{"id":1054,"date":"2013-10-13T21:23:35","date_gmt":"2013-10-13T19:23:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=1054"},"modified":"2014-10-22T17:01:14","modified_gmt":"2014-10-22T15:01:14","slug":"homoeopathie-bei-schweren-atemwegsproblemen-studie-von-frass-2005","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?p=1054","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie bei schweren Atemwegsproblemen &#8211; Studie von Frass (2005)"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook%7Ctwitter\" data-url=\"http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D1054\" data-timestamp=\"1413997274\" data-hidezero=\"1\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-default wcag_colors orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D1054\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#38548F; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">teilen<\/span>&nbsp;<span data-service=\"facebook\" style=\"color:#38548F\" class=\"shariff-count\"> 4<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=http%3A%2F%2Fwww.beweisaufnahme-homoeopathie.de%2F%3Fp%3D1054&text=Hom%C3%B6opathie%20bei%20schweren%20Atemwegsproblemen%20%E2%80%93%20Studie%20von%20Frass%20%282005%29\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#115A92; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 30 32\"><path fill=\"#55acee\" d=\"M29.7 6.8q-1.2 1.8-3 3.1 0 0.3 0 0.8 0 2.5-0.7 4.9t-2.2 4.7-3.5 4-4.9 2.8-6.1 1q-5.1 0-9.3-2.7 0.6 0.1 1.5 0.1 4.3 0 7.6-2.6-2-0.1-3.5-1.2t-2.2-3q0.6 0.1 1.1 0.1 0.8 0 1.6-0.2-2.1-0.4-3.5-2.1t-1.4-3.9v-0.1q1.3 0.7 2.8 0.8-1.2-0.8-2-2.2t-0.7-2.9q0-1.7 0.8-3.1 2.3 2.8 5.5 4.5t7 1.9q-0.2-0.7-0.2-1.4 0-2.5 1.8-4.3t4.3-1.8q2.7 0 4.5 1.9 2.1-0.4 3.9-1.5-0.7 2.2-2.7 3.4 1.8-0.2 3.5-0.9z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">twittern<\/span>&nbsp;<span data-service=\"twitter\" style=\"color:#115A92\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><li class=\"shariff-button rss shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#000\"><a href=\"http:\/\/www.beweisaufnahme-homoeopathie.de\/?feed=rss\" title=\"RSS-feed\" aria-label=\"RSS-feed\" role=\"button\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#aa2e00; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#fe9312\" d=\"M4.3 23.5c-2.3 0-4.3 1.9-4.3 4.3 0 2.3 1.9 4.2 4.3 4.2 2.4 0 4.3-1.9 4.3-4.2 0-2.3-1.9-4.3-4.3-4.3zM0 10.9v6.1c4 0 7.7 1.6 10.6 4.4 2.8 2.8 4.4 6.6 4.4 10.6h6.2c0-11.7-9.5-21.1-21.1-21.1zM0 0v6.1c14.2 0 25.8 11.6 25.8 25.9h6.2c0-17.6-14.4-32-32-32z\"\/><\/svg><\/span><span class=\"shariff-text\">RSS-feed<\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div><p>W\u00e4hrend einer recht lebhaften Diskussion \u00fcber klinische Studien auf dem <a href=\"http:\/\/edzardernst.com\/2013\/09\/drowning-in-a-sea-of-misinformation-part-9-homeopaths-without-borders\/#comment-45031\">Blog<\/a> von Prof. Ernst hat ein User namens George auch eine Arbeit von Frass et al. als positiven Wirkungsnachweis f\u00fcr die Hom\u00f6opathie angef\u00fchrt. Anlass genug, diese Arbeit hier zu analysieren.<\/p>\n<p><!--more-->Die Arbeit von Frass et al. [1] befasst sich mit einem speziellen Problem, das in der Intensivmedizin auftreten kann. Es gibt Patienten, bei denen die normale Eigenatmung wegen krankheitsbedingter Verstopfung der Luftr\u00f6hre durch abgesonderten Schleim nicht mehr m\u00f6glich ist, etwa wenn sich latente Atembeschwerden (&#8218;Raucherhusten&#8216;) kritisch verst\u00e4rken. N\u00e4heres zu diesen als &#8218;Chronisch obstruktive Lungenerkrankung&#8216; genannten Beschwerden, englische Abk\u00fcrzung COPD, siehe den entsprechenden <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chronisch_obstruktive_Lungenerkrankung\">Artikel in der Wikipedia<\/a>.\u00a0Die Patienten m\u00fcssen \u00fcber einen Plastikschlauch in der Luftr\u00f6hre direkt in die Bronchien k\u00fcnstlich beatmet werden. Dieser Schlauch (&#8218;Tubus&#8216;) kann erst entfernt werden, wenn der Patient wieder selbstt\u00e4tig atmen kann und dies nicht mehr durch das Sekret verhindert wird.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Im Rahmen dieser Studie hat man untersucht, ob mit einer hom\u00f6opathischen Aufbereitung von Kaliumdichromat (Kalium bichromicum) als C30-Potenz (entsprechend D60) das Abklingen der Sekretion beschleunigt werden\u00a0kann. Nach verschiedenen hom\u00f6opathischen Nachschlagewerken (z. B. <a href=\"http:\/\/www.narayana-verlag.de\/materia-medica\/Kalium_bichromicum.php\">hier<\/a>) wird dieses Mittel unter Anderem bei Entz\u00fcndungen und anderen Problemen im Halsbereich eingesetzt, w\u00e4re also nach dem \u00c4hnlichkeitsprinzip durchaus angemessen. Allerdings kann man wohl kaum von einer individuellen Auswahl des Arzneimittels sprechen, denn die weiteren Symptome des Patienten wurden nicht erfasst. Nach hom\u00f6opathischem Selbstverst\u00e4ndnis w\u00e4re es durchaus m\u00f6glich, dass ein anderes Mittel besser gepasst h\u00e4tte.\u00a0Wenn der Patient auch Probleme mit den Knien hat oder sich in letzter Zeit oft niedergeschlagen f\u00fchlt, was abends schlimmer wird, dann w\u00e4re vielleicht ein anderes Mittel erforderlich.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Da Kaliumdichromat recht schwer ist &#8211; Molekulargewicht 294 &#8211; entspricht\u00a0C30 einer Verd\u00fcnnung von einem Molek\u00fcl des Wirkstoffes auf die 250.000-fache Masse unserer Sonne. Man kann also sicher sein, dass nicht ein Patient mit einem Molek\u00fcl aus der Urtinktur in Ber\u00fchrung kam. Wenn der Nachweis also tats\u00e4chlich gel\u00e4nge, dass dieses Medikament eine Wirkung h\u00e4tte, dann w\u00e4re dies in der Tat ein schwer zu widerlegender Nachweis einer prinzipiellen Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Zur Person des Autors<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Der Autor, Michael Frass, Jahrgang 1954, ist von Hause aus Internist, offenbar mit Spezialisierung auf Erkrankungen der Atemwege. Nach seinem <a href=\"http:\/\/www.ordination-frass.at\/index.php\/lebenslauf-schwerpunkte\" class=\"broken_link\">Lebenslauf<\/a> war er von 1992 bis 2004 Leiter der Intensivstation in Wien (in welchem Krankenhaus ist unklar). Er hat eine ganze Reihe von Aufs\u00e4tzen ver\u00f6ffentlicht und auch verbesserte Mittel zur Notfallbeatmung erfunden. Seit 1994 h\u00e4lt er eine Professur f\u00fcr Innere Medizin (Universit\u00e4t nicht genannt).<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Seit etwa 1990 ist er allerdings auch Mitglied in verschiedenen Gesellschaften f\u00fcr Hom\u00f6opathie und ist seit 2004 Leiter der Spezialambulanz &#8218;Hom\u00f6opathie bei malignen Erkrankungen&#8216; der Medizinischen Universit\u00e4t Wien. Er ist seit 2006 Pr\u00e4sident des Dachverbandes \u00d6sterreichischer \u00c4rzte f\u00fcr Ganzheitsmedizin und derzeit der Vorsitzende der Wissenschaftlichen Gesellschaft f\u00fcr Hom\u00f6opathie und somit ein sehr prominenter Vertreter der Hom\u00f6pathie, nicht nur in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Frass vertritt die Auffassung, die auch hier in dem betrachteten Artikel ersichtlich wird, dass die Hom\u00f6opathie in der Intensiv- und Notfallmedizin zus\u00e4tzlich zur konventionellen Behandlung vorteilhaft eingesetzt werden kann und hat auch ein entsprechendes Buch mit 145 Fallstudien ver\u00f6ffentlicht. Wir werden sehen, wie er diese Auffassung mit Studienergebnissen best\u00e4tigen kann. Bei einem solch prominenten Forscher d\u00fcrfen wir auf seine Ergebnisse gespannt sein.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Studiendesign<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Alle 50 Patienten, deren Daten ausgewertet werden konnten, waren vor Beginn der Studie bereits f\u00fcr drei bis sieben Tage \u00fcber einen Beatmungsschlauch in der Luftr\u00f6hre, entweder durch den Mund oder durch einen Luftr\u00f6hrenschnitt, k\u00fcnstlich beatmet worden. Bei allen konnte die Eigenatmung wieder angeregt werden. Trotz regelm\u00e4\u00dfiger Absaugung und Sp\u00fclung in der Luftr\u00f6hre konnte der Atemschlauch wegen starker Absonderung klebrigen Sekrets dennoch nicht entfernt werden. Die Patienten wurden nach einem Zufallsprinzip in je eine Hom\u00f6opathie- und eine Placebogruppe aufgeteilt, jeweils zu 25 Teilnehmern. Um die Schleimabsonderung zu reduzieren, wurde die Hom\u00f6opathiegruppe mit Kalium bichromicum C30 behandelt, die Placebogruppe erhielt nicht unterscheidbare Placebos. Sowohl Patienten als auch \u00c4rzte waren \u00fcber die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit der Patienten im Unklaren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Gemessen und bewertet wurde die Menge des abgesonderten Sekrets, die Zeitdauer, bis der Atemschlauch entfernt werden konnte, und die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation. Die Forscher wollen bei den Patienten, die das Hom\u00f6opathikum erhalten hatten, in allen drei Kriterien signifikante Verbesserungen herausgemessen haben und schlie\u00dfen daraus, dass Kalium bichromicum C30 bei diesen Beschwerden erfolgreich eingesetzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Datenanalyse<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Folgen die Schlussfolgerungen der Autoren zwangsl\u00e4ufig aus den erhobenen Daten? Sind andere Deutungsm\u00f6glichkeiten durch das Vorgehen weitgehend ausgeschlossen oder zumindest unwahrscheinlich? Das\u00a0sind die Fragen, auf die wir mit dieser Analyse Antworten suchen. Wenn die Ergebnisse auch durch andere Einfl\u00fcsse zustande gekommen sein k\u00f6nnten oder auf sonstigen Fehlern beruhen, dann sind die gezogenen Schlussfolgerungen nicht gerechtfertigt, der Studie mangelt es dann an innerer Validit\u00e4t.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Bei dieser Arbeit ist eine besonders intensive Besch\u00e4ftigung mit den einzelnen Ergebnissen erforderlich, um die Studie beurteilen zu k\u00f6nnen. Die einzelnen Schritte der Behandlung sind in der Arbeit recht ausf\u00fchrlich beschrieben, die Darstellung der Ergebnisse aber, insbesondere entsprechender Zahlenwerte, ist allerdings etwas d\u00fcrftig ausgefallen und entspricht eher einer Datenverschleierung als einer transparenten Darstellung.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Gruppenzusammensetzung<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ziel einer jeden Randomisierung der Patienten auf die beiden Gruppen ist es, die Patienten so auf die Gruppen zu verteilen, dass diese sich in den f\u00fcr den Versuch bedeutsamen Eigenschaften m\u00f6glichst \u00e4hnlich sind. Inwieweit das auch gelungen ist, wird in jeder Studie in einer Tabelle dargestellt, in der die wesentlichen Daten der Gruppen enthalten sein sollen. Die Autoren tun dies hier auch, um dann im Text festzustellen, dass es keinen Unterschied zwischen den Gruppen g\u00e4be. Schaut man sich als Laie hingegen die Tabelle an, dann sind die Gruppen wohl doch nicht so gleich gewesen:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Hinsichtlich der \u00fcblichen demoskopischen Daten (Alter, Geschlecht &#8230;) gab es tats\u00e4chlich nur geringf\u00fcgige Unterschiede. Bei den Krankendaten sieht es allerdings etwas anders aus:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wie bei anderen Befunden auch, gibt es f\u00fcr das Ausma\u00df der COPD eine Einteilung in verschiedene Stadien, wobei in der Studie eine Skala von 1 bis 3 verwendet wird (1 = leicht (&#8218;mild&#8216;), 2 = mittel (&#8218;moderate&#8216;), 3 = schwer (&#8217;severe&#8216;)).<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Frass et al. geben zum Vergleich an, welches Stadium bei den Patienten vor der aktuellen Verschlechterung vorlag, die\u00a0akut zur Einlieferung in das Krankenhaus gef\u00fchrt hatte. Bei der Hom\u00f6opathiegruppe wird das durchschnittliche Stadium als 1,08 beziffert, bei der Placebogruppe hingegen\u00a0als 1,20, wobei in beiden Gruppen eine Bandbreite von Stadium 1 bis 3 vorgelegen hat. Es wird weiterhin angef\u00fchrt, dass in der Hom\u00f6opathiegruppe bei f\u00fcnf Patienten eine langfristige Sauerstoffbehandlung notwendig war, bei der Placebogruppe hingegen bei 9 Patienten, also fast bei doppelt so vielen. Nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sauerstoff-Langzeittherapie\">Wikipedia<\/a>\u00a0 ist diese Therapie mindestens 16 Stunden t\u00e4glich, auch in der Nacht, anzuwenden. Wie gesagt, es geht um den Zustand <span style=\"text-decoration: underline;\">vor<\/span> der gegenw\u00e4rtigen Krisensituation.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Versucht man, schon diese Angaben aus der Studie in Deckung zu bringen, dann tritt bereits ein Problem auf. Wie w\u00fcrde man die Lebensqualit\u00e4t eines Menschen beurteilen, der mehr oder weniger st\u00e4ndig daf\u00fcr Sorge tragen muss, dass er an eine Sauerstoffversorgung angeschlossen werden kann, und dies \u00fcber mindestens zwei Drittel des Tages auch in Anspruch nehmen muss? Jemand, der sich nur mehr oder weniger kurzzeitig ohne Atemkan\u00fclen frei bewegen kann und jedwede k\u00f6rperliche Anstrengung meiden muss &#8211; auch die, die Freude bereiten? Ich w\u00fcrde vermuten, dass dies mit einer geh\u00f6rigen Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t einhergeht und insgesamt ein schweres Krankheitsbild darstellt. Also haben f\u00fcnf Patienten in der Hom\u00f6opathiegruppe und neun in der Placebogruppe sicher das dritte Stadium erreicht. Dann sind aber die von Frass angegebenen Zahlen unm\u00f6glich. Selbst wenn bei allen anderen Patienten nur das erste Stadium vorgelegen h\u00e4tte, was wenig glaubhaft erscheint, dann l\u00e4gen die Durchschnittszahlen mindestens bei 1,4 und 1,72 anstatt 1,08 und 1,2.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Sofern die Einteilung der Stadien einer linearen Skala folgt &#8211; was mir allerdings nicht bekannt ist &#8211; dann k\u00f6nnte man daraus schlie\u00dfen, dass es den Patienten der Placebogruppe um \u00fcber 20 % schlechter ging als den Patienten, die das Hom\u00f6opathikum erhielten. Die Gruppen waren also durchaus nicht gleich, in ihrem Befund vor dem Krankenhausaufenthalt gab es deutliche Unterschiede.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Ergebnisse &#8211; Sekretmenge<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Als erstes Ergebnis wird die Menge des abgesaugten Sekrets am zweiten Tag nach der Gabe des Medikaments oder des Placebos angegeben. Dazu wird die abgesaugte Schleimmenge gemessen. Naiv w\u00fcrde man jetzt erwarten, dass man das Ergebnis irgendwie in der Gr\u00f6\u00dfe als &#8218;Menge pro Zeit&#8216; darstellt. Anstatt einer solchen einfachen und transparenten Angabe finden wir ein Datengeschwurbel vor, das nicht einfach zu \u00fcberblicken ist:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Autoren w\u00e4hlen ein recht kompliziertes Verfahren, die Zahlenwerte aufzubereiten, und man fragt sich nach dem Grund daf\u00fcr, ohne eine Antwort hierauf zu erfahren. Routinem\u00e4\u00dfig fand alle sechs Stunden eine Absaugung statt, also viermal am Tag, sowie zus\u00e4tzlich nach Bedarf. In der Hom\u00f6opathiegruppe wurde so im Schnitt am betrachteten zweiten Tag 7,2 Mal abgesaugt, bei der Placebogruppe 6,9 Mal.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Menge wurde jeweils\u00a0direkt beim Absaugen ermittelt, diese Werte wurden aber nicht direkt verwendet, sondern es erfolgte eine Gradeinteilung: Grad 1 entsprach einer Menge von 0 bis 5 ml, 6 bis 10 ml ergaben Grad 2, 11 bis 15 ml ergaben schlie\u00dflich Grad 3. Der Durchschnittswert von drei solchen Graden wurde dem jeweiligen Patienten zugeordnet. Im Durchschnitt aller Patienten ergab sich so bei der Placebogruppe ein Wert von 2,44, bei der Hom\u00f6opathiegruppe hingegen von 1,52. Ein deutlicher Vorteil f\u00fcr die Hom\u00f6opathiegruppe also &#8211; nur, was hat dieser Wert denn eigentlich noch mit den tats\u00e4chlichen abgesonderten Sekretmengen zu tun?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zun\u00e4chst wundert man sich, warum man die dem Messverfahren offenbar innewohnende Genauigkeit &#8211; man kann offenbar bis auf den Kubikzentimeter herunter messen &#8211; freiwillig aufgibt. Stattdessen verwendet man eine Gradeinteilung, bei der das Volumen dann nur in einer Aufl\u00f6sung von 5 Kubikzentimetern beziffert werden kann. Hier ist die Wortwahl der Autoren wichtig: Die Messung erfolgte \u00fcber ein R\u00f6hrchen mit Skaleneinteilung (&#8218;was distinguished by volume &#8230; in a graduated vial&#8216;), wobei dann das Ergebnis einer Gradeinteilung <span style=\"text-decoration: underline;\">zugeordnet<\/span> wurde (&#8218;Tracheal secretions were <span style=\"text-decoration: underline;\">classified<\/span> into three grades &#8230;&#8216;). Hier wird klar ein von der eigentlichen Messung losgel\u00f6ster Prozess der Klassifizierung beschrieben.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Mit einer solchen Einteilung kann man Messwerte ganz sch\u00f6n manipulieren, insbesondere, wenn Durchschnittswerte gebildet werden. Ein Unterschied von 5 ml kann so zum Verschwinden gebracht werden.\u00a0Wobei auch noch offen ist, warum nur drei Messungen verwendet wurden, wenn doch im Schnitt rund sieben vorlagen. Das dargestellte Ergebnis beruht\u00a0demnach auf weniger als der H\u00e4lfte der tats\u00e4chlich ermittelten Daten!<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Man hat also eine Auswahl aus den vorhandenen Messwerten getroffen &#8211; wer hat das getan und wann ist das erfolgt? Und vor allem, nach welchen Regeln wurde diese Auswahl getroffen? Wurden die drei letzten Messungen herangezogen? Oder die ersten? Oder die mit den h\u00f6chsten Werten? Oder den niedrigsten? Oder was auch sonst? Auf jeden Fall\u00a0verschwand schon in diesem Schritt die Gesamtmenge des am zweiten Tag abgesonderten Sekrets aus der Auswertung. Dass bei der Hom\u00f6opathiegruppe\u00a0h\u00e4ufiger abgesaugt wurde als bei der Placebogruppe, spielt bei dieser Bewertung keine Rolle mehr.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Als Laie will mir scheinen, dass die abgesaugte Schleimmenge bei einem Patienten auch davon abh\u00e4ngig ist, wieviel Zeit seit der letzten Absaugung vergangen ist. Nach der Beschreibung erfolgte eine routinem\u00e4\u00dfige Absaugung alle sechs Stunden, sagen wir um 1 Uhr, 7 Uhr, um 13 Uhr und um 19 Uhr. Weitere Absaugungen erfolgten bei Bedarf, also irgendwann dazwischen. Wenn nun bei einem Patienten eine zus\u00e4tzliche Absaugung um 18 Uhr erfolgt ist, dann wird die turnusm\u00e4\u00dfige eine Stunde sp\u00e4ter kaum eine nennenswerte Menge ergeben haben. Zumindest deutlich weniger, als wenn keine zus\u00e4tzliche Absaugung erfolgt w\u00e4re und die letzte mithin sechs Stunden zur\u00fccklag. Um die abgesaugte Menge korrekt zu bewerten, w\u00e4re also eine Betrachtung der Zeit erforderlich gewesen, in der sich diese Menge angesammelt hatte. Dies umso mehr, als durch die bedarfsgesteuerten Sonderbehandlungen nicht damit zu rechnen war, dass bei jeder Absaugung auch immer die gleiche Zeit seit der vorhergegangenen verstrichen war. Alleine, dieser Aspekt wird in der Arbeit nicht erw\u00e4hnt, die Gradeinteilung der Patienten erfolgte alleine nach der absoluten abgesaugten Menge.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Dass mit der Gradeinteilung irgendetwas nicht stimmt, kann man auch direkt aus den Daten ablesen, wenn man versucht, sie in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">In beiden Gruppen wurden am zweiten Tag jeweils 6 bis 8 Absaugungen durchgef\u00fchrt, also mindestens zwei mehr als nach dem routinem\u00e4\u00dfigen Vorgehen zu erwarten w\u00e4re. Das hei\u00dft, es gab zus\u00e4tzlichen Bedarf, und zwar in beiden Gruppen bei allen Patienten. Was war der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass eine zus\u00e4tzliche Absaugung durchgef\u00fchrt wurde? Doch wohl sicher, dass die vorliegende Menge dem Patienten Probleme bereitet hat. Diese Menge wird individuell von Patient zu Patient verschieden gewesen sein. Da es sich aber bei den Patienten durchg\u00e4ngig um Erwachsene gehandelt hat, d\u00fcrften die Unterschiede nicht allzu gravierend gewesen sein.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Frass berichtet aber als Ergebnis die Zuordnung der Patienten zu den einzelnen Graden:<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Hom\u00f6opathiegruppe: Grad 1: 13, Grad 2: 11, Grad 3: 1<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Placebogruppe: Grad 1: 2, Grad 2: 10, Grad 3: 13<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Demnach w\u00e4ren bei den Patienten der Hom\u00f6opathiegruppe die zus\u00e4tzlichen Absaugungen im Mittel bereits bei wesentlich kleineren vorliegenden Sekretmengen erforderlich gewesen als in der Placebogruppe. Rein rechnerisch w\u00e4re bei der Placebogruppe eine Absaugung bei 9,7 ml Sekret erforderlich gewesen, bei der Hom\u00f6opathiegruppe hingegen bereits bei 4,7 ml, also bei weniger als der H\u00e4lfte. Da die Gruppen hinsichtlich Altersstruktur, Geschlechterverteilung, Gewicht, K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe sich durchaus sehr \u00e4hnlich waren, ist dies v\u00f6llig unplausibel, was die Annahme einer fragw\u00fcrdigen Ermittlung der Gradeinteilung untermauert.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Quintessenz: Der eindeutige Zusammenhang, dass eine heftigere Sekretabsonderung auch zu einer h\u00f6heren Bewertung f\u00fchren muss, ist in Folge diesen Vorgehens nicht mehr gesichert und muss nach Lage der Dinge ernsthaft bezweifelt werden. Eine Bewertung der Wirksamkeit des Medikaments ist an diesem Kriterium mithin nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zur Erg\u00e4nzung: Die Autoren f\u00fchren aus, dass bei allen Patienten vor der Gabe des Medikaments ein Grad 3 vorgelegen habe, die Patienten also &#8218;gleich&#8216; waren. Bei der Fragw\u00fcrdigkeit dieser Auswertung ist diese Aussage wohl nur wenig belastbar.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Ergebnisse &#8211; Zeit bis zum Entfernen des Beatmungsschlauchs<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Autoren geben an, dass den Patienten der Hom\u00f6opathiegruppe im Mittel nach 2,88 Tagen der Schlauch entfernt werden konnte, bei der Placebogruppe erst nach 6,12 Tagen. Das ist doch ein sch\u00f6nes signifikantes Ergebnis, mit p &lt; 0,0001 sogar ausgesprochen hochsignifikant.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">F\u00fcr die Bedingungen, die gegeben sein mussten, damit der Schlauch entfernt werden konnte, wird angegeben:<\/p>\n<ul>\n<li>der Patient muss ansprechbar sein (&#8218;alert&#8216;) mit stabilen Lebenszeichen<\/li>\n<li>der W\u00fcrgereflex muss vorhanden sein<\/li>\n<li>der Sauerstoffgehalt im Blut muss einen bestimmten Grenzwert \u00fcbertreffen<\/li>\n<li>am Ende der Ausatmung muss ein bestimmter Druck gegeben sein<\/li>\n<li>\n<p lang=\"de-DE\">die Atemfrequenz\u00a0muss unter 20 Atemz\u00fcgen pro Minute liegen<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de-DE\">Der Zeitpunkt, wann der Schlauch entfernt werden konnte,\u00a0wurde nach diesen Kriterien von einem Arzt festgelegt, der nicht an der Studie beteiligt war.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Betrachten wir die f\u00fcnf Kriterien, dann ist f\u00fcr den Laien h\u00f6chst erstaunlich, dass der Befund, den man versucht hat, mit dem Medikament zu beeinflussen, nicht auftaucht. Zumindest nicht direkt. Da ich selbst \u00fcber keine Kenntnisse auf diesem Gebiet verf\u00fcge, habe ich einen Fachmann, einen HNO-Facharzt, um Auskunft gebeten. Zusammengefasst: Die ersten zwei Kriterien h\u00e4ngen gar nicht von der Schleimabsonderung ab, die letzten drei nur recht indirekt. Bei einem Patienten, der schlecht Luft bekommt, wird der Sauerstoffgehalt im Blut niedrig sein, was die Atmungsfrequenz erh\u00f6ht. Durch eine Verengung der Luftr\u00f6hre wird auch der zu messende Luftdruck beim Atmen negativ beeinflusst. Aber f\u00fcr diese Erscheinungen kommen auch andere Ursachen im Rahmen der COPD-Indikation in Frage. In der Studie selbst wird beschrieben, dass die Extubation eben auch wegen des m\u00f6glichen Versagens anderer Organe ausgeschlossen sein kann oder weil der Patient f\u00fcr andere Untersuchungen ruhiggestellt werden muss.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Frass berichtet zwar, dass die Zeit bis zur Entfernung des Luftschlauchs in beiden Gruppen unterschiedlich war &#8211; nennt aber nicht die Ursachen hierf\u00fcr. Sehr gut m\u00f6glich, dass eine vielleicht von der Sekretabsonderung her m\u00f6gliche Herausnahme durch andere Einfl\u00fcsse verhindert wurde, die gar nicht Gegenstand dieser Studie waren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zus\u00e4tzlich ist zu bedenken: Nach den Angaben der Studie hatten die Patienten den Beatmungsschlauch bereits drei bis sieben Tage vor Beginn der Studie erhalten. Wenn wir davon ausgehen, dass die Behandlung nicht nur einfach aus einem Abwarten bestand, wann denn der Schlauch wieder entfernt werden konnte &#8211; die Studie macht hierzu keine Angaben &#8211; dann war die Genesung bei den einzelnen Patienten bereits zu Beginn der Studie recht unterschiedlich weit fortgeschritten. Es werden allerdings keine Angaben gemacht, ob sich die Gruppen in dieser Hinsicht unterschieden. Ein Versehen? Oder Absicht?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Quintessenz: Auch bei diesem Kriterium ist der direkte Zusammenhang zwischen der tats\u00e4chlichen Sekretbildung des Patienten und dem Endpunkt des Versuchs nicht zwangsl\u00e4ufig gegeben. Selbst wenn ein Placebo-Patient beispielsweise gar kein Sekret mehr bildete, jedoch aus anderen Gr\u00fcnden nicht ansprechbar war, somit den Atemschlauch behalten musste, dann wird dies im Studienergebnis als Vergleichsbasis f\u00fcr die Wirksamkeit der Behandlung der Sekretbildung herangezogen. Damit sind Aussagen zur Wirksamkeit des Hom\u00f6opathikums aus diesem Kriterium nicht ableitbar.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Ergebnisse &#8211; Zeitdauer auf der Intensivstation<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zweifellos ist es sch\u00f6n, signifikante Ergebnisse zu erzielen &#8211; und wenn man schon dabei ist, dann macht man noch ein paar mehr. Sieht ja auch wirklich\u00a0spektakul\u00e4rer aus.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Anders jedenfalls ist nicht erkl\u00e4rbar, warum die Verweildauer auf der Intensivstation als ein zus\u00e4tzliches Bewertungskriterium der Wirksamkeit herangezogen wird. Die Patienten der Hom\u00f6opathiegruppe verbrachten im Schnitt 4,20 Tage auf der Intensivstation, die der Placebogruppe hingegen mussten im Schnitt 7,68 Tage dort verbringen. Das Einzige, was wir aus diesen Zahlen entnehmen k\u00f6nnen, ist, dass die Patienten der Hom\u00f6opathiegruppe offenbar nach Entfernung des Schlauches noch weitere 1,32 Tage auf der Intensivstation verbrachten, die der Placebogruppe 1,46 Tage, ein Unterschied also von knapp 3,5 Stunden. Gemessen an dem gesamten Zeitraum der Behandlung\u00a0ist der Unterschied vernachl\u00e4ssigbar.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das hei\u00dft, dieses Ergebnis ist eine direkte Folge des oben betrachteten Kriteriums ohne einen zus\u00e4tzlichen Erkenntnisgewinn. Man k\u00f6nnte in \u00e4hnlicher Manier noch weitere signifikante Ergebnisse erzeugen, etwa die Zahl der auf der Intensivstation verbrachten N\u00e4chte, die Anzahl der erlebten Schichtwechsel des Personals, die Anzahl der Arztvisiten und so weiter und so fort.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Quintessenz: Dieses Merkmal l\u00e4sst auch keine Beurteilung der Wirksamkeit zu, da keine zus\u00e4tzlichen Erkenntnisse einflie\u00dfen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Gesamtbetrachtung<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Wie dargelegt, besteht kein zwingender eindeutiger Zusammenhang zwischen der Sekretbildung der Patienten und den dargestellten Ergebnissen hinsichtlich der Sekretmenge und der Zeitdauer bis zur Entfernung des Atmungsschlauchs. Dann ist es auch v\u00f6llig m\u00fc\u00dfig, sich mit den sonstigen Kleinigkeiten, etwa mit der Signifikanz oder den nicht angegebenen Vertrauensbereichen zu besch\u00e4ftigen. Es ist einfach sinnlos, sich bei einem nicht im geringsten validen Ergebnis dar\u00fcber Gedanken zu machen, wie weit es g\u00fcltig ist.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Es bleibt jedoch ein Punkt: Wie kam es dazu, dass Ergebnisse erzeugt wurden, die so eindeutig in Richtung auf eine Wirksamkeit des Hom\u00f6opathikums hinweisen? Letztendlich sind die hier berichteten Unterschiede schon recht betr\u00e4chtlich und \u00fcberschreiten bei Weitem, was man so als Effektst\u00e4rke von anderen vermeintlich erfolgreichen Studien zur Hom\u00f6opathie kennt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Nat\u00fcrlich kann es sich hierbei um einen Zufall handeln, aber irgendwie will das nicht so recht einleuchten. Dann bleiben jedoch nur etwas anr\u00fcchige Erkl\u00e4rungen \u00fcbrig.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Aus der Studie geht beispielsweise hervor, dass sowohl die Patienten als auch das sie behandelnde Pflegepersonal in Unkenntnis \u00fcber die Gruppenzuordnung waren. Des weiteren wird ausgef\u00fchrt, dass alle statistischen Analysen ausgef\u00fchrt wurden, und erst danach die Verschl\u00fcsselung gel\u00f6st wurde, das hei\u00dft erst danach wurde bekannt, welcher Patient zu welcher Gruppe geh\u00f6rte. Ich wei\u00df, das liest man \u00f6fters, aber ich habe immer Schwierigkeiten damit, mir vorzustellen, wie man eine statistische Analyse machen kann, wenn man nicht wei\u00df, welche Patienten zusammengeh\u00f6ren. Wie macht man einen Signifikanztest zwischen Placebo- und Verumgruppe ohne dass man wei\u00df, welche Einzelergebnisse wo angefallen sind? Ich halte dies f\u00fcr nicht durchf\u00fchrbar.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Irgendwann w\u00e4hrend der Auswertung muss die Verblindung weggefallen sein, sp\u00e4testens dann, wenn nicht schon zu irgendeinem Zeitpunkt vorher. Da, wie oben berichtet, nur weniger als die H\u00e4lfte der vorliegenden Einzelwerte nach nicht n\u00e4her beschriebenen Kriterien ausgew\u00e4hlt wurden, ist es durchaus m\u00f6glich, ohne viel Aufhebens die Auswahl einer Zielvorstellung anzupassen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Es wird ausgef\u00fchrt, dass die Bestimmung des Zeitpunkts f\u00fcr die Entfernung des Atemschlauchs durch einen Arzt erfolgte, der ansonsten nicht an der Studie beteiligt war. Die Zuordnung der Patienten zu den Gruppen und die Zuteilung der Arznei bzw. des Placebos erfolgte auch durch einen nicht beteiligten Arzt. Was, wenn diese beiden Personen tats\u00e4chlich identisch waren? Namen werden in der Studie nicht genannt, somit ist es durchaus m\u00f6glich, dass ein ansonsten unbeteiligter Arzt in Kenntnis der Gruppenzuordnung die Zeitpunkte der Extubation bestimmte und damit bewusst oder unbewusst einen Einfluss ausge\u00fcbt hat<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Es sei darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen Ausf\u00fchrungen um reine hypothetische M\u00f6glichkeiten handelt und diese ausdr\u00fccklich nicht als Tatsachen behauptet werden. Es handelt sich lediglich um eine Diskussion m\u00f6glicher Erkl\u00e4rungen f\u00fcr einen vorliegenden Sachverhalt. Sollte jemand diesen Sachverhalt anderweitig aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen, werde ich dies gerne in diesen Beitrag mit einarbeiten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Zusammenfassung<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">In der Studie wurden Patienten der Intensivstation, die \u00fcber einen Schlauch direkt in die Bronchien beatmet wurden, mit einem hom\u00f6opathischen Medikament behandelt, das die Schleimproduktion in der Luftr\u00f6hre senken sollte. F\u00fcr einen Nachweis der Wirksamkeit werden drei Kriterien benutzt: (1) die Menge des produzierten Sekrets, (2) die Zeitdauer ab Studienbeginn bis der Luftschlauch entfernt werden konnte und (3) die Zeitdauer, die der Patient ab Studienbeginn auf der Intensivstation verbringen musste.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Art der Datenauswertung f\u00fchrt jedoch dazu, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem tats\u00e4chlichen Ausma\u00df der Sekretbildung, zu messen als Menge pro Zeit, und der daraus bestimmten Bewertungszahl gibt. Letztendlich werden noch nicht einmal die H\u00e4lfte der vorliegenden Messwerte nach nicht n\u00e4her beschriebenen Kriterien f\u00fcr die Ermittlung des Ergebnisses ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Sekretbildung beeinflusste den Zeitpunkt der Entfernung des Atemschlauchs wenn \u00fcberhaupt, dann nur sehr indirekt. Es ist nicht ersichtlich, ob die unterschiedlichen Ergebnisse beider Gruppen \u00fcberhaupt mit den in dieser Studie betrachteten Sachverhalten in Verbindung stehen\u00a0<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Verweildauer auf der Intensivstation ist nur eine direkte Folge der Zeitdauer zur Extubation und bringt von daher keine neuen Erkenntnisse.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Quintessenz: Diese Studie ist als Nachweis f\u00fcr die Wirkung des hom\u00f6opathischen Medikaments nicht valide, die anderslautenden Schlussfolgerungen der Autoren sind nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Danksagung<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ich danke <a href=\"http:\/\/www.hno-vahle.de\/\" class=\"broken_link\">Herrn Dr. Vahle <\/a>f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">[1] Frass M, Dielacher C, Linkesch M, Endler C, Muchitsch I, Schuster E, Kaye A: Influence of Potassium Dichromate on Tracheal Sekretion in Critically Ill Patients:, in: Chest 2005: 127; 936-941, DOI 10.1378\/chest.127.3.936, Link zum <a href=\"http:\/\/dcscience.net\/frass-homeop-icu-05.pdf\">Volltext<\/a>\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend einer recht lebhaften Diskussion \u00fcber klinische Studien auf dem Blog von Prof. Ernst hat ein User namens George auch eine Arbeit von Frass et al. als positiven Wirkungsnachweis f\u00fcr die Hom\u00f6opathie angef\u00fchrt. 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