{"id":5035,"date":"2018-12-23T16:03:22","date_gmt":"2018-12-23T15:03:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=5035"},"modified":"2020-01-13T13:55:26","modified_gmt":"2020-01-13T12:55:26","slug":"ibuprofen-vs-belladonna-c6-in-der-kieferorthopaedie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=5035","title":{"rendered":"Ibuprofen vs. Belladonna C6 in der Kieferorthop\u00e4die"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D5035\" data-timestamp=\"1578923726\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D5035\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 1<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D5035&text=Ibuprofen%20vs.%20Belladonna%20C6%20in%20der%20Kieferorthop%C3%A4die\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>\n<p>Im Indian Journal of Research in Homeopathy wurde vor einiger Zeit eine Studie ver\u00f6ffentlicht, in der hom\u00f6opathisch aufbereitetes Belladonna als Schmerzmittel erprobt wurde [1]. Diese Arbeit hat auch Herrn Behnke von der Carstens-Stiftung auf Twitter dazu veranlasst, hom\u00f6opathisches Belladonna mit wirksamen Schmerzmitteln gleichzusetzen (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/JensBehnkeDE\/status\/1070697689103372291\">Link<\/a>), was genug Veranlassung ist, diese Studie n\u00e4her zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"575\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/crocodile-1660512_1280-1024x575.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5040\" srcset=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/crocodile-1660512_1280-1024x575.jpg 1024w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/crocodile-1660512_1280-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/crocodile-1660512_1280-768x431.jpg 768w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/crocodile-1660512_1280.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3> Was wurde untersucht? <\/h3>\n\n\n\n<p>In der Kieferorthop\u00e4die gibt es offensichtlich recht schmerzhafte und unangenehme Anwendungen. Als Vorbereitung auf den Einsatz einer festen Zahnspange muss beispielsweise Platz zwischen den Z\u00e4hnen geschaffen werden, in denen dann die Metallb\u00fcgel der Spange zu liegen kommen. Um diesen Platz zu schaffen, werden dem Patienten sogenannte Separiergummis zwischen die Z\u00e4hne eingebracht, die diese auseinanderdr\u00fccken sollen (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WuI6C2fhTkg\">Link<\/a>). Dies klingt nicht nur schmerzhaft, das ist es wohl auch, wobei sich ein charakteristischer Verlauf ergibt: Nach der Applikation steigt der Schmerz an, erreicht nach etwa 24 Stunden seinen H\u00f6hepunkt und nimmt dann im  Laufe der n\u00e4chsten 6 Tage in dem Ma\u00dfe wieder ab, wie sich die Zwischenr\u00e4ume erweitern.  <\/p>\n\n\n\n<p>Naturgem\u00e4\u00df wird versucht, dem Patienten durch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol Linderung zu verschaffen. Diese h\u00e4tten aber, so schreibt der Autor, den Nachteil, entz\u00fcndungshemmend zu wirken, was kontraproduktiv sei, denn Entz\u00fcndungen seien bei dieser Behandlung erw\u00fcnscht. Was allerdings etwas merkw\u00fcrdig klingt. Wahrscheinlich ist der Einfluss auf Stoffwechselprozesse gemeint, den solche Schmerzmittel tats\u00e4chlich haben, allerdings in einem wohl eher zu vernachl\u00e4ssigenden Ausma\u00df.  <\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie dem auch sei: Es geht um die Wirkung von Belladonna C6 in der Schmerzunterdr\u00fcckung. Und der Ausgangspunkt der Untersuchung ist es eben genau nicht, dass dies dem Ibuprofen gleicht, denn jenem Hom\u00f6opathikum wird die entz\u00fcndungshemmende Wirkung abgesprochen, was bei der normalen Schmerzbehandlung doch eine w\u00fcnschenswerte Eigenschaft sein d\u00fcrfte. Also schon vom Eingang her: Belladonna C6 ist nicht gleich Ibuprofen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nwurden insgesamt 80 Patienten untersucht. Die Verumgruppe (40\nTeilnehmer) erhielt 4 K\u00fcgelchen Belladonna C6 (die in Indien um\neiniges gr\u00f6\u00dfer sind als hierzulande), die Kontrollgruppe (ebenfalls\n40 Teilnehmer) erhielt hingegen zwei Ibuprofen 400. Diese waren in\nzwei Dosen jeweils eine Stunde vor der Applikation und 6 Stunden nach\nder Applikation einzunehmen. Es gab keine Placebogruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel der Studie war es also, aufzuzeigen, dass das hom\u00f6opathische Pr\u00e4parat genauso wirksam sei oder vielleicht gar wirksamer als das bekannte Schmerzmittel. Die Patienten wurden zwar per Zufall auf die beiden Gruppen verteilt, \u00fcber eine Verblindung wird aber nichts gesagt. Allerdings macht bei einer solchen Non-inferiority-Studie die Verblindung zumindest der Behandler nicht so sehr viel Sinn, denn es ist ja gerade das Ziel, dass man in beiden Gruppen die gleichen Ergebnisse erreicht. Lediglich der Placeboeffekt bei den Patienten k\u00f6nnte durch eine Verblindung vermieden werden.  <\/p>\n\n\n\n<h3>Ergebnisse<\/h3>\n\n\n\n<p>Zu insgesamt sieben Zeitpunkten beurteilten die Patienten ihr Schmerzempfinden mit Hilfe einer visuellen Analogskala (\u201evisual analogue scale\u201c &#8211; VAS), ein oft angewandtes Mittel, um das nur schwer beschreibbare individuelle  Schmerzempfinden einer Auswertung zug\u00e4nglich zu machen. Der Patient markiert dabei auf einer 10 cm (100 mm) langen Skala einen Punkt, wie er seinen Schmerz bewertet. \u00dcblicherweise bedeutet ein Strich bei 0 cm keinen Schmerz, bei 10 cm einen extrem starken. Naturgem\u00e4\u00df ist dies keine exakte Messung, denn es kann nicht sichergestellt werden, dass zwei Patienten die gleiche subjektive Empfindung auch mit dem gleichen Skalenwert bewerten. Man kann damit eigentlich nur die Ver\u00e4nderung  einigerma\u00dfen zuverl\u00e4ssig erfassen, die ein Patient erlebt. Dennoch ist die visuelle Analogskala das beste praktikable Mittel, um den Verlauf einer Schmerztherapie zu beurteilen. Die folgende Grafik ist nach den Zahlenangaben in der Arbeit nachgezeichnet:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" width=\"477\" height=\"341\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Patil-Ergebnisse.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5039\" srcset=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Patil-Ergebnisse.png 477w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Patil-Ergebnisse-300x214.png 300w\" sizes=\"(max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wie man sieht, bestehen leichte Vorteile f\u00fcr Ibuprofen, aber im Wesentlichen haben die Patienten in beiden Gruppen ihre Schmerzen gleich bewertet, was f\u00fcr die Autoren und auch f\u00fcr Herrn Behnke ausreicht \u2013 trotz der unterschiedlichen Wirkung auf Entz\u00fcndungen &#8211; das Hom\u00f6opathikum dem wirksamen Medikament gleichzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit k\u00f6nnte die Studie in der Tat ganz ordentlich aussehen. Wie der Vergleich mit \u00e4hnlichen Studien zur konventionellen Medizin zeigt, haben sich die Autoren in etwa an die Medikamentierung und auch an die Art der Datenerfassung gehalten, wie sie in diesem Bereich \u00fcblich zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Also\nalles gut soweit? Hier ist jetzt der Beweis, wie ihn die Skeptiker\nschon lange fordern? \n<\/p>\n\n\n\n<p>Eher\nnicht. \n<\/p>\n\n\n\n<h3>Tricks<\/h3>\n\n\n\n<p>Was den Eindruck allerdings etwas st\u00f6rt, sind gewisse M\u00e4tzchen, mit denen die Autoren versuchen, die Gleichheit der Ergebnisse zu unterstreichen. Es werden zwar die Ergebnisdaten in einer Tabelle aufgelistet, aber die grafische Darstellung dient eher der Verschleierung. Hier die Originalgrafik: <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"594\" height=\"521\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Patil_Ergebnisse.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5044\" srcset=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Patil_Ergebnisse.png 594w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Patil_Ergebnisse-300x263.png 300w\" sizes=\"(max-width: 594px) 100vw, 594px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In diesem Boxplot sind neben den Mittelwerten der beiden Gruppen (die schwarzen horizontalen Striche) auch die Quartile und die Streubreiten angegeben, worauf aber hier nicht n\u00e4her eingegangen werden soll. Rein optisch soll diese Grafik offensichtlich die Gleichheit der Effekte beider Mittel unterstreichen. Dieser Eindruck entsteht durch den Trick, dass man die Werte auf volle F\u00fcnfer rundet. Dies ist ein Taschenspielertrick, der in einer seri\u00f6sen Ver\u00f6ffentlichung nichts, aber auch gar nichts verloren hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autoren haben f\u00fcr jeden einzelnen Beobachtungspunkt einen t-Test als Signifikanztest durchgef\u00fchrt sowie das Gesamtergebnis einer Varianzanalyse unterzogen. Als bestes Resultat ergab sich zum Zeitpunkt 6 h nach Applikation ein p-Wert von 0,073 und f\u00fcr den Gruppenvergleich von 0,086. Damit ist die Schwelle f\u00fcr eine statistische Signifikanz nur knapp verfehlt (p &lt; 0,05).<\/p>\n\n\n\n<p>Frage: Wenn dies eine normale Studie gewesen w\u00e4re, in der man die Wirkung des Hom\u00f6opathikums gegen Placebo untersucht h\u00e4tte, und es w\u00e4re dieses Ergebnis zustande gekommen: Wie h\u00e4tte man dann argumentiert? Dass keine Unterschiede aufgetreten sind? Oder h\u00e4tte man klare Trends f\u00fcr eine Wirksamkeit identifiziert? Mit einer sogar recht deutlichen Effektst\u00e4rke von ungef\u00e4hr einer halben Standardabweichung?  Oder h\u00e4tte man vielleicht sogar durch ein gewisses P-Hacking doch irgendwie die 0,05 zu erreichen versucht? In einer Meta-Analyse h\u00e4tte ein solches Studienergebnis jedenfalls die Evidenz F\u00dcR eine \u00fcber Placebo hinausgehende Wirksamkeit verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<h3>Bewertung<br><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis bedeutet zun\u00e4chst lediglich, dass die durchgef\u00fchrte hom\u00f6opathische Behandlung in dieser Studie zu den gleichen Effekten gef\u00fchrt hat wie die durchgef\u00fchrte Behandlung mit Ibuprofen. M\u00fcssen wir deshalb die vielfach bew\u00e4hrten Erkenntnisse der Naturwissenschaften \u00fcber Bord werfen?  <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt mehrere Arbeiten, in denen die Wirkungen von Schmerzmitteln bei einer kieferorthop\u00e4dischen Behandlung untersucht wurden. In der Arbeit von Polat aus dem Jahr 2005 ist die Wirkung verschiedener Schmerzmittel im Vergleich zu Placebo ermittelt worden [2]. F\u00fcr verschiedene \u00dcbungen (Bei\u00dfen, Kauen, Z\u00e4hne vorne aufsetzen, Z\u00e4hne hinten aufsetzen) sind auf die gleiche Weise wie bei der hier betrachteten Arbeit und zu den gleichen Beobachtungszeiten die Schmerzempfindungen der Patienten ermittelt worden. Ergebnis der Placebogruppe:  <\/p>\n\n\n\n<p>Die Schmerzen wurden zwei Stunden nach der Applikation mit knapp 4 cm auf der Skala bewertet, nach sechs Stunden lagen sie wie nach 24 Stunden zwischen 5 und 6 cm und nahmen dann ab.  <\/p>\n\n\n\n<p>Unter Ibuprofen lagen sie nach zwei Stunden zumeist unter 2 cm (au\u00dfer beim Kauen), nach sechs Stunden ebenso wie nach 24 Stunden zwischen 2 und 3 cm.  <\/p>\n\n\n\n<p>In einer anderen Arbeit von Minor et al [3] sind unter Ibuprofen nach zwei und sechs Stunden im Schnitt in allen Tests Schmerzintensit\u00e4ten ebenfalls zwischen 2 und 3 cm verzeichnet worden.  <\/p>\n\n\n\n<p>War es also m\u00f6glicherweise nicht die gute Wirkung des Belladonna, die zu dem geringen Unterschied gef\u00fchrt hat, sondern die erstaunlich geringe Wirkung des Ibuprofen? Hier zeigt sich, dass es sinnvoll gewesen w\u00e4re, wenn eine Placebogruppe mitgef\u00fchrt worden w\u00e4re, wodurch aber eine Verblindung zwingend erforderlich gewesen w\u00e4re.  <\/p>\n\n\n\n<p>Dass das wirksame Schmerzmittel nicht zur Geltung kam, ist durchaus denkbar. Wenn man die Patienten eindringlich \u00fcber die Nebenwirkungen des Ibuprofen informiert, die immerhin von Sodbrennen, Bl\u00e4hungen und Verstopfungen bis zu Magen- und Zw\u00f6lffingerdarmgeschw\u00fcren reichen k\u00f6nnen, wenn vielleicht auch auf das erh\u00f6hte Risiko von Schlaganfall und Herzinfarkt hingewiesen wurde, dann haben es die Patienten vielleicht vorgezogen, lieber den Schmerz zu ertragen. Oder hat das Ibuprufen infolge des abgelaufenen Verfalldatums oder zu warmer Lagerung (\u00fcber 30 \u00b0C) seine Wirksamkeit eingeb\u00fc\u00dft? Oder liegt der Messpunkt sechs Stunden nach Applikation, das hei\u00dft sieben Stunden nach der Einnahme des Mittels, au\u00dferhalb der Wirksamkeitsdauer? Oral eingenommen erreicht die Konzentration im Blutplasma nach etwa einer Stunde das Maximum \u2013 das w\u00e4re zum Zeitpunkt der Applikation. Danach liegt die Halbwertszeit aber bei etwa zwei bis drei Stunden, das hei\u00dft, zum Zeitpunkt der Messung lag die urspr\u00fcnglich schon vergleichsweise geringe Dosis bei nur noch einem Viertel.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher schwer zu sagen, was die Ursache gewesen sein k\u00f6nnte, und von hier aus ist das auch nicht endg\u00fcltig zu beurteilen. Es scheint aber sinnvoll, erst dann von einem belastbaren Ergebnis auszugehen, wenn diese Studie unter Hinzuf\u00fcgung einer Placebogruppe unabh\u00e4ngig repliziert worden ist. Es gibt einfach zu viele M\u00f6glichkeiten, deren Eintreten wesentlich wahrscheinlicher erscheint als dass das vielfach bew\u00e4hrte Wissen aus Medizin und Naturwissenschaften unzutreffend w\u00e4re bzw. nur im Zusammenhang mit der Hom\u00f6opathie ein eigener Mikrokosmos mit eigenen Naturgesetzen existiert.  <\/p>\n\n\n\n<h3>Was w\u00e4re wenn &#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir\nk\u00f6nnen aber in der Zwischenzeit eine andere Frage aufwerfen: Was\nw\u00fcrde es bedeuten, wenn diese Studie tats\u00e4chlich best\u00e4tigt w\u00fcrde?<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst\nw\u00e4re dann nachgewiesen, dass die Grunds\u00e4tze der Hom\u00f6opathie\nweitestgehend falsch sind. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re dann n\u00e4mlich gezeigt, dass die oftmals behauptete starke Individualisierung der Hom\u00f6opathie, die eine gr\u00fcndliche Anamnese und genaue Mittelwahl als Grundvoraussetzung f\u00fcr den Erfolg ansieht, nicht gegeben ist. Hier wurde ein Mittel ohne weiteres auf eine Gruppe Patienten angewendet, deren gemeinsames Merkmal m\u00f6glicherweise nur aus der Notwendigkeit einer kieferorthop\u00e4dischen Ma\u00dfnahme besteht. Wenn das Erfolg hatte, ist die teure Erstanamnese obsolet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Grunds\u00e4tze der Hom\u00f6opathie stimmen w\u00fcrden, dann w\u00e4re auch gezeigt, dass Belladonna offenbar ganz allgemein Schmerzen hervorrufen kann, wie sie entstehen, wenn man die Z\u00e4hne auseinanderdr\u00fcckt. Sollte dies bei der Anwendungen von Belladonna noch nicht des \u00f6fteren beobachtet worden sein, w\u00e4re das \u00c4hnlichkeitsprinzip damit widerlegt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Man m\u00fcsste sich auch fragen, ob die Materia medica stimmt, denn zumindest in der Version, wie sie den Angaben auf der Webseite des DZVh\u00c4 zugrunde liegen, wird \u00fcber die Behandlung von akuten, von au\u00dfen aufgebrachten Schmerzen mit Belladonna nichts gesagt. Dagegen wird der Einsatz empfohlen, wenn die typischen Entz\u00fcndungszeichen vorliegen, also Hitze, R\u00f6tung, Schwellung, Schmerz (<a href=\"https:\/\/www.homoeopathie-online.info\/belladonna-tollkirsche\/\">Link<\/a>). Das Schmerzmittel der Wahl w\u00e4re hier wohl eher Arnica.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte auch dar\u00fcber diskutieren, ob aus dieser Studie nicht zu schlie\u00dfen w\u00e4re, dass das Konzept der verstimmten Lebenskraft, worauf die Krankheitslehre der Hom\u00f6opathie aufbaut, nicht stimmt. Schlie\u00dflich ist es doch ein Zeichen einer funktionierenden Lebenskraft, dass sie mit Schmerzen darauf reagiert, wenn dem zuvor gesunden K\u00f6rper pl\u00f6tzlich  von  au\u00dfen heftige Irritationen aufgepr\u00e4gt werden. Diesen Reflex abzustellen m\u00fcsste doch mit einer Verstimmung der Lebenskraft einhergehen, weil damit ein wesentliches Element der Schutz- und Abwehrmechanismen des K\u00f6rpers au\u00dfer Kraft gesetzt werden w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst: Die Studie kann nicht \u00fcberzeugen, da es zu viele M\u00f6glichkeiten gibt, dass dieses Ergebnis eher durch Unstimmigkeiten bei der Wirkung des Ibuprophen liegt als durch nur in winzigsten Spuren zugef\u00fchrtes Belladonna. Allerdings sollten sich die Hom\u00f6opathen \u00fcberlegen, ob eine positive unabh\u00e4ngige Replikation wirklich die Grunds\u00e4tze der Hom\u00f6opathie best\u00e4tigen w\u00fcrde. Zumindest die Lehren Hahnemanns wohl eher nicht.  <\/p>\n\n\n\n<h3>Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p>[1] Patil HA, Patil J, Kerudi VV et al.: Comparison of the efficacy of ibuprofen and Belladonna in the control of orthodontic separator pain, Indian Journal of Research in Homeopathy (2018); 12:29-34 (<a href=\"http:\/\/www.ijrh.org\/article.asp?issn=0974-7168;year=2018;volume=12;issue=1;spage=29;epage=34;aulast=Patil\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Polat O, Karaman AI:Pain Control During Fixed Orthodontric Appliance Therapy, Angle Orthodontist (2005); 75(2): 214-219 (<a href=\"http:\/\/www.angle.org\/doi\/pdf\/10.1043\/0003-3219(2005)075%3C0210%3APCDFOA%3E2.0.CO%3B2\">Link<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Minor V, Marris CK et al.: Effects of preoperative ibuprofen on pain after separator placement. Am J Orthod Dentofacial Orthop 2009;136:510-7 (<a href=\"https:\/\/s3.amazonaws.com\/academia.edu.documents\/42096458\/Effects_of_preoperative_ibuprofen_on_pai20160204-16923-1a08142.pdf?AWSAccessKeyId=AKIAIWOWYYGZ2Y53UL3A&amp;Expires=1545410577&amp;Signature=PgfLNBqeFAuwKZc1aMAX7VApKDo%3D&amp;response-content-disposition=inline%3B%20filename%3DEffects_of_preoperative_ibuprofen_on_pai.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<br><\/p>\n\n\n\n<p>Bild: Pixabay<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Indian Journal of Research in Homeopathy wurde vor einiger Zeit eine Studie ver\u00f6ffentlicht, in der hom\u00f6opathisch aufbereitetes Belladonna als Schmerzmittel erprobt wurde [1]. Diese Arbeit hat auch Herrn Behnke von der Carstens-Stiftung auf Twitter dazu veranlasst, hom\u00f6opathisches Belladonna mit &hellip; <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=5035\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,9,8],"tags":[32,31,34,33],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5035"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5035"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5035\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5422,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5035\/revisions\/5422"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5035"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5035"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}