Anwendung individueller homöopathischer Medikamente bei ADHS – Studie von H. Frei et al., Universität Bern (2005 / 2006)

Zusammenfassung:

Die Autoren haben in den Jahren 2002 bis 2005 an der Universität Bern / Schweiz eine Untersuchung durchgeführt mit dem Ziel, die Wirkung homöopathischer Medikamente bei ADHS (Aufmersamkeits-Defizit / Hyperaktivitäts-Störung) nachzuweisen. Dazu wurden 62 Kinder im Alter zwischen 6 und 16 Jahren in zwei Gruppen mit einem individuell verordneten homöopathischen Medikament beziehungsweise mit einem Placebo behandelt. Nach Ansicht der Forscher haben sie im Ergebnis nachweisen können, dass die Homöopathie eine wissenschaftliche Methode sei, ADHS bei Kindern zu behandeln. Diese Auffassung ist nach meiner Ansicht nicht gerechtfertigt. Gründe:

  • Die ohne Zweifel vorhandenen Verbesserungen während der unverblindeten Einnahme des homöopathischen Mittels können auch auf eine ganze Reihe anderer positiv wirkender Effekte zurückgeführt werden.
  • Von den vier Verläufen unter der veblindeten Einnahme von Verum oder Placebo während der Crossover-Phase entspricht nur einer der Annahme, dass Verum ein wirksames Medikament sei, die anderen drei Verläufe stehen hingegen im Widerspruch hierzu.
  • Die Aussagen in der Fernsehsendung des Bayerischen Rundfunks zu dieser Untersuchung erscheinen gewollt positiv verfälschend.

Wenn man in der Studie schon einen Nachweis sehen will, dann eher dafür, dass homöopathische Medikamente bei Befürwortern der Homöopathie eine Wirkung ausüben, sofern diese sicher sind, das ihnen verordnete Medikament zu erhalten. Bestehen Zweifel hinsichtlich der Zusammensetzung des Medikaments, dann ist keine eindeutige Wirkung mehr feststellbar. Man kann das Studienergebnis folglich eher gegen als für die Homöopathie verwenden.

Ergänzung vom 2.12.2013:
An diese Studie schloss sich eine Langzeitstudie an, die in diesem Beitrag betrachtet wird.

Edit 18.12.2014
– Irrtum meinerseits korrigiert: Kein Wechsel der Vergleichsbasis in den Daten
– Betrachtung zur Signifikanz und Relevanz des Ergebnisses eingefügt

Einführung

Der Studie liegt eine sehr aufwändige Untersuchung zu Grunde, die an der Universität Bern in den Jahren 2002 bis 2005 an Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren (bei Studienbeginn) durchgeführt wurde. Die Studie wurde 2005 in einer englischsprachigen Fachzeitschrift veröffentlicht [1]. Ein Jahr später wurde über die Untersuchung in abgewandelter Form in deutscher Sprache berichtet [2]. Beide Versionen sind im Internet als Volltext verfügbar, siehe die im Quellenverzeichnis angegebenen Links. In keiner der Zeitschriften konnten Diskussionsbeiträge zu der Veröffentlichung gefunden werden. Die englische Version wird wegen ihrer früheren Veröffentlichung im Folgenden als das Original betrachtet, die deutsche Version gelegentlich zur Ergänzung dieser Betrachtungen herangezogen.

 

Studiendesign

Untersuchungen zur Wirksamkeit von Arzneimitteln werden üblicherweise in placebokontrollierten doppeltblinden klinischen Studien durchgeführt. Dabei erhält eine Gruppe das wirksame Arzneimittel (‚Verum‘ = das Wahre), die andere Gruppe ein Placebo ohne Wirkstoff. Dabei weiß keiner der Teilnehmer, welcher Gruppe er angehört. Nach Auffassung der Homöopathen ist dieses Vorgehen aber zum Nachweis der Wirkung homöopathischer Mittel ungeeignet, denn ein wirksames Mittel muss individuell für den einzelnen Patienten ausgewählt werden. Da dies auch mehrere Versuche beinhalten kann, kommt der Patient zwangsläufig mit einem wirksamen Mittel in Berührung.

Diese Schwierigkeit wollten die Schweizer Forscher in ihrem Vorgehen berücksichtigen. Der Grundgedanke dabei war, nicht zu messen, was passiert, wenn man der Verum-Gruppe ein wirksames Medikament zuführt, sondern zu beobachten, was passiert, wenn man während der Behandlung mit einem wirksamen Medikament dieses durch ein wirkungsloses Placebo ersetzt.

Hieraus ergab sich das folgende Vorgehen: man hat zunächst für alle Patienten, bei denen ADHS zweifelsfrei festgestellt werden konnte, ein wirksames Medikament bestimmt, das von den Patienten eingenommen wurde. Zur Teilnahme an der weiteren Studie wurden die Patienten ausgewählt, die in dieser Screening genannten Phase ein bestimmtes Mindestmaß an Verbesserung erzielt haben. Diese Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. In der folgenden Crossover-Phase erhielt die Gruppe A für sechs Wochen weiterhin ihre homöopathische Arznei und anschließend für 6 Wochen ein Placebo. Die Gruppe B erhielt zuerst für sechs Wochen ein Placebo, danach für 6 Wochen wieder das Verum. Beide Gruppen wurden dann nochmals offen für 6 Wochen mit ihrem homöopathischen Medikament behandelt, woran sich dann eine langfristige Nachbeobachtung anschloss.

Letztendlich nahmen zum Beginn der Crossover-Phase 62 Kinder an der Untersuchung teil.

Die Kinder und Jugendlichen wurden zu Anfang, im Verlauf und am Ende der Studie ausgiebigen Untersuchungen unterzogen, die zum einen die ADHS-Diagnose bestätigen sollten. Darüber hinaus wurden eine Reihe neuropsychologischer Daten aufgenommen und ausgewertet. Das wesentliche Bewertungskriterium, an dem die Entwicklung der Patienten fortlaufend zu verschiedenen definierten Zeitpunkten gemessen wurde, war jedoch ein bestimmter Index (Conners Global Index, CGI), der von den Eltern per Fragebogen festgestellt wurde. Dieser Index liefert Zahlen zwischen 0 (keine Auffälligkeit) und 30 (extrem auffälliges Verhalten).

 

Der CGI – Index

Immer, wenn man etwas misst, dann muss man sich darüber Gedanken machen, ob das Messinstrument und die Art, wie es angewendet wird, auch dafür geeignet sind, den gewünschten Messwert in der gewünschten Genauigkeit zu ermitteln. Im täglichen Leben tun wir das zwar eher nicht, aber wir haben es auch zumeist mit vergleichsweise einfachen Messaufgaben zu tun. Aber hier ist das anders. Es gibt kein Messinstrument, keine Waage, Metermaß oder Thermometer, mit dem man direkt messen kann, wie stark ADHS bei dem einzelnen Kind ausgeprägt ist und wie sich das im Laufe einer Behandlung eventuell verändert. Daher muss man auf eine indirekte Methodik zurückgreifen, hier den CGI-Fragebogen, um die Stärke des ADHS beim jeweiligen Patienten zu ermitteln. Es dürfte ohne Weiteres klar sein, dass der Fragebogen für diesen Zweck mehr oder weniger gut geeignet sein kann. Auch die Einsicht, dass es kein besseres und für die vorliegende Aufgabe praktikableres Verfahren gibt als das hier Gewählte, ändert nichts daran, dass es notwendig ist, sich zu vergewissern, wie weit man den Werten ‚trauen‘ kann.

Der Prozess, die Aussagekraft eines Messverfahrens zu ermitteln, heißt in der Analytik ‚Validierung‘ des Messverfahrens. Frei gibt in [1] an, die Eignung des CGI sei für seine Zwecke bereits in vorliegenden Arbeiten hinreichend validiert und verweist dazu auf eine Arbeit von Snyder et al. [3]. Dieses Zitat verweist aber nur auf einen Diskussionsbeitrag zu einer größeren Arbeit von Collet et. al. [4], der darin eine Reihe gebräuchlicher Maßstäbe und Indices für die Diagnose von ADHS untersucht. Erstaunlicherweise wird in keiner dieser Quellen der CGI auch nur erwähnt. Auch keiner von den anderen betrachteten Indices ist dem CGI auch nur näherungsweise ähnlich (10 Fragepunkte, von den Eltern zu bewerten). Quintessenz: Im Gegensatz zu den Aussagen von Frei haben wir keine Informationen über die Aussagekraft des CGI im Allgemeinen, schon gar nicht für die Art und Weise, wie er hier in der Studie gehandhabt wird.

Da uns keine Angaben vorliegen, müssen wir uns selbst mit der Zuverlässigkeit der mit dem CGI ermittelten Aussagen befassen. Wir können dabei allerdings nur die Plausibilität dafür prüfen, ob die erzielten Messwerte tatsächlich die Aussagekraft haben, die Frei ihnen zumisst.

Bezüglich ADHS sei auf den ausführlichen Artikel in der Wikipedia [5] hingewiesen.

Der CGI, wie ihn Frei verwendet, bildet die DSM IV Kriterien zur Diagnose von ADHS ab und erfordert, dass die Eltern bewerten, wie häufig ihr Kind das folgende Verhalten zeigt:

  • unruhig oder übermäßig aktiv
  • stört andere Kinder
  • erregbar, impulsiv
  • bringt angefangene Dinge nicht zu einem Ende, kurze Aufmerksamkeitsspanne
  • ständig zappelig
  • unaufmerksam, leicht abgelenkt
  • Erwartungen müssen umgehend erfüllt werden, leicht frustriert
  • weint leicht und häufig
  • schneller und ausgeprägter Stimmungswechsel
  • Wutausbrüche, explosives, unvorhersagbares Verhalten.

Diese Verhaltensweisen sind zu bewerten, ob sie nie (0), ein wenig (1), ziemlich stark (2), oder sehr stark (3) auftreten. Was mit den jeweils in den Klammern angegebenen Punkten bewertet wird. Die Summe der Punkte aus allen zehn Fragen ist der ermittelte Indexwert.

Die Schwierigkeit ist, wie ersichtlich, dass wir es mit Handlungsweisen zu tun haben, die bestimmt jedes Kind irgendwann einmal zeigt oder gezeigt hat. Die Eltern müssen bewerten, ob das Kind beispielsweise leicht abgelenkt werden kann, oder ob es normal ist, dass ein Kind von einem großen Vogel vor dem Fenster abgelenkt wird. Wie weit ist es normal, bei dem Schmerz oder der Enttäuschung, die das Kind gerade erlebt, zu weinen und wo fängt ‚leicht und häufig‘ an? Wo ist die Grenze beispielsweise zwischen ‚ziemlich stark‘ und ’sehr stark‘ zu ziehen? Selbst wenn die Eltern Strichlisten führen würden, bliebe immer noch ein erheblicher Ermessensspielraum.

Die Folgen sind für die Aussagekraft gravierend. In der Technik hat sich eine bestimmte Betrachtungsweise herausgebildet, wie man sich mit möglichen Problemen auseinandersetzt. Diese auf das vorliegende Problem angewendet, bringt etwa folgendes Bild:

Was gesucht wird, ist, wie stark ADHS gegenwärtig bei dem betrachteten Kind ausgeprägt ist, übernehmen wir hier der Zweckmäßigkeit halber die Skala von 0 bis 30 Indexpunkten.

Kinder sind lebende Wesen, die, genau wie alle anderen Menschen auch, Stimmungsschwankungen unterworfen sind, gute und schlechte Tage haben. Machen wir einen Fehler, wenn wir annehmen, dass dies sich auch auf das für den Fragebogen relevante Verhalten auswirken wird? Es wird sicher eine gewisse Bandbreite des Verhaltens geben, das ein ’20-Punkte- ADHS-Kind‘ im Laufe der Zeit an den Tag legt, auch ohne dass dies eine Änderung in dem Ausmaß darstellt, an dem es an ADHS leidet. Demzufolge müsste man eigentlich mehrere Beobachtungen über eine längere Zeit heranziehen, um die Streuungen ausfiltern zu können und den Mittelwert als den eigentlichen Messwert weiter zu verwenden. In dieser Untersuchung wurde der CGI aber genutzt, eine Veränderung darzustellen, eine Betrachtung über eine lange Zeit und Mittelung der Werte ist da unmöglich. Wir müssen mangels näherer Angaben daher davon ausgehen, dass solche Zufallsschwankungen der Stimmungslage voll in die Messwerte eingeflossen sind.

Das nächste Problem: Treten denn die Ursachen, die Trigger für die jeweiligen Handlungsmuster, immer in gleichem Umfang auf? Wahrscheinlich eher nicht. Bei einer Crossover-Phase von sechs Wochen fällt wahrscheinlich entweder deren Beginn in oder zumindest in die Nähe der Schulferien oder deren Ende. Mehr oder weniger Stress in der Familie sowie für das Kind selbst sind die Folge, auf die es mit Sicherheit auch reagiert und dabei die ihm zur Verfügung stehenden Handlungsweisen mehr oder weniger intensiv zeigt. Hierzu gehört sicher auch, dass das Leben für die Eltern weitergeht, es mehr oder weniger Spannung in der Partnerschaft, im Beruf, in Sachen Geld, mit den Nachbarn und so weiter und so fort geben wird, das ganze Spektrum dessen, was man Leben nennt. Insbesondere dürfte Streit um Erziehungsfragen zur Regel gehören. Dabei können wir sicher sein, dass eine Familie, die mit einem hyperaktiven Kind schließlich den Weg zum Kinderarzt findet, schon unter einem erheblichen Stress und Leidensdruck steht und nicht alle Fährnisse des Lebens souverän mit großer Gelassenheit wegsteckt. Also wird das Zusammenleben nicht durch eine gleichförmige ruhige Gangart gekennzeichnet sein, sondern sehr wohl auch noch durch mehr oder weniger heftige Wechsel in den Lebensumständen, die auch das Verhalten des Kindes beeinflussen.

Als dritten Punkt ist die subjektive Bewertung des Verhaltens des Kindes durch die Eltern zu sehen. Auch da dürfte es in einem hohen Maße von der augenblicklichen psychischen Verfassung abhängen, wie ein bestimmtes Verhalten gewertet wird. Das gleiche Verhalten des Kindes wird sicher abhängig von der Verfassung der Eltern in einem mehr oder weniger großen Spektrum bewertet, ob man entspannt ist oder unter einem irgendwie gearteten Druck steht.

Quintessenz dieser Betrachtung: Die Messung der Ausprägung des ADHS mit dem CGI dürfte eine erhebliche Messunsicherheit zeigen, die wir hier allerdings mangels geeigneter Möglichkeiten nicht beziffern können. Ich neige dazu, die Skala von 0 bis 30 entsprechend den üblichen Schulnoten in sechs Bereiche einzuteilen, und mit den Noten von 1 bis 6 zu unterlegen, aber dies ist eine rein willkürliche Festlegung. Dies ergäbe eine Spannweite von 5 Punkten, innerhalb der der Messwert schwanken kann, ohne dass dies auch zwangsläufig auf eine Änderung im Befund des Kindes hindeutet.

Vergegenwärtigt man sich aber, dass es dann nur bei fünf der obigen zehn Fragen nur einer Verbesserung oder Verschlechterung um einen einzigen Schritt bedarf, um den Notenwert um einen Zähler zu ändern, dann erscheint diese Einteilung sogar noch eher zu fein. Wenn man nur fünfmal die Bewertung zwischen ‚ein wenig‘ und ‚ziemlich stark‘ ändert, ergibt dies einen solchen Sprung. Oder fünfmal von ’sehr stark‘ zu ‚ziemlich stark‘.

Mangels besserer Angaben werden wir die Studienergebnisse aber an diesen Erkenntnissen spiegeln.

Anmerkung:

Grundsätzlich scheint dieser Index ein Hilfsmittel bei der Diagnose zu sein, etwa 0 bis 10 Punkte sind sicher unauffällig, 20 bis 30 Punkte deuten auf eine mögliche ADHS hin und 10 bis 20 Punkte sind unbestimmt. Dann wäre es für die Diagnose auch egal, ob sich nun 23 oder 27 Punkte ergeben, um weitere Maßnahmen, die Diagnose zu erhärten, gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Für solche (Vor-)Untersuchungen scheint der CGI durchaus genügend empfindlich zu sein.

Nachtrag (12. 5. 2013)
Wie Herr Ulrich Berger in seinem Kommentar vom 9. 5. richtig bemerkt, ist unter dem Begriff CGI der ‚Conners Global Index‘ zu verstehen und nicht, wie weiter oben irrtümlich ausgeführt, ein ‚Conners General Index‘. Die fragliche Textstelle wurde zwischenzeitlich korrigiert. In [7] unterziehen Faries et al. verschiedene Bewertungsskalen für ADHS einer förmlichen Validierung, darunter auch den CGI. Für diesen Artikel von Interesse ist die Wiederholgenauigkeit einer Messung (‚Test-Retest Reliability‘). Für den CGI wird ein Korrelationskoeffizient von 0,73 angegeben. Dies ist eine Kennzahl, wie gut Datenpunkte auf einer Geraden liegen, für uns also, wie gut bei einer Wiederholung des Tests die ursprünglichen Werte getroffen werden. Im Idealfall würde diese Kennzahl bei 1 liegen, siehe das folgende Bild aus [8]:

Correlation_examples

Es ist zwar nicht möglich, aus diesem Wert auszurechnen, ob wir mit der Annahme von 5 Punkten als Auflösung genau richtig liegen. Dass aber mit einer recht deutlichen Streuung zu rechnen ist, wird hier bestätigt.

Studienergebnisse:

Das Ergebnis der Studie kann man grob in zwei Bereiche einteilen. Zum Einen gibt es die langfristige unverblindete Behandlung der Kinder mit ihren individuell zugeordneten homöopathischen Medikamenten, von der ersten Untersuchung zur Bestätigung der ADHS-Diagnose bis zur Nachuntersuchung zum Ende der Studie. Zum Anderen gibt es die dazwischen liegende Crossover Phase, die wir hier gesondert betrachten wollen. Dabei betrachten wir in der Hauptsache die CGI Werte. Die in erheblichem Umfang erhobenen und berichteten weiteren Daten, etwa die neuropsychologischen Daten, betrachten wir nicht. Auch benutzen wir der Einfachheit halber nur die Mittelwerte, die hier als Mediane dargestellt sind. Unter einem Median versteht man den Wert, der von der einen Hälfte der Teilnehmer unterschritten (oder erreicht) wird, von der anderen Hälfte aber übertroffen (oder erreicht wird). Bei einer Gruppenstärke von beispielsweise 31 Kindern ist dies also der CGI-Wert des 16. Kindes.

 

Ergebnisse der langfristigen Behandlung:

Bei 83 Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren konnte die ADHS-Diagnose bestätigt werden. Daraufhin wurde das Medikament ausgewählt und eingenommen, bis der CGI-Wert um mindestens 50 % oder um mindestens 9 Punkte reduziert war. Allen Teilnehmern war bekannt, dass sie das Medikament erhielten.

13 Kinder erreichten die erforderliche Verbesserung nicht, davon zeigten drei gar keine Reaktion, fünf eine zu geringe, bei fünf gab es Probleme mit dem Einhaltung der Verordnung, die aber auch die erforderliche Verbesserung nicht erreichten. Folglich zeigten nur 70 Kinder bis zum Beginn der Crossover-Phase die erforderliche Verbesserung des Befindens. Von diesen 70 Kindern nahmen wiederum nur 62 an der weiteren Untersuchung teil, fünf weigerten sich teilzunehmen, drei erreichten die Verbesserung nicht rechtzeitig.

Insgesamt lag der CGI als Mittelwert (Median) der späteren Teilnehmer in der Crossoverphase zu Anfang bei 19 Punkten und sank auf 8 Punkte. Die Zeitdauer dieser Phase betrug im Schnitt 5,1 Monate, im Extrem bis 18 Monate. Im gesamten weiteren Verlauf schwankten die CGI außerhalb der Crossover-Phase nur wenig.

11 der 62 Kinder, die an der Crossover-Studie teilnahmen, waren vorher mit Stimulanzien behandelt worden, eine Behandlung, die zu Beginn der Studie eingestellt werden musste.

So, das sieht zunächst ja mal recht eindrucksvoll aus. Unter der homöopathischen Behandlung wurde mit einer Verbesserung von im Mittel 11 CGI-Punkten eine Verbesserung erzielt, die sicher weit oberhalb unserer oben definierten Messunsicherheit liegt. Es hat also spürbare Verbesserungen gegeben, im Mittel von Schulnote 4 auf Schulnote 2. Sehr schön. Nur: ist das zwangsläufig auf das homöopathische Mittel zurückzuführen?

Wir können verschiedene Effekte betrachten, die das Ergebnis zu positiven Werten hin beeinflussen.

– Einfluss des Vergleichsbasis

Zunächst ist zu konstatieren, dass, wie oben bereits dargestellt, nicht alle Patienten bewertet wurden, die am Anfang der Screeningphase teilnahmen. Auch wenn dies keinen Einfluss auf den berichtete Verbesserung der Studienteilnehmer hat, so ist doch festzuhalten, dass die berichtete große Verbesserung nur dadurch zsutande kommt, dass man die Kinder mit nur geringem Fortschritt aus der Betrachtung ausgeklammert hat. Mangels ausreichender Informationen kann die Größe des Einflusses auf die Medianwerte allerdings nicht zuverlässig abgeschätzt werden.

– Einstellung zur Homöopathie – Placeboeffekt

Die Eltern wussten, dass sie sich einem Versuch mit homöopathischen Arzneimitteln unterwerfen. Welches Risiko wären die Eltern bereit zu akzeptieren? Sie hatten immerhin genügend Leidensdruck aufgebaut, mit ihren Kindern ärztlichen Rat zu suchen. Ist es dann wahrscheinlich, dass jemand bewusst das Risiko einging, über lange Zeit keine Verbesserung der Situation zu erzielen? Doch wohl eher nicht. Das heißt, dass die Eltern der Homöopathie zumindest zutrauten, dass sie ihren Kindern weiterhilft, dass sie von einer möglichen Wirksamkeit der Homöopathie überzeugt waren. Ein Skeptiker hätte sein Kind und seine Familie nicht dem Risiko ausgesetzt, über lange Zeit mit wahrscheinlich unwirksamen Mitteln behandelt zu werden – und entsprechend länger mit der inzwischen unerträglichen häuslichen Situation leben zu müssen.

Vielleicht hatte sogar ein beträchtlicher Anteil der Eltern bewusst eine homöopathische Behandlung gewählt. Frei gibt an, dass die Kinder entweder über lokale ADHS-Selbsthilfegruppen an die Studie vermittelt wurden, oder über die behandelnden Kinderärzte. Welche Art von Kinderarzt vermittelt seine Patienten zur Teilnahme an einer homöopathischen Studie – ein konventioneller Mediziner oder ein Homöopath?

Wenn wir also unterstellen können, dass die Eltern der an der Studie teilnehmenden Kinder weitgehend von einer Wirksamkeit der Homöopathie ausgingen, dann liegt der Schluss nahe, dass sehr viele von ihnen der konventionellen medikamentösen Therapie eher ablehnend gegenüberstanden. Man kann durchaus ein gewisses Interesse daran unterstellen, für das Kind hier einen Erfolg zu erzielen – man hätte sich ja sonst doch der konventionellen Medizin zuwenden müssen.

Wenn in dieser Konstellation die Einnahme von individuell verordneten homöopathischen Medikamenten keinen starken Placebo-Effekt hervorruft – wann denn sonst?

– Natürlicher Verlauf nach Erstdiagnose

Einen weiteren Aspekt kann man noch hinzufügen: 11 der 62 Kinder, die sich für die Crossover-Phase qualifiziert hatten, waren zuvor mit Stimulanzien (‚Ritalin‘) behandelt worden. Das heißt, mindestens 51 der 83 Kinder, die vorher an der Screening-Phase teilgenommen hatten, waren es nicht. Warum nicht? Wenn die Kinder vorher bei einem Nicht-Homöopathen in Behandlung gewesen wären, wäre sicher ein sehr hoher Prozentsatz von ihnen medikamentös behandelt worden. Dass das nicht der Fall ist, läßt darauf schließen, dass es eine beträchtliche Anzahl von Patienten gegeben haben muss, bei denen anlässlich dieser Untersuchung erstmalig ADHS diagnostiziert und therapiert wurde. Frei macht hierzu keine Angaben, obwohl dieser Punkt vermutlich sehr stark auf das Ergebnis durchschlägt. Dass es Erstdiagnosen im Rahmen dieser Studie gegeben haben müsste, ist auch angesichts des Mindestalters der Patienten von 6 Jahren naheliegend.

Vergegenwärtigen wir uns:

Kinder, die bereits vor der hier betrachteten Untersuchung in einer Behandlung waren, haben möglicherweise nur ein Medikament gegen ein anderes ausgetauscht, sonst ging die Sache weiter wie gehabt.

Neupatienten aber durchlaufen eine ganz andere Entwicklung: Wir haben es bei ADHS mit Verhaltensauffälligkeiten zu tun, die für die Familie sehr belastend sind. Sämtliche Versuche, auf das Kind erzieherisch einzuwirken, schlagen fehl. Die Kinder werden als aufsässig, aggressiv, faul und was auch immer sonst noch empfunden. Es ist sehr schwer, sie anzunehmen und ihnen die Zuwendung zukommen zu lassen, die sie brauchen. Wenn sie sie nicht bekommen, fordern die Kinder sie mit weiter übersteigertem Verhalten ein, was als noch größere Verfehlung auf Seiten des Kindes gewertet wird. Zwischen Eltern und Kind kann sich kaum eine liebevolle Beziehung aufbauen, erhebliche Spannungen mit allen ihren Folgeerscheinungen sind sehr wahrscheinlich. Auch zwischen den Eltern dürfte Streit über Erziehungsfragen zum Alltag gehören. Irgendwann ist das Maß voll, im positiven Fall sucht man ärztlichen Rat.

Und erst jetzt erfährt man, dass das Kind irgendwie krank ist, dass es gar nicht anders kann, als sich zu verhalten, wie es das tut. Es ist kein Ungehorsam oder sonstige Bosheit des Kindes, die das Familienleben so schwer belastet hat, sondern eine körperliche Erkrankung, die sogar einen Namen hat und an der noch mehr Kinder leiden. Auch wenn wir keine hollywoodmäßige tränenreiche Versöhnung und Reue aller Beteiligten anzunehmen brauchen, können wir uns gut vorstellen, dass sich das Familienleben erheblich entspannen kann, dass Situationen, auf die das Kind reaktiv in bekanntem Verhaltenmuster reagiert hat, seltener werden, die Eltern einen wohlwollenderen Blick auf ihr Kind haben, sich die Eltern-Kind-Beziehung deutlich verbessern wird. Selbst wenn nichts weiter passiert, hätte dies eine ganz erhebliche Auswirkung auf die Bewertung des kindlichen Verhaltens durch die Eltern im CGI.

– parallele Therapien

Möglicherweise, sogar ziemlich wahrscheinlich, werden parallel zur Behandlung mit dem Medikament auch Verhaltenstherapien aufgenommen, Stressbewältigung, Deeskalationsstrategien, überhaupt wird ein besserer Umgang mit der Situation eingeübt. Frei macht hierzu keine Angaben, in welchem Umfang solche Paralleltherapien durchgeführt worden sind. Er stellt zwar fest, dass keine andere Behandlung durchgeführt wurde als die Homöopathie, es bleibt aber unklar, ob sich dies nur auf den medikamentösen Teil bezieht oder nicht. Es ist für mich aber schlicht nicht vorstellbar, dass den Kindern und Eltern diese psychologische Hilfe zum besseren Umgang mit dem Problem für die Dauer der Untersuchung – immerhin über eineinhalb Jahre – entzogen worden sein soll. Dem könnte doch keine Ethikkommission der Welt zugestimmt haben (was aber zur Genehmigung einer solchen Untersuchung unbedingt erforderlich ist).

Wie gesagt, Frei macht zu allen diesen Punkten keine Angaben, daher können wir dies nur als Vermutungen sehen. Wir können aber ohne Weiteres drei Einflussfaktoren feststellen, die das Studienergebnis positiv beeinflusst haben

  • Placeboeffekt
  • natürlicher Verlauf nach der erstmaligen Diagnose
  • parallel durchgeführte Therapien

Damit ist es dann sehr fragwürdig, die ohne Zweifel vorhandene Verbesserung der Situation auf die Wirkung des homöopathischen Mittels zurückzuführen.

Bezüglich der in hohem Umfang ermittelten neuropsychologischen Daten räumen die Forscher selbst ein, dass es fragwürdig ist, die Entwicklung auf die Wirkung des homöopathischen Medikaments zurückzuführen, so dass wir uns hier eine weitergehende Erörterung sparen können.

 

Ergebnis der Crossover-Phase

Eigentlich sollte man vermuten, dass in der Crossover-Phase das wesentliche Ergebnis der Studie erzielt worden ist, letztendlich zielt das ganze Studiendesign ja darauf ab, dass man probeweise das vermutlich erfolgreiche Medikament absetzt und die Reaktionen beobachtet. Da müsste sich die volle Wirksamkeit der homöopathischen Medikamente ja ganz deutlich zeigen.

Erstaunlicherweise fällt die Darstellung des Ergebnisses aber recht knapp aus, in der deutschsprachigen Studie besonders:

‚Der Vergleich des Behandlungseffekts (within-patient differences) zeigt, dass der CGI unter Verum gegenüber Placebo durchschnittlich um 1,67 Punkte abnimmt.‘

Das soll alles sein, was das wirksame homöopathische Medikament vom Placebo unterscheidet? Bei ein bis zwei Fragen im Fragebogen wurde die Bewertung um einen Punkt zurückgenommen? Das Kind war also beispielsweise nicht mehr ‚ziemlich stark‘ impulsiv sondern nur noch ‚ein wenig‘ und weinte auch nicht mehr so stark, aber sonst blieb alles beim Alten? Wir hatten oben postuliert, dass erst eine Veränderung von mehr als 5 Punkten auf eine Veränderung beim Kind schließen lässt. Dieses Ergebnis liegt erheblich darunter. Daher können wir es durchaus als belanglos bewerten.

Die offensichtliche Zurückhaltung in der Darstellung des eigentlichen Hauptergebnisses hat einen Grund: die Messung ist nämlich gründlich danebengegangen. Aus Bild 2 der englischen Version kann man die CGI-Werte für die verschiedenen Gruppen zu den markanten Zeitpunkten der Studie herauslesen. Aus Gründen des Copyrights kann das Diagramm selbst aber hier nicht eingefügt werden.

Der Grundgedanke dieser Studie war ja, dass man bewertet, wie der Patient darauf reagiert, dass er nach einer gewissen erfolgreichen Behandlungsdauer auf einmal nur noch Placebo und kein Medikament mehr erhält. Wenn das Medikament tatsächlich die beim Screening erzielten Verbesserungen bewirkt hätte, dann sollten diese unter Placebo weitgehend zurückgehen, unter Verum jedoch die erzielte Verbesserung widerspiegeln. Hier ergibt sich aber folgendes Bild:

  • Die eine Gruppe (wir nennen sie im Folgenden Placebogruppe) erhält anstatt des Verums plötzlich Placebo. Man sollte erwarten, dass die im Screening erzielte Verbesserung von 19 auf 9 CGI-Punkte weitgehend zurückgeht. Entgegen dieser Erwartung ergibt sich nach sechs Wochen nur eine Zunahme des Index um drei Punkte, die Verbesserung geht gerade mal um ein Drittel zurück, bleibt sogar noch unterhalb der Auflösung des Messverfahrens.
  • Die andere Gruppe (Verumgruppe) erhielt zunächst weiterhin Verum. Man sollte erwarten, dass die erzielte Verbesserung in etwa beibehalten wird. Entgegen dieser Erwartung verschlechtert sich das Befinden um vier Punkte, also noch um einen Punkt mehr als unter Placebo, was den Erwartungen völlig zuwider läuft.
  • Nachdem die Verumgruppe im zweiten Schritt ebenfalls Placebo erhielt, sollte man erwarten, dass sich das Befinden der Patienten ebenfalls in Richtung auf die 19 Punkte verschlechtert. Dies geschieht aber nicht, das Befinden verbessert sich sogar noch geringfügig um einen halben Punkt.
  • Erst die Placebogruppe, die im zweiten Teil wieder Verum erhielt, verhielt sich dann wie erwartet, indem sie unter Verum wieder den CGI-Wert erreichte, der zuvor beim Screening erzielt wurde.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: von den vier beobachteten Reaktionen der Patienten stimmte nur eine mit dem überein, was man erwarten sollte, wenn das homöopathische Medikament wirklich wirksam gewesen wäre, die überwiegende Mehrzahl widerspricht dieser Annahme mehr oder weniger deutlich.

Noch einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel:

Im Mittel ergab sich das oben bereits angegebene Ergebnis, dass die jeweilige Verumgruppe während der Crossoverphase im Mittel um 1,67 Punkte besser lag als die Placebogruppe. Dies sei statistisch signifikant. Eine statistische Signifikanz bedeutet allerindgs nur, dass das Ergebnis unwahrscheinlich ist, wenn beide Gruppen gleich wären. Dies kann man je nach Art der ermittelten Daten mit verschiedenen Testverfahren überprüfen, hier kam man mit einem t-Test auf eine Wahrscheinlichkeit von 4,8 %. Dies liegt unterhalb einer Schranke von 5 %, die man definitionsgemäß als Signifikanznieveau ansieht. Somit gilt das Ergebnis als hinreichend unwahrscheinlich, also (wahrscheinlich) durch Unterschiede zwischen den Gruppen verursacht, die wiederum aus der unterschiedlichen Einnahme von Placebo und Homöopathikum resultierten.

So weit so gut, aber ist das Ergebnis auch bedeutsam, also relevant?

Dies kann man in zwei Richtungen betrachten. Zum einen ist die Frage, ob die Eltern einen derart kleinenUnterschied von im Mittel 1,67 Punkten überhaupt merken. Andererseits hätte unter Placebo die Wirkung der homöopathischen Mittel zurückgehen müssen, in etwa um die in der Screeningphase erreichten 11 Punkte. Dies ist aber, wie man sieht, bei weitem nicht der Fall. Trotz der statistischen Signifikant des Ergebnisses ist aus dem Vergleich der Zahlen (11 vs. 1,67) eher zu schließen, dass es nicht die medikamentöse Wirkung des Homöopathikums war, die die Verbesserung der Screeningphase herbeigeführt hat.

Wir könnten jetzt diese Ergebnisse einfach als Zufallsresultate abtun, denn dies alles spielt sich innerhalb von nur vier CGI-Punkten ab, also unterhalb der 5 Punkte, die wir als aussagekräftig postuliert hatten. Allein, ich würde den Lesern etwas vorenthalten, wenn ich hier nicht auf die Aussagen der Autoren einginge, wie sie den Versuchsausgang erklären.

Die unerwartete Verschlechterung des Befindens in der Verumgruppe bei der Fortführung der Einnahme von Verum zu Beginn der Crossoverphase wird damit erklärt, dass die Patienten eine Erwartungshaltung gehabt hätten, als Erstes Placebo zu erhalten und das diese Erwartungshaltung das Ergebnis negativ beeinflusst hätte. Warum hatten dann die Eltern der Placebogruppe diese Erwartungshaltung nicht auch? Hätten sie sie gehabt, dann müsste das ja den Effekt des tatsächlich entzogenen Verums verstärkt haben, was in den Daten aber nicht zu erkennen ist. Die Eltern der Verumgruppe haben nicht gemerkt, dass sie weiter Verum erhielten, so wenig überzeugend war die Wirkung. Wenn die Erwartungshaltung der Eltern das Ergebnis in diesem Maß beeinflussen konnte, bestätigt das durchaus unsere Zweifel an der Validität des Messverfahrens.

Zudem haben die Eltern möglicherweise auch den CGI so ausgefüllt, vermutet Frei, wie sie glaubten, dass es für die Studie nützlich sei. Dies sei möglicherweise in der ersten Crossover-Phase der Verumgruppe passiert – da, wo die Ergebnisse nicht den Erwartungen der Forscher entsprechen – kann aber in Phase 2 – dort, wo die Ergebnisse mit den Erwartungen der Forscher übereinstimmten – sicher ausgeschlossen werden. Warum dieses aber so gewesen sein soll und woraus sich die Vermutung ableitet, dass die Eltern der Kinder der Verumgruppe genau nach sechs Wochen damit aufhörten, oder warum das die Eltern der Placebogruppe wohl nicht taten, erfährt der Leser nicht.

Man stelle sich mal vor, da macht die Universitätsklinik Bern einen sündhaft teuren Versuch, der unter anderem Hunderte von neuropsychologischen Untersuchungen, über tausend Fragebögen und deren Auswertungen, eine Vielzahl von Elterngesprächen und noch viel mehr umfasst – und hat den Eltern nicht dringend nahegelegt und sie darin unterwiesen, wie sie ihrerseits ihre Daten ermitteln und berichten sollen? Man hat die Eltern nicht darauf hingewiesen, dass es unbedingt notwendig ist, die Fragebögen nach bestem Vermögen korrekt auszufüllen und ist damit das Risiko eingegangen, dass man diese sicher mehrere Hunderttausend Franken teure Studie in den Sand setzt – wie letztendlich geschehen? Das ist schon starker Tobak.

Dass die Verschlechterung unter Placebo hingegen nicht so stark ausfällt wie erwartet, hat nach Frei andere Gründe: Weil die Wirkung der homöopathischen Medikamente so stark und langanhaltend war, hätte es einen Carryover-Effekt gegeben, das heisst, das homöopathische Medikament hat länger nachgewirkt als gedacht und hat zum Ende der Placebophase, also sechs Wochen nach dem Absetzen, als der CGI gemessen wurde, noch immer seine positive Wirkung getan.

Also, wir halten fest, das Medikament ist so stark, dass es auch sechs Wochen nachdem es abgesetzt wurde, noch seine heilsame Wirkung tut, wenn man es jedoch einfach weiter einnimmt, dann kann man die Wirkung nicht so leicht feststellen, dann kann man es schon mal mit Placebo verwechseln. Wer soll das verstehen?

Man fragt sich, wie in den Augen der Forscher eigentlich der Versuch noch mehr hätte daneben gehen können? Was braucht es denn noch, dass sie aus dem Versuchsergebnis ablesen können, dass die dem Medikament zugeschriebene Wirkung schlicht und einfach Fiktion ist?

 

Zusammenfassung der Ergebnisse

Frei kommt zu dem Schluss, dass die Versuchsergebnisse auf eine Wirksamkeit der Homöopathie bei ADHS hinweisen, einen Schluss, den man nach diesen Betrachtungen hier nicht nachvollziehen kann:

Die ohne Zweifel aufgetretenen Verbesserungen im Befund der Kinder sind nicht zwangsläufig dem homöopathischen Medikament zuzuschreiben, es gibt mindestens drei Effekte, die ebenfalls wesentlich dazu beigetragen haben können, zusammen mit der nur geringen Aussagekraft des Messverfahrens für kleine Veränderungen könnte es durchaus auch ohne eine Wirkung der Homöopathie zu einer solchen Verbesserung gekommen sein. Die Crossover-Phase der Studie lieferte überhaupt nur in einem von vier Zweigen ein Ergebnis, das mit der Annahme eines wirksamen Medikaments übereinstimmt. Auch spielt sich das Ganze unterhalb der Auflösung des Messverfahrens ab.

Man kann sich jetzt aussuchen, wie man das Ergebnis werten will. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass die ganze Studie wegen der sehr fraglichen Eignung des Messverfahrens, kleine Änderungen deutlich zu registrieren, überhaupt nur sehr wenig Aussagekraft hat.

Wenn man ihr aber eine Beweiskraft zubilligt, dann käme man etwa auf diese Aussage:

Die Studie zeigt klar, dass sich bei Befürwortern dann eine Wirkung homöopathischer Mittel zeigt, wenn ihnen bekannt ist, dass sie ein solches einnehmen. Wenn aber Zweifel auftreten, ob das verabreichte Medikament wirklich das verordnete homöopathische Präparat ist, dann ist die Wirkung nicht mehr eindeutig zu identifizieren. Das wäre dann ein deutlicher Nachweis gegen die Homöopathie und nicht dafür.

Egal, wofür man sich entscheidet: Freis Schlussfolgerungen sind auf keinen Fall gerechtfertigt.

 

Die Fernsehsendung im BR vom 22. 4. 2013

Der Bayerische Rundfunk hat in seinem Dritten Programm am 22. 4. 2013 in seiner Reihe ‚Faszination Wissen‘ eine Sendung zur Homöopathie mit dem Titel ‚Medizin oder Mogelpackung‘ ausgestrahlt, in der auch über diese Studie berichtet wurde.

Unter diesem Link kann diese Sendung abgerufen und betrachtet werden. Diese Untersuchung wird vom Zeitpunkt 11.02 bis 15.34 vorgestellt.

(Link zum BR nicht mehr aktiv)

Alternativ auf YouTube:

http://www.youtube.com/watch?v=LjhFjqjiT2w

Für den Fall, dass diese Links irgendwann nicht mehr funktionieren, werden hier die wesentlichen Aussagen wiederholt.

Zeitpunkt 12.20,

Sprecher: ‚… [Die] Wirkung [der homöopathsichen Medikamente] zeigt sich überdeutlich, zum Erstaunen der Ärzte an der Universität Bern.

Frau Dr. Steinlin: ‚Also in dieser ersten Screening-Phase konnten ganz klar die Symptome der Aufmerksamkeit sowohl in den Fragebogen, die wir den Eltern gegeben haben, als auch in unseren neuropsychologischen Tests, die wir am Schluss dann noch durchgeführt haben, signifikant und deutlich vermindert werden.‘

Bis hierhin können wir dem Bericht noch zustimmen, die deutlichen Verbesserungen der Kinder sind nicht in Zweifel zu ziehen. Danach wird das Vorgehen die Crossover-Phase beschrieben (allerdings mit jeweils vier Wochen Dauer der einzelnen Abschnitte und nicht mit sechs wie in der veröffentlichten Arbeit). Aber dann wird es interessant:

Zeitpunkt 13.20:

Sprecher: Das Ergebnis [der Crossover-Phase] ist wiederum verblüffend.

Dass das Ergebnis die Forscher verblüfft haben müsste, ist nach den obigen Betrachtungen verständlich. Als Anlass sehen wir allerdings genau das Gegenteil von dem, was der Sprecher suggeriert.

Zeitpunkt 13.25

Frau Dr. Steinlin: ‚Wenn wir mit dieser Studie hätten beweisen wollen, dass Homöopathie nicht wirkt, dann wären wir ganz klar gescheitert, dann müssten wir sagen, das kann man mit dieser Studie nicht beweisen, sondern man muss eher sagen, wir haben Anhaltspunkte dafür, dass diese Homöopathie doch wirkt.‘

Diese Aussage verdient einige Beachtung. Die Forscherin macht hier einen rechten Umweg, um zur Aussage der Studie Stellung zu nehmen. Sie sagt nicht, dass die Studie eine Wirkung nachgewiesen hätte, sondern dass sie die Nicht-Wirkung nicht nachweisen könne. Warum?

Normalerweise leben wir in einer zweigeteilten Welt, es gibt richtig und falsch, gut und schlecht, hoch und niedrig und so weiter. Dies kennen wir auch von der Schule: Eine Rechenaufgabe ist falsch oder richtig gelöst. Wenn die Lösung nicht falsch ist, dann ist sie zwangsläufig richtig und umgekehrt. In der Wissenschaft gibt es aber drei Möglichkeiten: (1) die Richtigkeit einer Aussage ist bewiesen oder (2) die Richtigkeit einer Aussage ist widerlegt oder (3) keins von beidem.

Auf diese Weise kann Steinlin also eine korrekte Aussage treffen, die Studie weist nicht die Nicht-Wirksamkeit nach. Unterstellen wir, dass sich die meisten Zuschauer noch nicht mit dieser Fragestellung beschäftigt haben. Dann erzeugt dies bei den Zuschauern den Eindruck, dass daraus zwangsläufig folgt, dass die Wirksamkeit nachgewiesen sei. Dies hat sie aber nicht explicit gesagt, mit exakter Logik folgt ja aus ihrer Aussage nur die Möglichkeit (3) von oben. Bescheiden nimmt sie dann noch die Aussage etwas zurück und spricht nur von Anhaltspunkten für eine Wirksamkeit, die dieser Zuhörer dann als freundliche Untertreibung verstehen muss.

Wem immer das eingefallen ist: Toll gemacht, diese Suggestion ohne Falschaussage. Schade nur, dass die Studie – siehe oben – tatsächlich eher als Nachweis für die Nicht-Wirksamkeit der verwendeten Mittel herangezogen werden kann es sei denn, man spräche ihr jede Bedeutung ab.

In der Folge führt Frei selbst aus, dass es mehrerer Versuche bedurft hätte, bis das richtige Arzneimittel gefunden worden sei.

Zeitpunkt: 14.11

Frei: … und wir haben gesehen, dass die vorausgehenden Arzneimittel, die haben kaum etwas bewirkt, obschon meine Zuwendung [an das Kind] immer genau gleich war, während dem dann das bestpassende Arzneimittel einen Sprung in der Besserung gemacht hat, der hochsignifikant war. Das ist eigentlich der Beweis, dass es nicht meine Zuwendung ist, sondern eben das Arzneimittel.‘

Auch diese Aussage deckt sich nicht mit den Angaben der Veröffentlichung. Dort wird ausdrücklich betont, dass der behandelnde Kinderarzt den Patienten nur einmal gesehen hat und die weiteren Kontakte nur zwischen Arzt und den Eltern stattfanden, um eine psychologische Beeinflussung zu vermeiden.

In der Arbeit wird ebenfalls nicht darüber berichtet, dass es häufig mehrerer Versuche bedurfte, das richtige Medikament zu bestimmen. Es sei am Rande darauf hingewiesen, dass in der Studie dieser Beweis folglich nicht angeführt wurde und er auch somit, ohne aussagekräftige Daten, wie häufig das aufgetreten ist, nicht geprüft werden kann.

Allerdings sollte der Nachweis der Wirksamkeit nach dem Design der Studie ganz anders geführt werden ….

Zeitpunkt 14.35:

Während der Ansage des Sprechers rückt ein PC-Monitor ins Bild, auf dem eine Grafik immer deutlicher zu erkennen ist. Auf dieser Grafik ist der zeitliche Verlauf der Crossover-Phase dargestellt, und zwar der Verlauf, wie man ihn erwartet hätte, wenn das homöopathische Medikament tatsächlich wirksam gewesen wäre. Frei betrachtet dieses Bild sehr intensiv und scheint nachzudenken. Das Bild muss eine wichtige Erkenntnis enthalten. Was soll der Zuschauer daraus schließen? Dass das tatsächliche Ergebnis der Untersuchung völlig anders aussah, erfährt er nicht.

Wir wollen einmal wohlwollend annehmen, dass die Redakteure vom Bayerischen Rundfunk einfach nur die deutsche Version der Veröffentlichung gelesen hatten, denn dort ist das wirkliche Studienergebnis der Crossover-Phase mit keinem Wort erwähnt. Allerdings scheinen sie sich über das Fehlen dieser Angaben auch nicht gewundert zu haben. Frei hätte das aber wissen müssen. Warum hat er zugelassen, dass da ein falscher Eindruck vom Studienergebnis entsteht?

Zeitpunkt: 14.46

Sprecher: Von dem Ergebnis motiviert, versuchten die Mediziner die Studie ebenfalls im Lancet zu veröffentlichen. Die Prüfer der Zeitschrift aber lehnten ab.

Frei: Wir hatten dann nach zehn Tagen den Bescheid, die Arbeit ist sehr gut, aber sie ist nicht geeignet für unser Journal. Unsere Leser wollen Anderes. Offensichtlich wollen die nicht, dass Studien mit einer positiven Wirkung der Homöopathie veröffentlicht werden.

Da haben wir es wieder. Die große Lobby der klassischen Mediziner schlägt zu und unterdrückt die positiven Ergebnisse. Diese Wirkung entfaltet diese Passage besonders stark, da im vorangehenden Beitrag berichtet wurde, dass der Lancet eine Studie gegen die Homöopathie veröffentlicht hatte.

The Lancet ist eine der renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt. Die Fachartikel, die dort zur Veröffentlichung eingereicht werden, werden durch anerkannte Wissenschaftler auf diesem Gebiet geprüft, ob sie dem wissenschaftlichen Standard, dem sich das Lanzet verpflichtet fühlt, auch entsprechen (‚peer review‘). Wenn diese Wissenschaftler zu dem gleichen Schluss gekommen sind wie wir hier – die Studienergebnisse und ihre Bewertung durch die Autoren passen einfach nicht zusammen – dann wäre genau dieser freundliche Brief, wie ihn Frei in seiner Aussage beschreibt, an die Autoren gesendet worden. Das hätte dann nichts mit Homöopathie zu tun.

Zeitpunkt 15.17

Sprecher: Fünf Jahre nach der Studie steht fest, 90 % der ADHS-Patienten nehmen weiterhin nur homöopathische Arzneimittel oder können auf eine Behandlung ganz verzichten. Die Übrigen stiegen wieder auf konventionelle Medikamente um, bei ihnen verschlechterten sich die Symptome.

Das Alter der Patienten lag bei Beginn der Untersuchungen zwischen 6 und 16 Jahren, die dann im Mittel 1,5 Jahre dauerte. Fünf Jahre nach der Studie liegt das Alter dieser Gruppe folglich zwischen 13 und 23 Jahren. Wie hoch ist der Prozentsatz der Patienten, bei denen sich die ADHS- Symptomatik nach der Pubertät zurückbildet? Hierfür gibt es unterschiedliche Zahlen, die Bundesärztekammer geht in ihrer Stellungnahme [6] von etwa zwei Dritteln aus. Damit ist mindestens die Hälfte der betrachteten Patienten der Studie aus dem ADHS herausgewachsen, was den zitierten langfristigen Erfolg deutlich relativiert.

Besonders den letzten Satz sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wann wechselt man eine Therapie: Wenn sie gut wirkt und wenn man richtig Fortschritte macht oder wenn man weniger damit zufrieden ist? Wie muss man folglich den zitierten Effekt sehen: So wie der Sprecher suggeriert, dass man zu konventionellen Medikamenten gewechselt hat und dies der Grund dafür ist, dass es den Betroffenen heute schlechter geht? Oder ist anders herum nicht irgendwie plausibler: weil es den Patienten unter der Homöopathie immer schlechter erging, hat man schlussendlich zu einer konventionellen Therapie gewechselt?

Es ist zwar nicht klar, wer für den suggestiv positiv überzeichneten Bericht innerhalb der Sendung verantwortlich war, ob die Wissenschaftler oder die Redaktion des BR, es soll hier der Hinweis genügen, dass der Bericht bei Kenntnis der Studienergebnisse schlicht und einfach nur sehr schwer zu ertragen ist.

 

Literatur:

[1] Frei, H., Everts, R., v. Ammon, K., Kaufmann, F. Walther, D. et al..:
‚Homeopathic treatment of children with attention-deficit hyperactivity disorder: A randomised, double blind, placebo controlled crossover trial‘, in: European Journal of Pediatrics (2005) 164: 758-767. Link zum Volltext

[2] Frei, H., Everts, R., v. Ammon, K., Thurneyson, A.:
‚Homöopathische Behandlung von hyperaktiven Kindern: Ergebnisse einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit Crossover‘, in: Zeitschrift für klassische Homöopathie, 2006; 50:5-12, Link zum Volltext

[3] Snyder, SM, Drozd, JF, Xenakis, SN:
‚Validation of ADHD rating scales‘ in: J Am Acad Child Adolesc Psychiatry (2004) 43: 1189-1190

[4] Collett BR, Ohan JL, Myers KM:
‚Ten-year review of rating scales. V: scales assessing attention-deficit/hyperactivity disorder. ‚ in: J Am Acad Child Adolesc Psychiatry (2003) 42: 1015 – 1037

[5] Wikipedia, Stichwort ADHS, abgerufen 5. Mai 2013

[6] Bundesärztekammer ‚Sellungnahme zur Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – Langfassung -‚ , 2005, Kapitel 7.1.
link zum Volltext

[7] Faries DE, Yalcin I, Harder D, Heiligenstein JH: ‚Validation of the ADHD Rating Scale as a clirlician administered and scored instrument‘, in: J Atten Disord 2001; 5; p. 107, Link zum Volltext

[8] Wikipedia, Stichwort Korrelationskoeffizient, abgerufen 12. 5. 2013

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24 Kommentare zu Anwendung individueller homöopathischer Medikamente bei ADHS – Studie von H. Frei et al., Universität Bern (2005 / 2006)

  1. Eine sehr detaillierte und aufschlussreiche Analyse, danke sehr!
    Eine kleine Korrektur ist aber notwendig: CGI steht nicht für „Conners General Index“, sondern für „Conners Global Index“. Unter diesem Suchbegriff findet man in Google Scholar eine ganze Menge Material, und validiert ist der CGI auch.
    Das ändert natürlich nichts an Ihren Schlussfolgerungen. Mit diesen sind Sie in „guter“ Gesellschaft: Selbst der der Homöopathie gewiss nicht abgeneigte Harald Walach meinte, für eine „positive“ Homöopathie-Studie sei die Frei-Studie „ein denkbar schlechtes Beispiel. Wenn man sie nämlich genau analysiert, sieht man, dass eigentlich gar kein therapeutischer Effekt in dem Sinne abgebildet ist, sondern eine differentielle Reaktion auf Placebo.

  2. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Herr Berger, in der Tat gibt es eine Menge Arbeiten, die den Conners Global Index verwenden. Jedoch bin ich bezüglich Validierung nicht weitergekommen. Können Sie einen Link dazu benennen?

  3. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Zwischenzeitlich hatte ich schon eine andere Studie gefunden, die eine Validierung diverser Indices darstellt, s. Literatur [7]. Hier ergibt sich ein Korrelationskoeffizient bei der Test-Retest Reliability von 0,73, was ich als Bestätigung für einen deutliche Streuung angesehen habe, siehe Nachtrag im obigen Text.

    Danke aber trotzdem für Ihre Unterstützung.

    • Sweeper sagt:

      Hallo Herr Aust,
      danke für Ihr Engagement!

      Gerade gibt es eine Meldung, dass Mediziner eines Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Basel ausgerechnet diese Studie mit einem Forschungspreis bedacht haben:

      http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/preis-fuer-homoeopathische-adhs-forschung-9018534197.php

      Preis für homöopathische ADHS-Forschung
      26.03.2014
      Klassische Homöopathie ist bei hyperaktiven Kindern wirksam und kostengünstig. Zu diesem Ergebnis kam ein Schweizer Forscherteam. Sie wurden dafür mit dem vom Institut für Hausarztmedizin der Universität Basel vergebenen Forschungspreis 2013 der Sandoz AG ausgezeichnet.

      Die Forschungsarbeit von Klaus von Ammon et al. bearbeitet das Thema Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität (AD[H]S) bei Kindern. Es handelt sich um die 10-Jahres-Ergebnisse einer randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie bei 83 Kindern mit ADHS gemäss DSM-IV-Kriterien. Verglichen wurden Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren, die randomisiert mit klassischer Homöopathie oder Plazebo behandelt wurden.

      Die Behandlung mit klassischer Homöopathie führt bei Kindern mit AD(H)S zu einer signifikanten und über 10 Jahren anhaltenden Verbesserung der klinischen Symptome. Hier finden Sie das Studien-Abstract. (pm)

      Es handelt sich dabei um diese universitäre Einrichtung:

      https://ihamb.unibas.ch/ueber-das-IHAMB.html

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  9. Pingback: Homöopathie, Scientabilität und die Suche nach dem Nichts @ gwup | die skeptiker

  10. Ute Parsch sagt:

    Liegt das hier wieder einmal an meinem Browser? Ich kann jedenfalls die englische Version der Arbeit unter [1] nicht mehr im oben genannten Link finden. Für alle, denen es genauso geht: Hier ist sie:

    http://www.imi.com.hk/~yogad1/imi2/images/Review%20%20Media/Homeopathic%20treatment%20of%20children%20with%20ADHD.pdf

    Grüße

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Die Webseit von Frei wurde offenbar neu gestaltet und die Links neu organisert. Die Links wurden jetzt entsprechend angepasst.

      Danke für den Hinweis.

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  15. Claus Daniel Herrmann sagt:

    Hallo Herr Aust,
    vielen Dank für den ausführlichen Artikel!
    Ich bin auf eine ältere Studie von Herrn Frei gestoßen, die ich nicht zuordnen kann, die aber ebenfalls den Zusammenhang von homöopatischer Behandlung und ADHS untersucht. Besteht ein Zusammenhang zwischen dieser Studie von 2001 und den von Ihnen betrachteten Untersuchungen?
    Grüße

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Halle Herr Herrmann,

      diese Studie scheint mir ein Vorläufer zu der von mir besprochenen Studie aus 2005 zu sein. Ich habe diese jedoch nicht weiter betrachtet, da das Studiendesign, soweit aus dem Abstract ersichtlich, kilometerweit von einer placebokontrollierten und verblindeten Studie entfernt ist. Mit etwas gutem Willen kann man darin den Vorversuch sehen, der dazu geführt hat, die Ausgangshypothese der Studie von 2005 zu bilden und die erforderlichen Teilnehmerzahlen festzulegen. Daher liegt sie etwas außerhalb meines Focus hier.

      Viele Grüße

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