Ausbildungskonzept: Nix drin, aber teuer.

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