{"id":1853,"date":"2014-04-15T20:02:29","date_gmt":"2014-04-15T18:02:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=1853"},"modified":"2019-12-04T19:36:41","modified_gmt":"2019-12-04T18:36:41","slug":"homoeopathie-bei-schwerer-sepsis-blutvergiftung-frass-2005","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=1853","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie bei schwerer Sepsis (Blutvergiftung) &#8211; Frass (2005)"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D1853\" data-timestamp=\"1575488201\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D1853\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 151<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D1853&text=Hom%C3%B6opathie%20bei%20schwerer%20Sepsis%20%28Blutvergiftung%29%20%E2%80%93%20Frass%20%282005%29\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>Nachdem die Hom\u00f6o-Akademie in Traunstein &#8211; zumindest vorerst &#8211; verhindert ist,\u00a0soll dieser Blog verst\u00e4rkt wieder seinem eigentlichen Zweck nachkommen, n\u00e4mlich \u00fcber die verschiedenen angeblichen Nachweise zur Wirksamkeit hom\u00f6opathischer\u00a0Medikamente zu berichten. Diese Gemeinschaftsarbeit von Ute Parsch und mir\u00a0\u00a0wurde durch einen der vielen, vielen im Internet von angeblichen Experten in irgendwelchen Frageportalen publizierten Ratschl\u00e4ge angeregt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>(Edit 28.082016<\/strong> Bitte beachten: Inzwischen liegt eine Stellungnahme des Studienautors, Professor Frass, vor: siehe <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=2939\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Die Berliner Heilpraktikerin Andra Dattler schreibt als \u201eExpertin f\u00fcr Hom\u00f6opathie\u201c auf dem laut Eigenbezeichnung f\u00fchrenden deutschen Online-Expertenportal \u201eexperto\u201c <span style=\"color: #333333;\">(Link, Edit 18.02.2017: Link inzwischen erloschen)<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Und wenn ich einmal mit einer Sepsis in der Klinik liegen sollte, werde ich auf hom\u00f6opathische Behandlung bestehen! &#8222;<\/em><\/p>\n<p>Zu dieser Aussage bewegt sie eine Studie, die unter der Leitung von Professor Frass an der Universit\u00e4tsklinik Wien durchgef\u00fchrt wurde. Und ohne der Besprechung der Studie vorgreifen zu wollen: Es w\u00e4re Frau Dattler im eigenen Interesse dringend angeraten, sich selbst intensiv mit dieser Arbeit auseinander zu setzen, wie\u00a0wir das im folgenden Beitrag gleich tun werden, um im Falle einer solch schweren Erkrankung keine falschen Entscheidungen zu treffen. Noch besser w\u00e4re es f\u00fcr die Leser dieses &#8222;Expertenportals&#8220;, wenn dort keine derartig missverst\u00e4ndlichen und deshalb lebensgef\u00e4hrlichen Empfehlungen zu finden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Vorab: Sie kann gerne auf einer <strong>zus\u00e4tzlichen<\/strong> hom\u00f6opathischen Behandlung bestehen -aber diese <strong>anstelle<\/strong> der konventionellen Behandlung zu verlangen\u00a0w\u00e4re Selbstmord, oder, wenn sie f\u00fcr jemand anderen handelt, Kinder oder andere Angeh\u00f6rige, schlichter und einfacher Mord bzw. Anstiftung dazu.<\/p>\n<p>Bei der zu besprechenden Studie handelt es sich um die relativ bekannte &#8222;Wiener Sepsisstudie&#8220; von M. Frass et al. aus dem Jahr 2004 [1]. In Diskussionen wird sie immer wieder unter dem Aspekt zitiert, eine \u00dcberlegenheit der Hom\u00f6opathie gegen Placebo belegen zu k\u00f6nnen, weil die Schwerstkranken auf der Intensivstation schlie\u00dflich teilweise nicht einmal etwas von der Mittelgabe merkten \u2013 und deshalb nicht einem Placeboeffekt unterliegen konnten.<\/p>\n<p>Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist eine sehr ernsthafte Komplikation. Nach Wikipedia (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sepsis\">Link<\/a>) unterscheidet man vier unterschiedliche Schweregrade, die beiden schwereren erfordern eine Behandlung auf der Intensivstation eines Krankenhauses:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Die Intensivmedizin kann durch vor\u00fcbergehenden Ersatz oder Unterst\u00fctzung der Organfunktionen (Beatmung, Nierenersatztherapie, Kreislauftherapie, Gerinnungstherapie) kritische Phasen \u00fcberbr\u00fccken. Trotzdem ist die Sepsis als eine sehr schwere Erkrankung zu werten und die Prognose \u00e4u\u00dferst ernst: 30\u201350\u00a0% der Erkrankten sterben trotz maximaler Therapie. Der fr\u00fchestm\u00f6gliche Therapiebeginn ist entscheidend f\u00fcr ein \u00dcberleben. In Deutschland erkranken j\u00e4hrlich 150.000 Menschen an einer Sepsis; 56.300 davon sterben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Hier geht es also beileibe nicht um irgendeine harmlose Befindlichkeitsst\u00f6rung, bei einer schweren Sepsis ist der\u00a0K\u00f6rper des Patienten gerade dabei, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck den Betrieb einzustellen.<\/p>\n<p><strong>Worum es in dieser Studie geht, ist schnell erkl\u00e4rt:<\/strong><\/p>\n<p>67 Patienten mit schwerer\u00a0Sepsis erhielten w\u00e4hrend ihres Aufenthaltes auf der Intensivstation zus\u00e4tzlich zur normalen Behandlung mit Antibiotika entweder eine hom\u00f6opathische Behandlung (C 200, 5 Globuli insgesamt, Intervall alle 12 Stunden) oder Placebo. Verglichen wurden die \u00dcberlebensraten der beiden Gruppen nach 30 und nach 180 Tagen.<\/p>\n<p>Die Autoren fassen ihre Ergebnisse wie folgt zusammen (\u00dcbersetzung von mir (UP)):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Nach 30 Tagen war nur ein leichter, nicht signifikanter Trend f\u00fcr die Hom\u00f6opathie auszumachen (verum 81.8%, placebo 67.7%, P= 0.19).<\/em><br \/>\n<em>Nach 180 Tagen war die \u00dcberlebensrate in der Hom\u00f6opathiegruppe statistisch signifikant h\u00f6her als die in der Placebogruppe (75.8% im Vergleich zu 50.0%, P = 0.043). &#8222;<\/em><\/p>\n<p><strong>Ein wichtiger Hinweis<\/strong><\/p>\n<p>Das erste, worauf\u00a0wir gezielt und ganz unabh\u00e4ngig von der Besprechung der Studie selbst aufmerksam machen m\u00f6chten: In der Studie steht explizit &#8222;All patients received antibiotic therapy&#8220; (&#8222;Alle Patienten erhielten eine Behandlung mit Antibiotika.&#8220;).\u00a0 Frau Dattler sollte diesen Satz f\u00fcr sich besonders vermerken &#8211; und auch in ihrem Internetbeitrag un\u00fcbersehbar herausstellen, denn bislang erf\u00e4hrt der Patient auf dem oben zitierten Online-Expertenportal\u00a0dies mit keinem Wort.<\/p>\n<p>Um es noch einmal deutlich zu machen: Die Apotheken Umschau warnt ihre Leser, eine Blutvergiftung nicht zu untersch\u00e4tzen (<a href=\"http:\/\/www.apotheken-umschau.de\/blutvergiftung\">Link<\/a>):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Die Sepsis wird in ihrer Gef\u00e4hrlichkeit von vielen Menschen untersch\u00e4tzt. Die wenigsten wissen, dass sich die Blutvergiftung immerhin auf Platz drei der h\u00e4ufigsten Todesursachen in Deutschland findet \u2013 nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Jedes Jahr sterben hierzulande etwa 60.000 Patienten an einer Sepsis. &#8222;<\/em><\/p>\n<p>Und sie erkl\u00e4rt sehr anschaulich, um welch schweres Krankheitsbild es bei einer schweren Sepsis geht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Die Blutvergiftung kann zum septischen Schock f\u00fchren: Der Blutdruck sinkt stark ab, der Puls wird schnell, und das \u00fcber l\u00e4ngere Zeit. Diese gef\u00e4hrliche Situation ist ohne Medikamente nicht zu beheben. Mediziner sprechen von einer schweren Sepsis, wenn lebenswichtige Organe nicht mehr richtig arbeiten. Schlimmstenfalls kommt es zu einem Nieren-, Lungen-, Herz- und Leberversagen (Multiorganversagen).&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Wie geschildert, geht es auch in der hier vorgestellten Studie um eine \u00dcberlebensrate, selbst unter Antibiotikabehandlung. Es w\u00e4re ein schwerer, absolut lebensgef\u00e4hrlicher Fehler, im Falle einer Sepsis die Antibiotika zu verweigern und stattdessen auf einer &#8222;hom\u00f6opathischen Behandlung&#8220; zu bestehen. Leider wird die Tatsache, dass es sich in der zitierten Studie um eine &#8222;Add-On&#8220;-Behandlung handelte, bei experto.de mit keinem Wort erw\u00e4hnt. Zu blo\u00dfem Werbezweck f\u00fcr die Hom\u00f6opathie wird hier also das Risiko zumindest billigend in Kauf genommen, dass der Leser den Eindruck gewinnt, in der Studie seien die Sepsis-Patienten rein hom\u00f6opathisch behandelt worden.\u00a0Wir finden eine solche Darstellung faktenverzerrend und absolut fahrl\u00e4ssig. Wir werden Frau Dattler auf diesen Blogbeitrag aufmerksam machen und ihr die m\u00f6glichen Konsequenzen deutlich vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die zitierte Berichterstattung ist den Autoren der Studie selbst nat\u00fcrlich in keiner Weise vorzuwerfen, wenn auch in der Studie selbst dieser Umstand nicht gerade sehr deutlich nur in\u00a0wenigen kurzen Statements mitgeteilt wird. Sie zeigt aber, zu welchem Wildwuchs es f\u00fchrt, wenn Hom\u00f6opathiestudien auch an schwerstkranken Patienten durchgef\u00fchrt werden und die zust\u00e4ndigen Verb\u00e4nde und Therapeuten nicht verantwortungsvoll auf eine saubere Darstellung der M\u00f6glichkeiten eines Verfahrens in den Medien achten.<\/p>\n<p>Nach diesem Hinweis, sozusagen zum &#8222;Don\u2019t try this at home&#8220;, nun aber zur eigentlichen Besprechung der Studie und der Frage, wie aussagekr\u00e4ftig das oben genannte Ergebnis zur Hom\u00f6opathie als &#8222;Add-On&#8220; denn nun wirklich ist.<\/p>\n<p><strong>Betrachtung der Studie<\/strong><\/p>\n<p>In dieser Studie geht es laut Titel um die Behandlung von &#8222;patients with severe sepsis&#8220; &#8211; Patienten mit schwerer Sepsis. Da f\u00e4llt dann schon einigerma\u00dfen \u00fcberraschend auf, dass anscheinend gar nicht alle Patienten an einer Sepsis litten. Diese Information entnimmt man aber Tabelle 1 auf Seite 3 von 6, links oben &#8222;Baseline demographic characteristics&#8220;. In dieser Tabelle sehen wir den &#8222;Reason for admission&#8220;, also den &#8222;Grund der Einweisung&#8220;. Nach dem Titel der Studie w\u00fcrde man nun erwarten, dass die Studie hier verschiedene Arten oder Schweregrade der Sepsis auflistet, von denen die Patienten betroffen waren.<\/p>\n<p>Das ist aber nicht so. Es gab zwar Patienten mit &#8222;Sepsis&#8220; (Blutvergiftung) &#8211; von denen in der Folge 19 zus\u00e4tzlich mit Hom\u00f6opathika behandelt werden, 21 mit Placebos. Daneben gab es aber auch Patienten mit &#8222;Respiratory insufficiency&#8220; , also Atemwegsbeschwerden, davon 12 in der Hom\u00f6opathiegruppe, 10 in der Placebogruppe; und nicht n\u00e4her bestimmte &#8222;Andere&#8220;, was immer man darunter verstehen soll, von denen zwei Patienten mit Hom\u00f6opathie, drei mit Placebo behandelt wurden.<\/p>\n<p>Von den 33 Patienten der Hom\u00f6opathiegruppe und den 34 der Placebogruppe haben also gerade einmal rund zwei Drittel die Diagnose, die im Titel der Studie genannt wird. Von einem Teil der Patienten erfahren wir \u00fcberhaupt nicht, wie ihre Diagnose lautete und ob sie entsprechend vergleichbar war.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das: Auch Sepsis ist nicht gleich Sepsis, wie sich eigentlich direkt aus obiger Beschreibung des Krankheitsbildes in der Apotheken-Umschau entnehmen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Folgendes Zitat der Pharma-Zeitung anl\u00e4sslich des Welt-Sepsis-Tages mag das noch erl\u00e4utern (<a href=\"http:\/\/www.pharma-zeitung.de\/erster-welt-sepsis-tag-mit-veranstaltungen-weltwei.4853.php\">Link<\/a>):<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Sepsis ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, bei dem die Antwort des K\u00f6rpers auf eine Infektion zur Sch\u00e4digung von Geweben und Organen f\u00fchrt. (\u2026)Da es sich um einen medizinischen Notfall handelt, spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Erfolgt die Diagnosestellung und Behandlung innerhalb der ersten Stunde der Infektion, liegt die \u00dcberlebensrate bei \u00fcber 80%. Nach sechs Stunden betr\u00e4gt die \u00dcberlebensrate bereits nur noch 30%.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Es gibt verschiedene ausl\u00f6sende Faktoren f\u00fcr Sepsis, verschiedene Arten, wie die Infektion in die Blutbahn ger\u00e4t, die leider unterschiedlich gute \u00dcberlebensprognosen haben. Blutvergiftungen, deren Infektionsherd klar ersichtlich ist und die schnell medizinisch versorgt werden, sind erheblich leichter behandelbar als Blutvergiftungen, bei denen der Arzt sp\u00e4ter zugeschaltet wird und\/oder man noch nicht einmal genau wei\u00df, welches Organ die Sepsis verursacht. Daneben spielt nat\u00fcrlich eine Rolle, wie gut der Patient auf das gegebene Antibiotikum anspricht, denn auch die verursachenden Keime sind verschieden. Sepsispatienten haben also eine h\u00f6chst unterschiedliche \u00dcberlebensprognose.<\/p>\n<p>Es ist ein schwerer Fehler der Studie, in den Eingangsgruppen nicht zu erfassen, welcher Art die Sepsis der Patienten war und damit ob ihre \u00dcberlebensprognose \u00fcberhaupt jemals vergleichbar war. Sepsis ist ein sehr heterogenes Problem, weil die Blutvergiftung auf alle m\u00f6glichen Arten zustande kommen kann. Bei kleinen Studien ist daher das Risiko ungleicher Ausgangsbedingungen sehr hoch. Sepsisstudien werden daher meist in gro\u00dfen Gruppen von mehreren 100 Patienten gemacht, um eine Vergleichbarkeit der Gruppen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Frass arbeitet mit seinen noch nicht einmal 70 Patienten also mit einer extrem kleinen Teilnehmerzahl. Es haben aber noch nicht einmal alle Patienten &#8222;Sepsis&#8220;, geschweige denn, dass wir erfahren, welche Art von Sepsis denn nun vorlag.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt noch einmal f\u00fcr die Auflistung der Vorerkrankungen. Wir erfahren zwar beispielsweise, dass in beiden Gruppen vergleichbar viele Patienten Krebs hatten (ein knappes Drittel), doch ist auch Krebs nicht gleich Krebs. In welchem Stadium war der Krebs? Wie wurde er behandelt? Hatten die Patienten im Studienzeitraum Operationen zu \u00fcberstehen? Oder Chemotherapie?<\/p>\n<p>Kurz: Hier fehlen wesentliche Informationen, die belegen w\u00fcrden, ob die ohnehin mit nur gut 30 Patienten extrem kleinen Gruppen bez\u00fcglich der untersuchten Eingangserkrankung \u00fcberhaupt gleichwertig waren.<\/p>\n<p>Mit dem n\u00e4chsten Abschnitt treffen wir auf den Hauptkern der Studie und werden mit der Hauptt\u00e4tigkeit der Autoren konfrontiert: Nebelwerfen, den sehr d\u00fcnnen Inhalt dieses Studienverschnitts mit einer Vielzahl bedeutungsloser Informationen und Angaben aufbl\u00e4hen. Es werden nicht weniger als 29 klinische Parameter als Eingangsdaten dargestellt, die mithin die Vergleichbarkeit der Befunde bei Einlieferung in die Intensivstation darstellen sollen &#8211; sind diese Daten aber auch f\u00fcr das Ergebnis bedeutsam, das, wie wir sp\u00e4ter noch sehen werden, eigentlich erst lange nachdem die Patienten ihre Sepsis \u00fcberwunden hatten, einen signifikanten Unterschied der Gruppen ergab?<\/p>\n<p>Nehmen wir gleich den ersten Parameter als Beispiel, den &#8218;APACHE II&#8216;-Score. APACHE steht als Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;acute physiology and chronic health evaluation&#8220;. Hiermit wird auf Intensivstationen aufgrund mehrerer am Patienten ermittelter Kennwerte eine Bewertungszahl (&#8217;score&#8216;) gebildet, die als ein rasch zu ermittelnder Kennwert f\u00fcr die Schwere der Krankheit gilt und eine Prognose\u00a0f\u00fcr die \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit zul\u00e4sst. Ein \u00dcberblick hier\u00fcber findet sich in der Wikipedia (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apache_II\">Link<\/a>). Im Rahmen\u00a0mehr oder weniger gro\u00dfer statistischer Schwankungen\u00a0betr\u00e4gt beispielsweise bei einem APACHE II-Score von 25 das Todesrisiko etwa 55%. Das hei\u00dft, von einer (gro\u00dfen) Anzahl von Patienten mit diesem Kennwert \u00fcberleben mehr als die H\u00e4lfte diese Krankheit nicht. Das bezieht sich aber nur auf den Befund, f\u00fcr den der APACHE-Score aufgestellt wurde.<\/p>\n<p>Wir wissen also aus den Angaben von Frass zum APACHE-Score, dass die Wahrscheinlichkeit, an der Sepsis zu sterben, in beiden Gruppen in etwa gleich gro\u00df war. Es bleibt aber die Frage, was dies mit dem Ergebnis der Studie \u00fcberhaupt zu tun hatte.<\/p>\n<p>Bevor wir uns aber dieser Frage zuwenden, soll anhand der von Frass angegebenen Vergleichsdaten ein Umstand zur Sprache gebracht werden, der einem in vielen Studien begegnet und einmal dargestellt werden soll.<\/p>\n<p>Zum Puls wird beispielsweise angegeben, er h\u00e4tte bei der Hom\u00f6opathiegruppe im Mittel bei 102,7 Pulsschl\u00e4gen pro Minute gelegen, in der Placebogruppe hingegen bei 112,9. Dieser Unterschied sei nicht signifikant, wie mit einem Kruskal-Wallis-Test ermittelt worden ist. Dies ist ein statistischer Signifikanztest, mit dem ermittelt werden kann, ob zwei Stichproben &#8211; wahrscheinlich &#8211; aus der gleichen Grundgesamtheit stammen. Wie gesagt, man findet solche Bewertungen \u00f6fter, das macht aber den Unsinn nicht besser. Dies sagt n\u00e4mlich nur aus, ob die ermittelten Daten durch Zufall zustande gekommen sind oder nicht &#8211; es sagt aber \u00fcberhaupt nicht, ob dies ein klinisch relevanter Unterschied ist oder nicht. Der mathematisch-statistische Test kann doch \u00fcberhaupt nichts dar\u00fcber aussagen, ob der Zustand der Patienten mit einem Puls von 112,9 deutlich bedenklicher ist als mit 102,7. Dies m\u00fcsste der \u00e4rztliche Sachverstand des Studienleiters bewerten, nicht der Statistiker im Team.\u00a0 Im Apache-Score f\u00fchrt dieser Unterschied immerhin zu einem Zuschlag von zwei Punkten, scheint also doch einige Relevanz f\u00fcr das Krankengeschehen zu haben.<\/p>\n<p>Ganz platt: Dass die Patienten beider Gruppen aus der gleichen Grundgesamtheit stammen, braucht nicht mit einem statistischen Test nachgewiesen zu werden, die Gruppen sind ja auf diese Weise zustande gekommen. F\u00fcr die medizinische Bedeutung des Unterschiedes kann die Statistik hingegen keine Aussage machen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Studie:<\/p>\n<p>Als einziges Ergebnis der Studie wird die \u00dcberlebensrate nach 30 Tagen und nach 180 Tagen gegeben (Tabelle &#8222;Survival&#8220; auf Seite 4 von 6). Diese Tabelle ist ein Zweizeiler und ist damit die vollumf\u00e4ngliche Darstellung\u00a0der kompletten\u00a0Studienergebnisse. Es ist anzunehmen, dass es den Autoren auch aufgefallen ist, dass dies ein wenig d\u00fcrftig ist, weshalb die Studie dann, wie weiter unten gezeigt wird,\u00a0mit weiteren unbedeutenden Informationen gef\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Nach 30 Tagen ergibt sich kein statistisch signifikanter Unterschied. Nur nach 180 Tagen ergibt sich ein statistisch signifikanter Vorteil f\u00fcr die Hom\u00f6opathiegruppe (25 im Vergleich zu 17 Patienten haben \u00fcberlebt).<\/p>\n<p>Es sei am Rande darauf hingewiesen, dass in diesem Falle bei dem Ergebnis eine statistische Korrektur wegen der multiplen Hypothesen notwendig w\u00e4re, denn wenn man mehrere (unabbh\u00e4ngige) Einzelergebnisse auf Signifikanz testet, steigt die Wahrscheinlichkeit, aus Zufall ein falsch-positives Ergebnis zu erhalten. Ob Frass diese Korrektur ber\u00fccksichtigt hat? Fraglich, denn dies wird nicht berichtet, was Autoren normalerweise voller Stolz tun, wenn ihr Ergebnis trotz dieser Schwierigkeit signifikant bleibt. Wir k\u00f6nnen die Zahlenwerte nicht nachpr\u00fcfen, daher muss die Frage offen bleiben. Aber dies ist ohnehin nur ein Nebenkriegsschauplatz.<\/p>\n<p>Die Frage ist jetzt aber dennoch, ist dieser Unterschied notwendigerweise auf die Hom\u00f6opathika zur\u00fcckzuf\u00fchren? Nein, keineswegs.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal: 180 Tage sind f\u00fcr Sepsis aufgrund der Schwere der Erkrankung ein h\u00f6chst ungew\u00f6hnlicher Auswertezeitpunkt. Wie oben zitiert, entscheiden oft die ersten Behandlungsstunden, maximal -tage, ob ein Patient \u00fcberlebt. Je schneller die \u00c4rzte den Patienten stabilisieren k\u00f6nnen, desto geringer sind Sterberaten und organische Folgesch\u00e4den. \u00dcbliche Beobachtungsdauern in Sepsisstudien liegen daher sogar noch unter den 30 Tagen des ersten Vergleichspunktes.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, offenbar ist die Sepsis ein vergleichsweise kurzfristiges Ph\u00e4nomen. Wenn es \u00fcblicherweise ausreicht, entsprechende Studien schon nach weniger als drei\u00dfig Tagen zu beenden, dann hei\u00dft das auch, dass sich die Krankheit im Wesentlichen innerhalb dieser Zeitspanne abspielt. Entweder hat man bis dahin\u00a0seine Sepsis \u00fcberstanden oder man ist tot. Wenn das so ist &#8211; warum betrachtet Frass dann\u00a0\u00a0diesen ungew\u00f6hnlich langen Zeitraum<span style=\"color: #333333;\">? <\/span><\/p>\n<p>Frass gibt keinen Grund hierf\u00fcr an. Wenn er so weit wie hier von den \u00fcblichen Gepflogenheiten abweicht, dann muss er dies begr\u00fcnden. Insbesondere muss er den Zusammenhang herstellen, warum die Todesf\u00e4lle so weit nach Ende der Sepsisbehandlung auf diese zur\u00fcckzuf\u00fchren sein sollten.<\/p>\n<p>Wie kommt Frass also \u00fcberhaupt auf die Idee, einen solch ungew\u00f6hnlichen Zeitpunkt zu betrachten? Der Leser erf\u00e4hrt es nicht. Die Frage, ob Frass noch weitere Zeitpunkte betrachtet hat oder ob es gar noch mehr verglichene Parameter gab, dr\u00e4ngt sich ob eines solch ungew\u00f6hnlichen Ergebniswertes auf und kann ohne die geringste Stellungnahme der Autoren zu dieser Frage auch nicht verworfen werden.\u00a0\u00a0Dann w\u00fcrde das Resultat in die Kategorie &#8218;Cherrypicking&#8216; fallen, das hei\u00dft, es werden die vielleicht wenigen positiven Resultate dargestellt &#8211; und die weniger vorteilhaften verschweigen. Wie gesagt, dies ist eine Deutungsm\u00f6glichkeit, die ohne eine Stellungnahme der Autoren nicht ausgeschlossen werden kann &#8211; auf keinen Fall eine Behauptung, dass dies als Tatsache zutrifft.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist auch eine langfristige \u00dcberlebensrate f\u00fcr den Patienten interessant, doch m\u00fcsste Frass hier ausf\u00fchrlich begr\u00fcnden und mit seinen Daten belegen, warum er diesen Zeitpunkt bereits <span style=\"text-decoration: underline;\">vor<\/span> Studiendurchf\u00fchrung gew\u00e4hlt hatte und warum er davon ausgeht, dass es nicht andere, zum Beispiel mit der Grunderkrankung des Patienten zusammenh\u00e4ngende Ursachen waren, die langfristig zum Tode der Patienten f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Und an dieser Stelle ist einfach nur anzumerken: Der Diskussionsteil dieser Studie ist ein Witz. Mit <em>keinem Wort<\/em> geht Frass \u00fcberhaupt auf die Todesursachen der Patienten ein. Es wird einfach nur ein Zahlenwert genannt &#8211; und das, obwohl Tabelle 1 zu entnehmen ist, dass die Patienten zum Teil lebensgef\u00e4hrliche Grunderkrankungen haben, rund ein Drittel hat Krebs.<\/p>\n<p>Normalerweise dient der Diskussionsteil einer Studie der Analyse und Besprechung der vorgelegten Daten. Frass begn\u00fcgt sich hier \u00fcber weite Strecken lieber mit allgemein gehaltenen Ratschl\u00e4gen, wie denn Patienten mit schwerer Sepsis medizinisch (nicht hom\u00f6opathisch!) in der Intensivmedizin zu betreuen seien. Diese Passagen k\u00f6nnten ebenso unver\u00e4ndert in einem Vorlesungstext oder einem allgemeinen Lehrbuch stehen. Ihre Aussagekraft f\u00fcr die Bewertung der vorliegenden Daten ist gleich Null und es ist nicht nachzuvollziehen, warum hier das Papier mit Informationen gef\u00fcllt wird, die f\u00fcr die gemachten Schlussfolgerungen so komplett irrelevant sind, w\u00e4hrend ganz wichtige Fragen offen bleiben.<\/p>\n<p>Die wenigen Aussagen, die sich explizit auf die vorgelegten Daten beziehen, bleiben unverst\u00e4ndlich bzw. sind nicht korrekt.<\/p>\n<p>Den nicht statistisch signifikanten Unterschied nach 30 Tagen stellt Frass als &#8222;Trend&#8220; dar.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;On day 30, there was non-statistically significantly trend of survival in favour of homeopathy.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Das ist leider so nicht haltbar. Ein statistisch nicht signifikantes Ergebnis ist genau das; es kann mit einer Wahrscheinlichkeit, die \u00fcber dem Signifikanzniveau liegt, zuf\u00e4llig zustande gekommen sein. Ein erfahrener Wissenschaftler wie Frass muss eigentlich wissen, dass man aus solchen Daten keinen &#8222;Trend&#8220; ablesen kann.<\/p>\n<p>Daneben \u00fcberrascht auch der einzige Kommentar zur Vergleichbarkeit der beiden Gruppen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Confounding factors include that placebo patients were more seriously affected in terms of heart rate and leukocyte count. However, there was no significant difference in the means of these variables.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>&#8222;Zu den St\u00f6rfaktoren z\u00e4hlt, dass die Placebo-Patienten bez\u00fcglich Puls und Anzahl der Leukozyten schwerer betroffen waren. Jedoch gab es bei diesen Werten keinen signifikanten Unterschied&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Blickt man indes in Tabelle 2, in der die klinischen Messwerte der Gruppen verglichen werden, so gibt es einen einzigen Wert, bei dem sich die Gruppen statistisch signifikant unterscheiden: Mit P = 0,033 ist die Herzschlagfrequenz in der Placebogruppe bei statistisch signifikant mehr Patienten \u00fcber 90 Schl\u00e4gen pro Minute als in der Hom\u00f6opathiegruppe. Es war zwar nicht der Wert signifikant unterschiedlich, sehr wohl aber die Zahl der davon betroffenen Patienten. Warum Frass hier ausschlie\u00dft, dass dies auf das Endergebnis einen Einfluss gehabt hat, verr\u00e4t er uns nicht. Wobei wir schon oben \u00fcber die Problematik geschrieben haben, die medizinische Relevanz anhand statistischer Wahrscheinlichkeiten zu bewerten.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4ren aber tats\u00e4chlich alle Aussagen im Diskussionsteil, die in irgendeiner Weise f\u00fcr die Aussagekraft dieser Studie interessant sein k\u00f6nnten, auch schon genannt und kommentiert.<\/p>\n<p>Offen bleiben dagegen wesentliche Fragen, wie:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie lange verbleiben die Patienten auf der Intensivstation?<\/li>\n<li>Bekamen alle dieselben Antbiotika? Und wie lange?<\/li>\n<li>Vertrugen alle die Antibiotika gleich gut?<\/li>\n<li>Gab es bei einigen Patienten Komplikationen bei der Behandlung und wenn ja, welche?<\/li>\n<li>Wie ver\u00e4nderten sich ihre Prognosewerte bei Entlassung aus der Intensivmedizin?<\/li>\n<li>Gab es in den Folgemonaten weitere intensivmedizinische Behandlungen der Patienten?<\/li>\n<li>Oder Behandlungen ihrer Grunderkrankungen? Bekamen zum Beispiel einige Patienten Chemotherapie? Und wie gut verkrafteten sie diese?<\/li>\n<li>Wann verstarben die Patienten?<\/li>\n<li>Was war die Todesursache?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir wissen also nicht, ob die Gruppen w\u00e4hrend und unmittelbar nach der Behandlung in der Intensivstation \u00fcberhaupt vergleichbar waren. F\u00fcr die Patienten, die die Sepsis \u00fcberlebten, sind die vielen, vielen Angaben, mit denen Frass seine Studie f\u00fcllt, nicht relevant, denn dieser Befund ist \u00fcberwunden\u00a0oder der Patient ist daran gestorben.<\/p>\n<p>Aus den Daten hingegen, die Frass zur Verf\u00fcgung stellt, ist nicht einmal ablesbar, woran die Patienten innerhalb der folgenden f\u00fcnf Monate gestorben sind,\u00a0ob die Patienten \u00fcberhaupt an Folgen ihrer Grunderkrankung oder der Sepsis starben oder gar durch ganz andere Ursachen. Ebenso gut k\u00f6nnten sie einen Unfall gehabt haben. Sie k\u00f6nnten sich eine schwere Grippe oder Lungenentz\u00fcndung\u00a0zugezogen haben oder gest\u00fcrzt sein. Wir erfahren nur, ob sie nach 180 Tagen noch am Leben waren. Die in der Studie enthaltenen Daten belegen also nicht einmal, ob ihr Tod \u00fcberhaupt in irgendeiner Weise mit der erlittenen Sepsis in Verbindung steht. Der R\u00fcckschluss, ob der Tod dann sogar auf ein Detail der Behandlung der Sepsis zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, ist noch weniger belastbar &#8211; n\u00e4mlich gar nicht.<\/p>\n<p>Vielleicht wartet Frass ja auch noch auf den ganz gro\u00dfen Schlag? Zu irgendeinem Zeitpunkt wird der letzte Patient aus der Placebogruppe gestorben sein. Wenn dann\u00a0noch mindestens ein Mitglied der Hom\u00f6opathiegruppe\u00a0lebt &#8211; dann ist das doch ein b\u00e4renstarker Nachweis, dass die vielleicht drei\u00dfig Jahre fr\u00fcher durchgef\u00fchrte hom\u00f6opathische Behandlung ein voller Erfolg war &#8211; schlie\u00dflich ist das Ergebnis jetzt richtig signifikant und die Odds Ratio &#8211; ein beim Zitieren von Studienergebnissen gerne genommener Ergebnisbooster &#8211; in traumhafte H\u00f6hen geschnellt.<\/p>\n<p>Generell ist es ein Fehler (oder Absicht?), die statistische Signifikanz mit Bedeutung zu \u00fcberfrachten. Diese sagt ausschlie\u00dflich aus, ob ein Ergebnis wahrscheinlich durch Zufall zustande gekommen ist oder nicht. Sie sagt insbesondere nichts \u00fcber eine Kausalit\u00e4t aus, ob das bewertete Resultat auch von dem Eingriff herr\u00fchrt. Wenn die statistische Auswertung ergibt, dass das Ergebnis wahrscheinlich nicht durch Zufall entstanden ist &#8211; dann k\u00f6nnte auch ein gemeinsamer Autounfall einiger Placebo-Patienten die Ursache sein. Eine statistische Signifikanz bedeutet also keinen Beweis daf\u00fcr, dass der Gruppenunterschied auch durch das Ereignis hervorgerufen wurde, das die Autoren der Studie f\u00fcr die Ursache halten. Dies m\u00fcsste durch weitere Information bzw. durch eine geeignete Versuchsf\u00fchrung oder durch weitere Messungen best\u00e4tigt werden. Und genau da fehlt es der Arbeit ganz gewaltig.<\/p>\n<p>Aber auch aus hom\u00f6opathischer Sicht\u00a0gibt es\u00a0gravierende Auslassungen in den Informationen, die Frass dem Leser gibt:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie kann man bei mehr oder weniger nicht ansprechbaren Patienten \u00fcberhaupt eine saubere Anamnese f\u00fchren?<\/li>\n<li>Wurde nur \u00fcber die 2 \u2013 5 in Tabelle 4 genannten Symptome repertorisiert? Und wenn ja, warum gehen Frass und seine Kollegen bei einer solch ungew\u00f6hnlichen Anamnese davon aus, in absolut allen F\u00e4llen das passende Mittel gew\u00e4hlt zu haben?<\/li>\n<li>Und warum wurde dann so oft das Mittel gewechselt? In Tabelle 4 ist ersichtlich, dass f\u00fcr die 33 Patienten der Hom\u00f6opathiegruppe insgesamt 72 verschiedene Verordnungen gemacht wurden, f\u00fcr die 34 der Placebogruppe sogar 87.<\/li>\n<li>Inwiefern kann hier eigentlich noch von &#8222;klassischer Hom\u00f6opathie&#8220; gesprochen werden?<\/li>\n<li>Warum erfolgt keine Diskussion zur Auswirkung einer m\u00f6glichen Erstverschlimmerung? K\u00f6nnte die bei einem lebensbedrohlich Erkrankten nicht sehr wohl fatale Folgen haben?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kurz: Frass gibt auch hom\u00f6opathischen Kollegen keineswegs ausreichend Informationen \u00fcber den hom\u00f6opathischen Behandlungsablauf. Eine Reproduktion der Studie an einer anderen Klinik ist schon alleine dadurch erschwert, dass Frass auch seine Vorgehensweise bei der hom\u00f6opathischen Behandlung \u00fcberhaupt nicht begr\u00fcndet.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Einigen wenigen Patienten werden in dieser Studie zus\u00e4tzlich zu ihrer normalen Behandlung entweder Placebos oder 5 Globuli verabreicht. Nach einem f\u00fcr schwere Sepsis un\u00fcblichen Zeitraum wird spontan und ohne Begr\u00fcndung wieder einmal auf die \u00dcberlebensrate geschaut. Dass dann, nach einem halben Jahr, signifikant mehr Patienten in der Placebogruppe verstorben sind, f\u00fchrt Frass ebenfalls ohne Begr\u00fcnung in Standard-Hom\u00f6opathen-Manier auf die Gabe der Globuli zur\u00fcck. Damit postuliert er den Zusammenhang, den er eigentlich mit seinen Untersuchungen belegen sollte. Denn die Frage, ob die Todesursache der Patienten \u00fcberhaupt medizinisch mit der Sepsis in einen Zusammenhang gebracht werden kann, stellt (und beantwortet) er vorsichtshalber in seiner Arbeit gar nicht.<\/p>\n<p>Unbegreiflich bleibt, dass Frass seit dem Vorlegen der Arbeit im Jahr 2004, vor 10 Jahren also, die Studienergebnisse nicht mehrfach und an gr\u00f6\u00dferen Patientengruppen wiederholt hat. In seiner Ergebnistabelle stehen immerhin 75.8% \u00dcberlebende in der Hom\u00f6opathiegruppe nur 50.0% \u00dcberlebenden in der Placebogruppe gegen\u00fcber. W\u00e4re dieses Ergebnis real, so w\u00fcrde er einem Viertel der Patienten mit einer einfachen Ma\u00dfnahme das Leben retten.\u00a0Es sind schon Verdienstorden f\u00fcr Weniger verliehen worden.<\/p>\n<p>Zudem handelt es sich bei solchen Zahlen doch um ein Ergebnis, das man spielend leicht reproduzieren k\u00f6nnen m\u00fcsste. Der Nachweis einer \u00dcberlegenheit gegen Placebo sollte doch ein Kinderspiel, ein Selbstl\u00e4ufer sein, wenn der Einsatz von Hom\u00f6opathika bei einem Viertel der Patienten den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmacht. Und wieso erschwert Frass selbst eine Reproduktion der Ergebnisse durch hom\u00f6opathische Kollegen, indem er auch diesen keine klaren Anweisungen mit auf den Weg gibt?<\/p>\n<p>Wenn man ein Einhorn im Stall hat, wieso f\u00fchrt man es dann nicht einfach vor, um die Zweifel an dessen Existenz ein f\u00fcr alle Mal zu beseitigen? Sein Einhorn hat Frass jetzt jedenfalls 10 Jahre im Stall versteckt. Ein Schelm, wer B\u00f6ses dabei denkt. Traurig ist, dass die Studie seit Jahren auf Internetseiten, wie der eingangs Zitierten immer wieder als &#8222;Beleg&#8220; auftaucht, ohne jedoch die Studie genau zu beschreiben. Dem Leser solcher Seiten kann dann durch diese Verbreitungsart gar nicht mehr auffallen, wie wenig aussagekr\u00e4ftig die Studie eigentlich ist.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>[1] M. Frass et al: Adjunctive homeopathic treatment in patients with severe sepsis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial in an intensive care unit. In Homeopathy. 2005 Apr;94(2):75-80. <a href=\"http:\/\/www.inter-uni.info\/static\/download\/publication\/komplementaer\/c_2004_Frass_et_al_Homeopathy_sepsis.pdf\" class=\"broken_link\">Link<\/a> zum Volltext<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die Hom\u00f6o-Akademie in Traunstein &#8211; zumindest vorerst &#8211; verhindert ist,\u00a0soll dieser Blog verst\u00e4rkt wieder seinem eigentlichen Zweck nachkommen, n\u00e4mlich \u00fcber die verschiedenen angeblichen Nachweise zur Wirksamkeit hom\u00f6opathischer\u00a0Medikamente zu berichten. Diese Gemeinschaftsarbeit von Ute Parsch und mir\u00a0\u00a0wurde durch einen der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=1853\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,9,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1853"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1853"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5376,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1853\/revisions\/5376"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}