{"id":2663,"date":"2015-08-29T10:20:01","date_gmt":"2015-08-29T08:20:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2663"},"modified":"2017-08-15T22:12:19","modified_gmt":"2017-08-15T20:12:19","slug":"homoeopathie-als-wahlpflichtfach-an-der-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2663","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie als Wahlpflichtfach an der Universit\u00e4t?"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2663\" data-timestamp=\"1502835139\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2663\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 33<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2663&text=Hom%C3%B6opathie%20als%20Wahlpflichtfach%20an%20der%20Universit%C3%A4t%3F\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Viele Universit\u00e4ten, darunter auch &#8218;Elite-Universit\u00e4ten&#8216; bieten im Medizinstudium Hom\u00f6opathie als Wahlpflichtfach bzw. Wahlfach an. Was ist davon zu halten? Diese Frage hat mir Hans Zauner vom Laborjournal gestellt, hier meine 2 bis 3 Cent.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>In K\u00fcrze<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Ganz kurz: Hom\u00f6opathie hat als Wahlfach in der Ausbildung der Mediziner nichts zu suchen. Das ist eine Fehlentwicklung &#8211; wie Apothekenpflicht und Binnenkonsens auch &#8211; die dringend eine Korrektur erfordert.<\/p>\n<p>Weniger kurz:<\/p>\n<p>Hom\u00f6opathie ist nach Lage der Dinge eine Therapieform, deren Wirkung nicht \u00fcber die eines Placebos hinausgeht. Weder gibt es eine auch nur halbwegs plausible Erkl\u00e4rung f\u00fcr einen wie auch immer gearteten Wirkmechanismus, noch gibt es belastbare Evidenz daf\u00fcr, dass die behaupteten Effekte \u00fcberhaupt existieren.<\/p>\n<p>Insofern ist es ein Unding, dass Universit\u00e4ten, gleichg\u00fcltig ob Elite oder nicht, Inhalte der hom\u00f6opathischen Lehre in ihr Curriculum integrieren, sei es nun als eigenst\u00e4ndiges Wahlfach oder als Unterkapitel anderer F\u00e4cher. Grundlage ist jedoch die Approbationsordnung f\u00fcr \u00c4rzte, die den Universit\u00e4ten diesen Freiraum l\u00e4sst, Hom\u00f6opathie als Wahlfach anzubieten. Dort wird dann als Pr\u00fcfungsleistung nicht die kritische Auseinandersetzung mit der Hom\u00f6opathie und vielleicht anderen der Esoterik zuzurechnenden Therapieformen gefordert, sondern die Kenntnis der fachlichen Grundlagen und Verfahren nach Hahnemann und seinen Nachfolgern.<\/p>\n<p>Vermutlich wird in Zukunft die Akzeptanz der Hom\u00f6opathie als vermeintlich etabliertes Verfahren noch zunehmen, wenn die heute durchgehend in allen Lebenslagen mit Globuli traktierte Generation an die Universit\u00e4ten kommt. Es kann keine positiven Folgen f\u00fcr die Qualit\u00e4t des Gesundheitswesens haben, wenn unwirksame Therapien in der Arztpraxis selbstverst\u00e4ndlich werden. Ebenso wenig wie die damit \u00fcblicherweise einhergehende Abwertung von Wissenschaft und Forschung, deren Erkenntnisse darauf hinauslaufen, dass der Hom\u00f6opathie eine \u00fcber Placebo hinausgehende Wirksamkeit abzusprechen ist.<\/p>\n<p>Daher muss die Approbationsordnung f\u00fcr \u00c4rzte um die Inhalte der Hom\u00f6opathie bereinigt werden. Ebenso gegebenenfalls die Approbationsordnungen und Ausbildungsordnungen der anderen Heilberufe (Apotheker, Zahn\u00e4rzte, Tiermediziner) und der Medizinalfachberufe.<\/p>\n<p>Dass auch die \u00e4rztliche Weiterbildung zum Hom\u00f6opathen, der Binnenkonsens, das Hom\u00f6opathische Arzneibuch als amtliches Dokument, die Apothekenpflicht der Hom\u00f6opathika sowie die Kosten\u00fcbernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen als eine Randepisode der Medizingeschichte entsorgt geh\u00f6ren, versteht sich von selbst.<\/p>\n<p>Hom\u00f6opathie muss auf den Status von Astrologie, Kartenlegen oder Wahrsagerei zur\u00fcckgef\u00fchrt werden: Wer unbedingt daran glauben und daf\u00fcr sein Geld investieren will &#8211; bitte, wir sind ein freies Land. Aber die Hom\u00f6opathie sollte als eine Form der Quacksalberei zu erkennen sein und nicht mit wirksamen Therapien in einem Atemzug genannt werden (m\u00fcssen).<\/p>\n<p><strong>In L\u00e4nge (Begr\u00fcndung)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hom\u00f6opathie &#8211; Wirksamkeit mehr als nur zweifelhaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Hom\u00f6opathie gilt als eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten alternativen Heilmethoden, nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen L\u00e4ndern in allen Kontinenten. Diese &#8218;Beliebtheit&#8216; wird oftmals als Beleg f\u00fcr eine Wirksamkeit angef\u00fchrt, was aber ein ungerechtfertigter R\u00fcckschluss ist, denn die zugrundeliegende Wahrnehmung der Menschen ist bekannterma\u00dfen in hohem Ma\u00dfe fehlerbehaftet. (<a href=\"http:\/\/www.csicop.org\/SI\/show\/why_bogus_therapies_seem_to_work\/\">Link<\/a>)<\/p>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass der Hom\u00f6opathie keine \u00fcber ein Placebo hinausgehende Wirksamkeit anhaftet. Wobei diese Aussage in der \u00f6ffentlichen Diskussion h\u00e4ufig fehlerhaft wiedergegeben wird. Dabei wird unter &#8218;Placebowirkung&#8216; ausschlie\u00dflich ein positiver Effekt verstanden, der sich auf die Erfahrung und\/oder positive Erwartungshaltung des Patienten gr\u00fcndet. Somit kommt es zu einer vermeintlich ausschlie\u00dflichen Alternative, entweder &#8218;Placebowirkung&#8216; oder wirksames Medikament.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind aber unter Placebo auch andere Effekte gegeben, etwa ein nat\u00fcrlicher Verlauf selbstlimitierender Beschwerden, die Wirkung des Immunsystems, der Effekt der Regression zur Mitte und viele andere. W\u00fcrde es diese Effekte nicht geben, dann w\u00e4re alles Leben auf der Erde bereits ausgestorben, lange bevor es \u00fcberhaupt Menschen und in der Folge Medizin gab.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Eine \u00fcber Placebo hinausgehende Wirkung der Hom\u00f6opathie erscheint praktisch ausgeschlossen, denn in den nunmehr zweihundert Jahren der Existenz dieser Lehre ist es nicht gelungen, einen tragf\u00e4higen Nachweis f\u00fcr ihre spezifische Wirksamkeit zu liefern, wie eine Betrachtung der verschiedenen Meta-Analysen zu klinischen Studien in der Hom\u00f6opathie deutlich aufzeigt (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2608\">Link<\/a> <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2507\">Link<\/a> <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2299\">Link<\/a>)<\/span><span lang=\"de-DE\">.<\/span><\/p>\n<p>Es gibt weiterhin keine naturwissenschaftlich \u00fcberzeugende oder auch nur halbwegs plausible Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, wie eine Wirksamkeit zustande kommen soll, warum ein Pr\u00e4parat Arsenicum album C30 auf den Patienten eine andere Wirkung haben soll als beispielsweise Natrium muriaticum C30.<\/p>\n<p>Selbst bei niedrigsten Potenzen ergeben sich Tagesdosen weit unterhalb pharmazeutisch wirksamer Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Bei Hochpotenzen \u00fcber D24 \/ C12 ist der Wirkstoff aus den Pr\u00e4paraten vollkommen herausverd\u00fcnnt, so dass keine durch den Ausgangsstoff determinierte Wirkung auf den Patienten \u00fcbertragbar ist. Dass diese Situation so ist, ist auch unter Hom\u00f6opathen als Tatsache akzeptiert.<\/p>\n<p>In seiner Buchbesprechung zu Grams &#8218;Hom\u00f6opathie neu gedacht&#8216; geht der DZVh\u00c4 sogar so weit, auszusagen, dass jedem Arzt, der die Zusatzausbildung Hom\u00f6opathie durchl\u00e4uft, von Anfang an klar sei, dass die Hom\u00f6opathie den Naturgesetzen widerspricht (<a href=\"http:\/\/www.zeitschrift-homoeopathie.de\/medizin-falsch-gedacht-rezension-ueber-natalie-grams-neu-gedachte-homoeopathie\/\" class=\"broken_link\">Link<\/a>). Das hei\u00dft, es ist auch in Zukunft nicht zu erwarten ist, dass sich dies \u00e4ndert, sofern in den Naturwissenschaften keine Umw\u00e4lzungen eintreten, die in ihrer Tragweite die Einf\u00fchrung von Relativit\u00e4tstheorie und Quantenmechanik weit in den Schatten stellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Selbst ein Nachweis, dass es \u00fcberhaupt eine \u00fcber Placebo hinausgehende Wirksamkeit gibt, vielleicht nicht f\u00fcr die Hom\u00f6opathie als Ganzes, sondern beschr\u00e4nkt auf besondere Situationen, liegt nicht vor.<\/p>\n<p>Will man die Wirksamkeit einer Therapie darstellen, dann kommt man nicht umhin, einen Vergleich anzustellen, was ohne die Gabe des Medikaments geschehen w\u00e4re. Eine Wirkung m\u00fcsste sich dadurch zeigen, dass im Vergleich zu unbehandelten Patienten eine Heilung besser oder schneller eintritt. Kann ein solcher Vergleich nicht vorgelegt werden, entbehrt jede Aussage zur Wirksamkeit eines Medikaments jeder belastbaren Grundlage und ist als eine Art Glaubensbekenntnis zu sehen.<\/p>\n<p>Jedwede Studie muss also Daten ermitteln, aus denen hervorgeht, welche Verbesserung nach der Einnahme des vermeintlich wirksamen Medikaments erfolgt ist und was sich unter den gleichen Bedingungen bei einer Vergleichsgruppe ergeben hat, die nur ein wirkstoffloses Placebo erhalten hatte. Durch geeignete Ma\u00dfnahmen ist sicherzustellen, dass die erfassten Differenzen nur auf die Unterschiede in der Medikamentengabe beruhen k\u00f6nnen, also kein Placeboeffekt das Ergebnis verf\u00e4lscht (durch Verblindung) und die Ausgangslage in beiden Gruppen vergleichbar ist (durch Randomisierung).<\/p>\n<p>Dies ergibt den Typ einer randomisierten verblindeten und kontrollierten Vergleichsstudie, ein Verfahren, das von den Hom\u00f6opathen grunds\u00e4tzlich als nicht aussagekr\u00e4ftig abgelehnt wird &#8211; zumindest dann, wenn eine solche Studie f\u00fcr die Hom\u00f6opathie nachteilige Ergebnisse liefert. Solche Studien w\u00fcrden den speziellen Auspr\u00e4gungen einer hom\u00f6opathischen Therapie mit ihren individuellen, auf den ganzen Menschen zugeschnittenen Mitteln nicht gerecht. Interessanterweise wurde die erste derartige Untersuchung 1835 in N\u00fcrnberg bereits als Versuch eines Nachweises der Wirkung von hom\u00f6opathisch zubereitetem Speisesalz durchgef\u00fchrt &#8211; und verlief negativ (<a href=\"http:\/\/kurse.fh-regensburg.de\/kurs_20\/kursdateien\/2011-06-12Kochsalz_Nuernberg.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>In den 180 Jahren seit dem N\u00fcrnberger Versuch haben die Hom\u00f6opathen allerdings auch kein auf ihre Belange besser zugeschnittenes Studiendesign entwickeln k\u00f6nnen, mit dem der oben genannte objektive Vergleich m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dennoch: es gibt eine Reihe von doppelt verblindeten placebokontrollierten Vergleichsstudien und auch eine Reihe von Metaanalysen hierzu, in denen die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zusammenfassend betrachtet werden. Stellvertretend f\u00fcr diese sei hier nur das Ergebnis der letzten Meta-Analyse von Mathie et al. aus dem Jahr 2014 zitiert, der die Studienlage f\u00fcr die klassische Hom\u00f6opathie betrachtete &#8211; also der K\u00f6nigsdisziplin der Hom\u00f6opathie, die konsequent die Lehren des Gr\u00fcnders Hahnemann anwendet und als besonders wirkungsvoll gilt, da die Mittel nach eingehender Anamnese individuell verordnet werden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Schlussfolgerungen: Individuell verordnete hom\u00f6opathische Arzneien zeigen m\u00f6glicherweise (&#8218;may have&#8216;) kleine spezifische Behandlungseffekte. (&#8230;) Die generell geringe oder ungekl\u00e4rte Qualit\u00e4t der Nachweise erfordert einige Vorsicht in der Interpretation dieser Ergebnisse&#8216;. <\/em><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Diese Untersuchung stammt beileibe nicht von einem Gegner der Hom\u00f6opathie. RT Mathie ist seines Zeichens der Forschungschef (&#8218;Research developemnt advisor&#8216;) der British Homeopathic Association, in einer Position also, die obsolet w\u00e4re, wenn die Unwirksamkeit der Hom\u00f6opathie erwiesen w\u00e4re (<a href=\"http:\/\/www.britishhomeopathic.org\/systematic-review-programme\/\" class=\"broken_link\">Link<\/a>). Dass diese Arbeit selbst nur mit h\u00f6chst fragw\u00fcrdigen Methoden zu diesem extrem bescheidenen Ergebnis kommt, kann <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2299\">hier<\/a>\u00a0<\/span> <span lang=\"de-DE\">nachgelesen werden.<\/span><\/p>\n<p>Also, wir d\u00fcrfen als Fakt sehen, dass hom\u00f6opathische Pr\u00e4parate die Wirksamkeit von Placebos nicht \u00fcbertreffen, was auch Claudia Witt vor Kurzem in einem Interview formuliert hatte:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Seit \u00fcber f\u00fcnf Jahren finden Sie von mir eine offizielle Stellungnahme zur Hom\u00f6opathie im Internet. Meine Aussage \u2013 dass nicht belegt ist, dass hom\u00f6opathische Arzneimittel mehr als ein Placebo sind \u2013 gilt auch heute noch.&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wissen\/medizin-und-psychologie\/Ist-das-bei-Chirurgen-so-anders\/story\/17098489\">Link<\/a>)<\/em><\/p>\n<p>Auch Claudia Witt ist keine Gegnerin der Hom\u00f6opathie. Ganz im Gegenteil: Die Carstens-Stiftung, die die Verbreitung der Hom\u00f6opathie im Gesundheitswesen zum Ziel hat, finanzierte von 2008 bis 2013 eine Stiftungsprofessur an der Charit\u00e9 in Berlin (<a href=\"http:\/\/www.carstens-stiftung.de\/artikel\/prof-claudia-witt-an-universitaet-zuerich-berufen.html\">Link<\/a>), auf der eben Claudia Witt sehr umfangreich zur Hom\u00f6opathie geforscht hat, deren Ergebnisse sie in dem obigen Zitat zusammenfasst.<\/p>\n<p>Bevor man mir einseitigen Dogmatismus vorwirft:<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Ja, ich gehe davon aus, mich auch irren zu k\u00f6nnen und suche daher die Diskussion mit den Hom\u00f6opathen und Forschern, die auf diesem Gebiet t\u00e4tig sind. Ich war und bin in pers\u00f6nlicher Diskussion mit den Professoren Frass und Endler, mit Stephan Baumgartner, Klaus von Ammon und Herbert M\u00f6llinger und habe eine Tagung von Hom\u00f6opathen besucht (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2362\">Link<\/a><\/span><span lang=\"de-DE\">). Ich werde meine Thesen im Dezember 2015 vor der StudentInnen Initiative Hom\u00f6opathie der Meduni Wien zur Diskussion stellen: Wo bleibt die belastbare Evidenz?<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Eine sehr sch\u00f6ne Zusammenfassung und \u00dcbersicht liefert Wolfgang Vahle in seinem Aufsatz &#8218;Hom\u00f6opathie in K\u00fcrze&#8216; (<a href=\"http:\/\/www.hno-vahle.de\/homoeopathie-in-kuerze\/\" class=\"broken_link\">Link<\/a>).<\/span><\/p>\n<p><strong>Hom\u00f6opathie im Studium der Humanmedizin<\/strong><\/p>\n<p>Die Eingangsfrage bezog sich in besonderem Ma\u00dfe auf die Eliteuniversit\u00e4ten, die Ludwigs-Maximilian-Universit\u00e4t (LMU) und die Technische Universit\u00e4t (TU) in M\u00fcnchen. Allerdings ist es fast unbedeutend, ob es sich um eine Eliteuniversit\u00e4t handelt oder nicht &#8211; letztendlich muss sich jede Universit\u00e4t in ihrem Studiengang Humanmedizin nach der g\u00fcltigen Approbationsordnung f\u00fcr \u00c4rzte richten (<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/_appro_2002\/gesamt.pdf\">Link<\/a>). Dies ist eine vom Bundesgesundheitsministerium erlassene Rechtsverordnung, die die Ausbildung zum Arzt sehr detailliert und verbindlich regelt. Eine Eliteuniversit\u00e4t kann vielleicht in bestens ausgestatteten Unikliniken und Laboren eine besonders hochwertige Ausbildung anbieten, mit vielen Professoren im Lehrk\u00f6rper, die in ihrem Fach Herausragendes geleistet haben und weiterhin erstklassige Forschung betreiben &#8211; aber sie ist an die Approbationsordnung gebunden.<\/p>\n<p>Da liegt der Hase im Pfeffer.<\/p>\n<p>Einerseits regelt die Approbationsordnung in \u00a7 1, &#8218;Ziele und Gliederung der \u00e4rztlichen Ausbildung&#8216;:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>(1) Ziel der \u00e4rztlichen Ausbildung ist der<strong> wissenschaftlich<\/strong> und praktisch in der Medizin ausgebildete Arzt, der zur eigenverantwortlichen und selbst\u00e4ndigen \u00e4rztlichen Berufsaus\u00fcbung, zur Weiterbildung und zu st\u00e4ndiger Fortbildung bef\u00e4higt ist. (&#8230;) Die Ausbildung zum Arzt wird auf <strong>wissenschaftlicher Grundlage<\/strong> und praxis- und patientenbezogen durchgef\u00fchrt. Sie soll<br \/>\n&#8211; &#8230;<\/em><br \/>\n<em>&#8211; (diverse Punkte zu Wissen, Kenntnissen und Fertigkeiten)<br \/>\n&#8211; &#8230;<\/em><br \/>\n<em>auf der Basis<strong> des aktuellen<\/strong> <strong>Forschungsstandes<\/strong> vermitteln.<\/em><br \/>\n<em>(Hervorhebungen nicht im Original)<\/em><\/p>\n<p>Schon im ersten Absatz des ersten Paragraphen des 46 Seiten und 44 Paragraphen langen und 19 Anlagen umfassenden Werks wird dreimal auf die fundamentale Rolle der Wissenschaft und Forschung Bezug genommen &#8211; nur um dann die Hom\u00f6opathie in Anlage 3 als Wahlfach f\u00fcr die Zulassung zum zweiten Teil der \u00e4rztlichen Pr\u00fcfung expressis verbis aufzuf\u00fchren, gleichrangig etwa mit Augenheilkunde oder Gef\u00e4\u00dfchirurgie, Flugmedizin oder Rechtsmedizin und noch vielen anderen mehr. Diese F\u00e4cher, also auch die Hom\u00f6opathie, kommen auch als Wahlfach zum ersten Teil der Pr\u00fcfung in Frage. Das Wahlfach steht dann in der Pr\u00fcfung gleichberechtigt neben anderen Pflichtf\u00e4chern der medizinischen Ausbildung, als beispielsweise Neurologie, Pathologie, Pharmakologie\/Toxikologie.<\/p>\n<p>Der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch einerseits und der Pseudomedizin in Form der Hom\u00f6opathie andererseits ist also bereits in der Approbationsordnung verankert. Eine Universit\u00e4t, Elite oder nicht, die das anbietet &#8211; es besteht offenbar keine Verpflichtung das zu tun &#8211; bewegt sich nur als Vollsortimenter im Rahmen der quasi gesetzlichen Vorgaben.<\/p>\n<p>Der Student muss in den Pr\u00fcfungsf\u00e4chern, also auch in seinem Wahlfach, Leistungsnachweise erbringen. In allen F\u00e4chern muss der Student nachweisen, dass er die Grunds\u00e4tze und Grundlagen des gepr\u00fcften Stoffgebiets beherrscht. Das steht zwar so nur in den Vorgaben f\u00fcr den ersten Pr\u00fcfungsabschnitt, gilt aber sicher auch als Grundlage f\u00fcr den zweiten, wenn auch dort eher von den Kenntnissen und F\u00e4higkeiten gesprochen wird, deren ein Arzt in seiner Arbeit bedarf.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, im Curriculum ist nicht die kritische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Fach gefragt &#8211; das macht auch in den anderen F\u00e4chern au\u00dfer der Hom\u00f6opathie wenig Sinn &#8211; sondern die zu dem Fach geh\u00f6renden Kenntnisse und Fertigkeiten. In den anderen F\u00e4chern mag man sich zwar vielleicht mit dem einen oder anderen Verfahren kritisch auseinandersetzen &#8211; aber niemand wird wohl allen Ernstes etwa die Pathologie oder die Neurologie als solches grunds\u00e4tzlich in Frage stellen. Wie soll der Student darauf kommen, die Hom\u00f6opathie anders zu betrachten?<\/p>\n<p>Best\u00e4tigt findet man diese \u00dcberlegungen beispielsweise im Blog von Natalie Grams, in dem sie beschreibt, wie unkritisch, alleine auf Wissensvermittlung ausgerichtet die Hom\u00f6opathie in ihrem Studium gelehrt wurde (<a href=\"http:\/\/homoeopathie-neu-gedacht.blogspot.de\/2015\/07\/wie-kommt-eine-naturwissenschaftlern.html\" class=\"broken_link\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>Die LMU \/ TU M\u00fcnchen bietet zum ersten Pr\u00fcfungsabschnitt eine Vorlesungsreihe &#8218;Grundlagen der Hom\u00f6opathie und ihre klinische Anwendung&#8216; und zum zweiten Pr\u00fcfungsabschnitt &#8218;Praktische Anwendung der Hom\u00f6opathie&#8216; an (<a href=\"http:\/\/www.carstens-stiftung.de\/media\/files\/pdf\/nachwuchs\/wahlpflichtfach\/programme\/LMU_muenchen_Programm_Vorkl_WS_2014-2015.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a> <a href=\"http:\/\/www.carstens-stiftung.de\/media\/files\/pdf\/nachwuchs\/wahlpflichtfach\/programme\/LMU_muenchen_KlinAbschnitt_WS_2014_2015.pdf\" class=\"broken_link\">Link)<\/a>. Verantwortlich zeichnen Sigrid Kruse und Joachim Siebenwirth. Erstere ist Leiterin der Abteilung Hom\u00f6opathie im von Haunerschen Kinderspital der Uni M\u00fcnchen, letzterer ist offenbar praktizierender hom\u00f6opathischer Arzt in Wolfratshausen unweit von M\u00fcnchen. Es findet sich die Mischung der verschiedenen Themen aus dem Organon, wie Anamnese, Potenzierung, Materia Medica etc., diverse Arzneimittelbilder, auch ein kleines Kapitelchen \u00fcber Forschung ist dabei, kurzum, alles das, was man in einer Heilpraktikerschule in der Ausbildung zum Hom\u00f6opathen auch findet.<\/p>\n<p>Mehr nicht.<\/p>\n<p><strong>Zukunftsszenario<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist die Hom\u00f6opathie f\u00fcr einen Arzt ja recht attraktiv. Entweder wird eine hom\u00f6opathische Behandlung \u00fcber eine Privatkasse abgerechnet oder neuerdings per Sondervertrag zwischen DZVh\u00c4 und Krankenkassen auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (<a href=\"http:\/\/www.zeitschrift-homoeopathie.de\/immer-mehr-gesetzliche-krankenkassen-erstatten-die-aerztliche-homoeopathie\/\">Link<\/a>). Vermutlich kann man damit der Kostend\u00e4mpfung im Gesundheitswesen entgehen und die je Praxis festgelegten Obergrenzen f\u00fcr das Abrechnungsvolumen \u00fcberschreiten. Dazu ist das Investitionsvolumen recht gering, das erforderlich ist, die Praxis mit den n\u00f6tigen Einrichtungen zu versehen: ein PC-Programm zum Heraussuchen des Simillimums und eine gewisse Sammlung von hom\u00f6opathischen Pr\u00e4paraten ist vollkommen ausreichend. Dass man sich dazu noch ein gewisses Gutmenschen-Image zulegt, indem man offenkundig nicht mit den B\u00f6sen aus der Pharmaindustrie zusammenarbeitet, d\u00fcrfte die Attraktivit\u00e4t gerade f\u00fcr junge \u00c4rzte mit einer gro\u00dfen Portion Idealismus noch steigern.<\/p>\n<p>Vorbei sind die Zeiten der Marburger Erkl\u00e4rung, in denen die Hom\u00f6opathie als Irrlehre gebrandmarkt wurde, die keinen Platz in der Medizin h\u00e4tte (<a href=\"https:\/\/www.physioklin.de\/fileadmin\/user_upload\/physioCAVE\/Homoeopathie\/Marburger-Erkl%C3%A4rung-Hom%C3%B6opathie-1992.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a>). Selbst in der Marburger Universit\u00e4t h\u00e4lt die Hom\u00f6opathie leise schleichend Einzug, zwar (noch?) nicht als Wahlfach, aber untergeordnet im Rahmen anderer Veranstaltungen, etwa zur Krankheitslehre (<a href=\"http:\/\/www.uni-marburg.de\/fb20\/allgprmed\/lehre\/krankheitslehre_pharmazeuten\/krnakheitslehrews1213.pdf?searchterm=hom%C3%B6opathie\">Link<\/a>) ist sie schon pr\u00e4sent &#8211; aber vielleicht wird sie ja im Rahmen dieser Lehrveranstaltung kritisch hinterfragt &#8211; hoffentlich.<\/p>\n<p>Wenn ein Medizinstudent geleitet entweder von obigen \u00dcberlegungen oder aufgrund grunds\u00e4tzlich positiver Einstellung oder aus blo\u00dfer Neugier Hom\u00f6opathie als Wahlfach w\u00e4hlt, dann wird ihm die Lehre der Hom\u00f6opathie durch Hom\u00f6opathen beigebracht &#8211; von wem auch sonst &#8211; die notwendigerweise von ihrem Fach \u00fcberzeugt sind.<\/p>\n<p>Dem zuk\u00fcnftigen Arzt wird die Hom\u00f6opathie als ein gleichwertiges Fach der Heilkunde dargestellt, dessen Inhalte er zur Pr\u00fcfung beherrschen muss, wenn er dieses Fach w\u00e4hlt. Die Vorlesungen und Praktika in Physik und Chemie sind am Ende der Ausbildung lange her &#8211; und ich m\u00f6chte bezweifeln, dass ein Dozent der Physik oder der Chemie auf die abstruse Idee kommt, ausf\u00fchrlich darlegen zu m\u00fcssen, dass eine medikament\u00f6se Wirkung ohne einen materiellen Wirkstoff nicht m\u00f6glich ist. Die Dozenten der Hom\u00f6opathie werden den Part sicher \u00fcbernehmen, indem sie die bekannten den Naturwissenschaften entlehnten aber als Worth\u00fclsen gebrauchten Begriffen in den Raum werfen, vom Wasserged\u00e4chtnis, von Informationen, Quantenphysik, Nanobubbles oder was auch immer.<\/p>\n<p>Kurz: Wer als Student aus irgendwelchem Interesse heraus Hom\u00f6opathie als Wahlfach w\u00e4hlt, den Stoff dann irgendwie bew\u00e4ltigt &#8211; aus dem kann nichts anderes werden als ein \u00fcberzeugter Hom\u00f6opath. Zu oft hat er die positiven Darlegungen der Dozenten geh\u00f6rt, in den anderen Fachgebieten h\u00f6rt man sicher nicht viel Gegenteiliges. Steter Tropfen h\u00f6hlt den Stein.<\/p>\n<p>Dabei stehen wir vermutlich erst am Anfang einer gro\u00dfen Welle. Die Hom\u00f6opathie hat erst ab etwa den 1980er Jahren wieder einen Aufschwung erlebt. Die durchgehende &#8218;Hom\u00f6opathisierung&#8216; des Alltags, bei der jedes Schulkind seine Arnica-Globuli f\u00fcr und gegen alles im Ranzen hat, hat erst viel sp\u00e4ter eingesetzt, gef\u00fchlt vielleicht in den letzten zehn Jahren. Da w\u00e4chst eine Generation heran, die bei jeder noch so kleinen Blessur oder bei Bagatellbeschwerden irgendwelche Globuli verabreicht bekommt. Die lernt und verinnerlicht, dass die sp\u00e4tere Besserung nicht von selbst kommt, sondern von den K\u00fcgelchen. Und die aus den Gespr\u00e4chen der Erwachsenen schon fr\u00fch gelernt hat, dass es eine b\u00f6se Schulmedizin und eine gute Hom\u00f6opathie gibt.<\/p>\n<p>Was passiert, wenn diese Generation an die Universit\u00e4ten kommt? Wird die Zahl derer, die sich der Hom\u00f6opathie zuwenden, weil sie sie f\u00fcr eine hocheffektive Therapieform halten, zunehmen oder abnehmen? Noch dazu wenn einschl\u00e4gige Interessenvertreter um die Studenten buhlen und ihnen &#8211; auch das Genie\u00dfen von Kongressen will gelernt sein &#8211; Tagungen und Kongresse bieten, etwa zu einem dreit\u00e4gigen &#8218;Wilseder Forum&#8216; einladen, f\u00fcr Studenten schon alleine dadurch attraktiv, dass die Carstens Stiftung nicht nur die Veranstaltung abh\u00e4lt, sondern auch die Kosten f\u00fcr Reise, Unterbringung und Verpflegung \u00fcbernimmt (<a href=\"https:\/\/www.carstens-stiftung.de\/kvc-forum-homoeopathie-fuer-studierende.html\" class=\"broken_link\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen also erwarten, dass wir in Zukunft mit einer zunehmenden Anzahl von \u00c4rzten konfrontiert werden, die von der Hom\u00f6opathie \u00fcberzeugt und begeistert sind, denen prinzipiell unverst\u00e4ndlich ist, wie man dieses Fach generell in Frage stellen kann &#8211; und auf dahingehende \u00c4u\u00dferungen ihrer Patienten vielleicht ebenso pikiert reagieren, wie manche selbst erkl\u00e4rten Koryph\u00e4en in ihrem Fach das auch heute schon tun.<\/p>\n<p><strong>Folgen<\/strong><\/p>\n<p>Die Folgen sind fatal und recht vielschichtig.<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich scheint die Hom\u00f6opathie ja, da an der Uni gelehrt und von den \u00c4rztekammern auch als Weiterbildung angeboten, ein akademisch anerkanntes Fach zu sein. Welcher Volkshochschule wird man ausreden k\u00f6nnen, Informationsveranstaltungen zur Hom\u00f6opathie in der \u00d6ffentlichkeit anzubieten, wenn die Universit\u00e4ten das vorleben? Welchem Buchh\u00e4ndler oder welcher Stadtbibliothek kann man nahebringen, das Sortiment an popul\u00e4ren Ratgebern zur Hom\u00f6opathie zu reduzieren, wenn die medizinischen Fachbuchhandlungen dies nicht tun? Wie kann man eine Hebamme davon \u00fcberzeugen, dass Hom\u00f6opathie nichts bringt, wenn der die Geburt \u00fcberwachende Arzt ebenfalls darin ausgebildet ist und den gegenteiligen Standpunkt vertritt?<\/p>\n<p>Wenn es immer mehr hom\u00f6opathiegl\u00e4ubige \u00c4rzten geben wird, dann wird es immer selbstverst\u00e4ndlicher, dass die Lehre auch im normalen Alltagsbetrieb eines Arztes ohne Vorbehalte eingesetzt wird &#8211; sicher nicht nur zur Placebobehandlung mit einem wohlklingenden Medikamentennamen, sondern ganz normal als &#8218;wirksames Medikament&#8216;.<\/p>\n<p>Was ist nun sch\u00f6ner: von der konventionellen Medizin als wandelnde Liste von Positionen der Geb\u00fchrenordnung gesehen zu werden oder sich mit unwirksamen Pseudomedikamenten behandeln zu lassen? Wird man in Zukunft seinem Arzt vertrauen k\u00f6nnen, oder muss man scharf aufpassen, was er anwendet? Nicht mehr nur, ob er aus finanziellen \u00dcberlegungen heraus \u00fcbertherapiert &#8211; aber immerhin therapiert &#8211; sondern jetzt auch, ob er \u00fcberhaupt eine sinnvolle Therapie w\u00e4hlt?<\/p>\n<p>Zudem ist die Hom\u00f6opathie die Br\u00fccke, die Einstiegsdroge f\u00fcr jede Form der Pseudo- und Eso-Medizin. Wenn der Arzt mit seiner Hom\u00f6opathie nichts ausrichtet &#8211; na dann bleibt ja immer noch der hom\u00f6opathisch arbeitende Heilpraktiker, der zun\u00e4chst die gleiche Lehre vielleicht besser vertritt, aber dann noch alles m\u00f6gliche krude Zeug anbieten kann, Reiki, Ayurveda, Farbtherapie, Heileurythmie und was es sonst noch f\u00fcr Quacksalbereien geben mag, inklusive Aderlass, Baunscheidtieren und Ausleitungen von irgendwelchen Giften und Schlacken und der Anwendung irgendwelcher obskurer S\u00e4fte und Mixturen, von denen MMS nur ein besonders \u00fcbles Beispiel ist. Warum denke ich jetzt, beim Schreiben dieses Artikels, an die Hexen von Macbeth (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WZcFnZ2ZMR0\">Link<\/a>)?<\/p>\n<p>Ich mag es vielleicht etwas zu schwarz sehen, aber ich kann nicht glauben, dass sich eine solche Entwicklung v\u00f6llig losgel\u00f6st vom gesellschaftlichen Kontext abspielt. Man kann nicht einerseits an Lebenskraft und Miasmen glauben ohne gleichzeitig die Wissenschaft zu diskreditieren, die entweder der verl\u00e4ngerte Arm von irgendwelchen im Geheimen agierenden Interessengruppen ist oder sonst vom realen Leben, von &#8218;altem Wissen&#8216; keine Ahnung hat und darauf beharrt, dass eine spezifische Wirkung eines hom\u00f6opathischen Pr\u00e4parats ausgeschlossen ist. Ehrlich, ich m\u00f6chte nicht in einer solchen Welt leben, in der wieder anhand des rechten Glaubens und nicht aufgrund wissenschaftlicher Belege entschieden wird, was richtig ist und was falsch.<\/p>\n<p>Dies ist kein Weg vorw\u00e4rts, sondern zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Forderungen<\/strong><\/p>\n<p>In der Verbreitung der Hom\u00f6opathie nimmt die f\u00fcr den Laien wahrnehmbare immer festere Verankerung der Hom\u00f6opathie im \u00f6ffentlichen Gesundheitswesen eine Schl\u00fcsselrolle ein. Dazu geh\u00f6ren neben der \u00e4rztlichen Ausbildung in Hom\u00f6opathie im Studium bzw. die Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Hom\u00f6opathie auch die Apothekenpflicht der hom\u00f6opathischen Mittel, Binnenkonsens und Hom\u00f6opathisches Arzneibuch sowie die Kosten\u00fcbernahme durch die Krankenkassen.<\/p>\n<p>All dieses darf es f\u00fcr eine nach Lage der Dinge bestenfalls als Placebomedizin oder allenfalls noch als Gespr\u00e4chstherapie anzusehende Lehre nicht geben. All dieses f\u00f6rdert die Verbreitung der Hom\u00f6opathie mit sicher nicht positiven Folgen. Die Approbationsordnung und damit die Ausbildung der Mediziner ist um die auf die Hom\u00f6opathie bezogenen Inhalte zu bereinigen. Gleiches gilt f\u00fcr die Ausbildungsvorschriften f\u00fcr die anderen Heilberufe, beispielsweise der Approbationsordnung f\u00fcr Apotheker, die in \u00a7 17 Anlage 13 als Pr\u00fcfungsvoraussetzung Kenntnisse \u00fcber die Anforderungen an die Herstellung hom\u00f6opathischer Zubereitungen fordert &#8211; aber nicht die kritische Auseinandersetzung f\u00f6rdert (<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bundesrecht\/aappo\/gesamt.pdf\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>Kurz: Es muss eine neue Marburger Erkl\u00e4rung geben, die entsprechend an den Universit\u00e4ten umzusetzen ist. Hom\u00f6opathie ist vielleicht von medizinhistorischem oder erkenntnistheoretischem Interesse &#8211; aber sicher kein Lehrstoff zur praktischen Anwendung durch approbierte Heilberufler.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Wir werden sehen, ob das erste Strategietreffen der Hom\u00f6opathiekritiker vom 29. bis 31. Januar 2016 in Freiburg zu \u00e4hnlichen Schlussfolgerungen gelangt (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2542\">Link<\/a><\/span><span lang=\"de-DE\">).<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Universit\u00e4ten, darunter auch &#8218;Elite-Universit\u00e4ten&#8216; bieten im Medizinstudium Hom\u00f6opathie als Wahlpflichtfach bzw. Wahlfach an. Was ist davon zu halten? Diese Frage hat mir Hans Zauner vom Laborjournal gestellt, hier meine 2 bis 3 Cent.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,13,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2663"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2663"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3188,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2663\/revisions\/3188"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}