{"id":676,"date":"2013-07-05T18:03:37","date_gmt":"2013-07-05T16:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=676"},"modified":"2013-07-05T19:25:28","modified_gmt":"2013-07-05T17:25:28","slug":"diskussion-zu-quasi-quantum-model-of-potentization-von-marcin-molski-gastbeitrag-von-ute-parsch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=676","title":{"rendered":"Diskussion zu  &#8218;Quasi-Quantum Model of Potentization&#8216; von Marcin Molski (Gastbeitrag von Ute Parsch)"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D676\" data-timestamp=\"1373052328\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D676\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 27<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D676&text=Diskussion%20zu%20%20%E2%80%9AQuasi-Quantum%20Model%20of%20Potentization%E2%80%98%20von%20Marcin%20Molski%20%28Gastbeitrag%20von%20Ute%20Parsch%29\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p style=\"text-align: left;\">Ich freue mich sehr, diesen Gastbeitrag von Ute Parsch ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen. Darin wird ein Thema behandelt, eine Arbeit \u00fcber die quantenmechanische Modellbildung der Potenzierung, das ziemlich an der Grenze meiner eigenen Fachkompetenz liegt, allerdings\u00a0von der falschen Seite her. Es sei darauf hingewiesen, dass ich jederzeit bereit bin, Gastbeitr\u00e4ge, die zum Thema des Blogs passen, auf diesen Seiten zu ver\u00f6ffentlichen. Wie hier ersichtlich, kann das Thema Hom\u00f6opathie dadurch umfassender behandelt werden.<br \/>\nNorbert Aust<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ute Parsch:<\/strong><br \/>\n<strong>Diskussion zu &#8218;Quasi-Quantum Model of Potentization&#8216; von Marcin Molski<\/strong><\/p>\n<p>Ein Grundproblem f\u00fcr die Bef\u00fcrworter der Hom\u00f6opathie ist, dass es kein mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften vertr\u00e4gliches Erkl\u00e4rungsmodell f\u00fcr die Wirkweise einer hom\u00f6opathischen Arznei gibt. Hahnemann selbst sprach von einer \u201efast geistigen Kraft der Arzneien\u201c. Es ist der Hom\u00f6opathie jedoch nicht gelungen, diese Formulierung in einen plausiblen wissenschaftlichen Kontext zu stellen. Einen neuen Versuch in diese Richtung unternimmt Marcin Molski, Professor an der chemischen Fakult\u00e4t der Adam Mickiewicz Universit\u00e4t in Posen, in seinem Artikel \u201eQuasi-Quantum Model of Potentization\u201c.<\/p>\n<p><!--more-->Das Paper wurde bereits 2009 auf dem arXiv-Dokumentenserver unter \u201eallgemeiner Physik\u201c abgelegt (arXiv:0911.4514 [physics.gen-ph]; <a href=\"http:\/\/arxiv.org\/abs\/0911.4514\">Link<\/a> zum Volltext), allerdings erst im Oktober 2011 in der Zeitschrift Homeopathy ver\u00f6ffentlicht. (Homeopathy, Volume 100, Issue 4, Pages 259-263, October 2011, <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S147549161100052X\" class=\"broken_link\">Link<\/a>). Einen Vortrag zu den wesentlichen Aussagen hat Molski auf dem Kongress der International Homeopathic Medical League 2009 gehalten.<\/p>\n<p>Es handelt sich also bei Molskis Artikel nicht um eine medizinische Studie, sondern um eine rein theoretische Arbeit im Rahmen der Physik. F\u00fcr eine Beurteilung der vorgestellten Argumente ist es dementsprechend allein ausschlaggebend, ob diese aus der Sicht der Physik korrekt und stichhaltig sind.<\/p>\n<p>Ohne jetzt gro\u00df auf die Formeln blicken zu wollen, ist Molskis Argumentation die Folgende:<\/p>\n<p>Beim Potenzieren nimmt die Konzentration des Wirkstoffes in einer hom\u00f6opathischen Arznei mit jedem Potenzierungsschritt exponentiell ab. Entsprechend n\u00e4hert sich die Konzentration des L\u00f6sungsmittels mit jedem Schritt exponentiell der 100%-Marke. Da man in etwa f\u00fcr jeden Potenzierungsschritt gleich lang arbeitet, kann man diesen Konzentrationszuwachs des L\u00f6sungsmittels auch als eine Funktion der Zeit auffassen und schreiben<\/p>\n<p>S(t) = 1 \u2013 exp(-at) wobei a = ln10\/t<sub>0<\/sub>;<\/p>\n<p>t<sub>0<\/sub> ist die Zeitspanne, die man f\u00fcr einen Potenzierungsschritt (D-Potenzen) ben\u00f6tigt, also eine Konstante. Damit ist auch a eine Konstante. Mit seiner Interpretation der Potenzierung als Funktion \u00fcber die Zeit, hat Molski also einen sehr einfachen mathematischen Zusammenhang f\u00fcr die Konzentrationszunahme des L\u00f6sungsmittels S(t) gefunden.<\/p>\n<p>Da Molski nun eine Funktion der Zeit vor sich hat, kann er diese auch zweimal nach der Zeit differenzieren und erh\u00e4lt formal korrekt die folgende Differentialgleichung<\/p>\n<p>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/DGL.gif\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-678\" alt=\"DGL\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/DGL-300x78.gif\" width=\"300\" height=\"78\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aus diesen Gleichungen zieht Molski seine zentrale Schlussfolgerung: (Frei \u00fcbersetzt)<\/p>\n<p>\u201eDie Funktion S(t) ist ein Spezialfall der West-Brown-Enquist Kurve, die das ontogenetische Wachstum beschreibt. Deshalb \u00e4hnelt der Konzentrationszuwachs des L\u00f6sungsmittels w\u00e4hrend des Potenzierens dem Wachsen biologischer Systeme.\u201c<\/p>\n<p>Sowie:<\/p>\n<p>\u201eMan kann zeigen, dass diese Differentialgleichung ein Spezialfall der nicht lokalen Horodecki-Feinberg-Gleichung f\u00fcr das zeitabh\u00e4ngige Hulth\u00e8n Potential im Falle der kritischen Abschirmung ist. Dieses Ergebnis bedeutet, dass der Prozess der Konzentrationszunahme der L\u00f6sungsmittelmolek\u00fcle w\u00e4hrend der Zubereitung einer hom\u00f6opathischen Arznei in die Klasse der Quasiquantenph\u00e4nomene geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Die letzten S\u00e4tze muss man vermutlich mehrmals lesen, sind sie doch reichlich mit recht speziellen Fachbegriffen aus verschiedenen Fachrichtungen gespickt. Daher Schritt f\u00fcr Schritt betrachtet und einfacher formuliert: Wie sinnvoll sind Molskis Folgerungen?<\/p>\n<p>Streng genommen beschreiben Molskis Gleichungen nicht die Konzentration des L\u00f6sungsmittels und ihre Ver\u00e4nderung, sondern die Wahrscheinlichkeit, in der Mischung zu einem bestimmten Zeitpunkt (bzw. nach einem bestimmten Potenzierungsschritt) nur noch L\u00f6sungsmittelmolek\u00fcle zu finden. Darin liegt aber sicher nicht das Hauptproblem in Molskis Argumentation, lassen wir ihm seine Wortwahl. Mathematisch korrekt sind die Gleichungen.<\/p>\n<p>Molski zeigt zun\u00e4chst, dass die Konzentration des L\u00f6sungsmittels beim Potenzieren zunimmt und zwar genau entgegengesetzt zur Abnahme der Wirkstoffkonzentration. Das ist bei allen Verd\u00fcnnungsprozessen so. Dass beim Potenzieren diese \u00c4nderungen mit Exponentialfunktionen beschrieben werden k\u00f6nnen, liegt einfach am Verfahren, immer in gleichen Schritten zu verd\u00fcnnen.<\/p>\n<p>Viele nat\u00fcrliche Vorg\u00e4nge k\u00f6nnen mit Exponentialfunktionen beschrieben werden. Dieser mathematisch eigentlich sehr einfache Zusammenhang beschreibt Systeme immer dann, wenn die \u00c4nderungsrate einer physikalischen Gr\u00f6\u00dfe (zum Beispiel die Menge eines Stoffes) direkt proportional zur Gr\u00f6\u00dfe selbst ist. Es ist also nicht wirklich \u00fcberraschend, dass Molski exponentielle Zusammenh\u00e4nge auch in anderem Kontext findet.<\/p>\n<p>Nun folgert Molski aus der Tatsache, dass er die zeitliche \u00c4nderung der L\u00f6sungsmittelkonzentration in derselben Weise mathematisch darstellen und differenzieren kann wie andere physikalische Gr\u00f6\u00dfen, dass zu diesen anderen physikalischen Gr\u00f6\u00dfen ein logischer Zusammenhang best\u00fcnde. Zur Beurteilung dieser Schlussfolgerung kommt es zun\u00e4chst gar nicht darauf an, mit welchem Ph\u00e4nomen Molski die logische Verkn\u00fcpfung \u00fcber die Gleichheit der Formel ableitet, sondern nur um die Frage, ob dieser Schritt physikalisch \u00fcberhaupt richtig ist.<\/p>\n<p>Die zu stellende Frage ist also: Beruhen alle Ph\u00e4nomene, die sich mit denselben mathematischen Zusammenh\u00e4ngen darstellen lassen auch auf derselben Physik? Und die Antwort auf diese Frage ist: Nein. Die Beschreibbarkeit zweier Ph\u00e4nomene durch dieselbe mathematische Funktion stellt keinen logischen oder physikalischen Zusammenhang zwischen beiden Ph\u00e4nomenen dar. Molskis Schlussfolgerung ist falsch.<\/p>\n<p>Um sich dies klar zu machen, gen\u00fcgen erheblich einfachere Beispiele.<\/p>\n<p>Zum Beispiel wird in der Physik die gleichf\u00f6rmige Bewegung, also die Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit durch die einfache Formel<\/p>\n<p>s = v \u00b7 t; mit s = zur\u00fcckgelegter Weg; v = Geschwindigkeit, t = verstrichene Zeit<\/p>\n<p>beschrieben. Ein einfacher linearer Zusammenhang. Solche linearen Zusammenh\u00e4nge kennt man aber auch bei ganz anderen physikalischen Gr\u00f6\u00dfen. Zum Beispiel gilt in einem einfachen Stromkreis mit einer einfachen Gl\u00fchbirne konstanter Leistung<\/p>\n<p>E = P \u00b7 t; mit E = verbrauchte elektrische Energie, P = Leistung, t = verstrichene Zeit<\/p>\n<p>Die verbrauchte elektrische Energie einer Gl\u00fchbirne bestimmter Leistung h\u00e4ngt also in derselben Weise von der Zeit ab, wie der zur\u00fcckgelegte Weg, wenn man sich mit konstanter Geschwindigkeit bewegt. Dennoch w\u00fcrde niemand auf die Idee kommen, deswegen die gleichf\u00f6rmige Bewegung logisch mit elektromagnetischen Ph\u00e4nomenen verkn\u00fcpfen zu wollen. Das ist ganz offensichtlicher Unsinn. Genau diesen Schritt macht aber Molski, wenn er aus der Gleichheit der Formel f\u00fcr S(t) mit einer Formel f\u00fcr biologisches Wachstum irgendwelche logischen Analogien folgert.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sich viele Beispiele dieser Art denken. Das Prinzip ist dasselbe: Gerade bei so einfachen Formeln wie linearen, quadratischen oder exponentiellen Zusammenh\u00e4ngen finden wir in der Natur verschiedenste Ph\u00e4nomene, die mit diesen Formeln beschrieben werden k\u00f6nnen. Dennoch steckt jeweils eine vollkommen andere Physik hinter den Beobachtungen.<\/p>\n<p>Erst die Zuordnung der in einer Formel verwendeten Variablen zu realen, messbaren Gr\u00f6\u00dfen stellt die mathematische Formel in einen physikalischen Kontext. Die Formel stellt dann aber nur eine Abh\u00e4ngigkeit der in ihr vorkommenden Gr\u00f6\u00dfen voneinander dar, eine Verkn\u00fcpfung zu anderen Ph\u00e4nomenen liefert sie nicht. Das gilt sowohl f\u00fcr die Formel selbst als auch f\u00fcr die zugrunde liegenden Differentialgleichungen.<\/p>\n<p>Dass Molski also den oben dargestellten einfachen exponentiellen Zusammenhang f\u00fcr S(t) auch in Wachstumsraten biologischer Systeme findet, r\u00fcckt das Potenzieren somit aus Sicht der Physik in keiner Weise in einen biologischen Kontext. Und auch durch die Tatsache, dass die zeitlichen Ableitungen dieser Gleichung sich formal mathematisch so umformen lassen, dass sie wie irgendeine quantenmechanische Gleichung aus komplett anderem Kontext dargestellt werden k\u00f6nnen, macht das Verd\u00fcnnen nicht zu einem quantenmechanischen Vorgang.<\/p>\n<p>Ein Professor f\u00fcr Chemie sollte das eigentlich wissen.<\/p>\n<p>Die Willk\u00fcrlichkeit der ausgew\u00e4hlten physikalischen Ph\u00e4nomene, bei denen hier eine formale Analogie f\u00e4lschlich als physikalische Analogie dargestellt wird, wird deutlich, wenn man sich klar macht, dass daneben etliche weitere physikalische Vorg\u00e4nge existieren, die auf denselben einfachen Zusammenh\u00e4ngen beruhen, die Molski aber in keiner Weise erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Auch beim radioaktiven Zerfall sinkt die Anzahl der Mutterkerne beispielsweise exponentiell, die der Tochterkerne nimmt entsprechend zu. Zwischen Radioaktivit\u00e4t und Hom\u00f6opathie m\u00f6chte Molski jedoch keinen Zusammenhang herstellen, obwohl man hier die Argumentation \u00fcber die Formeln ganz genauso f\u00fchren k\u00f6nnte. Er versucht auch nicht einmal, eine Begr\u00fcndung f\u00fcr seine Auswahl zu geben.<\/p>\n<p>Man findet aber sogar noch einfachere Prozesse in der Natur, die denselben Gleichungen gen\u00fcgen. Als Beispiel sei hier der freie Fall von Gegenst\u00e4nden mit Luftreibung genannt. Bei nicht zu gro\u00dfen Geschwindigkeiten ist die Luftreibung der Fallgeschwindigkeit proportional (Stokes-Gesetz), was dazu f\u00fchrt, dass sich ein Fallschirmspringer oder ein von einem Turm geworfener Basketball nach absolut derselben Formel exponentiell an ihre endg\u00fcltige Fallgeschwindigkeit ann\u00e4hern wie Molskis S(t) an die 1. Ein Vergleich mit diesen Vorg\u00e4ngen zeigt jedoch deutlich, wie unsinnig Molskis Argumentation eigentlich ist. Es ist eben so, wie Markus Ronner gesagt hat: \u201eDass das Saxofon von Adolphe Sax stammt, ist noch kein Beweis daf\u00fcr, dass das Telefon von Wilhelm Tell erfunden worden ist.\u201c<\/p>\n<p>Die Argumentation beruht fundamental auf einer physikalisch falschen Analogie und ist deshalb grunds\u00e4tzlich nicht haltbar.<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt es dann eigentlich gar nicht mehr ins Gewicht, dass Molski formal als Beleg seiner theoretischen \u00dcberlegungen Experimente anf\u00fchrt, die bereits ein Jahr vorher von einer Gruppe deutscher Hom\u00f6opathen ver\u00f6ffentlicht wurden, bei denen allerdings keine der in Molskis Arbeit genannten Formeln \u00fcberhaupt eine Rolle spielt \u2013 daf\u00fcr aber sogenannte \u201eholistische Photonen\u201c und \u201ehom\u00f6opathische Photonen\u201c, die es in der Physik schlichtweg nicht gibt.<\/p>\n<p>Und es ist eigentlich auch nur noch eine Randnotiz, dass Molskis Versuch, \u00fcber diese falsche Analogie der hom\u00f6opathischen Arznei eine \u201evital force\u201c zuzuordnen, schon aus Sicht der Biologie scheitert: Die West-Brown-Enquist Kurve beschreibt zwar das Wachstum verschiedener Organismen, jedoch entwickeln die Autoren ihre Formel aus elementaren biologischen Zellprozessen und f\u00fchren hierzu keinerlei geheimnisvolle Kr\u00e4fte in ihr Modell ein. \u201cHere, we derive a general quantitative model based on fundamental principlesfor the allocation of metabolic energy between maintenance of existing tissue and the production of new biomass. We thus predict the parameters governing growth curves from basic cellular properties\u201d (\u201eA general model for ontogenetic growth, Geoffrey B. West, James H. Brown&amp; Brian J. Enquist , Nature413, 628-631 (11 October 2001), <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v413\/n6856\/abs\/413628a0.html\">Link<\/a>) F\u00fcr West, Brown und Enquist spielen also Stoffwechselprozesse und Eigenschaften der Zelle eine Rolle, nicht aber eine \u201eLebenskraft\u201c \u00e1 la Hahnemann. Selbst wenn die mathematische Analogie also S(t) in diesen biologischen Kontext r\u00fccken w\u00fcrde (was sie wie erl\u00e4utert nicht tut), dann w\u00e4re das f\u00fcr Molskis Argumentation immer noch bedeutungslos, weil auch die ontogenetische Wachstumskurve, mit der er Analogie sucht, keine hom\u00f6opathische Lebenskraft zur Erkl\u00e4rung des Wachstums ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Interessanter ist daher abschlie\u00dfend die Frage, ob Molskis Ergebnisse \u00fcberhaupt zu den Aussagen der Hom\u00f6opathie passen. Die hier vorgestellte Argumentation stellt die zeitliche \u00c4nderung der Konzentration des L\u00f6sungsmittels beim Verd\u00fcnnen in den Mittelpunkt. (\u201eFrom the physical point of view, the precise numbers of shakings and dilutions in the given time sequences, or by an exact number of mixing (triturations) of a diluted medicinal substance is a kind of the homeopathic clock, which permits introduction of the potentization time and description of the time-change of the concentration of the solvent.\u201d)<\/p>\n<p>Aber passt das zu den Aussagen der Hom\u00f6opathie? Nein, ganz offensichtlich nicht. Denn das exakt und vorschriftsm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrte Versch\u00fctteln wird bei Molski allein dazu ben\u00f6tigt, f\u00fcr jeden Potenzierungsschritt eine gleich lange Zeitspanne verstreichen zu lassen. Dabei geht seine \u201ehom\u00f6opathische Uhr\u201c recht ungenau, denn bei aller Sorgfalt d\u00fcrfte es schwer sein, immer auf die Sekunde genau gleich lange f\u00fcr das Versch\u00fctteln und Umf\u00fcllen zu brauchen. Exakter w\u00e4re hier nach Molski, das Versch\u00fctteln ganz sein zu lassen \u2013 da es nach seiner Theorie ja ausschlie\u00dflich dem Einhalten des Zeitschrittes dient \u2013 und eine Stoppuhr zu verwenden. Hahnemann hat jedoch ausdr\u00fccklich und ausf\u00fchrlich beschrieben, wie wichtig das Versch\u00fctteln f\u00fcr die Herstellung der Arzneien ist und wie, ja sogar auf welcher Unterlage es durchzuf\u00fchren ist, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Das macht nun in Molskis Bild keinerlei Sinn mehr, was er allerdings nicht diskutiert.<\/p>\n<p>Hom\u00f6opathische Mittel m\u00fcssten also anders hergestellt werden, wenn Molskis Theorie zutr\u00e4fe. Zwar br\u00e4uchte nicht mehr gesch\u00fcttelt werden, daf\u00fcr m\u00fcsste jedoch die Zeitabfolge \u00fcber den ganzen Potenzierungsprozess streng konstant bleiben. Nimmt man an, dass jeder Potenzierungsschritt 5 Minuten dauert \u2013 f\u00fcr das bisherige Sch\u00fctteln und Verd\u00fcnnen sicher keine unrealistische Zeitspanne \u2013 dann dauert die Herstellung einer D 200 Potenz m\u00f6glichst exakt 1000 Minuten oder 16 Stunden 40 Minuten. Zur exakten Einhaltung dieser Zeit m\u00fcssten die Mitarbeiter logischerweise auf Mittagspausen und Feierabend verzichten \u2013 oder es m\u00fcsste im Schichtbetrieb gearbeitet werden, da der Prozess ja nicht einfach \u00fcber Nacht unterbrochen werden k\u00f6nnte. Und nat\u00fcrlich stellt sich hier auch die Frage der Qualit\u00e4tssicherung: Wie soll gew\u00e4hrleistet werden, dass der Zeitrhythmus bei der Fertigung eingehalten wurde? Sichtbar ist dies an den fertigen Globuli ja nicht.<\/p>\n<p>Das ist aber nur der erste Punkt, der aus der Sicht der Hom\u00f6opathie problematisch ist. Der zweite Punkt ist, dass es f\u00fcr Molskis Argumentation komplett unerheblich ist, welche Substanz denn nun verd\u00fcnnt wird, denn er argumentiert ja ausschlie\u00dflich \u00fcber die Konzentrationsver\u00e4nderungen des L\u00f6sungsmittels. Diese h\u00e4ngen jedoch nur vom Zeitverlauf des Verfahrens ab, nicht vom Ausgangsstoff. Nach Molski w\u00e4re es also komplett egal, welcher Stoff in der Urtinktur enthalten war. Auch auf diesen Punkt geht Molski mit keinem Wort ein.<\/p>\n<p>Drittens kann auch Molskis Modell niemals, selbst wenn man alles andere au\u00dfer Acht lassen w\u00fcrde, die Wirkung hom\u00f6opathischer Hochpotenzen erkl\u00e4ren, bei denen etliche Verd\u00fcnnungsschritte durchgef\u00fchrt wurden, ohne dass irgendetwas weiter verd\u00fcnnt wurde. In der Praxis wird ab bestimmten Potenzen die Konzentration des L\u00f6sungsmittels nicht weiter zunehmen k\u00f6nnen, weil bereits kein einziges Wirkstoffmolek\u00fcl mehr im vorherigen Schritt enthalten war. (Hier wird noch einmal wichtig, dass S(t) ja eigentlich nur die Wahrscheinlichkeit war, in der Mischung ausschlie\u00dflich L\u00f6sungsmittelmolek\u00fcle zu finden.) Molskis Formeln k\u00f6nnen diesen Fall eigentlich nicht mehr beschreiben, weil sie das Erreichen dieses Zustandes als Grenzwert nach unendlicher Zeit darstellen. Beim realen Verd\u00fcnnen mit geringen Stoffmengen l\u00e4uft man jedoch in endlicher Zeit nach endlich vielen Schritten in diesen Fall. Damit k\u00f6nnte man aus Molskis Formeln niemals argumentieren, dass Hochpotenzen eine immer gr\u00f6\u00dfere Wirkung haben. Auch das ist aber eine Kernaussage der Hom\u00f6opathie.<\/p>\n<p>Jeder Hom\u00f6opath w\u00fcrde daher heftig gegen Molskis Erkl\u00e4rungsansatz protestieren &#8211; wenn es nicht so sch\u00f6n w\u00e4re, dass es wieder einmal einen &#8222;Beweis&#8220; f\u00fcr die Hom\u00f6opathie gibt. Aus Sicht der Physik kann man nur sagen, dass die hier vorgestellte Argumentation grundlegend falsch ist. Und selbst wenn sie g\u00fcltig w\u00e4re, k\u00f6nnte sie die Hom\u00f6opathie bei genauer Betrachtung nicht erkl\u00e4ren. Dies f\u00e4llt den meisten Lesern jedoch nicht auf, weil Molskis Arbeit mit Fachausdr\u00fccken nur so gespickt ist und dadurch wissenschaftlicher wirkt, als sie es tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person der Autorin:<\/strong><\/p>\n<address style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-680 alignleft\" alt=\"Ute\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Ute-209x300.jpg\" width=\"97\" height=\"140\" srcset=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Ute-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Ute.jpg 309w\" sizes=\"(max-width: 97px) 100vw, 97px\" \/>Mein Name ist Ute Parsch, ich bin 46 Jahre alt und wohne aktuell in M\u00fcnchen, stamme aber aus Franken. Nach dem Abitur habe ich an der Friedrich Alexander Universit\u00e4t in Erlangen Physik studiert und 1992 im Fachbereich Astrophysik mein Diplom erworben. Danach verlie\u00df ich die Universit\u00e4t in Richtung Siemens und war dort im Systemtest f\u00fcr Fehlersuche im Bereich der Telefongeb\u00fchrensoftware zust\u00e4ndig. Nach der Geburt meines Sohnes musste ich allerdings meine berufliche T\u00e4tigkeit unterbrechen.<\/address>\n<address>F\u00fcr alternative Medizin und Hom\u00f6opathie im Speziellen begann ich mich zu interessieren, weil mir f\u00fcr meinen Sohn wiederholt sowohl von Bekannten als auch von Apothekern entsprechende Mittel empfohlen wurden, die vorgebrachten Argumente oder dargestellten Wirkmechanismen aber stets mit meinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen im Widerspruch lagen. In dieser \u00dcberzeugung hat mich bisher auch das umfangreiche Material an B\u00fcchern und Studien, die ich bisher zu diesem Thema gelesen habe, immer wieder best\u00e4tigt.<\/address>\n<address>\u00a0<\/address>\n<address>\u00a0<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich freue mich sehr, diesen Gastbeitrag von Ute Parsch ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen. Darin wird ein Thema behandelt, eine Arbeit \u00fcber die quantenmechanische Modellbildung der Potenzierung, das ziemlich an der Grenze meiner eigenen Fachkompetenz liegt, allerdings\u00a0von der falschen Seite her. Es &hellip; <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=676\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/676"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=676"}],"version-history":[{"count":18,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/676\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":692,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/676\/revisions\/692"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}