{"id":3078,"date":"2017-04-17T18:59:37","date_gmt":"2017-04-17T16:59:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3078"},"modified":"2017-08-24T19:59:27","modified_gmt":"2017-08-24T17:59:27","slug":"homoeopathie-und-die-maer-von-der-erfolgreichen-versorgungsforschung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=3078","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie und die M\u00e4r von der erfolgreichen Versorgungsforschung"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3078\" data-timestamp=\"1503604767\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3078\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 30<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D3078&text=Hom%C3%B6opathie%20und%20die%20M%C3%A4r%20von%20der%20erfolgreichen%20Versorgungsforschung\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>In der vor Kurzem (= M\u00e4rz 2017) gef\u00fchrten Diskussion um die Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr hom\u00f6opathische Therapien durch die gesetzlichen Krankenkassen verwies der Pressesprecher des DZVh\u00c4 auf die Ergebnisse der hom\u00f6opathischen Versorgungsforschung. Diese zeigten angeblich, so steht es im letzten hier auf dem Blog noch zu betrachtenden Teil des Forschungsreaders der WissHom, dass die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie unter Alltagsbedingungen der konventionellen Medizin gleichkommt. Ein Fehlschluss, wie sich bei genauerer Betrachtung zeigt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>In K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n<p>Das, was die Hom\u00f6opathen als Versorgungsforschung bezeichnen, ist keine. Forschungsgegenstand ist eben nicht die Versorgungssituation, also Strukturen und Methoden, die erforderlich sind, die Therapie in der Bev\u00f6lkerung fl\u00e4chendeckend erfolgreich anzuwenden. Es geht vielmehr um die Frage, ob und in welchem Ausma\u00df eine hom\u00f6opathische Therapie wirksam ist, was im normalen Gesundheitswesen keine Frage der Versorgungsforschung w\u00e4re. Offenbar fasst man in der Hom\u00f6opathie Beobachtungsstudien generell als Versorgungsforschung auf, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Untersuchungsgegenstand.<\/p>\n<p>Beobachtungsstudien k\u00f6nnen aus prinzipiellen Gr\u00fcnden keine belastbare Evidenz liefern, denn bei diesem Studiendesign k\u00f6nnen St\u00f6rgr\u00f6\u00dfen nur unzureichend kontrolliert werden. Dies mag ein Grund daf\u00fcr sein, dass in Beobachtungsstudien die Ergebnisse f\u00fcr die Hom\u00f6opathie \u00fcblicherweise besser ausfallen als in kontrollierten Vergleichsstudien. Dies macht sie zu einem geeigneten Instrument des Marketings und der Werbung, insbesondere bei einem im wesentlichen unkundigen Publikum, dem die positiven Ergebnisse pr\u00e4sentiert werden, das aber die methodischen Vorbehalte nicht einzuordnen wei\u00df &#8211; insbesondere, wenn sie, wie im Forschungsreader, auch noch unsachgem\u00e4\u00df dargestellt werden.<\/p>\n<p>Dass die von den Hom\u00f6opathen aus den Beobachtungsstudien gezogenen positiven Schlussfolgerungen auch infolge weiterer Unzul\u00e4nglichkeiten in keiner Weise gerechtfertigt sind, zeigt ein kleiner Streifzug durch die im Forschungsreader positiv dargestellten Studienergebnisse.<\/p>\n<p><strong>In L\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Wochen wurde viel \u00fcber Sinn und Unsinn diskutiert, ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten f\u00fcr Hom\u00f6opathika und hom\u00f6opathische Therapien \u00fcbernehmen sollten. Nat\u00fcrlich sollten sie das, meint der Pressesprecher des Deutschen Zentralvereins hom\u00f6opathischer \u00c4rzte (DZVh\u00c4), Bj\u00f6rn Bendig [1]. Schlie\u00dflich zeige die Versorgungsforschung ja deutlich auf, dass Hom\u00f6opathika im Alltag eine wesentlich bessere Wirksamkeit entfalteten als in placebokontrollierten Studien. Dies k\u00f6nne man dem Forschungsreader entnehmen, der im letzten Jahr von der Wissenschaftlichen Gesellschaft f\u00fcr Hom\u00f6opathie publiziert wurde [2]. In dem dort enthaltenen Artikel zur Versorgungsforschung in der Hom\u00f6opathie kommt Michael Teut zu dem Ergebnis [3]:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><span lang=\"de-DE\">&#8222;Die Studien aus der Versorgungsforschung zeigen in der Summe ein relativ einheitliches Bild: Bei <\/span>Patienten, die sich hom\u00f6opathisch behandeln, treten im klinischen Alltag relevante Verbesserungen auf, \u00e4hnlich stark ausgepr\u00e4gt wie in der konventionellen Therapie, allerdings mit weniger Nebenwirkungen und in der H\u00e4lfte aller \u00f6konomischen Studien mit geringeren Kosten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nne daraus aus methodischen Gr\u00fcnden nicht geschlossen werden, dass sich die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathika von Placebo unterscheide, hei\u00dft es da durchaus zutreffend. Aber was versteht der zumeist nicht fachkundige Leser des Forschungsreaders unter &#8222;methodischen Gr\u00fcnden&#8220;, wenn dann drei\u00dfig und mehr angeblich erfolgreiche Studien, das hei\u00dft positive Studienergebnisse, aufgez\u00e4hlt werden?<\/p>\n<p>Der Leser wird die Botschaft aufnehmen, dass es f\u00fcr die Hom\u00f6opathie vorteilhafte Forschungsergebnisse gibt &#8211; und sich keinen Deut damit besch\u00e4ftigen, wie die Forschungsdisziplin nun genau hei\u00dft, unter der die Resultate aufgetreten sind. Forschung ist zun\u00e4chst erst einmal Forschung. Aus der hom\u00f6opathischen Versorgungsforschung wird so unversehens die Alternative, der gef\u00fchlte klinische Wirksamkeitsnachweis.<\/p>\n<p><strong>Versorgungsforschung in der konventionellen Medizin<\/strong><\/p>\n<p>In der Tat, da haben die Hom\u00f6opathen durchaus Recht, wird in der Versorgungsforschung betrachtet, welche Ergebnisse eine Therapie in der realen Umwelt zeigt. In einer kontrollierten Vergleichsstudie geht es um die quasi unter Laborbedingungen feststellbare Wirksamkeit, bei der die Hom\u00f6opathie zumeist nicht so gut abschneidet.<\/p>\n<p>Gegenstand der Untersuchung ist zwar ebenfalls der Nutzen f\u00fcr die Patienten, aber der Schwerpunkt liegt nicht auf der Therapie selbst, sondern auf den Bedingungen, die gegeben sein m\u00fcssen, dass die positiven Wirkungen auch fl\u00e4chendeckend bei der Bev\u00f6lkerung ankommen. (Edit: Text aufgrund des Kommentars von Joseph Kuhn angepasst.) Sind die \u00c4rzte hinreichend ausgebildet? Sind die Patienten hinreichend informiert? Sind die Heil- und Hilfsmittel in der richtigen Menge an der richtigen Stelle vorhanden? Gibt es \u00fcberhaupt gen\u00fcgend Therapiepl\u00e4tze? Werden diese angenommen? Ist den Patienten die Bedeutung einer strikten Einhaltung der Einnahmevorschriften bewusst? Und vieles mehr. Nat\u00fcrlich ist auch die Frage nach den Kosten gegeben: Sind diese durch den Nutzen gerechtfertigt? K\u00f6nnen sie von den Kostentr\u00e4gern \u00fcberhaupt aufgebracht werden?<\/p>\n<p>Auch das beste Medikament oder die sicherste Therapie nutzt nichts, wenn es an der Umsetzung fehlt. Daher ist die Versorgungsforschung ein zwar wenig bekanntes, aber dennoch wichtiges Aufgabengebiet im Gesundheitswesen, wie das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Webseite schreibt [4].<\/p>\n<p>Es gibt eine interessante, \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Datenbank des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung, in der man sich sehr detailliert \u00fcber \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Projekte informieren kann [5]. Die Projekte sind sehr ausf\u00fchrlich beschrieben, welche Fragestellung untersucht wird, welche Ziele damit verfolgt werden, etc. Hier kann man sich umschauen und feststellen, mit welchen Fragestellungen man sich besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Ein paar wahllos herausgegriffene Beispiele sollen illustrieren, worum es geht:<\/p>\n<p>In einem Projekt &#8222;Verbesserung der Versorgung und Kooperation mit Nephrologen bei Patienten mit eingeschr\u00e4nkter Nierenfunktion in der Hausarztpraxis&#8220; sollen offensichtliche an der Schnittstelle zwischen Hausarzt und Nephrologie (= Nierenheilkunde) bestehende Probleme untersucht und eine Leitlinie erstellt werden [6].<\/p>\n<p>Im Klinikum der Universit\u00e4t M\u00fcnchen wurde nach englischem Vorbild eine Atemnotambulanz eingerichtet, in der Patienten mit Atemnot infolge eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums (Krebs, COPD etc.) behandelt werden. In diesem Projekt wird der erreichte Effekt dieser neuen Einrichtung untersucht [7].<\/p>\n<p>In einer anderen Studie geht es um die Frage, ob die vorhandene S3-Leitlinie bei der Behandlung von Depressionen wahrgenommen und befolgt wird und was dies f\u00fcr Folgen f\u00fcr die Patienten hat [8]. Im Vergleich zu fr\u00fcheren Daten soll festgestellt werden, ob sich nach der Einf\u00fchrung der Leitlinie die Situation gebessert hat.<\/p>\n<p>Es geht mithin nicht um die Wirksamkeit von Therapiema\u00dfnahmen an sich, sondern um die Frage, ob sie auf die richtige Art und Weise an den Mann oder an die Frau gebracht werden. &#8222;Was muss getan werden, damit die Bev\u00f6lkerung von der Therapie XY profitiert?&#8220; Diese Fragestellung macht nat\u00fcrlich nur Sinn, wenn es etwas umzusetzen gibt oder wenn der Mangel an geeigneten Verfahren aufgezeigt werden soll.<\/p>\n<p><strong>Hom\u00f6opathische Versorgungsforschung<\/strong><\/p>\n<p>Im Vergleich dazu einige der Fragestellungen, die in den Arbeiten untersucht werden, die nach Ansicht der Hom\u00f6opathen der Versorgungsforschung zuzurechnen sind:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Das Ziel dieser Studie war, die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie bei akuten Atemwegs- und Ohrbeschwerden im Vergleich zur konventionellen Therapie in der Erstversorgung zu untersuchen.&#8220; [9]<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Viele Krebspatienten nutzen die Hom\u00f6opathie als Zusatzbehandlung. Es ist bislang selten systematisch untersucht worden, ob eine hom\u00f6opathische Behandlung dem Patienten nutzt.&#8220;[10]<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Das Ziel dieser Studie bestand darin, zu evaluieren, ob die Hom\u00f6opathie den globalen Gesundheitszustand und das subjektive Wohlbefinden beeinflussen kann, wenn sie als Additiv zur konventionellen Krebstherapie angewandt wird.&#8220; [11]<\/em><\/p>\n<p>Diese Fragestellungen haben nichts mit Versorgungsstrukturen zu tun! Das sind reine klinische Fragestellungen: Welchen Nutzen zieht ein Patient aus einer hom\u00f6opathischen Behandlung? Welchen Einfluss hat diese auf seine Gesundheit? Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Versorgungsforschung zu tun. In der hom\u00f6opathischen Versorgungsforschung wird nicht gefragt, wie man die Hom\u00f6opathie in die Fl\u00e4che bringt, sondern ob sie \u00fcberhaupt eine Wirkung hat, und wenn ja, wie stark diese ist. Es handelt sich also reinewegs um Beobachtungsstudien, die zur Untersuchung der Wirksamkeit durchgef\u00fchrt werden &#8211; und wir k\u00f6nnen sie daraufhin betrachten, ob sie tats\u00e4chlich die behauptete Evidenz liefern.<\/p>\n<p>Ganz offenbar unterscheidet man beim DZVh\u00c4 und in anderen Hom\u00f6opathie-Organisationen zwischen klinischer Forschung, gekennzeichnet dadurch, dass man kontrollierte Vergleichsstudien durchf\u00fchrt, und Versorgungsforschung, die auf Beobachtungsstudien aufbaut. Wenn diese Vermutung tats\u00e4chlich zutrifft, dann gilt sie allerdings nur im Sprachgebrauch der Hom\u00f6opathen. In der konventionellen Medizin hingegen werden auch Beobachtungsstudien mit klinischen Fragestellungen zur Untersuchung der Wirksamkeit eines Verfahrens ausgef\u00fchrt. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn eine randomisierte Vergleichsstudie nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Als Beispiel: W\u00fcrde man die Wirksamkeit von Schutzimpfungen mittels einer kontrollierten Vergleichsstudie nachweisen wollen, m\u00fcsste man Patienten nach einem Zufallsprinzip impfen oder ein Placebo verabreichen und dann einem Infektionsrisiko aussetzen. Dem w\u00fcrde wohl keine Ethikkommission der Welt zustimmen, und es d\u00fcrfte auch schwierig sein, Patienten zu finden, die sich angesichts des Risikos diesem Test zur Verf\u00fcgung stellen. Man kann nicht anders, als die gesundheitliche Entwicklung der Gruppen betrachten, die sich dadurch freiwillig bilden, indem sich die Menschen f\u00fcr eine Impfung entscheiden oder nicht.<\/p>\n<p>Die Konsequenz ist nat\u00fcrlich, dass der Grad der Evidenz nicht besonders hoch ist &#8211; aber besser als nichts &#8211; und die Impfgegner im obigen Fall durchaus mit einiger Berechtigung darauf hinweisen k\u00f6nnen, dass die Wirksamkeit des Impfschutzes nicht klinisch nachgewiesen sei.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zur Hom\u00f6opathie: Warum fassen die Hom\u00f6opathen ihre Beobachtungsstudien unter dem Oberbegriff der Versorgungsforschung zusammen und behaupten, sie h\u00e4tten etwas anderes durchgef\u00fchrt als klinische Forschung? Die naheliegendste Erkl\u00e4rung ist wohl die, dass man vermeiden will, \u00fcber die St\u00e4rke der Evidenz zu diskutieren, indem man diese Studien nicht als Wirksamkeitsnachweis bezeichnet. Dem Laien, der den Reader liest, d\u00fcrften diese feinsinnigen Unterschiede gleichg\u00fcltig sein, ihm bleibt die Aufz\u00e4hlung der vielen positiven Ergebnisse im Ged\u00e4chtnis &#8211; und er interessiert sich nicht daf\u00fcr, unter welcher \u00dcberschrift das steht, ob das Versorgungsforschung oder sonstwie hei\u00dft. Der Kritiker hingegen kann damit beruhigt werden, dass man ja auf die fehlende H\u00f6he der Evidenz hingewiesen hat, womit sich seine Kritik doch eigentlich er\u00fcbrigt.<\/p>\n<p>Marketing eben.<\/p>\n<p><strong>Beobachtungsstudie versus kontrollierte Vergleichsstudie<\/strong><\/p>\n<p>Seitens der Hom\u00f6opathen wird gerne das Argument angef\u00fchrt, eine placebokontrollierte Studie w\u00e4re f\u00fcr die Ermittlung der Wirksamkeit hom\u00f6opathischer Therapien wegen der starken Individualisierung nicht geeignet. Bei den Beobachtungsstudien indes sei das ganz anders, diese bildeten die Situation in der t\u00e4glichen Praxis viel besser ab, weshalb die Hom\u00f6opathie in einem solchen Studiendesign in den allermeisten F\u00e4llen viel besser abschneide. Dies stimme auch mit der Erfahrung der hom\u00f6opathischen Therapeuten wesentlich besser \u00fcberein als die oftmals unvorteilhaften Ergebnisse der kontrollierten Vergleichsstudien.<\/p>\n<p>Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Beobachtungsstudie und einer placebokontrollierten Vergleichsstudie? Was ist es denn, was sie besser geeignet erscheinen l\u00e4sst, die hom\u00f6opathische Therapie zu erproben?<\/p>\n<p>Eine randomisierte placebokontrollierte verblindete Vergleichsstudie (nach der englischen Bezeichnung PCT) zeichnet sich dadurch aus, dass, wie der Name sagt,<\/p>\n<ul>\n<li>eine Vergleichsgruppe gebildet wird, die eine Therapie bekannter Wirksamkeit erh\u00e4lt, oftmals in Gestalt eines wirkstofffreien Placebos,<\/li>\n<li>die Zuordnung der einzelnen Patienten zu den Gruppen per Zufall erfolgt,<\/li>\n<li>den Patienten und das betreuende Pflege- und Studienpersonal \u00fcber die Gruppenzuordnung im Unklaren sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Patienten werden anhand im Studienprotokoll festgelegter Ein- und Ausschlusskriterien ausgew\u00e4hlt, damit das untersuchte Krankheitsbild m\u00f6glichst einheitlich bei allen Patienten vorliegt. Die Therapie erfolgt entsprechend bis auf den Unterschied, ob Placebo oder zu testendes Mittel verabreicht wird, f\u00fcr alle Patienten gleich.<\/p>\n<p>Dieses Vorgehen ist auch f\u00fcr die Hom\u00f6opathie m\u00f6glich, indem der Therapeut das Mittel festlegt, bei der Zusammenstellung der Rationen f\u00fcr die Patienten jedoch nach einem Zufallsprinzip entweder das bestimmte Mittel oder eben Placebo gegeben wird. Solche Studien gibt es in betr\u00e4chtlicher Zahl, wie man der systematischen \u00dcbersichtsarbeit von Mathie aus dem Jahr 2014 entnehmen kann [12]. Dort wurden \u00fcber 30 solcher Studien betrachtet.<\/p>\n<p>Was ist bei den Beobachtungsstudien anders?<\/p>\n<p>Die zielgerichtete Untersuchung der Wirkung einer hom\u00f6opathischen Therapie bei bestimmten Krankheitsbildern gibt es bei den im Reader aufgef\u00fchrten Beobachtungsstudien auch. Rostock untersucht Krebspatienten, Frass ebenfalls, Haidvogl akute Erk\u00e4ltungskrankheiten und Ohrbeschwerden, Pomposelli untersucht Polyneuropathie als Folge von Diabetes und so weiter und so fort. Das hei\u00dft, es werden viele klinische Fragestellungen untersucht, die prinzipiell einer randomisierten Vergleichsstudie ebenfalls zug\u00e4nglich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Prinzipiell gibt es in der hom\u00f6opathischen Versorgungsforschung Beobachtungsstudien mit und ohne Kontrollgruppe. Sofern eine solche im Studiendesign vorgesehen ist, wird sie zumeist dadurch gebildet, dass Patienten, die sich f\u00fcr eine hom\u00f6opathische Therapie entschieden haben, mit solchen verglichen werden, die sich einer konventionellen Behandlung unterziehen. Es fehlt mithin gegen\u00fcber einer PCT an der Randomisierung und der Verblindung. Das ganze Therapiesetting hingegen ist prinzipiell das gleiche. Allerdings kann der Patient im Gegensatz zu einer PCT sicher sein, dass er die Behandlung erh\u00e4lt, die er sich ausgesucht hat, was auch bedeutet, dass er nicht das Risiko eingeht, mit einem Placebo behandelt zu werden.<\/p>\n<p>Das hat gewisse Folgen. Durch die fehlende Randomisierung ist nicht sichergestellt, dass in den Gruppen die gleiche Ausgangssituation herrscht. Denkbar w\u00e4re etwa, dass die Patienten sich nach gewissen Kriterien, beispielsweise der Heftigkeit der Beschwerden, f\u00fcr die eine oder andere Therapie entscheiden. Es w\u00e4re etwa vorstellbar, dass sich Patienten mit einer normalen allt\u00e4glichen Erk\u00e4ltung eher dem Hom\u00f6opathen zuwenden, Patienten, bei denen zus\u00e4tzlich Fieber auftritt, vielleicht vermehrt zum &#8222;richtigen&#8220; Arzt gehen.<\/p>\n<p>Weiterhin ist durchaus denkbar, dass die Hom\u00f6opathie nur als Zusatztherapie angewandt wird. Wenn es nichts nutzt, dann wird es auch nichts schaden. Selbst wenn eine Vergleichsgruppe gebildet wird, ist folglich nicht sichergestellt, dass die Gruppen auch hinsichtlich der Art der Erkrankung bzw. deren Schwere vergleichbar sind. Da die Hom\u00f6opathie stark an den Symptomen orientiert ist, wird bei der Studie zwar h\u00e4ufig die Intensit\u00e4t der Symptome bei beiden Gruppen abgefragt und miteinander verglichen, was aber nicht bedeutet, dass die Patienten beider Gruppen unter den gleichen Erkrankungen leiden.<\/p>\n<p>Der zweite Punkt ist die fehlende Verblindung. Das Studienpersonal hat in der Regel eine positive Haltung zur Hom\u00f6opathie &#8211; sonst w\u00fcrde es die Studie nicht durchf\u00fchren &#8211; und wei\u00df auch recht genau, in welche Richtung positive Ergebnisse weisen m\u00fcssen. Damit ist es gut m\u00f6glich, dass man bewusst oder unbewusst das Ergebnis beeinflusst, was durch ein striktes Studiendesign ausgeschlossen werden m\u00fcsste. Wichtig w\u00e4re beispielsweise, dass die Abfrage des Erfolgs beim Patienten nicht durch die Therapeuten erfolgt, sondern durch an der Studie ansonsten unbeteiligte Interviewer, die selbst wiederum nicht wissen, womit der abgefragte Patient behandelt wurde.<\/p>\n<p>Diese bisher aufgef\u00fchrten Punkte sind aber aus Sicht des Patienten nur Randbedingungen, die den Verlauf der Therapie nicht tangieren. Der Patient erh\u00e4lt in einer Beobachtungsstudie genau wie in einer PCT eine hom\u00f6opathische Therapie bzw. eine konventionelle &#8211; nur wei\u00df er, dass das so ist, und er hat sich auch selbst daf\u00fcr entschieden.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Aspekt dieses Studientyps ist die Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes. Wie stellt man fest, ob es \u00fcberhaupt die Hom\u00f6opathie war, die die \u00c4nderungen beim Patienten herbeigef\u00fchrt hat? Der Patient hat ein Problem, geht damit zum Hom\u00f6opathen und erlebt im g\u00fcnstigen Fall eine Linderung seiner Beschwerden. Was aber war es wirklich, das zu dieser erfreulichen Entwicklung gef\u00fchrt hat? Was hat der Therapeut alles gemacht? Vielleicht weitere Behandlungen ausgef\u00fchrt? War \u00fcberhaupt die Konsultation des Hom\u00f6opathen das Einzige, was der Patient getan hat? Oder war die H\u00f6m\u00f6opathie nur eine Ma\u00dfnahme unter mehreren, gar nur eine zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit, parallel zur konventionellen Medizin?<\/p>\n<p>In der Beobachtungsstudie &#8211; insbesondere beim vollst\u00e4ndigen Fehlen einer Vergleichsgruppe &#8211; kann das nicht unterschieden werden. Das hindert die Autoren, noch viel weniger diejenigen, die die Arbeiten zitieren, nicht daran, die Erfolge einzig und allein der Hom\u00f6opathie zuzuschreiben &#8211; und sei es auch nur dadurch, dass die Ergebnisse entsprechend dargestellt werden, dass der unkundige Leser beispielsweise eines Forschungsreaders diesen Schluss selbst zieht.<\/p>\n<p>Dabei haben wir noch nicht von unspezifischen Effekten gesprochen, beispielsweise der Regression zur Mitte oder dem vielfach angef\u00fchrten Placeboeffekt. Es gibt mithin eine ganze Reihe St\u00f6rgr\u00f6\u00dfen, die in einer PCT durch das Studiendesign m\u00f6glichst ausgeschlossen werden, und die das Ergebnis in einer Beobachtungsstudie in die positive Richtung beeinflussen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Was macht also in der Zusammenfassung den Studientyp der Beobachtungsstudie so viel geeigneter f\u00fcr die Untersuchung der Hom\u00f6opathie als die kontrollierte Vergleichsstudie?<\/p>\n<ul>\n<li>Die Patienten erhalten ihre Wunschtherapie, was einen Placeboeffekt hervorrufen kann.<\/li>\n<li>Das Studienpersonal wird wahrscheinlich das Ergebnis nach Kr\u00e4ften f\u00f6rdern, was nur durch ein entsprechendes Studiendesign begrenzt werden kann.<\/li>\n<li>Die Erfolge k\u00f6nnen der Hom\u00f6opathie zugeschrieben werden, auch wenn sie eigentlich durch andere Vorg\u00e4nge verursacht wurden.<\/li>\n<li>Gleiches gilt f\u00fcr die Folgen der unspezifischen Effekte, die ebenfalls der Hom\u00f6opathie zugerechnet werden und die sich bei den sehr wahrscheinlich unterschiedlichen Voraussetzungen von Hom\u00f6opathie- und Vergleichsgruppe kaum ermitteln lassen, wenn eine solche \u00fcberhaupt gebildet wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Quintessenz: Die Beobachtungsstudie bietet jede Menge M\u00f6glichkeiten, dass Dinge der Wirkung der Hom\u00f6opathie zugeschrieben werden, die damit nichts zu tun haben. Bei einer PCT geht das weniger. Kein Wunder, dass die Ergebnisse von Beobachtungsstudien besser sind als die von PCTs &#8211; was die Beliebtheit der &#8222;hom\u00f6opathischen Versorgungsforschung&#8220; hinreichend erkl\u00e4ren d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Beobachtungsstudien in der Hom\u00f6opathie<\/strong><\/p>\n<p>Teut z\u00e4hlt \u00fcber drei\u00dfig angeblich f\u00fcr die Hom\u00f6opathie erfolgreiche Beobachtungsstudien auf, nat\u00fcrlich nicht ohne den Hinweis, dass kausale Schlussfolgerungen auf die Wirksamkeit der Therapie nicht m\u00f6glich sind. Interessant sind die Gr\u00fcnde, die angef\u00fchrt werden: Die Ergebnisse k\u00f6nnten durch den sozialen Status, das Einkommen, den Lebensstil oder Begleittherapien beeinflusst sein. Nun ja, man nennt dies wohl ein Strohmann-Argument. Die genannten Gr\u00fcnde erscheinen abgesehen von den Begleittherapien dem uneingeweihten Leser wohl eher weniger bedeutsam &#8211; die wesentlich entscheidenderen Probleme dieses Studiendesigns, siehe oben, werden nicht angef\u00fchrt.<br \/>\n(Edit: Formulierung nach Kommentar vion Michael Kuhn angepasst.)<\/p>\n<p>Man fragt sich auch, wie der Leser das verstehen wird, dass keine &#8222;kausalen&#8220; Schlussfolgerungen m\u00f6glich sind. Gibt es andere Arten von Schlussfolgerungen? Bei so vielen positiven Ergebnissen? Vielleicht &#8222;konditionale&#8220;?<\/p>\n<p>Dabei haben die angeblich positiven Ergebnisse bei n\u00e4herer Betrachtung kaum Bestand und die Angaben von Teut sind recht unvollst\u00e4ndig und verzerren das Bild. Daher sollen ein paar der Studien kommentiert werden:<\/p>\n<p><strong>Studien von Witt et al. (Ref 1 &#8211; 10 bei Teut) [13]<\/strong><\/p>\n<p>Das ist die bislang gr\u00f6\u00dfte und l\u00e4ngste Beobachtungsstudie zur Hom\u00f6opathie, quasi das Paradepferd. Insgesamt fast 4000 Hom\u00f6opathie-Patienten wurden bis zu acht Jahre lang regelm\u00e4\u00dfig nach ihrem Befinden befragt. Es ergab sich im Laufe dieser Zeit, schreibt Teut, eine Reduktion der Beschwerdeintensit\u00e4t der Symptome im Mittel um fast die H\u00e4lfte sowie eine deutliche Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t der Patienten.<\/p>\n<p>Wie schreibt Cornelia Bajic, Vorsitzende des DZVh\u00c4 auf ihrer Praxis-Webseite [14]?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><span lang=\"de-DE\">&#8222;Hom\u00f6opathie hilft <\/span><span lang=\"de-DE\">bei allen Krankheiten, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bed\u00fcrfen. <\/span>Ein sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hltes Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen &#8230; f\u00fcr die sonst nur Linderung, aber keine Heilung m\u00f6glich ist. Dies gilt auch f\u00fcr akute Krankheiten bakterieller und viraler Natur.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Selbst wenn man die Ergebnisse von Witt in vollem Umfang als g\u00fcltig ansehen w\u00fcrde, bleibt doch eine merkliche Kluft zwischen Anspruch und belegbaren Ergebnissen. &#8222;Schnell&#8220; und &#8222;dauerhaft&#8220; sind wohl eher nicht die Attribute, die sich einem aufdr\u00e4ngen, wenn nach acht Jahren die H\u00e4lfte der Patienten immer noch unter ihren Beschwerden leiden.<\/p>\n<p>Was Teut hingegen nicht schreibt:<\/p>\n<ul>\n<li>W\u00e4hrend der Beobachtungszeit konsultiert etwa die H\u00e4lfte der Patienten noch konventionelle \u00c4rzte (ohne Zahn\u00e4rzte und Gyn\u00e4kologen).<\/li>\n<li>Knapp die H\u00e4lfte der Patienten nimmt zu Anfang zus\u00e4tzlich konventionelle Arzneimittel ein, am Ende immer noch ein Viertel f\u00fchren also Begleittherapien aus.<\/li>\n<li>Nur bei einem Viertel der Patienten waren die urspr\u00fcnglichen Symptome verschwunden.<\/li>\n<li>Der mittels eines Fragebogens erhobene Index der Lebensqualit\u00e4t stieg auf der physischen Skala von 46,4 auf 50,7 Punkte, auf der psychischen Skala von 39,3 auf 46,4 Punkte, was sicher prozentual ein f\u00fchlbarer Anstieg ist. Allerdings relativiert sich das stark, wenn man wei\u00df, dass die Durchschnittswerte in Deutschland, also Kranke und Gesunde zusammen, bei ca. 72,3 bzw. 82,6 Punkten liegt [15]. Die Patienten haben bestenfalls einen Schritt in die richtige Richtung getan. Mehr nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Quintessenz: Dieses Ergebnis ist eher mager und ohne Vergleichsgruppe auch nicht zu bewerten. Man hat zwar in einer sp\u00e4teren Ver\u00f6ffentlichung untersucht, ob es sich bei den Verbesserungen um einen Effekt der Regression zur Mitte handeln k\u00f6nnte [16]. Man fand &#8211; o Wunder! &#8211; heraus, dass dies nicht als alleinige Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Effekt ausreichen w\u00fcrde. Sch\u00f6n, aber es gibt ja auch eine ganze Menge anderer Einfl\u00fcsse, die dieses Ergebnis herbeigef\u00fchrt haben k\u00f6nnten, siehe oben.<\/p>\n<p>Aus dieser gro\u00dfen Studie von Witt sind einige weitere Ver\u00f6ffentlichungen zu verschiedenen Krankheitsbildern hervorgegangen, alle von Teut aufgez\u00e4hlt, f\u00fcr die aber prinzipiell die gleichen Vorbehalte gelten.<\/p>\n<p><strong>Andere Arbeiten:<\/strong><\/p>\n<p>In der Arbeit von Haidvogl (Ref. 12 bei Teut) [9] ging es um ganz banale Erk\u00e4ltungsbeschwerden, wie man <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2927\">hier<\/a> im Blog nachlesen kann: Index der Intensit\u00e4t je nach Beschwerden 0,9 bis 1,9 auf einer Skala von 0 bis 5. Als Hauptkriterium wurde der Behandlungserfolg nach 14 Tagen gewertet, nach einer Zeit also, nach der solche Beschwerden \u00fcblicherweise weitestgehend ausgestanden sind, selbst ohne Therapie. Kein Wunder also, dass die hom\u00f6opathisch und die konventionell behandelten Patienten gleich gut abschnitten.<\/p>\n<p>Ebenfalls eine gro\u00dfe Beobachtungsstudie mit \u00fcber 6000 Patienten wurde von Spence et al. in der Hom\u00f6opathie-Ambulanz des Universit\u00e4tsklinikums Bristol, England, ausgef\u00fchrt (Ref. 15 bei Teut)[17], und erbrachte angeblich hervorragende Ergebnisse. Was will man auch anders erwarten, wenn es keine Vergleichsgruppe gibt und die behandelnden Hom\u00f6opathen die Ergebnisse mit den Patienten gemeinsam ermittelten. Man kann sich ja einmal \u00fcberlegen, was mit den Arbeitspl\u00e4tzen der Therapeuten geschehen w\u00e4re, wenn diese Studie keine positiven Ergebnisse erbracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Wassenhoven et al. (Ref. 17 bei Teut) [18] fanden in ihrer Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe an 772 Kindern tats\u00e4chlich eine Zunahme von Lebensqualit\u00e4t (allerdings nur um 3 bis 10 von 100 Indexpunkten) und eine hohe Zufriedenheit der Eltern, was nicht sehr viel \u00fcber den Erfolg der Behandlung aussagt, wenn man davon ausgeht, dass die Eltern sicher jede positive \u00c4nderung im Befinden der Kinder der Wirksamkeit des Mittels zugeschrieben haben d\u00fcrften. Allerdings sind Teuts Angaben nicht zutreffend, dass nur 4,2 % der Kinder Nebenwirkungen aufzeigten: Nach den Studienangaben traten zwar in diesem Anteil Nebenwirkungen auf, die die Eltern auf die Hom\u00f6opathie zur\u00fcckf\u00fchrten, allerdings gab es bei 10,1 % der F\u00e4lle signifikante Erstverschlechterungen (&#8222;significant aggravations&#8220;) und in 19 % leichte (&#8222;slight aggravation of symptoms&#8220;).<\/p>\n<p>Dass sich bei der Behandlung von Neurodermitis nach 12, 24 und 36 Monaten unter hom\u00f6opathischer Behandlung die gleichen Ergebnisse zeigten wie in der konventionell behandelten Vergleichsgruppe, ist in den an der Berliner Charit\u00e9 durchgef\u00fchrten Untersuchungen immer des gleichen Teams um Claudia Witt (Ref 18, 19 und 20 bei Teut) auch nicht weiter verwunderlich: Wenn man die entsprechende Tabelle zu den Behandlungen heranzieht, dann gab es zumindest im letzten Jahr der Beobachtung praktisch keinen Therapieunterschied [19]:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Es wurden eingesetzt (jeweils % der Patienten):<br \/>\nCorticosteroide: Hom\u00f6opathie 9,5 %, Konventionell 10,2 %<br \/>\nAntihistamine: Hom\u00f6opathie 1,3 %, Konventionell 4 %<br \/>\nGrundlegende Hautpflege (&#8222;basic skin care&#8220;): Hom\u00f6opathie 66,9 %, Konventionell: 61,0 %<br \/>\n(keine weiteren Angaben zur Therapie).<\/p>\n<p>In der Beobachtungsstudie von Rostock et al. (Ref 21 bei Teut) [10] zeigte sich tats\u00e4chlich eine h\u00f6here Lebensqualit\u00e4t bei hom\u00f6opathisch behandelten Krebspatienten als in der konventionell therapierten Vergleichsgruppe. Allerdings bestand die Hom\u00f6opathiegruppe zu einem gro\u00dfen Teil aus Patienten einer teuren Privatklinik, w\u00e4hrend die Vergleichsgruppe vielfach aus Patienten eines Kreisklinikums bestand. Bei Studienbeginn lag bei letzteren die Erstdiagnose drei Monate zur\u00fcck, bei den Hom\u00f6opathiepatienten hingegen neun Monate. W\u00e4re es da verwunderlich, wenn die Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr die Hom\u00f6opathiepatienten tats\u00e4chlich besser gewesen w\u00e4re? Deshalb im Konjunktiv gefragt, denn wenn man die Rechenfehler korrigiert, die den Autoren offenbar unterlaufen sind, und die Daten bezogen auf die Erstdiagnose und nicht auf Studienbeginn miteinander vergleicht, dann verschwindet dieser Vorteil (Details siehe <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=461\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>In der Studie von Frass et al. (ref. 24 bei Teut) [11], wurden die Krebspatienten tats\u00e4chlich randomisiert, was f\u00fcr eine vergleichbare Ausgangslage sorgt, insbesondere wenn die Zahl der Patienten, wie in diesem Fall, sehr hoch ist. Die Hom\u00f6opathiepatienten erhielten zus\u00e4tzlich zu ihrer konventionellen Krebstherapie noch Hom\u00f6opathika, die Vergleichsgruppe erhielt keine zus\u00e4tzlichen Mittel, noch nicht einmal Placebo. Auf der einen Seite k\u00fcmmert sich ein mitf\u00fchlender Hom\u00f6opath regelm\u00e4\u00dfig um den Patienten, der eine zus\u00e4tzlichen Therapie erh\u00e4lt, auf der anderen Seite geschieht nichts dergleichen. Ist es da ein Wunder, dass erstere ihre Lebensqualit\u00e4t subjektiv besser bewerten?<\/p>\n<p>Teuts Angabe, unter hom\u00f6opathischer Behandlung h\u00e4tten sich in einer Beobachtungsstudie von Walach et al. (ref. 28 bei Teut) [20] klinisch relevante Verbesserungen bei Kopfschmerzen ergeben, ist nicht nachzuvollziehen. Walach schreibt selbst in der Zusammenfassung der Arbeit, die im Anschluss an eine placebokontrollierte und randomisierte Vergleichsstudie (&#8222;M\u00fcnchner Kopfschmerzstudie&#8220;) durchgef\u00fchrt wurde:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Es konnten keine auf die Behandlungen zur\u00fcckzuf\u00fchrenden Unterschiede in den Wirkungen erkannt werden. Die Patienten ohne Therapie zeigten auch ein Jahr nach der Studie die gr\u00f6\u00dften Verbesserungen. &#8230; Es gibt keine Anzeichen einer spezifischen oder verz\u00f6gerten Wirkung der Hom\u00f6opathie.&#8220; (\u00dcbersetzung von mir)<\/em><\/p>\n<p>Wie deutlich m\u00fcssen die Autoren eigentlich noch hinschreiben, dass sich die hom\u00f6opathische Behandlung nicht von Placebo unterschieden hat, diesem sogar eher unterlegen war, damit diese Studie nicht als positives Ergebnis angef\u00fchrt wird?<\/p>\n<p>Lassen wir es bei diesem Blick auf die im Forschungsreader zitierten Arbeiten bewenden. Das Problem ist, dass eine Gegenhaltung immer l\u00e4nger ist als die urspr\u00fcngliche Behauptung. Da man Kritik nat\u00fcrlich immer begr\u00fcnden sollte, damit sie ernst genommen werden kann, w\u00fcrde die Auseinandersetzung mit allen drei\u00dfig Studien sehr umfangreich werden. Ich will nicht behaupten, dass alle anderen Studien, die hier nicht aufgez\u00e4hlt wurden, hinsichtlich der Fragw\u00fcrdigkeit der Methodik gleich zu beurteilen w\u00e4ren, aber dieser kurze Einblick mag gen\u00fcgen um zu zeigen, dass die im Reader zitierten Belege f\u00fcr eine Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie als Ganzes nicht belastbar sind. Gerade das letzte Beispiel, wo man sich im Forschungsreader glatt \u00fcber die Ergebnisse der Studie hinwegsetzt, d\u00fcrfte die mangelnde Belastbarkeit der Angaben hinreichend illustrieren.<\/p>\n<p>Quintessenz: Die hom\u00f6opathischen Beobachtungsstudien liefern auch keine Hinweise, dass die Hom\u00f6opathie erfolgreich sein k\u00f6nnte &#8211; egal unter welcher \u00dcberschrift man sie zusammenfasst.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] Balzer V, Rahmlow A.: &#8222;Globuli zeigen doch Wirkung&#8220;, Radiosendung Deutschlandradio Kultur vom 07.03.2017 (<a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/homoeopathie-debatte-globuli-zeigen-doch-wirkung.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=380734\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[2] WissHom (Hrsg.): Der aktuelle Stand der Forschung zur Hom\u00f6opathie, K\u00f6then (Anhalt), 2016, <a href=\"http:\/\/www.homoeopathie-online.info\/wp-content\/uploads\/Der-aktuelle-Stand-der-Forschung-zur-Hom%C3%B6opathie-2016-WissHom.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a><\/p>\n<p>[3] Teut M: Versorgungsforschung zur Hom\u00f6opathie, enthalten in [2], S. 7-12<\/p>\n<p>[4] Webseite des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung zum Thema versorgungsforschung, abgerufen 17.04.2017 (<a href=\"http:\/\/www.gesundheitsforschung-bmbf.de\/de\/versorgungsforschung.php\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[5] NN: Projektdatenbank Versorgungsforschung Deutschland, Webseite Deutsches Netzwerk Versiorgungsforschung e.V., abgerufen 17.04.2017 (<a href=\"http:\/\/versorgungsforschung-deutschland.de\/home.php\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[6] Beispielprojekt aus [5]: (<a href=\"http:\/\/versorgungsforschung-deutschland.de\/show.php?pid=2706\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[7] Beispielprojekt aus [5]: (<a href=\"http:\/\/versorgungsforschung-deutschland.de\/show.php?pid=2657\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[8] Beispielprojekt aus [5]: (<a href=\"http:\/\/versorgungsforschung-deutschland.de\/show.php?pid=2375\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>[9] Haidvogl M, Riley DS, Heger M, Biren S et al.: Homeopathic and conventional treatment for acute respiratory and ear complaints: A comparative study on outcome in the primary care setting, BMC Complementary and Alternative Medicine (2007);7:7 <a href=\"http:\/\/bmccomplementalternmed.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/1472-6882-7-7\">Link<\/a><\/p>\n<p>[10] Rostock M, Naumann J, Guethlin C, Guenther G, Bartsch HH, Walach H. Classical Homeopathy in the treatment of cancer patients &#8211; a prospective observational study of two independent cohorts. BMC Cancer 2011, 11:19, <a href=\"http:\/\/www.biomedcentral.com\/1471-2407\/11\/19\">Link zum Volltext\u00a0<\/a><\/p>\n<p>[11] Frass M, Friehs H, Thallinger C et al.: Influence of adjunktive classical homeopathy on global health status on subjective wellbeing in cancer patients &#8211; a pragmatic randomized controlled trial, Complementary Therapies in medicine (2015),23(3), 209-317, <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Menachem_Oberbaum\/publication\/274095651_Influence_of_adjunctive_classical_homeopathy_on_global_health_status_and_subjective_wellbeing_in_cancer_patients_-_A_pragmatic_randomized_controlled_trial\/links\/557868eb08aeacff20028317.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a><\/p>\n<p>[12] Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JRT, Ford I: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews (2014) 3:142, <a href=\"http:\/\/systematicreviewsjournal.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/2046-4053-3-142\">Link<\/a><\/p>\n<p id=\"gs_cit1\" tabindex=\"0\">[13] Witt CM, L\u00fcdtke R, Baur R, Willich SN: Homeopathic medical practice: long-term results of a cohort study with 3981 patients. BMC Public Health (2005), 5(1), 115. <a href=\"https:\/\/bmcpublichealth.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/1471-2458-5-115\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">[14]<\/span><span lang=\"de-DE\">Bajic C.: Wobei kann Hom\u00f6opathie helfen? Angaben auf der Praxishomepage, abgerufen am 17.04.2017 (<a href=\"http:\/\/www.arztpraxis-bajic.de\/leistungen\/homoeopathie\/\">Link<\/a>)<\/span><\/p>\n<p>[15] Aust N.: In Sachen Hom\u00f6opathie &#8211; eine Beseisaufnahme, durchgesehene Neuauflage, 1-2-Buch.de, Ebersdorf, 2014, S. 212<\/p>\n<p>[16] L\u00fcdtke R, Willich SN, Ostermann T: Are the effects of homeopathy attributable to a statistical artefact? A reanalysis of an observational study, Evd Based Complement Alternat Med (2013), <a href=\"http:\/\/downloads.hindawi.com\/journals\/ecam\/2013\/612890.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n<p>[17] Spence D S, Thompson EA, Barron SJ: Homeopathic treatment for chronic disease: a 6-year, university-hospital outpatient observational study. Journal of Alternative &amp; Complementary Medicine (2005), 11(5), 793-798, <a href=\"http:\/\/citeseerx.ist.psu.edu\/viewdoc\/download?doi=10.1.1.477.3924&amp;rep=rep1&amp;type=pdf\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n<p>[18] Van Wassenhoven M, Goossens M, Anelli M, Sermeus G et al.: Pediatric homeopathy: A prospective observational survey based on parent proxy-reports of their children&#8217;s health-related Quality of Life in six European countries and Brazil. <i>Homeopathy (2014)<\/i>, <i>103<\/i>(4), 257-263, <a href=\"http:\/\/www.homeopathyjournal.net\/article\/S1475-4916(14)00053-8\/abstract\">Link<\/a> zum Abstract<\/p>\n<p id=\"gs_cit1\" tabindex=\"0\">[19] Roll S, Reinhold T, Pach D, Brinkhaus B et al.: Comparative effectiveness of homoeopathic vs. conventional therapy in usual care of atopic eczema in children: long-term medical and economic outcomes. PloS one (2013), 8(1), e54973. <a href=\"http:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0054973\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n<p tabindex=\"0\">[20] Walach H, Lowes T, Mussbach D, Schamell U et al.: The long-term effects of homeopathic treatment of chronic headaches: one year follow-up and single case time series analysis. <i>British Homoeopathic Journal (2001)<\/i>, <i>90<\/i>(2), 63-72. <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1475491699904733\" class=\"broken_link\">Link<\/a> zum Abstract<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der vor Kurzem (= M\u00e4rz 2017) gef\u00fchrten Diskussion um die Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr hom\u00f6opathische Therapien durch die gesetzlichen Krankenkassen verwies der Pressesprecher des DZVh\u00c4 auf die Ergebnisse der hom\u00f6opathischen Versorgungsforschung. 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