{"id":3596,"date":"2018-07-02T18:47:22","date_gmt":"2018-07-02T16:47:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3596"},"modified":"2020-01-13T13:59:13","modified_gmt":"2020-01-13T12:59:13","slug":"epi3-homoeopathische-bestaetigungsforschung-in-vollendung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3596","title":{"rendered":"EPI3: Hom\u00f6opathische Best\u00e4tigungsforschung in Vollendung"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3596\" data-timestamp=\"1578923953\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3596\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 51<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3596&text=EPI3%3A%20Hom%C3%B6opathische%20Best%C3%A4tigungsforschung%20in%20Vollendung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Die Hom\u00f6opathie hat ein Problem damit, die angeblich so \u00fcberragende Wirksamkeit mit wissenschaftlich validen Studien zu belegen. Das ist schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Also ist es aus Sicht des weltgr\u00f6\u00dften Herstellers von Hom\u00f6opathika folgerichtig, eben selbst f\u00fcr eine entsprechende Berichterstattung zu sorgen. Voil\u00e0: die EPI3-Studie erledigt dies.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3598 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur-1024x1024.png\" alt=\"\" width=\"606\" height=\"606\" srcset=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur-1024x1024.png 1024w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur-150x150.png 150w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur-300x300.png 300w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur-768x768.png 768w, http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/EPI3-Boiron-Karikatur.png 1468w\" sizes=\"(max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/a><!--more--><\/p>\n<h1>In (relativer) K\u00fcrze<\/h1>\n<p>Die EPI3-Umfrage und die daran anschlie\u00dfenden verschiedenen Auswertungen stellen eine Marketingma\u00dfnahme von Boiron dar, dem weltweit gr\u00f6\u00dften Hersteller von hom\u00f6opathischen Pr\u00e4paraten. Der wissenschaftliche Wert tendiert allerdings gegen null. Der erkl\u00e4rte Zweck ist lediglich, die Erfassung der Unterschiede in den Ergebnissen von hom\u00f6opathischer und konventioneller Therapie, die naturgem\u00e4\u00df im Interesse des Sponsors zugunsten der Hom\u00f6opathie ausfallen sollten. Um dies sicherzustellen, bedient man sich einer Vielzahl von fragw\u00fcrdigen Methoden und Vorgehensweisen:<\/p>\n<ul>\n<li>(1) Selektive Berichterstattung: Im Rahmen der EPI3-Umfrage werden Daten f\u00fcr sehr viele Indikationen gesammelt. Von den 13 Kategorien mit 100 verschiedenen Indikationen werden jedoch nur drei weiter ausgewertet und auch dort nur Untergruppen, deren Auswahl und Zusammenstellung nicht weiter begr\u00fcndet wird. Man darf annehmen, dass ein wesentliches Kriterium f\u00fcr die Auswahl in der \u00dcbereinstimmung der Ergebnisse mit den W\u00fcnschen des Auftraggebers bestand.<\/li>\n<li>(2) Dadurch ist die Datenbasis bei weitem nicht so gro\u00df und nicht so repr\u00e4sentativ wie in den zitierenden Berichten allgemein dargestellt: Es sind nicht \u00fcber 8500 Patienten in die Untersuchungsergebnisse eingeflossen, sondern lediglich 2727, weniger als ein Drittel. Bei einem Gr0\u00dfteil der \u00fcbrigen Patienten d\u00fcrften sich sogar Verl\u00e4ufe ergeben haben, die sich nicht zum Marketing pro Hom\u00f6opathie eignen &#8211; sonst w\u00e4ren sie sicher ver\u00f6ffentlicht worden.<\/li>\n<li>(3) Fragw\u00fcrdige Gruppeneinteilung: Die Gruppeneinteilung der Patienten wird nicht durch die Therapie festgelegt, sondern durch die Pr\u00e4ferenzen des Arztes, den er sich zu Beginn der Studie ausgesucht hat. Da hom\u00f6opathische \u00c4rzte auch konventionelle Therapien einsetzen konnten &#8211; und auch eingesetzt haben &#8211; ist die Gruppeneinteilung sehr verwaschen. Es wird auch nicht ber\u00fccksichtigt, ob und wie sich der Patient im Laufe der einj\u00e4hrigen Beobachtungszeit weiter therapieren l\u00e4sst.<\/li>\n<li>(4) Daraus ergibt sich, dass positive Verl\u00e4ufe dem hom\u00f6opathisch orientierten Therapeuten und damit implizit einer hom\u00f6opathischen Behandlung zugeschrieben werden, dies aber in mehr oder weniger bedeutendem Umfang auf konventionellen Verfahren beruhen k\u00f6nnte.<\/li>\n<li>(5) Bewertung des Behandlungserfolgs: Die Autoren schlie\u00dfen aus einem nicht-signifikanten Unterschied der Gruppen auf eine Gleichwertigkeit der Resultate. Dies trifft aber nicht zu: Wenn man in einem Signifikanztest die Nullhypothese nicht verwerfen kann, ist das kein Beweis daf\u00fcr, dass sie zutrifft. F\u00fcr diese Aussage der Gleichwertigkeit h\u00e4tte eine Non-inferiority-Studie durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/li>\n<li>(6) Am Rande: Das Studiendesign einer Kohortenstudie ist wegen der vielen m\u00f6glichen unkontrollierten St\u00f6rgr\u00f6\u00dfen als Nachweis einer Wirksamkeit nur wenig geeignet.<\/li>\n<li>(7) Undifferenzierte Datenerfassung:\u00a0 Der Hauptma\u00dfstab f\u00fcr den Vorteil der Hom\u00f6opathie besteht darin, in welchem Umfang konventionelle Mittel verordnet und angewandt werden. Dies wird aber nur sehr undifferenziert erfasst: Ein einmaliger Gebrauch innerhalb von zwei Monaten wird genauso gewertet wie eine t\u00e4gliche Einnahme im gleichen Zeitraum. Da Hom\u00f6opathiepatienten sicher eine andere Hemmschwelle haben, auch einmalig ein konventionelles Medikament einzunehmen, ergibt sich daraus eine verzerrte Erfassung der tats\u00e4chlichen Situation.<\/li>\n<li>(8) Das wesentliche Ergebnis der Studie, dass Patienten von hom\u00f6opathisch arbeitenden \u00c4rzten weniger konventionelle Mittel einnehmen, ist ein Zirkelschluss. Dies ist schlie\u00dflich das klassifizierende Merkmal der Gruppeneinteilung zwischen hom\u00f6opathischem und nicht-hom\u00f6opathischem Arzt gewesen. Das Ergebnis war somit bereits durch die Gruppeneinteilung festgelegt.<\/li>\n<li>(9) Datenerfassung und -auswertung: Oftmals werden Methoden angewendet, die nicht daf\u00fcr geeignet sind, die f\u00fcr eine Beurteilung notwendigen Daten zu liefern. Beispielsweise indem der Erfolg bei banalen Erk\u00e4ltungskrankheiten anhand von Beobachtungen ein, drei und zw\u00f6lf Monate nach der Therapie beurteilt werden soll. Oder wenn nur die geringen Remissionsraten verglichen werden, die eher die leichteren F\u00e4lle betreffen d\u00fcrften, die den Verlauf bei der absoluten Mehrzahl der schwereren F\u00e4lle jedoch v\u00f6llig unber\u00fccksichtigt l\u00e4sst.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit:<\/h2>\n<p>Die aus der EPI3-Umfrage zu gewinnende Erkenntnis zur Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie ist wissenschaftlich gesehen nicht der Rede wert. In den Augen und Ohren m\u00f6glicher Patienten hingegen macht sich das sehr gut: Gro\u00dfe Umfrage, Hom\u00f6opathie, gleiche oder besseres Resultat wie konventionelle Medizin, weniger Medikamente und damit weniger Nebenwirkungen: das sind eing\u00e4ngige Schlagworte, die hier erzeugt werden konnten. Die bislang in nur vergleichsweise geringem Umfang vorliegende kritische Wertung dieser Arbeiten l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass dies im Sinne des Auftraggebers gut gelungen ist.<\/p>\n<p>Nun, vielleicht \u00e4ndert sich das ja jetzt.<\/p>\n<h1>In (deutlicher) L\u00e4nge<\/h1>\n<h2>\u00dcberblick<\/h2>\n<p>EPI3 ist ein sehr umfangreiches, von der Fa. Boiron, dem weltweit gr\u00f6\u00dften Hersteller hom\u00f6opathischer Pr\u00e4parate aus Frankreich, finanziertes Projekt. Fl\u00e4chendeckend in ganz Frankreich nahmen 825 \u00c4rzte der Allgemeinmedizin (&#8222;general practitioners&#8220;, GP) daran teil. Diese \u00c4rzte bildeten drei Gruppen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">(a) \u00c4rzte, die ausschlie\u00dflich konventionell praktizieren und keine Hom\u00f6opathika verordnen (GP-CM),<br \/>\n(b) \u00c4rzte, die \u00fcber eine Zusatzausbildung zur Hom\u00f6opathie verf\u00fcgen und diese \u00fcberwiegend einsetzen (GP-Ho) und<br \/>\n(c) \u00c4rzte, die sowohl konventionelle Medizin und Hom\u00f6opathie bzw. alternativ- und komplement\u00e4rmedizinische Verfahren einsetzen (GP-MX).<\/p>\n<p>Jeweils an einem zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Tag wurden die Patienten im Wartezimmer von geschulten Interviewern nach ihren Beschwerden und ihrer Lebensqualit\u00e4t befragt, was die \u00c4rzte durch Ausf\u00fcllen eines medizinischen Fragebogens erg\u00e4nzten. Die Entwicklung der Patienten wurde \u00fcber ein Jahr mittels Telefoninterviews einen, drei und zw\u00f6lf Monate nach dem Arztbesuch wiederum durch geschulte Interviewer verfolgt. Die auf diese Weise in den Jahren 2007 und 2008 von insgesamt 8559 Patienten gesammelten Daten bilden die Datenbasis f\u00fcr eine ganze Reihe von Auswertungen, die in den Folgejahren erschienen sind. Die bislang letzte Arbeit von Danno et al. zur Behandlung von Angstst\u00f6rungen und Depressionen bei \u00e4lteren Menschen erschien erst 2018.<\/p>\n<p>Diese Arbeiten werden nun gerne als Beleg daf\u00fcr angef\u00fchrt, dass die Hom\u00f6opathie f\u00fcr die Patienten doch die bessere Option darstelle, da man im realen Leben eben doch Heilungserfolge erziele, die der konventionellen Medizin in nichts nachst\u00fcnden und dabei aber weniger Medikamente der Schulmedizin mit ihren Nebenwirkungen eingesetzt w\u00fcrden [1,2].<\/p>\n<p>Dass diese Sichtweise nicht gerechtfertigt ist, soll hier gezeigt werden. Dabei beschr\u00e4nkt sich dieser Artikel auf die Auswertungen, in denen die Ergebnisse hom\u00f6opathisch und konventionell behandelter Patienten miteinander verglichen wurden, die Gruppe der gemischt arbeitenden \u00c4rzte ist wegen fehlender weiterer Angaben kaum interpretierbar. Dar\u00fcber hinaus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Auswertungen zur Sozio\u00f6konomie der Patienten oder den Gewohnheiten einzelner Patientengruppen, die hier allerdings keinen Beitrag leisten.<\/p>\n<h2>Finanzierung<\/h2>\n<p>Die folgenden Angaben entstammen einem Papier [3], das auch Behnke in [1] zitiert und das \u00fcber einen Kurzlink auch aufgerufen werden kann, das aber sonst mit Google Scholar nicht auffindbar ist. Erster Autor ist Lucien Abenhaim, Mitarbeiter des INSERM, der einzigen franz\u00f6sischen staatlichen Einrichtung zur Forschung in der Medizin. Das Papier sieht aus wie ein Datenblatt zu diesem Forschungsvorhaben, tr\u00e4gt aber keine Kennzeichnungen zu einer Ver\u00f6ffentlichung. Da die in den einzelnen Arbeiten auffindbaren Angaben mit den Daten des Papiers \u00fcbereinstimmen, sei es trotz der unklaren Quellenlage als zuverl\u00e4ssig angesehen.<\/p>\n<p>Demnach ist die Studie von den Boiron Laboratories privat finanziert worden. Und dies hat sicher einiges gekostet. Die beteiligten \u00c4rzte erhielten ein Honorar f\u00fcr ihre Bem\u00fchungen beim Ausf\u00fcllen der \u00fcber 8500 Diagnoseberichte. Die Interviewer f\u00fcr die f\u00fcnf ausf\u00fchrlichen Interviews pro Patient mussten bezahlt werden, einzelne Autoren der sp\u00e4teren Auswertungen erhielten Zuwendungen. Dies legt die Vermutung nahe, dass die von Boiron aufgebrachten Kosten eher \u00fcber als unter einer Million Euro gelegen haben d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Prinzipiell ist es kein allzu gro\u00dfes Problem, dass eine Studie von einer Person oder Institution finanziert wird, die an dem Ergebnis in der einen oder anderen Richtung interessiert ist. Es w\u00e4re sogar recht naiv, wenn man &#8222;Neutralit\u00e4t&#8220; gegen\u00fcber dem Forschungsgegenstand fordern w\u00fcrde, um die Ergebnisse einer Arbeit als valide anzusehen. Wer bezahlt schon viel Geld f\u00fcr etwas, das ihn nicht interessiert?<\/p>\n<p>Man wird aber bei der Betrachtung der Arbeiten sehr darauf achten m\u00fcssen, ob und wie weit die Interessen des Auftraggebers auf das Ergebnis durchschlagen k\u00f6nnten, auch ohne dass der Auftraggeber das expressis verbis vorgibt. Es w\u00e4re jedenfalls kaum zu glauben, dass f\u00fcr Forschungsarbeiten qualifiziertes Personal sich nicht im Klaren w\u00e4re, welche Sorte Ergebnis den Auftraggeber erfreut &#8211; was er vielleicht in der Zukunft mit weiteren Auftr\u00e4gen honoriert.<\/p>\n<p>M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme gibt es viele: Das Studiendesign kann entsprechend gestaltet werden, um ein bestimmtes Ergebnis wahrscheinlich zu machen. Man kann Cherrypicking betreiben und nur die passenden Daten ver\u00f6ffentlichen und die anderen weglassen. Man kann das Ergebnis \u00fcberinterpretieren, und in der Darstellung der Rahmenbedingungen die Arbeit gewichtiger erscheinen lassen als sie ist. Oder Messverfahren anwenden, die die tats\u00e4chlich vorliegende Situation bis zur Unkenntlichkeit verzerren. Wir werden sehen, dass die Autoren alle diese M\u00f6glichkeiten sehr virtuos nutzen, um ihr positives Bild der Hom\u00f6opathie zu zeichnen.<\/p>\n<p>Denn der Zweck der Untersuchungen ist schlicht und einfach &#8222;to assess the difference between conventional and homeopathic treatment&#8220; (&#8222;&#8230; den Unterschied zwischen konventioneller und hom\u00f6opathischer Behandlung festzustellen&#8220;). Es versteht sich von selbst, dass ein Unternehmen, dessen Produktpalette, soweit im Webauftritt erkennbar, ausschlie\u00dflich aus hom\u00f6opathischen Pr\u00e4paraten besteht, kein Interesse daran hat, dass f\u00fcr das viele aufgewandte Geld herauskommt, dass die Hom\u00f6opathie der konventionellen Medizin unterlegen ist. Folglich m\u00fcssen wir uns in der Betrachtung viel mehr darauf konzentrieren, was NICHT gesagt und berichtet wird.<\/p>\n<h2>Indikationen<\/h2>\n<p>Interessant ist zun\u00e4chst ein Blick auf die Befunde der Patienten. Diese wurden 2011 in einer Auswertung von Grimaldi-Bensouda vorgelegt [4]. In dieser Arbeit wird f\u00fcr 100 verschiedene Diagnosen anhand eines standardisierten Fragebogens (SF-12) dargestellt, welche Lebensqualit\u00e4t die Patienten hatten. Dies ist f\u00fcr uns weniger interessant, wobei die Ergebnisse alle in der gleichen Gegend von rund 40 bis rund 50 Punkten (von maximal 100) liegen &#8211; was auch nicht so sehr viel aussagt, wenn man keine repr\u00e4sentativen Vergleichszahlen f\u00fcr die Gesamtbev\u00f6lkerung kennt.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns interessant ist, welche Diagnosen aufgetreten sind. Diese wurden in 13 Kategorien zusammengefasst. In der folgenden Tabelle sind diese Kategorien zusammen mit der H\u00e4ufigkeit dargestellt, mit denen sie auftraten. Die Zahlen ergeben jedoch eine h\u00f6here Summe als 8559, da hier auch die Daten von Patienten enthalten sind, deren Daten zwar erfasst wurden, die aber nicht zu einer weiteren Teilnahme bereit waren (n = 3157). Weiterhin sind die Prozents\u00e4tze nach den Angaben der Tabelle in der Studie angegeben, die allerdings als Summe eine Zahl deutlich \u00fcber 100 % ergeben, was nicht nachvollziehbar bleibt. Es sind auch 14 Kategorien aufgef\u00fchrt. Vermutlich sind die Routine- und Vorsorgeuntersuchungen nicht als Krankheitsbild gez\u00e4hlt, was durchaus sinnvoll w\u00e4re:<\/p>\n<p>(1) Beschwerden am Bewegungsapparat (&#8222;mucoskeletal disorders&#8220;): n = 2069, 29 %<br \/>\n(2) Bluthochdruck und Herz-Kreislaufbeschwerden: n = 1904, 26,7 %<br \/>\n(3) Depressionen, Angst- und Schlafst\u00f6rungen: n = 1569, 22 %<br \/>\n(4) Atemwegserkrankungen: n = 1419, 19,9 %<br \/>\n(5) Medizinische Untersuchungen und Vorsorge: n = 1101, 15,4 %<br \/>\n(6) Diabetes, Schilddr\u00fcse und andere innere Erkrankungen: n = 785, 11 %<br \/>\n(7) Fettsucht und Fettstoffwechselst\u00f6rung: n = 742, 10,4 %<br \/>\n(8) Beschwerden des Verdauungssystems: n = 742, 10,4 %<br \/>\n(9) Beschwerden des Nervensystems, Bereich Kopf und Nacken: n = 449, 6.3 %<br \/>\n(10) Beschwerden am Urogenitalsystem: n = 400, 5,6 %<br \/>\n(11) Verletzungen und Vergiftungen: n = 342, 4,8 %<br \/>\n(12) Krebs und seltene (&#8222;infrequent&#8220;) Erkrankungen n = 289, 4,1 %<br \/>\n(13) Haut und Bindegewebe: n = 243, 3,4 %<br \/>\n(14) Infektionskrankheiten: n = 228, 3,2 %<\/p>\n<h2>Erster Vorbehalt: Selektive Berichterstattung<\/h2>\n<p>Dieser Vielzahl von aufgetretenen Krankheitsbildern stehen nur einige wenige gegen\u00fcber, deren Daten f\u00fcr die weitere Auswertung ausgew\u00e4hlt wurden. In den bislang vorliegenden EPI3-Studien zur Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie werden nur die folgenden Indikationen betrachtet, die Zahl der Teilnehmer ist aus den Texten der Studien entnommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Atemwegserkrankungen (n = 518) [5]<\/li>\n<li>Beschwerden des Bewegungsapparates (n = 1153) [6]<\/li>\n<li>Angstst\u00f6rungen und Depressionen (n = 710) [7]<\/li>\n<li>Schlafst\u00f6rungen (n = 346) [9]<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztendlich werden nur drei der 13 Kategorien einer Analyse unterzogen (die beiden letzten wurden in [4] zu einem Oberbegriff zusammengefasst). Dies erfolgte allerdings nicht in vollem Umfang, sondern es wurden zumeist nur ausgew\u00e4hlte Untergruppen betrachtet, ohne dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Auswahl dargestellt w\u00fcrden. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es m\u00f6glich, dass weitere Auswertungen in Zukunft noch ver\u00f6ffentlicht werden, nach den Aussagen beispielsweise in [7] ist dies jedoch offenbar nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Dies ist Cherrypicking, wie es schulbuchm\u00e4\u00dfig nicht deutlicher gemacht werden kann. In den einzelnen Studien ist das nat\u00fcrlich nicht erkennbar, da dort ja nicht \u00fcber das Gesamtprojekt EPI3 berichtet wird. So gibt es keine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum man sich nur auf diese wenigen Krankheitsbilder beschr\u00e4nkt hat (in denen auf den ersten Blick f\u00fcr Boiron vorteilhafte Ergebnisse erzielt wurden, dazu aber sp\u00e4ter mehr).<\/p>\n<p>Vergegenw\u00e4rtigen wir uns, dass Boiron eine Menge Geld f\u00fcr das EPI-3 Projekt ausgegeben hat. Dann ist zu vermuten, dass man die positiven Ergebnisse weitestgehend ausschlachtet und dar\u00fcber berichtet. Dies ist aber f\u00fcr die meisten der Krankheitsbilder bislang nicht geschehen. Die nach 2016 erschienenen Auswertungen befassen sich mit Untergruppen von bereits vorliegenden Arbeiten, etwa mit der Behandlung von Schlafst\u00f6rungen bei \u00e4lteren Menschen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also vermuten, dass die Ergebnisse von 10 der 13 Kategorien nicht f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung getaugt haben &#8211; sie also kein positives Ergebnis erbracht haben. Dies zu verschweigen ist marketingm\u00e4\u00dfig zwar zu verstehen, wissenschaftlich jedoch ein krasses Fehlverhalten. So wird ein Publication bias, ein v\u00f6llig verzerrtes Bild der Evidenz erzeugt, indem man missliebige Ergebnisse einfach wegl\u00e4sst. Es w\u00e4re doch sicher wichtig zu erfahren, dass beispielsweise bei Bluthochdruck und Herz\/Kreislaufbeschwerden die Hom\u00f6opathie nicht hilft, genauso wenig wie bei Verdauungsbeschwerden, Diabetes, Infektionskrankheiten etc. Diese Ergebnisse zu verschweigen ist eine bewusste T\u00e4uschung der Hom\u00f6opathie-Patienten, die stattdessen den einschl\u00e4gigen und vielf\u00e4ltigen Werbeaussagen folgen.<\/p>\n<h2>Zweiter Vorbehalt: Gr\u00f6\u00dfe der Datenbasis<\/h2>\n<p>Jede der einzelnen Studien weist darauf hin, dass insgesamt \u00fcber 8500 Patienten in die Studien eingeflossen seien, wovon man eine bestimmte Untergruppe betrachte. Auch in den Zitaten taucht diese Zahl immer wieder auf &#8211; ist aber falsch. In die vier Auswertungen sind nur 2727 Patienten eingeflossen, also weniger als ein Drittel der Gesamtzahl. Das ist zwar absolut gesehen immer noch eine recht gro\u00dfe Zahl &#8211; aber die Repr\u00e4sentativit\u00e4t der ganzen Untersuchung ist eben nicht in dem Ausma\u00df gegeben, wie es die Autoren darstellen und wie es zitiert wird. Bei einem gro\u00dfen Teil der \u00fcbrigen Patienten d\u00fcrften sogar gegenteilige Ergebnisse vorliegen als hier als allgemeing\u00fcltig zitiert.<\/p>\n<h2>Die Auswertungen &#8211; \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Die Datenerfassung und die Auswertung erfolgen bei allen vier bislang ver\u00f6ffentlichten Studien nach dem gleichen Schema:<\/p>\n<p>Die Patienten werden (au\u00dfer bei der Auswertung der Infekte der oberen Atemwege) kurz nach der Behandlung sowie zu Zeitpunkten einen, drei und zw\u00f6lf Monate nach der Behandlung telefonisch interviewt. Dabei wird ein der Indikation entsprechender Fragebogen ausgef\u00fcllt, mit dem die funktionalen Beschwerden erfasst werden. Dazu wird abgefragt, ob in dem Zeitraum seit dem jeweils letzten Interview konventionelle Medikamente eingenommen wurden. Je nach Indikation wurde etwa nach Antibiotika, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka gefragt. Die Auswertung erfolgte mit recht aufw\u00e4ndigen statistischen Mitteln, um den Einfluss unkontrollierter St\u00f6rgr\u00f6\u00dfen herauszurechnen und den Stichprobenfehler zu eliminieren, der durch Abweichungen der Stichprobe von der Grundgesamtheit entsteht.<\/p>\n<p>Dieser gesamte statistische Aufwand erscheint indes etwas widersinnig. Einerseits hat man keinerlei Vorgaben zu Einschlusskriterien und Therapien gemacht, um ein m\u00f6glichst reales Bild der tats\u00e4chlichen Gegebenheiten des t\u00e4glichen Lebens zu erhalten &#8211; nur um die Unterschiede in den Gruppen auf statistischem Wege wieder auszur\u00e4umen. Wobei in den Darstellungen der Studien zwischen origin\u00e4ren und bewerteten Ergebnissen hin- und her gesprungen wird.<\/p>\n<p>Als Ergebnis kam bei den ver\u00f6ffentlichten Auswertungen heraus, dass die Patienten der hom\u00f6opathisch arbeitenden Haus\u00e4rzte vergleichbare oder g\u00fcnstigere Verl\u00e4ufe ihrer Beschwerden zu verzeichnen hatten als diejenigen der konventionellen Mediziner. Die Patienten der gemischt arbeitenden \u00c4rzte lag zumeist irgendwo dazwischen.<\/p>\n<h2>Dritter Vorbehalt: Gruppeneinteilung der Patienten<\/h2>\n<p>Wie bei derartigen Beobachtungsstudien \u00fcblich, gab es keine Randomisierung der Patienten und folglich auch keine Verblindung. Die Gruppenaufteilung ergab sich dadurch, welchen Arzt die Patienten aufsuchten, entsprechend wurden sie in diese Gruppe eingeteilt. Hier ist allerdings die Besonderheit gegeben, dass die Patienten nach den festgestellten Pr\u00e4ferenzen der \u00c4rzte zum Einsatz der Hom\u00f6opathie eingeteilt wurden, nicht nach der Therapie, die sie tats\u00e4chlich erhielten. Da es seitens des Studienprotokolls keine Vorgaben zur anzuwendenden Behandlung gab, haben auch die Hom\u00f6opathen konventionelle Mittel eingesetzt. Bei den Infekten der Atemwege verordneten beispielsweise auch die Hom\u00f6opathen 13,3 % der Patienten Antibiotika und 20,7 % entz\u00fcndungshemmende Mittel (konventionelle \u00c4rzte: 32,6 bzw. 40,5 %).\u00a0 40,3 % der Patienten der hom\u00f6opathischen \u00c4rzte erhielten Psychopharmaka bei ihren Schlafst\u00f6rungen (konventionell: 76,8 %). Folge: Die Hom\u00f6opathiegruppe ist reichlich inhomogen, was dazu f\u00fchrt, dass eine Zuordnung des Behandlungserfolgs zur Hom\u00f6opathie nicht wirklich gerechtfertigt ist. Die Studienautoren ordnen das Behandlungsergebnis demnach auch ganz richtig immer nur den jeweiligen Arztgruppen zu. Aber wer als schneller Leser &#8211; auch des Beitrags der Carstens-Stiftung &#8211; beachtet den feinsinnigen Unterschied, dass nicht unbedingt Hom\u00f6opathie drin ist, wo Hom\u00f6opathie draufsteht?<\/p>\n<h2>Vierter Vorbehalt: Zuschreibung des Erfolgs<\/h2>\n<p>Schon die Gruppeneinteilung der Patienten ist mehr als fragw\u00fcrdig. Dies gilt umso mehr, wenn man die zeitliche Entwicklung betrachtet. In den folgenden zw\u00f6lf Monaten wird zwar der Verlauf der Beschwerden erfasst, aber au\u00dfer dem Gebrauch von konventionellen Arzneimitteln oder hom\u00f6opathischen Pr\u00e4paraten keine weitere Frage nach dem weiteren Verlauf der Behandlung gestellt. V\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, wie es mit den Patienten weiterging, ob sie einen Facharzt aufsuchten oder die weitere Behandlung abbrachen, wird das Ergebnis der Gruppe zugeschrieben, die durch den vielleicht nur einmaligen Besuch bei dem entsprechenden Arzt festgelegt wurde.<\/p>\n<p>Dabei ist durchaus beachtenswert, dass die Patienten der konventionellen Mediziner diese in den allermeisten F\u00e4llen als ihre Haus\u00e4rzte betrachteten (in allen Studien um die 80 %), was bei den Hom\u00f6opathen in weit geringerem Ma\u00dfe der Fall ist (in allen Studien nur um die 40 %). Wir haben hier also eine hohe Zahl von Erstbesuchern des jeweiligen hom\u00f6opathischen Arztes vorliegen &#8211; und es ist durch nichts gew\u00e4hrleistet oder erfasst, ob dies auch beibehalten wird. Wenn also ein Patient eines Hom\u00f6opathen nach dem ersten hier erfassten Besuch entt\u00e4uscht ist, danach einen konventionellen Mediziner aufsucht, der ihn dann erfolgreich behandelt &#8211; gilt dies hier als Erfolg des Hom\u00f6opathen. In umgekehrter Richtung ist das sicher auch m\u00f6glich, aber die doppelt so gro\u00dfe Therapietreue zum konventionellen Arzt macht dies deutlich weniger wahrscheinlich.<\/p>\n<h2>F\u00fcnfter Vorbehalt: Verkappte Non-Inferiority Studie<\/h2>\n<p>Eine Hauptaussage aller EPI3-Studien ist, dass bei den Patienten der Hom\u00f6opathen gleichwertige Verbesserungen aufgetreten sind wie bei den konventionellen \u00c4rzten. Dies leitet man daraus ab, dass im Gruppenvergleich keine (statistisch) signifikanten Unterschiede aufgetreten sind. Dies ist aber eine v\u00f6llig falsche Betrachtungsweise:<\/p>\n<p>In einem Signifikanztest wird eine Nullhypothese aufgestellt und dann errechnet, wie wahrscheinlich das Ergebnis ist, wenn die Nullhypothese zutrifft. Bei den \u00fcblichen Studien (&#8222;superiority study&#8220;), bei denen die \u00dcberlegenheit einer Therapie gegen\u00fcber einer anderen gezeigt werden soll, ist dies &#8222;Die Gruppen sind auch nach den Therapien gleich.&#8220; Unterschreitet die mit dieser Annahme errechnete Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Grenzwert, in medizinischen Studien \u00fcblicherweise 5 %, dann wird die Nullhypothese verworfen, das hei\u00dft als (wahrscheinlich) unzutreffend abgelehnt, was als Best\u00e4tigung daf\u00fcr gilt, dass ein Behandlungseffekt aufgetreten ist.<\/p>\n<p>Wenn hingegen die Wahrscheinlichkeit oberhalb dieses Grenzwertes verbleibt, dann kann die Nullhypothese nicht verworfen werden &#8211; was allerdings auch nicht bedeutet, dass sie richtig ist [10]. Dies ist \u00e4hnlich wie in einer Gerichtsverhandlung: Alleine dass man dem Angeklagten die Tat nicht nachweisen kann, ist kein Beweis daf\u00fcr, dass er unschuldig ist (&#8222;Freispruch aus Mangel an Beweisen&#8220;).<\/p>\n<p>Ein Vergleich der Wirksamkeiten zweier Therapien l\u00e4uft hingegen auf eine Non-inferiority-Studie hinaus, bei der die Nullhypothese anders gebildet werden muss [10]. Diese m\u00fcsste lauten &#8222;Die Therapie X liefert weniger als 95 % (oder ein anderes sinnvolles Ma\u00df) des Behandlungserfolges der Therapie Y&#8220; oder \u00e4hnlich. Dann kann man die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der das Ergebnis aufgetreten w\u00e4re, wenn diese Hypothese stimmen w\u00fcrde, und man verwirft diese Hypothese als falsch, wenn die Wahrscheinlichkeit unter dem Grenzwert von 5 % liegt. Dies ergibt \u00fcblicherweise engere Schranken um die Vergleichstherapie herum, innerhalb derer das untersuchte Verfahren als gleichwertig gilt.<\/p>\n<p>Diese Betrachtungen sind aber hier nicht erfolgt. Alleine aus der fehlenden statistischen Signifikanz eines Gruppenunterschiedes auf die Gleichwertigkeit zu schlie\u00dfen, ist ein Fehlschluss und eine \u00dcberinterpretation des Ergebnisses.<\/p>\n<h2>Sechster Vorbehalt: Ungeeignetes Studiendesign<\/h2>\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass aus einer Beobachtungsstudie auch unter g\u00fcnstigen Voraussetzungen und bei richtiger Anwendung kein Wirksamkeitsnachweis abgeleitet werden kann.<\/p>\n<p>Es gibt keine Randomisierung und keine Verblindung, da sich die Patienten ihre Therapeuten nach eigenem Gutd\u00fcnken ausw\u00e4hlen. Damit k\u00f6nnen sich Gruppenunterschiede ergeben, etwa wenn das Ausma\u00df der Beschwerden die Auswahl des Therapeuten beeinflusst. Dies f\u00fchrt generell dazu, dass es eine ganze Reihe unkontrollierter St\u00f6rgr\u00f6\u00dfen geben kann, die sich in einem unterschiedlichen Ergebnis niederschlagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier wird dies nun sogar weiter auf die Spitze getrieben, denn eine Kontrolle von St\u00f6rgr\u00f6\u00dfen findet nach diesem Studiendesign auch nicht im Ansatz statt: Der gesamte weitere Verlauf der Beschwerden w\u00e4hrend eines ganzen Jahres wurde wie oben ausgef\u00fchrt alleine auf die einmalig erfasste Behandlung bei dem betreffenden Allgemeinarzt bezogen. Es wird nicht abgefragt, ob die Patienten im Laufe der Zeit noch andere Therapieangeboten wahrgenommen haben, eventuell sogar an einen Facharzt verwiesen wurden. Viel oberfl\u00e4chlicher kann man das nicht machen.<\/p>\n<h2>Siebter Vorbehalt: \u00dcberbewertung der Medikamentennutzung.<\/h2>\n<p>Der Medikamentengebrauch ist eines der Hauptergebnisse der Studien und bildet in diesen Arbeiten somit den Ma\u00dfstab f\u00fcr den angeblichen Vorteil der Hom\u00f6opathie gegen\u00fcber der konventionellen Medizin. Bei den einzelnen Interviews wurde demnach erfasst, ob die Patienten in der Zeit seit dem letzten Interview Medikamente bzw. hom\u00f6opathische Pr\u00e4parate eingenommen hatten. Als Kriterium, um als Medikamenteneinsatz zu z\u00e4hlen, galt als Minimum der einmalige Einsatz w\u00e4hrend des Beobachtungszeitraumes seit dem letzten Interview. Eine weitere Unterteilung fand nicht statt. Plakativ: Das ist \u00e4hnlich, als w\u00fcrde man den Alkoholkonsum verschiedener Gruppen vergleichen wollen und dabei jemanden, der alle zwei Monate ein Bier trinkt, genauso z\u00e4hlen wie jemanden, der sich in den zwei Monaten jeden Abend die Kante gibt.<\/p>\n<p>Man wird davon ausgehen k\u00f6nnen, dass Patienten, die sich bewusst der Hom\u00f6opathie zugewandt haben, der Einnahme konventioneller Mittel eher reserviert gegen\u00fcberstehen und sie nicht leichtfertig mit &#8222;mal einer Tablette&#8220; gegen ihre \u00dcberzeugung handeln. Man wird dies sicher nur dann tun, wenn es gar nicht anders zu ertragen ist. Diese Vorbehalte wird man auf der Seite der Patienten der konventionellen \u00c4rzte wahrscheinlich eher weniger finden. F\u00fcr das Ausma\u00df bzw. als Indikator f\u00fcr einen Behandlungsvorteil ist sicherlich die Menge der eingenommenen Medikamente zu sehen oder die H\u00e4ufigkeit der Einnahme oder ein anderes Ma\u00df, das die Intensit\u00e4t ausdr\u00fccken w\u00fcrde, mit der medikament\u00f6s gearbeitet wird. Aber genau diese Beurteilung ist nicht zug\u00e4nglich, weil eben keine Angaben zur Regelm\u00e4\u00dfigkeit des Gebrauchs ermittelt wurden, etwa indem man die Menge der eingenommenen Mittel erfragt und bewertet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Konsequenz: Der Ma\u00dfstab, der f\u00fcr den angeblichen Vorteil der Hom\u00f6opathie angef\u00fchrt wird, ist wenig aussagekr\u00e4ftig, weil zu wenig ausdifferenziert. Um im obigen Vergleich zu bleiben: Es ist sicherlich nicht vergleichbar, ob sich 80% der Bev\u00f6lkerung einmal in zwei Monaten ein Bier g\u00f6nnt oder jeden Abend volltrunken ist. Selbst bei gleichen Zahlenwerten ist also nicht darauf zu schlie\u00dfen, dass auch der gleiche Gebrauch vorliegt.<\/p>\n<h2>Achter Vorbehalt: Das Ergebnis ist ein Zirkelschluss<\/h2>\n<p>Dass der Medikamenteneinsatz in der Gruppe, die bei hom\u00f6opathisch arbeitenden \u00c4rzten behandelt wurden, geringer ausfiel als bei den konventionellen Medizinern, wird hier als das herausragende Merkmal f\u00fcr den Vorteil der Hom\u00f6opathie dargestellt. Das aber ist genau das Merkmal, das zur Einteilung der Gruppen gef\u00fchrt hat, n\u00e4mlich zur Unterscheidung zwischen konventionellen \u00c4rzten, die keine Hom\u00f6opathika einsetzen, und den Hom\u00f6opathen, die genau dies tun &#8211; und damit weniger konventionelle Mittel verordnen. Wobei letzteres auch nur relativ ist: \u00fcber 40 % der Hom\u00f6opathen-Patienten erhielten Psychopharmaka bei Schlafst\u00f6rungen verordnet, 33 % bei Depressionen und Angstst\u00f6rungen. Man kann in Abwesenheit weiterer Angaben allerdings nicht beurteilen, ob die konventionellen \u00c4rzte, von denen die Patienten immer rund doppelt so oft konventionelle Mittel verordnet erhielten, nun in h\u00f6herem Ma\u00dfe Fehlverordnungen getroffen haben oder ob dies Folge einer schlechteren Gesundheitslage der Patienten war.<\/p>\n<p>Es bleibt aber bestehen, dass das zur Beurteilung des Vorteils herangezogene Ergebnis, n\u00e4mlich der geringere Gebrauch konventioneller Arzneimittel, bereits durch die Definition der Gruppen vorgegeben war.<\/p>\n<h1>Die Studien im Einzelnen:<\/h1>\n<h2>Infektionen der oberen Atemwege<\/h2>\n<p>In die Auswertung der Daten zum Einfluss der Behandlungspr\u00e4ferenzen des Hausarztes auf die Ergebnisse bei der Behandlung von Infekten der oberen Atemwege sind die Daten von 518 Erwachsenen und Kindern eingeflossen. Dabei ging es in rund 80 % der F\u00e4lle um eine Rhinopharyngitis (Entz\u00fcndung der Nasen- und Rachenschleimhaut), die nach den Angaben der Wikipedia eine selbstlimitierende Erkrankung ist und nach 10 bis 14 Tagen ausgeheilt ist, sofern keine Komplikationen (bakterielle Infektion) auftreten. Es geht also weitgehend um banale Erk\u00e4ltungen.<\/p>\n<p>Damit erfasst diese Auswertung nur eine Untergruppe der Kategorie &#8222;Atemwegsbeschwerden&#8220; aus [4]. Ein Grund f\u00fcr diese Beschr\u00e4nkung wird nicht angegeben. Chronische Beschwerden, wie chronische Nasennebenh\u00f6hlenentz\u00fcndungen, allergische Rhinitis (&#8222;Heuschnupfen&#8220;) oder Asthma, f\u00fcr die die Hom\u00f6opathie an anderer Stelle als besonders vorteilhaft gepriesen wird, werden nicht betrachtet. Pikanterweise sind auch Grippeerkrankungen (&#8222;flu&#8220;) nicht eingeschlossen worden, obgleich Boiron selbst das weltweit meistverkaufte hom\u00f6opathische Grippemittel Oscillococcinum im Angebot hat. Also auch hier eine selektive Berichterstattung, die vermuten l\u00e4sst, dass man sich die m\u00f6glichst vorteilhaften Ergebnisse herausgesucht hat.<\/p>\n<p>Die Auswahl, die in der Arbeit anhand der ICD-Nummern spezifiziert wurde, ist nicht nur auf den ersten Blick verbl\u00fcffend. Nach der \u00fcblichen Auffassung der Hom\u00f6opathen ist es eher so, dass die konventionelle Medizin bei akuten Beschwerden &#8211; wenn auch vielleicht nicht gerade bei Erk\u00e4ltungskrankheiten &#8211; positive Resultate erzielt, bei chronischen Beschwerden im Gegensatz zur Hom\u00f6opathie hingegen mehr oder weniger v\u00f6llig versagt. Und dann werden chronische Beschwerden der Atemwege in einer Langzeituntersuchung &#8211; also DAS erkl\u00e4rte Einsatzfeld der Hom\u00f6opathie &#8211; nicht betrachtet? Welchen Schluss darf man daraus ziehen, wenn trotz eines an positiven Ergebnissen \u00e4u\u00dferst interessierten Auftraggebers dar\u00fcber nicht berichtet wird?<\/p>\n<p>Nach dem Bericht von Grimaldi-Bensouda wurde bei den hier betrachteten Patienten das erste Telefoninterview nicht bereits im Zeitraum von drei Tagen nach der Behandlung, sondern erst nach einem Monat durchgef\u00fchrt, mit weiteren Nachfolgeinterviews drei und zw\u00f6lf Monate nach dem urspr\u00fcnglichen Arztbesuch. Was ist von der Erk\u00e4ltung am Anfang dann noch \u00fcbrig, egal, was die Therapie ausgerichtet hat oder auch nicht? Eben: Nichts. Diese Datenerfassung ist folglich f\u00fcr die Bewertung des Behandlungserfolgs bei Erk\u00e4ltungskrankheiten v\u00f6llig ungeeignet, da sie keine Trennsch\u00e4rfe aufweist.<\/p>\n<p>Das Ergebnis zeigt sich wie \u00fcblich: Die Krankheitsverl\u00e4ufe bei den Hom\u00f6opathen sind \u00e4hnlich wie bei den konventionellen Medizinern, was nun wirklich nicht verwundert, nur der Gebrauch an Antibiotika und Entz\u00fcndungshemmern ist bei den Hom\u00f6opathen halb so gro\u00df &#8211; aber beileibe nicht null.<\/p>\n<p>Donnerwetter, wenn das nicht ein schlagender Nachweis ist: Wenn man mindestens doppelt so lange mit der ersten Abfrage wartet, wie eine solche Erkrankung auch unbehandelt \u00fcberhaupt nur dauert, dann sind die Ergebnisse der Hom\u00f6opathen vergleichbar mit den konventionell behandelten Patienten. Und wer h\u00e4tte das f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass Patienten, die von sich aus die Praxis eines Hom\u00f6opathen aufsuchen, weniger konventionelle Mittel verordnet bekommen und einnehmen als die anderen?<\/p>\n<p>Und zu einer derartigen Unsinnsforschung haben sich mit dem Pasteur-Institut und dem INSERM Topadressen der franz\u00f6sischen Gesundheitsforschung hergegeben? Das wird auch einiges gekostet haben.<\/p>\n<h2>Beschwerden am Bewegungsapparat<\/h2>\n<p>In einer weiteren in 2012 publizierten Arbeit werden die Daten f\u00fcr 1153 Patienten mit Beschwerden des Bewegungsapparates (&#8222;musculoskeletal disorders&#8220;) ausgewertet.<\/p>\n<p>Auch hier zeigt sich, dass offenbar nicht alle Patienten mit Beschwerden am Bewegungsapparat in die Auswertung eingeflossen sind. Nach den angegebenen Klassifikationsnummern nach dem ICD9-System sind Patienten mit Enthesopathie (Entz\u00fcndung der Sehnenansatzpunkte), mit Osteoporose, und Ischiasbeschwerden nicht aufgenommen worden, ebenso alle Patienten mit entz\u00fcndlichen und infekti\u00f6sen Beschwerden sowie Wucherungen im Gelenkbereich. Wof\u00fcr nat\u00fcrlich keine Begr\u00fcndung angegeben ist.<\/p>\n<p>Es wurde hingegen ein wildes Gemisch unterschiedlicher Beschwerden wie Rheumatische Erkrankungen, Bandscheibenbeschwerden, Hexenschuss und viele andere mehr eingeschlossen, die au\u00dfer, dass sie sich im Bewegungsapparat zeigen, kaum Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Indikationen wurden in der Auswertung lediglich in chronische und nicht-chronische Beschwerden klassifiziert, die sich darin unterschieden, ob die Beschwerden zum Zeitpunkt des Studienbeginns bereits k\u00fcrzer oder l\u00e4nger als 12 Wochen andauerten.<\/p>\n<p>Ansonsten gelten die oben beschriebenen Vorbehalte f\u00fcr diese Arbeit in vollem Umfang: Aus der fehlenden Signifikanz des Unterschiedes in den Gruppen wird auf die Gleichwertigkeit der Krankheitsverl\u00e4ufe geschlossen. Aus der geringeren Anzahl der Patienten, die angaben, mindestens einmal im Betrachtungszeitraum ein Schmerzmittel oder ein entz\u00fcndungshemmendes Mittel eingenommen zu haben, wird auf einen deutlich gr\u00f6\u00dferen Medikamentenverbrauch geschlossen.<\/p>\n<h2>Depression und Angstst\u00f6rungen<\/h2>\n<p>In die von Grimaldi-Bensouda et al. erst 2016 ver\u00f6ffentlichten Auswertung zur Behandlung von Angstst\u00f6rungen und Depressionen sind die Daten von 710 Patienten eingeflossen [7]. Auch dies ist nur eine Untergruppe der aufgetretenen Indikationen, die auch mit den getrennt ausgewerteten Schlafst\u00f6rungen (s. unten) nicht alle Befunde dieser Kategorie abdecken. Menschen etwa mit Essst\u00f6rungen, Nervosit\u00e4t und Unruhe, akutem und chronischem Stress wurden nicht betrachtet. Also auch bei den psychisch bedingten Indikationen, bei denen die Hom\u00f6opathie infolge des besonderen Vorgehens bei der Anamnese besonders vorteilhaft sein soll, scheinen l\u00e4ngst nicht alle Bem\u00fchungen von Erfolg gekr\u00f6nt zu sein.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist weiterhin, dass die Patienten der konventionellen \u00c4rzte in allen Indikatoren f\u00fcr die Schwere der Beschwerden deutlich schlechter abschnitten als die Patienten der Hom\u00f6opathen. So hatten etwa 23 % der konventionellen Patienten in der Vergangenheit einen Selbstmordversuch hinter sich, bei den Hom\u00f6opathen nur 14,2 %. Auch waren Komorbidit\u00e4ten bei den konventionellen Patienten in deutlich h\u00f6herem Ma\u00dfe ausgepr\u00e4gt, Diabetes etwa bei 14,3 anstatt 6,6 %. .<\/p>\n<p>Als Ergebnis wurde lediglich die Remissionsrate zu den Interviewzeitpunkten ausgewertet, das hei\u00dft, der Anteil der Patienten, bei denen die mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens erhobene Punktzahl zur Bewertung der Schwere der Symptomatik unter den Schwellwert von 9 fiel. Dies erscheint ein etwas fragw\u00fcrdiges Messverfahren, da der Verlauf nur eines kleinen Teils der Patienten, je nach Messpunkt zwischen 8,5 und 22,5 %, tats\u00e4chlich in das Ergebnis eingeflossen ist. Die Entwicklung der Masse der Patienten hatte jedoch keinen Einfluss. Zumal zu vermuten ist, dass es eher die leichteren F\u00e4lle sein d\u00fcrften, bei denen eine Remission aufgetreten ist. Noch nicht einmal das unterste Quartil wirkt sich vollumf\u00e4nglich auf das Ergebnis aus. Es wird die Entwicklung am untersten Rand betrachtet &#8211; nicht im Schwerpunkt und nicht bei den schwereren F\u00e4llen, wo aber der Leidensdruck deutlich h\u00f6her sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich &#8211; und dies d\u00fcrfte keine \u00dcberraschung sein &#8211; hat die Hom\u00f6opathie durch die Art ihrer Anamnese in einem langen Gespr\u00e4ch bei psychischen Erkrankungen deutliche Vorteile gegen\u00fcber der konventionellen Medizin (wobei offen gelassen sei, ob die \u00c4rzte in Frankreich unter einem \u00e4hnlichen Kosten- und Zeitdruck stehen wie hierzulande). Ein in dieser Studie erkennbares besseres Abschneiden der Hom\u00f6opathie ist zu erwarten. Was allerdings verbl\u00fcfft, ist, dass dieser Erfolg offenbar nur kurzfristig ist: Liegen einen Monat nach Therapie bereits 16,1 % der Patienten unter dem Grenzwert von neun Punkten, so steigt dies nach drei Monaten auf den Wert von 22 %, nur um nach einem Jahr wieder auf 18,5 % zur\u00fcckzufallen. Offenbar hat sich die Begeisterung \u00fcber die Hom\u00f6opathie bei einigen Patienten verfl\u00fcchtigt &#8211; die \u00fcbrigens auch zu einem nicht kleinen und konstant bleibenden Anteil von \u00fcber 45 % Psychopharmaka einnahmen.<\/p>\n<p>Bei den konventionellen Medizinern sind die Zahlen zwar nicht absolut besser, deuten jedoch auf eine nachhaltigere Verbesserung hin, wenn man aus den Zahlen \u00fcberhaupt etwas ablesen kann: Der Anteil der Patienten unter neun Punkte nahm kontinuierlich zu (von 8,5 \u00fcber 10,4 zu 13,9 %) und der Gebrauch an Psychopharmaka nahm drastisch ab (von 86 \u00fcber 74,4 zu 68 %).<\/p>\n<p>In der Schlussfolgerung wird das gewohnte Bild aufgezeigt &#8211; vergleichbare Ergebnisse bei geringerem Einsatz konventioneller Medikamente &#8211; aber hier wird wenigstens auf die M\u00f6glichkeit hingewiesen, dass auch die Regression zur Mitte einen Einfluss gehabt haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Untergruppe der Patienten mit einem Lebensalter \u00fcber 65 Jahre wurde von Danno et al. 2018 eine getrennte Auswertung vorgelegt [8]. Kann dies daran liegen, dass f\u00fcr diese Untergruppe die Ergebnisse besonders vorteilhaft aussehen &#8211; und man mal wieder etwas f\u00fcr die Presse brauchte? Nota bene: Angesichts der vielen betrachteten Indikationen und auch der vielen denkbaren Untergruppen, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch positive Ergebnisse aufgetreten sind, \u00fcber die man nat\u00fcrlich gerne berichtet. Oder liegt es vielleicht daran, dass \u00e4ltere Menschen f\u00fcr Zuspruch, hom\u00f6opathisch oder nicht, einfach empf\u00e4nglicher sind?<\/p>\n<h2>Schlafst\u00f6rungen<\/h2>\n<p>Von den psychischen Beschwerden wurden die Daten von 346 Patienten, die unter Schlafst\u00f6rungen litten, getrennt ausgewertet und 2015 von Grimaldi-Bensouda et al. ver\u00f6ffentlicht [9].<\/p>\n<p>Erstaunlich ist hier der mit 40 % recht hohe Anteil der Patienten, denen von ihrem Hom\u00f6opathen Schlafmittel (&#8222;Psychotropic drug for sleeping disorders&#8220;) verordnet wurden (konventionelle Therapeuten: 77 %). Selbst bei dieser Indikation, die f\u00fcr die sanfte Hom\u00f6opathie pr\u00e4destiniert erscheinen m\u00fcsste, wird dies von den dazu ausgebildeten \u00c4rzten in gro\u00dfem Umfang nicht als bessere Alternative gesehen. Ansonsten zeigt sich auch hier das gleiche Bild wie in den anderen Studien: \u00e4hnliche Ergebnisse aber geringerer Konsum von konventionellen Medikamenten.<\/p>\n<h2>Neunter Vorbehalt: Ungeeignete Mess- und Auswerteverfahren<\/h2>\n<p>Die Betrachtungen zu den einzelnen Ver\u00f6ffentlichungen lassen sich zu einem weiteren generellen Vorbehalt dahingehend zusammenfassen, dass recht h\u00e4ufig ungeeignete Mess- und Auswerteverfahren angewendet werden. Den Verlauf selbstlimitierender Erk\u00e4ltungskrankheiten zu Beobachtungszeiten von einem, drei oder zw\u00f6lf Monate nach der Behandlung liefert keine brauchbaren Ergebnisse, denn was immer zu diesen Zeitpunkten auch der Zustand des Patienten sein mag, das hat nichts mehr mit dem urspr\u00fcnglichen Fall und dessen Behandlung zu tun. Den Verlauf der Genesung bei Angstst\u00f6rungen und Depressionen nur anhand der vergleichsweise wenigen aufgetretenen Remissionen zu beurteilen l\u00e4sst v\u00f6llig au\u00dfer Acht, wie es der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der schwereren F\u00e4lle ergangen ist.<\/p>\n<h1>Quintessenz<\/h1>\n<p>Quintessenz aus all diesem: Au\u00dfer zum Marketing taugen diese Arbeiten zu nichts. Aber dies d\u00fcrfte auch der Zweck der Handlung gewesen sein: Die Behauptung, Hom\u00f6opathie sei etwas Tolles, durch wissenschaftlich aussehende Schriftst\u00fccke zu untermauern. Es ist nur erstaunlich, welcher Aufwand betrieben werden musste, die an sich schon armseligen Ergebnisse auch zu erzielen!<\/p>\n<h1>Danke<\/h1>\n<p>Vielen Dank dem gerne anonym bleibenden K\u00fcnstler skt_johann f\u00fcr die zur Verf\u00fcgung gestellte Zeichnung.<\/p>\n<h1>Literatur<\/h1>\n<p>[1] Behnke J: Vorteile der Hom\u00f6opathie f\u00fcr Patienten und das Gesundheitssystem; Webseite der Karl und Veroinka Carstens-Stiftung, <a href=\"https:\/\/www.carstens-stiftung.de\/artikel\/vorteile-der-homoeopathie-fuer-patienten-und-das-gesundheitssystem.html\">Link<\/a> , abgerufen 30.06.2018<\/p>\n<p>[2] Gro\u00df A: Hochpotente Debatte um Globuli, Webseite Medonline , <a href=\"https:\/\/medonline.at\/allgemeinmedizin\/medical-tribune\/n\/2018\/232484\/hochpotente-debatte-um-globuli\/\">Link<\/a> abgerufen 30.06.2018<\/p>\n<p>[3] Abenhaim L, Begaud B: EPI3 &#8211; Corhort of Patients with Three Common Diseases (Musculoskeletal Pain; Sleep, Anxiety and Depressive Disorders and Upper Respiratory Infections): Study of the Impact of Homoeopathic Treatment; INSERM, <a href=\"http:\/\/bit.ly\/2gLEu4c\">Link<\/a><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">[4] Grimaldi-Bensouda L, Begaud B, Lert F et al.: Benchmarking the burdon of 100 diseases: results of a nationwide representative survey within general practices; <\/span>BMJ Open 2011;1:e000215.doi:10.1136\/bmjopen-2011-000215, <a href=\"https:\/\/bmjopen.bmj.com\/content\/1\/2\/e000215.full\" class=\"broken_link\">Link<\/a><\/p>\n<p>[5] Grimaldi-Bensouda L, Begaud B, Rissignol M ez al.: Management of Upper Respiratory Tract Infections by Different Medical Practices, Including Homeopathy, and Consumption of Antibiotics in Primary Care: The EPI3 Cohort Study in France 2007 &#8211; 2008, PLoS ONE 9(3): e89990.doi:10.1371\/journal.pone.0089990, <a href=\"http:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0089990\">Link<\/a><\/p>\n<p>[6] Rossignol M, Begaud B, Engel P et al.: Impact of physicians preferences for homeopathic or conventional medicines on patients with musculoskeletal disorders: results form the EPI3-MSD cohort; PHARMACOEPIDEMIOLOGY AND DRUG SAFETY 2012; 21: 1093-1101. DOI: 10.1002\/pds.3316 <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/pdf\/10.1002\/pds.3316\" class=\"broken_link\">Link<\/a><\/p>\n<p>[7] Grimaldi-Bensouda L, Abenhaim L, Massol J et al.: Homeopathic medical practice for anxiety and depression in primary care: the EPI3 cohort study; BMC Complementary and Alternative Medicine (2016) 16: 125, DOI 10.1186\/s12906-016-1104-2, <a href=\"https:\/\/bmccomplementalternmed.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12906-016-1104-2\">Link<\/a><\/p>\n<p>[8] Danno K, Duru G, Vetel JM: Management of Anxiety and Depressive Disorders in Patients &gt;= 65 Years of Age by Homeopath General Practitioners versus Conventional General Practitioners, with overview of the EPI3-LASER Study results; Homeopathy 2018 107 (02):081-089, DOI 10.1055\/s-0038-1636536, <a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.com\/products\/ejournals\/abstract\/10.1055\/s-0038-1636536\">Link<\/a><\/p>\n<p>[9] Grimaldi-Bensouda L, Abenhaim L, Massot J et al: Utilization of psychotropic drugs by patients consulting for sleeping disorders in homeopathic and conventional primary care settings: the EPI3 cohort study; Homeopathy (2015), ?, 1-6; <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1475491615000296?via%3Dihub\" class=\"broken_link\">Link<\/a><\/p>\n<p>[10] Hahn S: Understanding noninferiority trials; Korean Journal of Pediatrics (2012); 55(11): 403-407 <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3510268\/\">Link<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hom\u00f6opathie hat ein Problem damit, die angeblich so \u00fcberragende Wirksamkeit mit wissenschaftlich validen Studien zu belegen. 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