{"id":214,"date":"2013-05-14T11:55:11","date_gmt":"2013-05-14T09:55:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=214"},"modified":"2015-12-07T16:32:59","modified_gmt":"2015-12-07T15:32:59","slug":"homoopathie-und-adhs-studie-von-lamont-1997","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=214","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie und ADHS &#8211; Studie von Lamont (1997)"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D214\" data-timestamp=\"1449505979\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D214\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 6<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D214&text=Hom%C3%B6opathie%20und%20ADHS%20%E2%80%93%20Studie%20von%20Lamont%20%281997%29\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p lang=\"de-DE\">Lamont ver\u00f6ffentlichte 1997 einen Bericht \u00fcber seine Untersuchungen zur Wirkung hom\u00f6opathischer Medikamente bei Kindern mit ADHS [1]. Er kommt dabei zu der Schlussfolgerung, dass seine Daten die Ansicht st\u00fctzen, Hom\u00f6opathie sei eine wirksame Therapie bei ADHS.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der im Volltext im Internet verf\u00fcgbare Bericht ist nicht so ganz einfach zu analysieren, denn er wartet mit vergleichsweise wenig informativen Gehalt auf und dieser\u00a0ist dann auch jeweils \u00fcber den ganzen Bericht verstreut. Aber, dass der Bericht reichlich unprofessionell wirkt, sagt noch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t der Ergebnisse aus. Daher werden wir diese Studie eingehend betrachten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong><!--more-->Vorgehensweise<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Beschreibung des Vorgehens ist etwas beschwerlich, weil man sich die Informationen aus verschiedenen Teilen des Textes zusammensuchen muss. Dann ergibt sich etwa folgendes Bild:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Lamont f\u00fchrte seine Untersuchungen an Kindern aus, die ihm zur psychologischen und neuropsychologischen Beurteilung in seine Praxis als &#8230;. (tja, als was eigentlich?) in &#8230; (tja, wo eigentlich?) \u00fcberwiesen wurden. Kinder, bei denen die Symptome mindestens den in der DSM IV angegebenen Kriterien entsprachen, wurden in die Studie aufgenommen. DSM IV ist ein Handbuch der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung, in dem die Kriterien f\u00fcr die verschiedenen seelischen Krankheiten beschrieben sind. In [2] findet man eine Zusammenstellung der Kriterien f\u00fcr ADHS.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">35 % der Kinder waren Schwarze, 47% waren Mexikaner, 18% Wei\u00dfe, sie lebten in Pflegeheimen oder bei ihren Familien unter der Aufsicht von Sozialarbeitern. Das Durchschnittsalter betrug zehn Jahre. Sechs der Kinder erhielten Ritalin und zeigten dennoch Symptome von ADHS, drei davon verlie\u00dfen allerdings die Studie vorzeitig, da die Dosierung im Verlauf ge\u00e4ndert worden war. Viele der Kinder, die in Pflege lebten, waren traumatisiert und hatten\u00a0zuvor phyische Gewalt und sexuellen Missbrauch erlebt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Kinder wurden nach der Reihenfolge, wie sie an die Praxis \u00fcberwiesen wurden, abwechselnd zur Placebo- oder Hom\u00f6opathiegruppe zugeteilt. Die Eltern oder die Betreuer und die Kinder selbst wussten nicht, zu welcher Gruppe sie geh\u00f6rten. \u00dcberhaupt wurde den Betreuern nicht mitgeteilt, dass in der Untersuchung auch Placebos zum Einsatz kommen, um Verf\u00e4lschungen zu vermeiden. Diese seien nach Ansicht des Autors\u00a0zu bef\u00fcrchten, wenn die Betreuer vermuteten, dass ihre Kinder nur Placebos erhielten. Leibliche Eltern hingegen schienen da nicht so empfindlich zu sein. Dies ist etwas schwierig nachzuvollziehen, denn der Autor unterscheidet manchmal zwischen Eltern und Betreuern (&#8218;parents and carers&#8216;), an anderer Stelle umfasst der Begriff &#8218;carer&#8216; offenbar Eltern und Betreuer zusammen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Kinder erhielten alle eine Erstanamnese in ihrer Wohnumgebung und bekamen individuelle hom\u00f6opathische Medikamente verordnet. Diese Medikamente wurden als Postpaket angeliefert, entweder das tats\u00e4chliche Medikament oder ein Placebo. Von diesem Medikament, durchweg Potenz C200, wurden f\u00fcnf Tage lang sechs Tabletten eingenommen, bzw. bis sich eine f\u00fchlbare \u00c4nderung ergab. Zehn Tage nach der Einnahme des Medikaments wurden Eltern und Betreuer vom Studienleiter telefonisch nach dem Ergebnis abgefragt, wobei eine Bewertungsskala mit f\u00fcnf Optionen verwendet wurde (viel schlechter &#8211; etwas schlechter &#8211; unver\u00e4ndert &#8211; etwas besser &#8211; viel besser) die mit Punkten von -2 bis +2 verbunden war.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Sofern sich bei den Kindern in der Hom\u00f6opathiegruppe keine Ver\u00e4nderung zeigte, wurde ein neues Medikament ausgew\u00e4hlt und verabreicht. 10 Tage nach der Einnahme wurde dann wieder der Befund der Eltern \/ Betreuer abgefragt. Hatte sich bei Kindern aus der Hom\u00f6opathiegruppe immer noch nichts getan, dann wurde ein drittes Medikament ausgew\u00e4hlt, verabreicht und der Befund nach weiteren 10 Tagen erneut abgefragt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Irgendwann, der Zeitpunkt ist nicht beschrieben, erhielten auch Kinder aus der Placebogruppe &#8211; es ist nicht klar, ob alle &#8211; ebenfalls hom\u00f6opathische Medikamente, verbunden mit der Abfrage nach dem Befund 10 Tage sp\u00e4ter. Sofern sich da auch nichts getan hatte wurde ebenfalls ein neues Mittel gew\u00e4hlt und 10 Tage sp\u00e4ter wieder nach dem Befund gefragt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zwei Monate nach der letzten letzten Einnahme und Beurteilung wurde ein Abschlussinterview ebenfalls telefonisch gef\u00fchrt, wobei der Zustand der Kinder ebenfalls auf der 5-Punkte Skala bewertet wurde.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ergebnisse:<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Vielleicht vorab: Googeln im Internet f\u00f6rdert einen Psychologen namens John Lamont, PhD, in Chatsworth zu Tage, einem District von Los Angeles USA. Somit wissen wir, wo sich die ganze Sache abspielt. Wir k\u00f6nnen auch aus den Angaben schlie\u00dfen, dass sich die Patienten offenbar aus dem unteren Ende der US-amerikanischen Gesellschaft rekrutieren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Tja, zu den Ergebnissen. So furchtbar viel erfahren wir da nicht. Lamont zeigt nicht einmal auf, wie sich die Gruppen zusammensetzen oder die Eingangsbefunde, die er get\u00e4tigt hat. Die Kinder durchliefen &#8218;eine ganze Batterie von Tests&#8216; aber was da herauskam, ist nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Als mehr oder weniger einziges Ergebnis wird pr\u00e4sentiert, dass bei den Kindern der Hom\u00f6opathiegruppe die Ver\u00e4nderungen im Durchschnitt besser eingestuft wurden als bei den Kindern der Placebogruppe, 1,0 zu 0,35 bei der ersten Abfrage. Das Ergebnis der Hom\u00f6opathiegruppe verbesserte sich, nachdem die nicht reagierenden Kinder ein anderes Medikament erhalten hatten, auf 1,13, nach dem dritten Medikament auf 1,6. Kinder aus der Placebogruppe erreichten \u00e4hnlich gute Werte, nachdem sie auch ihr Hom\u00f6opathikum eingenommen hatten. Bei 18 Kindern zeigte das hom\u00f6opathische Mittel keine Wirkung und es wurde ein neues Medikament verabreicht. Auch dies blieb bei sieben Kindern wirkungslos, die ein drittes Mittel erhielten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das Nachfolgegespr\u00e4ch, zwei Monate nach der letzten Einnahme, zeigte bei 57% der Kinder, die eine Verbesserung erzielt hatten, dass sich die Verbesserung fortgesetzt hatte, ohne dass weitere Hom\u00f6opathika gegeben wurden, bei 24 Prozent ging die Verbesserung innerhalb von ein paar Wochen nach der Einnahme allm\u00e4hlich zur\u00fcck und 19% gaben an, dass die Verbesserungen nur so lange anhielten, wie die Medikamente eingenommen wurden. Wie letztere allerdings gemessen worden sein sollen ist unklar: die Medikamente wurden nur f\u00fcnf Tage lang eingenommen und die\u00a0Bewertung erfolgte nach zehn Tagen, also nachdem die Wirkung wieder abgeklungen war?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Lassen wir die weiteren Details weg, die sich damit befassen, welches Mittel unter welchen Bedingungen verschrieben wurde. Die Frage ist, wie zuverl\u00e4ssig sind die Zahlen?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wenn Sie Debatten zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern der Hom\u00f6opathie verfolgen, und diese auf Studien zur Wirksamkeit zu sprechen kommen, h\u00f6ren Sie \u00fcber kurz oder lang die Aussage, diese oder jene Studie sei von minderer oder h\u00f6herer Qualit\u00e4t. Ergebnisse von Studien minderer Qualit\u00e4t werden dann \u00fcblicherweise ignoriert. Was bleibt, ist der Streit, wodurch zeichnet sich denn nun eine hohe Qualit\u00e4t aus? Nehmen wir also einmal diese Studie als Beispiel und versuchen uns in einer Bewertung. Wir verwenden dazu die Kriterien, die auch in den Studien von <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=72\">Kleijnen (1991), Linde (1997)<\/a> und meine eigenen Erg\u00e4nzungsvorschl\u00e4ge, die man alle in der &#8218;<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=72\">Beweisaufnahme<\/a>&#8218; wiederfindet.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist die Anzahl der Teilnehmer ausreichend?<\/strong><br \/>\nR\u00e4umen wir diesen Punkt gleich auf. Die Anzahl der Teilnehmer ist eigentlich immer zu niedrig. Wenn man ein sauber quantifiziertes Ergebnis erreichen will, kann man die Mindestgr\u00f6\u00dfe der Gruppen errechnen. Gemeint sind Aussagen wie z.B. Die Einnahme des Mittels X ist f\u00fcr y% der Patienten von Vorteil. Das haben wir hier aber nicht. Hier k\u00f6nnen wir uns allenfalls \u00fcberlegen, ob wir aus den Ergebnissen von 40 Kindern wirklich mit einiger Sicherheit auf Hunderttausende hochrechnen k\u00f6nnen. Aber dies ist hier nicht nur ein statistisches Problem, sondern betrifft auch die Frage, wie repr\u00e4sentativ denn die Auswahl der Patienten war. Doch davon sp\u00e4ter.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Sind die Gegebenheiten der Patienten angemessen beschrieben?<\/strong><br \/>\nEigentlich nicht. Wir haben zwar die Aussage, dass die Kinder die Kriterien der DSM IV Skala erf\u00fcllen oder \u00fcbertreffen, aber das ist auch schon alles. Lamont hat zwar &#8218;eine Batterie von Tests&#8216; durchgef\u00fchrt, aber deren Ergebnisse kennen wir nicht. Es wird erw\u00e4hnt, dass es Kinder gibt, die in Pflegeheimen aufwachsen und solche die bei ihren Eltern aufwachsen, aber wie viele das sind, wird nicht gesagt. Ebenfalls wird die Zahl der Kinder, die traumatisiert sind, die Gewalt und sexuellen Missbrauch erlebt haben, nicht genannt. Dies k\u00f6nnte aber f\u00fcr das Ergebnis bedeutsam sein, insbesondere wenn sich diese Gegebenheiten nicht gleichm\u00e4\u00dfig auf die Gruppen aufteilen. Ich bin nicht Experte genug, um letztendlich die Richtigkeit der Diagnose beurteilen zu k\u00f6nnen, dass diese Kinder auch unter ADHS litten. Es gibt auch Dinge wie posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen, Vernachl\u00e4ssigung, Frustrationen und so weiter, was sich auch in einem problematischen Verhalten \u00e4u\u00dfern kann. Ist dann ADHS die richtige Diagnose und in der Folge eine darauf abzielende medikament\u00f6se Therapie richtig? Geht das an die Ursache der Probleme, die die Kinder haben?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Lamont macht praktisch keine quantitativen Angaben \u00fcber die Befunde oder auch die sozialen Gegebenheiten seiner Patienten. Einem Fachmann sind damit die Grundlagen zur Bewertung des Ergebnisses entzogen. Wollte beispielsweise jemand diese Studie wiederholen und k\u00e4me zu vielleicht abweichenden Zahlen, hat er keine M\u00f6glichkeiten die Ergebnisse irgendwie einzuordnen. Auch uns wird das einholen, wenn wir das Ergebnis an der Gruppenzusammensetzung spiegeln wollten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist die Randomisierung angemessen?<\/strong><br \/>\nDurch die Randomisierung, durch die zuf\u00e4llige Zuteilung der einzelnen Kinder auf Placebo- oder Verumgruppe soll sichergestellt werden, dass sich zuf\u00e4llige Eigenschaften, die das Ergebnis beeinflussen k\u00f6nnten, gleichm\u00e4\u00dfig auf die Gruppen verteilen. Denken Sie beispielsweise an das Alter der Kinder. Wenn in der einen Gruppe mehr \u00e4ltere Kinder w\u00e4ren, in der anderen daf\u00fcr mehr j\u00fcngere, h\u00e4tte das Einfluss auf das Ergebnis.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Eine Grundforderung bei der Randomisierung ist, dass der Studienleiter keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Gruppe hat, dass er nicht, auch nicht unbewusst, die Zusammensetzung der Gruppen beeinflusst. Wie das am Besten zu erreichen ist, dar\u00fcber kann man ausgiebig philosophieren, Tatsache f\u00fcr diese Untersuchung ist aber, dass genau dies nicht gegeben ist. Die Randomisierung hat Lamont selbst nach einem Schema vorgenommen. Da er selbst einen Interessenkonflikt hat &#8211; er ist ein hom\u00f6opathisch arbeitender Mediziner, ein negatives Ergebnis w\u00e4re f\u00fcr ihn ein wirtschaftliches Desaster &#8211; ist das von ihm verwendete Verfahren nicht \u00fcber jeden Zweifel erhaben. Beispiel: Ist sichergestellt, dass er am Morgen mit der Zuteilung zu einer anderen Gruppe begann als er am Abend aufgeh\u00f6rt hat? Wenn ja, wie kommt es dann, dass eine Gruppe 23 Mitglieder hat und die andere nur 20?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist die Beschreibung der Therapie klar? Ist die Therapie angemessen?<\/strong><br \/>\nMit etwas M\u00fche bringt man schon zusammen, was Lamont als Therapie durchgef\u00fchrt hat, auch wenn es ein wenig chaotisch anmutet. Ob aber eine medikament\u00f6se Therapie bei der sicherlich f\u00fcr viele der Kinder problematischen h\u00e4uslichen Situation angemessen ist, sei einmal dahingestellt. Wenn man eine ungeeignete Therapie untersucht, eine, die nur wenig oder keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat, dann misst man ein Zufallsergebnis. Das k\u00f6nnte hier durchaus der Fall sein, denn wodurch genau ADHS begr\u00fcndet ist und\u00a0ob alle anderen denkbaren Ursachen bis hin zu organischen Ursachen ausgeschlossen wurden, wird in der Studie nicht berichtet. Die Schlussfolgerungen aus einer ungeeigneten Therapie sind dann falsch &#8211; und man merkt das noch nicht einmal.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist eine doppelte Verblindung erfolgt?<\/strong><br \/>\nEine doppelte Verblindung soll bewirken, dass der Patient, der das Medikament einnimmt, nicht wei\u00df, ob er Placebo oder Verum einnimmt &#8211; und dass er auch keine M\u00f6glichkeit hat, das zu erfahren, weil der behandelnde Arzt selbst das nicht wei\u00df. W\u00fcsste er \u00fcber die Natur seines Medikaments w\u00e4re das Ergebnis durch einen Placebo Effekt oder dessen Gegenteil verf\u00e4lscht.\u00a0Mit der doppelten Verblindung soll aber\u00a0auch sichergestellt werden, dass\u00a0der Studienleiter\u00a0keine Patientengruppe bevorteilt, was auch ohne sein bewusstes Zutun erfolgen w\u00fcrde: In jedem F\u00fchrungsseminar wird gelehrt, dass 80% der menschlichen Kommunikation ohne Worte erfolgt &#8211; und dass man auf diese 80% nur sehr wenig willentlichen Einfluss nehmen kann.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Hier ist das nicht der Fall, der Untersuchungsleiter, Lamont selber, wei\u00df \u00fcber die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit Bescheid &#8211; und nutzt das auch, indem er Kindern aus der Hom\u00f6opathiegruppe dann, wenn keine Besserung eintritt, ein weiteres Mittel verabreicht. Ist wirklich sichergestellt, dass er seine Wunschkandidaten nicht durch entsprechendes &#8211; auch unbewusstes &#8211; Frageverhalten in die positive Richtung dr\u00e4ngt, die anderen in die negative? Man kann das prima erreichen, indem man Aussagen, die nicht ins Bild passen hinterfragt (&#8218;Wie kommen Sie darauf? Sind Sie sicher? Haben Sie auch alles bedacht?&#8216;). Das Gegen\u00fcber kommt dann recht schnell darauf, bei welcher Antwort der Frager endlich Ruhe gibt. Es ist eine Tatsache, die jeder kennt, der irgendwie forscht: Ergebnisse, die mit der eigenen Theorie nicht \u00fcbereinstimmen, werden sehr ausgiebig \u00fcberpr\u00fcft &#8211; die anderen nicht. Das Schlimme an der Sache ist: man merkt es selber nicht, wie man Einfluss nimmt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Auch in diesem Punkt kann Lamonts Studie nicht befriedigen. Das Lamont seine Studie als doppelt verblindet bezeichnet, weil nicht nur die Kinder im Unklaren \u00fcber die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit waren sondern die Eltern auch, wirkt eher erheiternd.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist eine sinnvolle Messgr\u00f6\u00dfe ausgew\u00e4hlt und\u00a0das Verfahren\u00a0gut beschrieben?<\/strong><br \/>\nDa habe ich doch aber sehr starke Zweifel. Nat\u00fcrlich, ADHS ist sehr schwierig zu messen. Aber eine einmalig Beurteilung, ob besser oder schlechter, 10 Tage nach der Einnahme des Medikaments ist zu wenig. Bedenken wir, die Kinder stammen offenbar aus einer sehr tiefen soziologischen Schicht einer Gro\u00dfstadt in den USA. Sofern sie bei den Familien wohnen, dann sind das Menschen, mit denen das Leben Achterbahn f\u00e4hrt. Den Familien sind Sozialarbeiter zugeordnet, wie Lamont schreibt, sicher nicht zum Karten spielen. Arbeitslosigkeit, Geldmangel, Streit, Gewalt, Alkohol, Kriminalit\u00e4t, Verzweiflung, das alles setzt die Menschen unter Druck, der verhindert, dass das Leben in einigerma\u00dfen gleichf\u00f6rmigen Bahnen l\u00e4uft. Die Beurteilung nach zehn Tagen d\u00fcrfte in hohem Ausma\u00df das Erleben des jeweils letzten Tages umfassen, das auch von den Reaktionen des Kindes auf die jeden Tag aufs neue ver\u00e4nderte Umwelt gepr\u00e4gt wird. Auch das momentane Befinden und Erleben desjenigen, der die Bewertung abgibt, d\u00fcrfte sich in erheblichem Umfang darin wiederfinden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Auf der anderen Seite, die Kinder die im Heim aufwachsen: Lamont beschreibt die Pflegem\u00fctter selbst als desinteressiert und unmotiviert. Kriegen die denn von den \u00c4nderungen \u00fcberhaupt was mit? Nervt das Ganze eigentlich nicht nur? Es w\u00e4re vor diesem Hintergrund eine wertvolle Information, wer aus welchem Grund die Untersuchung durch einen Psychologen veranlasst hatte, aber diese Daten haben wir nicht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">\u00dcber irgendwelche Ma\u00dfnahmen, die Ergebnisse der Befragungen irgendwie zu erh\u00e4rten, eventuell Ursachen au\u00dferhalb der Medikamentengabe auszuschlie\u00dfen, vielleicht professionelle Beobachter hinzuzuziehen, berichtet Lamont nicht. Es bleibt alleine die Einsch\u00e4tzung der Bezugsperson, aus einem Nebensatz ist zu schlie\u00dfen, bisweilen auch der Lehrer, als alleiniges Ergebnis.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist das Ergebnis nachvollziehbar dargestellt?<\/strong><br \/>\nNein, \u00fcberhaupt nicht. Wir hatten oben schon besprochen, dass die Zusammensetzung der Gruppen nicht dargestellt wurde, wahrscheinlich noch nicht einmal \u00fcberpr\u00fcft wurde. Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen k\u00f6nnten haben wir bereits genug aufgez\u00e4hlt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Zahlen sind als Durchschnittswerte f\u00fcr die jeweils ganze Gruppe angegeben, die Schwankungsbreite folgt indirekt aus dem Ergebnis des als T-Test ausgef\u00fchrten Signifikanztests. Dieser Punkt ist zwar nicht zu beanstanden, aber es fehlen Angaben zu den grundlegenden Daten f\u00fcr den Signifikanztest, zumindest die Streubreiten w\u00e4ren von Wichtigkeit.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist das Messverfahren geeignet, die Ergebnisse zu erzielen?<\/strong><br \/>\nEin wenig ist oben schon angeklungen: Wegen des starken subjektiven Gehalts, wegen des Charakters als einmalige Momentaufnahme kurz nach Einnahme des Medikaments ist das Messverfahren wenig geeignet, einen langfristigen Therapieerfolg zu dokumentieren. Dass nach zwei Monaten nochmals die gleiche Bewertung durchgef\u00fchrt wird, mit den gleichen Schw\u00e4chen wie oben beschrieben, \u00e4ndert nichts Prinzipielles daran.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Ist die Schlussfolgerung gerechtfertigt?<br \/>\n<\/strong>Lamont ist recht vorsichtig in seiner Schlussfolgerung, die, wenn die Ergebnisse richtig w\u00e4ren, durchaus gerechtfertigt w\u00e4re. Er sagt seine Ergebnisse unterst\u00fctzten die Auffassung, dass die Hom\u00f6opathie Placebo \u00fcberlegen sein k\u00f6nnte. Er schreibt auch, dass aus einer Studie alleine keine allgemeinen R\u00fcckschl\u00fcsse gezogen werden k\u00f6nnen, dem zuzustimmen ist und das zu dem n\u00e4chsten Problem f\u00fchrt. Wenn seine Ergebnisse belastbar w\u00e4ren, k\u00f6nnte man dieser Schlussfolgerung durchaus zustimmen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Wurde diese Untersuchung unabh\u00e4ngig wiederholt?<br \/>\n<\/strong>Ein wissenschaftlicher Sachverhalt muss sich unabh\u00e4ngig wiederholen lassen und, wenn man den gleichen Versuch ausf\u00fchrt, etwa die gleichen Ergebnisse liefern. Erst wenn eine Reproduzierbarkeit nachgewiesen ist, dann ist sichergestellt, dass die Statistik &#8211; in der man immer nur mit Wahrscheinlichkeiten, nie mit absoluten Gewissheiten handelt, einem keinen Streich gespielt hat. Lamonts Arbeit stammt von 1997 ist also heute 16 Jahre alt und hat noch keine experimentelle Best\u00e4tigung gefunden. Genau genommen sind die bekannten arbeiten von Frei (wobei dieser das anders sieht) und Jung zu anderen Ergebnissen gekommen, was auf eine mangelnde Reproduzierbarkeit hindeutet.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><strong>Fassen wir zusammen:<\/strong><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Von den Grundanforderungen, die an eine hochwertige Studie zu stellen sind, ist diese Arbeit sehr weit weg. Das Ergebnis k\u00f6nnte somit in ganz erheblichem Ma\u00dfe durch andere Dinge beeinflusst worden sein als durch die Einnahme des hom\u00f6opathischen Medikaments, wir hatten dies im Einzelfall diskutiert. Insbesondere die mangelnde Verblindung und die nur geringe\u00a0Eignung des Messverfahrens d\u00fcrften einen deutlichen Einfluss gehabt haben, auch wenn dieser naturgem\u00e4\u00df nicht zu beziffern ist. Damit erscheint die Schlussfolgerung, die Untersuchung zeige eine Wirksamkeit der hom\u00f6opathischen Medikamente auf, was beinhaltet, dass dies zweifelsfrei der Fall sei, nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">[1] Lamont J,: Homeopathic Treatment of Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A controlled Study&#8216;, in: British Homeopathic Journal 86, April 1997 : pp196-200 <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0007078597800440\" class=\"broken_link\">Link<\/a> (Abstract) (<strong>07.12.2015<\/strong>: Link editiert, Volltext nicht mehr verf\u00fcgbar)<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">[2] Wikipedia, Stichwort &#8218;Aufmerksamkeitsdefizit\/Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung&#8216;, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ADHS\">Link<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lamont ver\u00f6ffentlichte 1997 einen Bericht \u00fcber seine Untersuchungen zur Wirkung hom\u00f6opathischer Medikamente bei Kindern mit ADHS [1]. Er kommt dabei zu der Schlussfolgerung, dass seine Daten die Ansicht st\u00fctzen, Hom\u00f6opathie sei eine wirksame Therapie bei ADHS. 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