{"id":2131,"date":"2014-09-28T14:33:13","date_gmt":"2014-09-28T12:33:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2131"},"modified":"2019-01-02T18:38:47","modified_gmt":"2019-01-02T17:38:47","slug":"endlers-homoeopathie-kaulquappen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2131","title":{"rendered":"Endlers Hom\u00f6opathie-Kaulquappen &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2131\" data-timestamp=\"1546454327\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2131\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 2<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2131&text=Endlers%20Hom%C3%B6opathie-Kaulquappen%20%E2%80%93%20Teil%202\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Hier folgt der zweite Teil des Artikels, in dem sich Ute Parsch mit den Ergebnissen der \u00f6sterreichischen Forschergruppe um P. C. Endler auseinandersetzt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der erste Teil (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=2093\">Link<\/a>) stel<\/span>lte die zentrale Versuchsreihe vor und besch\u00e4ftigte sich ausf\u00fchrlich mit der ersten und grundlegenden V<span style=\"color: #000000;\">er\u00f6ffentlichung zu diesem Thema. Es zeigte sich, dass die \u201eVerlangsamung der Metamorphose\u201c in den Originalexperimenten vor allem dann erkennbar war, wenn die Messdaten geschickt aufbereitet wurden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im folgenden zweiten Teil wird es darum gehen, inwiefern der in der ersten Arbeit in einigen wenigen Unterexperimenten beobachtete geringe Unterschied zwischen den mit hochpotenziertem Thyroxin behandelten Kaulquappen und der mit Wasser behandelten Gruppe reproduzierbar war. <\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>In K\u00fcrze:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Messungen, die nicht ins Bild passen, werden schnell zu einer eigenen Art von Experiment definiert.<\/li>\n<li>Dabei verliert die urspr\u00fcngliche, recht generell aufgestellte Hypothese der Verlangsamung der Metamorphose durch hochpotenziertes Thyroxin D30 sukzessive an Tragweite.<\/li>\n<li>Darunter will man auch \u201eAspekte\u201c beobachten, die jedwede praktische Anwendung der Hom\u00f6opathie als Verfahren mit vom Therapeuten vorhersagbarer Wirkung eigentlich unm\u00f6glich machen. Die logischen Konsequenzen solcher Aussagen f\u00fcr das Gedankengeb\u00e4ude der Hom\u00f6opathie werden nicht diskutiert.<\/li>\n<li>Hat man alle solchen Experimente \u201eanderer Art\u201c erst einmal in den Metaanalysen nicht ber\u00fccksichtigt, zeigen sich \u2013 oh Wunder \u2013 statistisch signifikante Effekte in f\u00fcr sich genommen nicht signifikanten Daten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><span lang=\"en-US\">Return of the Tadpole<\/span><\/strong><\/p>\n<p>In Originalexperiment von 1991 hinkten, wie wir gesehen haben (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=72\">Link<\/a>), einige wenige Messkurven f\u00fcr die Metamorphose der mit Thyroxin D30 behandelten Kaulquappen etwas hinter denen der nur mit Wasser behandelten Tiere hinterher. Der Unterschied war nicht gro\u00df, doch gab es in den 10 betrachteten Messreihen keine, in denen die Thyroxintiere vergleichbar weit voraus waren.<\/p>\n<p>W\u00e4ren die Unterschiede alleine dem Zufall zu verdanken, dann m\u00fcsste man bei einer Wiederholung der Experimente auch immer wieder F\u00e4lle dabei haben, in denen genau das der Fall ist, dass die mit dem Thyroxin behandelten Tiere mal schneller mal langsamer als die anderen sind. L\u00e4gen jedoch wirklich reproduzierbar die Thyroxintiere immer minimal hinter den mit Wasser behandelten Kaulquappen, so w\u00e4re das tats\u00e4chlich ein gewisser Hinweis auf einen Einfluss des Thyroxins. Endler behauptet nun auf seiner Webseite, dass genau dies der Fall ist (<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170703141124\/http:\/\/froghom.net\/de\">Link<\/a>), wobei er sich auf die Ergebnisse einer als Metaanalyse bezeichneten Arbeit [2] bezieht: Wenngleich die einzelnen Experimente kaum signifikante Unterschiede zeigten, so soll es doch reproduzierbar zu Verlangsamungen der Metamorphose kommen, die dann in der Zusammenfassung einen signifikanten und starken Effekt belegen sollen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eF\u00fcr das urspr\u00fcngliche Team waren die gepoolten T30x-Werte 10.4% kleiner als die W30x-Werte (100%) (p &lt; 0.01 und d &gt; 0.8), f\u00fcr die 5 unabh\u00e4ngigen ForscherInnen waren die gepoolten T30x-Werte 12.4% kleiner (p &lt; 0.01 und d &gt; 0.8) als die W30x-Werte, d.h. in beiden F\u00e4llen waren die Unterschiede zwischen den Gruppen statistisch hoch signifikant und die Effektst\u00e4rke gro\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Was macht der Wissenschaftler, wenn er der Meinung ist, einem kleinen aber realen Ph\u00e4nomen auf der Spur zu sein? Er versucht, das, was sich in den ersten Messungen angedeutet hat, sauber herauszuarbeiten. Er versucht, das Messverfahren zu optimieren und so den gesuchten Effekt besser in den Messungen einzufangen und so die statistische Signifikanz bzw. das \u201eSignal-zu-Rausch-Verh\u00e4ltnis\u201c zu verbessern.<\/p>\n<p>Im Prinzip ist es also ein sinnvoller Ansatz, das Experiment einerseits immer wieder streng exakt zu reproduzieren, daneben aber auch in Folgeversuchen etwas zu variieren, um zu testen, ob man den gemessenen Effekt verst\u00e4rken kann.<\/p>\n<p>Wenn man so vorgeht, muss man sich aber auch klarmachen, was es bedeutet, wenn sich der gesuchte Effekt trotz aller Bem\u00fchungen nicht besser einfangen l\u00e4sst als eine schwache, statistisch nicht signifikante Abh\u00e4ngigkeit\u2026<\/p>\n<p>Aber sehen wir uns die erzeugten Daten und Variationen der Messungen einmal an.<\/p>\n<p><strong>Experimente mit niedrigen Potenzen:<\/strong><\/p>\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei erw\u00e4hnt, dass auch mit niedrigen Potenzen experimentiert und auch hier &#8211; nach eigenen Aussagen &#8211; eine Verlangsamung der Entwicklung beobachtet wurde. Es f\u00e4llt aber auf, dass die Messreihen zu den Potenzen D5\u2026D8 bei der Erw\u00e4hnung der Experimente heute keine Rolle mehr spielen. P.C. Endler schreibt zwar (in seinem Buch \u201eExpedition Hom\u00f6opathieforschung\u201c [4]), man h\u00e4tte diese Experimente in Graz mit \u201eprinzipiell denselben Ergebnissen wiederholt\u201c. Was man darunter exakt zu verstehen hat, bleibt im Buch zumindest offen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Dagegen konnten unabh\u00e4ngige Arbeiten diese Ergebnisse mit den niedrigen Potenzen nicht <\/span>best\u00e4tigen. Zum Beispiel hei\u00dft es in einer Diplomarbeit aus T\u00fcbingen [5] auf Seite 30: \u201eAus dem vorangehenden Abschnitt geht hervor, da\u00df die Ergebnisse insgesamt keine statistischen Schl\u00fcsse zulassen, die auf hom\u00f6opathische Effekte hindeuten w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<p>Und auch eine Arbeit von J\u00f6rg Erich Alex, deren Zusammenfassung sich auf den Seiten der Carstens Stiftung findet [7], kommt zum selben Ergebnis: \u201eVerschiedene statistische Auswertungsstrategien lieferten alle dasselbe Ergebnis. Weder f\u00fcr Thyroxin D6 noch f\u00fcr D7 ist eine Verlangsamung der Metamorphose im Vergleich zur Kontrollgruppe nachweisbar. Die Verl\u00e4ufe sind in beiden Gruppen sehr \u00e4hnlich.\u201c<\/p>\n<p>Aus diesem Grund betrachte ich im Folgenden ausschlie\u00dflich die Messreihen und Aussagen zu den verschiedenen Experimenten mit Thyroxin D30. Zumal hier eben keinerlei Molek\u00fcl bei den Kaulquappen angekommen sein d\u00fcrfte und daher aus naturwissenschaftlicher Sicht auch kein reproduzierbarer Effekt auftreten d\u00fcrfte. Sollte es Endler jedoch gelungen sein, die Reproduzierbarkeit nachzuweisen, w\u00e4re die Sensation perfekt.<\/p>\n<p><strong>Wiederholungen und Variationen des Experimentes mit Thyroxin D30:<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon in der ersten Ver\u00f6ffentlichung von 1991 wurden nicht alle Experimente von P.C. Endler selbst durchgef\u00fchrt. Die Wiederholungen fanden in einer ganzen Reihe kooperierender Institute statt. Obwohl r\u00e4umlich getrennt, war die Zusammenarbeit zwischen den Gruppen allerdings sehr intensiv. So intensiv, dass man sich eigentlich schon fragen muss, inwiefern diese Wiederholungen des Experimentes als \u201eunabh\u00e4ngige\u201c \u00dcberpr\u00fcfung angesehen werden k\u00f6nnen. Eine echte, unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung wird ja idealerweise von einem konkurrierenden Institut durchgef\u00fchrt \u2013 also einem, das Interesse daran hat, Fehler in den urspr\u00fcnglichen Ergebnissen zu finden. Werden selbst dort die Ergebnisse best\u00e4tigt, so ist das ein hervorragender Grund, die Arbeit als stichhaltig einzustufen.<\/p>\n<p>Das war hier bestimmt nicht der Fall. Nicht nur, dass die anderen Zentren sich sklavisch genau an den von Endler vorgegebenen Ablauf halten mussten &#8211; Fehler in der Durchf\u00fchrung also kopiert worden w\u00e4ren &#8211; selbst die Versuchstiere entstammten der gleichen Population aus dem gleichen Teich. Die einzige systematische Abwandlung war die \u00c4nderung der geografischen Lokation.<\/p>\n<p>Die Kaulquappen wurden f\u00fcr alle Versuche demselben, mit 1600 m \u00fcber NN recht hoch gelegenen Teich entnommen. P.C. Endler spricht deshalb auch von \u201eHochlandtieren\u201c, die seiner Aussage nach eine langsamere Metamorphose zeigen als Fr\u00f6sche aus niedriger gelegenen Gegenden. Bei diesen Hochlandtieren aus Endlers Biotop scheint es sich um besondere Tiere zu handeln. Denn im Buch [4] hei\u00dft es auf Seite 63:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201e An Tieren aus Tieflandbiotopen konnten mit zugetropftem Thyroxin D30 keine einheitlichen Ergebnisse erzielt werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Damit ist schon einmal klar gesagt, dass sich die Ergebnisse (wenn \u00fcberhaupt) nur f\u00fcr die Hochlandtiere wiederholen lie\u00dfen. Alleine eine andere Herkunft der gleichen Spezies f\u00fchrte also dazu, dass der behauptete Effekt sich vom Zufall nicht mehr unterschied.<\/p>\n<p>P.C. Endler selbst f\u00fchrt dies darauf zur\u00fcck, dass die Metamorphose bei den Hochlandtieren insgesamt langsamer abl\u00e4uft und sich der Effekt hier eben besser nachweisen lie\u00dfe. Doch wenn man sich die Tabelle der Arbeit von 1991 noch einmal ansieht (siehe erster Teil des Artikels), so hatte ein Experiment in Utrecht, bei dem die Fr\u00f6sche in rasanten 5 Tagen die 90%-Grenze erreicht hatten, eine statistische Signifikanz \u2013 ein anderes in Graz, bei dem sie 18 Tage ben\u00f6tigten, jedoch nicht. Es gibt also anscheinend sehr wohl Ausnahmen von dieser Regel, die nicht weiter diskutiert werden.<\/p>\n<p>In jedem Falle bedeutet diese Aussage eine herbe Einschr\u00e4nkung: Die \u00dcbertragbarkeit der Experimente auf die Aussagen der Hom\u00f6opathie und ihre Wirkung beim Menschen l\u00e4sst sich schon allgemein nur schwer erkennen. Aber in welche Richtung w\u00fcrde es wirklich weisen, wenn man gleichzeitig mit dem lange gesuchten Nachweis einer Wirkung einer Hochpotenz belegt, dass diese Wirkung nur in sorgsam ausgew\u00e4hlten Populationen zum Tragen kommen kann? Bedeutet dieses Ergebnis, dass Hom\u00f6opathie bestenfalls bei Menschen wirken kann, die oberhalb 1500 Meter \u00fcber NN beheimatet sind? Oder allgemein nur bei langsam ablaufenden Prozessen? Diese Frage diskutieren die Autoren freilich nirgends.<\/p>\n<p>Neben den Versuchen mit Tieflandtieren haben P.C. Endler und seine Kollegen auch die H\u00e4ufigkeit der Zugabe des Thyroxins ver\u00e4ndert. In den Originalexperimenten wurde die D30-Potenz im Intervall von 48 Stunden eingetropft. In anderen Experimentreihen tropfte man es h\u00e4ufiger zu (alle 8 Stunden) oder f\u00fcllte es lediglich in geschlossene Phiolen und legte diese zu den Kaulquappen ins Becken.<\/p>\n<p>Eine Arbeit von 1994 [6] enth\u00e4lt eine sehr interessante Tabelle, die die bislang gemessenen Effektst\u00e4rken wie folgt zusammenfasst:<\/p>\n\n<table id=\"tablepress-17\" class=\"tablepress tablepress-id-17\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1 odd\">\n\t<th class=\"column-1\">Zutropfh\u00e4ufigkeit<\/th><th class=\"column-2\">Fr\u00fchling<\/th><th class=\"column-3\">Sommer<\/th><th class=\"column-4\">Herbst<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr class=\"row-2 even\">\n\t<td class=\"column-1\">0\/8 Stunden<\/td><td class=\"column-2\">stark<\/td><td class=\"column-3\">schwach<\/td><td class=\"column-4\">keine \/ gegenl\u00e4ufige Effekte<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3 odd\">\n\t<td class=\"column-1\">48 Stunden<\/td><td class=\"column-2\">schwach<\/td><td class=\"column-3\">schwach<\/td><td class=\"column-4\">stark<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<!-- #tablepress-17 from cache -->\n<p>Der Kommentar zu dieser Tabelle lautet (\u00fcbersetzt von mir):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eIn vorangegangenen Experimenten wurde ein hemmender Einfluss von hom\u00f6opathisch aufbereitetem Thyroxin 10^-30 auf die Metamorphose bei Kaulquappen beobachtet. (\u2026) Jedoch zeigte sich ein essentieller Zusammenhang mit der Jahreszeit, zu der ein Experiment durchgef\u00fchrt wurde und mit der H\u00e4ufigkeit, mit der die L\u00f6sung zugegeben wurde. Im Fr\u00fchjahr war eine h\u00e4ufigere Stimulation n\u00f6tig als im Herbst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Diese Tabelle ist in mehrerlei Hinsicht interessant:<\/p>\n<ul>\n<li>Erstens hat man offenbar nur in 2 von 6 F\u00e4llen \u201estarke\u201c Effekte gemessen.<\/li>\n<li>Zweitens spricht P.C. Endler hier nirgends davon, bei h\u00e4ufigerer Gabe eine Umkehrwirkung zu erwarten. Vielmehr weist er darauf hin, im Fr\u00fchling sei das h\u00e4ufigere Eintropfen notwendig gewesen, um die Hemmung hervorzurufen. In sp\u00e4teren Arbeiten wird es immer hei\u00dfen, 8-st\u00fcndige Gaben des Thyroxins w\u00fcrden eine Umkehr der Wirkung \u2013 also eine Beschleunigung der Entwicklung \u2013 hervorrufen. Offenbar hatte man hier in weiteren Experimentreihen \u201egegenl\u00e4ufige Effekte\u201c.<\/li>\n<li>Nirgends wird auch nur andiskutiert, was eine derartige jahreszeitliche Abh\u00e4ngigkeit der Ergebnisse f\u00fcr die Hom\u00f6opathie tats\u00e4chlich bedeuten w\u00fcrde. Muss ein Patient, der im Fr\u00fchling mit \u201eseinem\u201c Mittel erfolgreich behandelt wurde, nach dieser Tabelle nicht damit rechnen, es im Sommer erfolglos einzusetzen, um im Herbst schlie\u00dflich genau das Gegenteil der erw\u00fcnschten Wirkung zu erzielen? Und das bei ansonsten unver\u00e4nderten Bedingungen.<\/li>\n<li>Dasselbe gilt f\u00fcr die extreme Abh\u00e4ngigkeit mit der H\u00e4ufigkeit der Einnahme. Nach obiger Tabelle m\u00fcsste ein Patient im Herbst mit komplett gegenl\u00e4ufigen Wirkungen seiner hom\u00f6opathischen Arzneien rechnen, je nachdem, ob er seine Globuli einmal alle 2 Tage oder mehrmals t\u00e4glich nimmt. Und was bedeutet das f\u00fcr hom\u00f6opathische Arzneimittelpr\u00fcfungen? Was bedeutet das unter dem Aspekt, dass in der hom\u00f6opathischen Literatur die Arzneimittelbilder zwar dicke B\u00e4nde f\u00fcllen, aber keinerlei einheitliche Empfehlungen zur Dosierung existieren?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie kann es eigentlich sein, dass eine Messung, die eine derartige Katastrophe f\u00fcr die Zuverl\u00e4ssigkeit der hom\u00f6opathischen Praxis bedeutet, so lapidar und unkommentiert da steht? M\u00fcsste hier nicht eine Welle der Diskussion durch die hom\u00f6opathische Forschungsgemeinschaft schwappen?<\/p>\n<p>Aus der Kommentierung der Tabelle von 1994 kann geschlossen werden, dass allen Experimenten irgendwann einmal die Erwartung der hemmenden Wirkung zugrunde lag.<\/p>\n<p>Alle Experimentvariationen waren urspr\u00fcnglich einmal durchgef\u00fchrt worden, um den in der ersten Arbeit gefundenen \u201eEffekt der Verlangsamung\u201c besser nachzuweisen. Doch er zeigte sich in 3 der 6 F\u00e4lle nur schwach, in einem Fall wurde sogar ein gegenl\u00e4ufiger Effekt beobachtet.<\/p>\n<p>Und die Reaktion ist eine h\u00f6chst geschickte Interpretation der Daten:<\/p>\n<p>Sind die Thyroxintiere wieder marginal langsamer, ruft man \u201eHurra, reproduziert!\u201c Und wenn sie nicht langsamer sind? Dann hat man eben einen neuen Aspekt der Wirkung der Hochpotenz entdeckt. Dass das Verhalten des Systems mit jeder Variation wieder anders ist, ist also angeblich keineswegs dem Zufall geschuldet, was naheliegen w\u00fcrde, sondern eine immer gr\u00f6\u00dfer werdende Matrix an Ph\u00e4nomenaspekten. So wie hier in der Tabelle: Die Hemmung konnte keinesfalls nur unzuverl\u00e4ssig reproduziert werden, nein, es zeigte sich eine Abh\u00e4ngigkeit des Effektes von der Jahreszeit. Auch wenn diese f\u00fcr die Hom\u00f6opathie ein gigantisches Problem aufwerfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>P.C. Endler selbst beschreibt es in <span style=\"color: #000000;\">seinem Buch <\/span>[4] <span style=\"color: #000000;\">so<\/span>: (S. 60\/61)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDabei vermag, je nach wechselnden Randbedingungen und dem Ausgangszustand des lebenden Systems, ein definierter anf\u00e4nglicher Reiz \u00fcber R\u00fcckkopplungen ganz unterschiedliche Reaktionen auszul\u00f6sen. (\u2026) Im Laufe von nunmehr 8 Beobachtungsperioden mit dem Grasfrosch Rana temporaria scheint sich im Labor (\u2026) vieles von dem ergeben zu haben, was im \u00fcbertragenen Sinne auch f\u00fcr praktische Hom\u00f6opathie typisch ist. Nichtlineare Effekte wie eine Umkehrwirkung, die Abh\u00e4ngigkeit der Wirkung von der Potenzh\u00f6he, vom saisonalen und individuellen Zeitpunkt der Behandlung, vom Zugabeintervall\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>Also: Es passiert irgendetwas. Und egal, was passiert ist, wir haben einen neuen Aspekt erlebt, der die Hom\u00f6opathie best\u00e4tigt. Wie praktisch! Man fragt sich allerdings, wie die Messergebnisse eigentlich h\u00e4tten noch aussehen m\u00fcssen, dass die Forscher erkannt h\u00e4tten, dass es sich eben nicht um einen reproduzierbaren Effekt, sondern um Zufall gehandelt hat.<\/p>\n<p><i>Wie<\/i> praktisch die Sichtweise der Forscher ist, zeigt sich sogar erst, wenn man die Arbeiten betrachtet, die als Metastudien zum Thema dargestellt werden. Da beschr\u00e4nkt man sich dann auf das \u201eeinzelne Ph\u00e4nomen\u201c \u2013 und hat ein bequemes Argument, durchaus existierende Arbeiten mit entgegengesetzten Ergebnissen unter den Tisch fallen zu lassen.<\/p>\n<p>So schreibt zum Beispiel B. Harrer in seiner auf froghom.net als \u201eMetaanalyse\u201c bezeichneten Arbeit [2] (\u00fcbersetzt von mir):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eAndere Arten von Experimenten des urspr\u00fcnglichen Teams wurden nicht ber\u00fccksichtigt: Experimente mit Rana temporaria aus Tieflandbiotopen, Bufo Bufo, mit anderen Anwendungsintervallen oder mit kontinuierlicher Behandlung durch verschlossene Glasphiolen und Experiment mit anderen Potenzen\u2026\u201d<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich macht es sehr viel Sinn, in einer Metaanalyse nur vergleichbare Experimente zu vergleichen. Aber ist es wirklich schon ein \u201eother type of experiment\u201c, nur weil man die Fr\u00f6sche derselben Spezies diesmal aus einem anderen Teich genommen hatte? Im Kommentar der Tabelle von 1994 sprach Endler explizit beim 8-st\u00fcndigen Eintropfen im Fr\u00fchjahr von einer \u201enotwendigen h\u00e4ufigeren Zugabe\u201c, um die Verlangsamung zu erreichen. Ein paar Jahre sp\u00e4ter wird die h\u00e4ufigere Zugabe als \u201eanderes Experiment\u201c nicht in der Zusammenfassung der Studien ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Hier wird also die \u201eandere Art des Experimentes\u201c \u00fcber die Reproduzierbarkeit des urspr\u00fcnglichen Ergebnisses definiert. Man kann sicher sein, dass wir hier eine andere Auswahl vorfinden w\u00fcrden, h\u00e4tten sich zuf\u00e4llig in einem anderen Teil der Studien gegenl\u00e4ufige oder schlicht gar keine Effekte gezeigt.<\/p>\n<p>Kaum definiert man aber alles, was nicht ins Bild passt als \u201eandere Art von Experiment\u201c und sortiert dies aus, schon summieren sich in der genannten Metaanalyse die Daten zu einem signifikant statistischen Ergebnis. Harrer schreibt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDie Unterschiede in den einzelnen Unterexperimenten waren mehrheitlich nicht statistisch signifikant (p &gt; 0,05). Nach einem Pooling war der Unterschied am vorher definierten Messpunkt statistisch signifikant \u2013 gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Ergebnisse des urspr\u00fcnglichen Teams als auch f\u00fcr die der unabh\u00e4ngigen Forscher.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wobei man noch hinterherschicken kann, dass die Zusammenfassung der Daten in dieser Arbeit noch undurchschaubarer ist als das Pooling bei den Versuchen aus dem ersten Artikel. Aufsummiert werden in dieser Analyse <em>\u201cthe relative differences between W30x and T30x groups at the predefined measuring point\u201d<\/em> \u2013 also die \u201crelativen Differenzen zwischen den W30- und T30-Gruppen am vorher festgelegten Messpunkt\u201c. Was dieser vorher festgelegte Messpunkt sein soll, wird in der Arbeit von B. Harrer nicht erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Vermutlich handelt es sich dabei um den 70%-Messpunkt, weil dieser bereits in einer zusammenfassenden Arbeit Endlers aus dem Jahr 2011 [3] als ein Kriterium verwendet wurde. In diesem Falle h\u00e4tte man die urspr\u00fcngliche Aussage einer verlangsamten Entwicklung ein weiteres Mal modifiziert und beschr\u00e4nkt sich auf den Effekt eines R\u00fcckstandes der Thyroxingruppe zu dem Zeitpunkt, wenn 70% der Tiere der Wassergruppe 4 Beine entwickelt haben\u2026<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes k\u00f6nnte man sich dann eine jahreszeitliche Abh\u00e4ngigkeit ausdenken, in der Art, dass die Tiere in der ersten Julih\u00e4lfte eher zur\u00fcck sind, wenn 80% der Wassertiere schon 4 Beine haben, im September aber, wenn dies bei 60% der Kaulquappen der Fall ist. Wir d\u00fcrfen also gespannt sein, welche \u201eAspekte\u201c hier zuk\u00fcnftig noch \u201eentdeckt werden\u201c und unter Ausschluss der Arbeiten \u201eanderer Art\u201c dann auch \u201eunter Ber\u00fccksichtigung aller Arbeiten derselben Art\u201c signifikant werden.<\/p>\n<p>Worauf es aber wirklich hinweist, wenn sich eine urspr\u00fcnglich einmal aufgestellte Behauptung in immer wieder wiederholten Messungen derart \u201ezurecht schleift\u201c, wird nirgends diskutiert. Was hier in dieser Versuchsreihe passiert, ist eigentlich ganz typisch f\u00fcr die Jagd nach einem Phantomeffekt.<\/p>\n<p>Bei einem realen Naturph\u00e4nomen sollte sich dieses in einer immer gr\u00f6\u00dferen Datenmenge eigentlich immer klarer zeigen. Und zwar tats\u00e4chlich unter Betrachtung der Gesamtmenge an erhobenen Daten. Genau das folgt aus dem Gesetz der gro\u00dfen Zahlen: Selbst wenn es sich um einen schwachen Effekt handelt \u2013 wenn die urspr\u00fcngliche Hypothese stimmt, dann wird dieser Effekt bei einer wachsenden Anzahl von Versuchen immer deutlicher nachweisbar sein.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden in einer gr\u00f6\u00dferen Datenmenge immer rein zuf\u00e4llige H\u00e4ufungen auftreten. Im Gegensatz zu echten Effekten wird aber jeder einzelne von ihnen immer weniger statistisch bedeutsam und schlie\u00dflich ganz verschwinden, wenn die Anzahl der Versuche erh\u00f6ht wird.<\/p>\n<p>Bei einem echten Effekt wird man also bei der Erh\u00f6hung der Anzahl der Versuche die Hypothese immer wieder best\u00e4tigen. Bei Phantomeffekten ist es typisch, dass man immer weitere Annahmen machen muss \u2013 \u00fcber die urspr\u00fcnglich gestellte Annahme hinaus \u2013 um die urspr\u00fcnglich gemachte Hypothese noch tragf\u00e4hig zu halten. Man braucht immer mehr neue Zusatzerkl\u00e4rungen, warum diese oder jene Messung nicht in den Gesamt\u00fcberblick miteinbezogen wird, um die urspr\u00fcngliche Hypothese nicht verwerfen zu m\u00fcssen. Und genau das ist hier der Fall.<\/p>\n<p>Es gibt eigentlich ein fast schon klassisches Vorbild f\u00fcr diese Situation. Das sind die Experimentreihen, die seinerzeit von J.B. Rhine zum Nachweis der Telepathie durchgef\u00fchrt wurden. Diese testet man f\u00fcr gew\u00f6hnlich mit Hilfe von K\u00e4rtchen, die 5 verschiedene einfache Symbole enthalten. Der Pr\u00fcfleiter nimmt eine Karte nach der anderen auf, die zu testende Person muss ohne es zu sehen erraten, welches Symbol gerade aktuell ist. Komplett ohne \u201eextrasensorische Wahrnehmung\u201c wird die Testperson im Schnitt in jedem f\u00fcnften Fall zuf\u00e4llig richtig raten. Zu erwarten ist daher eine Trefferquote von 20%.<\/p>\n<p>Rhine fand seinerzeit eine Quote, die auch bei einer gro\u00dfen Anzahl von Testpersonen etwas \u00fcber 20% lag. Erst sp\u00e4ter zeigte sich die sehr nat\u00fcrliche Erkl\u00e4rung: Rhine hatte Kandidaten mit besonders schlechtem Ergebnis einfach nicht in seiner Gesamtstatistik ber\u00fccksichtigt: Die Ergebnisse dieser Personen waren so schlecht, dass Rhine nicht an einen Zufall glauben wollte. Er hatte deshalb angenommen, dass diese Kandidaten der Telepathie ablehnend gegen\u00fcberstanden und ihm so gut wie eben m\u00f6glich immer falsche Ergebnisse hatten nennen wollen, um seine Studien zu boykottieren. Er war so von der Telepathie \u00fcberzeugt, dass f\u00fcr ihn eine besonders hohe Trefferrate genauso ein Beleg war, wie eine besonders niedrige Trefferrate.<\/p>\n<p>Und genau dasselbe passiert hier bei den Kaulquappen. Sind die Thyroxin-Kaulquappen schneller, dann wird die aktuelle Versuchsanordnung zum \u201eneuen Effekt\u201c erkl\u00e4rt und man sucht sich eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr \u2013 egal, welche. Und so werden auch hier immer weitere Annahmen notwendig, um diejenigen Experimente in den Zusammenfassungen nicht ber\u00fccksichtigen zu m\u00fcssen, in denen sich der erwartete Ausgang nicht zeigte. Darunter werden auch munter Annahmen gemacht, die eine systematische Anwendung der Hom\u00f6opathie eigentlich unm\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise sind es die sehr seltsamen \u201eentdeckten Aspekte\u201c, die auch die gesamte Hom\u00f6opathiewelt lieber nicht diskutieren m\u00f6chte, die dazu f\u00fchren, dass man dieser angeblich stabil reproduzierbaren Messreihe dann in Diskussionen um die Hom\u00f6opathie doch recht selten begegnet. Immerhin muss man sich diesen \u201eNachweis\u201c der Wirkung einer Hochpotenz mit einer vollkommenen Unkalkulierbarkeit der Arzneiwirkungen erkaufen: Da w\u00e4re eine jahreszeitliche Abh\u00e4ngigkeit der Wirkungsrichtung; dazu eine Umkehrwirkung, wenn man dieselbe Potenz statt alle 48 Stunden schon alle 8 Stunden einnimmt; und nicht zuletzt, dass es selbst im besten Falle bei einer durch die allerersten Gaben \u201ebewirkten\u201c winzigen <span style=\"color: #000000;\">Differenz bleibt und l\u00e4ngere Anwendung einfach keine deutlicheren Effekte hervorrufen kann. Au\u00dferdem ist die Wirksamkeit auf ganz bestimmte Gruppen von Menschen beschr\u00e4nkt, etwa solche, die \u00fcber 1500 m \u00fcber NN wohnen, was in Deutschland nur im Bereich der Alpen m\u00f6glich ist. Oder funktioniert das Ganze ohnehin nur in \u00d6sterreich?<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise sind es auch ein paar andere Punkte in Endlers Arbeiten, die dazu f\u00fchren, dass selbst auf Nachweise verzweifelt wartende Hom\u00f6opathen diese Versuchsreihe nur selten erw\u00e4hnen. Und obwohl der Artikel schon recht lang ist, m\u00f6chte ich niemandem, der bis hierher durchgehalten hat, diese Punkte vorenthalten.<\/p>\n<p><strong>Kleine Schlussbetrachtungen \u00fcber weitere Arbeiten und Aussagen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Geschlossene Phiolen:<\/strong><\/p>\n<p>Wie oben eher beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt, geh\u00f6rten zu den Versuchen auch Arbeiten, in denen das Thyroxin D30 niemals zugegeben wurde, sondern lediglich als verschlossene Phiole ins Becken gelegt wurde. Der DZVh\u00c4 zitiert diese Experimente knapp auf seiner Homepage mit dem Hinweis<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eThyroxin D30 &#8211; in einer Glasphiole zeigte eine noch eindeutigere Hemmung (\u2026) Die Wirkung scheint also nicht an \u201eTeilchen\u201c gebunden zu sein. Dies ist ein Hinweis daf\u00fcr, dass der Wirkmechanismus besser an Hand eines Wellen- oder Feldmodells erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnte.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.dzvhae.de\/homoeopathie-presse\/forschung-1-124\/grundlagenforschung\/-1-585.html\" class=\"broken_link\">Link<\/a>)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>G\u00e4nzlich unbeachtet in dieser Darstellung bleibt freilich, dass gerade dieser Effekt in gr\u00f6\u00dferen unabh\u00e4ngigen Experimenten nicht reproduziert werden konnte. In Endlers Buch [4] finden wir den Hinweis hierzu auf Seite 50:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eDie T\u00fcbinger Kollegin Daniela Dieterle kam zur Zeit der Kirschernte nach Graz. Alles war f\u00fcr den perfekten Versuch (bis zur Vierbeinigkeit) vorbereitet worden, s\u00e4mtliche denkbaren Details festgelegt, die Zahl der Tiere war enorm. Die Tieflandtiere r\u00fcmpften die Nase und taten grob gesagt gar nichts. (\u2026) Danielas Versuche waren (leider, ist man angesichts ihres negativen Ausganges versucht zu sagen) recht gro\u00df; sie umfassten etwa ein Drittel der insgesamt in allen Kaulquappenstudien mit Glasphiolen verwendeten Tiere.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Noch viel interessanter ist aber, dass auch hier wieder niemand die katastrophale Bedeutung f\u00fcr die Hom\u00f6opathie erkennt und auch nur andiskutiert: W\u00fcrde sich in Experimenten tats\u00e4chlich nachweisen lassen, dass die Wirkung \u201enoch eindeutiger\u201c erfolgt, wenn man Hom\u00f6opathika nicht einnimmt, sondern nur irgendwo am K\u00f6rper tr\u00e4gt, w\u00e4ren Hom\u00f6opathen seit 200 Jahren vollkommen falsch vorgegangen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen f\u00fcr Hersteller von Hom\u00f6opathika w\u00e4ren sicher enorm, wenn diese Fl\u00e4schchen unverbraucht von Generation zu Generation vererbt werden k\u00f6nnten&#8230;<\/p>\n<p><strong>Bioresonanz:<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur mit Phiolen hat man das Thyroxin D30 \u201enicht\u201c zugegeben, auch mit Bioresonanz hat man gearbeitet. Ich zitiere erneut aus Endlers Buch[4]:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u201eZudem wurde versucht, Information von Thyroxin D30 einem elektronischen Digitalisierungsvorgang zu unterziehen. Dabei wurden Phiolen mit Thyroxin D30 bzw. Wasser als Kontrolle in eine Eingangsspule gestellt, an die Filter und ein Verst\u00e4rker angeschlossen waren. Die weitere Anordnung diente dazu, Frequenzen zu digitalisieren, in einem Multiplexvorgang auf eine CD zu \u00fcbertragen und von hier aus (beliebig zeitversetzt) wieder auf eine Ausgangsspule zu \u00fcbertragen, in der sich Phiolen mit Wasser befanden. Die so hergestellte Test- und Kontrollfl\u00fcssigkeit wurde in den Hochpotenzversuchen mit Hochlandtieren in Intervallen von 48 Stunden zugetropft. Dies f\u00fchrte wiederum zu einer Bremsung der Metamorphose.\u201c (S.64)<\/em><\/p>\n<p>Hierzu nur die Anmerkung, dass hiervon nicht einmal mehr der DZVh\u00c4 berichten mag. Die Tests dieser Art m\u00f6gen dann doch mit ein Grund sein, warum auch die anderen Experimente selbst unter Hom\u00f6opathen so wenig salonf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Noch einmal sollte man sich klarmachen, dass die gemessene Verlangsamung nach dieser exotischen Prozedur zwar als erwarteter Effekt beschrieben wird, man an anderer Stelle aber keine Hemmungen hatte, alleine das Verwenden von Kaulquappen aus einem anderen Teich als \u201eandere Experimentart\u201c darzustellen, bei der man sich \u00fcber das Ausbleiben der Verlangsamung nicht zu wundern hat. Allein dies zeigt eigentlich sehr eindeutig, wie sehr die Bewertung im Nachhinein \u00fcber die Resultate erfolgte.<\/p>\n<p>Aber \u2013 und das am\u00fcsiert den Physiker an der ganzen Sache \u2013 h\u00e4tte Endler dann endlich, endlich nachgewiesen, was die Hom\u00f6opathika auszeichnet? Auf Seite 54 seines Buches [4] erfahren wir, dass oben erw\u00e4hnte Ger\u00e4te in der Lage waren, <em>\u201evon der Testl\u00f6sung ausgehende, elektromagnetische Wellen mit Frequenzen im Bereich zwischen 30 Hz und 80kHz\u201c<\/em> zu digitalisieren. Hom\u00f6opathika wirken also nach Endlers Auffassung \u00fcber elektromagnetische Wellen eines ganz bestimmten Frequenzbereiches. Aha. Nur: Warum dann eigentlich der ganze Aufwand mit den Fr\u00f6schen?<\/p>\n<p><strong>Auspendeln<\/strong><\/p>\n<p>Endler hat seine Hochpotenzen dann sogar noch einmal anders untersuchen lassen: (S.73) \u201e<em>Auch Cyrill Smith verma\u00df mit einer technisch unterst\u00fctzten subjektiven Pendelmethode unsere Potenzen \u2013 sp\u00e4ter Hochpotenzen. Er fand Frequenzen, bei denen die Fl\u00fcssigkeiten zu schwingen begannen, wenn man sie dem Feld einer Spule aussetzte. Diese letzte Studie hatte allerdings den Nachteil, dass man neben einem Frequenzgenerator auch einen ausgebildeten Pendler \u2013 wie Cyril einer war \u2013 ben\u00f6tigte. Au\u00dferdem lie\u00dfen sie sich nicht richtig blind durchf\u00fchren \u2013 der Pendler schien nach wenigen Wiederholungen in eine Art \u201ePr\u00fcfungsstress\u201c zu verfallen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Kein Kommentar&#8230;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>[1] Endler PC, Pongratz W, Van Wijk R, Kastberger G, Haidvogl M: Effects of Highly Diluted Succussed Thyroxine on Metamorphosis of <span lang=\"en-US\">Highland Frogs, Berlin Journal for Research in Homeopathy (<\/span>1991); 1(3): 151-160 (<a href=\"http:\/\/inter-uni.com\/static\/download\/publication\/komplementaer\/p_Endler_et_al_+Berlin_J_1991+_highland_errcorr.pdf\">Link<\/a> zum Volltext)<\/p>\n<p><span lang=\"en-US\">[2] Harrer B: <\/span><span lang=\"en-US\">Replication of an experiment on extremely diluted thyroxine and highland amphibians, <\/span><span lang=\"en-US\">Homeopathy (2013) 102: 25-30 (<a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1475491612000859\" class=\"broken_link\">Link<\/a> zum Volltext)<\/span><\/p>\n<p lang=\"en-US\">[3] Lingg G, Endler PC: Highland amphibians \u2013 Recalculation of data from 1990 to 2010 on the effects of extremely diluted thyroxine, Int J High Dilution Res (2011); 10 (37): 311-324 (<a href=\"http:\/\/www.feg.unesp.br\/~ojs\/index.php\/ijhdr\/article\/view\/429\/541\">Link<\/a> zum Volltext) (<a href=\"http:\/\/www.feg.unesp.br\/~ojs\/index.php\/ijhdr\/article\/view\/429\/540\">Link<\/a> zu den Rohdaten)<\/p>\n<p>[4] Endler PC:\u00a0 Expedition Hom\u00f6opathieforschung, 1. Auflage, Maudrich Verlag, Wien. (<a href=\"http:\/\/www.narayana-verlag.de\/homoeopathie\/pdf\/Expedition-Homoeopathieforschung-Peter-C-Endler.03244_2Hilfe_sich_selbst_zu_heilen.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a> zu einem Textauszug der 2. Auflage)<\/p>\n<p>[5] Heckmann C: Einflu\u00df hom\u00f6opathisch und nicht hom\u00f6opathisch hergestellter Thyroxinl\u00f6sungen auf die Metamorphosegeschwindigkeit bei Rana temporaria, Diplomarbeit Universit\u00e4t T\u00fcbingen, Fakult\u00e4t f\u00fcr Biologie, 1997; <a href=\"http:\/\/www.doktor-quak.de\/pdf\/dipl_heckmann_thyroxin.pdf\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n<p>[6] Endler PC, Pongratz W, Smith CW, Schulte J, Senekovitsch F, Citro M: Non-Molecular Information Transfer from Thyroxine to Frogs, in: Signals and Images (1997) pp 149-159, <a href=\"http:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-94-011-5804-6_11\">Link<\/a><\/p>\n<p>[7] Alex JE: Spezieller Einflu\u00df potenzierter Thyroxinl\u00f6sungen auf die Matamorphosegeschwindigkeit von Rana temporaria. \u00dcberpr\u00fcfung einer Hypothese. Dissertation Universit\u00e4t T\u00fcbingen 2002, (<strong>Edit 15.08.17<\/strong>: Link zur Zusammenfassung zwischenzeitlich erloschen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier folgt der zweite Teil des Artikels, in dem sich Ute Parsch mit den Ergebnissen der \u00f6sterreichischen Forschergruppe um P. C. Endler auseinandersetzt. 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