{"id":2225,"date":"2014-11-06T18:43:52","date_gmt":"2014-11-06T16:43:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2225"},"modified":"2014-11-21T13:35:02","modified_gmt":"2014-11-21T11:35:02","slug":"miasmen-und-chronische-krankheiten-in-der-homoeopathie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2225","title":{"rendered":"Miasmen und chronische Krankheiten in der Hom\u00f6opathie"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2225\" data-timestamp=\"1416576902\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2225\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 42<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2225&text=Miasmen%20und%20chronische%20Krankheiten%20in%20der%20Hom%C3%B6opathie\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Hahnemanns &#8218;Chronische Krankheiten&#8216; gelten als der problematischste Teil seiner Lehre, waren sie doch sogar bei seinen Sch\u00fclern und Anh\u00e4ngern sehr umstritten. Zu Recht? Eine vertiefte Kenntnis der Grundlagen kann f\u00fcr den Dialog mit den Vertretern der Hom\u00f6opathie kein Nachteil sein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>In K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n<p>Hahnemanns letzte wichtige Ver\u00f6ffentlichung, <em>&#8218;Die chronischen Krankheiten&#8216;<\/em>, wirkt auf den ersten Blick wie das Sp\u00e4twerk eines mittlerweile verbissenen Greises, der die Bodenhaftung inzwischen g\u00e4nzlich verloren hat. Dieses Bild verfl\u00fcchtigt sich aber, wenn man sich n\u00e4her mit dem Text besch\u00e4ftigt. Man kann darin ein Paradebeispiel daf\u00fcr sehen, dass man trotz einigerma\u00dfen folgerichtiger Induktion zu falschen Schlussfolgerungen gelangen kann und wie wichtig moderne wissenschaftliche Methoden sind. Im Endeffekt steht Hahnemann mit seiner Sichtweise der modernen Medizin und Naturwissenschaft wesentlich n\u00e4her als seine heutigen Nachfolger, die die Lehre von den chronischen Krankheiten &#8218;weiterentwickelt&#8216; haben.<\/p>\n<p><strong>In L\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p>In meinem Buch (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=72\">hier<\/a>) hatte ich mich ausf\u00fchrlich dar\u00fcber ausgelassen, dass Hahnemanns Konzeption der Hom\u00f6opathie auf Irrt\u00fcmern beruht, die er aber infolge der Beschr\u00e4nkungen seiner Zeit nicht erkennen oder \u00fcberwinden konnte. Die Fehlinterpretation des Chinarindenversuchs 1790 ist darin der wohl bedeutungsvollste Irrtum.<\/p>\n<p>Aber Hahnemanns Behauptung einer &#8218;geistartigen&#8216; Wirkung wird verst\u00e4ndlich, wenn man bedenkt, dass der Begriff des Atoms ihm zwar durchaus gel\u00e4ufig war, aber eher als eine philosophische oder hypothetische denn als reale physikalische Gr\u00f6\u00dfe. Das Atom war die gedachte kleinste Einheit eines Stoffes, dem noch individuelle Eigenschaften zuzuordnen sind. Dass ihre Zahl in einer bestimmten Stoffmenge zwar gro\u00df aber durchaus endlich ist, wurde erst einige Jahre nach Hahnemanns Tod (Loschmidt, 1865, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Avogadro-Konstante\">Link<\/a>) entdeckt. Hahnemann ging von einer unbegrenzten Teilbarkeit seiner Wirkstoffmengen aus, ohne dass die Eigenschaften g\u00e4nzlich verloren gehen. Sie sind lediglich unabh\u00e4ngig von einer noch erkennbaren Wirkstoffmenge &#8211; geistartig eben.<\/p>\n<p>Andererseits war Hahnemann auch bekannt, dass viele Krankheiten durch Infektion \u00fcbertragen werden, also durch den Kontakt oder die N\u00e4he zu einem Erkrankten oder einer anderen Infektionsquelle, einem tollw\u00fctigen Hund zum Beispiel. Er konnte also durchaus feststellen, dass eine &#8211; mit seinen Mitteln &#8211; nicht mehr feststellbare winzige Menge eines unbekannten Giftes zu erheblichen Beeintr\u00e4chtigungen und Krankheitserscheinungen f\u00fchren kann. Warum sollen dann nicht winzigste Mengen eines Heilmittels ebenfalls umfassende Wirkung zeigen k\u00f6nnen? Die Genese einer Infektionskrankheit, die Vermehrung der Erreger im K\u00f6rper des Betroffenen, blieb ihm ja mangels Mikroskop verborgen. Hahnemanns Forderung, seine Medikamente in m\u00f6glichst kleinen Gaben zu verabreichen ist daher nicht so abstrus, wie es uns zun\u00e4chst erscheint.<\/p>\n<p>Er hat \u00fcbrigens immer von einer kleinstm\u00f6glichen Gabe des Mittels gesprochen, er ging also davon aus, dass der Patient auch etwas davon abbekommt ([1], <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Organon+der+Heilkunst+%286.+Auflage%29\/Text+des+Organons\/%C2%A7.+279\">\u00a7279<\/a>). Dass das bei C30, einer seiner bevorzugten Potenzen, nicht mehr der Fall ist, konnte Hahnemann nicht wissen. Es ist eine interessante Fragestellung, was passiert w\u00e4re, wenn ihm bekannt geworden w\u00e4re, dass ab einer gewissen Potenz keine Wirkstoffe mehr in seinen Arzneien enthalten sind. Wie gesagt, Hahnemann war diese Problematik unbekannt &#8211; seinen Nachfolgern allerdings nicht.<\/p>\n<p>Auch dass Hahnemann die Wirkung des Versch\u00fcttelns \u00fcberbewertete, was uns heute als ein Hauptansatzpunkt der Kritik an der Hom\u00f6opathie dient, ist verst\u00e4ndlich ([1], <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Organon+der+Heilkunst+%286.+Auflage%29\/Text+des+Organons\/%C2%A7.+269\">\u00a7269<\/a>). Der Satz von der Erhaltung der Energie wurde ebenfalls erst nach Hahnemanns Tod aufgestellt (Helmholtz, 1847, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Energieerhaltungssatz\">Link<\/a>). Dass mechanische Arbeit in einem ganz festen Verh\u00e4ltnis in W\u00e4rme umgesetzt werden kann, war Anfang des 19. Jahrhunderts unbekannt. Im damaligen Weltbild, das weitestgehend mechanisch gepr\u00e4gt war, gab es durchaus unerkl\u00e4rliche Erscheinungen, die offenbar durch Bewegung verursacht wurden, eben die Entstehung eines W\u00e4rmestoffs, des Magnetismus etc.. Warum also nicht auch eine Verst\u00e4rkerwirkung f\u00fcr Arzneimittel?<\/p>\n<p>Hahnemann tat jedenfalls immer das, was ein Wissenschaftler zu seiner Zeit machen musste: Er beobachtete &#8218;die Natur&#8216; und leitete daraus seine Erkenntnisse ab. In seinem erstmals 1810 ver\u00f6ffentlichten Hauptwerk, dem &#8218;<em>Organon der rationellen Heilkunde<\/em>&#8218; [1] beschreibt er seine Beobachtungen, zitiert andere Autoren und stellt seine Schlussfolgerungen dar. Da werden gegens\u00e4tzliche Erst- und Zweitwirkungen von therapeutischen Eingriffen beschrieben ([1], <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Organon+der+Heilkunst+%286.+Auflage%29\/Text+des+Organons\/%C2%A7.+65\">\u00a765<\/a>) und auch Beispiele daf\u00fcr, dass sich Krankheiten mit \u00e4hnlicher Symptomatik gegenseitig ausl\u00f6schen([1], <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Organon+der+Heilkunst+%286.+Auflage%29\/Text+des+Organons\/%C2%A7.+46\">\u00a746<\/a>). Damit stellt Hahnemann seine Erkenntnisse und den Weg dazu seinen Fachkollegen zur Diskussion. Dass er auf Kritik recht heftig und unduldsam reagierte, ist eher ein Hinweis auf seinen Charakter als auf seine Arbeitsweise.<\/p>\n<p>So weit so sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Hahnemann war in der Sicht seiner Zeit also sicher kein esoterischer Spinner. Er kam zwar zu ungew\u00f6hnlichen Ergebnissen, die bei seinen Fachkollegen Befremden ausl\u00f6sten. Aber dieser Effekt trat zu allen Zeiten bei der Ver\u00f6ffentlichung von Ergebnissen auf, die dem aktuellen Weltbild widersprachen. Vor allen Dingen muss man sehen, dass seine Gegner weitestgehend noch der Viersaftlehre anhingen, die aus heutiger Sicht noch weit abstrusere Anschauungen zu Krankheitsursachen beinhaltet.<\/p>\n<p>Aber dann ver\u00f6ffentlicht Hahnemann 1828 im Alter von 73 Jahren <em>&#8218;Die chronischen Krankheiten, ihre eigenth\u00fcmliche Natur und hom\u00f6opathische Heilung&#8216;<\/em> [2] und st\u00f6\u00dft damit selbst bei seinen Sch\u00fclern und Anh\u00e4ngern auf Befremden. Im Kernpunkt f\u00fchrt er die chronischen Erkrankungen des Menschen, und zwar alle, ohne Ausnahme, auf nur drei &#8218;Miasmen&#8216; genannte Ur\u00fcbel zur\u00fcck. Die Syphilis (Geschlechtskrankheit), die Sykosis (&#8218;Feigwarze&#8216;, ebenfalls sexuell \u00fcbertragbare Krankheit) und die Psora (&#8218;Kr\u00e4tze&#8216;) &#8211; das schlimmste und gef\u00e4hrlichste Miasma \u00fcberhaupt &#8211; sind die Ursachen f\u00fcr das dauerhafte Leiden chronisch erkrankter Menschen.<\/p>\n<p>Das klingt auch in heutigen Ohren abenteuerlich. Haben ihn denn jetzt alle guten Geister verlassen? Sucht er krampfhaft nach Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das eigentlich klare Zutagetreten des Versagens seiner Therapien? Phantasiert er sich da etwas zusammen, um nicht einen Fehler eingestehen zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Sehen wir uns das doch einmal an. Denn das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, was eigentlich hinter diesen uns auf den ersten Blick unverst\u00e4ndlichen Anschauungen steckt, kann f\u00fcr eine Auseinandersetzung mit den Inhalten der Hom\u00f6opathie nur n\u00fctzlich sein. Eine Anmerkung vorweg: auch wenn jetzt aus dieser Betrachtung herauskommt, dass man Hahnemanns Gedankeng\u00e4nge nachvollziehen kann, soll das nicht bedeuten, dass die Hom\u00f6opathie als eine wirksame Therapieform zu sehen ist. Dies ist nach wie vor nicht der Fall, denn wir werden auch hier Irrt\u00fcmer Hahnemanns feststellen, die sich bis in den heutigen Tag in der Lehre gehalten haben &#8211; und eher verst\u00e4rken als abnehmen. Aber die Kenntnis, wo diese Irrt\u00fcmer liegen, ist sicher auch hilfreich.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus kann man in dieser Betrachtung fast ein Lehrst\u00fcck daf\u00fcr sehen, wie und warum sich die wissenschaftliche Methodik weiterentwickelt hat und Irrt\u00fcmer und Fehlschl\u00fcsse heute sicherer vermieden werden als zu Zeiten der franz\u00f6sischen Revolution.<\/p>\n<p><strong>Erster Fehlschluss:<br \/>\nAlle Beschwerden sind durch Hom\u00f6opathie heilbar, es sei denn&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Die folgende Darstellung bezieht sich auf den unter <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Die+chronischen+Krankheiten\/Abhandlungen\/Erster+Theil\/Natur+der+chronischen+Krankheiten\">diesem Link<\/a> im Internet verf\u00fcgbaren Volltext der<em> &#8218;Abhandlungen&#8216;<\/em> aus dem ersten Band mit dem Titel &#8218;<em>Natur der Chronischen Krankheiten&#8216;<\/em>. Leider ist der Text nicht weiter gegliedert, so dass keine genauere Angabe der Textstellen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Nach den im Organon niedergelegten Prinzipien m\u00fcsste die Hom\u00f6opathie eigentlich geeignet sein, alle Beschwerden zu heilen. Davon d\u00fcrfte Hahnemann \u00fcberzeugt gewesen sein. Wenn das so ist, dann gibt es nur drei M\u00f6glichkeiten, warum es in manchen F\u00e4llen eben nicht zu einem Heilungserfolg kommt:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Patient ist schon zu sehr gesch\u00e4digt, als dass die Lebenskraft noch in ihr Gleichgewicht gebracht werden k\u00f6nnte. Das ist insbesondere der Fall, wenn allopathische \u00c4rzte den Patienten mit ihren Mitteln verdorben haben.<\/li>\n<li>Das richtige Mittel wird nicht gefunden oder ist vielleicht noch nicht bekannt. Das konnte Hahnemann ausschlie\u00dfen, schlie\u00dflich hat er selbst, der Meister, die F\u00e4lle behandelt und jetzt, \u00fcber 20 Jahre nach Einf\u00fchrung der Hom\u00f6opathie, gibt es auch gen\u00fcgend in ihrer Wirkung bekannte Mittel.<\/li>\n<li>Es muss eine tiefere Ursache geben, die verhindert, dass ein nach den erkannten Symptomen bestm\u00f6glich ausgew\u00e4hltes Mittel die Heilung erreicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letztere M\u00f6glichkeit ist die, die Hahnemann in Betracht zog. Die vierte M\u00f6glichkeit, die aus heutiger Sicht viel naheliegender ist, kann er nicht in Erw\u00e4gung ziehen, das w\u00fcrden selbst weniger dogmatische und eigensinnige Menschen als Hahnemann nicht hinbekommen: dass n\u00e4mlich die Hom\u00f6opathie per se unwirksam ist, seine Erfolge auf ganz anderen Mechanismen beruhen. Allen voran die Tatsache, dass er die Patienten nicht selbst umbrachte, wie es die damaligen Kollegen der konventionellen Medizin durchaus taten, mit ihren Abf\u00fchrmitteln, Brechmitteln, Aderl\u00e4ssen und den verabreichten &#8218;Arzneien&#8216;. Verstopfung wurde zum Beispiel durchaus dadurch geheilt, dass der Patient mehrere Kilo Quecksilber trank und durch den dadurch aufgebauten Druck der Darm freigesp\u00fclt wurde (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quecksilber#Heilkunde.2C_Pharmazeutika.2C_Kosmetik\">Link<\/a>). Mortalit\u00e4tsraten sind mir allerdings nicht bekannt.<\/p>\n<p>Hahnemann hat also nicht gleichwertig alle denkbaren L\u00f6sungen betrachtet. Wie gesagt, es w\u00e4re auch vom menschlichen Standpunkt her zuviel verlangt, wenn man ein jahrzehntelanges Engagement hinter sich gebracht hat, sich mit weiten Kreisen der Kollegenschaft gr\u00fcndlich \u00fcberworfen hat und dabei im Vergleich zur Konkurrenz durchaus sehenswerte Erfolge zu verzeichnen hatte.<\/p>\n<p>Also, lieber einen neuen Effekt kreieren als einen Irrtum zugeben?<\/p>\n<p><strong>Was sind chronische Krankheiten?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist festzuhalten, dass die Hom\u00f6opathie den Begriff der Krankheit, so wie wir ihn heute verstehen, eigentlich nicht kennt. Wenn wir heute eine Krankheit als &#8218;Rheuma&#8216; oder &#8218;Asthma&#8216; bezeichnen, dann umfasst das begrifflich nicht nur die Symptome eines Patienten, sondern beinhaltet auch gleich eine Aussage zur Ursache und zur m\u00f6glichen Therapie. &#8218;Rheuma&#8216; ist etwas anderes als &#8218;Arthrose&#8216;, was sich wiederum von &#8218;Arthritis&#8216; unterscheidet, obwohl die Symptome \u00fcber weite Strecken doch \u00e4hnlich sind (die Mediziner m\u00f6gen mir verzeihen, wenn ich hier vielleicht etwas arg vereinfache, um meinen Punkt darzulegen). Wir wissen schon aus der Bezeichnung, ob ein k\u00fcnstliches Gelenk eine Abhilfema\u00dfnahme sein k\u00f6nnte oder nicht.<\/p>\n<p>Bei den Hom\u00f6opathen ist eine Bezeichnung f\u00fcr eine Krankheit nur eine vereinfachende Zusammenfassung gemeinsam auftretender Symptome, aber beileibe kein vollst\u00e4ndiges Krankheitsbild. Hierzu geh\u00f6ren noch die weiteren Befunde am Patienten, sein generelles Befinden, Geistes- und Gem\u00fctszustand und auch Symptome im restlichen K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Die Folge daraus ist, dass es die heutigen chronischen Krankheiten bei Hahnemann gar nicht gibt. Rheuma, Diabetes, COPD als die betrachteten Krankheitsbilder anzunehmen, w\u00e4re grundfalsch. Vielmehr geht es um Symptome, die sich einer erfolgreichen Behandlung entziehen.<\/p>\n<p><strong>Eine zutreffende Beobachtung&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Hahnemann hat als die Hindernisse der hom\u00f6opathischen Heilung sogenannte Ur\u00fcbel identifiziert, die er &#8218;Miasmen&#8216; nannte. Dabei macht Hahnemann hier etwas, was die Hom\u00f6opathen nach ihm immer wieder tun werden, n\u00e4mlich sich Begriffe aus der zeitgen\u00f6ssischen akzeptierten Wissenschaft auszuleihen und mit anderen Bedeutungen versehen wieder zu verwenden. Hahnemanns Miasmen haben nichts mit den Miasmen zu tun, die in der klassisch-medizinischen Miasmenlehre behandelt werden. Dort sind es Ausd\u00fcnstungen und Ger\u00fcche, die als Krankheitsverursacher gesehen wurden (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Miasma\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>Bei Hahnemanns Miasmen handelt es sich hingegen um ausl\u00f6sende Krankheiten, die Syphilis, die Sykosis und die Kr\u00e4tze. Dies sind Infektionskrankheiten &#8211; das wusste Hahnemann auch schon &#8211; die mit krankhaften Ver\u00e4nderungen der Haut einhergehen, mit Pusteln, Geschwulsten und dergleichen mehr. Der normale Hom\u00f6opath und auch der konventionelle Mediziner hat zu Hahnemanns Zeiten nur diese Symptome erkennen und behandeln k\u00f6nnen. Das ist aber nach Hahnemanns Beobachtung grundfalsch, denn das l\u00e4sst die innere Krankheit unber\u00fchrt, die sich dann weiter fortentwickeln kann und immer schlimmere Leiden hervorruft.<\/p>\n<p>Und damit hat Hahnemann v\u00f6llig Recht!<br \/>\nPrinzipiell zumindest.<\/p>\n<p>In der Wikipedia finden sich f\u00fcr das dritte und vierte Stadium einer unbehandelten Syphilis viele Jahre nach Infektion folgende Angaben (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Syphilis#Terti.C3.A4rstadium.2C_Lues_III\">Link<\/a>):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Es bilden sich Knoten, die oft gummiartig verh\u00e4rtet sind (Gummen, in der Einzahl Gumma). Auf der Haut bilden sie mitunter gro\u00dfe Geschw\u00fcre, am Gaumen entsteht unter Umst\u00e4nden eine Perforation zur Nasenh\u00f6hle.<\/em><br \/>\n<em>&#8230;..<\/em><br \/>\n<em>Ein Viertel der unbehandelten Patienten erkranken an chronischer Hirnentz\u00fcndung (Syphilis cerebrospinalis), die zu Demenz f\u00fchrt. Zum Teil wird auch von einer erheblichen kurzzeitigen Steigerung der kognitiven mentalen F\u00e4higkeiten der Infizierten berichtet. Die Progressive Paralyse des Neurolues \u00e4u\u00dfert sich durch den zunehmenden Abbau der intellektuellen F\u00e4higkeiten, eine Ataxie und Sprachst\u00f6rungen. Weiter werden das R\u00fcckenmark und seine austretenden Nerven so gesch\u00e4digt, dass die Patienten zun\u00e4chst Schmerzen haben, dann Schmerz und Temperatur nicht mehr wahrnehmen (Tabes dorsalis). Das Gehen und die Kontrolle \u00fcber Blase und Darm sind gest\u00f6rt. Am Ende sind die Patienten gel\u00e4hmt. Es kann auch zu einer Beteiligung des Sehnerven mit folgender Sehverschlechterung bis zur Erblindung kommen. Weiterhin treten Kreislauf-, Knochen- und Gelenksch\u00e4den (Charcot-Gelenke) auf.<\/em><\/p>\n<p>Bei Hahnemann liest sich das so:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Wenn dann die get\u00e4uschten Ungl\u00fccklichen bald oder sp\u00e4ter mit den unvermeidlich auf eine solche Behandlung folgenden Siechthumen, mit Geschwulst-Krankheiten, hartn\u00e4ckigen Schmerzen an diesem oder jenem Theile, mit hypochondrischen oder hysterischen Beschwerden, mit Gicht\u00fcbeln, Abzehrungen, Lungeneiterungen, stetem oder krampfhaftem Asthma, mit Blindheit, Taubheit, L\u00e4hmungen, Knochenfra\u00df, Geschw\u00fcren (Krebs), Kr\u00e4mpfen, Blutfl\u00fcssen, Geistes- und Gem\u00fcthskrankheiten u.s.w. zur\u00fcckkehren&#8230; <\/em><\/p>\n<p>Weiter unten im Text z\u00e4hlt Hahnemann eine F\u00fclle von auftretenden Symptomen auf, die alle in der Wikipedia genannten Symptome enthalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich sieht das durchaus vergleichbar aus. Der einzige Fehler ist nur, dass Hahnemann diese Symptome nicht der Syphilis als Ursache zugeordnet hat, sondern der Psora, der Kr\u00e4tze. Dabei muss man allerdings bedenken, dass die Trennsch\u00e4rfe der verschiedenen Krankheitsbilder f\u00fcr Hahnemann nicht sehr hoch war. Er konnte eine Krankheit nur nach ihrem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild identifizieren, eine weitergehende Diagnostik, etwa ein Erregernachweis, stand ja nicht zur Verf\u00fcgung. Erst 1867, ein Viertel Jahrhundert nach Hahnemanns Tod, konnte \u00fcberhaupt sicher zwischen Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis unterschieden werden. Tischner ([3] S. 102) geht zum Beispiel davon aus, dass es sich bei Hahnemanns Sykosis eigentlich um eine Gonorrhoe handelte. Auch ist aus Hahnemanns Text ersichtlich, dass &#8218;Psora&#8216; f\u00fcr ihn offenbar ein Sammelbegriff f\u00fcr verschiedene Problematiken auf der Haut darstellt, denn er wirft den Aussatz (Lepra) und die Kr\u00e4tze &#8211; und noch einige andere &#8211; durchaus in einen Topf.<\/p>\n<p><strong>&#8230; und eine falsche Schlussfolgerung<\/strong><\/p>\n<p>Hahnemann hatte also zutreffend beobachtet, dass die Symptome auf der Hautoberfl\u00e4che nicht immer das volle Krankheitsbild darstellen &#8211; was \u00fcbrigens im Widerspruch zu seinen Aussagen im Organons steht. Aber es ist v\u00f6llig normal, dass in der Wissenschaft das Wissen zunimmt und fr\u00fchere Aussagen revidiert werden m\u00fcssen. Allerdings ist diese Aussage auch in der letzten Ausgabe des Organon noch enthalten ([1], <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Organon+der+Heilkunst+%286.+Auflage%29\/Text+des+Organons\/%C2%A7.+6\">\u00a76<\/a>).<\/p>\n<p>Einmal auf die Spur gesetzt, dass Beschwerden, die er mit seiner Methode nicht in den Griff bekam, von fr\u00fcheren Infekten herr\u00fchren konnten, erweiterte er bei jedem in Frage kommenden Patienten die Anamnese auf Zeiten lange vor den gerade aktuellen Beschwerden. Ja sogar die Eltern sollten zur Befragung herangezogen werden, um die Geschehnisse aus der Kindheit mit zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Und was findet Hahnemann da, in einer Zeit, in der k\u00f6rperliche Hygiene nicht unbedingt Allgemeingut war?<\/p>\n<p>Eben, er findet mit Sicherheit, dass jeder seiner Patienten in der Vergangenheit schon einmal mit Hautproblemen zu tun hatte. Ob es tats\u00e4chlich die Kr\u00e4tze war, so wie wir sie heute verstehen, oder die Schuppenflechte, irgendwelche zuf\u00e4lligen Hautirritationen oder nur die ganz normale unreine Haut w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t &#8211; mit Sicherheit hat jeder seiner Patienten irgendein diesbez\u00fcgliches Erlebnis irgendwann in seinem fr\u00fcheren Leben durchlitten. Die Infektion mit einer Geschlechtskrankheit d\u00fcrfte wesentlich weniger h\u00e4ufig vorgekommen sein als die leicht \u00fcbertragbare Kr\u00e4tze oder andere diffuse Hautirritationen.<\/p>\n<p>Was liegt n\u00e4her, als die Schlussfolgerung, dass diese fr\u00fcheren Beschwerden die Ursachen f\u00fcr die Hartn\u00e4ckigkeit der aktuellen Symptome darstellen? Bezeichnenderweise sieht Hahnemann in der Kr\u00e4tze die Ursache f\u00fcr sechs Siebtel der Beschwerden. Allerdings ist die Kr\u00e4tze aus heutiger Sicht hinsichtlich innerer Beschwerden vergleichsweise harmlos und die Lepra &#8211; der Aussatz &#8211; war auch zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa nurmehr recht selten. Ich vermute daher, dass der schlechte Ruf, den die Kr\u00e4tze sich bei den Hom\u00f6opathen eingehandelt hat, stark auf einer fehlerhaften Zuordnung beruht &#8211; die Hahnemann mit seinen Mitteln nicht erkennen konnte. Weil er viele Krankheiten nicht einfach heilen konnte und die Psora in den Lebensl\u00e4ufen h\u00e4ufig vorkam, schien die Ursache zweifelsfrei identifiziert.<\/p>\n<p>Aus seinen Beobachtungen leitet Hahnemann das Vorgehen bei der Behandlung dahingehend ab, dass bei der <em>&#8218;miasmatischen Behandlung<\/em>&#8218; zun\u00e4chst die Natur der inneren verborgenen Krankheit in Erfahrung gebracht werden m\u00fcsse, also im Anamnesegespr\u00e4ch fr\u00fchere Infektionen herausgearbeitet werden m\u00fcssen. Die hom\u00f6opathische Behandlung muss sich zun\u00e4chst auf diese innere Krankheit beschr\u00e4nken. Das vorzeitige Beseitigen der \u00e4u\u00dferen Hautbeschwerden n\u00e4hme der inneren Krankheit nur das Ventil, woraufhin sich diese noch viel gr\u00e4sslicherer Ausdrucksmittel bedienen w\u00fcrde. Ist die innere Krankheit erfolgreich bek\u00e4mpft, dann werden die krankhaften Ver\u00e4nderungen auf der Haut praktisch von selbst oder nur mit einfachen Mitteln erfolgreich zu behandeln sein.<\/p>\n<p>Wenn man unter Hahnemanns Miasma eine unbehandelte Infektionskrankheit versteht, dann klingt die obige Behandlungsvorschrift auch aus heutiger Sicht gar nicht so unsinnig. H\u00e4tte er anstelle seiner K\u00fcgelchen Antibiotika verwendet &#8211; die gab es aber erst ein paar Dutzend Jahre sp\u00e4ter &#8211; w\u00e4re die Vorgehensweise durchaus erfolgsversprechend.<\/p>\n<p>Hahnemann hat aber nun mal nur seine K\u00fcgelchen eingesetzt. Unwahrscheinlich, dass er damit tats\u00e4chlich eine Syphilis-Infektion erfolgreich behandelt haben k\u00f6nnte. Das hat ihn aber nicht von seinen Vorstellungen abgebracht, denn er nahm gleichzeitig an, dass eine Krankheit um so schwieriger zu behandeln sei, je l\u00e4nger sie bereits andauerte. Und eine zwanzig oder drei\u00dfig Jahre alte Infektion zu beseitigen muss daher fast unm\u00f6glich gewesen sein, insbesondere, wenn der Patient durch Fehlbehandlungen seitens der Allopathen &#8218;verpfuscht&#8216; worden war. Wenn also eine Heilung einer miasmatischen Erkrankung nicht gelang &#8211; dann lag das an der Hartn\u00e4ckigkeit der Krankheit, nicht an den M\u00e4ngeln der Therapie.<\/p>\n<p>So weit verf\u00fcgte Hahnemann aus seiner Sicht \u00fcber ein durchaus stimmiges Weltbild, das in manchen Aspekten erstaunlich gut mit dem heutigen Kenntnisstand \u00fcber Infektionen \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p><strong>&#8230; und wie man das heute zu vermeiden sucht<\/strong><\/p>\n<p>Hahnemann hat also aus seinen Beobachtungen durchaus eine folgerichtige Induktion aufgebaut &#8211; und sich dennoch geirrt. Es ist einfach nicht zutreffend, dass alle Beschwerden, die sich nicht auf Anhieb mit der Hom\u00f6opathie behandeln lassen, auf drei Haut- und Geschlechtskrankheiten zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, auch wenn man unterstellt, dass die Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern mit \u00e4hnlicher Symptomatik nicht unbedingt klar und deutlich war.<\/p>\n<p>Wie h\u00e4tte man diesen Irrtum feststellen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>In der Wissenschaft ist die Induktion, also die Schlussfolgerung von Beobachtungen auf vermutete Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, ein wichtiger Schritt. Aber wie man sieht, man kann da auch in die Irre gehen, wenn man die Zusammenh\u00e4nge falsch einsch\u00e4tzt. Daher ist es wichtig &#8211; und heute \u00fcblich &#8211; die abgeleiteten Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten in einem zweiten Schritt zu \u00fcberpr\u00fcfen &#8211; und das Ergebnis sp\u00e4ter noch der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Diskussion zu stellen. Da kommen dann die verschiedenen Studien ins Spiel.<\/p>\n<p>Die Aussage, dass die chronischen Beschwerden von den drei betrachteten Krankheiten verursacht werden, kann auf zwei Weisen falsifiziert werden:<\/p>\n<ul>\n<li><span lang=\"de-DE\">Treten chronische Beschwerden auch bei Menschen auf, die keine entsprechende Krankengeschichte aufweisen? Damit h\u00e4tte man herausfinden k\u00f6nnen, dass es auch chronische Krankheiten gibt, die eine andere Ursache haben, und h\u00e4tte daraufhin die Ursachenforschung erweitern k\u00f6nnen.<\/span><\/li>\n<li><span lang=\"de-DE\">Treten in allen F\u00e4llen, in denen eine der als Ursache angenommenen Infektionen nur \u00e4u\u00dferlich behandelt wurde, die chronischen Beschwerden auf? Dies h\u00e4tte die Behandlungsstrategie verbessern k\u00f6nnen. Beispielsweise h\u00e4tte sich gezeigt, dass die Kr\u00e4tze tats\u00e4chlich nur eine durch Milben verursachte, auf die Haut beschr\u00e4nkte Erscheinung ist. <\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span lang=\"de-DE\">Lassen wir dabei einmal au\u00dfer Acht, dass ein Studiendesign, das dieses untersuchen k\u00f6nnte und dabei gleichzeitig mit ethischen Gesichtspunkten vereinbar w\u00e4re, nur schwierig zu realisieren sein d\u00fcrfte. Hier geht es lediglich darum, aufzuzeigen, wie die Wissenschaft sicherstellt, dass Fehlschl\u00fcsse, wie sie hier Hahnemann unterlaufen sind, ausgeschlossen werden. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Wie man sieht, versucht man die gefundene Regel zu widerlegen, indem man untersucht, ob das Gegenteil zutreffend sein k\u00f6nnte. Widerspr\u00fcche f\u00fchren zu einer \u00dcberpr\u00fcfung der Regel. Hier h\u00e4tte sich ein weites Feld aufgetan, aber dieses Vorgehen war nicht \u00fcblich.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong><span lang=\"de-DE\">Die miasmatische Behandlung heute<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Es scheint mir gerechtfertigt, die Miasmen Hahnemanns als eine Bezeichnung f\u00fcr das im Inneren des K\u00f6rpers ablaufende Geschehen bei einer unbehandelten und fortbestehenden Infektion zu verstehen. Dann w\u00e4re diese Vokabel mit den zunehmenden Kenntnissen \u00fcber virale und bakterielle Infektionskrankheiten in der Vergangenheit \u00fcberfl\u00fcssig geworden. Auch sind heute viele chronische Krankheiten zumindest so weit bekannt, dass sie ihre Ursache nicht in fr\u00fcheren Infektionen haben (Rheuma, Diabetes, COPD etc.). Dennoch lebt das Miasma und seine Behandlung in der hom\u00f6opathischen Literatur fort, einen \u00dcberblick gibt der Artikel in der Wikipedia (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Miasmentheorien_%28Hom%C3%B6opathie%29\">Link<\/a>).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Inzwischen ist die Zahl der Miasmen sogar auf zehn angestiegen und die Miasmen selbst scheinen vollst\u00e4ndig in das Reich der Esoterik abgedriftet zu sein. Da ist von &#8218;<em>Mustern der Fehlwahrnehmung des Einzelnen und die Auseinandersetzung des Organismus mit sich und seiner Umwelt<\/em>&#8218; die Rede oder dass eine &#8218;<em>Bedingung f\u00fcr eine Erkrankung darin [bestehe], dass die Menschen ihr transzendentes Ziel aus dem Sinn verlieren<\/em>&#8218;. &#8218;<em>\u00dcberkompensation, Verleugnung oder mit Aggressiv-Schuld zuweisende, zerst\u00f6rende Haltung<\/em>&#8218; beschreiben eine &#8218;<em>terti\u00e4re Psora<\/em>&#8218;. Und so weiter und so fort.<\/span><\/p>\n<p>Hahnemann war da deutlich n\u00e4her am heutigen Kenntnisstand.<\/p>\n<p><strong><span lang=\"de-DE\">Quintessenz:<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Man kann Hahnemann zugestehen, in der Natur zumindest einiger chronischer Beschwerden gar nicht so falsch gelegen zu haben und nur durch die beschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten seiner Zeit zwangsl\u00e4ufig in seinen Irrt\u00fcmern gefangen geblieben zu sein. Also in seinem Erkenntnisprozess durchaus einen richtigen Weg eingeschlagen zu haben, dabei allerdings in einem fr\u00fchen Stadium verblieben zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">F\u00fcr seine Nachfolger, insbesondere die modernen die Miasmentheorie bearbeitenden Hom\u00f6opathen wie Masi-Elizalde (1933-2003), Sankaran (* 1960) oder Gienow (*1960), gilt diese wohlwollende Betrachtung ausdr\u00fccklich nicht.<\/span><\/p>\n<p><strong>Nachtrag (21.11.2014):<\/strong><\/p>\n<p>Eine lesenswerte Auseinandersetzung mit der heutigen Bedeutung der Miasmenlehre findet sich neben anderen nicht minder lesensswerten Betrachtungen hier (<a href=\"http:\/\/excanwahn.wordpress.com\/2014\/09\/26\/homoopathie-uber-miasmen-grosenwahn-und-unvermogen-die-hog-und-ebola\/\">Link<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>[1] Hahnemann S: &#8218;Organon der Heilkunst&#8216;, nach der handschriftlichen Neubearbeitung Hahnemanns f\u00fcr die 6. Auflage, Ulm 1958,, <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Organon+der+Heilkunst+%286.+Auflage%29\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n<p>[2] Hahnemann S: &#8218;Die chronischen Krankheiten&#8216;, Band 1, Dresden, Leipzig 1835, <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Kulturgeschichte\/M\/Hahnemann,+Samuel\/Die+chronischen+Krankheiten\/Abhandlungen\/Erster+Theil\/Natur+der+chronischen+Krankheiten\">Link<\/a> um Volltext<\/p>\n<p>[3] Tischner R: &#8218;Das Werden der Hom\u00f6opathie&#8216;, Nachdruck der Ausgabe von 1950, Deutscher Taschenbuch Verlag, M\u00fcnchen 2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hahnemanns &#8218;Chronische Krankheiten&#8216; gelten als der problematischste Teil seiner Lehre, waren sie doch sogar bei seinen Sch\u00fclern und Anh\u00e4ngern sehr umstritten. Zu Recht? 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