{"id":2071,"date":"2014-08-31T17:17:37","date_gmt":"2014-08-31T15:17:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2071"},"modified":"2019-01-06T17:33:06","modified_gmt":"2019-01-06T16:33:06","slug":"prof-frass-der-standard-und-der-knollenblaetterpilz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2071","title":{"rendered":"Prof. Frass, Der Standard und der Knollenbl\u00e4tterpilz"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2071\" data-timestamp=\"1546795986\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2071\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 9<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D2071&text=Prof.%20Frass%2C%20Der%20Standard%20und%20der%20Knollenbl%C3%A4tterpilz\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Gibt es verschiedene Michael Frass, die als Intensivmediziner t\u00e4tig sind &#8211; und, wenn ja, wie viele sind es? Mindestens zwei: einen, der ganz vern\u00fcnftig \u00fcber evidenzbasierte Medizin diskutiert, einen anderen, der Arbeiten ver\u00f6ffentlicht, die mit wissenschaftlicher Methodik nicht in Einklang zu bringen sind. Schwierig ist, dass beide sich zum Verwechseln \u00e4hnlich sehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>In K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n<p>Frass, obgleich prominenter Vertreter der Hom\u00f6opathie, pr\u00e4sentiert sich in einem Interview in der Internet-Ausgabe von &#8218;<em>DerStandard<\/em>&#8218; als ein verantwortungsbewusster Mediziner, der die evidenzbasierte Medizin hochh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Dies steht in einigem Gegensatz zu den von ihm vorgelegten Studien, die auf diesem Blog schon besprochen wurden, und auch zu einer j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Arbeit \u00fcber Vergiftungen durch Knollenbl\u00e4tterpilze.<\/p>\n<p>Frass berichtet darin \u00fcber den positiven Ausgang der Behandlung von zwei F\u00e4llen, in denen den Patienten zus\u00e4tzlich zur konventionellen Therapie auch hom\u00f6opathische Globuli verabreicht wurden. Hieraus zieht er den Schluss, dass diese zus\u00e4tzliche Behandlung zur Genesung beigetragen hat. Diese Schlussfolgerung ist allerdings nicht gerechtfertigt, denn:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Wahl der Mittel zur hom\u00f6opathischen Behandlung erfolgt praktisch nach Belieben beziehungsweise aufgrund recht oberfl\u00e4chlicher \u00c4hnlichkeiten. Selbst wenn das \u00c4hnlichkeitsgesetz der Hom\u00f6opathie gelten w\u00fcrde, k\u00f6nnten die eingesetzten Mittel nicht zum Erfolg f\u00fchren.<\/li>\n<li>Frass legt nicht dar, worauf sich die Schlussfolgerung begr\u00fcndet, dass die hom\u00f6opathische Therapie \u00fcberhaupt einen Beitrag zur Genesung geliefert h\u00e4tte.<\/li>\n<li>Generell kann aus den Berichten keine Wirksamkeit abgeleitet werden, denn es werden keine Angaben gemacht, die einen Vergleich mit der Entwicklung ohne die zus\u00e4tzliche Gabe von Hom\u00f6opathika erlauben w\u00fcrde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man kann in dieser letzten Arbeit zu dem Eindruck kommen, dass es hier einzig und allein darum geht, die Hom\u00f6opathie positiv darzustellen &#8211; und den Leser selektiv die zu diesem Anliegen passenden Informationen zu liefern.<\/p>\n<p>Ich werde diese Vorbehalte in einem Leserbrief an das Journal, das den Artikel ver\u00f6ffentlicht hat, zum Ausdruck bringen.<\/p>\n<p><strong>Das Interview<\/strong><\/p>\n<p>Ein Herr Michael Frass diskutierte mit Herrn G. Gartlehner in DerStandard.at \u00fcber evidenzbasierte Medizin (<a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000004271664\/Evidenzbasierte-Medizin-Den-Wohlfuehlfaktor-erhoehen?ref=article\">Link<\/a>). Gartlehner ist unter anderem Direktor des \u00f6sterreichischen Cochrane-Zentrums, also Chef der Gralsh\u00fcter der evidenzbasierten Medizin in \u00d6sterreich. Frass ist einer der prominentesten Aush\u00e4ngeschilder der gegenw\u00e4rtigen Hom\u00f6opathie, immerhin Vorsitzender der<em> &#8218;Wissenschaftlichen Gesellschaft f\u00fcr Hom\u00f6opathie&#8216;<\/em> und Leiter der Spezialambulanz <em>&#8218;Hom\u00f6opathie bei malignen Erkrankungen&#8216;<\/em> der Medizinischen Universit\u00e4t Wien.<\/p>\n<p>Wer nun erwartet hat, dass sich hier Welten begegnen und wir eine auf hohem Niveau gef\u00fchrte Diskussion erleben, die den Gegensatz EBM vs. Hom\u00f6opathie thematisiert, sieht sich entt\u00e4uscht. Der Frass, der da diskutiert hat &#8211; nennen wir diese Manifestation einmal Med-Frass &#8211; trat sogar noch mehr f\u00fcr die evidenzbasierte Medizin ein als deren eigentlicher Anf\u00fchrer. Letzterer, also der Vertreter der EBM, kam zu Aussagen wie<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Die Individualit\u00e4t des Patienten ist wichtig.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Die Kunst an EBM ist, den Punkt einzusch\u00e4tzen, an dem man den individuellen Patienten anders einsch\u00e4tzen muss als es in den Leitlinien steht.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Der Frass, der da im Interview sa\u00df, Med-Frass, \u00fcbertraf ihn dabei locker:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Generell ist es wichtig, dass Studien gemacht werden.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Mir erscheint es ganz wichtig, mithilfe der EBM umsichtig und gewissenhaft zu sein, sich zu bem\u00fchen, richtige Entscheidungen zu treffen.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>oder<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Mit EBM l\u00e4sst sich aber eben auch Scharlatanerie ausschlie\u00dfen.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Die andere Manifestation, nennen wir sie Hom-Frass, hat es zu einem Psiram-Eintrag gebracht (<a href=\"https:\/\/www.psiram.net\/ge\/index.php\/Michael_Frass\" class=\"broken_link\">Link<\/a>) und ver\u00f6ffentlicht Studien, in denen spezifische Effekte hom\u00f6opathischer Mittel bei Patienten auf der Intensivstation nachgewiesen worden sein sollen. Was von diesen Studien zu halten ist, kann man in anderen Beitr\u00e4gen auf diesem Blog nachlesen (<a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=1054\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?page_id=1853\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>L\u00e4utert sich Hom-Frass jetzt, mit zunehmendem Alter, zum Med-Frass, immerhin ist er inzwischen 60 Jahre alt? Das k\u00f6nnen wir nicht unterstellen, es gibt keine zeitliche Abfolge, wie bei anderen prominenten Skeptikern zur Hom\u00f6opathie, denn es muss den Med-Frass auch fr\u00fcher gegeben haben. Ohne Zweifel ist er ein renommierter Intensivmediziner, der bislang auf seinem Gebiet eine Vielzahl von Beitr\u00e4gen ver\u00f6ffentlicht hat (<a href=\"https:\/\/ordination-frass.at\/publikationen\/\">Link<\/a>). Er hat sogar einschl\u00e4gige Erfindungen getan und h\u00e4lt verschiedene Patente f\u00fcr medizinische Ger\u00e4te. Ausweislich seiner Homepage (<a href=\"http:\/\/www.ordination-frass.at\/\">Link<\/a>) war er von 1992 bis 2004 Leiter einer Intensivstation, offenbar in Wien, und erhielt 1994 eine Professur f\u00fcr Innere Medizin. Ab dem gleichen Zeitpunkt ist er aber auch als Vizepr\u00e4sident der <em>&#8218;\u00c4rztegesellschaft f\u00fcr klassische Hom\u00f6opathie&#8216;<\/em> t\u00e4tig, was ihn wiederum nicht daran hindert, seit 1999 als Fortbildungsbeauftragter der &#8218;<em>\u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Internistische und allgemeine Intensivmedizin&#8216;<\/em> t\u00e4tig zu sein. Saulus und Paulus, Hom-Frass und Med-Frass, existieren also durchaus gleichzeitig, nicht nacheinander, wie das biblische Gegenst\u00fcck.<\/p>\n<p>Es ist ja durchaus davon auszugehen, dass ein hom\u00f6opathisch arbeitender Arzt \u00fcber eine in gewissem Umfang gespaltene Pers\u00f6nlichkeit verf\u00fcgen muss. Man kann entweder die Lehren der konventionelle Medizin f\u00fcr zutreffend halten oder die der Hom\u00f6opathie. Beides gleichzeitig geht nicht. In der konventionellen Medizin ist der Arzt verpflichtet, dem Patienten die bestm\u00f6gliche Therapie angedeihen zu lassen. Das muss er komplett vergessen, wenn er hom\u00f6opathische Mittel anders einsetzt als als reines Placebo. Insofern ist das Bild, das wir hier erhalten, durchaus im Rahmen.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00f6ffentlichung zur additiven hom\u00f6opathischen Behandlung einer Pilzvergiftung<\/strong><\/p>\n<p>Dass der Hom-Frass noch lange nicht \u00fcberwunden ist, zeigt eine erst in diesem Jahr (2014) erschienene Ver\u00f6ffentlichung [1]. Hier geht es um zwei Fallstudien von Patienten, die sich eine Vergiftung durch den Gr\u00fcnen Knollenbl\u00e4tterpilz <em>Amanita phalloides<\/em> zugezogen hatten. Dieser Pilz ist ungemein giftig, schon der Genuss kleiner Mengen des Fruchtk\u00f6rpers kann t\u00f6dlich enden.<\/p>\n<p>In der Arbeit werden zwei F\u00e4lle von Frauen beschrieben, die sich an Knollenbl\u00e4tterpilzen vergiftet hatten, auf der Intensivstation konventionell therapiert wurden und beide zus\u00e4tzlich hom\u00f6opathische Mittel verabreicht bekamen. Beide Frauen \u00fcberlebten, woraus die Autoren messerscharf schlie\u00dfen, dass die Hom\u00f6opathie einen positiven Beitrag zur Genesung geleistet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ist diese Schlussfolgerung gerechtfertigt?<\/p>\n<p>Im Fall 1 handelte es sich um eine 20-j\u00e4hrige Frau, die 72 Stunden nach dem Genuss eines Gerichts aus wilden Pilzen in Shumen, Bulgarien, ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Fall 2 war eine 69-j\u00e4hrige Patientin, die zusammen mit drei anderen Leuten ein Pilzgericht gegessen hatte. Sie wurde bereits am zweiten Tag nach dem Verzehr der Pilze ins Krankenhaus eingeliefert und am dritten Tag in die Intensivstation der Uniklinik in Wien \u00fcberstellt.<\/p>\n<p>Frass beschreibt die Diagnose &#8211; Vergiftung durch den gr\u00fcnen Knollenbl\u00e4tterpilz &#8211; und die Behandlung recht ausf\u00fchrlich, was aber f\u00fcr Nicht-Mediziner nicht sehr aufschlussreich ist. F\u00fcr uns Laien sind da zwei Grafiken interessanter, die den zeitlichen Verlauf der wesentlichen Indikatoren f\u00fcr die Schwere der Beeintr\u00e4chtigung darstellen. Ersparen Sie mir, die genaue Bedeutung dieser Werte (ALT und AST) herauszuarbeiten. Es gen\u00fcgt zu wissen, dass diese Indikatoren in beiden F\u00e4llen bis zum f\u00fcnften Tag sehr schnell anwuchsen, nach dem f\u00fcnften Tag hingegen zun\u00e4chst drastisch abnahmen, um sich dann immer flacher werdend in den n\u00e4chsten 10 bis 14 Tagen der Null zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Um zu einer zutreffenden Beurteilung der Gegebenheiten beider Patientinnen zu kommen, habe ich mich um eine unabh\u00e4ngige medizinische Bewertung bem\u00fcht. Ich beziehe mich im Folgenden auf die Auskunft von Viliam Masaryk (Danke f\u00fcr die Unterst\u00fctzung).<\/p>\n<p>Bei beiden Patientinnen lag zweifellos eine sehr schwere Vergiftung vor, die bereits zu einer Sch\u00e4digung der Leber gef\u00fchrt hatte. Dies wiederum kann in schweren F\u00e4llen zu einem nachfolgenden Versagen mehrerer anderer Organe f\u00fchren, was dann den Tod bedeutet. Eine Prognose ist aber schwierig, da es unter einer medikament\u00f6sen Behandlung auch zu Remissionen kommen kann. Kann in den F\u00e4llen, bei denen die Leber stark angegriffen wurde, keine Transplantation dieses Organs durchgef\u00fchrt werden, dann zielt die Behandlung in der konventionellen Medizin darauf ab, die Symptome zu lindern (Beatmung, Dialyse, Ausgleich des Basenhaushalts, medikament\u00f6se Behandlung der Leberschw\u00e4che). Wenn der Patient Gl\u00fcck hat, \u00fcberlebt er das dennoch und die Leber regeneriert sich.<\/p>\n<p>Die Laborwerte der beiden Patientinnen waren sehr schlecht, der Tod h\u00e4tte durchaus eintreten k\u00f6nnen. Die zweite Patientin erlitt sogar einen Herzstillstand (Kammerflimmern) und musste reanimiert werden.<\/p>\n<p>Bei den angewandten Ma\u00dfnahmen handelte es sich um eine umfangreiche supportive Therapie, damit der Kreislauf nicht zusammenbricht, und was \u00fcblicherweise bei Leberversagen angewandt wird. Beiden Frauen wurden unter Anderem mit dem Medikament Silibinin behandelt, das offenbar als ein Antidot (&#8218;Gegengift&#8216;) zu Amatonin und Phalloidin wirkt, den Bestandteilen des Giftes des Knollenbl\u00e4tterpilzes, indem es die Leber vor weiterer Zerst\u00f6rung sch\u00fctzt (s. Wikipedia: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Silibinin\">Link<\/a>).<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen erfolgte eine zus\u00e4tzliche Gabe hom\u00f6opathischer Mittel. Im ersten Fall wurden ab dem f\u00fcnften Tag nach dem Verzehr der Pilze hom\u00f6opathische Phosphor-Globuli, Potenz C15 (also ohne ein Atom Phosphor) gegeben. F\u00fcnf Globuli wurden alle zwei Stunden verabreicht, was in den folgenden Tagen wieder reduziert wurde, da sich eine Besserung in den Laborwerten zeigte. Am 23. Tag konnte die Patientin aus der Klinik entlassen werden, nach weiteren zwei Wochen waren ihre Blutwerte im normalen Bereich. Drei Monate sp\u00e4ter war die Patientin vollkommen genesen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die zweite Patientin wird sehr umfangreich beschrieben, wie man das verabreichte Mittel bestimmt hat. Ich denke, ich w\u00fcrde meinen Lesern etwas vorenthalten, wenn ich hier nicht drauf eingehe.<\/p>\n<p>Man hat sich bei der Findung irgendwelcher Kategorien von Symptomen aus einem Computerprogramm bedient. Die eingegebenen Schl\u00fcsselw\u00f6rter waren:<\/p>\n<ul>\n<li>Mastdarm: Durchfall, Verschlechterung nach dem Essen<\/li>\n<li>Allgemein: Rausch (&#8218;intoxication&#8216;), nach giftigem Fisch<\/li>\n<li>Allgemein: Rausch (&#8218;intoxication&#8216;), nach giftigen Pilzen<\/li>\n<li>Bauch, Entz\u00fcndung, Bauchfellentz\u00fcndung, Magen-Darm-Entz\u00fcndung, Leber<\/li>\n<li>Allgemein: Schwacher Puls<\/li>\n<li>Niere: Harnverhaltung<\/li>\n<li>Allgemein: generelle Entz\u00fcndung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich mag ja beim \u00dcbersetzen nicht immer ganz die richtigen in den Repertorien \u00fcblichen Bezeichnungen getroffen haben, aber das ist die Methode, mit der eine Koryph\u00e4e auf dem Gebiet der Hom\u00f6opathie nach dem passenden Medikament f\u00fcr eine Vergiftung durch Knollenbl\u00e4tterpilze sucht.\u00a0 Vertrauenserweckend, oder?<\/p>\n<p>Was kam dabei heraus? Hier ohne weiteren Kommentar eine \u00dcbersetzung des Abschnittes, in dem dies diskutiert wird. Man bedenke, es geht um eine Patientin, die mit schwerer Vergiftung in der Intensivstation liegt und mit dem Tod ringt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Diese Kategorisierung lieferte die hom\u00f6opathischen Mittel Agaricus muscarius, Atropinum, Belladonna, Kampher und Pyrogenium, aber zus\u00e4tzliche Symptome sind f\u00fcr diese Behandlungen typisch. F\u00fcr eine Behandlung mit agaricus muscarius ist die Phase des Rauschs (intoxication) von gro\u00dfer mentaler Aufregung begleitet, unzusammenh\u00e4ngendem Sprechen, und wechselnden Phasen zwischen ungebremster Lebenslust und Melancholie. Die physische Kraft ist verst\u00e4rkt, einschlie\u00dflich der F\u00e4higkeit, schwere Lasten zu heben. Diese Symptome lagen bei der Patientin\u00a0 nicht vor. Mit Atropinum, \u00e4hnlich wie Belladonna, ist eine pl\u00f6tzliche Verschlimmerung typisch. Ebenfalls hat der Patient \u00fcblicherweise, wenn Belladonna indiziert ist, starke Schmerzen und eine rote Verf\u00e4rbung des Kopfes. Bei Kampher-Behandlungen versp\u00fcren die Patienten \u00fcblicherweise eisige K\u00e4lte am ganzen K\u00f6rper, einschlie\u00dflich der Nase, den Extremit\u00e4ten und des Atems. Pyrogenium ist bekannt f\u00fcr seine Wirkung\u00a0 bei Blutvergiftung ebenso wie f\u00fcr widerliche Ausscheidungen (&#8218;offensive discharges&#8216;). Bei Pyrogenium erleben die Patienten Wundsein (&#8217;soreness&#8216;), das sich bei Bewegung bessert. Schnelles Auftreten von Wundliegen (&#8218;decubitus&#8216;) durch Infektion wird h\u00e4ufig bei Patienten beobachtet, die Pyrogenium brauchen.<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">(Anmerkung: Die Urtinktur von Pyrogenium besteht aus verfaultem Fleisch in Wasser.)<\/p>\n<p>Wie gesagt, das sind die \u00dcberlegungen eines Vorzeige-Hom\u00f6opathen, w\u00e4hrend sein Patient dabei ist, infolge der Vergiftung St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck den Betrieb einzustellen. Was hat man als Mittel gew\u00e4hlt? Das:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Potenziertes Arsenicum album wurde dem Patienten verabreicht, obwohl dieses Mittel nicht in den Ergebnissen der Kategorie &#8218;Rausch nach Verzehr von giftigen Pilzen&#8216; enthalten war. Arsenicum album war angezeigt, um die Entz\u00fcndung der Leber zu lindern. Arsenicum album wird als Arznei nach Rauschzust\u00e4nden und allergischen Reaktionen genannt.<\/em><\/p>\n<p>Na, wenn das mal nicht eine zwingende Logik ist, der man sein Leben anvertrauen m\u00f6chte. Man benutzt ein ausgekl\u00fcgeltes Hilfsmittel, um mit den unbeholfenen Optionen, die einem das Programm offensichtlich l\u00e4sst, einen Strau\u00df von Medikamenten zu finden, die aber alle nicht so recht passend aussehen, um dann am Schluss doch irgendetwas anderes aus dem Zylinderhut zu zaubern.<\/p>\n<p>Ehrlich: Ich bem\u00fche mich im Umgang mit der Hom\u00f6opathie um Sachlichkeit und Fairness. Aber mitunter kann man es nicht vermeiden, diese Lehre ins L\u00e4cherliche zu ziehen, wenn man die Vertreter w\u00f6rtlich zitiert.<\/p>\n<p>Die zweite Patientin erhielt ab dem dritten Tag also jede Stunde 5 Globuli Arsenicum Album C200 (also auch reiner Zucker). Ab dem f\u00fcnften Tag zeigte sich eine Besserung des Befundes und es wurde das Mittel \u00fcberpr\u00fcft. Schlagworte diesmal:<\/p>\n<ul>\n<li>Bauch: Beschwerden im Bereich der Leber<\/li>\n<li>Bauch: Verfettung der Leber<\/li>\n<li>Bauch: Schwund (Atrophie) der Leber<\/li>\n<li>Haut: Gelbe Verf\u00e4rbung, Gelbsucht<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man kam so auf Phosphor C200 (also reinen Zucker), den die Patientin f\u00fcr weitere drei Tage erhielt. Offenbar spielte es dabei auch eine Rolle, dass Phosphor, so Frass, in regelm\u00e4\u00dfigen gro\u00dfen Dosierungen Gelbsucht mit einer intensiven Gelbf\u00e4rbung der Haut ausl\u00f6sen k\u00f6nne und generell durch ein schnelles Einsetzen der Symptome gekennzeichnet sei.<\/p>\n<p>Versucht man allerdings, die Mittelauswahl anhand der im Internet verf\u00fcgbaren Repertorien zu verifizieren, kommt man bei Leberproblemen oder Gelbsucht nicht auf Phosphorus bzw. Arsenicum album (beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.homoeopathie-homoeopathisch.de\/krankheiten\/index.html\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/homoeopathie-liste.de\/anwendungs-gebiete\/index.htm#L\">hier). <\/a><\/p>\n<p>Frass z\u00e4hlt noch einige weitere Behandlungsschritte aus dem konventionellen Bereich auf, auf die ich hier aber nicht n\u00e4her eingehen will. Es sei nur gesagt, dass die Patientin auch in den n\u00e4chsten Tagen eine recht aufw\u00e4ndige konventionelle Behandlung erhielt<\/p>\n<p>Ab dem achten Tag\u00a0 erhielt die Patientin zur Behandlung ihrer Benommenheit Helleborus niger C200 (also reinen Zucker) f\u00fcr weitere 12 Tage.<\/p>\n<p>Am 27. Tag konnte die Patientin wieder auf die Normalstation zur\u00fcckkehren und konnte ohne weitere Folgeerscheinungen am 43. Tag aus der Klinik entlassen werden. Von den anderen drei Leuten, die mit ihr von den Pilzen gegessen hatten, waren ohne eine zus\u00e4tzliche hom\u00f6opathische Therapie zwei gestorben.<\/p>\n<p>Sind das nicht tolle Erfolge? Von den zwei betrachteten mit Hom\u00f6opathika behandelten Patienten \u00fcberleben alle beide, w\u00e4hrend zwei, schreibt Hom-Frass explizit, &#8218;&#8230; who underwent conventional treatment without additional homeopathy died.&#8216;<\/p>\n<p>Da ist die Schlussfolgerung doch naheliegend, dass<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Wenn es klinisch angezeigt ist, dann ist eine Kombination aus Hom\u00f6opathie und konventioneller Behandlung n\u00fctzlich, und diese Fallstudien zeigen ein erfolgreiches Vorgehen in der gleichzeitigen Verwendung beider Behandlungsverfahren&#8216;.<\/em><\/p>\n<p>Herr Hom-Frass, fragen Sie doch mal bei Herrn Med-Frass nach, ob eine solche Schlussfolgerung aus Ihren Fallstudien gerechtfertigt ist!<\/p>\n<p>Es gibt in der evidenzbasierten Medizin keine randomisierten und kontrollierten Studien zur Vergiftung mit Knollenbl\u00e4tterpilzen, schreibt Viliam Masaryk, daher ist eine generelle Aussage zu den Aussichten der Patienten schwierig, Es scheint aber doch zahlreiche F\u00e4lle zu geben, die eine solche Vergiftung auch ohne Lebertransplantation \u00fcberstehen, insbesondere, wenn dieses Antidot Silibinin gegeben wird. In diesen F\u00e4llen ist es normal, dass sich im Durchschnitt ab dem 5. Tag die Laborwerte bessern, wie hier auch, mit einer Streuung von etwa 3 bis 10 Tagen. Auch ist es normal, dass, wenn der Patient \u00fcberlebt, nach einer gewissen Weile keine Folgeerscheinungen mehr auftreten und der Patient vollst\u00e4ndig ausheilt.<\/p>\n<p>Dies kann man auch ausf\u00fchrlich im Archiv f\u00fcr klinische Toxikologie nachlesen [2]. Diese Information stammt augenscheinlich schon aus dem Jahr 1995, ist also doch schon etwas \u00e4lter, aber als Volltext im Internet abrufbar.<\/p>\n<p>Wir haben also die Situation, in der den ohne Zweifel schwer betroffenen Patientinnen, die sich durchaus in Lebensgefahr befanden, ein Antidot verabreicht wurde und die noch zus\u00e4tzlich Hom\u00f6opathika in Hochpotenz erhielten. Woher nimmt Hom-Frass die Gewissheit, dass die Hom\u00f6opathika \u00fcberhaupt etwas zum Krankheitsgeschehen beigetragen haben?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Fasst man nun die seit 1980 [bis 1995] mit Silibinin behandelten und in der \u00d6sterreichischen Vergiftungsinformationszentrale dokumentierten F\u00e4lle mit Knollenbl\u00e4tterpilzvergiftung zusammen, so ergeben sich folgende Zahlen: insgesamt 252 F\u00e4lle, davon 108 leicht, 19 mittelschwer, 99 schwer und 26 letal (10,3 % Letalit\u00e4t).&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Dies kann man in [2] lesen. Selbst wenn man die Todesf\u00e4lle nur auf die Anzahl der schwer betroffenen Patienten bezieht, ergibt sich eine Mortalit\u00e4t von 21 %, das hei\u00dft, die meisten Patienten \u00fcberleben das.<\/p>\n<p>Hom-Frass hingegen behauptet, dass es f\u00fcr Amatoxin, den Hauptbestandteil des Gifts des Knollenbl\u00e4tterpilzes, kein spezifisches Antidot g\u00e4be. Er schreibt, dass Penicillin G eine gewisse Wirkung habe, f\u00fcr Silibinin f\u00fchrt er jedoch an, dass weitere Untersuchungen zur Wirkungsweise erforderlich seien. Das schreibt er in 2014. Das, was wir oben zu Silibinin geschrieben haben, ist \u00fcber 20 Jahre alt. Wie Viliam Masaryk bei der Giftzentrale in N\u00fcrnberg in Erfahrung brachte, sieht man die \u00dcberlebenschancen einer solchen Vergiftung als recht gut, wenn rechtzeitig Silibinin verabreicht w\u00fcrde. Die Kenntnis \u00fcber Silibinin ist also auch auf den ausf\u00fchrenden Ebenen angekommen, sogar auf der Wikipedia kann man das finden (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Silibinin\">Link<\/a>)!<\/p>\n<p>Und das wei\u00df Herr Hom-Frass nicht, der den Artikel als Hauptautor geschrieben hat?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde es die Argumentation pro Hom\u00f6opathie empfindlich st\u00f6ren, wenn man davon ausgehen m\u00fcsste, den Patientinnen auch ein wirksames konventionelles Mittel verabreicht zu haben, das durchaus in der Lage zu sein scheint, als alleinige Intervention \u00fcber eine ausreichende Wirksamkeit zu verf\u00fcgen. Dann m\u00fcsste die Schlussfolgerung n\u00e4mlich etwa so lauten, wie zum Beispiel hier, in einer anderen Arbeit [3]:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8218;Wie immer im Falle von mehrfachen Interventionen, besonders wenn es keine belastbaren Studien gibt, ist es schwierig festzustellen, welche Therapie die Hauptrolle bei der Heilung der Patienten spielte. Aufgrund unserer eigenen Erfahrung und aufgrund von Daten in der Literatur glauben wir, dass Silibinin eine bedeutende Rolle darin spielen k\u00f6nnte, das noch nicht angegriffene Lebergewebe zu sch\u00fctzen. Wir glauben jedoch, dass es weiterer Studien bedarf, um diese Hypothese zu best\u00e4tigen.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Das ist die Schlussfolgerung ebenfalls aus einer Ver\u00f6ffentlichung von einer Fallstudie, die eine vierk\u00f6pfige Familie betrachtete, die sich ebenfalls eine Vergiftung durch Verzehr von Knollenbl\u00e4tterpilzen zugezogen hatte, nur war hier die Wirksamkeit von Silibinin Gegenstand der Untersuchung. Alle Patienten \u00fcberlebten und waren nach zwei Monaten vollkommen ohne Befund [3]. Die Ver\u00f6ffentlichung stammt aus dem Jahr 1996.<\/p>\n<p>Man beachte: Hier wird die Fallstudie nur dazu genutzt, eine Hypothese \u00fcber die Wirksamkeit des betrachteten Medikaments aufzustellen, die nat\u00fcrlich in weiteren Studien verifiziert werden m\u00fcsste. Dass das nicht so einfach geht, liegt aber auf der Hand. Man m\u00fcsste ja zwei Gruppen bilden, deren eine kein Silibinin erh\u00e4lt. Da dies aber als potenziell wirksam erkannt ist, kann man es einem Patienten aus ethischen Gr\u00fcnden nicht vorenthalten, denn dies h\u00e4tte mit einiger Wahrscheinlichkeit den sicheren Tod zur Folge. Dem kann keine Ethikkommission der Welt zustimmen. Dennoch bleiben die Autoren hier dabei, nur eine Hypothese aufzustellen,<em> &#8218;unser Ergebnis deutet darauf hin, dass\u00a0 dieser Sachverhalt gegeben sein K\u00d6NNTE. Weiteres erst, wenn es genauer untersucht ist.&#8216;<\/em><\/p>\n<p>Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Gibt man die Schlagw\u00f6rter &#8218;Silibinin Study Amanita Phalloides&#8216; in Google Scholar ein, erh\u00e4lt man (Aug. 2014) rund 200 Ergebnisse. Das Erste ist eine retrospektive Studie von 18 F\u00e4llen aus den Jahren 1980 und 1981, also die Betrachtung der Krankheitsverl\u00e4ufe, wie sie ohne einen gezielten therapeutischen Unterschied zustande gekommen sind [4]. Dort kommt man schon zu dem Schluss, dass Silibinin eine wirksame Ma\u00dfnahme zu sein scheint (man beachte den Konjunktiv!), schwere Lebersch\u00e4den zu verhindern. Etwas pikant: drei der vier Autoren stammen aus Wien, der Wirkungsst\u00e4tte von Hom-Frass. (http:\/\/het.sagepub.com\/content\/2\/2\/183.short).<\/p>\n<p>Es darf in diesem Zusammenhang nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass es auch einige Arbeiten gibt, bei denen Silibinin nicht so erfolgreich angewendet wurde. Retrospektive Studien haben eben auch ihre Schw\u00e4chen, da sich die Gruppeneinteilung nach den Kriterien erfolgreich \/ nicht erfolgreich ergibt. Diese k\u00f6nnten ja von ganz anderen, in der Studie vielleicht \u00fcbersehenen oder unbekannten Einfl\u00fcssen herr\u00fchren.<\/p>\n<p>Ich will erst gar nicht den Versuch machen, die verschiedenen Arbeiten zu werten und zu einer Beurteilung zu kommen. Man macht aber in dieser Situation sicher keinen Fehler, wenn man unterstellt, dass es sich bei Silibinin wahrscheinlich um eine wirksame Substanz bei Vergiftungen durch Knollenbl\u00e4tterpilze handelt. Dann ist es aber falsch, auf eine positive Wirkung der Hom\u00f6opathie zu schlie\u00dfen. Hom-Frass h\u00e4tte sich \u00e4hnlich vorsichtig und zur\u00fcckhaltend \u00e4u\u00dfern m\u00fcssen, wie es die Autoren der oben zitierten Silibinin-Fallstudie getan haben.<\/p>\n<p>Fazit soweit:<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Vertreter der evidenzbasierten Medizin w\u00e4re es undenkbar, zun\u00e4chst die m\u00f6gliche Wirksamkeit des Silibinin in der Arbeit nicht zu erw\u00e4hnen, um dann die nicht zutreffende Schlussfolgerung zu ziehen, dass es die Hom\u00f6opathie war, die im Zusammenspiel den gl\u00fccklichen Ausgang herbeigef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p><strong>Vergleichsbasis der Wirksamkeit<\/strong><\/p>\n<p>Aber selbst, wenn man diesen starken Vorbehalt nicht in Erw\u00e4gung ziehen m\u00fcsste &#8211; was ist die Aussagekraft einer Fallstudie, oder auch einer Sammlung von solchen?<\/p>\n<p>Jede positive Bewertung der Wirksamkeit einer Behandlung beinhaltet einen Vergleich, n\u00e4mlich die Aussage, dass ohne die fragliche Behandlung ein anderes Ergebnis eingetreten w\u00e4re. Nur, in einer Fallstudie, oder auch in mehreren, gibt es keinen Vergleich.<\/p>\n<p>Im zweiten Fall, der hier dargestellt wird, klingt zwar ein Vergleich ein wenig an, aber es werden keine Angaben gemacht, aus denen geschlossen werden k\u00f6nnte, dass man nicht \u00c4pfel mit Birnen vergleicht. Die betrachtete Patientin war immerhin schon 69, ein Alter also, das nicht so ganz spurlos an einem vor\u00fcbergeht. Wenn die anderen drei Leute, die von diesem Pilzgericht gegessen hatten, im gleichen Alter waren, h\u00e4tten durchaus auch ung\u00fcnstige allgemeine gesundheitliche Voraussetzungen vorliegen k\u00f6nnen. Oder hatten sie einfach mehr Pilze gegessen? Wurden Behandlungsfehler gemacht, schlie\u00dflich sind sie offenbar nicht in die Intensivmedizin in Wien eingeliefert worden? Zumindest wird solches nicht erw\u00e4hnt. Aussagekr\u00e4ftige Vergleiche erfordern vergleichbare Gruppen, was hier nicht unbedingt gegeben war.<\/p>\n<p>Man erf\u00e4hrt von Hom-Frass nichts dergleichen &#8211; man kann vermuten, dass diese Angaben nur deshalb in die Arbeit aufgenommen wurden, um den berichteten Erfolg noch bedeutender aussehen zu lassen. Mehr gibt der Hinweis nicht her.<\/p>\n<p>Hat man aber erst einmal diesen Verdacht gefasst, dann bemerkt man auch kleine unterschwellige Anspielungen, die den Leser unbemerkt auf die Wohltaten der Hom\u00f6opathie sto\u00dfen. So wird Tag 6 bei Patientin 2 nicht einfach so angesprochen, oder ausgesagt, dass dies der Tag ist, an dem sich ein Besserung meistens zeigt, nein, dies ist &#8218;<em>ein Tag nach der Gabe des Phosphor C200<\/em>&#8218;.<\/p>\n<p>Um \u00fcberhaupt einen Vergleich durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, sind mehr Angaben n\u00f6tig, als nur die vorgestellten F\u00e4lle. Klinische Studien in randomisierter, doppelt verblindeter und placebokontrollierter Vorgehensweise wollen nur sicherstellen, dass diese Daten auch so ermittelt wurden, dass sie zweifelsfrei auf die Behandlung als Ursache zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Aber auch ohne einen solchen Aufwand braucht man vier Angaben, um \u00fcberhaupt eine Aussage treffen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>(1) Nat\u00fcrlich braucht man die Zahl der erfolgreich hom\u00f6opathisch behandelten Patienten, wenn schon aus keiner Studie, dann vielleicht aus der Krankenstatistik der Intensivstation oder vielleicht sogar aus mehreren.<\/p>\n<p>(2) Machen wir ein kleines Gedankenexperiment: Hier wurde von zwei F\u00e4llen berichtet, die erfolgreich behandelt wurden. Was w\u00fcrden Sie sagen, wenn Sie w\u00fcssten, dass dies die einzigen zwei \u00dcberlebenden waren, weitere 18 Patienten aber mit dieser Behandlung verstorben sind? Dies w\u00fcrde doch die Erfolgsgeschichte stark relativieren, finden Sie nicht? Daher ist die zweite f\u00fcr einen Vergleich wichtige Angabe die Zahl derjenigen Patienten, die sich einer solchen Behandlung unterzogen haben, aber eben nicht davon profitiert haben.<\/p>\n<p>(3) Hilft es weiter, wenn man w\u00fcsste, dass ohne die additive hom\u00f6opathische Behandlung nur ein Patient \u00fcberlebt hat? Immerhin nur halb so viele, wie mit Hom\u00f6opathie? Sieht zwar zun\u00e4chst gut aus, aber wenn &#8230;.<\/p>\n<p>(4) die Anzahl der Patienten, die ohne Hom\u00f6opathika verstorben sind, nur vier betr\u00e4gt? Dann haben immerhin 20 % (1 von 5) der Patienten unter ausschlie\u00dflich konventioneller Behandlung \u00fcberlebt, mit der additiven Hom\u00f6opathie nur 10 % (2 von 20).<\/p>\n<p>Wie dieses Beispiel zeigen sollte, k\u00f6nnen Sie keinen irgendwie belastbaren Vergleich anstellen, wenn Sie nicht alle vier Zahlen zur Verf\u00fcgung haben. Auch wenn man nur die Prozentzahlen hat, ist der Vergleich kaum m\u00f6glich. Denn zumeist wird ja in der Berichterstattung weggelassen, worauf sich die Prozente beziehen, also um welche Gesamtzahl es geht. Und glauben Sie mir: Leute, die ein Ergebnis sch\u00f6nreden wollen, k\u00f6nnen da ganz sch\u00f6n erfinderisch sein. Au\u00dferdem t\u00e4uschen reine Prozentzahlen immer dar\u00fcber, wie gro\u00df ein Effekt tats\u00e4chlich ist: eine Steigerung von 1 auf 2 sind eben auch 100 %.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn Hom-Frass eine solche Betrachtung angestellt h\u00e4tte? W\u00e4re seine Schlussfolgerung dann gerechtfertigt?<\/p>\n<p>Eher nicht.<\/p>\n<p>Es ist immer noch ein Zufallsergebnis, bei dem man unkontrollierte Bedingungen vorliegen hat, die sich in beiden Gruppen unterscheiden. Alter, Vorerkrankungen, Intensit\u00e4t der Vergiftung, K\u00f6rpergewicht, sonstige Risikofaktoren, das alles kann sich zwischen den beiden Kollektiven unterscheiden, diese Probleme kann man nur unter kontrollierten Studienbedingungen sicher vermeiden.<\/p>\n<p>Daher kann auch das Ergebnis einer solchen Fallbetrachtung, selbst wenn es f\u00fcr die Hom\u00f6opathie positiv ausgegangen w\u00e4re, nicht als Nachweis f\u00fcr die Wirksamkeit gelten. Man kann allenfalls die Schlussfolgerung draus ziehen, dass hier ein Effekt vorliegen K\u00d6NNTE, und es vielleicht sinnvoll W\u00c4RE, dies n\u00e4her zu untersuchen &#8211; eben in einer klinischen Studie. Aber ob Vergiftungen mit dem Gr\u00fcnen Knollenbl\u00e4tterpilz \u00fcberhaupt h\u00e4ufig genug auftreten, dass man gen\u00fcgend Teilnehmer f\u00fcr eine Studie h\u00e4tte, ist von hier nicht absch\u00e4tzbar.<\/p>\n<p>Aber auf jeden Fall sollten Herr Med-Frass und Herr Hom-Frass vielleicht mal ein ernstes W\u00f6rtchen miteinander reden. Dabei zuzuh\u00f6ren w\u00e4re wesentlich interessanter als das eher harmonische Miteinander im <em>DerStandard.at<\/em>-Interview.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag (16.12.2014):<\/strong><\/p>\n<p>Soeben hat das Ochsner-Journal meinen Leserbrief zu diesem Aufsatz ver\u00f6ffentlicht, zusammen mit einer Antwort der Autoren [5]. Trotz des anscheinend gewollten Missverstehens meines Eingangsstatements, rudern die Autoren doch etwas dahingehend zur\u00fcck, dass sie ihre Schlussfolgerung etwas vorsichtiger h\u00e4tten formulieren sollen (<a href=\"http:\/\/www.ochsnerjournal.org\/content\/14\/4\/517\">Link<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>[1] Frass M, Zagorchev P, Yurukowa V et al.: Two Cases of Fulminant Hepatic Failure from Amanita phalloides Poisoning Treated Additively by Homeopathy; The Ochsner Journal (2014); 14: 252-258, <a href=\"http:\/\/www.ochsnerjournal.org\/content\/14\/2\/252\">Link<\/a><\/p>\n<p>[2] Daunderer: Klinische Toxikologie, Erg\u00e4nzungslieferung 9\/95, Kapitel Knollenbl\u00e4tterpilz III-11.3.1, <a href=\"http:\/\/toxcenter.org\/klin-tox\/pflanzen\/knollenblaetterpilz.pdf\">Link<\/a><\/p>\n<p>[3] Carducci R, Armellino MF, Volpe C, et al.: Sibilinin and acute poisoning with Amanita phalloides, Minerva Anestesiologica (<span class=\"abs_nonlink_metadata\">1996), 62(5):187-193, <a href=\"http:\/\/europepmc.org\/abstract\/MED\/8937042\">Link<\/a><\/span><\/p>\n<p>[4] Hruby K, Csemos G, Fuhrmann M, Thaler H: Chemotherapy of Amanita phalloides Poisoning with Intravenous Silibinin, Hum Exp Toxicol (1983) 2(2): 183 &#8211; 195, <a href=\"http:\/\/het.sagepub.com\/content\/2\/2\/183.short\" class=\"broken_link\">Link<\/a><\/p>\n<p>[5]\u00a0 Aust N: Comments on Your Recent Publication on Homeopathic Treatment of Amanita Phalloides Poisoning, in: Ronald GA Letters to the Editor. The Ochsner Journal: Winter 2014, Vol. 14, No. 4, pp. 517-520.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es verschiedene Michael Frass, die als Intensivmediziner t\u00e4tig sind &#8211; und, wenn ja, wie viele sind es? 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