{"id":3709,"date":"2018-11-28T21:19:04","date_gmt":"2018-11-28T20:19:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3709"},"modified":"2020-01-13T13:55:43","modified_gmt":"2020-01-13T12:55:43","slug":"faktencheck-von-jens-behnkes-faktencheck-zu-ndr-info-redezeit-vom-21-11-2018","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3709","title":{"rendered":"Faktencheck von Jens Behnkes Faktencheck zu NDR-Info &#8222;Redezeit&#8220; vom 21.11.2018"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3709\" data-timestamp=\"1578923743\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3709\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 7<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3709&text=Faktencheck%20von%20Jens%20Behnkes%20Faktencheck%20zu%20NDR-Info%20%E2%80%9ERedezeit%E2%80%9C%20vom%2021.11.2018\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Am 21. November 2018 wurde von NDR Info eine Live-Sendung im Radio ausgestrahlt, in der sich Zuh\u00f6rer und Studiog\u00e4ste zum Thema \u201eStreit um die Hom\u00f6opathie \u2013 Wie sinnvoll sind Globuli?\u201c \u00e4u\u00dfern konnten. Als Studiog\u00e4ste waren Dr. Jens Behnke von der Carstens Stiftung, Hinnerk Feldwisch-Drendrup von MedWatch und ich vom INH beteiligt (<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/info\/sendungen\/redezeit\/Streit-um-die-Homoeopathie,sendung834628.html\" class=\"broken_link\">Link<\/a>). <!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Studio-Freiburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3713 alignleft\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Studio-Freiburg.jpg\" alt=\"\" width=\"329\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Studio-Freiburg.jpg 819w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Studio-Freiburg-300x290.jpg 300w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Studio-Freiburg-768x744.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/><\/a>Herr Behnke hat nun auf &#8222;naturundmedizin&#8220; einen \u201eFaktencheck\u201c vorgestellt, in dem er zu den Aussagen der Skeptiker Stellung nimmt (<a href=\"https:\/\/donotlink.it\/grmv\" class=\"broken_link\">Link<\/a>), wonach es keine belastbare Evidenz daf\u00fcr gibt, dass die Hom\u00f6opathie eine Wirksamkeit \u00fcber Placebo hinaus entfalten w\u00fcrde. Hier soll zun\u00e4chst eine Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Aussage geliefert werden, an der dann nachfolgend die Aussagen von Herrn Behnke gespiegelt werden.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4re belastbare Evidenz?<\/strong><\/p>\n<p>Belastbare Evidenz f\u00fcr eine \u00fcber Placebo hinausgehende Wirksamkeit eines Arzneimittels beruht auf klinischen Studien, die so angelegt sind, dass sie die tats\u00e4chliche Wirksamkeit des Mittels m\u00f6glichst real wiedergeben. Das ist allerdings infolge der unterschiedlichen individuellen Gegebenheiten der Testpersonen nicht so einfach zu erreichen. Die Qualit\u00e4t einer Studie wird daran gemessen, ob gewisse Kriterien eingehalten worden sind, solche verf\u00e4lschende Einfl\u00fcsse (\u201eBias\u201c) auf das Ergebnis gering zu halten. Beispielsweise ob die Patienten hinreichend verblindet waren oder die Auswahl der Testgruppen auf einem Zufallsprinzip beruhte. Details <a href=\"http:\/\/www.hom\u00f6opedia.eu\/index.php\/Artikel:Systematische_Reviews_zur_Hom\u00f6opathie_-_Methodik#Bewertung_der_einzelnen_Studien\">hier<\/a> im Artikel zur Methodik von systematischen Reviews auf der Hom\u00f6opedia des INH.<\/p>\n<p>Studien von hoher Qualit\u00e4t (\u201elow risk of bias\u201c) zeichnen sich dadurch aus, dass die Ergebnisse den wahren Sachverhalt wahrscheinlich recht treffend wiedergeben, bei mittlerer Qualit\u00e4t (\u201eunclear risk of bias\u201c) ist dies zumindest unklar und bei schlechten Studien ist das Ergebnis wahrscheinlich nicht zuverl\u00e4ssig (\u201ehigh risk of bias\u201c). Fatalerweise wirken die St\u00f6rungen zumeist in Richtung auf einen zu starken Effekt [8]. Das ist kein Problem speziell der Hom\u00f6opathie, sondern gilt f\u00fcr klinische Studien ganz allgemein.<\/p>\n<p><strong>Wie viele gute Studien gibt es f\u00fcr die Hom\u00f6opathie?<\/strong><\/p>\n<p>Selbstredend beruht zuverl\u00e4ssige Evidenz auf qualitativ hochwertigen Studien, die den wahren Sachverhalt wahrscheinlich zutreffend wiedergeben. Die Frage ist nun, wie viele der in wissenschaftlichen Journalen ver\u00f6ffentlichten Studien zur Hom\u00f6opathie erf\u00fcllen diese Kriterien?<\/p>\n<p>Hier braucht man sich auch nicht auf die Aussagen der Skeptiker und Hom\u00f6opathiekritiker zu verlassen. Das britische Homeopathy Research Institute (HRI), also die Forschungsvereinigung der britischen Hom\u00f6opathieverb\u00e4nde, unternimmt es seit einiger Zeit, die vorliegenden Studien zu sichten. Bislang hat RT Mathie, der f\u00fcr das HRI arbeitet, drei Systematische Reviews ver\u00f6ffentlicht, in denen die Studien jeweils alle Indikationen \u00fcbergreifend nach verschiedenen Gesichtspunkten zusammengefasst sind. Bei der Bewertung der Studienqualit\u00e4t kam er zu folgenden Ergebnissen:<\/p>\n<ul>\n<li>Von 32 placebokontrollierten Studien zur individualisierten Hom\u00f6opathie waren 20 von schlechter Qualit\u00e4t, 12 von mittlerer und keine von hoher Qualit\u00e4t. [1]<\/li>\n<li>Von 75 placebokontrollierten Studien zur nicht-individualisierten Hom\u00f6opathie waren 49 von schlechter Qualit\u00e4t, 24 von mittlerer und nur 2 von guter Qualit\u00e4t [2]<\/li>\n<li>Von 11 Studien zur individualisierten Hom\u00f6opathie waren 10 von schlechter Qualit\u00e4t, 1 von mittlerer Qualit\u00e4t und keine einzige von guter Qualit\u00e4t.[3]<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Summe bedeutet dies, dass von den 118 bisher untersuchten Studien nur 2 von guter Qualit\u00e4t waren und die aufgetretenen Effekte mit einiger Wahrscheinlichkeit treffend wiedergaben. Diese Arbeiten waren:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine von Boiron, dem gr\u00f6\u00dften Hersteller f\u00fcr Hom\u00f6opathika, finanzierte Arbeit \u00fcber den Einsatz eines Komplexpr\u00e4parats der Fa. Boiron bei Hitzewallungen infolge der Menopause bei Frauen, das nach Indikation angewandt wird. Zwei der vier Autoren gaben Boiron als Zugeh\u00f6rigkeit an. Hier zeigten sich signifikante Vorteile der Hom\u00f6opathiegruppe [4].<\/li>\n<li>Eine Arbeit \u00fcber die hom\u00f6opathische Behandlung von Bleivergiftungen, bei der kein Unterschied zu Placebo festgestellt werden konnte [5].<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist es. Nur zwei hochwertige Arbeiten, deren eine keinen Vorteil \u00fcber Placebo hinaus erbrachte und die andere durch einen deutlichen Interessenkonflikt gekennzeichnet ist und daher dringend einer unabh\u00e4ngigen Replikation bed\u00fcrfte, um als valider Nachweis gelten zu k\u00f6nnen. Allerdings: Sollte sich die Boiron-Studie als stichhaltig erweisen, w\u00e4ren die Grunds\u00e4tze der Hom\u00f6opathie eher widerlegt als best\u00e4tigt: Die Verordnung bzw. Einnahme erfolgt nach Befund (Hitzewallungen nach der Menopause) und es handelt sich um ein Komplexmittel, beides ist mit den Grunds\u00e4tzen der Hom\u00f6opathie nach Hahnemann unvereinbar.<\/p>\n<p>Dies ist die Situation, die wir Kritiker der Hom\u00f6opathie darin zusammenfassen, dass es keine belastbare Evidenz zur Hom\u00f6opathie gibt, und die wir f\u00fcr zutreffend halten, weil sich dieser Befund in allen vorliegenden systematischen \u00dcbersichtsarbeiten wiederfindet und in diesem Falle hier sogar von einem Mitarbeiter einer Hom\u00f6opathie-Organisation publiziert wurde.<\/p>\n<p><strong>Was sagt Herr Behnke?<\/strong><\/p>\n<p>Die Aussagen von Herrn Behnke zur Forschungslage sind nachpr\u00fcfbar falsch, wie man leicht \u00fcberpr\u00fcfen kann:<\/p>\n<p>Die englische Faculty of Homeopathy, Herausgeber von \u201eHomeopathy\u201c, einem wissenschaftlichen Fachjournal, schreibt auf ihrer Webseite, dass es bis Ende 2014 104 placebokontrollierte Studien gegeben h\u00e4tte, von denen 43 zu positiven Schlussfolgerungen gekommen w\u00e4ren. Bei 56 konnte kein signifikanter Unterschied zu Placebo festgestellt werden und bei 5 schnitt die Hom\u00f6opathiegruppe sogar schlechter ab als Placebo (<a href=\"https:\/\/facultyofhomeopathy.org\/research\/\" class=\"broken_link\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>Herrn Behnkes Aussage, dass die Studien mehrheitlich einen Vorteil der Hom\u00f6opathie aufzeigen, ist also schlicht falsch.<\/p>\n<p>Wenn man die wahren Effekte der gepr\u00fcften Mittel bzw. Therapie herausfinden will, muss man sich auf die qualitativ guten Studien st\u00fctzen. Das sind nun mal nur sehr wenige, \u00fcber 90 % der Studien ergeben aufgrund methodischer M\u00e4ngel mit einiger Wahrscheinlichkeit nur ein verzerrtes Bild. Hier hat Herr Behnke durchaus Recht \u2013 allerdings nicht darin, dass dieser Ausschluss nach nicht nachvollziehbaren Kriterien erfolge, sondern, wie bei Mathie nachzulesen, auf einer Bewertung der Studienqualit\u00e4t beruht.<\/p>\n<p>Auch der Erfolg des in der Vergangenheit durchgef\u00fchrten hervorragenden Marketings pro Hom\u00f6opathie ist nicht in Abrede stellen. Es ist schon eine reife Leistung, einer wissenschaftlich aufgekl\u00e4rten Gesellschaft, in der ein gro\u00dfer Anteil der B\u00fcrger eine h\u00f6here Schulbildung genossen hat, Verdunstungsr\u00fcckst\u00e4nde von destilliertem Wasser oder medizinischem Alkohol auf Zucker als eine wirkm\u00e4chtige Therapieform nahezubringen. Es war allerdings erfreulich, dass doch ein bemerkenswerter Anteil der vor der Sendung in einer Stra\u00dfenerhebung befragten Passanten offenbar wusste, dass in Hom\u00f6opathika kein Wirkstoff in nennenswertem Umfang enthalten ist, und dass es eine Frage des Glaubens ist, ob sie wirken. Gerne will ich darin einen Erfolg unserer Aufkl\u00e4rungsarbeit sehen, aber ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss bleibt ein solcher, auch wenn er sich gut anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Herr Behnke hat offenbar auch die Idee der Evidenzbasierten Medizin nicht so recht verstanden. Richtig, es sind drei S\u00e4ulen, auf denen diese ruht, n\u00e4mlich neben der bestm\u00f6glichen Evidenz auch die Expertise des behandelnden Arztes und die Pr\u00e4ferenzen des Patienten. Aber das bedeutet nicht, dass man einem Patienten einreden soll, weitestgehend wirkstofflose Zuckerk\u00fcgelchen oder andere Darreichungsformen seien ein wirksames Arzneimittel, die Wirkung in den sch\u00f6nsten Farben schildert \u2013 sanft, ohne Nebenwirkungen, aber wirkm\u00e4chtig \u2013 und dann den mit viel M\u00fche aufgebauten Wunsch des Patienten respektieren muss. Nein. Die Evidenz, also die summe der bestm\u00f6glichen Forschungsergebnisse, ist die Grundlage, und die Expertise des Arztes ist erforderlich, um verschiedene Handlungsm\u00f6glichkeiten zu erkennen und zu bewerten und die Therapie danach auszurichten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Good doctors use both individual clinical expertise and the best available external evidence, and neither alone is enough.<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind als dritter S\u00e4ule die Pr\u00e4ferenzen des Patienten zu ber\u00fccksichtigen, aber wie dieses Zitat zeigt, nicht als wirklich tragende S\u00e4ule. Es ist nicht so, dass die Patientenpr\u00e4ferenz die Evidenz ersetzen oder gar \u00fcberstimmen k\u00f6nnte [6].<\/p>\n<p>Kann man mit der Aufz\u00e4hlung bzw. dem Hinweis von vielen positiven Erfahrungen die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie nachweisen? Ob diese Vorgehensweise sinnvoll ist, kann man auch daran pr\u00fcfen, ob man eine offensichtlich falsche Behauptung mit genau der gleichen Argumentation als richtig best\u00e4tigen kann. Wenn ja, dann ist die Argumentation als Beleg f\u00fcr die Richtigkeit einer These ungeeignet.<\/p>\n<p>Nehmen wir das Rauchen von Tabak als Testfall. Die Behauptung, der Konsum von Tabak unterst\u00fctze ein langes Leben und Raucher sterben daher erst in einem hohen Alter, ist \u2013 da sind wir uns hoffentlich alle einig \u2013 falsch. Dennoch k\u00f6nnen wir sie mit folgender Begr\u00fcndung &#8222;belegen&#8220;:<\/p>\n<p>Es gibt sehr viele Raucher, die ein hohes Lebensalter erreicht haben, Winston Churchill, Marlene Dietrich, Helmut Schmidt, Johannes Heesters, um nur ein paar prominente Vertreter zu nennen, die neunzig Jahre und \u00e4lter wurden. Jeder hat wohl irgendjemanden im Verwandten- oder Bekanntenkreis, der trotz des Rauchens sehr alt geworden ist. Die allermeisten sind sicher nicht in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sent, aber es lassen sich bestimmt beliebig viele Beispiele finden. Sogar Jeanne Calment, die bei ihrem Tod im Jahr 1997 122 Jahre alt war und damit der Mensch mit dem h\u00f6chsten best\u00e4tigten Lebensalter ist, war eine starke Raucherin. Mit 21 fing sie mit dem Rauchen an und musste mit 119 infolge ihrer Erblindung aufh\u00f6ren \u2013 sie konnte sich ihre Zigaretten nicht mehr anz\u00fcnden und hasste es, jemanden um Hilfe zu bitten (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jeanne_Calment\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>Analog zu der Interpretation der Fallberichte in der Hom\u00f6opathie m\u00fcsste man hieraus schlie\u00dfen, dass Rauchen eine positive Gesundheitswirkung hat, was aber offensichtlich falsch ist. Demzufolge m\u00fcsste die Schlussfolgerung sein, dass es Menschen gibt, die TROTZ ihrer Rauchgewohnheit ein hohes Lebensalter erreicht haben.<\/p>\n<p>Genau so k\u00f6nnen wir Behnkes Hinweis auf positive Verl\u00e4ufe unter hom\u00f6opathischen Therapien interpretieren: Es gibt viele Menschen, die trotz der angewandten Hom\u00f6opathie gesund sind und nicht wegen. Sei es, dass man die Hom\u00f6opathie bei selbstlimitierenden Beschwerden eingesetzt hat, wie es nach einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung im Jahr 2014 der \u00fcberwiegende Anteil der Hom\u00f6opathieanwender tut. Oder weil man die Hom\u00f6opathie nur als zus\u00e4tzliche Therapie anwendet und sich gleichzeitig einer wirksamen Behandlung unterzieht. Auf jeden Fall geht Herr Behnke in die Irre, wenn er die positiven F\u00e4lle als Beleg f\u00fcr die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie interpretiert.<\/p>\n<p>Die vorliegenden \u00dcbersichtsarbeiten zitiert Herr Behnke nur sehr selektiv, um seinen Standpunkt zu belegen. Er ignoriert zum Beispiel, dass seit dem Review von RT Mathie zur individuell verordneten Hom\u00f6opathie mit Einzelmitteln im Jahr 2014 drei weitere Reviews ver\u00f6ffentlicht wurden. Gerne zitiert er, dass man in der zusammenfassenden Betrachtung positive Effekte findet, vergisst aber zu erw\u00e4hnen, dass alle Autoren, auch Mathie vom HRI, die Qualit\u00e4t der Studien bem\u00e4ngeln und darauf hinweisen, dass infolge dieses Mangels die Ergebnisse nicht belastbar sind. Ein Beispiel f\u00fcr Behnkes selektive Vorgehensweise: Er zitiert aus dem Review von Linde aus dem Jahr 1997 [9]:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDie Ergebnisse unserer Meta-Analyse sind nicht mit der Hypothese vereinbar, dass die klinischen Wirkungen der Hom\u00f6opathie vollst\u00e4ndig auf Placebo zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Er verschweigt aber, dass Linde bereits im n\u00e4chsten Satz dieses Ergebnis stark relativiert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eWir fanden in diesen Studien jedoch nur unzureichende Belege daf\u00fcr, dass die Hom\u00f6opathie auch nur in einem einzigen Krankheitsbild eindeutig wirksam gewesen sei.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch dass Linde selbst sich dagegen gewandt hat, dass diese Arbeit als Beleg f\u00fcr die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie angesehen wird, erscheint bei Herrn Behnke nicht [10].<\/p>\n<p>Man muss sich fragen, wie Herr Behnke angesichts dieser leicht anhand der im Internet verf\u00fcgbaren Originalarbeiten zu \u00fcberpr\u00fcfenden Fakten seine Behauptung aufrecht erhalten kann, die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie sei nachgewiesen. Er schreibt in seinem Beitrag zum Forschungsreader der WissHom \u00fcber die von ihm betrachteten Reviews selbst:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDie Autoren der in den Blick genommenen Publikationen stimmen allerdings mehr oder weniger darin \u00fcberein, dass die Evidenzlage keine definitiven Schlussfolgerungen der Wirksamkeit potenzierter Arzneimittel bei einzelnen Erkrankungen zul\u00e4sst.\u201c [7]<\/em><\/p>\n<p>Wie kann er dann hier suggerieren, dass die Hom\u00f6opathie eine wissenschaftlich best\u00e4tigte wirksame Therapie w\u00e4re?<\/p>\n<p>Nein, Herr Behnke, wenn hier jemand die wissenschaftliche Argumentationsebene verl\u00e4sst, dann sind Sie das. Ihre Behauptung, klinische Studien w\u00fcrden die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie belegen, ist in Anbetracht der Forschungsergebnisse schlicht und ergreifend sachwidrig.<\/p>\n<p>P.S.: Gerade ist ein neues systematisches Review zur Hom\u00f6opathie erschienen, diesmal von einer italienischen Forschergruppe. Dies ist das zehnte \u00fcbergreifende Review seit 1991, in dem festgestellt wurde, dass es sich bei der Hom\u00f6opathie um eine Placebotherapie handelt. Womit also die Ergebnisse der anderen \u00dcbersichstarbeiten wieder einmal mehr best\u00e4tigt worden sind.<\/p>\n<p>Kein weiterer Kommentar erforderlich. Ich kann allerdings auch den Interessenkonflikt von Herrn Behnke nachvollziehen, dessen Arbeitgeber wohl kaum einen Mitarbeiter weiter besch\u00e4ftigen w\u00fcrde, der die Hom\u00f6opathie als widerlegt beschreibt.<\/p>\n<p><strong>Literatur und Quellen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Mathie RT et al.: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis; Systematic Reviews 2014;3:142 (<a href=\"https:\/\/systematicreviewsjournal.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/2046-4053-3-142\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[2] Mathie RT et al.: Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: Systematic review and meta-analysis; Systematic Reviews 2017;6:663 (<a href=\"https:\/\/systematicreviewsjournal.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13643-017-0445-3\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[3] Mathie RT et al.: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled Trials of Individualised Homeopathic Treatment, Homeopathy(2018); 107:229-243, <a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.com\/products\/ejournals\/abstract\/10.1055\/s-0038-1667129\">Link<\/a><\/p>\n<p>[4] Colau JC, Vincent S, Marijnen P, Allaert FA: Efficacy of a Non-Hormonal Treatment, BRN-01, on Menopausal Hot Flashes, A Multicenter, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial; Drugs R D (2012; 12(3):107-119 (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.2165\/11640240-000000000-00000\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[5] Padilha RD, Riera R, Atallah AN: Homeopathic Plumbum metallicum for lead poisoning: a randomized clinical trial, Homeopathy (2011); 100(3): 116-121 (<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S147549161100049X\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[6] Sacket D, Rosenberg WMC, Gray JAM, Haynes RB, Richardson WS: Evidence based medicine: what it is and what it isn&#8217;t; BMJ (1996);312: 71-72 (<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC2349778\/pdf\/bmj00524-0009.pdf\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[7] Behnke J: Meta-Analysen in der klinischen Forschung zur Hom\u00f6opathie. enthalten in WissHom (Hrsg.): Der aktuelle Stand der Forschung zur Hom\u00f6opathie, K\u00f6then (Anhalt), 2016, S. 33 &#8211; 42 , (<a href=\"http:\/\/www.homoeopathie-online.info\/wp-content\/uploads\/Der-aktuelle-Stand-der-Forschung-zur-Hom%C3%B6opathie-2016-WissHom.pdf\" class=\"broken_link\">Link)<\/a><\/p>\n<p>[8] Kapitel 8 in: Higgins JPT, Green S: Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions, Version 5.1.0, The Cochrane Collaboration 2011.\u00a0 <a href=\"https:\/\/handbook-5-1.cochrane.org\/\">(Link)<\/a><\/p>\n<p>[9]Linde K, Melchart D: Randomized controlled trials of individualized homeopathy: A state-of-the-art review, Journal of Alternative and Complementary Medicine 1998; 4(4):371-388 (<a href=\"https:\/\/pdfs.semanticscholar.org\/3e86\/3c9e1f35e9da6becbc1fb7785822a8c558a6.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[10] Linde K, Jonas W: Are the clinical effects of of homeopathy placebo effects? (Leserbrief zur Meta-Analyse von Shang et al.) Lancet (2005); 366: 2081-82 (<a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PIIS0140-6736(05)67878-6\/fulltext\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 21. November 2018 wurde von NDR Info eine Live-Sendung im Radio ausgestrahlt, in der sich Zuh\u00f6rer und Studiog\u00e4ste zum Thema \u201eStreit um die Hom\u00f6opathie \u2013 Wie sinnvoll sind Globuli?\u201c \u00e4u\u00dfern konnten. Als Studiog\u00e4ste waren Dr. Jens Behnke von der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3709\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3709"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3709"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3709\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5423,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3709\/revisions\/5423"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3709"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3709"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3709"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}