Materialwirtschaft in der Homöopathie

Wo kommen die gefährlichen und hochgiftigen Urtinkturen wie Plutonium, Radium, Anthrax, etc. und Dengue-Fieber, Ebola, etc. her ?

Das ist eine Frage von Elke vom Ratgebernewsblog. Bevor wir uns dieser Frage aber zuwenden ein Hinweis:

(Edit 28.4.2016: Nicht mehr aktuellen Hinweis entfernt)

In Kürze

Sofern die Urtinktur aus Material pflanzlichen oder tierischen Ursprungs besteht, enthält sie nur geringe Mengen des eigentlichen Wirkstoffes. Insofern sind Bezeichnungen wie Belladonna D6 auch bei niedrigen Potenzen schon irreführend hinsichtlich der Menge des enthaltenen Wirkstoffes.

Bei Plutonium könnte es ähnlich sein.  Für die Urtinktur scheint es ausreichend zu sein, dass Plutonium darin vorhanden sein könnte.

Generell werden nur sehr geringe Mengen einer Urtinktur benötigt. Die von einigen Herstellern gezeigten Produktionsprozesse stellen einen betriebswirtschaftlichen Unsinn dar, der nur als Werbemaßnahme zu erklären ist.

Die Gewinnspannen dürften bei mehreren tausend Prozent der direkten Kosten liegen, die zudem hauptsächlich für das Trägermaterial (Zucker) und die Verpackung anfallen.

Woraus bestehen homöopathische Urtinkturen?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Homöopathische Mittel werden aus Mineralien sowie tierischen und pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Auch finden sich richtiggehende Chemikalien darunter.

Mineralien und Chemikalien sind weitgehend einheitliche Stoffe oder Gemische aus wenigen Komponenten. Der Urstoff für Natrium muriaticum ist Speisesalz, NaCl. Der Urstoff für Kalium carbonicum ist Kaliumkarbonat, K2CO3. Abgesehen von Verunreinigungen handelt es sich also nur um einen einheitlichen Stoff.

Bei den tierischen und pflanzlichen Produkten ist das grundlegend anders.

Betrachten wir als Beispiel Apis mellifica, die Honigbiene. Ich denke, jeder weiß, dass die Honigbiene stechen kann und dabei ein spezielles Gift in die Wunde spritzt, was eine lokale Entzündung zur Folge hat. Die Einstichstelle schwillt an und schmerzt. In der Medizin sind auch heilsame Wirkungen des Bienengiftes bekannt, bei Rheuma und Ischias zum Beispiel (Link).

Nach dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie ist Apis mellifica folglich das Mittel der Wahl bei Insektenstichen, bei anderen Stichverletzungen, sowohl körperlicher als auch geistiger Natur, und vielen anderen Beschwerden mehr. Nur – woraus besteht der Urstoff für Apis mellifica? Das ist die Biene, das gesamte Tier mit allem Drum und Dran. Mit Beinen, Flügeln, Eingeweiden und deren Inhalt, Nektar der verschiedensten Blüten, wenn sie welchen gesammelt hat, Chitinpanzer, Blut, Augen etc. Ach ja, das Bienengift ist auch dabei. Bei einem Gesamtgewicht einer Arbeiterin von knapp 100 mg beträgt die Giftmenge 0,1 mg. Der Urstoff ‚Biene‘ besteht nur zu einem Tausendstel aus dem Wirkstoff ‚Bienengift‘ – natürlich nur, wenn die fragliche Biene sich nicht kurz zuvor gegen ein anderes Insekt zur Wehr gesetzt hat (was nicht zum Verlust des Stachelapparats und zum Tod der Biene führt).

Die anderen 999 Tausendstel bestehen aus einem Querschnitt aller organischen Verbindungen, aus denen ein Insekt besteht. Ich bin nicht in der Lage, davon auch nur ein paar Beispiele aufzuzählen, aber in meiner Vorstellung sind das Tausende von Hormonen, Aminosäuren, Enzymen, Proteinen und einfacheren Verbindungen. Selbst das Bienengift ist ein Gemisch aus mehreren Proteinen. Alles das wird in Form der kompletten Biene in den Tiegel gegeben, zuerst mit Zucker verrieben und später in einem Wasser-Alkoholgemisch aufgelöst.

Was geschieht nun beim Potenzieren? Es fällt dem Skeptiker ja schon sehr schwer, daran zu glauben, dass ausgerechnet die Wirksamkeit der Urtinktur und nicht aller Verunreinigungen beim Verschütteln verstärkt wird – was aber, wenn die Urtinktur selbst aus einer sehr großen Anzahl verschiedener Stoffe besteht, wovon der Wirkstoff nur einen vergleichsweise kleinen Anteil ausmacht?

Also, wenn Sie als Kunde Apis mellifica in der Apotheke kaufen, wer garantiert denn, dass Sie nicht potenziertes Bienenbein oder Bienenflügel oder Bienenauge oder Bienenhirn bekommen? Das hätte aus Gründen des Ähnlichkeitsprinzips ja ganz andere Wirkungen zur Folge.

Insofern täuscht die Homöopathie schon gleich zu Anfang etwas vor, was nicht vorhanden ist. Um tierische (oder pflanzliche) Mittel herzustellen, wird nicht mühselig die wirksame Agens extrahiert, um dann als Urstoff verdünnt zu werden. Nein, das ganze Tier bzw. die ganze Pflanze oder zumindest große Teile davon werden verarbeitet, laut DHU üblicherweise mit Alkohol und Wasser versetzt (s. Video hier: Link). Üblicherweise – zumindest hatte Hahnemann das so gemacht – mit der gewichtsmäßigen gleichen Menge wie die Pflanzen. Das Ganze wird ein paar Tage zum Ziehen stehen gelassen, danach wird die Flüssigkeit abgegossen und die Pflanzenteile ausgepresst. Somit besteht die Urtinktur, das Filtrat der Flüssigkeit, aus allen in Wasser oder Alkohol löslichen Bestandteilen und den Pflanzensäften sowie in großem Umfang aus dem Wasser und Alkohol selbst.

Das ist dann die Urtinktur. Wenn wir also ein homöopathisches Präparat Belladonna D6 erwerben, dann erhalten wir Zuckerkügelchen, die

  • zu einem Hundertstel ihres Gewichts mit einer Flüssigkeit benetzt wurden,
  • welche eine Verdünnung von 1 : 1.000.000 von einer Urtinktur darstellt,
  • welche ihrerseits wieder vielleicht ein Promille Atropin enthielt.

Ein Kügelchen enthält also rund 0,000 000 000 000 001 g Atropin, den Wirkstoff der Tollkirsche.

Quintessenz: Es reicht für die Homöopathen offenbar völlig aus, dass in dem Ausgangsstoff, den sie für die Herstellung der Urtinktur verwenden, der eigentliche Wirkstoff irgendwie auch enthalten war. Die Konzentration dieses Wirkstoffes im Ausgangsmaterial scheint keine allzu große Rolle zu spielen, denn dieser wird nach den Vorgaben des Homöopathischen Arzneibuchs nicht überprüft.

So können wir nun auch beantworten, wie die Hersteller an die ganz üblen Chemikalien und Stoffe gekommen sind. Anthracinum ist eben kein homöopathisch aufbereitetes Anthrax, des Erregers von Milzbrand. Die Remedia Homöopathie GmbH gibt an, dass Anthracinum aus einem Leberextrakt von an Milzbrand erkrankten Kaninchen hergestellt wird (Link). Ob man da überhaupt das Bakterium vorfindet – oder dessen Sporen – konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Im Wikipedia-Artikel über den Milzbrand (Link) wird die Leber nicht erwähnt, auch dass Kaninchen Milzbrand erleiden können, ist dem nicht zu entnehmen. Milzbrand ist ein ganz großes Problem der Huftiere (Pferde, Rinder, Schafe etc.) – und tiefer als Wikipedia gehen meine medizinischen Kenntnisse nicht. Für die Namensgebung des homöopathischen Mittels ‚Anthracinum‘ reicht es offenbar völlig, dass man vermutlich irgendwie in die Nähe des Stoffes gekommen ist, dass dieser in die Urtinktur eingeflossen sein könnte.

Auch das Rätsel der angeblich plutoniumhaltigen Mittel löst sich so. Man braucht kein reines Plutonium hierzu, noch nicht mal ein Material, das in nennenswertem Umfang Plutonium enthält. Eine Schippe Erde aus der Umgebung von Tschernobyl oder von einem Ort, an dem früher Atomwaffentests durchgeführt wurden, reicht völlig. Da an diesen Orten Plutonium freigesetzt wurde, wird es auch dort in der Erde zu finden sein. Das Potenzieren wird dann schon die richtigen Eigenschaften verstärken, da kann man sich drauf verlassen, wie bei allen anderen Homöopathika sonst auch.

Fertig. So einfach ist das.

Welche Mengen braucht man von einer Urtinktur?

‚Entscheidend ist, was hinten rauskommt‘ sagte Helmut Kohl nicht zu unrecht. Jedes Wirtschaftsunternehmen ist bestrebt, den Materialeinsatz zu minimieren, das heißt möglichst nur die Rohstoffe und Materialien einzukaufen, die auch am Ende an den Kunden geliefert werden. Alles, was im Abfall landet, ist unnütze Verschwendung.

Die Homöopathie zeichnet sich dadurch aus, dass in den angeblich wirksamen Arzneimitteln nur marginale Mengen an Wirkstoffen enthalten sind, wenn überhaupt. Wozu dann der hohe Materialeinsatz, wie ihn zum Beispiel die DHU als deutscher Marktführer angeblich betreibt? In ihrem Video (Link) wird angegeben, dass man Urtinkturen in Mengen bis zu 10.000 Litern herstellt. Wozu?

Plutonium als Beispiel wird von der Remedia Homöopathie als homöopathisches Mittel angeboten (Link). Die niedrigste Potenz ist C30, was einem Gramm Plutonium auf die 10.000-fache Masse des Universums entspricht, als Globuli dann noch auf die hundertfache Menge an Zucker aufgebracht. Wir können also sicher sein, dass kein einziges Plutonium-Atom aus einer Urtinktur das Herstellerwerk jemals verlässt, zumindest nicht in einem fertigen Produkt. Also braucht man eigentlich auch vorne keins reinzutun.

Wie müssen wir uns den Herstellungsprozess vorstellen? Wird für jede lieferbare Potenz, für jede Charge von der Urtinktur ausgehend ein neuer Ansatz gemacht und dann immer weiter verdünnt und potenziert, bis die Endpotenz erreicht ist?

Das wäre höchst unwirtschaftlich. Nehmen wir an, wir wollten eine Charge von sagen wir 10.000 Fläschchen à 10 g Globuli der Potenz D200 herstellen, dann brauchen wir am Ende 1 l Lösung D200. Die können wir aus 100 g Lösung D199 herstellen. Gehen wir davon aus, dass diese Menge von 100 g wegen der Handhabbarkeit von D1 bis D199 benutzt wurde, dann wurden 10 g Urtinktur und 19,9 l Lösungsmittel verwendet – und weggeschüttet. 0,1 l reines Lösemittel ist verdunstet, als die Kügelchen trockneten. Angesichts des Marktwertes von rund € 100.000,- für die 10.000 Fläschchen ist das zwar eher eine Lappalie, aber dennoch aus dem Blickwinkel der Materialwirtschaft deutlich suboptimal.

Versuchen wir uns einmal daran, den Materialeinsatz zu optimieren. Als Beispiel können wir Belladonna wählen, das im Lieferprogramm der DHU in folgenden Potenzen als Globuli angeboten wird (Link):

D2, D3, D4, D5, D6, D8, D10, D12, D20, D30, D60, D100, D200, D1000

C4, C5, C6, C12, C30, C200, C1000

Die LM-Potenzen betrachten wir der Einfachheit halber zunächst nicht. Auch die übrigen Darreichungsformen (Verreibungen, Lösungen, Tabletten) vernachlässigen wir, da sie nur einen vergleichsweise geringen Anteil am Liefervolumen haben, denn 80 % des Liefervolumens erfolgen als Globuli.

Frage: Welche Materialmengen würde man brauchen, um von jeder der oben genannten Potenzen 10.000 Fläschchen herzustellen? Das wären dann in Summe 210.000 Stück mit einem Marktwert entsprechend den Preisangaben der DHU von 2,55 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die DHU macht einen Umsatz von ca. 100 Millionen Euro (Link) – und dies wäre nur ein Wirkstoff von tausend oder mehr, die sie anbietet. Vielleicht erreicht das Spitzenprodukt der DHU solche Verkaufszahlen, ich weiß es nicht, das wäre aber durchaus denkbar.

Jedes Fläschchen enthält 10 g Globuli, die mit 0,1 g Lösung befeuchtet wurden. Man braucht also jeweils für 10.000 Stück einen Liter Lösung. Dieser ist bei den D-Potenzen mittels 0,1 l aus der Potenzierungsstufe davor herstellbar. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Potenzierungen, die nicht in höheren Mengen benötigt werden, mit Mengen zu 0,1 l durchgeführt werden.

Ergebnis: Man braucht nur etwa 12 g Urtinktur, um die D-Potenzen herzustellen, für die C-Potenzen genügt ein weiteres Gramm. Mit etwa 13 g Urtinktur lässt sich also ein Umsatzvolumen von über zweieinhalb Millionen Euro realisieren.

Der Ablauf bei den D-Potenzen ist etwa folgender:

  • Im ersten Schritt erzeugt man aus den 12 g Urtinktur 120 g der Potenz D1.
  • Daraus stellt man 1200 g der Potenz D2 her. Davon werden 1000 g für die Herstellung der Globuli D2 verwendet.
  • Aus den verbleibenden 200 g D2 kann man 1200 g der Potenz D3 herstellen und behält sogar noch 80 g übrig. (Es hätten also 11,2 g Urtinktur gereicht, aber wir wollen nicht so kleinlich sein.)
  • Aus 1000 g D3 werden die Globuli hergestellt, es verbleiben 200 g Lösung, die zu 1200 g D4 verarbeitet werden, 80 g D3-Lösung werden entsorgt.
  • Und so weiter.
  • Wenn über mehrere Potenzen hinweg keine Globuli hergestellt werden, dann kann man die Schritte mit jeweils 0,1 l Lösung ausführen, man muss nur rechtzeitig den erhöhten Bedarf im nächsten Schritt berücksichtigen: Für D200 braucht man einen Liter Lösung für die Globuli, sowie 0,01 l, um die 100 g der D201 herzustellen. Man braucht also etwas mehr als 100 g der D199.

Bei den C-Potenzen sieht es ganz ähnlich aus, da aber mengenmäßig der Faktor 100 zwischen den Potenzen liegt, kommt man mit noch weniger Urtinktur aus. Um 1 l der C4-Potenz zu erzeugen, braucht man eigentlich nur 10 g der C3-Lösung, oder anders herum, aus 1 g Urtinktur könnte man 100 m³ C4-Potenz herstellen. Da kann man dann neben dem einen Liter für die Globuli auch noch 0,01 g übrig behalten, die man braucht, um den einen Liter C5 zu erzeugen. Und so weiter. Die LM-Potenzen, die in Schritten von 1 : 50.000 verdünnt werden, ist das noch extremer, so dass deren Verbrauch an Urtinktur rechnerisch irgendwo im Milligrammbereich liegt.

Ist das nicht irre? Aus noch nicht einmal 13 g Rohstoff kann man so viel Produkt herstellen, dass es einen Marktwert von weit über zwei Millionen Euro erreicht? 13 g kann man sich etwa als vier Stück Würfelzucker vorstellen oder ein etwas mehr als halb volles Schnapsglas. Natürlich ist es eine Frage, ob die Nachfrage sich so gleichmäßig auf die Potenzen aufteilt wie hier angenommen. Möglicherweise müsste man noch ein paar Gramm in die Hand nehmen, um in den unteren Potenzen mehr zu produzieren, oder man muss die jeweils 80 g nicht wegwerfen, sondern verwendet sie für eine größere Menge in der nächsten Potenz. Aber viel mehr braucht es nicht.

Für die oberen D-Potenzen genügt es zur Bevorratung völlig, sich die vor-vorhergehende Potenz aufzuheben und nicht zu entsorgen, um für alle Bedarfe der Zukunft gerüstet zu sein. Hat man z.B. 0,09 l der D198 zurückbehalten, kann man weitere 9 l D200 erzeugen, woraus man 90.000 Fläschchen Globuli herstellen kann, Marktwert etwa € 1.300.000,-.

Was macht die DHU dann um Himmels Willen mit bis zu 10.000 Litern Urtinktur von einer Sorte? Jedes Jahr? Das reicht locker, Mittelmeer und Schwarzes Meer zusammen zu einer C6-Potenz zu verarbeiten. Was wiederum für 5.000.000.000.000.000.000 Fläschchen Globuli ausreichen würde, was in etwa einem Verkehrswert von 40 Trillionen Euro entspräche. Gibt es soviel Geld überhaupt? Würde jeder einzelne Erdbewohner etwa 700 Millionen Fläschchen kaufen und dafür rund fünf Milliarden Euro bezahlen? Jedes Jahr?

Ehrlich gesagt, ich bezweifle etwas die Sinnhaftigkeit des Unterfangens und des zugrundeliegenden Kalküls. Oder die Richtigkeit der Angaben.

Aber die DHU tut das, sagt sie, sie erzeugt diese irren Mengen Urtinktur, zumindest stellt sie es in ihrem Video so dar. Selbst ein Liter Urtinktur scheint nach dem oben Gesagten gut und reichlich, ein Unternehmen einmalig bis ans Ende seiner Tage mit Rohmaterial zu versorgen.

Das Märchen vom Rohmaterial

Wozu dienen die Informationen zum Arzneimittelanbau, die die DHU ihren Kunden und allen, die es wissen wollen, zur Verfügung stellt (Link)?

Einzig und allein dazu, eine Illusion einer heilen und ach so intakten Welt vorzutäuschen. Anders ist das jedenfalls nicht interpretierbar.

‚Die meisten Arzneipflanzen, die wir verarbeiten, werden in hauseigenen Kulturen unter biologisch optimalen Bedingungen angebaut‘, erfahren wir da. In Staffort bei Karlsruhe werden mehrere hundert Arten aus allen Teilen der Welt angebaut, natürlich ohne chemische Düngemittel und ohne – igitt – alle diese Dinge, die auf -zide enden. ‚[Ohne dieses ganze Teufelszeug] gedeihen unsere Arzneipflanzen in einem ökologischen System der Selbstregulation‚. Die Natur sei der Lehrmeister, denn sie wisse genau, wie sie sich am besten helfen kann, und so beachte man bei der DHU auch diese Gesetze, denn nur, wenn die Bedingungen stimmen, könne sich die Kraft entfalten.

Ist es nicht herrlich?

Und das Video erst:

Zu schönen Bildern, die durch geschickte Kameraführung einen Anbau in einer natürlichen und fast unberührten Umgebung suggerieren, wo Käfer und Raupen fotogen über Stängel und Blätter kriechen, spricht eine sanfte Frauenstimme, unterlegt mit zarter Musik:

‚Die Kräfte der Natur sind ein Geschenk. Ein Geschenk, mit dem wir sorgsam umgehen, um die Nachhaltigkeit und die Zukunftsfähigkeit der Natur zu bewahren. Im Süden Deutschlands, in der Nähe von Karlsruhe, liegt ein kleines Paradies. Hier wachsen auf über 12 ha Land Jahr für Jahr mehr als 500 verschiedene Pflanzenarten aus allen Kontinenten. Unter den besonderen Bedingungen des zertifizierten ökologischen Landbaus hat sich hier ein biologisches System der Selbstregulierung eingestellt. Brillenvögel, Zwergwachteln und weitere Nützlinge tragen zum Erhalt des natürlichen Gleichgewichtes bei. …‘

So ein Schmarrn! Für wie dumm hält man uns eigentlich?

Dank Google Earth können wir uns das Gelände einmal ansehen, das dieses Idyll beheimatet. Die Koordinaten: 49° 05′ 50“ Nord und 8° 31′ 00“. Adresse: An der Nachtweide 1, 76297 Staffort.

Man erkennt im Luftbild ein recht klein parzelliertes dreieckiges Stück Land mit vielen langen und schmalen dicht beieinander liegenden Beeten, eingerahmt in großflächige landwirtschaftliche Nutzflächen. Wenn mich meine geometrischen Kenntnisse nicht völlig verlassen haben, dann hat die dreieckige Liegenschaft eine Grundfläche von allenfalls sieben Hektar und nicht zwölf. Dort, also auf nur rund 70.000 m², finden sich 500 Pflanzenarten aus allen Kontinenten angepflanzt, also sicher auch aus den verschiedenen Klimazonen, den Tropen, dem Regenwald, Gebirgsregionen, Sumpfgebieten, woher auch immer sonst die Heilpflanzen kommen.

Da soll sich irgendetwas wie ein Gleichgewicht ausgebildet haben? Alle diese Pflanzen haben auf dem Stück Acker im Oberrheingraben ihre passenden Bodenbedingungen, die Mineralien und Nährstoffe, die zugehörigen Insekten und Kleinstlebewesen, passende Temperatur und Feuchtigkeit und Nachbarpflanzen, jeweils auf rund 100 m² vereinigt? Und drum herum auf den Mais-oder Getreidefeldern die passende Tierwelt, ebenfalls aus allen Gegenden der Welt, die für die artgerechte Regulierung des Bestands sorgt? Wieso müssen Bioreservate eigentlich so groß sein, wenn man doch auf 40 x 2,5 m selbstregulierende Biosphären aufbauen kann? Klar, ein paar Pflanzen hat man im Gewächshaus – aber wie stehen die überhaupt im Einklang mit der Natur?

Was suchen die Brillenvögel aus den tropischen Gebieten Afrikas, Asiens oder Australiens und Neuseelands dort? Auch die Zwergwachtel stammt nicht vom Oberrhein sondern aus Asien und Afrika. Was können diese Vögel hier bei uns zum Erhalt eines natürlichen Gleichgewichts bei Pflanzen aus allen Kontinenten und Klimazonen beitragen? Kommen die überhaupt mit dem örtlichen natürlichen Nahrungsangebot zurecht?

Das Ganze ist so natürlich, selbstregulierend und nachhaltig wie der Rasen im Olympiastadion oder das nächstgelegene Maisfeld für den E10-Anbau.

Zugegeben, meine Erklärung für dieses Phänomen ist auch nicht sehr überzeugend, aber ich finde keine bessere: Das ist alles Show, Public relations, Imagewerbung, Fake. Das dient einzig und allein dazu, für den unbedarften Betrachter des Videos das Bild eines Naturprodukts vorzutäuschen. Zusammen mit den Bildern von den vielen Menschen, die da im Schweiße ihres Angesichts irgendwelche Mittel verschütteln – das alles dient nicht der Produktion, sondern einzig und allein dem Werbeauftritt und dem schönen Schein. Betriebswirtschaftlich ist das alles Unsinn, was da gezeigt wird.

Zu aufwändig denken Sie? Sind Ihnen die Gewinnspannen bewusst, über die wir hier reden? Aus 13 g Rohstoff und rund 120 Litern Alkohol und Wasser einen Umsatz von 2 Millionen Euro zu generieren – da sind solche Gärten und die Personalstaffage dazu reine Bagatellen.

Rationalisierungspotenziale

Wir sollten aber auch nicht vergessen, die besonderen Schwierigkeiten der Produktion von Homöopathika zu erwähnen.

Was ist das größte Problem bei der Herstellung von Arzneimitteln, neben einer möglicherweise komplizierten und störungsanfälligen Prozessführung zur Herstellung der Grundstoffe (ein Problem, das bei der Homöopathie ja nicht existiert)? Das ist die Hygiene, also die Reinheit der Produkte. Hierbei muss nicht nur dafür gesorgt werden, dass keine Fremdstoffe von außen eingetragen werden, etwa durch die beschäftigten Laboranten, es ist auch sicherzustellen, dass sich die verschiedenen Arzneimittel nicht gegenseitig verunreinigen. Wenn beispielsweise auf einer Produktionsmaschine der Stoff A verarbeitet wurde, dann muss sie intensiv gereinigt werden, bevor sie für den Stoff B verwendet werden kann. Nun ist das nicht wie Geschirrspülen bei uns zu Hause, es muss sichergestellt werden, durch Überprüfungen nachgewiesen werden, dass der Reinigungsprozess auch erfolgreich durchgeführt wurde, also B nicht durch A verunreinigt wurde.

Nach den Regeln der Good Manufacturing Practice (GMP), auf die sich auch die DHU beruft, muss die Qualitätssicherung durch Probennahme regelmäßig prüfen, ob die Endprodukte auch den Anforderungen genügen, also nicht durch andere Stoffe verunreinigt sind.

Und jetzt überlegen Sie mal, wie man das machen kann, wenn sich die meisten bearbeiteten Stoffe chemisch / physikalisch nicht unterscheiden lassen. Wie kann man überprüfen, dass zum Beispiel das Mittel Belladonna C30 nicht durch das vielleicht vorher auf der Abfüllmaschine verarbeitete Apis mellifica C30 verunreinigt wurde, wenn man diese Stoffe nicht unterscheiden kann? Muss man nach Apis mellifica so lange rote Liebesperlen abfüllen (Link), bis keine weißen mehr darin auftauchen, und dann auf Belladonna umstellen und warten, bis keine roten Kügelchen mehr rauskommen?

Welche Kriterien kann die Qualitätssicherung überhaupt anwenden, mit denen die Güte des Endprodukts festgestellt werden könnte? Bedenken Sie, ab schätzungsweise D8 bzw. C4, spätestens ab D10 / C5 sind die Globuli nicht mehr voneinander unterscheidbar, denn die Konzentrationen der Urtinktur in der aufgebrachten Lösung sind niedriger als deren Verunreinigungen. Letztere sind dazu bei den vorgeschriebenen Qualitäten für den Einsatz als Grundstoff für die Medikamentenherstellung so gering, dass man die fertigen, mit der Lösung befeuchteten und dann getrockneten Globuli nicht von unbehandelten unterscheiden kann.

Können Sie sich vorstellen, welchen nervenaufreibenden Job das Qualitätsmanagement da hat? Ständig das Risiko, dass man möglicherweise zwei ‚Medikamente‘ vertauscht hat? Stellen Sie sich vor, der Patient glaubt Arsenicum album C30 gekauft zu haben und verspürt auch die entsprechende Wirkung und tatsächlich war es aber Natrium muriaticum C200? Dieses zu verhindern ist auch die Verantwortung der Qualitätssicherung. Wie können die Mitarbeiter dort den dauernden und nicht aufklärbaren Zweifel ohne psychosomatische Schäden überstehen?

Oder – wie groß ist die Versuchung, das Potenzial zur Kostensenkung auszuschöpfen, dass sich daraus ergeben kann, dass zwei Drittel bis drei Viertel der Produkte eigentlich identisch mit der Rohware sind?

Qualitätssicherung

Liebe Juristen, die Sie das Folgende vielleicht im Auftrag Ihrer Mandanten lesen: Nein, ich behaupte nicht, dass irgendein Hersteller für Homöopathika das tut, was ich jetzt beschreibe. Nein, das sind nur rein theoretische Überlegungen, was möglich sein könnte, man beachte den Konjunktiv.

Natürlich ist es erforderlich, dass ein Hersteller von Arzneimitteln eine Qualitätssicherung unterhält. Kann man dann davon ausgehen, dass damit sichergestellt ist, dass nur Mittel verkauft werden, die einem hohen Anspruch genügen?

Der Standard für das Qualitätsmanagement scheint in der pharmazeutischen Industrie das GMP zu sein (‚Good Manufacturing Practice‘) (Link Link). Dies sind Regeln, die für eine ‚Gute Produktionspraxis‘ einzuhalten sind. Darin sind sehr viele praktische Anweisungen enthalten. Auch die DHU beruft sich darauf, diese Regeln anzuwenden.

Im Vergleich zu anderen QM-Systemen scheint GMP aber nicht sehr streng zu sein. Nun bin ich kein tiefer Kenner dieser Regeln, schon gar nicht von deren Umsetzung. Es kann durchaus sein, dass ich hier nicht über einen vollständigen Überblick verfüge. Dennoch: Es fehlt bei GMP anscheinend schon die in anderen Industriezweigen erforderliche erstmalige und regelmäßige Überprüfung durch unabhängige Sachverständige von außen, ob die Regeln auch eingehalten werden (‚Zertifizierung‘ und ‚Auditierung‘). Es fehlen zudem die Punkte der Validierung und der Vorbeuge- und Korrekturmaßnahmen. Validierung bedeutet die Überprüfung, ob das Produkt beim Einsatz auch den vorgesehenen Zweck erfüllt. Vorbeuge- und Korrekturmaßnahmen behandeln die Maßnahmen, die zu treffen sind, wenn sich in der Produktion oder beim Einsatz im Feld Abweichungen vom Sollzustand ergeben. Das ist normalerweise auch kein allzu großes Problem, denn genau diese Dinge sind im Arzneimittelgesetz geregelt, also kann das in den Vorgaben der GMP ohne Probleme entfallen.

Nur – die Homöopathen brauchen genau diese Anforderungen des Arzneimittelgesetzes zum Wirkungsnachweis nicht zu erfüllen, denn für sie reicht ja der Binnenkonsens, das heißt, dass die Homöopathen glauben, dieses oder jenes Mittel sei hilfreich. Wie und wofür braucht nicht angegeben zu werden.

Die Homöopathen brauchen folglich nur die Regeln des GMP einzuhalten – die Überprüfung, ob dabei etwas Sinnvolles herauskommt, ist nicht Gegenstand irgendeiner Überprüfung.

Die Regeln des GMP lassen sich grob dahingehend zusammenfassen, dass ein Hersteller von Pharmazeutika Richtlinien und Vorgaben für seine Produktionsverfahren machen muss, wie er die festgelegten Anforderungen erfüllt. Dazu muss er dafür sorgen, dass diese Vorgaben auch eingehalten werden. Sonst nichts. Die Validierung, dass beim Einhalten dieser internen Vorgaben zwangsläufig ein nützliches Produkt entsteht, fehlt somit bei der Homöopathie.

Also: Wenn der Hersteller in seine Unterlagen hineinschreibt, dass die Produkte ab einer bestimmten Potenz nur aus den rohen Zuckerkügelchen bestehen und aus sonst gar nichts, und er dies auch einhält, dann sind die GMP-Regeln erfüllt. Wenn man die GMP-Regeln theoretisch derartig unterlaufen kann, dann ist es völlig ohne Aussagekraft, dass sich ein Hersteller auf die Einhaltung der GMP-Regeln beruft und damit bedeutungslos hinsichtlich einer Wirksamkeit der erzeugten Mittel.

Welchen Gegenwert erhält ein Kunde, wenn er Globuli kauft?

Wenn wir versuchen würden, die Ergebnisse der vorigen Überlegungen zur Herstellung der potenzierten Lösung mit Kosten zu bewerten, dann ergäbe sich pro Fläschchen vielleicht ein Betrag von einem Cent, oder auch zwei, aber auf jeden Fall erheblich weniger, als man als Apothekenkunde am Ende zu bezahlen hat. Dann stellt sich die Frage: Wofür zahlt man eigentlich?

Man erhält ohne Zweifel eine braune Arzneimittelflasche von 10 cm³ Fassungsvermögen, dazu einen Verschluss mit Dosiereinrichtung, darin 10 g Globuli Nr. 3, das alles mit einem Etikett versehen und in einer Pappschachtel verpackt.

Wenn Sie sich diese Dinge einzeln kaufen würden, hätten Sie mit folgenden Kosten zu rechnen:

Die Remedia Homöopathie GmbH bietet die richtigen Roh-Globuli Nr. 3 aus Saccharose für € 38,00 pro 1000 g inklusive Umsatzsteuer an (Link geht nicht mehr). Das sind pro Fläschchen € 0,38 für den Zucker.

Anmerkung (26.10.2014): Die Remediea-Apotheke bietet die Globuli Nr. 3 nicht mehr direkt im Internet an, sondern nur die größeren Nr. 8, allerdings ebenfalls zum Preis von € 38,00 pro Kilogramm. Es findet sich auch der Link, dass man auch andere Größen und Mengen liefern könne (Link geht nicht mehr). Das Preisgefüge dürfte sich nicht so wesentlich geändert haben, dass ich meine Überlegungen zum Materialwert der Kügelchen umstoßen müsste.

Es würde mich sehr freuen, wenn die Aktion der Remedia-Apotheke auf diesen Artikel zurückginge….

Anmerkung (1.11.2014): … jetzt ist der Link zu den Globuli Größe 8 auch weg. Es werden überhaupt keine Globuli mehr angezeigt. Das hier ist der Link, der jetzt auf eine leere Seite führt. Ich bilde mir jetzt ein, dass man damit auf diesen Artikel hier reagiert hat. Der Link zu der nunmehr leeren Globuli-Seite ist http://www.remedia-homoeopathie.de/de/homoeopathie/Rohglobuli/c31.html.

Meine Damen und Herren von der Remedia-Apotheke: Finden Sie nicht, dass die leere Seite irgendwie blöd aussieht?

Ebenfalls von Remedia kann man die Fläschchen zum Stückpreis von € 0,23 beziehen, die Verschlüsse mit Dosiereinrichtung für € 0,15 (Link). Für Etikett und Schachtel mit Aufdruck habe ich keine Preise gefunden, schätzen wir mal einfach so ins Blaue etwa € 0,10.

Das macht bislang zusammen € 0,86.

Jetzt muss man bedenken: Das sind die Preise, die man bezahlt, wenn man einmal im Leben ein Fläschchen, ein Kilo Globuli und all das andere kauft. Der Einkäufer eines realen Unternehmens redet mit den Lieferanten aber über einen Jahresbedarf von vielleicht 100 Tonnen Globuli und zehn Millionen Fläschchen mit Verschluss. Wenn der als Verhandlungsergebnis mit den Lieferanten zu mehr als Pi x Daumen 5 bis maximal 10 % von diesem Einzelhandelspreis abschließt, gehört er wegen Unfähigkeit entlassen. Wahrscheinlich liegt der Preis eher noch niedriger, aber für unsere Betrachtung hier rechnen wir einfach mit einem Zehntel, also rund 10 Cent pro Fläschchen mit Zucker und Verschluss. Tun wir noch für zwei Cent Lösemittel dazu, dann sind wir bei einem Materialwert von noch nicht einmal € 0,15.

Rechnen wir, dass der Großhandel und die Apotheke auch ihre Vertriebsspannen haben, dann bleibt für den Hersteller sicher bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von vielleicht € 10,- noch ein durchschnittlicher Werks-Abgabepreis von € 4,50 pro Fläschchen übrig. Das ist eine Spanne von schlappen 3.000 %. Okay, wir haben die direkten Personalkosten weggelassen, also die Kosten für die Mitarbeiter, die das Potenzieren und Verpacken etc. durchführen. Sind wir großzügig, dann bleibt eine Marge von 2.500% übrig. Von diesem Geld wiederum müssen die Vertriebskosten, Forschung und Entwicklung, die Abschreibungen auf Fertigungsanlagen und so weiter bezahlt werden – es gibt Industriezweige, die müssen mit wesentlich weniger, weniger als einem Zwanzigstel dieser Summe, zurechtkommen. Noch dazu muss man sich fragen, was ein Hersteller von Homöopathika eigentlich für Forschung betreibt und welche Entwicklungsaufwände er hat.

Ehrlich: Warum erspart man den Patienten nicht den ganzen Zinnober mit der Anamnese und der Einnahme der Mittel etc. und lässt die Hersteller von Homöopathika nicht einfach gleich Geld drucken? Oder sind dabei die Verdienstspannen einfach zu gering?

Zusammengefasst:

Wer ein Fläschchen Globuli in der Apotheke kauft und irgendwo um die € 10,- dafür bezahlt, erhält ein ‚Medikament‘, bei dem der Wert für den Wirkstoff bei weit unter € 0,05 liegt. Hinzu kommen Verpackung und Trägermaterial, das man sich auch als Privatmann für unter einen Euro kaufen kann. Ein Hersteller, der diese Komponenten in vieltausendfachen Mengen kauft, wird wohl auch nur einen Bruchteil dieses Preises bezahlen. Ich weiß nicht, welche Gewinnspannen im Rauschgifthandel so möglich sind – aber für mich liegt das in der gleichen Größenordnung.

Ich habe mich jetzt sicher etwas in Zorn geschrieben, sorry, aber als ehemaliger Mitarbeiter eines Industrieunternehmens, das immer ein wenig ums Überleben zu kämpfen hatte, kann ich nicht anders: Hersteller von Homöopathika halten Ihre Kunden nicht nur für sehr blöde, dass sie den Heilslehren glauben und an die vorgegaukelte Heile-Welt Produktion, sondern ziehen sie auch noch ganz gewaltig über den Tisch.

Am ärgerlichsten ist aber, dass das auch noch funktioniert.

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Blog, Hintergrund veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

70 Antworten auf Materialwirtschaft in der Homöopathie

  1. Panagrellus sagt:

    Vielen Dank für den schönen Artikel und die lehrreichen Beispielrechnungen.
    Man muss dazusagen, dass auch in der echten Arzneimittelindustrie die Gewinnspannen, gerade bei neuen Medikamenten, oft enorm sind, wenn man nur die Synthesekosten für das eingesetzte Ausgangsmaterial (Wirkstoff und Trägermaterial) und den Apothekenpreis vergleicht.
    Den Unterschied machen die Forschungs- und Entwicklungskosten: Ein Pharmaunternehmen hat vor Markteinführung oft Hunderte Millionen € investiert, um ein nachweislich wirksames Medikament zu entwickeln, und dabei Risiken auf sich genommen. Für jedes neue Medikament, das es bis zur Markteinführung schafft, gibt es viele andere Projekte, die in verschiedenen Stadien abgebrochen werden. Z.B., weil sie im Tierversuch, nicht aber beim Menschen wirksam sind. Der hohe Preis eines neuen wirksamen Medikaments ist also in erster Linie eine Kompensation für die Innovationsleistung des Pharmaunternehmers.

    Solche teuren Nickeligkeiten wie Forschung oder klinische Studien stören die Homöopathen natürlich nicht, weil in deren Paralleluniversum echte Wirksamkeitsnachweise nicht vorkommen.


    Ach, und noch ein kleiner Hinweis aus zoologischer Sicht: Bienen (und Insekten überhaupt) haben keine Leber. (:

  2. Susanne A. sagt:

    Wenn man auf Google „Heilpflanzen Staffort“ eingibt, erhält man seitenweise Werbung für dieses Biotop. Je nach Pflanze wird dort jährlich angeblich bis zu 1 to (!) geerntet. Für wieviele Jahre reicht das?

    http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/homoeopathie/article/413411/heilpflanzen-paradies-acker-witwenblume-bis-zaunruebe.html

  3. Susanne A. sagt:

    “Wir können nicht nur Globuli”. Man kann auch Kalender! Ob die “PTA in der Apotheke” auch weiß, wie viel von den Pflanzen am Ende beim Patienten ankommen?

    www2.pta-aktuell.de/pta-service/news/8965-DHU-Auszeichnung-fuer-einmaligen-Heilpflanzen-Kalender/
    (Edit 12.04.2016: Link erloschen)

    Der Garten kann übrigens von “Fachleuten” besucht werden. Dazu gehören die jungen Damen bestimmt.

  4. Steffen Rach sagt:

    Sehr geehrter Herr Aust,
    danke für Ihren Artikel. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihnen in Ihren Berechnungen ein gravierender Fehler unterlaufen ist.
    In der Produktkostenberechnung scheint Ihnen folgend entgangen:
    – die Kosten aufwendiger Lobbyarbeit bis hin in die Politik, direkt oder subtil
    – die Kosten für plakative Verdummungs, ich meinte Werbemaßnamen
    – die Sicherung von Premiumplätzen in verschiedenen Artikeln in den Printmedien
    – Imagekampagnen in Kreisen von A bis Z, vom Arzt bis Zahnmediziner, incl. Heilpraktiker, Hebammen, …
    – zurückliegend wollten auch Schreiberlinge wie Fritzsche ihr Salair um Kritiker übel zu diskreditieren
    – ……..
    All das ist betriebswirtschaftlich auf die Produktionskosten umzulegen, oder?
    Natürlich lasse ich mich gerne korrigieren. Ja, schon klar, das meiste davon ist steuerlich umlagefähig und dabei gärt in mir der Gedanke …… Oh, ich war dicht daran meine gute Kinderstube zu vergessen.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Herr Rach,

      da Sie mich so hart attackieren, muss ich in aller Form zu Ihren Einwänden Stellung nehmen. Nicht ich irre mich, sondern Sie, da Sie offensichtlich von Kostenkalkulation keine Ahnung haben. Die Sache ist wie folgt:

      Die für das Material aufgewendeten Kosten sowie die Materialgemeinkosten (interne Kosten für den Einkauf) ergeben die Materialkosten.
      Hinzu kommen der Lohnkosten der Mitarbeiter, die direkt am Produkt arbeiten (die Verschüttler zum Beispiel) sowie die Fertigungsgemeinkosten, die sowohl die Kosten der indirekten Mitarbeiter erfassen (Lageristen, Staplerfahrer) als auch die Abschreibung der Fertigungseinrichtungen und solche Dinge. Zusammen mit den Materialkosten ergibt dies die Herstellkosten.

      Hinzu kommen die Gemeinkosten, die der Betrieb des Werkes verursacht, also Kosten für Verwaltung, Forschung und Entwicklung, Fertigungsvorbereitung, Abschreibung oder Miete für Gebäude etc. Das gibt mit den Herstellkosten die Werkskosten, manchmal auch Produktkosten genannt. Darüber habe ich gesprochen und dies mit den Werksabgabepreisen verglichen.

      Die Aufwendungen, von denen Sie sprechen, sind Vertriebskosten, Kosten für Werbung und Bestechung, Beiträge für Verbände, Vereinigungen und sonstige dunkle Kanäle, die sich mit den Werkskosten zu den Gesamtkosten addieren. Diese müssen selbstverständlich durch den Umsatz gedeckt werden. Zusätzlich muss den Eignern des Unternehmens auch das Existenzminimum für ihre kümmerliche Existenz gesichert werden. Es geht schon knapp zu, da gebe ich Ihnen Recht – aber diese Problematik war nicht Gegenstand meines Artikels.

      Aber – ich bitte Sie in Zukunft darauf zu achten, streng zwischen den Produktkosten, also Kosten, die durch die Entwicklung und Herstellung des Produktes verursacht werden, und sonstigen Schmier- und Gefälligkeitskosten zu unterscheiden. Diese Genauigkeit muss schon sein. Sonst reden wir in zukünftigen Diskussionen über grundverschiedene Dinge.

  5. Elke sagt:

    Herzlichen Dank, Norbert! KLASSE, hatte ich es mir doch gedacht …

  6. Mabuse sagt:

    So beganns,

    Kommt ein Homökasper an einem Kernreaktor vorbei,
    die Spaltprodukte sind verdünnt.

    Guckst Du:
    http://www.rostock-essenzen.com/download/downloads/ACTBeschreibungen.pdf

    http://shop.rostock-essenzen.com/index.php?cat=c33_Actinoide-Essenzen.html&XTCsid=e08601bb854e0845b9ecc9a6afc57b52

    Tschernobyl wurde schon geschüttelt. Wohl bekommts.
    Das können Sie sich sicherlich auch sonstwo hinschmieren.
    Ein Hoch auf die NuklearhoemophathieMacht alles nix,

    der nächste Weltuntergang findet ganz
    sicher unverdünnt in Feinststoffhausen statt.

    Der Nuklearhoemophat von heute hat
    den anständig verschüttelten Primer für
    eine thermonukleare Vorrichtung,
    auch Wasserstoffbombe genannt,
    beliebiger Potenz in de Tasche.

    Dem Aufstieg steht nun wirklich
    nichts mehr im Wege.
    Ich wünsche Ihnen einen guten Flug.

    Hallejuliazappermentmitanand.

  7. Steffen Rach sagt:

    Herr Aust,
    ich hätte meinem Kommentar das Satirefähnchen umhängen sollen, natürlich wollte ich Sie nicht angreifen. Vielmehr wollte ich mit dem Zaunspfahl winken um zu zeigen welch erheblichen Aufwand die Firmen für die Imagepflege ihres wirkungslosen Zeugs verwenden und diese Kosten ungleich höher sind als die für das eigentliche Produkt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und nach persönlicher Meinung (für die Juristen unter den beauftragten Lesern von Heel, DHU & Co).

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Oh, das Satire-Fähnchen hätte ich wohl auch drantun sollen. Meine Frau und ich, wir haben herzlich gelacht beim Abfassen der Antwort.
      Also: Ich wollte so antworten, wie ich es verstanden habe – eben als eine übertreibende Karikatur der Realität.

      Schönen Abend noch.

      • Steffen Rach sagt:

        Da sage nochmal einer, Skeptiker seien Spassbremsen …. ;-).

      • AlteWeser sagt:

        Doch, die Satire war beide Male schon erkennbar. Schlüsselworte wie „dunkle Kanäle“, „plakative Verdummungs…“ usw. halfen bei der Interpretation und dem Amusement.

      • Johannes Güntert sagt:

        Oh ja, es ist ein schwieriges Unterfangen, bei diesem realsatirischen Thema Homöopathie dann noch Satire und Ernst bei der Kommentierung auseinanderzuhalten. Vorsicht Glatteis! 🙂

  8. Elke sagt:

    Zum angeblichen Biotop mit Arten aus der ganzen Welt:

    Heute werden noch immer häufig gebietsfremde Arten absichtlich in neue Habitate eingeschleppt. Meistens sollen die eingeschleppten Arten dem Menschen direkt oder indirekt nutzen. Viele der beabsichtigten Einschleppungen werden kurzsichtig und unüberlegt getätigt. Selten wird bedacht, was für ein Schaden entstehen kann, wenn der Mensch die Kontrolle über die eingeschleppte Art verliert. Häufig liegt der Grund dafür aber einfach in der Unwissenheit der Menschen …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Biologische_Invasion

    Ergo, ein Fall, den man Invasionsbiologen melden sollte!

  9. Jochen Machatschke sagt:

    Herr Aust, ich habe geglaubt, schon 100% ig vom Unsinn der H. überzeugt gewesen zu sein – und Sie legen noch einen drauf. Es ist mir unverständlich, wie man mit diesem Wissen noch an eine spezifische Wirksamkeit der Kügelchen glauben kann. Doch: was machen wir mit dem Wissen? Nach wie vor ist für mich unklar, wie sich die Situation im Gesundheitswesen ändern kann. Sie generieren auf jeden Fall wie am Fliessband eindeutige Informationen mit klarer Aussage. Vielen Dank für Ihre hervorragende Arbeit!

  10. AlteWeser sagt:

    Klasse Beitrag, danke 🙂 Dieser Blog ist Gold wert, in seiner sachlichen Art Fakten und Argumente zu liefern!

    Aber an einer Stelle habe ich ein Verständnisproblem:

    „…Also, wenn Sie als Kunde Apis mellifica in der Apotheke kaufen, wer garantiert denn, dass Sie nicht potenziertes Bienenbein oder Bienenflügel oder Bienenauge oder Bienenhirn bekommen? Das hätte aus Gründen des Ähnlichkeitsprinzips ja ganz andere Wirkungen zur Folge…..“

    Ich bin immer davon ausgegangen, dass das Ähnlichkeitsprinzip erst bei der Arzneimittelprüfung zum tragen kommt. Man macht die Prüfung, glaubt Sympthome zu entdecken und ordnet danach das Mittel einer Therapie zu.

    Der Schritt, schon allein die Biene wegen des Ähnlichkeitsprinzipes als Arzneimittel anzusehen ist mir neu. Ihr Irrtum oder mein Unwissen, was ist es?

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Das Ähnlichkeitsprinzip wird in der entsprechenden Literatur gerne auch an der Wirkung außerhalb der Arzneimittelprüfung erklärt. Beim Zwiebelschneiden tränen die Augen und die Nase läuft, also ist die Zwiebel für solche Beschwerden das richtige Mittel, die mit Naselaufen und tränenden Augen verbunden sind. Da stört es dann auch keinen Homöopathen, dass die Wirkungsweise vielleicht eine andere ist, dass beim Zwiebelschneiden und beim Essen höchst unterschiedliche Prozesse ablaufen könnten.

      So auch be der Biene: Auch für die Biene gibt es eine solche Argumentation: Ein Bienenstich verursacht Schwellungen also ist die Biene gut gegen eben solche Beschwerden, und zwar nicht, wenn man sich nochmal stechen lässt sondern wenn man das Mittel schluckt, zumm Beispiel hier: Link

      Die Arzneimittelprüfung soll eigentlich nur das Sammeln dieser Erfahrungen systematisieren, um möglichst alle, auch die etwas subtileren ‚Wirkungen‘ zu erfassen.

      • Harald sagt:

        Als ehemaliger Katholik weiß man: Das Ähnlichkeitsprnizip – Alles ein potenzierter Abklatsch.

        Der Heilige Florian wurde mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns gestürzt. Nass gewordene Heilige sind logischerweise zuständig für die Feuerwehr.

        Hl. Barbara: In einem Turm eingesperrt, also zuständig für Bergleute.

        Hl. Katharina sollte gerädert werden, aber das Rad zerbrach. Zuständig nicht etwa für Verbraucherschutz und Gewährleistung, sondern für die Handwerker.

        Beliebig fortsetzbar. Hahnemann musste also nur ins Medizinische übertragen.

      • Michaela Reinhard sagt:

        In Zeiten massenhaften Bienensterbens finde ich es auch ein Unding für so einen Mist wie die Globuli massenhaft Bienen zu zermalmen und das als Medizin zu verkaufen.

        • Mia Paulsen sagt:

          Es sind ja nicht massenhaft Bienen. Vermutlich nicht mal eine. Die Urtinktur kann ein Tropfen aus einem Wasserglas sein, an dem eine Biene vorbeigeflogen ist. Reicht schon 😉

  11. MK sagt:

    Lieber Herr Aust,

    Sie schrieben: „Im Vergleich zu anderen QM-Systemen scheint GMP aber nicht sehr streng zu sein.“
    Das Gegenteil trifft zu. Es gibt wohl keine strengeren Richtlinien als die GLP und v.a. GMP. Dies an dieser Stelle weiter auszuführen, würde den Rahmen sprengen. Wenn man in diesem Bereich nicht tätig ist, dann macht man sich keine Vorstellung von dem personellen und materiellen Aufwand dieser Prozesse. Selbst in kleinen Unternehmen müssen ganze Abteilungen für GxP bereitgestellt werden. Selbstverständlich müssen Geräte validiert werden, hunderte SOPs angefertigt werden, Abweichungen dokumentiert werden, Korrekturmaßnahmen durchgeführt werden (correction and prevention action etc.), Lieferanten qualifiziert werden etc. pp. Erhobene Daten müssen unveränderbar sein. Selbst in der regulatorischen Toxikologie (hier GLP Umfeld) gilt das gleiche in grün; komplette Dokumentation und Nachverfolgbarkeit jedes einzelnen Arbeitsschrittes; alle Methoden (nehmen wir die Bioanalytik als Beispiel) müssen komplett validiert werden, nach den Vorgaben entsprechender international geltender Guidelines (FDA, EMA). Dazu kommen Behörden- oder interne Audits. Abweichungen von GxP können eine Studie wertlos, weil angreifbar, machen, die Batch-Freigabe verhindern. Jeder kleine Kühlschrank unterliegt einem Dauer-Monitoring. Es folgt die komplette Prüfung aller erhobenen Daten durch die Qualitätssicherung des Unternehmens. Dazu kommen klare und strenge Regeln zur Archivierung über viele Jahre. Darum hat die industrielle Forschung und Entwicklung auch nichts, aber auch gar nichts mit universitärer Forschung zu tun. Keine Behörde würde Studien akzeptieren, die nicht unter den entsprechenden Richtlinien gelaufen sind (z.B. GLP für Sicherheitspharmakologie, Toxikologie, GMP für Herstellung, Freigabeuntersuchungen (batch-release testing) und GCP bei klinischen Studien.). Dies nur in (eigentlich unstatthafter) Kürze.

    GxP ist im Großen und Ganzen nur ein Sicherheitssystem, das sich aber nicht darum kümmert, WAS letztendlich hergestellt wird, bzw. wie wirksam ein Medikament nun ist. Somit kann man auch völlig sinnfreie Entwicklungskandidaten, wie z.B. den Morgenurin eines mittelamerikanischen Flachlandtapirs unter GLP auf Mutagenität testen lassen.
    Somit unterläuft der Hersteller von Globuli die GMP Regularien auch gar nicht. Er dokumentiert ja alles sauber und genau und beschreibt seine Prozessabläufe in SOPs (egal wie wurscht das dort letztendlich ist). Das Problem haben Sie sehr deutlich dargelegt – es findet keine Bewertung der Wirksamkeit statt. Das hat aber mit GxP nichts zu tun, sondern mit dem schon erwähnten Binnenkonsens.
    Kritische Nutzenbewertungen in der seriösen Forschung finden schon sehr früh nach konventionellen Rezeptorbindungs- und Efficacy-Studien statt und ziehen sich dann durch die ganze klinische Entwicklung (in Phase II sterben dann durchschnittlich nochmal 40% aller Substanzen, die es überhaupt so weit gebracht haben).
    Bei der Homöopathie entfällt das natürlich alles. Easy money!

    Beste Grüße MK

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Ich sehe, ich habe mich da vielleicht nicht richtig ausgedrückt. ‚Streng‘ ist offensichtlich nicht das richtige Wort, ‚weitreichend‘ hätte es vielleicht eher getroffen.

      Wir sind uns ja generell einig, es ist ein Unding, dass die Homöopathie vom Wirkungsnachweis ihrer Mittel befreit ist. Die DHU führt aber an, dass sie nach GMP arbeite – und das soll wohl den Leser irgendwie von der Produktqualität überzeugen.

      Stimmt meine Sichtweise:

      Neben dem GMP (und GLP, aber dies taucht auf den Seiten der DHU nicht auf) ist die Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln in Deutschland (wie in der gesamten EU) im Arzneimittelgesetz (AMG) umfänglich geregelt. Beides zusammen, GMP und AMG, sind sicher weitreichendere und strengere Regelwerke als es sie sonst in der ’normalen‘ Industrie gibt (lassen wir mal die Luft- und Raumfahrt außen vor, da fehlen mir die Kennnisse). Vieles von dem, was in den einschlägigen industriellen Qualitätsnormen enthalten ist, ist im AMG sogar gesetzlich geregelt, die Freigabeprozeduren beispielsweise oder die Beobachtung des Produktes nach Lieferung. Daher brauchen diese Dinge nicht mehr in den Qualitätsregeln behandelt werden. Daher umfassen die GMP-Regeln einige Punkte nicht, die sonst in den QM-Normen üblich sind, beispielsweise Zertifizierung, Auditierung, Vorbeuge- und Korrekturmaßnahmen. Das hat nur wenig damit zu tun, wie aufwändig es ist, die jeweiligen Regeln einzuhalten und wie intensiv Freigabe- und Validierungsprozesse zu gestalten sind.

      Meine Kernaussage sollte dann dahin gehen, dass die Hersteller von Homöopathika dieses abgestimmte System ganz legal dadurch unterlaufen, dass sie auf den Wirkungsnachweis verzichten können und damit alles ausgehebelt ist, was auf diesen Nachweis aufsetzt. Wenn keine Angaben gemacht werden müssen, worin die Wirkung besteht, dann gibt es auch keine Grundlage dafür, im Feld zu überwachen ob diese Angaben auch eingehalten werden.

      Es bleiben letztendlich die GMP-Regeln für sich alleine stehen, so mein Weltbild, die aber noch nicht einmal den Umfang abdecken, den die ISO 9001 regelt. Folglich ist das Berufen auf GMP für sich alleine, wenn man weite Teile des AMG schlicht ignorieren kann, keine sehr tiefgreifende Aussage zur Produktqualität.

      Korrigieren Sie mich, wenn ich da in Bezug auf die GMP-Vorgaben nicht richtig liege, dann würde ich das im Artikel gerne richtigstellen.

  12. Fliegenschubser sagt:

    Wunderbarer Artikel (wieder einmal)! Vielen Dank!!

  13. Matthias sagt:

    Köstlich 🙂 Danke für diesen sehr gut geschriebenen Artikel!

  14. KeinAnfang sagt:

    Im großen und ganzen treffen ihre Bemerkungen zu.
    Alleine bei den radioaktiven Stoffen habe sich die Homöopathen überboten/sind durchgeknallt.
    Da gibt es im fernen Österreich ein Forschungszentrum, das sich mit uA Radioaktivität beschäftigt. Lange Zeit stand dort auch DER Atomreaktor Österreichs. Wer sich mit Österreich auskennt, weiß was DAS für eine Provokation ist, doch gottlob ist er ja inzwischen dicht gemacht worden (;-)).
    Doch dafür tut das nichts zur Sache, außer dass man sich dort mit dem Umgang mit radioaktiven Stoffen auskennt und sie auch besitzt!!
    Da kam scheinbar einmal so ein Homöopath daher und schaffte es, dass man in einer der Boxen ein Mittel herstellte, das TATSÄCHLICH auch mal ursprünglich mit Radioaktivität in Berührung gekommen war. Wobei man die Potenz erst aus der Box nehmen durfte, als sie nicht mehr strahlte, sprich frei von der Substanz selber war.

    Da ist es mir trotzdem lieber, wenn manchmal die Ursubstanz NICHT in der Urtinktur war. Ist sicherer so, schließlich weiß man ja heutzutage nicht, wo überall Homöopathika drin sind. Vielleicht ja auch bald im Süßwarenregal.

  15. Simone sagt:

    Wunderbarer Artikel – man weiss nicht ob man sich gerade die Lachtränen aus den Augen wischt oder über die Dreistigkeit der Homöopathen weint…
    Größere Kosten dürfte natürlich das Abtrennen der Isotope 236-Plutonium und 239-Plutonium aus dem Isotopengemisch der Schippe Erde verursachen, damit jeweils die entsprechenden Potenzen produziert werden können 😉 In Anbetracht der Tatsache, dass beides alpha-Strahler sind, die bei Inkorporation wirklich viel Schaden anrichten können, kann man allerdings sehr froh sein, dass kein „Wirkstoff“ mehr im Fläschchen ist.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      > Größere Kosten dürfte natürlich das Abtrennen der Isotope 236-Plutonium und 239-Plutonium aus dem Isotopengemisch der Schippe Erde verursachen

      Genau das glaube ich eher nicht. Wie das Beispiel der Biene zeigt, machen sich die Homöopathen nicht die Mühe, den Wirkstoff erst soweit zu extrahieren, dass er in einer gewissen Reinheit oder auch nur in deutlich höherer Konzentration als normal vorliegt. Es ist scheinbar noch nicht einmal notwendig, dass der Wirkstoff, dessen Namen auf dem Etikett der Packung erscheint, in der Urtinktur die größte Fraktion darstellt. Daher denke ich, dass man sich diesen Umstand auch bei den radioaktiven Stoffen spart.

      • Simone sagt:

        Mit Sicherheit spart man sich das 😉 War ironisch gemeint.
        Bezeichnend finde ich einfach, dass in der Deklaration tatsächlich zwischen 236-Pu und 239-Pu unterschieden wird. Das sieht dann praktischerweise noch etwas wissenschaftlicher aus…

  16. Norbert Aust Norbert Aust sagt:

    Ich möchte auf diesen schon etwas älteren Kommentar aufmerksam machen, den ich erst jetzt nach einer Überarbeitung freigeschaltet habe:

    http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2045#comment-7371

  17. Harry_X sagt:

    Der gesamte Artikel ist erhellend und gar köstlich! Thnx!

  18. NG sagt:

    „Macht die Pharmalobby jetzt auch in Blogs?“ (Gerne zweideutig lesen)
    Oder ist der Autor nur ein Opfer des Pharmamarketings?

    Sicherlich gibt es in homöopathischen Kreisen auch schwarze Schafe. Auf Seiten der Entwickler als auch auf Seiten der Homöopathen, aber so eine Pauschalisierung wie hier, ist wirklich untragbar. Der Beitrag ist schlecht recherchiert und einseitig geschrieben. Ferner wirkt Homöopathie /homöopathische Mittel nicht, wie hier beschrieben.

    Gleichzeitig wird in diesem Beitrag (in)direkt die Pharmaindustrie gelobt, ohne jegliche Kritik und/oder ohne jegliches Hintergrundwissen.
    Die Pharmaindustrie ist extrem profitorientiert. Sie hat keinerlei Interesse an einer langfristigen Gesundheit von Patienten. Hier geht es um „Kundenbindung“.
    Niemals würde ein Pharmaunternehmen bspw. ein einfaches, günstiges Mittel gegen Krebs auf den Markt bringen (bzw. eines, auf das sie das Patent nicht anmelden können, denn bzgl. der Herstellungs- und Verkaufskosten lässt sich unvorstellbar viel machen.).
    Krankenhäuser, Ärzte, Universitäten werden von der Pharmaindustrie unterlaufen und sind im Wesentlichen dafür da, deren Produkte zu verkaufen. Immerhin macht diese Industrie fast eine Billion Dollar Umsatz pro Jahr (und liegt damit auf Platz 2 hinter der Waffenindustrie) – davon geht ein Bruchteil in die Forschung (u.a. mit illegalen, tödlichen Medikamententests an Kindern, sowohl in der dritten Welt, als auch in unseren Ländern).
    Und warum eigentlich werden viele „Krankenheiten“ erst dann erfunden, wenn vorher zufällig durch die „Forschung“ ein Mittel gegen solche „Symptome“ gefunden worden sind (vgl. ADHS uvm.)?
    Und warum gibt es bis heute keine einzige Studie, welche die Wirksamkeit von Impfungen eindeutig beweist?
    Wieso kontrolliert die Pharmaindustrie über die AMA welche Lehrinhalte an den medizinischen Universitäten gelehrt werden sollen (Pharma!)?
    Warum sterben jährlich allein in den USA 800.000 Menschen in Folge von Medikamenten und falscher medizinischer Behandlung?

    Hier sollte sich der Autor mal dringend informieren, welche Investmentfirmen hinter der gesamten Gesundheitsindustrie stecken. Ferner sollte man wissen, wie das Gesundheitswesen funktioniert. Angefangen von iG Farben, Flexner Report, AMA/DEA…
    Dazu empfehle ich dringend „David Servan-Schreiber“ zu lesen.

    Natürlich hat die Pharmaindustrie auch sinnvolle Medikamente und Erkenntnisse gebrachte. Aber: Sie ist profitorientiert und vernichtet alles, was ihren Umsatz schmälern kann. So eben auch die Homöopathie. Ob es wirkt oder nicht: Es muss weg! Und dafür Gründe zu finden, kann man sich zeitnah ausdenken und Plattform, Lobbyisten und Anhänger zu finden, geht oftmals sogar noch schneller.
    Wie man sieht…

    Richtig angewandt wirken alternative Heilmethoden oftmals besser, als die konventionellen Methoden der westlichen Industrien. Das ist statistisch belegt.

    Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Pharmaindustrie wesentlich mehr Marge hat, als die homöopathische Medizin! Eine Pille für mehrere tausend Euro? Kein Problem! Ein Aids-Medikament zu bezahlbaren Preisen (immer noch mit Gewinn) an Afrika zu liefern? Problem!

    Und hier wird die Homöopathie fertig gemacht und die Seriosität der Pharmaindustrie gefeiert…

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      @ NG

      Schön, dass Sie so differenziert und unter Vermeidung jedweder Pauschalierung alle Klischees und Vorurteile zur Pharmaindustrie zusammenfassen. Es ist doch herzerfrischend, wie einfach die Welt wird, wenn man sie in ein Gut-Böse-Schema presst und davon absieht, Belege für seine Behauptungen zu liefern.

      Nur, leider ist die Pharmaindustrie nicht das Thema meines Blogs. Deshalb möchte ich diese Richtung hier nicht weiter verfolgen. Die Aktivitäten ‚der Pharmaindustrie‘, wenn es diese als einheitlich agierende Gruppe tatsächlich gibt, sind völlig belanglos, wenn man die Gegebenheiten in der Homöopathie betrachtet.

      Mich würde interessieren, welche meiner Schlussfolgerungen nicht stimmen. Auch eine Erklärung, wie die Homöopathischen Mittel wirken, zumindest ein paar plausible Hypothesen, würde ich gerne hören. Dabei sollten die Widersprüche, z.B. das Problem der Verunreinigungen oder der selektiven Wirkungsverstärkung durch Potenzieren einigermaßen plausibel dargestellt werden.

      • KeinAnfang sagt:

        Zudem fehlt der obiligatorische Hinweis, dass ja auch Hersteller von homöopathischen Mittel zur Pharmaindustrie zählen. Es wurde ja bereits mehrfach gezeigt, dass die Homöopathiehersteller sich in ihrem Verhalten durch nichts von der bösen (TM) Pharmaindustrie unterscheidet. Naja einen kleinen Unterschied gibt es schon. Homöopathiehersteller haben keine wirksamen Mittel im Angebot (von Unabsichtlichen Ausnahmen im D1-3 Bereich mal abgesehen)

    • Johannes Güntert sagt:

      @NG

      „Ferner wirkt Homöopathie /homöopathische Mittel nicht, wie hier beschrieben.“

      Stimmt, sie wirkt GAR NICHT! Die „Pöhse Pharma“(tm) kann dafür aber nichts.

    • Dr.Rupprecht sagt:

      Dieser Kommentar wirft sehr viele Fragen an den Autor auf. Nur 2 Beispiele : Die Pharmaindustrie zu verteufeln fällt leicht, wenn man alle positiven Effekte dieser Branche unter den Tisch kehrt . Ärzte (lehrende, forschende und jene an der Front als niedergelassene) werden von der Pharmaindustrie nicht “ unterlaufen „. Sie versucht als Partner uns zu informieren. Das bei dieser Zusammenarbeit auch „schwarze Schafe “ vorkommen, dürfte in jeder Branche zu sehen sein. Und letztlich : Warum gibt es nicht eine einzige Studie, die die Wirksamkeit der homöopathischen Globuli eindeutig beweist ?? Wenn Sie dem Autor Einseitigkeit unterstellen, was meinen Sie wohl, welch` Eindruck Ihr Artikel hinterlässt ??

  19. AlteWeser sagt:

    @NG:
    Beginnen wir doch erst einmal am Anfang: Was in den Ausführungen des Herrn Aust ist falsch vorgerechnet? Das schöne ist ja, dass man seinen Argumenten mühelos folgen kann, er legt alles offen, Fehler wären offensichtlich.

    Anstelle eines Rundumschlages könnte man also erst einmal konkrete Kritik an seinen Zahlen üben und nachweisen. Ich bitte darum.

  20. Werner Geiselhart sagt:

    Ich denke, mit jemandem, der mit Verschwörungstheorien, angeblich erfundenen Krankheiten und der generell bösen Pharmaindustrie daherkommt, läßt sich sowieso nicht vernünftig diskutieren, das geht dann endlos weiter.
    Eigenartig ist, dass NG ADHS als von der Pharmaindustrie erfundene Krankheit bezeichnet, obwohl das von Esoterikern und Pharmakritikern beworbene Quacksalbermittel MMS gerade hier eine Heilung verspricht.
    Aber Widersprüche sind in diesen Kreisen ja an der Tagesordnung.

  21. Susanne A. sagt:

    Ab und zu etwas Radium in die Badewanne – wohl ernstgemeinte Empfehlung auf einer Homöopathie-Seite… für eine strahlende Zukunft: http://www.dr-annette-prollius.de/Public/ShowInfo.aspx?link=273

  22. Viola Stuppe sagt:

    Großartiger Artikel, vielen Dank dafür. Das war es wert, später ins Bett zu gehen als ich eigentlich vorhatte.

    Beim Thema Marketing + Homöopathie in den ersten Kommentaren musste ich daran denken, welche Reaktion meine schönen GWUP-Aufklärungsflyer über Homöopathie (http://www.gwup.org/images/stories/pdf/themen/gwup%20homopathie-broschuere-lores.pdf), die ich meiner Apotheke ausgelegt habe, neulich hervorriefen. Nachdem die Flyer ein paar Tage da lagen und von diversen Leuten mitgenommen wurden, kam doch tatsächlich eine als Homöopathiefan bekannte Stammkundin ein paar Tage später und hat sich beschwert. Beschwert! Wortlaut: „Was soll denn diese Propaganda in der Apotheke?“ Made my day. Propaganda! Sie hat offenbar erwartet, dass ich mich für diese unangemessenen Flyer entschuldige oder irgendwas… als ich ihr dann mit freundlichem Lächeln erklärte, dass die Flyer nichts als Fakten enthielten, über die wir Interessierte aufklären, und dass ich diese Aufklärung für überaus wichtig halte, wirkte sie sehr, sagen wir, überrascht. Weiteren, schon leiseren, „Propaganda“-Protesten von ihr entgegnete ich dann, weiterhin superfreundlich, dass sie ja gerne an alles glauben kann, was sie möchte, auch an Homöopathie, aber dieser Glaube halt nichts mit der Faktenlage zu tun hat und wir als medizinischer Fachberuf verpflichtet sind, wissenschaftlich zu arbeiten, fiel ihr dann nichts mehr ein. Sie hat darüber wohl sogar ihre Empörung vergessen und ging dann, ohne weiter über das Thema zu diskutieren.
    Schade nur, dass bei den richtig indoktrinierten die besten Fakten und Informationen nicht im Gehirn durchsickern. Wird alles vom Glaube-Filter abgefangen…

    • Carbine sagt:

      @Viola Stuppe

      Sie sind eine Auster mit Perle im weiten Ozean –
      oder täusche ich mich?
      Hier zu Lande sehe ich keine Apotheke , die nicht prominent Werbung für Homöopathika macht, mit Zeitschriften, Flyern und der Platzierung auf dem Verkaufskorpus oder gleich daneben.

  23. Werner Geiselhart sagt:

    Ein Hauptgrund für die Akzeptanz der Homöopathie ist natürlich die Fehleinschätzung in weiten Teilen der Bevölkerung, bei der H. handle es sich um Heilpflanzenmedizin.
    Wenn ich jemand erkläre, um was es da wirklich geht, schlägt mir meist Unglauben und Unverständnis entgegen. Selbst Menschen, die einen höheren Bildungsgrad haben, haben meist keine Ahnung von H., können es aber oft empfehlen nach dem Schema „Eine Freundin hat mir erzählt, wie eine Freundin Ihrer Freundin bei einem Heilpraktiker war und nach 2 Tagen und 20 Kügelchen Aconitum ihre Zahnschmerzen los war“ usw. usw.
    Wenn man Ihnen dann den Aufklärungsflyer zur Info mitgibt, dann ist der von der Pharmalobby gesponsert.
    Ein zugegeben frommer Wunsch von mir wäre, dass die Medien an prominenter Stelle Aufklärungsarbeit zu diesem Thema leisten und zwar wissenschaftlich fundiert.
    Aber wenn ich mir z.B. den Gesundheitsteil meiner Tageszeitung anschaue, in dem schon mal Reiki-Geistheiler ein Podium bekommen, dann wird das wohl ein frommer Wunsch bleiben.
    In grün-roten BW soll in den Gymnasien der Bio-Unterricht an Gymnasien in einem naturwissenschaftlichen Konglomerat verschwinden, so dass z.B. Gentechnik nur noch als Schmuddelkram, den man nicht anfassen darf, erwähnt werden wird. Biochemische Regelkreise werden dann wohl auch nicht mehr behandelt, das wird ja zu kompliziert, inzwischen ist ja die Grundschulempfehlung weggefallen. Meine Frau, eine Bio-Lehrerin an einem Gymnasium, stellt bereits jetzt die ersten Auswirkungen im Schüler-Niveau fest, das sich übrigens nicht erhöht hat. Ein guter Ersatz aus grüner Sicht wäre dann der Bio-esoterische Bereich a la Demeter, siehe:

    http://www.demeter.de/Verbraucher/Landwirtschaft/Biodynamischer-Weinbau

    Daraus ein Ausschnitt:
    „Vielmehr ist der Einsatz von biodynamischen Präparaten erforderlich. So verbessert das Hornkiesel-Präparat die Pflanzenqualität. Dafür wird pulverisiertes Quarz in ein Kuhhorn gefüllt und von Frühjahr bis Herbst im Boden eingegraben, damit es die kosmischen Kräfte speichert. Im Herbst ausgegraben, wird der feine Hornkiesel in Wasser rhythmisch verrührt (dynamisiert) und als Spritzpräparat in feinen Tröpfchen auf den Weinberg verteilt.“
    Man sieht, es gibt noch viel zu tun, den solch ein Humbug ist in unserer Bevölkerung mehrheitsfähig.

    • Michaela Reinhard sagt:

      Fangen wir jetzt im 21. Jahrhundert wieder mit Zauberkram an? Was soll das mit dem Vergraben bewirken? Ich verstehe nicht, wie man das mit gesundem Menschenverstand so schreiben kann.

  24. awmrkl sagt:

    Wieder mal: Respekt! Vielen Dank für diesen Artikel!
    Und wie schon erwähnt wurde, ich wußte nicht recht, ob ich laut lachen (roflmao) oder ob Verzweiflung bitterlich weinen sollte.

    Das Lachen hat gesiegt. ROFLMAO

  25. Dr.Rupprecht sagt:

    Sehr geehrter Herr Aust,
    wieder einmal ein sehr ausführlicher Artikel, den ich mit einer Ausnahme voll unterschreiben würde. Globuli würde ich nicht als Medikamente bezeichnen.
    Aber bitte : Weiter so !!

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Oooops, dann ist mir ein Fehler unterlaufen. Ich wollte mich eigentlich auf ‚homöopathische Mittel‘ beschränken, mir ist nämlich vor einiger Zeit auch klar geworden, dass ich einen Fehler mache, wenn ich von ‚homöopathischen Medikamenten‘ oder ‚homöopathischen Arzneien‘ spreche.

      Ich schau den Artikel nochmal durch – und ergänze an den Medikamenten wenigstens ein paar „.

  26. Carbine sagt:

    Schliesse mich den anderen Dankenden an. Ein ausgezeichneter Artikel!

    Schade, dass sich „NG“ nicht mehr meldet und etwas Aufklärung bietet..

    Ausgerechnet Ihnen „schlecht recherchiert“ vor zu werfen, witzig.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Ich fand den Vorwurf der Pauschalisierung eigentlich noch mehr daneben, wenn man bedenkt, wie seine Argumentation weiter ging…

  27. Carbine sagt:

    Zum Vorwurf der Pauschalisierung:
    NG hat nicht richtig gelesen. Er ist in seinem Glauben an die Homöopathie getroffen worden und hat begonnen, zu schiessen.

    Sicherlich gibt es in homöopathischen Kreisen auch schwarze Schafe. Auf Seiten der Entwickler als auch auf Seiten der Homöopathen, aber so eine Pauschalisierung wie hier, ist wirklich untragbar. Der Beitrag ist schlecht recherchiert und einseitig geschrieben. Ferner wirkt Homöopathie /homöopathische Mittel nicht, wie hier beschrieben.

    Das zeigt, dass ihm gar nicht aufgefallen ist, dass es u.a. um die Realität der Homöopathie überhaupt geht

  28. MX sagt:

    Die Geschäftsberichte der DELTON AG, zu der Heel gehört, findet man übrigens im Internet, dort werden die EBITA (Gewinne vor Steuern) ausgewiesen.

  29. Pingback: In Sachen Homöopathie: Interview mit Dr. Norbert Aust im neuen „Skeptiker“ @ gwup | die skeptiker

  30. gnaddrig sagt:

    Hochinteressant er Artikel. Die Homöopathie ist – wenn man sich die Qualität der verwendeten Urtinkturen anschaut – offensichtlich noch erheblich absurder als ich wusste. Das mit dem Materialeinsatz hätte man sich denken können, aber wenn man es mal so vorgerechnet bekommt, ist es trotzdem ein Schock.

    Was die Gewinnspanne angeht, sind die Neuen Homöopathen nach Körbler allerdings noch besser: 250 ml Körbler® Himalaya Experimentierwasser 250 ml für 50 Euro ist einfach Wahnsinn…

  31. hansi sagt:

    Ich möchte mal folgendes Bild deren möglicher Anbaumethode- und Fläche zeigen:

    https://www.google.de/search?q=kr%C3%A4uterspirale&biw=1304&bih=697&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=YrUYVOXfD87eavPLgJgI&sqi=2&ved=0CDAQsAQ

    Viel mehr werden sie für eine Jahresproduktion sicher nicht brauchen…

    Deswegen wäre ein Artikel über die vermuteten und kalkulatorisch nachvollziehbaren Produktions- und Einstandskosten auch sinnvoll. Vielleicht bringt das jemand bei den Krankenkassen (die Homöopathie erstatten) mal auf die Idee, die Preise in den Apotheken für Zucker zu hinterfragen.

  32. Andreas sagt:

    Herr Aust, danke für Ihre Worte.

    Damals meiner Tochter die frische Wunde „bepustet“, einen beschwörenden Satz gebrummt und weg waren Schmerz und Tränen. Der Glaube an den Vater half, nicht die millionenfache Verdünnung einer Kräutertinktur, die ich nach dem Unkrautzupfen in der Lunge hatte.
    Auszug aus einer Homöopathie -Seite: “ Der renomierte Forscher stellte fest, das Wassermoleküle im niedrigen Radiobereich strahlten, wenn sie vorher mit dem Wirkstoff in Berührung kamen. Damit wäre der Beweis erbracht, das Wasser Informationen speichern kann.“
    Wie sagte Prof. Harald Lesch: Wer kann so einfältig sein und glauben, dass Wassermoleküle denken können? Der Ozean, ein riesiges Gehirn.

    Und: Jeder Arzt, jeder Patient weiß es. Krankheit verläuft in Wellen. Mal geht es besser, mal schlechter. Läuft es schlechter, tritt die vielbeworbene „mögliche“ Zustandsverschlechterung nach der Globuli-Einnahme ein. Geht es besser, so haben die Globuli sofort angeschlagen. Wer es glaubt ……..
    Das Schlimme an den ganzen Heilsversprechungen ist die Abgrenzung. Bei einer Fraktur kommt niemand auf die Idee, mit Kalk versetzte Globulis zu schlucken. Ebensowenig bei einem Krebspatienten Globulis zur Stärkung des Immunsystems zu verabreichen. Von Schmerzbehandlung (Tumorschmerzen/Bandscheibenvorfall und dergl.) rede ich garnicht erst. Also wohlgemerkt, ich spreche in den letzteren Ausführungen nur von Menschen, die noch alle Latten am Zaun haben müssten.

    Ich kann mich dem Autor nur anschließen. Bodenlose Frechheit in Potenz.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      Ich danke Ihnen für Ihren Kommentar.

      > Ebensowenig bei einem Krebspatienten Globulis zur Stärkung des Immunsystems zu verabreichen.

      Leider muss ich Sie da enttäuschen. Es gibt eine ganze Reihe von angeblich berufenen Leuten, die die Homöopathie nicht nur als Begleitbehandlung sondern sogar als ausschließliche Therapie bei Krebs sehen. Stellvertretend sei hier Jens Wurster genannt, der an der Clinica Santa Croce in der Schweiz arbeitet. Er hat sogar ein Buch darüber verfasst – und eine erkleckliche Zahl an Unterstützern in Deutschland, beispielsweise Josef-Karl Graspeuntner in Traunstein. Googeln Sie mal nach ‚Homöopathie bei Krebs‘ und Sie werden sich wundern…

  33. Pingback: Weleda: BWL statt Steiner @ gwup | die skeptiker

  34. Michaela Reinhard sagt:

    DANKE DANKE DANKE! Welch ein wunderbarer Artikel -tja wer rechnen kann, ist hier klar im Vorteil. Warum wehren sich eigentlich nicht mehr Mediziner/Pharmazeuten gegen diesen Humbug, die müssten das doch aufgrund ihres Studiums schon erkennen können.

  35. Michaela Reinhard sagt:

    Noch eine Frage wegen den Kaninchen mit Milzbrand – woher haben die Kaninchen den Milzbrand und wie bekommt man dann die Urtinktur???

  36. Klappspaten-Bräu sagt:

    Irgendwie weiss man nach dem lesen des Artikels nun nicht so genau, ob man lachen oder weinen soll.

    Gibt’s da gegen nicht was von Ratiopharm?

  37. arcos sagt:

    Besten Dank für diesen Artikel.
    Insbesondere die Kalkulation der Herstellkosten waren sehr lehrreich.
    Ich kenne aus vertraulichen Quellen die Abverkaufsmengen, ApU’s und die Werbeausgaben einiger deutscher Hersteller, mit diesen Variablen lässt sich die Bilanz eines Unternehmens seriös ermitteln. Fazit: ein geniales Geschäftskonzept!

  38. Pingback: Lizenz zum Gelddrucken | gnaddrig ad libitum

  39. Νίκη sagt:

    Ist zwar wahrscheinlich schon zuspät aber mit dem Aufruf:

    Seit ein paar Tagen gibt es eine Online-Petition, mit der erreicht werden soll, dass homöopathische Mittel nicht länger als Arzneimittel gehandelt, sondern den Süßwaren zugeordnet werden. Dies träfe den Kern der Sache eher. Hier kann man unterschreiben

    Haben sie sich ein Eigentor geschossen. Mit der Kennzeichnung Süssigkeit, würde nach Nahrungsmittelgesetzgebung kontrolliert und nicht mehr nach den Vorgaben der viel strengeren Arztneimittelgesetzgebung.

    • Norbert Aust Norbert Aust sagt:

      > nicht mehr nach den Vorgaben der viel strengeren Arztneimittelgesetzgebung.

      Die Arzneimittelgesetzgebung wird doch gerade durch den Binnenkonsens (Registrierung homöopathischer ARzneimittel) weitestgehend unterlaufen. In der Realität dürfte die Nahrungsmittelgesetzgebung was Herstellung, Hygiene und Beobachtung im Markt anbelangt, praktisch dem gleichen, was vom Arzneimittelrecht bei den Globulis noch übrig ist.

      Es ging bei der Petition übrigens nicht um die strengere oder weniger strenge Überwachung des Produktes, sondern darum, dass dem Laien Homöopathika nicht mehr länger mittels Apothekenpflicht als wirksame Arzneimittel vorgegaukelt werden sollten.

  40. Pingback: Tyrannosaurus rex – das Homöopathikum der Wahl @ gwup | die skeptiker

  41. Pingback: So finden Homöopathen ein neues Mittel: Game of Thrones und vergewaltigte Engel @ gwup | die skeptiker

  42. Pingback: Lustige homöopathische Widersprüche: lactosefreie Lactose und glutenfreies Gluten | Wahrsagerchecks Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *