{"id":312,"date":"2013-05-24T13:03:47","date_gmt":"2013-05-24T11:03:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=312"},"modified":"2013-06-05T19:46:38","modified_gmt":"2013-06-05T17:46:38","slug":"ein-beispiel-fur-pseudoforschung-in-der-homoopathie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=312","title":{"rendered":"Ein Beispiel f\u00fcr Pseudoforschung in der Hom\u00f6opathie"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D312\" data-timestamp=\"1370461598\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D312\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D312&text=Ein%20Beispiel%20f%C3%BCr%20Pseudoforschung%20in%20der%20Hom%C3%B6opathie\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p><em><\/em>F\u00fcr gew\u00f6hnlich ist Forschung eine gute Sache, die recht vielen Menschen auf verschiedene Weise n\u00fctzlich ist.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Grunds\u00e4tzlich ist das Resultat guter Forschungsarbeit ein Erkenntnisgewinn auf einem Wissensgebiet. Im Bereich der pharmazeutischen und medizinischen Forschung ist dies ohne Zweifel eine Erweiterung des Wissens dar\u00fcber, was unter welchen Bedingungen bei Mensch, Tier oder Pflanze bei bestimmten Leiden heilend wirkt &#8211; oder auch hilft, eine Erkrankung zu vermeiden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der Forscher, der\u00a0eine solche\u00a0Untersuchung durchgef\u00fchrt hat und neue Erkenntnisse in einem Fachmagazin ver\u00f6ffentlichen konnte, kann eine Steigerung seiner Reputation verzeichnen, was ihm bei seiner Karriere in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft sicher von Vorteil ist.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das Unternehmen, das die Studie finanziert hat, kann sich mit Fug und Recht als Speerspitze in seinem Fachgebiet f\u00fchlen, schlie\u00dflich hat man wesentliche Impulse dazu gegeben, dass es neue Erkenntnisse gibt, die den Kunden zu Gute kommen. Das kann man durchaus werbewirksam verwenden und auf eine verbesserte Akzeptanz am Markt hoffen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">F\u00fcr Grundlagenuntersuchungen gelten diese drei Punkte uneingeschr\u00e4nkt, f\u00fcr Untersuchungen an einzelnen Medikamenten zum Nachweis der Wirksamkeit vielleicht mit mehr oder weniger gro\u00dfen Einschr\u00e4nkungen. Es gibt aber auch Forschungsberichte, die offenbar nur auf den dritten Punkt abzielen und danach streben, dies mit m\u00f6glichst wenig Aufwand zu realisieren. Letztendlich gibt es ein wichtiges Kriterium, was ein in seinem Sachgebiet kompetentes Unternehmen ausmacht:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: center;\">Ein kompetentes Unternehmen ist eines, das seine Kunden daf\u00fcr halten!<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: left;\">Dies kann preiswerter und einfacher zu erreichen sein, als den langen und m\u00fchseligen Weg der echten Forschung zu gehen. Wenn man etwas ver\u00f6ffentlicht, was in den Augen derjenigen, die man beeindrucken will, so aussieht, als w\u00e4re es Forschung, dann kann das den einen oder anderen Kunden durchaus \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><!--more-->Betrachten wir die Anatomie eines solchen Forschungsberichts am Beispiel der Arbeit von Vincent und Kollegen [1] \u00fcber &#8230; tja, und jetzt f\u00e4llt es schon schwer, in zwei, drei kurzen Worten zu benennen, wor\u00fcber da eigentlich geforscht wurde. Der Titel der Arbeit, die immerhin in einer Fachzeitschrift ver\u00f6ffentlicht wurde, die in einem renommierten Verlag f\u00fcr wissenschaftliche Werke erschien, lautet in der \u00dcbersetzung:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"center\">&#8218;Umgang von hom\u00f6opathischen und allopathischen Allgemeinmedizinern mit grippe\u00e4hnlichen Erkrankungen in Frankreich w\u00e4hrend der Grippesaison 2009-2010&#8216;\u00a0<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Ich habe hierbei den Begriff &#8218;management&#8216; mit &#8218;Umgang&#8216; \u00fcbersetzt, denn eine Behandlung im Sinne von Therapie war nicht gemeint, dies w\u00e4re &#8218;treatment&#8216; oder &#8218;intervention&#8216; gewesen. Man darf von daher schon einmal gespannt sein, wie die \u00c4rzteschaft mit den grippe\u00e4hnlichen Erkrankungen umgegangen ist. Unvoreingenommen vermutet man ja, dass die \u00c4rzte die Patienten behandelt haben sollten, aber vielleicht passiert da ja doch etwas ganz anderes.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Bei einer wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichung ist es \u00fcblich, dass auch der Arbeitgeber der Autoren angegeben wird. Der erstgenannte Hauptautor wird als Mitarbeiter der Fa. Boiron benannt, des in Frankreich ans\u00e4ssigen weltweit gr\u00f6\u00dften Herstellers hom\u00f6opathischer Medikamente. In einem anderen <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=187\">Artikel<\/a> hatte ich dargestellt, dass ein Interessenkonflikt prinzipiell kein gro\u00dfes Problem ist, wenn also eine Studie von einem Unternehmen bezahlt wird, das von dem Ergebnis profitieren kann. Man kann trotzdem korrekte Forschungsarbeit leisten, denn die Fach\u00f6ffentlichkeit w\u00fcrde es wahrscheinlich merken, wenn da Ergebnisse manipuliert werden. Bei der Art von Forschung, die wir hier betrachten, ist es aber ein erster Hinweis auf die Natur der Arbeit.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Eine wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung folgt zumeist einer ganz bestimmten Gliederung, die wir auch an dieser Arbeit erkennen k\u00f6nnen und der wir hier bei der Besprechung folgen. Zun\u00e4chst kommt die Zusammenfassung, in der alles Wesentliche zur Studie gesagt wird, auch deren Ergebnis. Das nimmt der ganze Sache sicher etwas die Spannung, aber wissenschaftliche Studien werden nicht wegen ihres Unterhaltungswertes ver\u00f6ffentlicht, sondern um Ergebnisse und Schlussfolgerungen daraus zur Diskussion zu stellen. Die Zusammenfassung dient dem Zweck, dass man nicht die ganze Ver\u00f6ffentlichung lesen muss, um zu entscheiden, ob sie f\u00fcr die eigene Arbeit wichtig ist. Wir werden allerdings den Haupttext betrachten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Als ersten Abschnitt findet man in einer wissenschaftlichen Arbeit die Einf\u00fchrung (&#8218;Introduction&#8216;). Darin gibt der Autor normalerweise einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber das betrachtete Arbeitsgebiet und beschreibt den Stand der Erkenntnis beziehungsweise verweist auf entsprechende Literatur. Dabei arbeitet er heraus, wo, in welchem Aspekt, dieses Wissen einer Verbesserung\u00a0oder Erweiterung bedarf, welchen Beitrag seine Arbeit dazu leisten soll und was f\u00fcr ein Nutzen damit erzielt wird.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Vincent verbreitet sich in diesem wichtigen Abschnitt dar\u00fcber, wie schlimm Grippe ist, welche Folgen sie weltweit hat, wie viele Menschen daran gestorben sind, wie das Krankheitsbild definiert ist, dass sie von praktischen \u00c4rzten behandelt wird, dies von der Krankenkasse bezahlt wird. Alles sicherlich richtig, kann man im Zweifelsfall sicher in der Wikipedia nachlesen. Irgendwo auf den letzten Zeilen erscheint dann die Aussage, dass noch nicht untersucht worden ist, wie hom\u00f6opathische und allopathische \u00c4rzte mit grippe\u00e4hnlichen Erkrankungen umgehen. Sch\u00f6n. Was aber der Nutzen f\u00fcr die Welt und die Wissenschaft sein soll, was besser sein wird, wenn man es erforscht hat, das bleibt offen &#8211; und erschlie\u00dft sich, wie wir sehen werden, auch nicht im Rest der Arbeit. Wir k\u00f6nnen hier schon erkennen, dass die Arbeit kaum einen Nutzinhalt hat &#8211; wenn die Autoren schon nicht darstellen k\u00f6nnen, was der Erkenntniszuwachs bewirken soll, dann wird sich ein Leser noch erheblich schwerer damit tun.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Im n\u00e4chsten Gliederungspunkt wird \u00fcblicherweise dargestellt, mit welcher Methode man die Untersuchung durchgef\u00fchrt hat. Das Vorgehen ist so genau zu beschreiben, dass andere Wissenschaftler in die Lage versetzt werden, bei Bedarf diesen Versuch selbst durchzuf\u00fchren und die Ergebnisse experimentell zu \u00fcberpr\u00fcfen. Eventuell folgen aus der Erfassungsmethode auch Einschr\u00e4nkungen in der Allgemeing\u00fcltigkeit des Ergebnisses. Deshalb sind die Methodenbeschreibungen oftmals recht langatmig und detailliert, wirken fast schon kleinkariert, sind aber sehr wichtig, denn hiervon h\u00e4ngt nicht weniger als die G\u00fcltigkeit der Ergebnisse ab.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Vincent f\u00fchrt aus, dass die Studie zwischen Oktober 2009 und April 2010 durchgef\u00fchrt wurde. Zugelassene Allgemeinmediziner, die im Raum Paris arbeiteten (&#8218;metropolitan France&#8216; &#8211; die Forscher bezeichnen in Tabelle 1 nur Paris als &#8218;metropolitan area&#8216;), wurden aus dem Telefonbuch ausgew\u00e4hlt und galten als hom\u00f6opathisch arbeitende \u00c4rzte, wenn sie eine entsprechende Ausbildung hatten und aus ihrer Erinnerung heraus zu dem Schluss kamen, dass sie mehr als 50% der t\u00e4glichen Verschreibungen f\u00fcr hom\u00f6opathische Mittel ausstellen. Die anderen wurden als allopathisch, also nicht-hom\u00f6opathisch arbeitende \u00c4rzte eingestuft.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Die \u00c4rzte wurden gebeten, die ersten drei ihrer Patienten, die \u00e4lter als ein Jahr waren und die grippe\u00e4hnliche Symptome zeigten, f\u00fcr die Studienteilnahme zu gewinnen. Ausgeschlossen wurden Patienten, die mit antiviralen Medikamenten behandelt wurden, oder &#8218;die wahrscheinlich die Studie nicht beendet h\u00e4tten&#8216;. Die \u00c4rzte f\u00fcllten Fragebogen aus, die bestimmte Daten zu sich selbst und zu der Praxis abfragten. F\u00fcr die Patienten wurden Behandlungsb\u00f6gen ausgef\u00fcllt, die die Daten der Patienten erfassten, die Diagnose und die verordneten Mittel. Ob eine regelrechte hom\u00f6opathische Behandlung erfolgte, also die ausf\u00fchrliche Erstanamnese, wurde erstaunlicherweise nicht erfasst. Am 4. Tag erg\u00e4nzten die Patienten den Fragebogen, indem sie die Behandlung nach einem 4-Punkte-Schema bewerteten (gar nicht zufrieden &#8211; ein wenig zufrieden &#8211; zufrieden &#8211; sehr zufrieden). Dann wird noch ausgef\u00fchrt, wie die Ergebnisse statistisch ausgewertet wurden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Die Darstellung in der Arbeit ist ausf\u00fchrlicher, als ich es hier geschildert habe, daher wird der Eindruck vielleicht etwas verf\u00e4lscht. Es ist aber tats\u00e4chlich so, dass die Beschreibung sehr oberfl\u00e4chlich ist. Beispiel: die Auswahl der teilnehmenden \u00c4rzte. Vom Titel der Arbeit her (&#8230; in Frankreich &#8230;) sollte man vermuten, dass die Autoren in ihrer Studie irgendwie ganz Frankreich abgebildet haben. Aber nein, es hei\u00dft klar &#8218;working in metropolitan France&#8216;, also nur in der Umgebung der Hauptstadt. Eine andere Metropolregion gibt es in Frankreich nicht. Das Auswahlverfahren ist nicht beschrieben (&#8218;were randomly selected from a registry compiled &#8230; (from a telephone directory)&#8216;). Das kann man auf sehr viele verschiedene Arten tun. Man kann einfach jeden soundsovielten Eintrag nehmen. Man kann sich Zufallszahlen generieren und entsprechend Seitenzahl und Position auf der Seite ausw\u00e4hlen. Man kann mit dem Wurfpfeil drauf werfen. Man kann die Namen in eine Trommel werfen und ziehen lassen. Das alles h\u00e4tte m\u00f6glicherweise Auswirkungen darauf, dass bestimmte Gruppen bevorzugt oder benachteiligt werden. Auch w\u00e4re interessant zu erfahren, nach welchen Kriterien die \u00c4rzte beurteilt haben, ob ein Patient die Studie vermutlich beenden wird oder nicht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Im n\u00e4chsten Abschnitt werden die Ergebnisse dargestellt, also was mit den beschriebenen Methoden gemessen oder ermittelt wurde. Da erfahren wir jetzt einen riesigen Schwall an Zahlen: Geschlecht und Alter der \u00c4rzte, Umfeld der Praxis. In Tabellen ist aufgef\u00fchrt, welches Alter und Geschlecht die Patienten hatten, ihr beruflicher Status, das Vorliegen von Risikofaktoren oder Impfungen, vorausgegangene Behandlungen, Zeitdauer seit dem Einsetzen der Symptome. Auch die Symptome zu Beginn der Behandlung sind eine Tabelle wert, genauso wie die verabreichten Medikamente.\u00a0<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Zum Schluss erf\u00e4hrt man noch, wie die Patientengruppen mit ihrer Behandlung zufrieden waren &#8211; und das wars.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Irgendwie bleibt man verst\u00f6rt zur\u00fcck, zumindest beim ersten Lesen. Haben die nicht etwas Wichtiges vergessen? Sollte man nicht auch das Ergebnis darstellen? Man blickt in die Zusammenfassung und da steht dann tats\u00e4chlich, was die wesentlichen Ergebnisse der Studie sein sollten:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<div lang=\"de-DE\" align=\"left\">Eigenschaften der Patienten<\/div>\n<\/li>\n<li>Demographische Daten der Patienten<\/li>\n<li>Symptome zu Beginn der Behandlung<\/li>\n<li>Verschriebene Medikamente nach Arbeitsweise des Mediziners<\/li>\n<li>Zufriedenheit der Patienten nach Arbeitsweise des Mediziners und nach Art der Medikamente<\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Tats\u00e4chlich. Kein Irrtum, die Arbeit soll so sein: Die ersten vier Punkte, die eigentlich bei einer normalen Wirksamkeitsstudie die Ausgangssituation beschreiben w\u00fcrden, sind hier schon\u00a0das Ergebnis, das mit Hilfe von 189 \u00c4rzten (65 Hom\u00f6opathen, 125 Nicht-Hom\u00f6opathen) an 461 Patienten ermittelt wurde (152 gingen zu Hom\u00f6opathen, 310 zu den Nicht-Hom\u00f6opathen).<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Ergebnis dieser Studie ist beispielsweise, dass die hom\u00f6opathisch arbeitenden \u00c4rzte im Schnitt 53,4 Jahre alt waren mit einer Standardabweichung von 4,8 Jahre, die Nicht-Hom\u00f6opathen waren hingegen 54,8 Jahre alt mit einer Standardabweichung von 6,1 Jahren. Und das ist mit p = 0,053 sogar fast signifikant. Oder dass bei den Nicht-Hom\u00f6opathen 58,1 % der Patienten M\u00e4nner waren, bei den Hom\u00f6opathen nur 44,0 %. Oder dass 9,7 % der Patienten der Nicht-Hom\u00f6opathen Studenten waren, bei den Hom\u00f6opathen nur 6,7 %. Oder dass 96,4 % der Patienten der Nicht-Hom\u00f6opathen Husten hatten, bei den Hom\u00f6opathen nur 90,2 %. Aha.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Wie durch ein Wunder haben die Patienten bei Hom\u00f6opathen mehr hom\u00f6opathische Mittel bekommen als bei den Nicht-Hom\u00f6opathen, mit den Mitteln der konventionellen Medizin war es genau anders herum.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Zu allen Zahlen wird auch eine Signifikanz angegeben, zumeist\u00a0eine hohe. Ersparen wir sie uns trotzdem, sie sind ebenso belanglose Feststellungen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Es wird allerdings auch \u00fcber kleine Wunder berichtet: Im Text hei\u00dft es ausdr\u00fccklich, dass \u00c4rzte aus &#8218;metropolitan France&#8216; eingeladen wurden, an der Studie teilzunehmen. Dennoch arbeiten bei den Hom\u00f6opathen 12,3 % und bei den Nicht-Hom\u00f6opathen 37,9 % der \u00c4rzte in einer l\u00e4ndlichen Gegend. Weitere 12,5 % der Hom\u00f6opathen und 16,9 % der Nicht-Hom\u00f6opathen in Kleinst\u00e4dten unter 10.000 Einwohner. Also in Paris arbeiten rund 45 % der \u00c4rzte in d\u00f6rflicher oder kleinst\u00e4dtischer Umgebung? Merkw\u00fcrdige Metropole, das &#8230; Oder hatten die Autoren einfach nur Probleme, sich in den Aussagen zu ihrer eigenen Studie zurechtzufinden?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Interessant ist \u00fcbrigens auch, dass 38,4 % der Hom\u00f6opathie-Patienten auch Paracetamol erhielten, 19,4 % der Nicht-Hom\u00f6opathie-Patienten erhielten auch Oscillococcinum, ein von Boiron hergestelltes hom\u00f6opathisches Mittel, das gegen grippe\u00e4hnliche Erkrankungen helfen soll (siehe auch die Arbeit von Ferley, die in <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=72\">meinem Buch <\/a>besprochen wird).<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Bleibt noch die Zufriedenheit der Patienten: Bei den Hom\u00f6opathen waren 96,5 % der Patienten mit der Behandlung zufrieden oder sehr zufrieden, bei den Nicht-Hom\u00f6opathen waren es 96,3 %. Wobei die Hom\u00f6opathen etwas im Vorteil sind, denn dort war der Anteil der &#8217;sehr zufriedenen&#8216; Patienten etwas h\u00f6her (49,3 % anstatt 41,4 %).<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Nach der Darstellung der Ergebnisse, in der prinzipiell nur die reinen Zahlen aufgelistet und deren Ermittlung oder Besonderheiten gegebenenfalls erl\u00e4utert werden, kommt jetzt wie \u00fcblich ein Kapitel, in dem man sich mit den Zahlen auseinandersetzt, in dem man beispielsweise m\u00f6gliche Messfehler diskutiert. Auch wird dort normalerweise \u00fcber unvorhergesehene Dinge berichtet, Dinge die anders gelaufen sind als geplant und das Ergebnis beeinflussen k\u00f6nnten. Generell geht es um die G\u00fcltigkeit und die Belastbarkeit der Daten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Was tut Vincent hier? Er erl\u00e4utert das Ergebnis, f\u00fchrt aus, was gemessen wurde, vergleicht mit anderen Daten. Darin nat\u00fcrlich, dass die Patienten, die das Boiron-Produkt eingenommen hatten, besonders zufrieden waren. Nur im letzten Absatz wird dar\u00fcber gesprochen, dass es vielleicht Einfl\u00fcsse aus der mangelnden Verblindung gegeben haben k\u00f6nnte, aber die Autoren erwarten einfach, dass dies nicht der Fall sei.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Stattdessen w\u00e4re es an dieser Stelle vielleicht angebracht, zu diskutieren, was eigentlich die Zufriedenheit der Patienten bewirkt, ob das tats\u00e4chlich eine aussagef\u00e4hige Angabe ist. Womit ist ein Patient zufrieden? Dass er schnell einen Termin bekommen hat? Dass er in der Praxis nicht lange warten musste? Dass es im Wartezimmer angenehm geheizt war und es etwas Gescheites zum Lesen gab? Dass die Sprechstundenhilfe nett war und freundlich gel\u00e4chelt hat (ich wei\u00df aus eigener Erfahrung, dass dies gerade bei \u00e4lteren Herren sehr zur Zufriedenheit beitr\u00e4gt)? Dass die Behandlung nicht allzu unangenehm oder zu teuer war? Oder was?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Den Erfolg der Behandlung h\u00e4tte man auch anhand objektiver Daten messen k\u00f6nnen, etwa ob das Fieber gesunken war, der Husten abgeklungen war oder \u00c4hnliches. Da dies, obwohl prinzipiell einfach zu ermitteln, nicht betrachtet wurde, war der objektive Behandlungserfolg offensichtlich nicht so sehr von Interesse.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Zum Ende einer Arbeit kommt die Schlussfolgerung. Hier wird normalerweise herausgearbeitet, was die Daten bedeuten. Was ist neu? Wie kann man die Daten interpretieren? Welche Schlussfolgerungen sind zu ziehen? Unter welchen Bedingungen gelten diese? Wie passen sie in das bisherige Weltbild?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Was schlie\u00dft Vincent aus dem Zahlenfriedhof in seiner Studie?<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Hom\u00f6opathie ist in Frankreich weitgehend zur Behandlung von grippe\u00e4hnlichen Erkrankungen akzeptiert (Messungen in Paris gelten offenbar f\u00fcr ganz Frankreich)<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Hom\u00f6opathische und konventionelle Behandlung erfolgen h\u00e4ufig parallel<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Patienten sind h\u00e4ufiger sehr zufrieden, wenn sie hom\u00f6opathisch behandelt werden<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Was davon f\u00fchrt dazu, dass in Zukunft Patienten besser geheilt werden k\u00f6nnen? Oder Sch\u00e4digungen vermieden werden k\u00f6nnen? Nichts.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Ist da \u00fcberhaupt eine neue Erkenntnis gegeben? Nein, zumindest nicht, wenn man schon einmal einen Artikel \u00fcber Hom\u00f6opathie in der Wikipedia gelesen hat.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Was hat die Studie gekostet? Nicht sehr viel, es mussten nur rund 500 Frageb\u00f6gen ausgewertet werden, was man einen Werkstudenten oder Praktikanten machen lassen kann. Die \u00c4rzte bekamen ein paar Euro f\u00fcr jeden Patienten, den sie in die Studie vermitteln konnten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Kann der Autor der Studie davon profitieren? Nein. Mit solch einer Studie, die eigentlich nur aus einem Zusammenstellen von zweifelhaft ermittelten Zahlen besteht, ist nicht viel Staat zu machen, aber Vincent ist ohnehin Mitarbeiter von Boiron.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Die Co-Autoren haben in ihren Praxen offenbar Patienten untersucht, denn sie erhielten eine Bezahlung f\u00fcr diese Leistung. Was haben sie sonst beigetragen? Fraglich. Aber: Sie k\u00f6nnen jetzt ihren Patienten zeigen, dass sie auch an einer wissenschaftlichen Studie mitgearbeitet haben, in ihrem Fach also offenbar sehr kompetent sein m\u00fcssen. Dies k\u00f6nnen sie jetzt auf ihren Webseiten pr\u00e4sentieren und sonstwie werbem\u00e4\u00dfig nutzen. Hat Boiron diese &#8218;Autorenpl\u00e4tze&#8216; unter besonders guten Kunden verlost?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Was hat Boiron von der Studie? Eine ganze Menge. Man kann sich schon vorstellen, wie die Meldung in der Apothekenrundschau aussehen wird &#8211; oder in \u00e4hnlichen Postillen, die es sicher auch in Frankreich gibt. Dabei k\u00f6nnen wir sicher davon ausgehen, dass die wahre Sensation, dass fast die H\u00e4lfte der \u00c4rzte in Paris in D\u00f6rfern und Kleinst\u00e4dten ans\u00e4ssig ist, wahrscheinlich nicht berichtet wird.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">&#8218;Franz\u00f6sische Forscher von den Laboratoires Boiron haben herausgefunden, dass &#8230; (diesen Teil formuliert das Marketing). Sie haben dabei mit 189 \u00c4rzten 481 Patienten untersucht und konnten zeigen, dass Patienten, die bei Grippe hom\u00f6opathische Mittel einnahmen, im Gegensatz zu Patienten, die konventionell behandelt wurden, in der Mehrzahl mit der Behandlung sehr zufrieden waren.&#8216;<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Wie \u00fcblich werden hierzu auch nicht die kleinsten Hinweise gegeben, wie man zur Originalarbeit gelangen kann.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Der Leser wird schnell dr\u00fcber hinweg lesen und die nichtssagenden Details vergessen &#8211; aber bei einigen Lesern wird sich sicher festsetzen, dass Hom\u00f6opathie doch irgendwie etwas Gutes sein muss, denn es gibt ja schon wieder eine wissenschaftliche Sensation auf diesem Gebiet, \u00fcber die Schwarz auf Wei\u00df berichtet wird.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"left\">Ziel erreicht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">[1] Vincent S, Demonceaux A, Deswarte D, Scimeca D, Bordet MF: &#8218;Management of Influenza-Like Illness by Homeopathic and Allopathic General Practitioners in France During the 2009-2010 Influenza Season&#8216;, in: Journal of Alternative and Complimentary Medicine (2013) 19 (2); pp 146-152, <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC3576893\/\">Link zum Volltext <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich ist Forschung eine gute Sache, die recht vielen Menschen auf verschiedene Weise n\u00fctzlich ist. 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