Endlers Homöopathie-Kaulquappen – Teil 2

Hier folgt der zweite Teil des Artikels, in dem sich Ute Parsch mit den Ergebnissen der österreichischen Forschergruppe um P. C. Endler auseinandersetzt.

Der erste Teil (Link) stellte die zentrale Versuchsreihe vor und beschäftigte sich ausführlich mit der ersten und grundlegenden Veröffentlichung zu diesem Thema. Es zeigte sich, dass die „Verlangsamung der Metamorphose“ in den Originalexperimenten vor allem dann erkennbar war, wenn die Messdaten geschickt aufbereitet wurden.

Im folgenden zweiten Teil wird es darum gehen, inwiefern der in der ersten Arbeit in einigen wenigen Unterexperimenten beobachtete geringe Unterschied zwischen den mit hochpotenziertem Thyroxin behandelten Kaulquappen und der mit Wasser behandelten Gruppe reproduzierbar war.

In Kürze:

  • Messungen, die nicht ins Bild passen, werden schnell zu einer eigenen Art von Experiment definiert.
  • Dabei verliert die ursprüngliche, recht generell aufgestellte Hypothese der Verlangsamung der Metamorphose durch hochpotenziertes Thyroxin D30 sukzessive an Tragweite.
  • Darunter will man auch „Aspekte“ beobachten, die jedwede praktische Anwendung der Homöopathie als Verfahren mit vom Therapeuten vorhersagbarer Wirkung eigentlich unmöglich machen. Die logischen Konsequenzen solcher Aussagen für das Gedankengebäude der Homöopathie werden nicht diskutiert.
  • Hat man alle solchen Experimente „anderer Art“ erst einmal in den Metaanalysen nicht berücksichtigt, zeigen sich – oh Wunder – statistisch signifikante Effekte in für sich genommen nicht signifikanten Daten.

Return of the Tadpole

In Originalexperiment von 1991 hinkten, wie wir gesehen haben (Link), einige wenige Messkurven für die Metamorphose der mit Thyroxin D30 behandelten Kaulquappen etwas hinter denen der nur mit Wasser behandelten Tiere hinterher. Der Unterschied war nicht groß, doch gab es in den 10 betrachteten Messreihen keine, in denen die Thyroxintiere vergleichbar weit voraus waren.

Wären die Unterschiede alleine dem Zufall zu verdanken, dann müsste man bei einer Wiederholung der Experimente auch immer wieder Fälle dabei haben, in denen genau das der Fall ist, dass die mit dem Thyroxin behandelten Tiere mal schneller mal langsamer als die anderen sind. Lägen jedoch wirklich reproduzierbar die Thyroxintiere immer minimal hinter den mit Wasser behandelten Kaulquappen, so wäre das tatsächlich ein gewisser Hinweis auf einen Einfluss des Thyroxins. Endler behauptet nun auf seiner Webseite, dass genau dies der Fall ist (Link), wobei er sich auf die Ergebnisse einer als Metaanalyse bezeichneten Arbeit [2] bezieht: Wenngleich die einzelnen Experimente kaum signifikante Unterschiede zeigten, so soll es doch reproduzierbar zu Verlangsamungen der Metamorphose kommen, die dann in der Zusammenfassung einen signifikanten und starken Effekt belegen sollen:

„Für das ursprüngliche Team waren die gepoolten T30x-Werte 10.4% kleiner als die W30x-Werte (100%) (p < 0.01 und d > 0.8), für die 5 unabhängigen ForscherInnen waren die gepoolten T30x-Werte 12.4% kleiner (p < 0.01 und d > 0.8) als die W30x-Werte, d.h. in beiden Fällen waren die Unterschiede zwischen den Gruppen statistisch hoch signifikant und die Effektstärke groß.“

Was macht der Wissenschaftler, wenn er der Meinung ist, einem kleinen aber realen Phänomen auf der Spur zu sein? Er versucht, das, was sich in den ersten Messungen angedeutet hat, sauber herauszuarbeiten. Er versucht, das Messverfahren zu optimieren und so den gesuchten Effekt besser in den Messungen einzufangen und so die statistische Signifikanz bzw. das „Signal-zu-Rausch-Verhältnis“ zu verbessern.

Im Prinzip ist es also ein sinnvoller Ansatz, das Experiment einerseits immer wieder streng exakt zu reproduzieren, daneben aber auch in Folgeversuchen etwas zu variieren, um zu testen, ob man den gemessenen Effekt verstärken kann.

Wenn man so vorgeht, muss man sich aber auch klarmachen, was es bedeutet, wenn sich der gesuchte Effekt trotz aller Bemühungen nicht besser einfangen lässt als eine schwache, statistisch nicht signifikante Abhängigkeit…

Aber sehen wir uns die erzeugten Daten und Variationen der Messungen einmal an.

Experimente mit niedrigen Potenzen:

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch mit niedrigen Potenzen experimentiert und auch hier – nach eigenen Aussagen – eine Verlangsamung der Entwicklung beobachtet wurde. Es fällt aber auf, dass die Messreihen zu den Potenzen D5…D8 bei der Erwähnung der Experimente heute keine Rolle mehr spielen. P.C. Endler schreibt zwar (in seinem Buch „Expedition Homöopathieforschung“ [4]), man hätte diese Experimente in Graz mit „prinzipiell denselben Ergebnissen wiederholt“. Was man darunter exakt zu verstehen hat, bleibt im Buch zumindest offen.

Dagegen konnten unabhängige Arbeiten diese Ergebnisse mit den niedrigen Potenzen nicht bestätigen. Zum Beispiel heißt es in einer Diplomarbeit aus Tübingen [5] auf Seite 30: „Aus dem vorangehenden Abschnitt geht hervor, daß die Ergebnisse insgesamt keine statistischen Schlüsse zulassen, die auf homöopathische Effekte hindeuten würden.“

Und auch eine Arbeit von Jörg Erich Alex, deren Zusammenfassung sich auf den Seiten der Carstens Stiftung findet [7], kommt zum selben Ergebnis: „Verschiedene statistische Auswertungsstrategien lieferten alle dasselbe Ergebnis. Weder für Thyroxin D6 noch für D7 ist eine Verlangsamung der Metamorphose im Vergleich zur Kontrollgruppe nachweisbar. Die Verläufe sind in beiden Gruppen sehr ähnlich.“

Aus diesem Grund betrachte ich im Folgenden ausschließlich die Messreihen und Aussagen zu den verschiedenen Experimenten mit Thyroxin D30. Zumal hier eben keinerlei Molekül bei den Kaulquappen angekommen sein dürfte und daher aus naturwissenschaftlicher Sicht auch kein reproduzierbarer Effekt auftreten dürfte. Sollte es Endler jedoch gelungen sein, die Reproduzierbarkeit nachzuweisen, wäre die Sensation perfekt.

Wiederholungen und Variationen des Experimentes mit Thyroxin D30:

Wie schon in der ersten Veröffentlichung von 1991 wurden nicht alle Experimente von P.C. Endler selbst durchgeführt. Die Wiederholungen fanden in einer ganzen Reihe kooperierender Institute statt. Obwohl räumlich getrennt, war die Zusammenarbeit zwischen den Gruppen allerdings sehr intensiv. So intensiv, dass man sich eigentlich schon fragen muss, inwiefern diese Wiederholungen des Experimentes als „unabhängige“ Überprüfung angesehen werden können. Eine echte, unabhängige Überprüfung wird ja idealerweise von einem konkurrierenden Institut durchgeführt – also einem, das Interesse daran hat, Fehler in den ursprünglichen Ergebnissen zu finden. Werden selbst dort die Ergebnisse bestätigt, so ist das ein hervorragender Grund, die Arbeit als stichhaltig einzustufen.

Das war hier bestimmt nicht der Fall. Nicht nur, dass die anderen Zentren sich sklavisch genau an den von Endler vorgegebenen Ablauf halten mussten – Fehler in der Durchführung also kopiert worden wären – selbst die Versuchstiere entstammten der gleichen Population aus dem gleichen Teich. Die einzige systematische Abwandlung war die Änderung der geografischen Lokation.

Die Kaulquappen wurden für alle Versuche demselben, mit 1600 m über NN recht hoch gelegenen Teich entnommen. P.C. Endler spricht deshalb auch von „Hochlandtieren“, die seiner Aussage nach eine langsamere Metamorphose zeigen als Frösche aus niedriger gelegenen Gegenden. Bei diesen Hochlandtieren aus Endlers Biotop scheint es sich um besondere Tiere zu handeln. Denn im Buch [4] heißt es auf Seite 63:

„ An Tieren aus Tieflandbiotopen konnten mit zugetropftem Thyroxin D30 keine einheitlichen Ergebnisse erzielt werden.“

Damit ist schon einmal klar gesagt, dass sich die Ergebnisse (wenn überhaupt) nur für die Hochlandtiere wiederholen ließen. Alleine eine andere Herkunft der gleichen Spezies führte also dazu, dass der behauptete Effekt sich vom Zufall nicht mehr unterschied.

P.C. Endler selbst führt dies darauf zurück, dass die Metamorphose bei den Hochlandtieren insgesamt langsamer abläuft und sich der Effekt hier eben besser nachweisen ließe. Doch wenn man sich die Tabelle der Arbeit von 1991 noch einmal ansieht (siehe erster Teil des Artikels), so hatte ein Experiment in Utrecht, bei dem die Frösche in rasanten 5 Tagen die 90%-Grenze erreicht hatten, eine statistische Signifikanz – ein anderes in Graz, bei dem sie 18 Tage benötigten, jedoch nicht. Es gibt also anscheinend sehr wohl Ausnahmen von dieser Regel, die nicht weiter diskutiert werden.

In jedem Falle bedeutet diese Aussage eine herbe Einschränkung: Die Übertragbarkeit der Experimente auf die Aussagen der Homöopathie und ihre Wirkung beim Menschen lässt sich schon allgemein nur schwer erkennen. Aber in welche Richtung würde es wirklich weisen, wenn man gleichzeitig mit dem lange gesuchten Nachweis einer Wirkung einer Hochpotenz belegt, dass diese Wirkung nur in sorgsam ausgewählten Populationen zum Tragen kommen kann? Bedeutet dieses Ergebnis, dass Homöopathie bestenfalls bei Menschen wirken kann, die oberhalb 1500 Meter über NN beheimatet sind? Oder allgemein nur bei langsam ablaufenden Prozessen? Diese Frage diskutieren die Autoren freilich nirgends.

Neben den Versuchen mit Tieflandtieren haben P.C. Endler und seine Kollegen auch die Häufigkeit der Zugabe des Thyroxins verändert. In den Originalexperimenten wurde die D30-Potenz im Intervall von 48 Stunden eingetropft. In anderen Experimentreihen tropfte man es häufiger zu (alle 8 Stunden) oder füllte es lediglich in geschlossene Phiolen und legte diese zu den Kaulquappen ins Becken.

Eine Arbeit von 1994 [6] enthält eine sehr interessante Tabelle, die die bislang gemessenen Effektstärken wie folgt zusammenfasst:

ZutropfhäufigkeitFrühlingSommerHerbst
0/8 Stundenstarkschwachkeine / gegenläufige Effekte
48 Stundenschwachschwachstark

Der Kommentar zu dieser Tabelle lautet (übersetzt von mir):

„In vorangegangenen Experimenten wurde ein hemmender Einfluss von homöopathisch aufbereitetem Thyroxin 10^-30 auf die Metamorphose bei Kaulquappen beobachtet. (…) Jedoch zeigte sich ein essentieller Zusammenhang mit der Jahreszeit, zu der ein Experiment durchgeführt wurde und mit der Häufigkeit, mit der die Lösung zugegeben wurde. Im Frühjahr war eine häufigere Stimulation nötig als im Herbst.“

Diese Tabelle ist in mehrerlei Hinsicht interessant:

  • Erstens hat man offenbar nur in 2 von 6 Fällen „starke“ Effekte gemessen.
  • Zweitens spricht P.C. Endler hier nirgends davon, bei häufigerer Gabe eine Umkehrwirkung zu erwarten. Vielmehr weist er darauf hin, im Frühling sei das häufigere Eintropfen notwendig gewesen, um die Hemmung hervorzurufen. In späteren Arbeiten wird es immer heißen, 8-stündige Gaben des Thyroxins würden eine Umkehr der Wirkung – also eine Beschleunigung der Entwicklung – hervorrufen. Offenbar hatte man hier in weiteren Experimentreihen „gegenläufige Effekte“.
  • Nirgends wird auch nur andiskutiert, was eine derartige jahreszeitliche Abhängigkeit der Ergebnisse für die Homöopathie tatsächlich bedeuten würde. Muss ein Patient, der im Frühling mit „seinem“ Mittel erfolgreich behandelt wurde, nach dieser Tabelle nicht damit rechnen, es im Sommer erfolglos einzusetzen, um im Herbst schließlich genau das Gegenteil der erwünschten Wirkung zu erzielen? Und das bei ansonsten unveränderten Bedingungen.
  • Dasselbe gilt für die extreme Abhängigkeit mit der Häufigkeit der Einnahme. Nach obiger Tabelle müsste ein Patient im Herbst mit komplett gegenläufigen Wirkungen seiner homöopathischen Arzneien rechnen, je nachdem, ob er seine Globuli einmal alle 2 Tage oder mehrmals täglich nimmt. Und was bedeutet das für homöopathische Arzneimittelprüfungen? Was bedeutet das unter dem Aspekt, dass in der homöopathischen Literatur die Arzneimittelbilder zwar dicke Bände füllen, aber keinerlei einheitliche Empfehlungen zur Dosierung existieren?

Wie kann es eigentlich sein, dass eine Messung, die eine derartige Katastrophe für die Zuverlässigkeit der homöopathischen Praxis bedeutet, so lapidar und unkommentiert da steht? Müsste hier nicht eine Welle der Diskussion durch die homöopathische Forschungsgemeinschaft schwappen?

Aus der Kommentierung der Tabelle von 1994 kann geschlossen werden, dass allen Experimenten irgendwann einmal die Erwartung der hemmenden Wirkung zugrunde lag.

Alle Experimentvariationen waren ursprünglich einmal durchgeführt worden, um den in der ersten Arbeit gefundenen „Effekt der Verlangsamung“ besser nachzuweisen. Doch er zeigte sich in 3 der 6 Fälle nur schwach, in einem Fall wurde sogar ein gegenläufiger Effekt beobachtet.

Und die Reaktion ist eine höchst geschickte Interpretation der Daten:

Sind die Thyroxintiere wieder marginal langsamer, ruft man „Hurra, reproduziert!“ Und wenn sie nicht langsamer sind? Dann hat man eben einen neuen Aspekt der Wirkung der Hochpotenz entdeckt. Dass das Verhalten des Systems mit jeder Variation wieder anders ist, ist also angeblich keineswegs dem Zufall geschuldet, was naheliegen würde, sondern eine immer größer werdende Matrix an Phänomenaspekten. So wie hier in der Tabelle: Die Hemmung konnte keinesfalls nur unzuverlässig reproduziert werden, nein, es zeigte sich eine Abhängigkeit des Effektes von der Jahreszeit. Auch wenn diese für die Homöopathie ein gigantisches Problem aufwerfen würde.

P.C. Endler selbst beschreibt es in seinem Buch [4] so: (S. 60/61)

„Dabei vermag, je nach wechselnden Randbedingungen und dem Ausgangszustand des lebenden Systems, ein definierter anfänglicher Reiz über Rückkopplungen ganz unterschiedliche Reaktionen auszulösen. (…) Im Laufe von nunmehr 8 Beobachtungsperioden mit dem Grasfrosch Rana temporaria scheint sich im Labor (…) vieles von dem ergeben zu haben, was im übertragenen Sinne auch für praktische Homöopathie typisch ist. Nichtlineare Effekte wie eine Umkehrwirkung, die Abhängigkeit der Wirkung von der Potenzhöhe, vom saisonalen und individuellen Zeitpunkt der Behandlung, vom Zugabeintervall…“

Also: Es passiert irgendetwas. Und egal, was passiert ist, wir haben einen neuen Aspekt erlebt, der die Homöopathie bestätigt. Wie praktisch! Man fragt sich allerdings, wie die Messergebnisse eigentlich hätten noch aussehen müssen, dass die Forscher erkannt hätten, dass es sich eben nicht um einen reproduzierbaren Effekt, sondern um Zufall gehandelt hat.

Wie praktisch die Sichtweise der Forscher ist, zeigt sich sogar erst, wenn man die Arbeiten betrachtet, die als Metastudien zum Thema dargestellt werden. Da beschränkt man sich dann auf das „einzelne Phänomen“ – und hat ein bequemes Argument, durchaus existierende Arbeiten mit entgegengesetzten Ergebnissen unter den Tisch fallen zu lassen.

So schreibt zum Beispiel B. Harrer in seiner auf froghom.net als „Metaanalyse“ bezeichneten Arbeit [2] (übersetzt von mir):

„Andere Arten von Experimenten des ursprünglichen Teams wurden nicht berücksichtigt: Experimente mit Rana temporaria aus Tieflandbiotopen, Bufo Bufo, mit anderen Anwendungsintervallen oder mit kontinuierlicher Behandlung durch verschlossene Glasphiolen und Experiment mit anderen Potenzen…”

Natürlich macht es sehr viel Sinn, in einer Metaanalyse nur vergleichbare Experimente zu vergleichen. Aber ist es wirklich schon ein „other type of experiment“, nur weil man die Frösche derselben Spezies diesmal aus einem anderen Teich genommen hatte? Im Kommentar der Tabelle von 1994 sprach Endler explizit beim 8-stündigen Eintropfen im Frühjahr von einer „notwendigen häufigeren Zugabe“, um die Verlangsamung zu erreichen. Ein paar Jahre später wird die häufigere Zugabe als „anderes Experiment“ nicht in der Zusammenfassung der Studien berücksichtigt.

Hier wird also die „andere Art des Experimentes“ über die Reproduzierbarkeit des ursprünglichen Ergebnisses definiert. Man kann sicher sein, dass wir hier eine andere Auswahl vorfinden würden, hätten sich zufällig in einem anderen Teil der Studien gegenläufige oder schlicht gar keine Effekte gezeigt.

Kaum definiert man aber alles, was nicht ins Bild passt als „andere Art von Experiment“ und sortiert dies aus, schon summieren sich in der genannten Metaanalyse die Daten zu einem signifikant statistischen Ergebnis. Harrer schreibt:

„Die Unterschiede in den einzelnen Unterexperimenten waren mehrheitlich nicht statistisch signifikant (p > 0,05). Nach einem Pooling war der Unterschied am vorher definierten Messpunkt statistisch signifikant – gleichermaßen für die Ergebnisse des ursprünglichen Teams als auch für die der unabhängigen Forscher.“

Wobei man noch hinterherschicken kann, dass die Zusammenfassung der Daten in dieser Arbeit noch undurchschaubarer ist als das Pooling bei den Versuchen aus dem ersten Artikel. Aufsummiert werden in dieser Analyse “the relative differences between W30x and T30x groups at the predefined measuring point” – also die “relativen Differenzen zwischen den W30- und T30-Gruppen am vorher festgelegten Messpunkt“. Was dieser vorher festgelegte Messpunkt sein soll, wird in der Arbeit von B. Harrer nicht erklärt.

Vermutlich handelt es sich dabei um den 70%-Messpunkt, weil dieser bereits in einer zusammenfassenden Arbeit Endlers aus dem Jahr 2011 [3] als ein Kriterium verwendet wurde. In diesem Falle hätte man die ursprüngliche Aussage einer verlangsamten Entwicklung ein weiteres Mal modifiziert und beschränkt sich auf den Effekt eines Rückstandes der Thyroxingruppe zu dem Zeitpunkt, wenn 70% der Tiere der Wassergruppe 4 Beine entwickelt haben…

Als nächstes könnte man sich dann eine jahreszeitliche Abhängigkeit ausdenken, in der Art, dass die Tiere in der ersten Julihälfte eher zurück sind, wenn 80% der Wassertiere schon 4 Beine haben, im September aber, wenn dies bei 60% der Kaulquappen der Fall ist. Wir dürfen also gespannt sein, welche „Aspekte“ hier zukünftig noch „entdeckt werden“ und unter Ausschluss der Arbeiten „anderer Art“ dann auch „unter Berücksichtigung aller Arbeiten derselben Art“ signifikant werden.

Worauf es aber wirklich hinweist, wenn sich eine ursprünglich einmal aufgestellte Behauptung in immer wieder wiederholten Messungen derart „zurecht schleift“, wird nirgends diskutiert. Was hier in dieser Versuchsreihe passiert, ist eigentlich ganz typisch für die Jagd nach einem Phantomeffekt.

Bei einem realen Naturphänomen sollte sich dieses in einer immer größeren Datenmenge eigentlich immer klarer zeigen. Und zwar tatsächlich unter Betrachtung der Gesamtmenge an erhobenen Daten. Genau das folgt aus dem Gesetz der großen Zahlen: Selbst wenn es sich um einen schwachen Effekt handelt – wenn die ursprüngliche Hypothese stimmt, dann wird dieser Effekt bei einer wachsenden Anzahl von Versuchen immer deutlicher nachweisbar sein.

Gleichzeitig werden in einer größeren Datenmenge immer rein zufällige Häufungen auftreten. Im Gegensatz zu echten Effekten wird aber jeder einzelne von ihnen immer weniger statistisch bedeutsam und schließlich ganz verschwinden, wenn die Anzahl der Versuche erhöht wird.

Bei einem echten Effekt wird man also bei der Erhöhung der Anzahl der Versuche die Hypothese immer wieder bestätigen. Bei Phantomeffekten ist es typisch, dass man immer weitere Annahmen machen muss – über die ursprünglich gestellte Annahme hinaus – um die ursprünglich gemachte Hypothese noch tragfähig zu halten. Man braucht immer mehr neue Zusatzerklärungen, warum diese oder jene Messung nicht in den Gesamtüberblick miteinbezogen wird, um die ursprüngliche Hypothese nicht verwerfen zu müssen. Und genau das ist hier der Fall.

Es gibt eigentlich ein fast schon klassisches Vorbild für diese Situation. Das sind die Experimentreihen, die seinerzeit von J.B. Rhine zum Nachweis der Telepathie durchgeführt wurden. Diese testet man für gewöhnlich mit Hilfe von Kärtchen, die 5 verschiedene einfache Symbole enthalten. Der Prüfleiter nimmt eine Karte nach der anderen auf, die zu testende Person muss ohne es zu sehen erraten, welches Symbol gerade aktuell ist. Komplett ohne „extrasensorische Wahrnehmung“ wird die Testperson im Schnitt in jedem fünften Fall zufällig richtig raten. Zu erwarten ist daher eine Trefferquote von 20%.

Rhine fand seinerzeit eine Quote, die auch bei einer großen Anzahl von Testpersonen etwas über 20% lag. Erst später zeigte sich die sehr natürliche Erklärung: Rhine hatte Kandidaten mit besonders schlechtem Ergebnis einfach nicht in seiner Gesamtstatistik berücksichtigt: Die Ergebnisse dieser Personen waren so schlecht, dass Rhine nicht an einen Zufall glauben wollte. Er hatte deshalb angenommen, dass diese Kandidaten der Telepathie ablehnend gegenüberstanden und ihm so gut wie eben möglich immer falsche Ergebnisse hatten nennen wollen, um seine Studien zu boykottieren. Er war so von der Telepathie überzeugt, dass für ihn eine besonders hohe Trefferrate genauso ein Beleg war, wie eine besonders niedrige Trefferrate.

Und genau dasselbe passiert hier bei den Kaulquappen. Sind die Thyroxin-Kaulquappen schneller, dann wird die aktuelle Versuchsanordnung zum „neuen Effekt“ erklärt und man sucht sich eine Erklärung dafür – egal, welche. Und so werden auch hier immer weitere Annahmen notwendig, um diejenigen Experimente in den Zusammenfassungen nicht berücksichtigen zu müssen, in denen sich der erwartete Ausgang nicht zeigte. Darunter werden auch munter Annahmen gemacht, die eine systematische Anwendung der Homöopathie eigentlich unmöglich machen.

Möglicherweise sind es die sehr seltsamen „entdeckten Aspekte“, die auch die gesamte Homöopathiewelt lieber nicht diskutieren möchte, die dazu führen, dass man dieser angeblich stabil reproduzierbaren Messreihe dann in Diskussionen um die Homöopathie doch recht selten begegnet. Immerhin muss man sich diesen „Nachweis“ der Wirkung einer Hochpotenz mit einer vollkommenen Unkalkulierbarkeit der Arzneiwirkungen erkaufen: Da wäre eine jahreszeitliche Abhängigkeit der Wirkungsrichtung; dazu eine Umkehrwirkung, wenn man dieselbe Potenz statt alle 48 Stunden schon alle 8 Stunden einnimmt; und nicht zuletzt, dass es selbst im besten Falle bei einer durch die allerersten Gaben „bewirkten“ winzigen Differenz bleibt und längere Anwendung einfach keine deutlicheren Effekte hervorrufen kann. Außerdem ist die Wirksamkeit auf ganz bestimmte Gruppen von Menschen beschränkt, etwa solche, die über 1500 m über NN wohnen, was in Deutschland nur im Bereich der Alpen möglich ist. Oder funktioniert das Ganze ohnehin nur in Österreich?

Möglicherweise sind es auch ein paar andere Punkte in Endlers Arbeiten, die dazu führen, dass selbst auf Nachweise verzweifelt wartende Homöopathen diese Versuchsreihe nur selten erwähnen. Und obwohl der Artikel schon recht lang ist, möchte ich niemandem, der bis hierher durchgehalten hat, diese Punkte vorenthalten.

Kleine Schlussbetrachtungen über weitere Arbeiten und Aussagen:

Geschlossene Phiolen:

Wie oben eher beiläufig erwähnt, gehörten zu den Versuchen auch Arbeiten, in denen das Thyroxin D30 niemals zugegeben wurde, sondern lediglich als verschlossene Phiole ins Becken gelegt wurde. Der DZVhÄ zitiert diese Experimente knapp auf seiner Homepage mit dem Hinweis

„Thyroxin D30 – in einer Glasphiole zeigte eine noch eindeutigere Hemmung (…) Die Wirkung scheint also nicht an „Teilchen“ gebunden zu sein. Dies ist ein Hinweis dafür, dass der Wirkmechanismus besser an Hand eines Wellen- oder Feldmodells erklärt werden könnte.“ (Link)

Gänzlich unbeachtet in dieser Darstellung bleibt freilich, dass gerade dieser Effekt in größeren unabhängigen Experimenten nicht reproduziert werden konnte. In Endlers Buch [4] finden wir den Hinweis hierzu auf Seite 50:

„Die Tübinger Kollegin Daniela Dieterle kam zur Zeit der Kirschernte nach Graz. Alles war für den perfekten Versuch (bis zur Vierbeinigkeit) vorbereitet worden, sämtliche denkbaren Details festgelegt, die Zahl der Tiere war enorm. Die Tieflandtiere rümpften die Nase und taten grob gesagt gar nichts. (…) Danielas Versuche waren (leider, ist man angesichts ihres negativen Ausganges versucht zu sagen) recht groß; sie umfassten etwa ein Drittel der insgesamt in allen Kaulquappenstudien mit Glasphiolen verwendeten Tiere.“

Noch viel interessanter ist aber, dass auch hier wieder niemand die katastrophale Bedeutung für die Homöopathie erkennt und auch nur andiskutiert: Würde sich in Experimenten tatsächlich nachweisen lassen, dass die Wirkung „noch eindeutiger“ erfolgt, wenn man Homöopathika nicht einnimmt, sondern nur irgendwo am Körper trägt, wären Homöopathen seit 200 Jahren vollkommen falsch vorgegangen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für Hersteller von Homöopathika wären sicher enorm, wenn diese Fläschchen unverbraucht von Generation zu Generation vererbt werden könnten…

Bioresonanz:

Nicht nur mit Phiolen hat man das Thyroxin D30 „nicht“ zugegeben, auch mit Bioresonanz hat man gearbeitet. Ich zitiere erneut aus Endlers Buch[4]:

„Zudem wurde versucht, Information von Thyroxin D30 einem elektronischen Digitalisierungsvorgang zu unterziehen. Dabei wurden Phiolen mit Thyroxin D30 bzw. Wasser als Kontrolle in eine Eingangsspule gestellt, an die Filter und ein Verstärker angeschlossen waren. Die weitere Anordnung diente dazu, Frequenzen zu digitalisieren, in einem Multiplexvorgang auf eine CD zu übertragen und von hier aus (beliebig zeitversetzt) wieder auf eine Ausgangsspule zu übertragen, in der sich Phiolen mit Wasser befanden. Die so hergestellte Test- und Kontrollflüssigkeit wurde in den Hochpotenzversuchen mit Hochlandtieren in Intervallen von 48 Stunden zugetropft. Dies führte wiederum zu einer Bremsung der Metamorphose.“ (S.64)

Hierzu nur die Anmerkung, dass hiervon nicht einmal mehr der DZVhÄ berichten mag. Die Tests dieser Art mögen dann doch mit ein Grund sein, warum auch die anderen Experimente selbst unter Homöopathen so wenig salonfähig sind.

Noch einmal sollte man sich klarmachen, dass die gemessene Verlangsamung nach dieser exotischen Prozedur zwar als erwarteter Effekt beschrieben wird, man an anderer Stelle aber keine Hemmungen hatte, alleine das Verwenden von Kaulquappen aus einem anderen Teich als „andere Experimentart“ darzustellen, bei der man sich über das Ausbleiben der Verlangsamung nicht zu wundern hat. Allein dies zeigt eigentlich sehr eindeutig, wie sehr die Bewertung im Nachhinein über die Resultate erfolgte.

Aber – und das amüsiert den Physiker an der ganzen Sache – hätte Endler dann endlich, endlich nachgewiesen, was die Homöopathika auszeichnet? Auf Seite 54 seines Buches [4] erfahren wir, dass oben erwähnte Geräte in der Lage waren, „von der Testlösung ausgehende, elektromagnetische Wellen mit Frequenzen im Bereich zwischen 30 Hz und 80kHz“ zu digitalisieren. Homöopathika wirken also nach Endlers Auffassung über elektromagnetische Wellen eines ganz bestimmten Frequenzbereiches. Aha. Nur: Warum dann eigentlich der ganze Aufwand mit den Fröschen?

Auspendeln

Endler hat seine Hochpotenzen dann sogar noch einmal anders untersuchen lassen: (S.73) „Auch Cyrill Smith vermaß mit einer technisch unterstützten subjektiven Pendelmethode unsere Potenzen – später Hochpotenzen. Er fand Frequenzen, bei denen die Flüssigkeiten zu schwingen begannen, wenn man sie dem Feld einer Spule aussetzte. Diese letzte Studie hatte allerdings den Nachteil, dass man neben einem Frequenzgenerator auch einen ausgebildeten Pendler – wie Cyril einer war – benötigte. Außerdem ließen sie sich nicht richtig blind durchführen – der Pendler schien nach wenigen Wiederholungen in eine Art „Prüfungsstress“ zu verfallen.“

Kein Kommentar…

Literatur

[1] Endler PC, Pongratz W, Van Wijk R, Kastberger G, Haidvogl M: Effects of Highly Diluted Succussed Thyroxine on Metamorphosis of Highland Frogs, Berlin Journal for Research in Homeopathy (1991); 1(3): 151-160 (Link zum Volltext)

[2] Harrer B: Replication of an experiment on extremely diluted thyroxine and highland amphibians, Homeopathy (2013) 102: 25-30 (Link zum Volltext)

[3] Lingg G, Endler PC: Highland amphibians – Recalculation of data from 1990 to 2010 on the effects of extremely diluted thyroxine, Int J High Dilution Res (2011); 10 (37): 311-324 (Link zum Volltext) (Link zu den Rohdaten)

[4] Endler PC:  Expedition Homöopathieforschung, 1. Auflage, Maudrich Verlag, Wien. (Link zu einem Textauszug der 2. Auflage)

[5] Heckmann C: Einfluß homöopathisch und nicht homöopathisch hergestellter Thyroxinlösungen auf die Metamorphosegeschwindigkeit bei Rana temporaria, Diplomarbeit Universität Tübingen, Fakultät für Biologie, 1997; Link zum Volltext

[6] Endler PC, Pongratz W, Smith CW, Schulte J, Senekovitsch F, Citro M: Non-Molecular Information Transfer from Thyroxine to Frogs, in: Signals and Images (1997) pp 149-159, Link

[7] Alex JE: Spezieller Einfluß potenzierter Thyroxinlösungen auf die Matamorphosegeschwindigkeit von Rana temporaria. Überprüfung einer Hypothese. Dissertation Universität Tübingen 2002, (Edit 15.08.17: Link zur Zusammenfassung zwischenzeitlich erloschen)

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6 Kommentare zu Endlers Homöopathie-Kaulquappen – Teil 2

  1. AlteWeser sagt:

    Einmal mehr Dank für diese Arbeit. Schade nur, dass sich z.B. die Carstens Stiftung nicht mit dieser Kritik auseinandersetzt. Wenn es wirklich um die Sache ginge, dann müsste es doch möglich sein, die Argumente auszutauschen und zu bewerten.

  2. Pingback: Kaulquappen und Klempner: Homöopathie zwischen Satire und Realsatire @ gwup | die skeptiker

  3. Danke für diesen Bericht! Ich habe Endlers Arbeiten und sein Buch vor einigen Jahren gründlich studiert und bin damals zu ganz ähnlichen Schlüssen gekommen, hatte aber nicht die Zeit und Ausdauer, das dann so schön aufzuschreiben und zu bloggen. Jetzt ist das zum Glück nicht mehr notwendig.

  4. Dr.E. Berndt sagt:

    aus meinem Buch „Der Pillendreh“

    Steirisch homöopathische Quappologie

    Die grenzelose Freiheit des Nichtwissens!

    Der Beneviste-Flop in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrtausend hinderte eine Forschergruppe um P. C. Endler nicht, mit der Hokuspokusidee einer homöopathischen Information sensationelle Forschung zu betreiben. Offenbar liegt es irgendwie im Wesen von alternativen und komplementären Forschern, am vertrauten Humbug festzuhalten. Pseudowissenschaftliche Trends mit anhaltender Attraktion passen in Forschungskonzepte, für die von Politikern Geld locker gemacht wird, um den Wählern zu zeigen, wie modern und aufgeschlossen sie sind: eine „Win-Win“-Situation für alternative Forscher und biologisch grünliche Politiker. Damit kann man echt reüssieren. Das Logo der Stadt Graz, des Landes Steiermark und des Bundesministeriums für Wissenschaft und Kunst zieren die WEB-Seite des Interuniversitären-Kollegs, einem geförderten EU-Projekt mit dem klingenden Namen „Leonardo“.

    Damit wurde auch in der Steiermark, frei von den Zwängen naturwissenschaftlicher Grundlagen und im Widerspruch gegen den Rest der Naturwissenschafter, der Lehrsatz des alternativen „Gottseibeiuns“ Hahnemann „Similia similibus curantur“, grundlegend und basiswissenschaftlich evaluiert. Und wie das in den alternativen Wissenschaften so üblich ist: Alles wird immer wieder wiederholt. Egal wie vernichtend und negativ das Resultat vorangegangener Beweisungsversuche ausfielen: Es hat keine Folgewirkung, und so wiederholen sich auch die Geschichten. Im alten Gewand werden neue Versuche gestartet, und wenn niemand dagegen auftritt, gibt es Chemie und Physik neu.

    Diesen Erwartungen wurden auch die Homöopathieforscher in der Steiermark mehr als gerecht. Die grünen Adepten bewiesen ebenfalls die alles erklärende Theorie ihres Meisters schlüssig. Und hier wie anderswo auch ist hier alles ganz einfach. Jeder Laie kapiert die simplen Methoden und logischen Resultate alternativer Experten. Als unvermeidliches „Spin-off“-Ergebnis werden dabei alle übrigen Naturwissenschaften falsifiziert. Das „Aus“ für die „Vier-Kräfte-Lehre“ oder für die Rezeptortheorie stand bevor.

    Nach seiner „Urlogik“ heilt Hahnemann „Gleiches“ durch „Gleiches“. Daher muß also eine „krankmachende“ Wachstumsstimulation durch ein Wachstumshormon geheilt werden, wenn dasselbe zusätzlich in homöopathisch potenzierter Form verabreicht wird. Die schädliche Wirkung irgendeines Agens wird durch die Zugabe einer homöopathischen Potenz desselben aufgehoben.

    Für diesen Spezialversuch anfangs des dritten Jahrtausend sollten sich grüne steirische Jungfröschlein, Kaulquappen, als besonders geeignet erweisen. Labormäuse haben offenbar einen besseren Tierschutzstatus oder sind zu teuer. Tierexperimente sind anzeigepflichtig, eigene Ethikkommissionen überwachen das leibliche und seelische Wohl von Versuchsmäusen. Nun kam die Jahrtausendchance für kleine „Noch-nicht-Quaker“. Kaulquappen durften den Beweis für das Wunder Homöopathie im Interuniversitären Kolleg Graz/Seggau realisieren!

    Erster Paradigmenwechsel – homöopathiewissenschaftlicher Urknall

    Das Wachstum der kleinen Lurche wurde mit einer 1 zu 100.000.000 verdünnten Hormonlösung des Wachstums- bzw. Schilddrüsenhormons Thyroxin stimuliert. Dazu wurde Thyroxinlösung dieser Konzentration ins Lurchbecken geträufelt. Der Verdünnungsgrad der Lösung entspricht rechnerisch einer homöopathischen Potenz D8. Die damit angeblich krankhaft induzierte Wachstumsstimulation wurde dann durch die „Wirkung“ von echt homöopathisch verdünntem, sprich potenziertem Thyroxin der Potenz D30 (Verdünnung = 1 zu 1000.000.000.000.000.000.000.000.000.000), wie auch immer, kuriert.

    Die Sensation war perfekt. Die Kaulquappen pubertieren normal, wenn gleichzeitig zusätzlich eine homöopathisch hergestellte Hormonverdünnung (!) der Potenz D30 verabreicht wird. Festgestellt und gemessen wird die krankhafte Beschleunigung des Wachstums bzw. deren Normalisierung durch Abzählen der durchbrechenden Extremitäten in den entsprechenden Entwicklungsperioden.

    Natürlich läßt sich darüber philosophieren, ob bei einer Verabreichung einer hormonellen Stimulationslösung der Verdünnung 1 zu 108 nicht doch noch irgendwo in einem Kaulquapperl so ein einzelnes Thyroxinmolekülchen seinen zugehörigen Wachstumsrezeptor findet, und die Vorderpratzerl, schneller als die Natur von sich aus es wollte, hervorkommen. Und jetzt, durch Zugabe von nichts – wie einer Verdünnung von 1 zu 1030 – zu gerade noch etwas – nämlich 1 zu 108 – war die Homöopathie bewiesen! Heißa, was war doch das für eine hehre Aufgabe für homöopathische Statistiker und Haxerlzähler! Endlich konnte man nach 200 Jahren Spott und Häme mit einer homöopathiefreundlichen Versuchsanordnung direkt ein Wunder nach dem anderen anschauen und abzählen. Und das alles wurde auch, vorsichtig gesagt, von Akademikern der Universität Graz begleitet. Man kann ja nie wissen, und wenn ’s stimmt: Man war beim wissenschaftlichen Urknall life dabei.

    Wenn die Sternbilder wirken, wie die Astrologen glauben, dann muß auch das Molekül im Kubik-Lichtjahr wirken! Oder? Ein wahrhaft megaepochales Ergebnis. Das gesamte Gebäude der Naturwissenschaften wurde mit einem Mal erschüttert und in die Luft gesprengt! Wohlgemerkt, alle Naturwissenschaften wurden ad absurdum geführt, und nicht etwa nur eine einzelne unbedeutende Nebensächlichkeit.

    Leider wurde diese sensationelle Arbeit wie Tausende andere ähnlich wissenschaftliche Elaborate von den Redaktionen der internationalen Fachjournale wieder nicht beachtet. Und so weiß die internationale Scientific Community und vor allem das Nobelpreiskomitee bis heute nicht, daß der immer wieder beschworene, heiß ersehnte Paradigmenwechsel in der grünen Steiermark passiert ist, wo es offenbar besonders feinstoffempfindliche grüne Frösche gibt.

    Der Jubel der Homöopathen in ihren vertrauten Zirkeln ob der steirischen Erkenntnisse ist bis heute im Internet präsent. Mit diesem unumstößlichen wissenschaftlichen Beweis wäre die Homöopathiedebatte des Jahres 2005 siegreich verlaufen, wenn nur die Ergebnisse etwas prominenter veröffentlicht worden wären. Ich würde der Sponsorfirma Dr. Peithner GmbH & Co. empfehlen, diese Arbeit wenigstens heute noch direkt nach Stockholm zu schicken, denn dafür gäb ’s nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch bares Geld für unsere Spitzenforscher. Die Jammerei über finanzielle Benachteiligungen alternativer Forschung gehört zum Standardrepertoire ganzheitlicher Entrüstung. Das mühsame bürokratische Ansuchen um EU-Förderungen entfiele.

    Der Ruhm könnte nicht größer sein: Österreichisches Homöopathieunternehmen ermöglicht Nobelpreisnominierung. Es ist nicht mehr länger zu verantworten, daß diese epochalen Ergebnisse aus der Steiermark ignoriert werden. Doch die Firma Dr. Peithner GmbH & Co. verzichtete auf die Marketingchance der Epoche.

    Aber den guten Homöopathen und so auch unseren steirischen Hahnemännern, den homöopathophilen Quappenforschern und Gesundheitsexperten des „Interuniversitären Kollegs für Gesundheit und Entwicklung Graz/Schloß Seggau“ geht es ums Heilen und nicht um wissenschaftliche Eitelkeit. Schon seit Jahrhunderten gewöhnt an die Weltverschwörungen der feindlichen Naturwissenschafter, ließen sie sich nicht entmutigen, steigerten ihre kreativen Kräfte und gingen sofort in die zweite Runde. Die CAM -Wissenschafter lieferten in ihrer geschützten Werkstätte gleich noch ein weiteres und noch sensationelleres Wunschresultat nach.

    Der zweite Paradigmenwechsel – fernwirksame Übertragung immaterieller „Bioinformation“

    Die kurative Wirkung der D30 Thyroxinpotenz auf die durch D8 Thyroxin induzierte beschleunigte Metamorphose konnte auch kontaktlos, drahtlos, quasi telepathisch erzielt werden. Die mit Thyroxin gedopten Quappen wurden nicht, wie im vorangegangenen Weltversuch, „direkt“ mit Tropfen in ihrem Laborbecken behandelt, sondern den kleinen Lurchen wurde die kurative Potenz, fest eingeschlossen in Glasphiolen, hineingehängt, um die kleinen Lurche im Vorbeischwimmen zu heilen.

    Es kam, wie es kommen mußte. Wunder passieren eben nur dort, wo sie erwartet werden. Der erste erfolgreiche Nachweis einer Hormonfernwirkung, quer durch ein Ampullenglas hindurch und noch dazu homöopathisch, glückte auf Anhieb! Die Quappen wurden im Vorbeischwimmen „bioinformiert“ und geheilt. Der Bioinformationstraum wurde Realität!

    Doch auch dieser Jahrtausenddoppelerfolg wurde von der Nobelpreisgemeinde ignoriert, denn wieder verhinderte weltweites lückenloses Totschweigen durch die Wissenschaftsmafia den längst fälligen Durchbruch dieser alternativen Erkenntnisse. Eh klar, sonst müßten ja die Nobelpreise wieder eingesammelt werden. Aber jede Menge Dollars gibt es damit zu verdienen. Die „James Randi Educational Foundation“ spendiert 1 Million Dollar für den wiederholten Nachweis.

    Ich würde mir das nicht entgehen lassen.

    Aber wozu sich mit der Scientific-Community herumärgern? Die wollen einfach nicht an Hahnemann glauben. Der nächste Paradigmenwechsel wird alle Journalisten von Sonntagzeitungen und Wellneßmagazinen überzeugen. Wozu sich um einen Preis bemühen, der nur verstockten Wissenschaftern verliehen wird?

    Der dritte Paradigmenwechsel – Handystrahlung ist böse!

    Derart in Fahrt, waren die Forscher um die Gruppe P. C. Endler nicht mehr zu bremsen. Die Versuche wurden unter Mobilfunk wiederholt und das Ergebnis war eindeutig im Trend. Es wurde bestätigt, was zum Standardrepertoire des ganzheitlichen Fachwissens zählt: Homöopathisch-telepathische Übertragung von „Bioinformation“ wird durch böse Handystrahlung gestört! Endlich wurde experimentell bewiesen, was komplementäres Allgemeinwissen ist: Die Störung der „Bioinformation“ ist krebserregend! Jetzt müssen die Handynetzbetreiber ihre Behauptungen, daß Mobilfunk nicht gesundheitsschädlich sei, einpacken. Warum hat Dr. Gert Oberfeld diese Arbeit nicht gelesen? Er hätte sich die „Krebs durch Mobilfunk“-Untersuchung in Hausmannstätten (Steiermark/Österreich) schenken können .
    Die Bioinformation wird durch Digitalfunk kaputtgepulst. Beweis: Die kurative Fernwirkung bleibt aus! Die Bösartigkeit der Handystrahlung läßt sich eben nur durch Hahnemannsche Erleuchtungen experimentell beweisen. Dr. Gert Oberfeld ging bezüglich „Mobilfunkbelastung“ einen Schritt weiter als unsere steirischen Forscher. Während die Steirer noch ein Handy „strahlen“ ließen, fand Dr. Oberfeld Krebs, ausgelöst durch Mobilfunk, wo es gar keine Funkmasten gab. Dr. Oberfeld ist immer noch Umweltmediziner der Salzburger Landessanitätsdirektion und Referent für Umweltmedizin der österreichischen Ärztekammer. Ein Karriereknick ist nicht in Sicht.

    Aber wie wir alle wissen, schreitet Wissenschaft voran und die nächste Sensation ließ nicht lange auf sich warten.

    Der vierte Paradigmenwechsel – homöopathische Bioinformation auf CD elektronisch abspeichern und ins Wasser einspeichern

    Das wäre ohne Zweifel der Überclou. Bio-Info pur auf CD. Nur irgendwann hat jeder Reigen sein Ende, und dieser Reigen hätte eigentlich gar nicht stattfinden dürfen. Doch auch dieser Paradigmenwechsel fand statt, allerdings um 20 Jahre verspätet. Bis in die Steiermark und seiner Universität in Graz hatte es sich noch nicht herumgesprochen, daß die Idee der Abspeicherung homöopathischer Informationen in Wasser ein abgewetzter Kalauer irrealer Voodoo-Science ist. Ein Quotenbringer und Spaltenfüller für die gesunden Seiten der Tageszeitungen – medizinisches Infotainment pur! Skeptische Journalisten und Journalistinnen, die über einen wissenschaftlichen Background verfügen, sind Mangelware. Seriös recherchierte Berichterstattungen gibt es daher selten. Das sind Ausnahmen, die an einer Hand abgezählt werden können.

    Die Story vom Wassergedächtnis ist Teil des Schulunterrichtes geworden!

    Wie auch immer, es gibt keine Grenzen für CAM-Forscher. Die Elektronik macht es möglich. Ein bißchen Verstärken, ein wenig Hintergrundrauschen und schon werden heilsame Frequenzen und Informationen sichtbar. Der Rest ist ein Kinderspiel. Eine CD wird beladen, und die kurierenden Bioinformationen können in die Lurchbecken eingespielt werden. So einfach funktioniert Homöopathie. Nur das Handy darf nicht läuten.

    Es geht halt nichts über ganzheitliche Forschungsansätze.

    Der fünfte Paradigmenwechsel – Realität im Alltag

    Mobilfunk ist sicher nicht das Ende für homöopathische Teleaktivität. Im Internet gibt es zahlreiche „wissenschaftlich“ geprüfte Schutzpickerl gegen Handystrahlung zu kaufen. Nur, unter dieser entlarvenden deutschen, sprich besser österreichischen Bezeichnung, ist das unverkäuflich. Da muß schon die moderne Sprache der Scharlatanerie herhalten. Auf englisch klingt das alles viel cooler und zuverlässiger! Nichts ist leichter, als vielversprechende Namen zu erfinden. Ein Mind-Save-Chip oder ein Handy-Harmony-Device versprechen mehr Gewinn als eine amtlich tönende Bezeichnung wie „Strahlungsschutzplakette“. Es gibt und wird natürlich Hahnemänner geben, die derartiges prüfen und positiv befunden. Entsprechend aufgeklebt auf Handys und an Kassenscannern montiert, und die Welt der alternativen Energien bleibt heil.

    Die homöopathische Fernheilung der Lurche sollte nun auch unter Mobilfunk funktionieren.

    Um auch weitere Ergebnisse und Highlights aus der Voodoo-Forschung ganz sicher zu erleben, sollte man sich eine Schutzplakette umhängen: „Im Notfall bitte keinen Homöopathen zu Hilfe rufen.“

    Der homöopathisch alternative Hintergrund – Wissenschaftsmimikry

    Im interuniversitären Kolleg Graz/Seggau verkehren illustre Persönlichkeiten aus dem In- u. Umkreis der Homöopathieszene. Diverse Assoziationen drängen sich auf, wenn man sich die „Forschung“ ansieht, die hier betrieben wird. Ist es Wissenschaftsmimikry, also die Nachahmung von Wissenschaft? Zu welchem Zweck wird hier Wissenschaft gespielt? Unter Mimikry versteht man z. B., daß harmlose wehrlose Tiere einzig zu dem Zweck, nicht von ihren Freßfeinden als Beute erkannt zu werden, zum Verwechseln das Aussehen von gefährlichen Tieren entwickeln. Oder Blüten entwickeln das Aussehen von Geschlechtspartnern ihrer Bestäubungsinsekten, um dann durch diese beim vermeintlichen Geschlechtsakt bestäubt zu werden. Wie dem auch sei, Forschungsgelder lassen sich jedenfalls abstauben.

    Oder sollte man besser von „Cargo-Kult-Wissenschaft“ sprechen? Beim Cargo-Cult ahmten Einheimische auf den Samoainseln den Betrieb eines Urwaldflugplatzes nach! Für sie waren es Götter, die seinerzeit während des Krieges auf der Urwaldpiste landeten und ihnen im „Cargo“ himmlische Güter mitbrachten. Ohne eine Ahnung von den Notwendigkeiten der Flugtechnik und dergl. zu haben, setzten sie sich hölzerne Kopfhörerattrappen auf, entzündeten Pistenfeuer und warteten gläubig auf die Wiederkehr der vermeintlichen Götter. Im Englischen wird gelegentlich der Ausdruck „Cargo-Cult“ für bestimmte gesellschaftliche Gruppierungen verwendet, die sich durch die oberflächliche Nachahmung äußerlicher Handlungsweisen erfolgreicher Menschen Reichtum und Ansehen versprechen.

    Vorstand dieses interuniversitären Spezialinstitutes in Seggau ist Peter C. Endler. Seit einem Lehrauftrag an der Universität Urbino firmiert er unter „Univ.-Prof. (ac., Italien) a. D.“. Endler war auch ehemaliger Leiter der „Ludwig Boltzmann Forschungsstelle für niederenergetische Bioinformation“. Dort bestätigte man die Wirkung eines „levitierten Quellwasser-Informationskonzentrats“ namens „eQwell“. Diese Einrichtung wurde mittlerweile geschlossen.

    Søren Ventegodt unterrichtete Studierende des Masterlehrgangs „Komplementäre Gesundheitswissenschaften“. Er wurde bekannt als ein Verteidiger von Ryke Geerd Hamers „Die eiserne Regel des Krebses“. Spektakulär ist auch der Zahnarzt Heinz Spranger. Auf Webseiten wie „VirusMyth“ und „AIDS-Kritik“ spekulierte er über „chemische Vergiftungen“ als wahre Ursache von BSE. Vehement zweifelte er an der von „amateurhafter Hilflosigkeit“ geprägten Theorie, daß HIV die Ursache von Aids sei. Seine „Expertenmeinung“ war in Südafrika gefragt. Er wurde in die Aids-Kommission des südafrikanischen Präsidenten Mbeki berufen, dessen Gesundheitsministerin Rote Rüben und Knoblauch gegen die tödliche Krankheit empfahl.

    Man sollte aber nicht abschätzig über eine afrikanische Ministerin lächeln. Für aufgeklärte Menschen mit Skepsis und Hausverstand, die sich der Bedeutung und der Tragweite naturwissenschaftlicher Erkenntnisse bewußt sind, ist es ein großer Unterschied, ob jemand, dem der bildungshistorische Hintergrund fehlt, der magischen Kraft von roten Rüben und Knoblauch vertraut, oder ob oberste Vertreter eines aufgeklärten und der Bildung verpflichteten Staatswesens, wie dem österreichischen, an Astrologie, Erdstrahlen oder Feng Shui glauben. Was ist der Unterschied zwischen einer Bildungsministerin, die böse Strahlen mit einem Rosenquarz abwehrt, und besagter afrikanischer Gesundheitsministerin? Genetisch dürfte der Unterschied gegen Null tendieren. Und sollte doch ein Unterschied sein, der (!) Pendel macht sie alle gleich.

    Im Beirat des Interuniversitären Kolleg sitzt Michael Frass. Er ist Leiter der AKH-Ambulanz „Homöopathie bei malignen Erkrankungen“ und Österreichs oberste Autorität in Sachen Homöopathie. Er beschäftigt sich, wie viele andere Homöopathen auch, mit esoterischer Voodoo-Technik.

    Solch eine moderne von ihm favorisierte elektronische Hasenpfote zum Umhängen ist der „ATOX® Bio-Computer“. Laut Hersteller werden „negative Informationen in positive“ umgewandelt, natürlich stromlos. Frass warb für dieses Wunderding auch in Apothekerkreisen. Skispringer „Morgi“ Christian Morgenstern hebt damit besser und weiter ab und auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser vertraut auf Atox. Dieses kuriose Ding soll auch vor „Elektrosmog“ schützen, der immer wieder auch mit Krebs in Zusammenhang gebracht wird. Wie Professor Frass feststellte, erkennt der Anhänger aber auch „psychosoziale Belastungen“ und „wandelt diese in eine für den Träger positive Energie um“. Nach dem sensationellen Ergebnis seiner Studie („Fast alle Personen hatten bereits nach einigen Tagen beziehungsweise Wochen die Kraft und Energie, auch andere Maßnahmen zur Verbesserung der Streßbewältigung zu setzen“) erklärte Frass in einem Vortrag „Welche Schwingungen auf unseren Organismus einwirken – Wie unser Körper damit umgeht – Wie man sich schützen kann – Was ATOX bewirkt – Wie ATOX angewendet wird.“ Auf Einladung von Frass durfte ein Vertreter von Atox seinen verblüfften Zuhörern im AKH auch als neueste Entwicklung einen auf einer „Äthertheorie“ basierenden „Benzinbeleber“ präsentieren, der im Tank eines Autos auf magische Weise den Verbrauch senkt. Zur Teilnahme an einer Studie waren auch Techniker von der TU Wien eingeladen.

    Sie lehnten dankend ab.

    Neue Eso-Elektronik ist bereits allgemein akzeptiert und allgegenwärtig: Sichere, dauerwirksame, stromlose Psychotherapie am Halsband. Einfach umhängen und alles ist paletti. Homöopathen haben ein Faible für die Verwertung von Platinen aller Art. Daraus lassen sich ästhetisch anspruchsvolle esoterische Schutzamulette kreieren. Die seinerzeit und gewiß auch heute noch immer so beliebten Mariazeller Breverl versagen glatt. Es genügt heute nicht mehr, Schluckbildchen zu verzehren oder sich kleine Zettelchen mit magischen Zahlen und Zeichen umzuhängen. Wem die Homöopathie noch zu wenig Rückhalt und Harmonie für die Bewältigung des Tagesablaufs bringt, der vergeistigt sein Gemüt mit einem elektronischen Amulett, das ihn immer richtig einschwingt.

    Auch Angehörige des Institutes der pharmazeutischen Wissenschaften der Universität Graz haben die Mitarbeit an diesen faszinösen Projekten nicht abgelehnt. Nicht nur Redaktionen erliegen der Faszination schillernder Pseudowissenschaft, auch gestandene Wissenschafter altehrwürdiger Universitäten wollen am jüngsten Tag der Aufklärung dabeisein. Eine Diplomandin wurde zur Mitarbeit abgestellt. Ihr wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, sich den akademischen Grad einer Magisterin der Pharmazie mit einer pseudowissenschaftlichen Diplomarbeit erschreiben. Diese Art von Bildung ist ein „Fort“ von Bildung, eine Vergeudung von Zeit und Geld, die durch nichts zu rechtfertigen ist, es sei denn, es ist Ziel, Anschauungsmaterial für Realsatiren zu produzieren. Dafür eignen sich die Forschungsergebnisse vorzüglich und sie wurden dementsprechend auch als satirische Kritik veröffentlicht.

    Alternative und komplementäre Forscher beklagen die Begrenztheit der naturwissenschaftlichen Forschung. Sie wünschen sich mehr Freiheit. Inspiration und Witz sind wichtige Faktoren in der Forschung. Aber die für echte Forschung notwendige Inspiration erwächst aus Bildung und Wissen. Der Paradigmenwechsel als Running-Gag ist das witzlose Ergebnis einer grenzenlosen Unwissenheit. Ein Schulbeispiel für politisch geförderte Modeforschung.

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